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Full text of "Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen auf dem Gebiete der sozialen Hygiene und Demographie 4.1904"

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Jahresbericht 

über die 

Fortschritte und Leistungen auf dem Gebiete der 

Sozialen Hygiene und Demographie. 

Vierter Band: 

Bericht über das Jahr 1904. 


Herausgegeben 

von 

A. Grotjahn und F. Kriegei. 

Dr. n\ed. Dr. phil. 












Verlag von Gustav Fischei* in Jena.. 


Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen 
auf dem Gebiete der Sozialen Hygiene imd Demo- 

crpnlYlija Von Dr. med. A. Grotjahn und Dr. phil. F. Kriegei. 

£-i--1 Bandl: Bericht über die Jahre 1900 und 1901. 1902. Preis: 

7 Mark 50 Pf. 

Medizinische Reform Kr. 36 vom 6. Sept. 1902 sagt Uber den I. Band: 

Die stetig zunehmende Zahl von Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Sozialen 
Hygiene, des Versicherungswesens und verwandter Bestrebungen kann der Einzelne kaum 
noch Übersehen, zumal die Verfasser nicht nur aus Ärzten und Hygienikern, sondern auch 
aus Beamten und Nationalökonomen bestehen. Das vorliegende Werk wird dem Orientie- 
rungsbedürfnisse ciues jeden, der sich in den einschlägigen Gebieten zurechtfinden muß, in 
bester Welse Genüge tun ... Es ist nur zu wünschen, daß dieser erste Jahresbericht sehr 
zahlreiche Leser finde, der Ausbreitung uud Vertiefung sozialmedizinischer Kenntnisse würde 
so auf das Be9te Vorschub geleistet. 

Band II: Bericht über das Jahr 1902. Von Dr. rued. A. Grotjahn und 
Dr. phil. F. Kriegei. 1903. Preis: 12 Mark. 

Band III: Bericht über das Jahr 1903. Von Dr. med. A. Grotjahn und 
Dr. phil. F. Kriegei. 1903. Preis: 10 Mark. 






Gesetz bete. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. 

Vom 30. März 1903. Nebst den dazu gehörigen Bekanntmachungen des 
Bundesrats, den Ausführungsanweisungen der deutschen Bundesstaaten und 
Elsah-Lothringens und vier Anhängen. Von Konrad Agahd u. M. v. Schulz. 
Dritte wesentlich vermehrte Autlage. Preis: 3 Mark, geh. 3 31ark 
60 Pf. 

Beiträge zur Aniienstatistik. SÄ'dütschen stMteraVIS 

Jahr 1896—97. Herausgegeben nach einer Erhebung der Konferenz deutscher 
Städtestatistiker im Aufträge des Instituts für Gemeinwohl in Frankfurt a/Al. 
von Dr. Chr. J. Klumker. Preis: 8 Mark. 

Bericht über den IX. Internationalen Kongreß gegen 

flon iUnlwkliumK Abgehalten in Bremen vom 14.—19. April 1903 

ül 11 K 0 -IL 0A1S n !i!-: unter dem Ehrenpräsidium Seiner Excellenz 

des Staatsministers Staatssekretär des Innern Dr. Graf v. Posadowsky- 
W ebner. Berlin und Seiner Magnifizenz des Bürgermeisters Dr. Pauli, 
Bremen. Im Aufträge des Organisationskomitees herausgegeben und redigiert 
von Franziskus Bähiicl. Preis: 5 Mark. 

Hygiene (1er Prostitution u. venerischen Krankheiten. 

Von Dr. A. Blaschko. Mit einer Kartenskizze und 2 Kurven im Text. 1900. 

Preis: 3 Mark. 

Handbuch der Schulhygiene. lngu?t r 'Netoin"kf e in te wieu nd mi 

350 Abbildungen. Zweite umgearbeitete Auflage. 1902. Preis: 
brosch. 20 Mark, gebunden 22 Mark. 

Bas Wirtschaftsjahr 1903. 

Arbeitsmarkt. Für Volkswirte und Ge- 
ochäftsmänner, Arbeitgeber- und Arbeiterorganisationen. Von Richard 
Calwer. Erster Teil: Handel und Wandel in Deutschland. 1904. 

Preis: brosch. 8 Mark, geh. 9 Mark. 

Yolkswirtscliaftliche Chronik für das Jahr 1904. £Jdruck 

Jahrbüchern der Nationalökonomie und Statistik. Gegründet von Bruno 
Hildebrand. Herausgegeben von Dr. J. Conrad, Prof, in Halle a. S. ln 
Verbindung mit Dr. Edg. Locniug, Prof, in Halle a. S. und Dr. W. Lcxis, 
Prof, in Göttingen. 1905. Preis: 16 Mark. 

Tlii* Wnlilli tinflAfra Eine sozialwissenschaftliche Studie. Von Dr. 
■lfll fl llllilllll^pilt^t. Robert von Erdberg in Berlin. 1903. Preis: 

1 Mark 50 Pf. 

TVia HoiKufl^op Ihre Begründung und Organisation in Hauspflegeveremeu 
HdlL[Pllt^li y on Prof. Dr. Flesch in Frankfurt a. M. 1901. Preis. 

75 Pf. 




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Jahresbericht 


über die 

Fortschritte lind Leistungen auf dein Gebiete der 

Sozialen Hygiene und Demographie. 

Vierter Band: 

Bericht über das Jahr 1904. 


Herausgegeben 

von 


A. Grotjahn und J • 

Dr. med. 


Kriegei. 

Dr. phil. 



Jena. 

Verlag von Gustav Fischer. 

1905. 


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TK DEN FOUNDATIONS 

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Alle Rechte Vorbehalten. 


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Vorwort. 


Über Zweck und Ziele, die wir mit der Herausgabe unseres 
Jahresberichtes verfolgen, weisen wir auf die Vorworte der drei 
vorausgegangenen Bände hin, denen wir nur einige Bemerkungen über 
das Verhältnis der sozialen Hygiene zur „sozialen Medizin“ hinzuzu¬ 
fügen brauchen. Unter diesem Ausdruck faßt man gegenwärtig alle 
medizinischen Fragen zusammen, die in irgend einer Beziehung zu dem 
sozialen Arbeiterversicherungswesen stehen. Abgesehen von der rein 
klinischen Gutachtertätigkeit dürften sich demnach die Probleme der 
sozialen Medizin unter den weiten Begriff der sozialen Hygiene zwang¬ 
los subsumieren lassen. Wir definieren diese nach wie vor 1 ) als die 
Lehre von den Bedingungen, denen die Verallgemeinerung hygienischer 
Kultur unter einer Gruppe von örtlich, zeitlich und gesellschaftlich 
zusammengehörigen Individuen und deren Nachkommen unterliegt, 
sowie weiterhin als die Lehre von den Maßnahmen, mit Hilfe deren 
jene Bedingungen dem körperlichen Befinden der Menschen dienstbar 
gemacht werden können. 

Dementsprechend sind in unserem Jahresbericht auch alle Daten 
und Publikationen aus dem Gebiete der sozialen Medizin, soweit sie 
nicht ausgesprochen kasuistischer Natur sind, berücksichtigt und zwar 
die Krankenversicherung unter Abschnitt III „Morbidität, Prophylaxe 
und Krankenfürsorge“, während die Unfall- und Invaliditätsversicherung 
unter Abschnitt IV „Soziale Hygiene der Arbeit“ ihren Platz gefunden 
hat. Die Berücksichtigung der sozialen Medizin erschien uns schon 
deshalb unerläßlich, weil die soziale Hygiene mit der sozialen Medizin 
bei ihren literarischen Vertretern eine Personalunion einzugehen 
pflegt. 


*) Vergl. das Vorwort zu Band III dieses Jahresberichtes. 


I* 


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IV 


Vorwort. 


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Ihre Mitarbeit am Referatsteil widmeten uns wie im vorigen 
Jahre ärztlicherseits A. Blaschko, M. Bloch, A. Gottstein, 
P. Hüls, 0. Neumann, F. Prinzing und B. Spiethoff, uational- 
ökonomischerseit« P. Georg, A. Koch-Hesse und A. Südekum. 

Alle unsere Leser und Freunde bitten wir, uns durch Zusendung 
von Büchern, Sonderdrucken und berichtigenden oder ergänzenden 
Notizen auch weiterhin gütigst unterstützen zu wollen. 

Berlin, 1. Mai 1905. 


Die Herausgeber. 


Alle Zuschriften und Zusendungen sind zu richten an einen der heulen 
Herausgeber: 

Dr. tned. A. iirotjahn oder Ihr. phil. F. Kriegei 

Berlin, AUxamlrmtnUr. 90 Berlin, Oranietistr. 96 


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Inhaltsverzeichnis. 


Seit« 

Torwort. XXj 

Inhaltsverzeichnis. y 

A* Chronik der sozialen Hygiene von A. Grotjahn . 1 

B. Gesetzestafel von F. Krieg ei .42 

I. Deutschland.42 

1. Reichsgesetzgebung.42 

2. Preußen. 43 

3. Bayern. 46 

4. Sachsen.46 

5. Württemberg. 47 

6 . Baden. 47 

7. Hessen. 48 

8 . Oldenburg.48 

9. Mecklenburg-Schwerin. 49 

10 . Mecklenburg-Strelitz.50 

11 . Sachsen-Weimar-Eisenach.50 

12 . Sachsen-Koburg-Gotha.50 

13. Sachsen-Meiningen. 51 

14. Sachsen-Altenburg. 51 

15. Anhalt.. 

16. Braunschweig.52 

17. Schaumburg-Lippe. 52 

18. Lippe-Detmold ..52 

19. Schwarzburg-Rudolstadt. 52 

20 . Schwarzburg-Sondershausen. 53 

21 . Reuß, ältere Linie .. 53 

22 . Reuß, jüngere Linie. 53 

23. Waldeck. 53 

24. Hamburg. 54 

25. Lübeck. 54 

26. Bremen. 54 

27. Elsaß-Lothringen. 54 


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VI 


Inhaltsverzeichnis. 


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Seite 


II. Ausland.55 

1. Österreich.55 

2. Ungarn.56 

3. Schweiz ... *.56 

4. Dänemark.56 

ö. Schweden.56 

6 . Rußland.56 

7. Niederlande.57 

8 . Belgien.57 

9. Frankreich.58 

10. Italien.59 

11. Spanien.59 

12. Portugal.59 

13. Luxemburg.59 

14. Serbien.60 

15. Türkei.60 

16. Britisches Reich.60 

17. Vereinigte Staaten von Nordamerika.61 

18. Brasilien.64 

19. Argentinien.64 

20. Siam.64 

0. Von den Kongressen von F. Kriege 1.#. 65 

D. Referate.86 

I. Methode und Geschichte der sozialen Hygiene. — Referenten :A.Blase h ko, 

M. Bloch, A. Gottstein, A. Grotjahn, 0. Neumann. ... 86 

II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. — Referenten: A. Grotjahn, 

F. Kriegei, F. Prinzing .92 

III. Morbidität, Prophylaxe und KrankenlOrsorge. — Referenten: A. Blasehko, 

M. Bloch, P. Georg, A. Gottstein, A. Grotjahn, 0. Neu¬ 
mann, F. Prinzing, B. Spiethoff, A. Südekum .118 

IV. Soziale Hygiene der Arbeit. — Referenten: P. Georg, A. Gottstein, 

A. Grotjahn, A. Koch-Hesse, F. Kriegei, F. Prinzing, 

B. Spiethoff, A. Südekum .167 

V. Soziale Hygiene der Ernährung. — Referenten: A. Gottstein, A. Grot- 

jahn, P. Hüls, A. Koch-Hesse, F. Kriegei .210 

VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. — Referenten: P. Georg, 

A. Gottstein, A. Grotjahn, A. Koch-Hesse, F. Kriegei, 

A. Südekum .216 

VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. — Referenten: 

M. Bloch, A. Gottstein, P. Hüls, 0. Neumann, F. Prinzing . 238 

VIII. öffentliche Gesundheitspflege. — Referenten: A. B lasch ko, A. Gott¬ 
stein, 0. Neumann, F. Prinzing .257 

IX. Entartungstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. — Refe¬ 
renten: A. Blaschko, M. Bloch, A. Gottstein, A. Grotjahn, 

A. Koch-Hesse, F. Prinzing .267 

X. Vermischtes.284 


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Inhaltsverzeichnis. 


VII 

Seite 

E. Bibliographie von F. Kriegei.289 

I- Betbod » tmi 6e schi c M o 4er sozialen Hygiene.289 

1. Allgemeines.289 

2 . Ärztliche Pflichtenlehre.290 

3. Methode der Statistik.290 

4. Geschichte.290 

5. Vermischtes.292 

II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität.293 

1. Allgemeines.293 

2. Bevölkerungsstatistik der einzelnen Länder und Städte.... 294 

3. Sterblichkeitsstatistik.300 

III. Morbidität, Prophylaxe und KrankenfOrsorge.301 

1. Allgemeines.301 

2 . Epidemiologisches.302 

3. Tuberkulose.306 

4. Venerische Krankheiten.312 

5. Alkoholismus.315 

6 . Nerven- und Geisteskrankheiten.319 

7. Massenpsychologie und Kurpfuscherei.321 

8 . Kriminalpsychologie.322 

9. Krebs.325 

10. Geburtshilfe und Frauenkrankheiten.326 

11. Augen- und Ohrenerkrankungen.327 

12. Zahnkrankheiten.327 

13. Arzneiversorgung.328 

14. Samariterwesen und Krankenpflege.328 

15. Krankenhaus- und Heilstättenwesen.329 

16. Krankenversicherung.334 

17. Ärztliche Standesangelegenheiten.337 

IV. Soziale Hygiene der Arbeit.338 

1. Allgemeines.338 

2. Psychologie und Physiologie der Arbeit.340 

3. Sozialstatistik.341 

4. Arbeiterschutz.349 

5. Frauen- und Kinderarbeit.353 

6 . Berufskrankheiten und Gewerbehygiene.355 

7. Unfall- und Invaliditätsversicherung.358 

8 . Wohlfahrtseinrichtungen.368 

V. Soziale Hygiene der Ernährung.371 

1. Allgemeines.371 

2 . Die animalische Nahrung.372 

3. Die vegetabilische Nahrung.373 

4. Nahrungsmittelgesetzgebung.374 

5. Vermischtes.375 

VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung.375 

1 . Allgemeines.375 

2 . Gemeindepolitik und Bodenreform.377 

3. Wohnungswesen in den einzelnen Ländern und Städten . . . 379 

4. Wohnungsgesetzgebung und Baupolizei.382 

5. Soziale Hygiene der Kleidung.384 


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VIII 


Inhaltsverzeichnis. 


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Seite 

VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen.385 

1. Allgemeines.385 

2. Säuglingsschutz.386 

3. Kinderkrankheiten.389 

4. Schulhygiene.390 

5. Püreorgegesetzgebung.395 

VIII. öffentliche Gesundheitspflege.396 

1. Allgemeines.396 

2 . Impfwesen.398 

3. Staatliches Gesundheitswesen.399 

4. Kommunales Gesundheitswesen.403 

5. Vermischtes.406 

IX. Entartungstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene.406 

1. Allgemeines.' 406 

2 . Anthropometrie.408 

3. Vererbung und Entwicklungstheorie.409 

4. Konstitutionspathologie und medizinische Stammbaumforschung . 411 

5. Ethnographisches.413 

6 . Sexuelle Hygiene.413 

F. Namenverzeichnis.417 

G. Sachregister.433 


Berichtigungen. 

Band III, Seite 225, Zeile 14 von oben lies „aus den Deutschen Worten“ statt 
„aus der Deutschen Warte“. 

Band III, Seite 235. Zeile 4 von unten und Seite 236. Zeile 2 von oben lies 
„erblich belastet“ statt „erheblich belastet“. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 

(Bei allen Angaben ohne Jahreszahl ist 1904 zu lesen.) 


In Berlin hat sich eine Gesellschaft für soziale Medizin, 
Hygiene nnd Medizinalstatistik gebildet. Sie will ein Sammel¬ 
punkt für alle wissenschaftlichen Bestrebungen sein, die sich auf dem 
Gebiete der sozialen Hygiene, der Epidemiologie, der Medizinal- und 
Bevölkerungsstatistik, des sozialen Arbeiterversicherungswesens und 
den Grenzgebieten zwischen Volkswirtschaft und Medizin bewegen. 
Die Mitgliedschaft ist nicht auf Berlin beschränkt. Den Vorstand 
bilden P. Mayet, E. Dietrich, 0. Lassar, R. Lennhoff, 
A. Grotjahn, G. Heimann, F. Kriegei, A. Gottstein und 
J. Landsberger. 

Nach einer Zusammenstellung von G. Heimann 1 ) hat die Zahl 
der Ärzte im Deutschen Reiche etwas weniger als in den 
Vorjahren zugenommen. Sie betrug 30457 oder 460 = 1,6 Proz. mehr 
als Ende 1903. In Preußen wurden 18480 oder 261 mehr Ärzte als 
im Jahre 1903 gezählt, wo die Vermehrung 603 betragen hatte. Es 
wohnten im Deutschen Reiche auf 100 Quadratkilometer 5,63 Ärzte. 
Hoch ist die Ziffer für das Königreich Sachsen: 15,37; für das Gro߬ 
herzogtum Hessen beträgt sie 9,52; für Baden 7,80; für Elsaß- 
Lothringen 6,00; für Preußen 5,30; für Württemberg 5,06; für Bayern 
4,35. Am ungünstigsten stehen, wie bisher, von den preußischen 
Regierungsbezirken da: Köslin 1,07; Gumbinnen 1,23; Marienwerder 
1,41; von den bayerischen: Oberpfalz und Niederbayern mit 1,81, bzw. 
1,85 Ärzten auf 100 Quadratkilometer. Sehr hoch ist, wie auch früher, 
die Ziffer für den Regierungsbezirk Düsseldorf: 22,44. Auf 10000 
Einwohner kamen im Deutschen Reiche 5,40: in Preußen 5,36; in 
Bayern 5,34; in Sachsen 5,48; in Elsaß-Lothringen 5,07 Ärzte; weniger 
in Württemberg: 4,55; mehr in den Großherzogtümern Baden und 

Deutsche medizinische Wochenschrift. 1904. Nr. 52. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 1 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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und Hessen: 6,30 und 6,53. Für Hamburg, Bremen, Lübeck waren 
die Ziffern 8,34, 7,65, 7,34; für die kleineren Bundesstaaten bewegten 
sie sich zwischen 6,73 (Waldeck mit seinen Kurorten) und 2,78 
(Reuß ä. L.). Von den preußischen Regierungsbezirken hatte wie in 
früheren Jahren der an Kurorten reiche Bezirk Wiesbaden die höchste 
Zahl: 9,45; demnächst kamen die Bezirke Köln (8,13) und Aurich 
(7,96); die niedrigste Marienwerder (2,76), Oppeln (2,74), Köslin (2,55) 
und Gumbinnen (2,47). Was die Großstädte betrifft, so waren Ärzte in: 


1904 

1903 


1904 

1903 

Berlin 

2688 

2572 

Aachen 

115 

114 

Breslau 

592 

573 

Essen 

90 

90 

Köln 

414 

369 

Posen 

139 

141 

Frankfurt a. M. 

389 

366 

Kiel 

223 

235 

Hannover 

276 

277 

Krefeld 

69 

66 

Magdeburg 

190 

191 

Kassel 

124 

123 

Düsseldorf 

191 

182 

Duisburg 

49 

48 

Stettin 

191 

1&5 

München 

778 

754 

Königsberg 

264 

291 

Dresden 

495 

505 

Altona 

99 

95 

Leipzig 

524 

444 

Elberfeld 

87 

88 

Stuttgart 

235 

231 

Halle a. S. 

209 

205 

Straßburg i. E. 

248 

212 

Dortmund 

98 

89 

Nürnberg 

198 

183 

Barmen 

81 

77 

Chemnitz 

132 

130 

Danzig 

159 

162 

Braunschweig 

122 

112 


In Groß-Berlin wohnten 3844 Ärzte gegen 3726 und 3524 in den 
beiden Vorjahren. 

Der Verband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung 
ihrer wirtschaftlichen Interessen in Leipzig zählt zurzeit. 
14447 Mitglieder, 79 Sektionen mit 79 Vertrauens- und 506 Ob¬ 
männern. 

Das preußische Justizministerium hat eine Enquete über die 
sanitären Verhältnisse in den preußischen Strafan¬ 
stalten durch beamtete Ärzte veranstalten lassen, die am 1. Oktober 
ihren Abschluß fand. 

Nach dem Bericht über das Gesundheitswesen des preu¬ 
ßischen Staates im Jahre 1902 belief sich in Preußen die Gesamt¬ 
zahl derjenigen Personen, welche, ohne approbiert zu sein, die Heil¬ 
kunde gewerbsmäßig ausübten, im Jahre 1902 auf 4104. Da im Jahre 
1902 in Preußen rund 18000 Ärzte und Zahnärzte vorhanden waren, 
so kamen durchschnittlich auf 4,38 approbierte Medizinalpersonen eine 
Person, welche die Heilkunde ausübte, ohne approbiert zu sein, oder 
auf 100 Ärzte 22,8 solche Personen. Die Prozente der Kurpfuscher, 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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auf die Zahl der Arzte bezogen, weisen große Unterschiede auf, welche 
von 5 bis zu 65 schwanken. Die 4104 nicht approbierten Personen 
verteilen sich auf 388 Kreise, während aus 188 Kreisen keine Pfuscher 
gemeldet sind. Den geringsten Prozentsatz von Kurpfuschern (im 
Verhältnis zur Zahl der Ärzte) hatte Westpreußen mit 8, den höchsten 
Posen mit 39 Proz. 

Unter dem Namen einer Gesellschaft zur Bekämpfung 
des Straßenstaubes ist in München eine Vereinigung gegründet 
worden, welche den Zweck hat, alle Unternehmungen und Versuche 
zu fordern, die dahin gehen, unter Anwendung geeigneter Mittel den 
Staub auf den Straßen zu beseitigen. Die Gesellschaft will alle die 
zur Verwirklichung dieses Zweckes geeigneten Maßnahmen anwenden, 
sei es durch Propaganda in Zusammenkünften, durch die Presse, durch 
Anstellung praktischer Versuche und deren Unterstützung, sei es durch 
direkte Vorstellungen bei öffentlichen Behörden oder privaten Inter¬ 
essenten. 

Die Stadt Frankfurt errichtete neben der Stadtarztstelle 
eine solche für eine Ärztin als Nebenamt. 

Die Stadt Stuttgart hat mit der Stelle eines ersten Stadt¬ 
arztes eine bakteriologische Untersuchungsstation ver¬ 
bunden. 

Am 1. Oktober ist in das statistische Amt der Stadt Berlin 
zum ersten Male ein Medizinalstatistiker von Fach, und zwar 
<t. Heim ann, berufen worden. 

Die Stadtverordnetenversammlung in Köln hat auf Antrag des 
ärztlichen Vereins Köln die Anstellung eines ärztlichen Bei¬ 
geordneten beschlossen. 

Die Stadt München hat die Anstellung eines Amtsarztes 
verfugt. 

In Trier ist im Anschluß an das Krankenhaus der Barmherzigen 
Brüder eine bakteriologische Untersuchungsstation, die 
besonders der Beobachtung der Typhusepidemien im Regierungsbezirk 
Trier dienen soll, eröffnet worden. 

Dem englischen Kultusminister Londonderry wurde eine Massen¬ 
petition der Ärzte Großbritanniens und Irlands überreicht, in der 
nicht weniger als 14718 Mediziner die Einführung des Unter¬ 
richts der Gesundheitslehre für alle öffentlichen Schulen und 
vor allem Aufklärung über die Eigenschaften und Wirkungen des 
Alkohols fordern. 

In Ar ras in Nordfrankreich fand am 15. Juli der erste Kon¬ 
greß der „Alliance d’hygiöne sociale“ statt. Diese Ver¬ 
einigung stellt sich dar als eine Zentralisierung aller auf die Hebung 
derVolksgesundheit gerichteten Bestrebungen. Die Bekämpfung 
der Trunksucht, der Tuberkulose, die Fürsorge für gesunde 

l* 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Wohnungen usw. wurden bisher in Frankreich von besonderen Ver¬ 
einigungen geleitet. Ohne ihre Sonderexistenz aufzugeben, haben sich 
diese Gesellschaften in einer umfassenden Föderation zusammen¬ 
geschlossen, um ihre vielfach ineinandergreifende Tätigkeit durch 
gegenseitige Verständigung fruchtbringender zu machen. Es war 
wesentlich der frühere Präsident der Republik, CasimirPerier,der 
diese Zentralisierung erstrebt und erreicht hat. 

In Österreich war auf die einzelnen Länder verteilt die Zahl 
der Ärzte: in Niederösterreich 3573 (3454 im Vorjahre), Oberöster¬ 
reich 391 (396), Salzburg 141 (133), Steiermark 699 (692), Kärnten 
153 (151), Krain 107 (109), Küstenland 370 (352), Tirol und Voral- 
berg 577 (598), Böhmen 2815 (2905), Mähren 952 (955), Schlesien 245 
(240), Galizien 1446 (1413), Bukowina 152 (146), Dalmatien 144 (115), 
Bosnien und Herzegowina 123 (108). Auf die Landeshauptstädte ent¬ 
fällt folgende Anzahl von Ärzten: Wien 2808 (2721), Linz 62 (63), 
Salzburg 47 (44), Graz 281 (274), Klagenfurth 41 (41), Laibach 41 
(41), Triest 200 (188), Innsbruck 73 (70), Prag 461 (580), Brünn 180 
(186), Troppau 43 (39), Lemberg 327 (312), Czernowitz 61 (60), Zara 
22 (20). 

Die Volksabstimmung im Kanton Zürich über die von den 
Naturheilvereinen geforderte Freigabe der ärztlichen Praxis 
hat das Resultat gehabt, daß die Initiative mit 51319 Nein gegen 
22881 Ja verworfen wurde. Die Ausübung der ärztlichen Praxis 
bleibt also an den Befähigungsnachweis gebunden. 

Nach einer Zusammenstellung der St. Petersburger medizinischen 
Wochenschrift gibt es derzeit in Rußland 21827 Ärzte, und zwar 
21090 Männer und 737 Frauen; auf das europäische Rußland ent¬ 
fallen davon 19168 Ärzte. Das größte Kontingent weisen die Städte 
auf. An der Spitze steht St. Petersburg mit 2272 Ärzten; es folgen 
Moskau mit 1528, Warschau mit 1034, Kiew mit 689, Odessa mit 
615 Ärzten usw. Das ganze unermeßliche Sibirien weist nur 788 
Ärzte auf. Auf den Kaukasus entfallen 1224 Ärzte, auf die mittel- 
asiatischen Besitzungen 459. Im südlichen europäischen Rußland 
gibt es Gegenden, wo man 100 Werft im Umkreis kaum einen 
Arzt findet, und dieser eine ist dann fast beständig auf der Rund¬ 
reise. 

Am 8. April wurde in Rom unter dem Vorsitz von L. Taußig 
eine internationale Vereinigung aller Mediziner, 
Chirurgen, Apotheker und verwandter Fachgenossen 
gegründet, deren Zweck nach dem Wortlaut der Satzungen in folgen¬ 
dem besteht: 1. Die katholischen Ärzte, in der Absicht, die brüder¬ 
liche Eintracht untereinander wiederherzustellen und die alten christ¬ 
lichen Überlieferungen zu erneuern, beschließen, in jedem Lande 
Vereine zu gründen unter dem Schutze der ärztlichen Heiligen Lukas, 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


5 


Kosmas und Damianus. 2. Diese ärztlichen Vereine haben den Zweck, 
a) in der Ausübung der ärztlichen Kunst die christlichen Tugenden 
zu entfalten und die berufsmäßige Liebe zu entwickeln, b) alle medi¬ 
zinischen Fragen zu studieren, vor allem diejenigen, welche den 
Glauben, die Moral und die göttlichen Dinge betreffen, alles unter 
vollkommener Unterwerfung unter die kirchliche Autorität, c) alles 
zu befördern, was zur Belehrung in geistlichem und christlichem Sinne 
dienen kann. 

Am 12. Januar starb der um die Lungenheilstättenbewegung hoch¬ 
verdiente P. Dettweiler. 


Über die Bevölkerungsbewegung im Jahre 1903 gibt das 
Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches 1905 I folgenden 
Überblick: lm ganzen wurden im Jahr 1903 463150 Ehen ge¬ 
schlossen (1902: 457208), die Zahl der Geborenen betrug 2046206, 
darunter 1983078 Lebendgeborene (1902: 2089414 bzw. 2024735), 
die Zahl der Gestorbenen 1234033 (1902: 1187171). Im Ver¬ 
gleich zur Gesamtbevölkerung ist gegenüber dem Vorjahr die Ehe¬ 
ziffer nur um ein geringes zurückgegangen (von 7.92 auf 7,91 
auf 1000 Einwohner), erheblicher ist der Rückgang der Geburten¬ 
ziffer (von 36,19 auf 34,94 vom Tausend), welchem eine Erhöhung der 
Sterbeziffer (von 20,56 auf 21,07 vom Tausend) gegenübersteht. Der 
Geburtenüberschuß, der im Jahre 1902 absolut und relativ namhaft 
gestiegen war (von 857 824 oder 15,09 vom Tausend des Jahres 1901 
auf 902 243 oder 15,63 vom Tausend), ist im Jahre 1903 etwas geringer, 
hat aber immer noch die beträchtliche Höhe von 812173 oder 13,87 
vom Tausend. Das Alter der Heiratenden war bei den Männern in 
43,7 vom Hundert der Fälle 25—30 Jahre, bei den weiblichen Per¬ 
sonen in 56,0 vom Hundert der Fälle unter 25 Jahren. Abweichend 
von der Regel waren die Frauen älter als die Männer, die sie 
heirateten, bei 95577 Eheschließungen oder 20,6 vom Hundert der 
Gesamtzahl. Von den heiratenden Männern haben fast neun Zehntel 
zum erstenmal sich verheiratet, von den heiratenden Frauen etwas 
über neun Zehntel. Ledige Männer mit ledigen Frauen heirateten 
in 400 899 Fällen, Witwer mit Witwen in 10914 und in 481 Fällen 
Geschiedene mit Geschiedenen. Etwas über neun Zehntel der Ehen 
waren religiös ungemischte Ehen, die Eheleute waren bei 276468 
Heiraten evangelisch, bei 140 965 katholisch und bei 3831 israelitisch. 
Mischehen wurden 40914 (8,8 vom Hundert) eingegangen, davon 
waren 39 045 Ehen zwischen Evangelischen und Katholiken, 497 
zwischen Evangelischen und Israeliten und 138 zwischen Katholiken 
und Israeliten. Von den 2046206 Geborenen des Jahres 1903 waren 
1983078 oder 96,91 vom Hundert Lebend-, 63128 oder 3,09 vom 


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Hundert Totgeborene. Ehelich waren 1875672, unehelich 170534 
oder 8,33 vom Hundert, Mehrlingsgeburten waren unter den Geburten 
26265 (13,0 vom Tausend), und zwar im wesentlichen Zwillings¬ 
geburten. Drillingsgeburten waren es 270, in Bayern kamen 2 Vier¬ 
lingsgeburten vor. Im ganzen kamen bei den Mehrlingsgeburten 
52804 Mehrlingskinder — 26816 Knaben und 25988 Mädchen — 
zur Welt. An den Sterbefällen sind besonders stark die Kinder, ins¬ 
besondere die Säuglinge, beteiligt. Nicht weniger als 404529 oder 
34,5 vom Hundert (1902: 33,0 vom Hundert) aller Gestorbenen des 
Jahres 1903 waren noch nicht 1 Jahr alt, indes im Verhältnis zu 
den Geburten (ohne Totgeburten) betrachtet, starben nicht weniger 
als 20,4 vom Hundert im Säuglingsalter. Am geringsten ist die 
Altersklasse der 10—20-Jährigen unter den Gestorbenen vertreten. 
Mit steigendem Alter erhöht sich wieder der Anteil an der Summe 
der Gestorbenen. 

In Preußen kamen im Jahre 1903 nach der Statistischen 
Korrespondenz 1274666 Geburten, darunter 39453 Totgeborene, 
285384 Eheschließungen und 747403 Sterbefälle einschließlich der 
Totgeborenen bei den rund 11300 preußischen Standesämtern zur 
Anmeldung, so daß auf 1000 Einwohner 35,8 Geburten, 16,0 ehe¬ 
schließende Personen und 21,0 Gestorbene entfielen. Gegen das Vor¬ 
jahr ist die Geburtsziffer weiter gesunken, und auch die Heiratsziffer 
hat eine geringe Abnahme erfahren. Dagegen ist die Sterbeziffer um 
0,5 vom Tausend gestiegen. Es starben nämlich im Jahresdurch¬ 
schnitte bzw. im Jahre: 



männliche 

Personen 

weibliche 

Personen 

1896/1900 

364 656 

331 457 

1901 

373 893 

339 848 

1902 

354 241 

323052 

1903 

370 341 

337 609 


Unter 1000 Gestorbenen befanden sich 502 Kinder unter 15 Jahren 
(1902 479) und 498 Erwachsene über 15 Jahre (1902 521). Die 
Kindersterblichkeit hat sich danach nicht unerheblich vergrößert. 
Insbesondere sind auch die Säuglinge daran beteiligt. Denn es 
starben von 1000 Lebendgeborenen im ersten Lebensjahre 367 ehe¬ 
liche und 674 uneheliche gegen 324 und 592 im Jahre 1902. Infolge 
der hohen Kindersterblichkeit ist auch das Durchschnittsalter aller 
Gestorbenen gesunken; es betrug 1903 bei den nämlichen Personen 28,0 
und bei den weiblichen 30,8 Jahre, gegen 29,2 und 32,1 im Jahre 1902. 

Die allgemeine Geburtsziffer in den Großstädten, d. h. in 
den Städten mit 100000 und mehr Einwohnern, ist im Gegensätze zu 


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7 


der Heiratsziffer verhältnismäßig niedrig und wird von der der Mittel- 
und Kleinstädte sowie des platten Landes übertroffen. Es kamen 
nach der Statistischen Korrespondenz durchschnittlich jährlich auf 
1000 Lebende in: 



Gebarten (einschließlich 

Totgeburten) 

im 

Mittel 

Stadt 







1875 bis 

1881 bis 

1886 bis 

1891 bis 

1896 bis 

1875 bis 


1880 

1885 

1890 

1895 

1900 

1900 

Berlin 

44,9 

38,4 

i 34,9 

31,6 

28,9 

35,7 • 

Breslan 

43,2 

38,8 

37,3 

36,8 

36,9 

38,4 

Köln 

42,0 

38,2 

40,0 

40,3 

40,4 

40,2 

Frankfurt a. M. 

35,2 

30,0 

27,8 

28,7 

30,6 

30,6 

Hannover 

40,2 

35,6 

34,7 

35,4 

35,0 

36,2 

Magdeburg 

39,5 

37,0 

41,7 

39,1 

35,1 

38,5 

Düsseldorf 

43,5 

41,3 

40,9 

41,1 

41,9 

41,7 

Stettin 

38,4 

34,9 

35,5 

37,3 

36,2 

36,5 

Königsberg i. Pr. 

39,0 

36,5 

35,4 

32,8 

32,4 

36,2 

Charlottenburg 

46,9 

41,4 

38,7 

36,1 

31,6 

38,9 

Altona 

44,1 

39,3 

38,2 

37,9 

34,3 

38,8 

Elberfeld 

45,5 

41,5 

38,7 

36,5 

36,6 

39,6 

Halle a. S. 

41,3 

39,6 

38,5 

38,9 

36,2 

38,9 

Dortmund 

54,6 

48,7 

44,2 

43,1 

45,8 

47,3 

Barmen 

48,0 

40,1 

38,2 

35,7 

35,5 

39,5 

Danzig 

41,4 

38,3 

37,1 

34,8 

35,5 

37,4 

Aachen 

43,2 

41,3 

38,3 

37,1 

35,7 

39,1 

Essen 

53,5 

48,7 

44,1 

45,9 

46,2 

47,7 

Posen 

40,1 

36,1 

34,9 

31,6 

32,0 

34,9 

Kiel 

41,6 

39,7 

39,6 

41,6 

36,1 

39,7 

Krefeld 

46,4 

44,4 

42,6 

35,7 

30,9 

40,0 

Kassel 

34,5 

29,5 

28,9 

28,6 

30,2 

30,3 


Am höchsten ist die allgemeine Geburtsziflfer in den industriereichen 
Großstädten Essen, Dortmund und Düsseldorf, ziemlich gleichmäßig 
niedrig 1875—1900 in Kassel und Frankfurt a. M. Die stärkste Ab¬ 
nahme zeigt sich in Berlin, Charlottenburg und Krefeld. Es ent¬ 
fielen auf 1000 Lebende jährlich in: 



eheschlieOende Personen im Durchschnitte 

im 




der Jahre 



Mittel 

Stadt 

1875 bis 

1881 bis 

1886 bis 

1891 bis 

1896 bis 

1875 bis 


1880 

1886 

1890 

1895 

1900 

1900 

Berlin 

22,9 

20,7 : 

22,5 

21,1 

22,3 

21,9 

Breslau 

20,7 

18,7 

18,9 

18,7 

19,3 

19,3 

Köln 

19,0 

18,5 

20,4 

18,5 

21,1 

19,5 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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I eheschließende Personen im Durchschnitte 

im 




der Jahre 



Mittel 

Stadt 

1875 bis 

1881 bis 

1886 bis 

1891 bis 

1896 bis 

1875 bis 


1880 

1885 

1890 

1895 

1900 

1900 

Frankfurt a. U. 

22,9 

18,4 

20,2 

20,7 

23,0 

21,0 

Hannover 

19,5 

16,8 

18,4 

18,5 

19,8 

18,6 

Magdeburg 

19,7 

18,4 

19,6 

16,3 

17,3 

18,3 

Düsseldorf 

18,0 

17.8 

19,2 

19,3 

21,2 

19,1 

Stettin 

17,8 

17,0 

18,2 

17,9 

18,8 

17,9 

Königsberg i. Pr. 

19,2 

17,1 

16,7 

15,6 

17,9 

17,3 

Charlottenburg 

19,7 

19,0 

19,5 

17,9 

18,8 

19,0 

Altona 

22,6 

19,1 

22,4 

20,7 

21,4 

21,2 

Elberfeld 

19,2 

17,6 

18,3 

17,5 

19,4 

18,4 

Halle a. S. 

18,6 

17,9 

17,9 

16,2 

16,9 

17,5 

Dortmund 

19,5 

19,5 

18,4 

19,3 

21,6 

19,7 

Bannen 

18,1 

16,2 

17,9 

17,4 

19,6 

17,8 

Danzig 

19,4 

16,4 

17,5 

15,9 

18,2 

17,5 

Aachen 

16,0 

16,1 

16,1 

16,3 

16,9 

16,3 

Essen 

19,1 

19,8 

19,7 

21,6 

23,4 

20,7 

Posen 

17,7 

17,0 

17,1 

16,0 

16,3 

16,8 

Kiel 

16,8 

15,5 

16,2 

16,9 

16,1 

16,3 

Krefeld 

19,8 

18,0 

18,4 j 

15,2 

17,9 

17,9 

Kassel 

16,4 

15,2 

16,1 

i 

16,5 

i 

18,0 

16,4 


Die allgemeine Heiratsziffer hat sich in den Großstädten von 1875 
bis 1900 ungefähr auf derselben Höhe erhalten; in 11 von ihnen hat 
sie 1896—1900 gegen 1875—1880 zu-, in den anderen 11 abgenommen. 
Am höchsten war sie 1896—1900 in Essen (23,4) und Frankfurt a. M. 
(23,0), am niedrigsten in Kiel (16,1) und Posen (16,3). 

Eine im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Beich ent¬ 
haltene Übersicht über die Entwicklung der Zahl der un¬ 
ehelichen Geburten in Deutschland zeigt, daß diese Zahl 
sich im Verhältnis zu der Zahl der Bevölkerung im letzten halben 
Jahrhundert keineswegs vermehrt hat, sondern eher zurückgegangen 
ist. Es wurden auf dem Gebiet des heutigen Deutschen Beichs gezählt: 


Jahr 

Geburten 

darunter 

uneheliche 

1851 

1361 678 

158 088 

1861 

1415 639 

171400 

1871 

1 473 492 

144 394 

1881 

1748686 

158 454 

1891 

1903160 

172 456 

1901 

2097 838 

179 683 

1902 

2 089 414 

177 083 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


9 


Während also 1851 von 100 Geburten 11,6 uneheliche waren, waren 
es 1861: 12,1, 1871: 9,8, 1881: 9,1, 1900: 8,7, 1901: 8,6 und 1902: 8,5. 
Es hat also ein erheblicher Rückgang der unehelichen Geburten statt¬ 
gefunden. Die Großstädte stellen einen starken Prozentsatz dieser 
Geburten. Es waren 1902 von 100 in Berlin geborenen Kindern 15,2, 
in Hamburg 12,4 unehelich. Es ist bemerkenswert, daß diejenigen 
Provinzen, in denen die Industrie vorherrscht, Westfalen und die 
Rheinprovinz, eine auffallend niedrige Zahl unehelicher Geburten auf¬ 
weisen, nämlich 2,6 und 3,7 auf je 100 Geburten und daß auf der 
anderen Seite rein ländliche Distrikte wie die beiden Großherzog- 
tftmer Mecklenburg an der Spitze der Gebiete mit hoher Zahl un¬ 
ehelicher Geburten stehen. In Mecklenburg-Strelitz waren von 100 
Geburten 11,8, in Mecklenburg - Schwerin 11,5 unehelich, und das 
rechtsrheinische Bayern weist sogar einen Prozentsatz von 13,9 un¬ 
ehelichen Geburten auf. 

In den 25 Jahren von 1875—1900 hat sich die Bevölkerung 
Deutschlands von 42 727360 auf 56279901, also um rund 13^2 
Millionen oder 31,7 vom Hundert vermehrt Die männliche Be¬ 
völkerung ist in dieser Zeit von 20986701 auf 27 737247, die weib¬ 
liche von 21740659 auf 28629931 gestiegen. Die weibliche Be¬ 
völkerung überwiegt hiernach die männliche um 892684, während sie 
vor 25 Jahren nur einen Überschuß von 753958 hatte. Es befanden 
sich in Deutschland im Jahre 1900 1|550422 über 70 Jahre alte 
Personen gegen 1105977 im Jahre 1875, also jetzt 444445 mehr. 
Die Zunahme der alten Personen beträgt also 40,2 vom Hundert, die 
der Gesamtbevölkerung, wie erwähnt, nur 31,7 vom Hundert. Im 
Jahre 1875 gab es nur 271 Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern, 
dagegen im Jahre 1900 473. Großstädte mit mehr als 100000 Ein¬ 
wohnern zählte Deutschland im Jahre 1875 12, im Jahre 1900 da¬ 
gegen 33. 

In Preußen starben nach Hoppe x ) in den Jahren 1878—1882 
von je 1000 Personen bei den N i c h t j u d e n 25, bei den Juden 18, 
in den Jahren 1893—1897 bei den Nichtjuden 22, bei den Juden 15. 
Die Differenz besteht hauptsächlich in den Altersstufen unter 15 Jahren; 
denn unter den Personen über 15 Jahren betrug die Sterblichkeit 
1893—1897 bei den Nichtjuden 10,37, bei den Juden 10,77. Interessant 
ist, daß in New York selbst die dem Proletariat angehörigen Juden 
slavischer Herkunft nur eine Sterblichkeitsziffer von 15, dagegen die 
Abkömmlinge der Deutschen eine solche von 22, die der Engländer 
von 26, der Yankees von 32, der Iren von 33, der Italiener von 35 
und die der Tschechen von 44 aufwiesen. 


1 ) Internationale Monatsschrift zur Erforschung des Alkoholismus. 1903. 
Nr. 11. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Behufs Gewinnung einer brauchbareren Todesursachen¬ 
statistik werden in Berlin seit Anfang dieses Jahres mit den 
Totenscheinen besondere von den Ärzten auszufüllende und dem 
statistischen Amt zu übermittelnde Zählkarten ausgegeben. Eine 
solche Karte fragt nach der genauen Todesursache, aber nicht nach 
dem Namen des Verstorbenen. 

Die Sterblichkeit der französischen Armee 1 ) zeigte im 
Berichtsjahre 1901 eine unbedeutende Verminderung gegenüber 1900; 
sie sank von 5,73 pro Mille auf 5,37 pro Mille. Beim Landheer be¬ 
trug sie 4,51 (4,85) pro Mille, bei den algerisch-tunesischen Truppen¬ 
teilen 11,10 (11,53) pro Mille. Die geringste Sterblichkeit von 2 pro 
Mille zeigten die Kavallerie-Remonte-Kompagnien des Landheeres, 
während die gleichen Truppenteile in Algier und Tunis eine Mortalität 
von 26,84 pro Mille hatten. Die meisten Todesfälle waren durch 
Typhus veranlaßt: 188 pro Mille (gegen 236 pro Mille im Jahre 1900); 
die Tuberkulose zeigte eine geringe Steigerung (183 gegen 155 pro 
Mille). 

In Italien hat die Gesamtsterblichkeit von 28 pro Mille 
im Jahre 1887 auf 22 pro Mille im Jahre 1902 abgenommen. Die 
Zahl der Todesfälle an Blattern ist von 549 auf 73 auf die Million 
Einwohner gefallen, an Scharlach von 494 auf 48, an Typhus von 
739 auf 351, an Diphtheritis von 952 auf 139, an Malaria von 710 
auf 302, an Pellagra von }25 auf 72, an Tuberkulose von 2161 
auf 1582. 

Nach einer Zusammenstellung des rumänischen statistischen Bureaus 
betrug in Rumänien im Jahre 1903 der Überschuß der Ge¬ 
burten über die Todesfälle 96234. Für die letzten fünf Jahre 
betrug die Bevölkerungszunahme 25 Proz. Zu dem erwähnten Über¬ 
schüsse trugen die Städte 8,3 Proz., die Dörfer 91,7 Proz. bei. Am 
1. Januar 1904 betrug die Bevölkerung Rumäniens 6292032 Ein¬ 
wohner. 

Die Zahl der nordamerikanischen Indianer betrug im 
Jahre 1903 108233 gegen 108112 im Vorjahre. 


Über die Abnahme der Tuberkulosesterblichkeit in 
Deutschland berichtet P. May et 2 ): Es starben in den deutschen 
Orten von 15000 und mehr Einwohnern an Lungenschwindsucht von 
je 100000 Lebenden nach den Mittelwerten für die Jahrfünfte: 


1 ) Sem. med. 1904. Nr. 4. 

2 ) Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches. 1903. III. 


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11 


1877—1881 . 357,7 

1882-1886 . 346,2 

1887—1891 . 304,0 

1892—1896 . 255,5 

1897—1901 . 218,7 


Besonders erfreulich ist die Abnahme der Tuberkulosesterblichkeit im 
letzten Jahrfünft. Während des letzten Jahrfünfts sind in den Orten 
von 15000 und mehr Einwohnern 1,6 mal weniger Personen an Lungen¬ 
schwindsucht gestorben als im Jahrfünft 1877—1881. 

Nach den Berichten des Reichsversicherungsamtes J ) wurden im 
Jahre 1902 12187 tuberkulöse Männer und 4302 tuberkulöse 
Frauen auf Kosten der Invalidenversicherung einer Heil¬ 
behandlung unterworfen. Die Dauererfolge sollen sich zurzeit nach 
dem Ergebnis einer 5jährigen Kontrollperiode auf 31 Proz., bei den 
Eisenbahnarbeitern auf 47,9 Proz. stellen. 

Am 1. Oktober begann die Tätigkeit des von Althoff und 
Pütt er gebildeten Zentralkomitees zur Begründung und Unterhaltung 
von Auskunfts- und Fürsorgestellen für Tuberkulöse in Groß- 
Berlin. Die Zentrale wird zunächst Fürsorgestellen in Berlin selbst 
sowie solche in Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf einrichten. 
Die finanzielle Grundlage der neuen Einrichtung bildet vorläufig 
ein von der Versicherungsanstalt Berlin in Aussicht gestellter Bei¬ 
trag. 

An neuen Einrichtungen 2 ) zur Bekämpfung der Tuber¬ 
kulose wurden in Deutschland seit August 1903 bis März 1904 
die folgenden eröffnet: 1. Ein Heilstätten-Pavillon für 80 tuberkulöse 
Frauen in Vogelsang bei Magdeburg, errichtet vom Verband der 
Vaterländischen Frauen-Vereine der Provinz Sachsen, Magdeburg. 
2. Die märkische Volksheilstätte Ambrock für 120 Männer bei Hagen, 
errichtet vom Märkischen Volksheilstätten verband, Hagen. 3. Die 
Viktoria Luise Kinderheilstätte für 80 tuberkulöse Kinder iu Hohen- 
lychen, errichtet vom Volksheilstätten verein vom Roten Kreuz, Berlin. 
4. Eine ländliche Kolonie „Königin Luise Andenken“ für 30 Knaben 
in Lychen, errichtet vom Volksheilstätten verein vom Roten Kreuz, 
Berlin. 5. Eine Heilstätte für 50 Männer bei Hohenstein (Ostpreußen), 
errichtet vom Verein zur Errichtung von Lungenheilstätten in Ost¬ 
preußen, Königsberg. 6. Eine Heilstätte für 120 Frauen in Wald¬ 
breitbach, errichtet vom Verband der Heilstättenvereine im Regierungs¬ 
bezirk Koblenz, Koblenz. 7. Eine Heilstätte für 50 Frauen in Fürth, 
errichtet vom Magistrat der Stadt Fürth. 8. Eine Heilstätte für 100 

’) Die Beruf sgenossensehaft. 1904. 3. 

*) Tuberculosis. III. 3. 


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12 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Männer in Obornik, errichtet von der Landesversicherungsanstalt 
Posen. 9. Ein Invalidenheim für vorgeschrittene Tuberkulöse in Groß- 
Hansdorf, zunächst für 30 Männer, aber angelegt zur Aufnahme von 
200, errichtet von der Landesversicherungsanstalt der Hansestädte. 
10. Ein Invalidenheim für 20 vorgeschrittene Tuberkulöse in Ostritz, 
Station Klosterfreiheit, Königreich Sachsen, errichtet vom Verein 
„Frauenhilfe“, Görlitz. 

Zum Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees 
zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke ist 
J. Nietner an Stelle des aus diesem Amt ausgeschiedenen G. Pann- 
witz gewählt. 

Die Breslauer Armenverwaltung hat beschlossen, für 
Familien, in denen sich ein Lungenkranker befindet, die Zu- 
mietung eines besonderen Zimmers aus Armenfonds für solche Fälle 
grundsätzlich für zulässig zu erklären, wo die entsprechende Ver¬ 
wendung sichergestellt und durch diese Maßnahme die Unterbringung 
des Erkrankten in eine Lungenheilstätte oder sonstige Anstalspflege 
vermieden wird. 

Unter dem Vorsitz von L. Ascher und bei reger Beteiligung 
der Krankenkassen ist in Königsberg eine Fürsorgeanstalt für 
Lungenkranke errichtet worden. 

In Karlsruhe ist ein Tuberkulose-Museum nach dem Vor¬ 
bilde des in Charlottenburg befindlichen eröffnet. 

Die von Mannheim aus gegründete Lungenheilstätte für 
weibliche Patienten des Mittelstandes, Stammberg in Schriesheim a. 
d. Bergstraße, ist am 5. August in Betrieb gesetzt worden. 

In Sheffield ist die obligatorische Tuberkuloseanzeige 
eingeführt. Das Gesetz enthält folgende Bestimmungen: Die Ärzte 
sind verpflichtet, dem Gesundheitsbeamten der Stadt jeden Fall zu 
melden. Unterlassung der Meldung wird mit einer Strafe nicht über 
40 Schilling belegt. Die Stadt zahlt jedem Arzt für jede Meldung 
2,50 Mark, oder wenn der Fall in seiner Hospitalpraxis vorkommt, 
1 Mark. Die Desinfektion der Wohnung erfolgt auf Kosten der 
Stadt. 

Die vier Resolutionen über die obligatorische Isolierung 
der Tuberkulösen in den Krankenhäusern Frankreichs, welche 
seitens der permanenten Tuberkulosekommission in Paris dem Minister 
des Innern Combes vorgelegt sind, hat dieser angenommen. In 
einem Rundschreiben an den Präfekten ordnet er die sclileunige 
Durchführung an. 

Wohnhäuser für lungenkranke Arbeiter 1 ) nach dem 
Prinzip, auch in der Familie die Isolierung von Gesunden und Kranken 

*) Tuberculosis. III. 7. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


13 


durchzuführen, hat die Firma Basse und Selve in Altona er¬ 
richtet: diejenigen Arbeiter, in deren Familie sich ein an Tuberkulose 
leidendes Mitglied befindet, sollen in besonderen, nahe am Walde 
liegenden Familienhäusern untergebracht werden, in denen der Kranke 
ein großes, luftiges, von der Familie getrenntes Wohnzimmer mit 
Liegehalle bekommt Die dabei gemachten Erfahrungen lauten schon 
so günstig, daß die genannte Firma sich entschlossen hat, mit dem 
Bau solcher Wohnhäuser solange fortzufahren, bis jeder schwer lungen¬ 
kranke Arbeiter, wenn er nicht in ein Krankenhans will, in der 
Familie ein solches Isolierzimmer mit Liegehalle zur Benutzung hat. 
Die Baukosten für ein Doppelwohnhaus belaufen sich einschließlich 
Grund und Boden auf je 13000 Mark, die Miete für jede Wohnung 
beträgt 212 Mark jährlich und 19 Mark für elektrisches Licht und 
Wasserleitung. Jede Wohnung enthält im Erdgeschoß 3 Räume, und 
zwar Küche, Wohn- und Schlafzimmer, im Dachgeschoß ein großes 
Zimmer für den Lungenkranken mit Liegehalle und Wohnraum. Im 
Kellergeschoß drei Keller und Stallung für eine Ziege und ein 
Schwein. 

In Paris hat sich eine Soci6te Internationale de la Tu- 
berculose gebildet, deren Zweck das Studium aller auf die Tuber¬ 
kulose bezüglichen Fragen, sowie die Zentralisation der Abwehrmittel 
ist; zum Generalsekretär wurde G. Petit gewählt. 

Die Regierung und die gesetzgebenden Körperschaften Rumäniens 
haben eine Summe von 400000 Francs zur Errichtung eines 
Hospitals für die Isolierung armer Tuberkulöser be¬ 
willigt und das Bürgermeisteramt von Bukarest hat ein Grundstück 
von mehreren Hektaren für die Errichtung des Hospitales zur Ver¬ 
fügung gestellt. 

Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge¬ 
schlechtskrankheiten umfaßt zurzeit 3500 Mitglieder und ver¬ 
fugte über eine Einnahme von 15 767 Mark. 

Die Branntweinerzeugung 1 ) im Betriebsjahr 1902/03 war 
wesentlich geringer als im Vorjahr. Im ganzen wurden erzeugt 
3382 935 Hektoliter Alkohol, also gegen die vorjährige Erzeugung 
(4238908 Hektoliter) 857973 Hektoliter oder rund 20 vom Hundert 
weniger. Der Ausfall betrug bei den landwirtschaftlichen Kartoffel¬ 
brennereien allein 869123 Hektoliter, bei den Materialbrennereien 
17593 Hektoliter, während die gewerblichen Kartoffelbrennereien 
und die Melassebrennereien nur unwesentlich daran beteiligt waren. 
Eine erhebliche Zunahme hatten dagegen die Getreidebrennereien 
zu verzeichnen. In den Kartoffelbrennereien wurden insgesamt 
2649 952 Hektoliter Alkohol (190102: 3519171 Hektoliter) er- 


') Yierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches. Heft 1. 1904. 


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14 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


zeugt, davon in gewerblichen Betrieben 7180 Hektoliter (1901/02: 
7276 Hektoliter); verarbeitet wurden 2367175 Tonnen Kartoffeln 
(1901/02: 3088308 Tonnen). Die Ursachen der Mindererzeugung sind 
in dem schlechten Ausfall der Kartoffelernte infolge früh und plötzlich 
eingetretenen Frostes und in der Betriebseinschränkung der Brennereien 
zu suchen, die zur Zentrale für Spiritusverwertung gehören. Der 
Branntweinverbrauch im Betriebsjahr 1902/03 berechnet sich im ganzen 
auf 3631565 Hektoliter = 6,2 Liter auf den Kopf (1901/02: 
3509233 Htktoliter = 6,1 Liter auf den Kopf), wovon 2352853 Hekto¬ 
liter = 4,0 Liter auf den Kopf (1901/02 : 2399183 Hektoliter = 4,2 
Liter auf den Kopf) nach Versteuerung bzw. Verzollung in den freien 
Verkehr gesetzt und 1278712 Hektoliter = 2,2 Liter auf den Kopf 
(1901/02: 1110050 Hektoliter = 1,9 Liter auf den Kopf) zu gewerb¬ 
lichen usw. Zwecken steuerfrei abgelassen worden sind. Die Ausfuhr 
von Branntwein und Branntweinfabrikaten betrug 407290 Hektoliter 
Alkohol gegen 242644 Hektoliter im Vorjahr. Der Reinertrag an 
Branntweinsteuer belief sich im ganzen auf 141079 862 Mark (1901/02: 
15$ 901976 Mark), wovon 10342125 Mark auf die Maischbottichsteuer, 
126 726 881 Mark auf Verbrauchsabgabe und Zuschlag und 4 010 841 Mark 
auf den Überschuß an Brennsteuer entfallen. 

Die Statistik der Bierbrauerei und Bierbesteuerung *) 
im Rechnungsjahre 1902 ergibt, daß im Gebiete der Brausteuer¬ 
gemeinschaft die Biererzeugung nach langjähriger ununterbrochener 
Zunahme zum erstenmal abgenommen hat. Es sind im ganzen 
2,8 Millionen Hektoliter Bier (6,2 vom Hundert) weniger als im Vorjahre 
gebraut worden, wovon 1,95 Millionen Hektoliter auf.untergäriges und 
0,85 Millionen Hektoliter auf obergäriges Bier entfallen. Die Gesamt¬ 
erzeugung betrug 42,2 Millionen Hektoliter gegen 45,0 Millionen 
Hektoliter im Vorjahre. Mit Ausnahme von Bremen sind sämtliche 
Steuerbezirke an dem Ausfall beteiligt, besonders die Industrie¬ 
gegenden mit starker Arbeiterbevölkerung. In den übrigen deutschen 
Steuergebieten wurden erzeugt: in Bayern 17,36 (1901: 17,82), in 
Württemberg 3,79. (1901: 4,01), in Baden 2,97 (1901: 2,96) und in 
Elsaß-Lothringen 1,15 (1901:1,12), überhaupt im deutschen Zollgebiet 

67.7 (1901: 71,2) Millionen Hektoliter. Bei Bayern und Baden gelten 
die Angaben für das Kalenderjahr, sonst für das Rechnungsjahr. 
Der Bierverbrauch berechnet sich mit Berücksichtigung der Ein- und 
Ausfuhr auf den Kopf der Bevölkerung für das Brausteuergebiet auf 

96.7 Liter (1901: 104,8), für Bayern auf 234,6 Liter (1901: 244,8), 
für Württemberg auf 172,4 Liter (1901: 184,2), für Baden auf 156,1 
Liter (1901: 158,4), für Elsaß-Lothringen auf 83,4 Liter (1901: 82,7) 
und für das deutsche Zollgebiet auf 116 Liter (1901: 124,1). 


’) Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches. Heft 4. 1903. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


15 


Über die SterblichkeitsVerhältnisse der Gastwirte 
macht A. Gnttstadt 1 ) Mitteilungen, ans denen hervorgeht, daß 
während unter 1000 in Preußen über 25 Jahre alt gestorbenen 
Männern aller Berufe zusaramengenommen Tuberkulose 160 mal Todes¬ 
ursache war (bei den in Gotha versicherten Elementarlehrern, Gym¬ 
nasiallehrern, Ärzten, Protestant. Geistlichen sogar nur 143, 126, 113, 
76 mal), diese Zahl bei den Gastwirten auf 237, bei den Bierbrauern 
auf 344 und bei den Kellnern auf 556 (!) steigt. 

Nach einer vom Bat der Stadt Dresden veranstalteten Erhebung 
kamen in der Irrenabteilung des Siechenhauses, in der sich 684 
männliche und 375 weibliche Personen befanden, auf 1000 Kranke 
überhaupt 380,1 männliche und 77,3 weibliche Trinker. Die 
Zahl der verpflegten Kranken in der Siechenabteilung belief sich auf 767 
männliche und 770 weibliche. Auf 1000 Kranke kamen hier 105,6 männ¬ 
liche und 22,1 weibliche Trinker. Es kamen in der Irrenabteilung auf 
1000 Kranke überhaupt 380,1 männliche und 77,3 weibliche Trinker. 
Von 684 männlichen Kranken waren also 260 und von 375 weiblichen 
Kranken 29 Trinker. In der Siechenabteilung waren von 767 Männern 
84 und von 770 Frauen 17 Trinker. In den städtischen Kranken¬ 
anstalten waren im Jahre 1902 insgesamt 4760 männliche und 6909 
weibliche Kranke untergebracht. Davon waren 436 bzw. 57 Trinker, 
das sind auf 1000 Kranke 91,6 bzw. 8,3 Trinker. Von 100 Kranken 
überhaupt fallen auf die einzelnen Berufe: Dienstboten 3,65, Hand¬ 
arbeiter 34,89, Fabrikarbeiter und Gewerbetreibende 31,44, selb¬ 
ständige Handwerker 10,35, Kaufleute 1,62, kaufmännische Angestellte 
6,08, Offiziere, Beamte usw. 5,88, Personen mit Hochschulbildung 0,41, 
Kentner 0,61, Ehefrauen und Haustöchter 4,46, Renten- und Almosen- 
empfanger 0,61. 

Nach einer Zusammenstellung des Polizeipräsidiums waren am 
Schlüsse des Jahres 1902 in Berlin an Verkaufsstellen von 
Spirituosen und anderen Getränken im ganzen 14861 vorhanden, 
d. h. 320 mehr als am Schlüsse des Jahres 1903. Unter diesen Ver¬ 
kaufsstellen befanden sich: Ausschanklokale von Selterwasser mit 
Ausschluß aller anderen Getränke 96 (mehr 3), Kleinhandlungen mit 
Branntwein oder Spiritus (Kaufläden) 3258 (mehr 12), Gastwirtschaften 
460 (mehr 14), Schankwirtschaften mit vorherrschendem Ausschank 
von Wein 296 (weniger 9), Schankwirtschaften mit vorherrschendem 
Ausschank von Bier 8813 (mehr 176), Ausschank von Kaffee, Tee und 
Schokolade 62 (weniger 59 infolge Abnahme der sogenannten Kaffee¬ 
klappen), von Bier, Kaffee, Tee und Schokolade 1151 (mehr 197), 
Ausschank von Brantwein, sog. Schnapsschenken 464 (weniger 27), 
Ausschanklokale für die in Konditoreien üblichen Getränke 261 


*) Klinisches Jahrbuch. Band XII. 


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16 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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(mehr 13). Von den 14861 Schankstätten waren — abgesehen von den 
Selterwasserbuden und Kleinhandlungen — 2312 nicht zum Spirituosen¬ 
ausschank berechtigt Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Be¬ 
völkerung von Berlin sich um rund 40000 Seelen vermehrt hat und 
die Bedürfnisfrage bei der Erteilung von Schankkonzessionen für 
Bierausschank u. dgl. nicht in Erwägung gezogen wird. Beim Ber¬ 
liner Stadtausschuß sind im Jahre 1902 8709 Gesuche um Schank¬ 
konzession eingelaufen. Die Gewerbedeputation des Magistrats, die 
vor der Beschlußfassung zu hören ist, hat 8548 Gesuche befürwortet 
und gegen 27 Widerspruch erhoben; 105 Anträge wurden zurück¬ 
gezogen und in 3 Fällen gegen den Widerspruch des Magistrats die 
Konzession erteilt. Im Vorjahre liefen 8454 Gesuche ein. 

Infolge einer Debatte in den Spalten der Frankfurter Zeitung, 
ob die bis jetzt alsschenkenreichste Ort Deutschlands bekannte 
Stadt Kaiserslautern (mit 143 Einwohnern auf eine Schankstätte) 
nicht von anderen Städten an Schenkenreichtum übertroffen würde, 
wurden folgende Daten ermittelt. Es zählt: 


Ort 

j 

Ein- 
! wobner 

Wirt¬ 

schaften 

Auf eine 
Wirtschaft 
kommen 
Einwohner 

Ellwangen 

4587 

40 

114 

Hechingen 

3966 

36 

111 

Überlingen 

4200 

38 

111 

Giengen a. Br. 

3100 

27 ■) 

111 

Honnef a. Rh. 

5537 

52 

106 

Lorch in Württemberg 

2157 

21 

102 

Hohenleuben in Reuß 

1900 

19 

100 

Künzelsau 

3000 

30 

i 100 

Engen im Hegau 

| 1620 

17 

95 

Massing in Mederbayeru 

645 

7 

92 

Bergzabern 

2600 

31 

84 

Berching in der Oberpfalz 

! 1395 

17*) 

82 

Löffingen in Baden 

1110 

15 

74 

Riedlingen in Württemberg 

2300 

1 32 

72 

Kasendorf bei Kulmbaeh 

605 

i 10 

60 

Kreußeu bei Bayreuth 

962 

23 

42 


In Dortmund hat sich eine Gesellschaft gebildet, die nach 
dem Vorschläge des Verwaltungsgerichtsdirektors Germershausen 
in Arnsberg Konzessionen beantragen, die Wirtschaften führen und 
den Gewinn zu gemeinnützigen Zwecken verwenden will. 


*) Davon 9 Brauereien. 
2 ) Davon 10 Brauereien. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


17 


Einen anderen Weg gedenkt die Gemeinde Marten im Landkreise 
Dortmund einzuschlagen, indem sie sich um alle in der Gemeinde 
etwa neu zu erteilenden Konzessionen bewerben und die Wirtschaften 
zum Vorteile der Gemeinden betreiben will. 

Aus Anlaß der Internationalen Kunst- und Gartenbauausstellung 
in Düsseldorf hat Peter Behrens auf einem bevorzugten, ihm von 
der Ausstellungsleitung unentgeltlich zur Verfügung gestellten Platze 
eine größere architektonisch-gärtnerische Anlage ge¬ 
schaffen, als deren Abschluß ein geräumiger Pavillon mit alkohol¬ 
freiem Restaurationsbetrieb errichtet ist, um die Besucher der Aus¬ 
stellung in das Milieu eines durch die Kunst verfeinerten und durch 
Enthaltsamkeit geläuterten und ethisch vertieften Lebensgenusses zu 
versetzen und damit für die Alkoholabstinenz in weiteren Kreisen 
Propaganda zu machen. 

Über die Ausdehnung, die der Flaschenbierhandel in 
Deutschland erlangt hat, berichtete Esche auf der Jahresver¬ 
sammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger 
Getränke, daß von Berliner Bierbrauereien die Aktienbrauerei-Gesell¬ 
schaft Friedrichshöhe, vorm. Patzenhofer, 1889/1890: 3350000 Flaschen, 
1898 99: 18150000 Flaschen, die Schultheiß-Brauerei 1880/81: 6700 
Hektoliter, 1898/99: 183990 Hektoliter als Flaschenbier absetzten. 
In Berlin betrug im Jahre 1898 der Verbrauch an Flaschen¬ 
bier 1357993 Hektoliter obergäriges Bier und 826806 Hektoliter 
untergäriges Bier, zusammen also 2184799 Hektoliter. Nach ver¬ 
schiedenen übereinstimmenden zuverlässigen Schätzungen beträgt der 
Umsatz an Flaschenbier in Berlin J / 3 , in Dresden 'U, in Wien s / 5 , im 
Bezirk der Handelskammer Potsdam l ' t , in den Bezirken der Handels¬ 
kammern Oppeln und Münster mindestens ’/„, in ganz Deutschland 
1 5 — l / 4 des gesamten Bierumsatzes. In der Provinz Schlesien beträgt 
der Umsatz an Flaschenbier bei größeren Brauereien sogar die Hälfte 
des gesamten Bierumsatzes. 

In der Königlichen Eisenbahnhauptwerkstatt Tempel¬ 
hof ist eine vollständige Selterwasserfabrik geschaffen worden, 
die seit kurzem in Betrieb ist und ihre Erzeugnisse an Beamte 
und Arbeiter abläßt. Die Flasche einfaches Selterwasser ( 4 / I0 Liter 
ungefähr) wird mit 2% Pfennig, eine Flasche Limonade (mit Zitronen¬ 
oder Himbeersaft) zu 5 Pfennig abgelassen. Der Absatz war in 
den heißen Tagen bedeutend und belief sich auf Tausende von 
Flaschen. 

Um dem Biertrinken des Eisenbahnpersonals, be¬ 
sonders dem in den frühen Morgenstunden, zu steuern, ließ das 
bayerische Verkehrsministerium in den Nürnberger Zentralwerkstätten 
eine große Anlage zur Bereitung und Abgabe alkoholfreier Ge¬ 
tränke an das Bahnpersonal errichten. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. - 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Eine Sonderausstellung zur Bekämpfung des Alko¬ 
holismus ist durch Eggers (Bremen) im Arbeiterwohlfahrtsmuseum 
zu Charlottenburg eingerichtet worden. 

Das Schweizer Antialkohol-Sekretariat hat sich am 
21. Januar in Olten zu einer Gesellschaft (Sociötü du Secrötariat 
antialcoolique suisse) konstituiert, welche als ihre Hauptaufgabe die 
Zusammenstellung und Verbreitung der sich rapid mehrenden Tat¬ 
sachen über den Alkohol betrachtet; zum Schriftleiter wurde Hercod- 
Lausanne gewählt. 

Die deutschen Abstinenzvereine haben sich zu einem allge¬ 
meinen deutschen Zentralverband zur Bekämpfung des Alkoholismus 
zusammengeschlossen. Er konstituierte sich in einer Versammlung, 
in der 55000 Mitglieder deutscher Abstinenzvereine vertreten waren. 
Der Zweck des Verbandes ist: 1. ein gemeinsames Vorgehen der an¬ 
geschlossenen Vereine und Zeitschriften in gegebenen Fällen zur 
Herbeiführung oder Bekämpfung gesetzlicher Maßnahmen zu erzielen, 
eine allgemeine Abwehr der in Parlamenten oder in der Presse er¬ 
folgten Angriffe auf das Abstinenzprinzip herbeizuführen und die 
Volksmeinung immermehr von seiner Notwendigkeit und Richtigkeit 
zu überzeugen; 2. eine allen Behörden und allen Personen unentgelt¬ 
lich zugängliche Auskunftsstelle für das gesamte Gebiet der Alkohol¬ 
frage zu schaffen und zu unterhalten (sog. „Abstinenz-Sekretariat“); 
3. in allen Teilen Deutschlands wissenschaftliche Vortragskurse zum 
Studium der Alkoholfrage einzurichten oder zu unterstützen; 4. all¬ 
jährlich einen deutschen Abstinententag zu veranstalten und 5. bei 
gegebener Veranlassung mit anderen nationalen und internationalen 
Verbänden zur Bekämpfung des Alkoholismus Fühlung zu suchen. 
Vorsitzender ist Franziskus Hähnel-Bremen, stellvertretender 
Vorsitzender Max Warming -Hamburg. Zum Geschäftsführer wurde 
Kraut-Hamburg gewählt. 

Im Jahre 1903 konsumierte das vereinigte Königreich von Gro߬ 
britannien und Irland mit seinen 41 Millionen Einwohnern in 68 1 /» 
Millionen Hektoliter alkoholischer Getränke etwa 4 Millionen 
Hektoliter reinen Alkohol, pro Kopf also 9 1 /, Liter reinen Alkohol, 
im Werte von 174445271 Pfund Sterling, annähernd 3V S Milliarden 
Mark. 

Die schwedische Großloge des Guttemplerordens zählt 240 000. 
die englische 120000 Mitglieder. 

Im Großherzogtum Hessen hat die Gründung einer Vereinigung 
für Kriminalpsychologie und forensische Psychiatrie 
stattgefunden. In dieser Vereinigung sollen Juristen, Mediziner, Ver- 
waltungs-, Polizei- und Strafanstaltsbeamte gemeinsam die psycholo¬ 
gischen und psychiatrischen Fragen im Rechtsleben, besonders im Straf¬ 
recht beraten. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


19 


Der Umstand, daß Sachsen -Koburg- Gotha im Durchschnitt der 
drei Jahre 1900, 1901 und 1902 die höchste Selbstmordziffer im 
Reich, nämlich 44,5 auf 100000 Einwohner hat statt 20,8 Reichs¬ 
durchschnitt, veranlaßte das Staatsministerium, eine genaue Unter¬ 
suchung zur Feststellung der Ursachen dieser Erscheinung einzuleiten. 

Im Jahre 1903 hatten die Vereinigten Staaten bei einer Bevöl¬ 
kerung von 80 Millionen 8970 Morde zu verzeichnen. Seit 1881 
beträgt die Zahl 129000. London hatte im Jahre 1903 auf 6300000 
Bewohner 24 Morde, Chicago mit 1698 575 Bewohnern 128 Morde. 

Von den mit Körpermängeln behafteten Personen, welche in 
den genannten Volkszählungen im preußischen Staatsgebiete ermittelt 
wurden, waren bei dem 




überhaupt 


unter 100000 Anwesenden 


1871 

i 

1880 

i 

1895 

1900 

1871 

1880 

1 

1895 

1900 

männlichen Geschlechter 









blind 

10931 

11258 

11144 

11054 

90,03 

83,92 

71,23 

65,13 

taubstumm 

12983 

15083 

15699 

16975 

106,93 

112,43 

100,34 

100,02 

blind und taubstumm 

135 

85 

94 

114 

1,11 

0,63 

0,60 

0,67 

weiblichen Geschlechter 









blind 

11759 

11245 

10125 

10302 

94,08 

81,11 

62,46 

58,86 

taubstumm 

11044 

12537 

12849 

14303 

80,36 

90,43 

79,27 

81,73 

blind und taubstumm 

153 

89 

79 

101 

1,22 

0,64 

0,49 

0,58 

insgesamt r 









blind 

22690 

22503 

21269 

21356 

92,09 

82,49 

66,77 

61,95 

taubstumm 

24027 

27620 

28548 

31278 

97,61 

101,25 

89,62 

90,73 

blind und taubstumm 

288 

174 

1 

173 

215 

1,17 

0,64 

0,54 

0,62 


Während die Verhältniszahl der Blinden zur Gesamtbevölkerung 
von 1871 bis 1900 dauernd gesunken ist, war diejenige der Taub¬ 
stummen Schwankungen unterworfen, die jedoch 1895 und 1900 gegen 
die beiden früheren Zählungsjahre eine, wenn auch geringere Ab¬ 
nahme erkennen lassen. Absolut hat sich dagegen die Zahl der Taub¬ 
stummen beständig und nicht unerheblich vermehrt. Ferner waren 
am 1. Dezember 1900 von diesen Personen 


f 

| blind 

taubstumm 

blind und 
taubstumm 

seit frühester Jugend 

4992 

23510 

110 

später geworden 

15183 

4 679 

85 

ohne Angabe 

1181 

3089 

20 


2 * 


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20 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Daraus geht hervor, daß der bei weitem größte Teil der Taub¬ 
stummen von Geburt an mit diesem Körperfehler behaftet ist. 
während die Blindheit sich in den meisten Fällen erst später einstellt 
Von Taubstummen gehen mehr als die Hälfte und von den Blinden 
etwa ein Viertel einem Erwerbe nach. Bevorzugt wird von den Blinden 
die Landwirtschaft, Gärtnerei usw., sowie die Industrie der Holz- und 
Schnitzstoffe, während wir die Taubstummen außer in diesen Gewerben 
auch in der Bekleidungs- und Reinigungsindustrie finden. Freilich 
wird es sich wohl nur in seltenen Fällen um voll leistungsfähige 
Kräfte handeln. Von den Blinden und Taubstummen war nur ein 
kleiner Bruchteil erwerbstätig. 

Eine in der Tübinger Universitätsaugenklinik von Schleich 
vorgenommene Augenuntersuchung der Tübinger Schul¬ 
jugend erstreckte sich auf 2098 Schulkinder. Von den 4196 zur 
Untersuchung gelangten Augen wurden 65,2 Proz. normal, 34.8 Proz. 
anormal befunden. Von den Knaben hatten 63,2 Proz. normale, 36,8 
Proz. anormale, von den Mädchen 67,6 Proz. normale und 32,4 Proz. 
anormale Augen. Die günstigsten Verhältnisse fanden sich bei den 
jüngsten Jahrgängen, am schlechtesten waren die Verhältnisse bei 
den höchsten Schuljahren des Gymnasiums, wo nur 28.2 Proz. normale 
Augen gefunden wurden. Kurzsichtige Augen wurden festgestellt: 
bei den Gymnasiasten 27,7 Proz., Realschülern 15,3 Proz., Schülerinnen 
höherer Mädchenschulen 6,5 Proz., Volksschülern 4,5 Proz., Elementar¬ 
schülern 2,3 Proz. 

Nach den Angaben von Kunz (Ulpach) auf dem 11. Blinden¬ 
lehrerkongreß in Halle zählt das Deutsche Reich gegenwärtig 35 
Blinden-Bildungsanstalten mit 2500 Zöglingen und 26 Heime 
mit 1100 Pfleglingen. Die Aufwendungen betragen 2 600000 Mark, 
die Gebäude und Grundstücke kosten 14 Millionen, die Lehrmittel 
260000, die Ausstattung 1300000 Mark. Jährlich werden etwa für 
900000 Mark Blindenarbeiten verkauft. Österreich zählt 11 Lehr¬ 
anstalten und 13 Versorgungsheime, Ungarn 4 Lehranstalten und3Heime. 

Wie der Sanitätsbericht der deutschen Marine für 1901/1902 er¬ 
gibt, betrug die Zahl der Entlassungen infolge von Herz¬ 
leiden auf 1000 Mann der Kopfstärke: 


, 1891/93 

1893 95 

1895 

1897/99 

1899,1901 j 

190102 

wegen Dienstunbrauchbar-! 





1 

1 


keit 

2.9 

4,3 

7.1 

11,6 

8,7 

11,7 

als Ganzinvalide 

1.8 I 

2.8 j 

5,0 

5.72 

i 

5,7 

7.92 


Die Zahl der Entlassungen im Verhältnis zur Kopfstärke hat sich 
also in 10 Jahren mehr als vervierfacht. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


21 . 


Einen Vergleich zwischen dem Gesundheitszustände und 
der Sterblichkeit in der deutschen und in der franzö¬ 
sischen Armee ermöglichen folgende Zahlen: die allgemeine 
Sterblichkeit betrug auf 1000 Mann des unter den Waffen befindlichen 
Effektivbestandes: 


1 ; 

1 Krankheiten Unfälle 

1 1 ' 

Selbstmorde 

zusammen 

Französische Armee 
Deutsche Armee 

4,47 

1,50 

0,42 

0,31 

0,32 

0,42 

5,11 

2,23 


Die Krankheitssterblichkeit der französischen Armee übersteigt also 
die der deutschen um 198 Proz., die Unfallssterblichkeit um 35 Proz., 
während die Selbstmordsterblichkeit gegen die des deutschen Heeres 
znrückbleibt. Die Gesamtsterblichkeit der französischen Armee ist 
nm 130 Proz. höher als die der deutschen. Besser noch be¬ 
weisen die Gesamtziffern der Todesfälle in der französischen und 
deutschen Armee in der Periode von 1882—1901 den gewaltigen 
Unterschied zwischen der beiderseitigen Sterblichkeit. Die franzö¬ 
sische Armee büßte nämlich ohne Offiziere 67021 Mann ein, die 
deatsche dagegen nur 27053. Der Unterschied tritt besonders kraß 
bei den Epidemien und ansteckenden Krankheiten hervor. Während 
nämlich die französische Armee auf 1000 Mann des Effektivbestandes 
4,88 Typhuskrankheits- und 0,71 Typhustodesfälle zählte, betrugen die 
bezüglichen Ziffern in der deutschen Armee nur 1,60 bzw. 0,17. In 
Effektivziffern ausgedrückt hatte die französische Armee im Zeiträume 
1882—1901 108970 Typhuserkrankungen und 20329 Typhustodesfälle, 
die deutsche dagegen nur 26159 bzw. 2337. Noch stärker ist das 
Mißverhältnis bei den Pocken. Von 1875—1901 wurden nämlich in 
der französischen Armee 8974 Pockenerkrankungen und 739 Pocken¬ 
todesfälle festgestellt, in der deutschen dagegen nur 16 bzw. 3. 

Die Heilsarmee verfügt zurzeit in Deutschland über 
5 Rettungsheime für Mädchen, 1 Wöchnerinnenheim in Berlin mit 
25 Betten, 1 Ledigenheim für Arbeiterinnen mit 75 Betten, 1 Männer¬ 
heim für entlassene Gefangene in Freienwalde a. 0., 2 Männerheime 
für Arbeitslose in Hamburg und in Köln, 1 Trinkerasyl in Mülheim 
a. d. Ruhr, 1 Kinderkrippe in Pforzheim und 3 Samariterstationen zur 
Pflege armer Kinder. 

In Reykjavik, der Hauptstadt Islands, ist ein Lepraheim für 
64 Kranke eröffnet worden. 

Ein Genesungsheim hat die Landesversicherungsanstalt 
Brandenburg in Hohelse bei Rheinsberg errichtet. Dasselbe ist für 
100 Patienten bestimmt. 


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. 22 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Am 1. Dezember waren 20 Jahre seit der Einführung der 
Krankenversicherung im Deutschen Reiche verflossen. 

Nach den Ermittlungen des Kaiserlichen statistischen Bureaus 1 ) 
hat sich im Jahre 1902 die Zalil der Krankenkassen von 23064 
auf 23214 erhöht. An der Zunahme sind hauptsächlich die Gemeinde¬ 
krankenversicherung (8528 gegen 8457) und die Betriebs- (Fabrik-) 
Krankenkassen (7626 gegen 7563) beteiligt. Die Zahl der Mitglieder 
betrug durchschnittlich 9858066 gegen 9641742 im Jahre 1901, 
9 520 763 im Jahre 1900 und 9155 582 im Jahre 1899. Die Zunahme, 
die im Jahre 1901 nur 121000 betragen hatte, hat sich also 1902 
bereits wieder auf 216000 erhöht. Die Zahl der Erkrankungsfälle ist 
von 3617022 auf 3578410 zurückgegangen, so daß auf ein Mitglied 
0,36 Erkrankungsfälle kamen gegen 0,38 im Jahre 1901 und 0,39 im 
Jahre 1900. Die Zahl der Krankheitstage ist zwar von 66652488 
auf 67377057 gestiegen, weist aber im Vergleich zur Mitgliederzahl 
einen Rückgang (6,83 gegen 6,91 auf 1 Mitglied) auf. Die Krankheits¬ 
kosten haben insgesamt 167,8 Millionen Mark betragen gegen 163,4 
Millionen im Jahre 1901, 157,9 Millionen im Jahre 1900 und 120.5 
Millionen im Jahre 1897. Auf jedes Mitglied entfallen 17,02 Mark 
Krankheitskosten gegen 16,94 im Jahre 1901, 16,58 im Jahre 1900 
und 14,45 im Jahre 1899, die Steigerung ist also sehr beträchtlich. 
Auch die Verwaltungskosten steigen von Jahr zu Jahr; sie betrugen 
auf jedes Mitglied durchschnittlich 1,11 Mark gegen 1,07 im Jahre 1901, 
1,01 im Jahre 1900 und 0,91 im Jahre 1897. Die gesamten ordent¬ 
lichen Einnahmen beliefen sich auf 193,4 Millionen Mark gegen 183,7 
im Jahre 1901, die gesamten ordentlichen Ausgaben 183,3 Millionen 
Mark gegen 128,0. Der Überschuß der Aktiva über die Passiva be¬ 
rechnet sich für alle Krankenkassen auf 173,4 Millionen Mark gegen 
163,0 im Jahre 1901, 156,4 im Jahre 1900, 152,4 im Jahre 1899 und 


133,5 im Jahre 1897. Von den 167801376 Mark Krankheitskosten 
kommen auf: 

Ärztliche Behandlung. 37 499 312 Mark 

Arznei und sonstige Heilmittel. 26576604 Mark 

Krankengelder. 74 383 602 Mark 

Anstaltsverpflegung, Rekonvaleszenten- und Wüchnerinnen- 

unterstUtznng und Sterbegelder. 29 341 959 Mark 


Am Schluß des Jahres 1902 bestanden in Berlin 123 Kranken¬ 
kassen, davon waren 55 Ortskrankenkassen, 49 Betriebs- und 
19 Innungskrankenkassen. Sämtliche Kassen zählten 371277 männ¬ 
liche und 214070 weibliche, zusammen 545347 Mitglieder, zusammen 
44629 Mitglieder mehr als im Vorjahr. Auf 100 männliche Mitglieder 
kamen 40,12, auf 100 weibliche Mitglieder 41,77 Erkrankungsfalle. 
Auf die männlichen Mitglieder entfielen 3668956, auf die weiblichen 

') Vierteljahrshefte der Reichstatistik. 1904. Heft 2. 


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2479889 Krankheitstage. Die Dauer eines mit Erwerbsunfähigkeit 
verbundenen Erkrankungsfalls betrug durchschnittlich beim männlichen 
Geschlecht 24,63. beim weiblichen Geschlecht 27,13 Krankheitstage. 
Auf jedes Kassenmitglied männlichen Geschlechts entfielen 9,88, auf 
jedes weiblichen Geschlechts 11,58 Krankheitstage. Hiernach ergibt 
sich eine wesentliche Vermehrung der Erkrankungsfälle und demgemäß 
eine Erhöhung des Prozentsatzes der Erkrankungen auf die Mitglieder¬ 
zahl selbst, während die durchschnittliche Dauer der Erkrankungs¬ 
zeiten an sich bei den männlichen Mitgliedern gegen das Vorjahr 
zurückgegangen und bei den weiblichen unwesentlich gestiegen ist. 
Die männlichen Kranken weisen 202242 Erkrankungstage, die weib¬ 
lichen Kranken sogar 484514 Erkrankungstage mehr als im Vorjahre 
auf. Es zeigt sich auch hier wiederum die unverhältnismäßig starke 
Belastung der Kassen durch die weiblichen Mitglieder. Es starben 
3515 männliche und 1220 weibliche Mitglieder, d. h. 0,95 vom Hundert 
der männlichen und 0,57 vom Hundert der weiblichen Mitglieder. Die 
Gesamteinnahmen der Kassen betrugen 20218327 Mark, die Gesamt¬ 
ausgaben 19538028 Mark, davon für ärztliche Behandlung 2196492 Mark. 
Das Gesamtvermögen der Kassen belief sich auf 11572084 Mark. 

Am 1. Januar trat in Deutschland die Novelle zum 
Krankenversicherungsgesetz in Kraft, nach der die Leistungen 
der Krankenkassen allgemein bis auf 26 Wochen der Krankheitsdauer 
ausgedehnt werden. 

Im Berliner Stadthaushaltsetat für 1904 erfordert die Kranken¬ 
pflege 8455804 Mark Ausgabe; davon sollen 2205884 Mark durch 
Einnahme und 6249920 Mark durch Zuschuß gedeckt werden. Von 
diesen Summen kommen auf die Krankenhäuser 3429580 Mark Aus¬ 
gabe, 1451820 Mark Einnahme, 1977 760 Mark Zuschuß, auf die Irren¬ 
häuser 5 026 224 Mark Ausgabe, 754 064 Mark Einnahme, 4 272160 Mark 
Zuschuß. Für die vorbeugende Gesundheitspflege bleiben 1265 822 Mark 
Ausgabe, die durch 793316 Mark Einnahme zum größeren Teil gedeckt 
werden, so daß nur 472506 Mark Zuschuß erforderlich sind. Hiervon 
kommen auf die Badeanstalten 636942 Mark Ausgabe, 518916 Mark 
Einnahme, 118026 Mark Zuschuß, die Desinfektionsanstalt 161975 Mark 
Ausgabe, 25300 Mark Einnahme, 136675 Mark Zuschuß, die Heim¬ 
stätten nebst Rettungs- und Sanitätswesen 466905 Mark Ausgabe, 
249100 Mark Einnahme, 217805 Mark Zuschuß. 

Der Gemeinderat in Straßburg hat beschlossen, für die Armen¬ 
krankenpflege die freie Arztwahl einzuführen. 

In Wien hat sich unter dem Vorsitze von L. Verkauf eine 
Reichskommission der Krankenkassen, die die Wahrnehmung 
der gemeinsamen Interessen der österreichischen Krankenkassen be¬ 
zweckt, gebildet. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Vom 1. Januar an trat in Berlin unter dem Namen eines Bu¬ 
reaus für Sozialpolitik ein Unternehmen ins Leben, das in An¬ 
lehnung an das Vorbild des Mus6e social in Paris, dieses Zentrums 
der wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten der Sozialreform in 
Frankreich, und in engem Anschluß an das „Institut für Gemeinwohl“ 
in Frankfurt a. M. gemeinsam die Interessen des Frankfurter Instituts, 
der „Sozialen Praxis“, der „Gesellschaft für Soziale Reform“ und des 
„Vereins für Sozialpolitik“ vertreten und ihre Arbeiten fordern soll. 
Das Bureau für Sozialpolitik hofft in seiner Bibliothek allmählich eine 
Fundgrube für sozialpolitische literarische Arbeiten bieten zu können. 
Ein Archiv soll das reiche Material, das jeder Tag bringt, sammeln, 
sichten und zur Auskunft bereitstellen. Ein Lesezimmer will das 
Neueste an sozialpolitischen Zeitschriften und Büchern auflegen. Daran 
schließt sich die Erteilung von Rat und Nachweis sowohl für Anfragen 
literarischer Art wie praktischer Hilfe in Arbeiterangelegenheiten, 
namentlich des Rechtsschutzes, des Versicherungswesens, der Wohnungs¬ 
fragen, des Arbeiterschutzes. Seine Tätigkeit wird überwacht von 
einem Ausschuß, in den die genannten Korporationen von Berlepsch, 
E. Francke, Wilhelm Merton, G. Schmoller undPh. Stein 
entsandt haben. Die Leitung der Geschäfte ist in den Händen von 
E. Francke. 

Im April schlossen auf Betreiben des italienischen Ministers 
Luzzatti Frankreich und Italien ein Arbeitsabkommen, 
das den ersten Vertrag über internationalen Arbeiterschutz 
darstellt. 

Am 1. Januar trat das Reichsgesetz vom 30. März 1903 betreffend 
die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben in Kraft. 

Im Jahre 1902 wurden von den deutschen Versicherungs¬ 
anstalten 142 720 Invalidenrenten, 8734 Krankenrenten und 12885 
Altersrenten, zusammen 164339 Renten neu bewilligt. Für Heilver¬ 
fahren wurden rund 9 Millionen Mark aufgewandt. 

Im Jahre 1903 betrugen die Wochenbeiträge bei den 31 Invalid en- 
versicherungsanstalten 134 Millionen Mark. Das Vermögen 
der Versicherungsanstalten betrug Ende 1903 1084 Millionen Mark. 
Die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bewilligten Invalidenrenten 
betrug 1106 279. Davon sind infolge von Tod und anderen Ursachen 
weggefallen 400705, so daß am 1. Juli 1904 705574 Renten liefen. 
Die Zahl der während des gleichen Zeitraumes bewilligten Altersrenten 
beträgt 421546, von denen 270745 in Wegfall gekommen sind. 

Nach Inkrafttreten der Novelle des Invalidenversiche¬ 
rungsgesetzes am 1. Januar 1900 ist die Zahl der neubewilligten 
Invalidenrenten erheblich gestiegen. Sie erhöhte sich von 95655 im 
Jahre 1899 auf 125821 im Jahre 1900 und weiterhin auf 152871 im 
Jahre 1903. 


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25 


Nach den Veröffentlichungen des Reichsversicherungsamtes ergab 
sich bei 315089 Rentenbewilligungen in den Jahren 1896—1899 
folgende Tabelle der Invaliditätsursachen: 


In validitätsursache 

Absolut 

männlich 

e Zahlen 

weiblich 

Verhi 

zat 

männ¬ 

lich 

ältnis- 

llen 

weib¬ 

lich 

Reihe 
der Ui 
nach 
Häuf 

männ¬ 

lich 

nfolge 

rsachen 

ihrer 

gkeit 

weib¬ 

lich 

1. Entkräftung, Blntarmut, Alters¬ 



i 




schwäche 

30385 

20018 

150 

221 

2 

| 1 

2. Gelenkrheumatismus. Gicht 

12 425 

7 732 

62 

85 

4 

5 

3. Muskelrheumatismus 

3450 

1269 

17 

14 

17 

17 

4. Tuberkulose der Lungen 

30353 

8573 

150 

95 

3 

2 

5. Tuberkulose anderer Organe 

1953 

898 

10 

10 

22 

| 22 

6. Krebs usw. 

5006 

2 400 

25 

27 

10 

! 10 

7. Sonstige Allgemeinleiden 

1383 

767 

7 

9 

24 

2f> 

8. Geisteskrankheiten 

3 639 

1870 

18 

21 

16 

14 

9. Gehirnschlag usw. 

4 953 

1577 

25 

17 

11 

15 

10. Epilepsie und Verwandtes 

1805 

1142 

9 

13 

23 

19 

11. Krankheiten des Rückenmarkes 

4326 

878 

21 

10 

12 

23 

12. Krankheiten einzelner Nerven 







und Nervenbezirke 

3 842 

2256 

19 

25 

15 

11 

13. Krankheiten der Augen 

7 708 

4 464 

38 

49 

7 

7 

14. Krankheiten der Ohren 

649 

402 

3 

4 

27 

26 

15. Krankheiten der Atmungswege 

7 410 

2 033 

37 

22 

8 

12 

16. Krankheiten des Brustfells 

1026 

242 

5 

3 

26 

27 

17. Krankheiten der Lunge, aus¬ 







schließlich Tuberkulose 

33 810 

8097 

167 

89 

1 

3 

18. Krankheiten des Herzens und 







der Gefäße 

12 090 

7 781 

60 

86 

5 

4 

19. Sonstige Krankheiten der Blut¬ 







gefäße, Lymphgefäße und Drüsen 

2317 

1576 

11 

17 

20 

16 

20. Krankheiten des Magens 

5 954 

2 838 

30 

31 

9 

9 

21. Krankheiten des Darms, der 







Leber oder Milz 

1996 

917 

10 

10 

21 

21 

22. Krankheiten der sonstigen Ver- 







daunngsorgane 

232 

71 

1 

1 

28 

28 

23. Unterleibsbrüche 

3 975 

855 

20 

9 

14 

! 24 

24. Krankheiten der Nieren 

2 374 

921 

12 

10 

19 

20 

25. Harn- und Geschlechtskrank¬ 






i 

heiten 

1299 

3199 

6 

35 

25 

8 

26. Krankheiten der Haut 

3412 

1969 

17 

22 

18 

13 

27. Krankheiten der Bewegungs¬ 







organe 

10074 

4 664 

50 

52 

6 

1 6 

28. Folgen mechanischer Verletz¬ 







ungen 

4133 

1148 

20 

13 

13 

18 

Zusammen: 

201979 

| 90557 

1000 

; iooo 

— 

— 


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26 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


Nach den Ermittlungen von Pietsch 1 ) scheiden von 100 Personen, 
die im Alter von 25—29 Jahren invalide werden, im Laufe des 
ersten Invaliditätsjahres bereits 44 wieder aus (meist durch Tod». 
Überhaupt ist die Sterblichkeit bei den jüngeren Invaliden allgemein 
eine größere als bei den älteren, von denen nur 26 Proz. .(Alter von 
45—49 Jahren) und 14 Proz. (Alter von 65—69 Jahren) der Rente 
verlustig gehen. Die jüngeren Invaliden leiden meist an schweren, 
zu einem baldigen Tode führenden Krankheiten (Lungentuberkulose). 
Von 100 tuberkulösen Invalidenrentnern im Alter von 25—29 Jahren 
befinden sich im Alter von 29 Jahren nur noch 17 und nach Ablauf 
von 4 Jahren nur noch 4 im Rentengenuß. 

Ein Invalidenheim für Eisenbahnarbeiter ist von der 
Arbeiterpensionskasse der preussisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft 
in Jenkau bei Danzig errichtet worden. Gegen Verzicht auf die In¬ 
validen- oder Altersrente und der Zusatzrente erhalten allein¬ 
stehende Rentner freie Wohnung und Einrichtung, freie Verpflegung, 
Wäschereinigung, ärztliche Behandlung und Heilmittel, freie Hinreise 
zur Aufnahme ins Invalidenheim und ein würdiges Begräbnis. Gelegen¬ 
heit zu gärtnerischen und häuslichen Arbeiten gegen eine bestimmte 
Arbeitsprämie ist geboten. Die politischen Rechte der Reutner werden 
durch die Aufnahme nicht berührt. Jederzeitiger Austritt steht frei. 

Die 114 Berufsgenossenschaften der deutschen Un¬ 
fallversicherung, von denen 66 auf die Industrie und 48 auf 
die Landwirtschaft fallen, umfaßten im Jahre 1902 5217291 Betriebe 
mit 18289608 versicherten Personen. An Entschädigung sind ge¬ 
zahlt im ganzen 107443326 Mark. Die Zahl der tödlichen Unfälle 
hat sich von 8501 im Vorjahre auf 7975 vermindert. Völlige Er¬ 
werbsunfähigkeit entstand bei 1435 Unfällen. 

Nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen statistischen Amtes, 
Abteilung für Arbeiterstatistik, Jahrgang 1904, differenziert sich die U n - 
fallgefahr nach Wochentagen und Tagesstunden in folgender Weise: 


Unfallhäufigkeit nach Wochentagen. 


Berufsgenossenschaften 

Jahr 

Unfallziffer für die einzelnen Wochentage, be¬ 
rechnet unter der Annahme, daß auf 1 Tag im 
Durchschnitt des ganzen Jahres 1 Unfall entfällt. 

Sonn- 1 Mon- Diens-i Mitt- ! Frei- Sonn¬ 
tag tag tag I woch j j tag abend 

Gewerbliche Berufsgenossen¬ 
schaften 

1897 

0,15 

| 

1,28 1,17 

1,10 i 1,10 

1 

1,06 i 1,10 

Landwirtschaftliche Berufs¬ 
genossenschaften 

1901 

0,29 

1,22 , 1.06 

1,05 1.09 

1 

1.12 1.17 

J ) Die Berufsgenossenschaft. 

1903. 

Nr. 7. 




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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


27 


Unfallhäufigkeit nach den Tagesstunden. 


Berufsgenossenschaften 

Jahr 

Unfallziffer für die nachgewiesenen 3 ständigen 
Zeiträume, berechnet unter der Annahme, daß 
auf 3 Stunden im Durchschnitt des ganzen 
Jahres 1 Unfall entfällt. 

i 

Montag Sonnabend 

vormittags 9—12 nachmittags 3—6 

Gewerbliche Berufsgenossen- 
schaften 

1887 

2,63 

2,33 


1897 

2.87 

2,74 


Nach dem Verwaltungsbericht der Knappschafts-Berufs¬ 
genossenschaft waren im Jahre 1903 im deutschen Bergbau 
619798 Personen beschäftigt, die im ganzen 7137 2 Millionen Mark 
Löhne verdienten. Auf eine Person entfielen somit im Durchschnitt 
1151,30 Mark gegen 1107,18 Mark im Vorjahre. Die Zahl der zur 
Anzeige gekommenen Unfälle betrug 74433, das sind 120,09 auf 
1000 Versicherte, davon wurden entschädigungspflichtig 9049 oder 
14,60 auf 1000 versicherte Personen. Tödlichen Ausgang hatten 
1159 Unfälle, daraus hinterblieben 823 Witwen, 2367 Kinder und 74 
sonstige zu entschädigende Verwandte. Von den Unfällen wurden 
67,35 Proz. durch die Gefährlichkeit des Betriebes an sich verursacht 
und 0,67 Proz. durch Mängel des Betriebes im besonderen, durch die 
Schuld der Mitarbeiter wurden 3,22 Proz. und durch die Schuld der 
Verletzten selbst 28,76 Proz. der Unfälle veranlaßt. Für das Jahr 
1903 wurden an Beiträgen von den Unternehmern 18 l / e Millionen 
Mark erhoben, davon entfielen auf Entschädigungen 15 1 /? Millionen. 
Dem Reservefonds wurde einschließlich seiner eigenen Zinsen der 
Betrag von 3’/ 4 Millionen Mark zugeführt; er hat bereits die Höhe 
von 35 Vs Millionen Mark erreicht. Die Verwaltungskosten beliefen 
sich auf 2,8 Proz., die Kosten der Unfalluntersuchungen, der Fest¬ 
stellung der Entschädigungen, der Schiedsgerichts- und Unfallver¬ 
hütungskosten, sowie die Kosten des Heilverfahrens innerhalb der 
ersten 13 Wochen nach dem Unfälle auf 2,7 Proz. der Jahresumlage. 
Für einen Versicherten belaufen sich die Unfallkosten im Jahre 1903 
auf 29,98 Mark, im Jahre 1886 betrugen sie 7,55 Mark. 

In der Sitzung der württembergischen Kammer der Abgeordneten 
vom 28. Mai gab bei der Beratung über den Ausbau der Ge¬ 
werbeinspektion der Minister des Innern die Erklärung ab, 
daß für den nächsten Etat die Anstellung eines vierten Gewerbe¬ 
inspektors vorgesehen, und daß für später auch die Anstellung einer 
ärztlichen Kraft für die Gewerbeinspektion in Aussicht zu 
nehmen sei. 


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28 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Das bisher als Assistentin bei der badischen Fabrikaufsicht ver¬ 
wendete Fräulein Dr. Baum ist als Fabrikinspektorin angestellt 
worden. 

Seit April ist im Berliner Bauputzergewerbe der Acht¬ 
stundentag durchgeführt worden. 

Die französische Kammer hat die Ausdehnung desArbeiter- 
unfallVersicherungsgesetzes von 1898 auf die Angestellten 
der Nahrungsmittelgewerbe, sämtlicher industriellen Werkstätten und 
Unternehmungen sowie der Proviantanstalten, Lagerhäuser und Speicher 
beschlossen. 

Die öffentliche Unfallversicherung im Staate Mary¬ 
land in Nordamerika, der erste Versuch einer staatlichen Ver¬ 
sicherung in Nordamerika, mußte auf Gerichtsbeschluß als wider die 
Staatsverfassung verstoßend aufgegeben werden. 


Im Jahre 1901 wurden in 410 öffentlichen Schlachthäusern 
Preußens im ganzen 1165347 Rinder geschlachtet, unter denen 
nicht weniger als 211635 Rinder mit Tuberkulose behaftet waren. 
Von diesen tuberkulös befundenen Rindern konnte das Fleisch von 
201882 Rindern dem freien Verkehr übergeben werden. (Im Jahre 1900 
sind 12000 Rinder mehr geschlachtet worden.) Ferner wurden in 
Preußen im Jahre 1901 in den öffentlichen Schlachthäusern 3892769 
Schweine geschlachtet (50000 Tiere weniger als 1900). Unter den 
geschlachteten Tieren waren 103431 mit Tuberkulose behaftet, von 
denen das Fleisch von 4355 Schweinen dem Verkehr entzogen werden 
mußte. Rinderfinnen wurden bei 8660 Tieren festgestellt, während 
Schweinefinnen bei 2408 Schweinen vorhanden waren. Bei 585 Schweinen 
wurden Trichinen nachgewiesen. Es wurden außerdem in 387 Städten 
im ganzen 79841 Pferde behufs Verwertung als Nahrungsmittel 
für den Menschen geschlachtet. Davon entfallen allein auf Berlin 
11760. 

Eine städtische Kindermilchanstalt zu Bergisch- 
Gladbach ist am 1. August in einem besonderen Gebäude des 
städtischen Schlachthofes eingerichtet worden. Sie steht unter Leitung 
des Tierarztes und Schlachthofdirektors. Durch die Kindermilch¬ 
anstalt soll vor allem den bedürftigen Eltern eines unter neun Monaten 
alten Kindes Gelegenheit zur Erlangung von guter und billiger Milch 
gegeben werden. 

Eine gemeinnützigeGesellschaftfürMilchausschank 
im Rheinland und Westfalen hat sich im Sommer gebildet; ihr 
Urheber ist Otto Kamp in Bonn (früher in Frankfurt a. M.). 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


29 


Der Zweck ist, die Milch als tägliches Getränk mehr einzuführen, 
besonders dadurch, daß man an belebten Stellen Milchhäuschen 
errichtet, ähnlich den Selterwasserhäuschen; jedes Häuschen kostet 
mit Einrichtung etwa 1500 Mark. Man will Vollmilch und Mager¬ 
milch führen, kalt oder warm je nach der Jahreszeit. Die erste 
öffentliche Milchschankstelle dieser Art ist im Juli auf dem Kop- 
stadtplatze in Essen eröffnet worden; sie hatte stets guten Zu¬ 
spruch. Die Gesellschaft verfügt bereits über ein Vermögen von 
70000 Mark, gebildet aus Anteilen von 500 Mark, die meistens von 
Großindustriellen gezeichnet sind; ihrem Aufsichtsrate gehören die 
Oberpräsidenten und Landeshauptmänner der beiden Provinzen an 
Vorsitzender des Vorstandes ist Möhlau in Düsseldorf, erster 
Schriftführer Otto Kamp, Geschäftsführer Gottfried Peltzer 
in Düsseldorf. 

In der Londoner Vorstadt Battersea hat die kommunale Milch¬ 
versorgung durch eine städtische Molkerei die Säuglingssterb¬ 
lichkeit erheblich verringert. Während von 1897—1901 diese 198 
auf 1000 betrug, beträgt sie zurzeit nur noch 98. 

Nach den Berechnungen F. Hirschfelds in der Monatsschrift 
für soziale Medizin beträgt in Familien, deren Einkommen 1500 Mark 
nicht übersteigt, der tägliche Kartoffel- und Brotverbrauch 
pro Person etwa 500-700 Gramm von beiden. Große Unterschiede 
zeigen sich dagegen im Fleischverbrauch. Bei einem durchschnitt¬ 
lichen Jahreseinkommen von 500 Mark, wie es die Zittauer Weber 
erlangen, beträgt der Fleischkonsum täglich pro Person nur 20 Gramm, 
er steigt dann mit zunehmendem Einkommen und beträgt bei einem 
Einkommen von 1500 Mark zirka 100 Gramm täglich. Die Ernährung 
der wohlhabenden Klasse unterscheidet sich von diesen Kostformen 
durch einen reichlicheren Fleischgehalt. Von Brot und Kartoffeln 
werden etwa je 475 Gramm täglich genossen, von Fleisch 300—400 
Gramm (Männer) und 200—300 Gramm (Frauen). In den Klassen, 
deren Einkommen zwischen 6000 und 10000 Mark beträgt, sinkt der 
tägliche Brot- und Kartoffelverbrauch noch mehr, er beträgt im 
Durchschnitt nicht mehr als annähernd 150—200 Gramm. 

Die Stadt Gera hat den Häringskonsum durch eine Abgabe 
erschwert. 

Da mit dem 1. Oktober die Nachuntersuchung des aus¬ 
wärts geschlachteten Fleisches den Städten uutersagt ist. 
dürfte es nach den Ausführungen von Hermann Cohn („Tag". 
30. Dezember 1904) nicht ausgeschlossen sein, daß in Zukunft die 
Blasenwürmer im Auge wieder so häufig wie früher beobachtet werden. 
Nach einer Zusammenstellung des nämlichen Autors befanden sich 
unter 10000 von ihm behandelten Augenerkrankungen 44 Blasen¬ 
würmer vor der Durchführung der Fleischbeschau, während er nach 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


1890 unter mehr als 24000 Augenkranken keinen Cysticercus mehr 
beobachtete; Uhthoff fand vor Einführung der obligatorischen 
Fleischschau auf 1100 Augenkranke durchschnittlich einen Cysticercus, 
später nur auf 25000 Augenkranke einen; Hirschberg sah nach 
der Einführung des Reichsfleischschaugesetzes vom 3. Juni 1890 unter 
65000 Augenkranken keinen einzigen Blasenwurm mehr. 

In einer Arbeit über Lohn und Haushalt der Uhrenfabrikarbeiter 
des Badischen Schwarzwalds macht Feuerstein an der Hand einer 
Reihe von Arbeiterbudgets bemerkenswerte Mitteilungen über die 
Beziehungen von Zuckerverbrauch und Alkoholgenuß. Sieben 
Familien mit einem Zuckerverbrauch von 98—51 g täglich auf einen 
Erwachsenen verausgabten jährlich für geistige Getränke im Hause 

12— 0 Mark; dagegen verbrauchten 7 Familien, welche jährlich 

13— 57 Mark für geistige Getränke verausgabten, nur 49—21 g Zucker 
täglich auf einen Erwachsenen. 


Die 56 Millionen Einwohner, die Deutschland nach der letzten 
Volkszählung aufweist, wohnen in etwa 6319000 Wohngebäuden. 1 ) 
Jedes der letzteren beherbergt also im Durchschnitt annähernd 
9 Personen. Auf ganze Hundert abgerundet, verteilen sich die 
6319000 Wohnhäuser auf die einzelnen Bundesstaaten wie folgt: 
Preußen 3 603 200 (auf jedes Wohngebäude kommen etwa 9,8 Personen >, 
Bayern 845600 (7,3), Sachsen 359600 (11,7), Württemberg 311800 
(6,9), Elsaß-Lothringen 265600 (6,4), Baden 244800 (7,6), Hessen 155000 
(7,2), Mecklenburg-Schwerin 70900 (8,5), Oldenburg 60500 (6,6), 
Sachsen-Weimar 58900 (6,8), Braunschweig 48100 (9,6), Hamburg 
42100 (18,2), Anhalt 37000 (8,5), Sachsen-Koburg-Gotha 32500 (7), 
Sachsen-Meiningen 32300 (7,7), Bremen 28800 (7,8), Sachsen-Alten- 
burg 23700 (8,2), Lippe-Detmold 19900 (7), Reuß j. L. 14100 (9,8), 
Schwarzburg-Rudolstadt 13200 (7), Schwarzburg-Sondershausen 12500 
(6,1), Lübeck 11400 (8,5), Mecklenburg-Strelitz 10900 (9,4), Waldeck 
9100 (6,3), Reuß ä. L. 6900 (9,8), Schaumburg-Lippe 6200 (6,9). 

Die Schwankungen des Wohnungsmarktes in Berlin 
sind durch folgende Ermittlungen des städtischen statistischen Amtes 
gekennzeichnet: 1890 standen fast 12000 Wohnungen leer, 1895: 
24000, die aber bis zum Jahre 1900 auf 2906 oder 0,61 Proz. des 
gesamten Bestandes zurückgingen. Auf 1000 der Bevölkerungszu¬ 
nahme kamen in den Gründerjahren 1872 und 1873 nur 29 leer¬ 
stehende Wohnungen. Das Angebot stieg allmählich bis zum Jahre 1894 


J ) Kommunale Praxis. 1904. Nr. 1. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


31 


auf 1809 leere Wohnungen für 1000 Einwohner mehr. Dann ging 
das Angebot im Vergleich zur Zunahme der Bevölkerung wieder zu¬ 
rück, und zwar auf 167 im Jahre 1900. Schon 1901 standen aber 
für 1000 neue Bewohner schon 497 Wohnungen bereit, 1903 waren 
es wiederum nur 229. Bemerkenswert ist, daß im Jahre 1903 der 
Bau von kleinen Wohnungen gegenüber 1901—1903 nach den neuesten 
Ermittlungen des statistischen Amts der Stadt Berlin viel stärker 
zugenommen hat, als der von Wohnungen mit drei und mehr heiz¬ 
baren Zimmern. Bei den kleinen Wohnungen betrug die Zunahme 
rund 37, bei den großen Wohnungen nur 15 Proz. 

Nach Ermittlungen von E. Cohn schuf die gemeinnützige 
Bantätigkeit in Frankfurt a. M. im Jahre 


1870 . . . . 

. 161 Wohnungen 

1880 . . . 

. 550 „ 

1890 . . . 

. 580 

1900 

... ca. 1700 „ 

1904 . . . 

... ca. 3300 „ 


Diese Wohnungen beherbergen 16600 Inwohner. Von den gesamten 
66000 Wohnungen mit 320000 Bewohnern Frankfurts sind in 40 Jahren 
5 Proz. von gemeinnütziger Seite erbaut. Die eifrigste und erfolg¬ 
reichste nnter den gemeinnützigen Baugesellschaften ist die Aktien¬ 
baugesellschaft für kleine Wohnungen, die unter der rührigen Initia¬ 
tive des Stadtrats Flesch 1890 ins Leben trat und bis 1903 bereits 
973 Wohnungen für ca. 5000 Einwohner hergestellt hat. Die Miets¬ 
preise der Wohnungen sind billiger als die auf dem freien Wohnungs¬ 
markt, bei einigen Gesellschaften sogar um 20—25 Proz. Ein Leer¬ 
stehen von Wohnungen findet fast gar nicht statt. 

Auf Anregung von Flesch soll in Frankfurt a. M. nach dem 
Muster des Glasgower Witwerheims ein Witwerheim 1 ) eingerichtet 
werden. Es soll in einer Reihe von Schlafräumen bestehen, in denen 
Witwer, mit ihren Kindern männlichen Geschlechts vom zweiten Jahre 
bis zur Erwerbsfähigkeit Unterkunft finden. Außerdem sind ein oder 
mehrere Anstaltsräume geplant, in welchem die Kinder während der 
schulfreien Zeit sich auf halten und gemeinschaftlich oder mit dem 
Vater zusammen die Mahlzeiten einnehmen können. Die Beköstigung 
der Kinder wird von der Verwaltung geliefert oder überwacht, jedoch 
gegen ein von den Vätern zu leistendes Entgelt. Die Kosten des 
Baues sind auf 165000 Mark veranschlagt. Die Verwaltung und Ver¬ 
köstigung auf 14600 Mark. Die Gebühren für Verköstigung der 
Kinder sind wie folgt veranschlagt: für ein Kind 2,50 Mark pro 
Woche, für zwei Kinder 2 Mark für das Kind, drei Kinder 1,50 Mark 


J ) Kommunale Praxis. 1904. Nr. 6. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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pro Kind und vier Kinder oder mehr 1,20 Mark pro Kind. Ein 
Witwer, der eine Wocheneinnahme von 21 Mark (3,50 Mark täglich) 
bei ununterbrochener Arbeit oder 4 Mark täglich bei jährlich etwa 
fünf Wochenverdienstpausen hat, wurde also bei einer Einnahme von 
rund 1100 Mark aufzuwenden haben: bei einem Kind Miete (mit 
Heizung) 20 Mark oder 240 Mark jährlich, Verköstigung des Kindes 
130 Mark, das sind zusammen 370 Mark, so daß ihm für seinen 
eigenen Bedarf (Kost, Kleider) und die sonstigen Bedürfnisse des 
Kindes noch rund 740 Mark verblieben. Ein Witwer mit zwei 
Kindern hätte zu zahlen: Miete und Heizung 266 Mark, Kost der 
Kinder 204 Mark, zusammen 470 Mark, so daß ihm 600 Mark ver¬ 
blieben. Da Miete und Verköstigung die Verzinsung der Kapital¬ 
anlage und Verwaltung nicht decken, so würde ein Defizit von 
4250 Mark zu decken bleiben. 

In Heilbronn wurde vom 20. Juni 1903 bis zum Schluß des 
Jahres seitens der Wohnungsinspektion sämtliche der Aufsicht 
unterstehenden Wohnungen der Altstadt untersucht. Es kamen 
dabei 989 Gebäude mit 2884 Wohnungen in Frage, davon 1998 mit 
weniger als drei Wohnräumen, 230 Wohnungen mit Schlafgängern, 
26 Gebäude, in denen gewerbsmäßig beherbergt wird und 630 Schlaf¬ 
gelasse von Dienstboten. Es wurden in den kontrollierten Wohnungen 
1071 Mängel festgestellt: mangelhafte Abortanlagen in 577 Fällen, 
zum Wohnen ungeeignete Räume und daraus folgendes Wohnungs¬ 
verbot 6, mangelhafte Feuerungseinrichtungen 110, vorschriftswidrige 
Schlafräume 12, sonstige Beanstandungen von Wohnräumen 206. 
Wohnungsüberfüllung 52, Unreinlichkeit 28, sicherheitspolizeiliche Be¬ 
anstandungen 37, sonstige sanitäre Mängel 43. Die schon früher vor¬ 
genommene Untersuchung der Neustadt erstreckte sich auf 207 Häuser 
mit 622 Wohnungen, wobei sich 123 Beanstandungen ergaben. Noch 
zu untersuchen sind 1250 Häuser mit 3223 Wohnungen. 

Die Allgemeine Ortskrankenkasse Pforzheim hat in 
den Jahren 1902 und 1903 1470 Wohnungen untersucht. Die Er¬ 
hebungen ergaben eine große Anzahl Mißstände, so vor allem unsaubere 
Räumlichkeiten, Überfüllung, unreinliche Lebenshaltung. Unter Be¬ 
rücksichtigung der bescheidensten Minimalforderung von 10 Kubikmeter 
Luftraum pro Kopf, waren in Pforzheim 17,13 Proz. der Wohnungen, 
in den Landorten 26,75 Proz. überfüllt; in einer großen Reihe von 
Fällen war diese Überfüllung auf das Schlafgängerwesen zurückzu¬ 
führen. Über die Benutzung der Wohn- und Schlafräume wurde fest¬ 
gestellt, daß in Pforzheim selbst in 20,87 Proz. diese gleichzeitig als 
Küche, in 7,79 Proz. aber auch als Arbeitsstätte benutzt wurden. 
In den Landorten ist die gleichzeitige Benutzung der Wohnräume als 
Küche noch häufiger angetroffen worden; hier wurden nicht weniger 
als 32,44 Proz. als Küche und 5,35 Proz. als Arbeitsstätte benutzt. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Nicht heizbar waren in Pforzheim 25,23 Proz., in den Landorten 
26,75 Proz. Recht bedenklich waren auch wiederum die Feststellungen 
über die Benutzung der Betten; nicht weniger als 144 Personen 
teilten dasselbe mit einem gesunden Familienmitglied, unter denen 
sich in 62 Fällen Kinder befandeu. In 14 Fällen wurden die Betten 
Infektionskranker gleichzeitig von einer zweiten Person benutzt, in 
21 schliefen Kranke mit Lungentuberkulose mit einer zweiten Person 
zusammen. 

In ihrem Geschäftsbericht für 1903 bringt die Gemeinsame 
Ortskrankenkasse Straßburg im Elsaß die Ergebnisse ihrer 
dritten Wohnungsenquete 1903—1904 und stellt die Resultate 
aller drei Wohnungsenqueten zusammen. Die drei Wohnungsenqueten 
erstrecken sich auf 2241 Wohnungen von Krankenkassenpatienten. 
In der inneren Stadt wiesen 47,8 Proz., also fast die Hälfte der unter¬ 
suchten Wohnungen, noch keine 2 Räume mit Küche auf. Die 
Wohnungen mit mehr als 2 Stuben und Küche bilden einen sehr 
niedrigen Prozentsatz. Der Aufenthaltsraum wurde im Durchschnitt 
bei Tag von 3—4 Personen benutzt und bei Nacht von 3 Personen. 
Der großen Mehrzahl der Kranken stand ein Luftraum zur Verfügung, 
der bei weitem nicht den notwendigen sanitären Anforderungen ge¬ 
sunder, geschweige denn kranker Menschen entsprach. Die Zahl der 
dunklen Räume betrug in der Stadt 24,8 Proz. und in den Vororten 
16,6 Proz. In der Stadt waren 9,3 Proz. der Wohnungen feucht, in 
den Vororten dagegen 20,2 Proz. In der Stadt wurden 37,6 Proz. 
der Aborte von mehr als 20 Personen benutzt (9,6 Proz. bis 40 Per¬ 
sonen, 2,9 Proz. bis 50 Personen, 1,3 Proz. bis 60 Personen). Die 
innere Stadt hatte 9,4 Proz. Räume ohne Heizgelegenheit aufzuweisen, 
die Vororte 3,4 Proz. In der inneren Stadt treten die möblierten 
Zimmer relativ zahlreich auf; 20,8 Proz. der untersuchten Räume sind 
möblierte Zimmer (in den Vororten dagegen nur 2,4 Proz.). Von Familien 
bewohnte möblierte Zimmer befanden sich unter den kontrollierten 
Räumen 7,5 Proz. in der inneren Stadt, 0,2 Proz. in den Vororten. Schlaf¬ 
stellen zählte man 5,5 Proz. in der inneren Stadt, 1,8 Proz. in den 
Vororten. Im Durchschnitt kamen auf eine Wohnung ca. 2 Betten, 
und auf 2 Personen ungefähr ein Bett. Fälle, wo 3 ja 4 Personen 
ein Bett teilten, waren ziemlich häufig. Von den 10036 Wohnhäusern 
Straßburgs wurden für die Bearbeitung von der Wohnungskommission 
2604 Häuser, das heißt 26 Proz. aller Wohnhäuser vorgesehen. In der 
Tat wurden 1759 Wohnhäuser (17 Proz. aller Wohnhäuser) bearbeitet. 
In 1202 Wohnhäusern (12 Proz. aller Wohnhäuser) erfolgte die Ab¬ 
stellung von Mißständen. 557 Häuser (5 Proz. aller Wohnhäuser) 
blieben unbeanstandet. Im ganzen wurden 5016 Mißstände beseitigt, 
von denen in 214 Fällen (4,26 Proz.) ein Zwangsverfahren erforder¬ 
lich war. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 3 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Über die Weichbildgröße, Bevölkerungszahl und den 
Umfang der Parkanlagen der wichtigsten deutschen und einiger 
außerdeutschen Großstädte teilt Franz Oppenheimer (Nr. 9 der 
„Woche“) folgende Tabelle mit: 


Stadt 

Gesamt¬ 
fläche in 
qm 

Von der 

Öffentliche 
Park- und 
Garten¬ 
anlagen 

Sesamtfläc 

Prozent¬ 

satz 

he waren: 

Bevölke¬ 

rung 

qm Garten¬ 
anlage auf 
den Kopf der 
Bevölkerung 

Berlin 

634 947 

18663') 

2,93 

1888326 

0.99*) 

Breslau 

359311 

13672 

3,81 

422 738 

3.21 

Kassel 

215 206 

17 334 

8,05 

106001 

16,35 

Chemnitz 

243 400 

2 700 

ui 

206584 

1,30 

Danzig 

199 728 

712 

0,35 

140639 

0,51 

Dortmund 

276 641 

11036 

3.99 

142418 

7,71 

Dresden 

401621 

107 550 *) 

26,77 

395 349 

27.20 '} 

Düsseldorf 

486 364 

10300 

2,12 

213 767 

4,81 

Düsseldorf 


55 104') 

11.33 


25.77 *) 

Essen 

96641 

10736') 

11,11 

118863 

9,03') 

Frankfurt a. M. 

801 400 

3494 

0,44 

288489 

1,21 

Freiburg i. Br. 

528535 

6848 

1,29 

61506 

11,29 

Halle a. S. 

253 395 

3 464 

1,36 

156 611 

2.21 

Hamburg 

769077 

14 209 

1,84 

705 738 

2,01 

i T 

Hannover 

395 620 

8996 

2,27 

235 666 

i 3,39 

Kr, ln a. Rh. 

1 110 994 

14 799 

1.33 

' 372 229 

j 3.16 

Königsberg i. Pr. 

200 400 

1800 

0.89 

187 897 

0,95 

Leipzig 

570 700 

19 600 

3,43 

455089 

! 4,31 

Lübeck 

297 242 

3 247 

1,09 

82 098 

| 3,95 

Magdeburg 

554 726 

85 423 •) 

15,39 

229 663 

37,19') 

Mannheim 

660 646 

6 239 

0,94 

140 384 

1 4,44 

München i 

754 495 

30 419 

4.03 

499 959 

6,08 

Nürnberg 

544 412 

5 318 

0.97 

261022 

1 2,03 

Potsdam 1 

135 039 

13 681 

10,13 

59 814 

22.87 

Stuttgart 

297 900 

8100 

2,72 

176318 

4.71 

Wien 

1 781 200 

97 700 

5,48 

1530000 

1 6,38 

Paris 

780 200 

18 600 

2,38 

1 2 830 000 

| 0,66 

Korn j 

157 200 

4 400 

2,79 

1 480 000 

! 0,91 

Amsterdam i 

459 700 

7 300 

1.59 

590 C00 

: 1.23 

New York ; 

8 473 300 

276 923 

j 3.26 

3 437 202 

1 8,05 

Chicago 

4 950 700 

88 526 

; 1,78 

j 1 698 575 

! 5.21 

Boston 

1 103 600 

106 110 

9,61 

j 560892 

18,91 

i 

1 


') Bei dieser Zahl sind Wege. Straßen, Eisenbahnen und Begräbnisplätze mit 
einbegriffen. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


35 


Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft besitzt eine 
Geschäftsstelle in Schlachtensee bei Berlin (Seestraße 35); den Vorstand 
bilden B. Kampffmever, A. Otto und P. Schirrmeister. Das 
Ziel der Gartenstadt-Gesellschaft ist die Gewinnung breiter Volkskreise 
fnr den Gedanken der Errichtung von Gartenstädten auf 
der Grundlage des Gemeineigentums an Stadt- und 
Landboden, sowie die Förderung aller Maßnahmen, die 
diesem Ziele dienen. Die Gartenstadt-Gesellschaft empfiehlt 
eine Innenkolonisation, das heißt eine wirtschaftlich harmonische 
Aufteilung des platten Landes und seine zweckmäßige Durchsetzung 
mit Städten; sie erstrebt eine Wohnungsreform durch eine organi¬ 
sierte Wanderung der Industrie auf das platte Land, wo ein weit¬ 
läufiger hygienischer, ästhetischer Bau bei voller Berücksichtigung 
der Bedürfnisse der Industrie möglich ist und wo auch der sich 
angliedernden Landwirtschaft neben nahen Märkten billige mecha¬ 
nische Kraft und gute Verkehrsbedingungen gebracht werden 
können; sie ist bemüht, eine Siedelung größeren Stils einzuleiten, 
wofür die Errichtung einer besonderen Gründungsgesellschaft Vor¬ 
behalten ist. 

Die Villenkolonie Buchschlag in Sprendlingen bei Frank¬ 
furt a. M. (Hansa-Haus) stellt einen neuen fortschrittlichen Typus von 
Villenkolonien dar. Das Terrain (30 ha) ist zu einem verhältnis¬ 
mäßig recht billigen Preise von der großherzoglichen Regierung an 
eine gemeinnützige Gesellschaft abgegeben worden; diese besorgt die 
Aufschließungsarbeiten ohne Spekulationsgewinn. Durch die Größen¬ 
bemessung der Bauparzellen und die Eintragung von Baubestimmungen 
und Ausnutzungsbeschränkungen des Bodens ist für alle Zukunft eine 
landhausartige Bebauung gesichert. 

Lever, der Inhaber des Sunlight-SeifenWerkes in Liverpool, das 
über 3000 Arbeiter beschäftigt, hat in dem Musterdorf Port 
Sunlight für seine Arbeiter an einer 4 englische Meilen langen 
Straße 600 Villen in den verschiedensten Stilarten gebaut, von denen 
je drei bis fünf in einem gemeinschaftlichen Garten liegen. Jedes 
Haus wird nur von einer Familie bewohnt und enthält Wohnzimmer, 
Küche, zwei bis drei Schlafzimmer und Badestube. 

In einer Vorstadt Kopenhagens hat der Schuldirektor 0. Fick 
eine Haushaltungszentrale für 25 Familien eingerichtet. Das 
ganze Haushaltungswesen wird zentralisiert und die 25 Familien werden 
mit Essen, Trinken, Feuerung, Wäsche, Bedienung usw. gegen eine 
bestimmte monatliche Bezahlung versehen. Die Kosten für eine aus 
Mann, Frau und drei Kindern bestehende Familie werden 3—4000 
Kronen (3360—4480 Mark) jährlich für Wohnung und alles übrige be¬ 
tragen, doch wird das System auch mäßigeren Forderungen angepaßt 
werden können. 

3 * 


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36 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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Der Verein für Verbesserung der WohnnngsVerhältnisse in 
Mönchen hat die Errichtung eines Ledigenheimes für männ¬ 
liche Arbeiter nach dem Kabinensystem beschlossen. 

Der Magistrat der Stadt Fürth hat die Errichtung eines 
Ledigenheims ans städtischen Mitteln beschlossen und die Kosten 
der Projektbearbeitung bewilligt. In einem neuen städtischen Ge¬ 
bäude, das auch anderen städtischen Anstalten dienen soll, will man 
zwei Stockwerke znr Unterbringung von 60—70 ledigen Arbeitern 
verwenden, nm dem Schlafstellenwesen zu steuern. 

Die Stadt Ulm errichtet ein Ledigenheim für 60 weibliche 
Angestellte mit einem Kostenaufwande von 105000 Mark. 

In Charlottenburg hat sich eine Gesellschaft zur Errichtung 
eines Ledigenheims gebildet. 

Der Bericht der Handelskammer in Stuttgart für 1903 schreibt 
der Bewegung für Reformkleidung den Rückgang des dortigen 
Korsettgeschäftes zu. 

In der chinesischen Stadt Itschang hat sich eine Gesellschaft 
für ungebundene Füße konstituiert, um den chinesischen Brauch 
der Fußverkrüppelung bei den Kindern weiblichen Geschlechts zu 
bekämpfen. 


Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit ist in 
Berlin seitens der Kommunalbehörden eine gemischte Deputation 
zusammengetreten, die aus 10 Stadtverordneten und 5 Magistrats¬ 
mitgliedern besteht. 

Am 16. März hat sich in Berlin eine Gesellschaft zur Be¬ 
kämpfung der Säuglingssterblichkeit konstituiert. Um eine 
frische, möglichst unveränderte Milch für die Kinder der ärmeren 
Bevölkerung zu beschaffen, hat sich die Gesellschaft zunächst mit 
Molkereien in verschiedenen Stadtteilen in Verbindung gesetzt, deren 
Betrieb durch eine größere Anzahl sich freiwillig zur Verfügung 
stellender Tierärzte regelmäßig beaufsichtigt wird. Dadurch soll er¬ 
reicht werden, daß in allen Stadtteilen Berlins eine möglichst einwand¬ 
freie, keimarme, unschädliche Milch zu haben ist. Die Gesellschaft 
will ferner, wo es Not tut, Geldprämien an Frauen verteilen, die ihr 
Kind selbst nähren. Als Schriftführer fungieren 0. S. Engel und 
Bongert. 

Über den Alkoholgenuß der Schulkinder hat Goldfeld 1 ), 
Schularzt in Schöneberg bei Berlin, in der Zeit vom Oktober 1902 bis 
März 1903 Ermittlungen angestellt, die er in folgender Tabelle zu¬ 
sammenstellt : 

*) Die Abstiuenz. Nr. 13. 1904. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


37 


Klasse 

Gesamt¬ 

zahl 

Regelmäßige 

Biertrinker 

. 0 i 

in Sa. j Proz. 

Tranken 
sonstige S 

i 

in Sa. 

zeitweise 

Spirituosen 

Proz. 


a) Knabenschule: 



III 0 

51 

23 

46,6 

12 

! 23,5 

VI o 

62 

30 

46,8 

12 

19,3 

Im 

48 

36 

75,0 

18 

37,5 

Ilm 

44 

20 j 

45,5 

11 

25,0 

III m 

45 

15 1 

33'/a 

8 

17,7 

IV ra 

54 

26 i 

48,1 

15 

27,7 

Vm 

57 

41 

71,5 

15 

29,8 

VI ma 

53 

51 

96.2 

32 

60,4 

VI mb 

56 

22 

38,0 

16 

28,5 

Sa.: 

470 

264 

56,2 

139 

' 30,0 


b) 

Mädchenschule: 



Io 

40 

17 

42,5 

8 

1 20,0 

II0 

44 

23 

1 52,2 

15 

34,0 

Illob 

45 

17 

37,7 

12 

26.6 

IVoa 

53 

31 

58,5 

27 

50,9 

IV ob 

51 

34 

66,6 

26 

50,9 

Voa 

50 

13 

26,0 

8 

16,0 

I m 

42 

18 

42,8 

15 

35,7 

11 ma 

40 

21 

52,5 

16 

40,0 

II mb 

41 

22 

53,6 

9 

22,0 

III ma 

44 

19 

! 43,2 

7 

16,0 

Vm 

47 

27 

1 57,2 

17 

36,1 

Sa.: 

497 

242 

48,7 

160 

1 32,2 

c) Knaben 

und Mädchen zusammen: 


SSa.: 

967 

496 ! 

i 

j 51,3 

299 | 

j 30,9 


Der Alkoholgenuß von Schulkindern wurde auch in Gera 
durch den Schularzt festgestellt, wobei 515 Knaben und 554 Mädchen 
in Betracht kamen. Von diesen hatten nur 4 Knaben und 8 Mädchen 
überhaupt noch keinen Alkohol genossen. Schnaps hatten 250 Knaben 
und 270 Mädchen, Wein 235 Knaben und 237 Mädchen getrunken. 
Bier tranken täglich 109 Knaben und 130 Mädchen. Die Untersuchung 
erstreckte sich auf wiederholten, nicht einmaligen Genuß. 

In Charlottenburg ist die Anstellung einer Schul¬ 
ärztin für die städtischen Mädchenschulen beschlossen 
worden. 

Die in Charlottenburg für schwächliche Kinder aus städtischen 
Mitteln errichtete Waldschule erforderte an laufenden Ausgaben 


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38 


A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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für vier Monate 9020 Mark sachliche Kosten und 1100 Mark persönliche 
Kosten für die Verwaltung der Erholungsstätte, wozu noch 1000 Mark 
für Lehrkräfte kommen. Die einmaligen Ausgaben sind auf 20625 Mark 
veranschlagt, wovon 12000 Mark auf die Döcker’sche Schulbaracke 
entfallen. 

Die Stadt Mannheim hat einen städtischen Schularzt im 
Hauptamt mit einem Gehalt von 10000 Mark angestellt. 

Die Stadt Ulm bat einen Stadtschularzt im Hauptamt an¬ 
gestellt. 

Die Stadt Bunzlau hat zwei Schulärzte angestellt. 

In Leipzig wurden an den städtischen Volksschulen 18 Schul¬ 
arztstellen eingerichtet. Die Vergütungen für die Ärzte betragen 
je nach der Kinderzahl 256—450 Mark. 

In Preußen ist die Zahl der Hilfsschulen für schwach¬ 
befähigte Kinder seit 1892 von 26 mit 64 Lehrkräften und 700 
Schulkindern auf 143 mit 498 vollbeschäftigten Lehrern und Lehrerinnen 
nebst 31 Handarbeitslehrerinnen und 8207 Schulkindern gestiegen. 

Der Gemeinderat von Straßburg hat mit einem Aufwande von 
5550 Mark für die Schulkinder Ferienspiele im Freien mit 
Darreichung von Frühstück an etwa 1300—1600 Kinder täg¬ 
lich organisiert. 

Über den Umfang der Schulkinderspeisung in den 
deutschen Großstädten geben folgende Angaben 1 ) einen Über¬ 
blick: es erhielten im letzten Winter in Barmen 700, in Berlin 7000, 
in Braunschweig 250, in Breslau 1100, in Charlottenburg 300, in 
Köln ca. 800, in Danzig 1525, in Dortmund 570, in Düsseldorf 1000, 
in Elberfeld 800, in Essen 337, in Frankfurt a. M. 2100, in Halle 
2969, in Hamburg 300, in Hannover 1000, in Kiel ca. 500, in Königs¬ 
berg 2100, in Leipzig 2200, in Mannheim 3000, in Posen 600 und in 
Nürnberg 80 Kinder Frühstück. Mit Ausnahme von Berlin, Barmen, 
Braunschweig und Nürnberg wird in sämtlichen Städten das Schul¬ 
frühstück auch auf kränkliche und schwächliche Kinder ausgedehnt. 
In Magdeburg wird es nur in sehr strengen Wintern verabreicht. 
In Dresden, München, Stettin und Straßburg wird an Stelle des Früh¬ 
stücks Mittagbrot gewährt. In München ist jedoch auch die Früh¬ 
stücksspende bereits in Aussicht genommen. In Hamburg wird neben 
dem Frühstück das Gewicht auf Verabfolgung von Mittagbrot gelegt, 
wofür jährlich ca. 28000 Mark aufgewendet werden. Auch in Braun¬ 
schweig, Breslau, Köln, Kiel, Posen und Nürnberg gibt es neben dem 
Frühstück noch Mittagbrot. In Breslau, Charlottenburg, Düsseldorf, 
Halle, Mannheim und Magdeburg sind die Frühstücksverabreichungen 
öffentliche, in den übrigen Städten private Einrichtungen. Von 

») Soziale Praxis. 1904. Nr. 19. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


39 


letzteren erhalten jedoch öffentliche Unterstützung (städtische Sub¬ 
vention u. dgl.) die Einrichtungen in Danzig, Dortmund, Ham¬ 
burg, Hannover, Königsberg und Posen. Die Art des Frühstücks 
ist verschieden: trockene oder gestrichene Schrippen auch mit 
Milch, Milchkaffee mit Brot oder Brötchen, Kaffee oder Suppe mit 
Brot, Roggenmehlsuppe mit Weißbrot; in den meisten Fällen aber 
'/ 5 , V 4 , Vs sogar V« Liter (Kiel) Milch nebst Brot oder Brötchen. In 
der Regel wird nur im Winter (in Danzig und Kiel nur 3 Monate), 
jedoch in Hamburg, Köln und Hannover auch im Sommer beköstigt. 
Die Verabreichung findet unter Aufsicht der Lehrer zumeist in den 
Schulen, in wenigen Fällen auch in Schwesterheimen, Volksküchen 
u. dgl. statt. 

Der Verein zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung 
und Mißhandlung zählt gegenwärtig 2300 Mitglieder, davon 600 
in Berlin. Im Jahre 1903 sind 185 Fälle mit 270 Kindern unter¬ 
sucht und diese der Fürsorgeerziehung übergeben. 

Die Kosten der Fürsorgeerziehung sind von 1677977 Mark 
im Jahre 1901 auf 4032740 im Jahre 1902 gestiegen. Davon fallen 
2551915 auf den Staat, 1470825 auf die Kommunalbehörden. 

Nach einer Statistik des Samariterhauses in Crakau bei Magde¬ 
burg gibt es unter den 2,8 Millionen Einwohnern der Provinz 
Sachsen 1512 verkrüppelte Kinder unter 14 Jahren. Nach 
Berechnungen von Pfarrer Hohl vom Kreuznacher Diakonissenhaus 
leben in der Rheinprovinz 49000 verkrüppelte Personen; von denen 
allein 5860 keinen Schulunterricht genossen haben. 

Nach den Angaben von Rosenfeld auf dem Nürnberger 
Kongreß für Schulhygiene sind in Deutschland zurzeit 320000 
Krüppel vorhanden, von 235000 erwachsenen Krüppeln haben 40000 
keinen Unterricht genossen, 100000 sind unfähig sich zu ernähren. 

Für die gesamten thüringischen Staaten hat sich ein Verein ge¬ 
bildet, der sich in den Dienst der Fürsorge für Krüppel stellen 
will. Sitz des Vereins ist Weimar. In Arnstadt und Blankenburg 
(Schwarzatal) sind bereits Grundstücke erworben, in denen erwachsene 
Krüppel ein Unterkommen finden sollen. Zugleich wird sich der 
Verein mit der Erziehung und Bildung verkrüppelter Kinder befassen. 


Der englische Soziologe Francis Galton hat für die Londoner 
Universität eine Stiftung zur Errichtung eines Lehrstuhles 
zum Studium jener Faktoren gemacht, die die Eigenschaften zu¬ 
künftiger Generationen körperlich oder geistig verbessern oder ver¬ 
schlechtern könnten. 

In Berlin ist von A. Grotjahn und F. Kriegei ein anthro- 
pometrisches Laboratorium eingerichtet worden, in dem ver- 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


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gleichende Messungen möglichst zahlreicher Personen von gleichen 
sozialen Lebensbedingungen, gleichem Beruf oder gleicher Familien¬ 
abstammung vorgenommen werden, um dadurch vom hygienischen 
Standpunkte interessierende Aufschlüsse über Veränderungen des 
menschlichen Körpers unter dem Einflüsse der Berufsarbeit, der 
städtischen oder ländlichen Lebensweise und der Vererbung zu er¬ 
langen. 

Nach der Statistischen Korrespondenz sind in Preußen drei Ge¬ 
biete mit sehr hoher ehelicher Fruchtbarkeit vorhanden: ein 
großes östliches, welches die Provinzen Westpreußen und Posen sowie 
den Bezirk Oppeln umfaßt, und zwei kleinere westliche, welche sich 
aus dem industriereichen Arnsberg nebst Münster einerseits und 
Aachen mit Trier andererseits zusammensetzen. Die eheliche Frucht¬ 
barkeitsziffer bewegte sich 1900—1901 zwischen den Grenzwerten von 
341,1 (Münster) und 148,8 (Berlin) vom Tausend der gebärfähigen 
verheirateten Frauen. Höher als 300 stand sie außer in Münster in 
Oppeln (325,8), Bromberg (320,5), Trier (319,7), Marienwerder (318,8), 
Arnsberg (317,6), Aachen (316,5), Posen (307,2), Danzig (302,1), nie¬ 
driger als 200, abgesehen von Berlin, in Potsdam (186,6), Lüneburg 
(198,4) und Magdeburg (198,9). Wie bei der allgemeinen Geburts¬ 
ziffer zeigt sich auch bei der ehelichen Fruchtbarkeit eine deutlich 
erkennbare Abnahme. Im Staate belief sich die Fruchtbarkeitsziffer 
1880/81 auf 267,1, 1885/86 auf 268,9, 1890/91 auf 265;5, 1895/96 auf 
261,7 und 1900/01 auf 253,1. 

In Berlin hat sich ein Bund für Mutterschutz konstituiert. 
Der Zweck des Bundes ist: ledige Mütter und deren Kinder vor 
wirtschaftlicher und sittlicher Gefährdung zu bewahren und die 
herrschenden Vorurteile gegen sie zu beseitigen. Diese Ziele sucht 
der Bund zu erreichen: a) indem er ledigen Müttern zur Erringung 
wirtschaftlicher Selbständigkeit behilflich ist, insbesondere denjenigen, 
die ihre Kinder selbst aufziehen wollen, durch Schaffung von (länd¬ 
lichen und städtischen) Mütterheimen, b) durch eine allgemeine Mutter¬ 
schaftsversicherung, c) durch Verbesserung der rechtlichen Lage der 
unehelichen Mütter und Kinder, d) durch Propaganda jeder Art. Den 
Vorstand bilden Helene Stöcker, Ruth Bre, Maria Lisch- 
newska, W. Borgius und Max Marcuse. An den einzelnen 
Plätzen des Reiches sollen Orts- bzw. Bezirksgruppen mit weitgehender 
Freiheit hinsichtlich ihrer praktischen Betätigung und Finanzverwaltung 
gebildet werden. Alle zwei Jahre soll eine ordentliche General¬ 
versammlung stattfinden. 

In Westeuropa kommen nach M. Haushofer 1 ) an ehelichen 
Geburten auf je 1000 verheiratete und gebärfähige (d. h. im Alter 


') Die Wage. 1903. Nr. 53. 


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A. Chronik der sozialen Hygiene. 


41 


von 15—50 Jahren befindliche) Frauen im Deutschen Reich 270, in 
Belgien 265, in Italien 251, in Österreich 250, in England 250, in 
Irland 240, in Schweden 240, in der Schweiz 236 Geburten, dagegen 
in Frankreich nur 163, berechnet aus dem Durchschnitt der Jahre 
1874—1890. An unehelichen Geburten kommen auf je 1000 Einwohner 
in Österreich 5,5 (allein in Kärnten 14,6), im Deutschen Reiche 3,3 
(davon in Oberbayern 7,4), in Dänemark 3,1, in Schweden 2,9, in 
Italien 2,7, in Schottland 2,6, in Belgien 2,5, in Norwegen 2,4, in 
Frankreich 1,9, in England 1,5, in Holland 1,0. 

Der russische Großgrundbesitzer Raschatnikow ist seit Jahr¬ 
zehnten bemüht auf seinen bei Perm im nordöstlichen Rußland ge¬ 
legenen Gütern großgewachsene und schöne Menschen an- 
znsiedeln. Es ist ihm gelungen, etwa 40 Ehepaare von besten körper¬ 
lichen Qualitäten im Laufe der Zeit anzusiedeln, von denen zurzeit 
etwa 100 außerordentlich schöne Kinder vorhanden sind. Von zweien 
dieser Kinder ist jetzt die erste Ehe geschlossen worden. 

In Paris gab es nach dem Journ. de la Soc. Statist, de Paris 
(1904) im Jahre 1901 733959 Familien einschließlich der Verwit¬ 
weten und Geschiedenen. Hiervon hatten 313489 Familien (= 31,9 
Proz.) nur ein Kind, 166282 (= 25 Proz.) keines, 271576 weniger 
als sechs, 14035 mehr als sechs. Von 69177 war die Anzahl der 
Kinder unbekannt. 

Die in Sydney unter dem Vorsitz von Mac Kellar tagende 
Kommission zur Erforschung der Ursachen des Rückganges 
der Geburtsziffer hat ihre Untersuchungen zu einem vorläufigen 
Abschluß gebracht. In den 15 Jahren von 1887—1902 wies die Zahl 
der Geburten einen Rückgang von nicht weniger als 30 Proz. auf, 
während für die Kindersterblichkeit in der Dekade von 1892—1901 
die Durchschnittsziffern 110,6, für Viktoria 109,0, für Westaustralien 
gar 146,1 ermittelt worden sind. Die Anwendung der Präventivmittel 
hat nach den angestellten Erhebungen zumal im Staate Neu-Süd- 
Wales einen außerordentlichen Umfang erreicht. 


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ß. Gesetzestafel. 

iBei allen Angaben ohne Jahreszahl ist 1904 zu lesen.) 


I. Deutschland. 

1. Reichsgesetzgebung. 

Bekanntmachung vom 17. Dezember 1903. betr. Ausnahmen von den Vorschriften 
des § 12, § 13 Absatz 1 des Gesetzes über Kinderarbeit in gewerblichen Be¬ 
trieben vom 30. März 1903. (Reichsgesetzbl. S. 312.) 

Bekanntmachung vom 12. Januar, betr. die Denaturierung nicht zum Genüsse für 
Menschen bestimmten Fleisches. (Zentralbl. für das Deutsche Reich S. 13.) 

Erlaß des Reichkanzlers vom 1. Februar 1904, betr. Unfall-, Invaliden- und Altersrenten 
der Ausländer. (Zentralbl. für das Deutsche Reich S. 26.) 

Bekanntmachung vom 3. Februar, betr. Aenderung des § 20 Absatz 2 und der Anlage 
B der Eisenbahn-Verkehrsordnung. (Reichsgesetzbl. S. 29.) 

Verordnung vom 17. Februar zur Abänderung der kaiserlichen Verordnung Tom 
31. Mai 1897 (Reichsgesetzbl. S. 459\ betr. die Ausdehnung der §§ 135 bis 
139, § 139 b der Gewerbeordnung auf die Werkstätten der Kleider und Wäsche¬ 
konfektion. (Reichsgesetzbl. S. 62.) 

Bekanntmachung vom 21. Februar, betr. Bestimmungen zur Ausführung des Ge¬ 
setzes vom 30. Juni 1900 über Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. 
(Reichsgesetzbl. S. 67.) 

Bekanntmachung vom 26. Februar, betr. Vorschriften über Auswandererschiffe. (Reichs¬ 
gesetzbl. S. 136.) 

Rundschreiben des Reichskanzlers vom 5. April, betr. Unterstützung bedürftiger 
Lungenkranker durch die Gemeinden. 

Ausftihrungsanweisung des Ministers für Handel und Gewerbe, des Ministers der 
kirchlichen- usw. Angelegenheiten, des Finanzministers, des Ministers für 
Landwirtschaft, des Ministers des Innern, des Ministers der öffentlichen Arbeiten 
vom 1. Mai zur Gewerbeordnung für das Deutsche Reich. 

Bekanntmachung vom 4. Mai, betr. Vorschriften über das Arbeiten und den Verkehr 
mit Krankheitserregern, ausgenommen Pesterreger. (Reichsgesetzbl. S. 159.) 

Bekanntmachung vom 9. Mai, betr. die Abänderung der Ausführungsbestimmungen 
D zum Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz und der Fleischbeschau-Zoll¬ 
ordnung. (Zentralbl. für das Deutsche Reich S. 140.) 

Bekanntmachung vom 9. Mai, betr. die Untersuchung der Seeleute auf Seh- und 
Farbenunterscheidungsvermögen. (Zentralbl. für das Deutsche Reich S. 143.) 

Gesetz vom 12. Mai, betr. Abänderung der Seemannsordnung und des Handelsgesetz¬ 
buchs. (Reichsgesetzbl. S. 167.) 

Bekanntmachung vom 18. Mai, betr. die Prüfungsordnung für Apotheker. (Zentralbl. 
für das Deutsche Reich S. 150.) 


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B. Gesetzestafel. 


43 


Bestimmungen vom 1. Juni über die Fleischbeschau- und Schlachtungsstatistik. 
(§ 379 der Protokolle des Bundesrats.) 

Bekanntmachung vom 10. Juni, betr. die Beschäftigung von Arbeiterinnen in Meie¬ 
reien (Molkereien) und Betrieben zur Sterilisierung von Milch. (Reichsge- 
setzbl. S. 217.) 

Bekanntmachung vom 11. Juli zur Abänderung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 
1903 (Reichsgesetzbl. S. 312), betr. Ausnahmen von den Vorschriften des § 12, 
§ 13 Absatz 1 des Gesetzes über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben vom 
30. März 1903. (Reichsgesetzbl. S. 113.) (Reichsgesetzbl. S. 305.) 

Bekanntmachung vom 13. Juli, betr. Leichenpässe. (Zentralbl. für das Deutsche 
Reich S. 267.) 

Rundschreiben des Reichskanzlers vom 10. September (Reichsamt des Innern), betr. 
die vom Kaiserlichen Gesundheitsamt herausgegebenen Merkblätter. 

Verordnung vom 7. November über Inkrafttreten von Vorschriften des Gesetzes, betr. 
weitere Abänderungen des Krankenversicherungsgesetzes vom 25. Mai 1903 
für die preußischen Knappschaftskassen. (Reichsgesetzblatt S. 385.) 

Verordnung vom 5. Dezember 1903, betr. das Verbot der Einfuhr und des Handels 
getragener Stoffe und Bekleidungsstücke. (Deutsches Kolonialbl. S. 116.) 

Erlaß vom 15. Dezember, betr. Vorschriften über die Beförderung von Leichen auf 
dem Seewege zwischen dem Schutzgebiete Deutsch-Südwestafrika und einem 
deutschen Hafen. 


2. Preußen« 

Erlaß des Finanzministers vom 25. September 1903, betr. Fleischbeschau im Verkehr 
mit Luxemburg. (Amtliche Nachrichten der Generalzolldirektion in Hamburg. 
Nach Nachrichten für Handel und Industrie 1903 Nr. 151 S. 6.) 

Allgemeine Verfügung vom 7. Oktober 1903, betr. Denaturierung von Fett und 
Untersuchung zubereiteten Fleisches. 

Verfügung vom 19. Oktober 1903, betr. die Druckschrift: Alkoholmerkblatt. (Mini- 
sterialbl. für die gesamte innere Verwaltung 1903 S. 247.) 

Erlaß vom 5. November 1903, betr. arsen- und bleihaltige Farbkreiden. (Ministe- 
rialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung 1903 S. 360.) 

Verfassung der Kaiserin Friedrich-Stiftung vom 6. November 1903 für das ärztliche 
Fortbildungswesen. Landesherrliche Genehmigung vom 17. November 1903. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 87.) 

Erlaß des Finanzministers vom 4. Dezember 1903, betr. Erweiterung der Kranken- 
ftirsorge für die in Betrieben oder im unmittelbaren Dienste des Staates gegen 
Entgelt voll beschäftigten Personen. (Zentralbl. der Abgaben-Gesetzgebung 
und Verwaltung in den Königlich Preußischen Staaten S. 9.) 

Erlaß vom 8. Dezember 1903, betr. Erteilung der Erlaubnis zum Gebrauch des Roten 
Kreuzes. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 14.) 

Bekanntmachung vom 11. Dezember 1903, betr. das Inkrafttreten der Arzneitaxe für 
1904. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 13.) 

Erlaß vom 16. Dezember 1903, betr. das Verfahren bei Verleihung neuer Apotheken¬ 
konzessionen. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 13.) 

Erlaß vom 16. Dezember 1903, betr. Ergänzung der Bestimmungen über die Aus¬ 
führung der Krankenversicherung im Bereiche der Bauverwaltung. (Ministe¬ 
rialbl. für die gesamte innere Verwaltung S. 27.) 

Ministerialerlaß vom 17. Dezember 1903, betr. Beschäftigung von Arbeiterinnen in 
Präservenfabriken. (Ministerialbl. für die Handels- und Gewerbeverwaltung 
S. 436.) 

Erlaß vom 21. Dezember 1903, betr. Erweiterung der Krankenfürsorge für die in 
Betrieben oder im unmittelbaren Dienste des Staates beschäftigten Personen. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 34.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 23. Dezember 1903, betr. Beschäf¬ 
tigung jugendlicher Arbeiter in Walz- und Hammerwerken. (Ministerialbl. für 
die Handels- und Gewerbe Verwaltung S. 7.) 

Erlaß vom 28 . Dezember 1903, betr. die Gründung von Wohlfahrtsstellen für Lungen¬ 
kranke. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 55.) 


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B. Gesetzestafel. 


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Allgemeine Verfügung vom 28. Dezember 1903, betr. Anspruch auf Krankenunter- 
stützung der in Betrieben der Justizverwaltung beschäftigten Beamten (Justiz- 
Ministerialbl. S. 309) und allgemeine Verfügung, betr. Krankenfürsorge für 
die in diesem Ressort beschäftigten Personen. (Justiz-Ministerialbl. S. 309.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 31. Dezember 1903, betr. Aus¬ 
hänge in Ziegeleien. (Ministerialbl. für die Handels- und GewerbeverwaltungS.8.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 8. Januar, betr. Beschäftigung 
eigener Kinder in Werkstätten. (Ministerialbl. für die Handels- und Gewerbe¬ 
verwaltung S. 8.) 

Erlaß vom 8. Januar, betr. weitere Maßnahmen zur Verhütung der durch Entwick¬ 
lung von Arsenwasserstoff entstehenden Gesundheitsgefahren. (Ministerialbl 
für Medizinalangelegenheiten S. 74.) 

Erlaß vom 12. Januar, betr. Einführung von gedörrten, mit schwefliger Säure be¬ 
handelten Früchten aus dem Auslande. (Ministerialbl. für Medizinalangelegen¬ 
heiten S. 55.) 

Erlaß vom 25. Januar, betr. die Aufnahme bewußtlos aufgefundener unbekannter 
Personen in Krankenanstalten. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S.63.) 

Verfügung vom 30. Januar, betr. die Errichtung ausschließlich zu benutzender Schlacht¬ 
häuser. (Ministerialbl. f. d. gesamte innere Verwaltung S. 39.) 

Rundverftigung des Ministers für geistliche usw. Angelegenheiten vom 18. Februar, 
betr. die Desinfektion bei Pest. i 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 20. Februar, betr. Streitigkeiten 
zwischen Aerzten und Krankenkassen. (Ministerialbl. für die Handels- und 
Ge werbe Verwaltung S. 69.) 

Ministerialverfügung vom 22. Februar, betr. Zuziehung geeigneter Sachverständiger 
bei strafrechtlicher Verfolgung von Verfälschungen von Nahrungsmitteln. 
(Ministerialbl. für innere Verwaltung S. 77.) 

Runderlaß vom 22. Februar, betr. Verfälschung von Nahrungs- und Genußmitteln. 
(Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 72.) 

Allgemeine Verfügung vom 23. Februar, betr. die Zollpflicht unbrauchbar gemachten 
Fleisches. (Ministerialbl. für die gesamte innere Verwaltung S. 74.) 

Ministerialverfügung vom 26. Februar, betr. Ueberweisung von Personen an die 
Landespolizeibehörde. (Ministerialbl. für innere Verwaltung S. 66.) 

Erlaß vom 26. Februar, betr. die Inanspruchnahme der kgl. Versuchs- und Prüfungs¬ 
anstalt für Wasserversorgung seitens der Gemeinden bei Vorbereitungen von 
Wasserversorgungsprojekten. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 94.) 

Allgemeine Verfügung vom 27. Februar, betr. Ausführung des Fleischbeschaugesetzes. 
(Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 99.) 

Erlaß vom 14. März, betr. Besichtigungen des Manövergeländes durch die Kreisärzte. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiteil S. 143.) 

Erlaß vom 21. März, betr. die Zuziehung von Sachverständigen in Entmündigungs¬ 
sachen. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 175.) 

Allgemeine Verfügung vom 21. März, betr. Behandlung von Fleisch, das durch Milz¬ 
brandkeime verunreinigt ist. 

Erlaß vom 25. März, betr. die Vertretung von Aerzten durch Studenten und Kandi¬ 
daten der Medizin. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 150.) 

Erlaß vom 26. März, betr. die Beaufsichtigung der außerhalb von Anstalten unter¬ 
gebrachten Geisteskranken. (Ministerialbl. für Medizin alan^elegenh eiten S. 184.) 

Erlaß vom 28. März, betr. Absonderung von Typhuskranken in Krankenanstalten. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 173.) 

Erlaß des Ministers der geistlichen Angelegenheiten vom 9. April, betr. die Schließung 
von Schulen beim Ausbruch von Epidemien. 

Erlaß vom 16. April, betr. Aenderung der Vorschriften für die Reinigung und Des¬ 
infektion der Personenwagen.' (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten 
S. 218.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 19. April, betr. Krankenfürsorge 
für Staatsbeamte (§ 3 des KVG.). (Ministerialbl. für die Handels- und Ge¬ 
werbeverwaltung S. 108.) 

Erlaß vom 20. April, betr. Verfahren zur Unschädlichmachung pestinfizierter Ratten. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 186.) 

Erlaß vom 22. April, betr. die Neubearbeitung des Verzeichnisses der Krankheiten 
und Todesursachen. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 193.) 


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Erlaß vom 2. Mai, betr. Maßnahmen zur Vertilgung der Ratten in den Seehäfen. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 220.) 

Allgemeine Verfügung vom 4. Mai, betr. Ausführung des Fleischbeschaugesetzes. 

Erlaß vom 5. Mai, betr. Untersuchuugsämter für ansteckende Krankheiten. (Mini¬ 
sterialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 188.) 

Erlaß vom 10. Mai, betr. Unterbringung bedürftiger Lungenkranker in Heilstätten. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 245.) 

Erlaß vom 14. Mai, betr. Behandlung geisteskranker Personen in Anstalten mit 
mehreren Verpflegungsklassen. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten 
S. 246 ) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 14. Mai, betr. Berichte über 
Phosphornekrose. 

Erlaß vom 20. Mai, betr. die Entlassung verbrecherischer Personen aus den öffent¬ 
lichen Irrenanstalten. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 247.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 21. Mai, betr. Beschäftigung 
von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Konfektionswerkstätten. 
(Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 237.) 

Gesetz vom 15. Juni, betr. Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der 
WohnungsVerhältnisse von Arbeitern die in staatlichen Betrieben beschäftigt 
sind und von gering besoldeten Staatsbeamten. (Gesetzsammlung S. 14.) 

Erlaß vom 16. Juni, betr. die ärztlichen Vorprüfungen. (Ministerialbl. für Medizinal¬ 
angelegenheiten S. 286.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 20. Juni, betr. Sauggas-Kraftan- 
lagen. (Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 338.) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 23. Juni, betr. Beschäftigung von 
Arbeiterinnen in Meiereien (Molkereien) usw. (Ministerialbl. der Handels- und 
Gewerbeverwaltung S. 342) 

Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 24. Juni, betr. Beschäftigung 
von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Konfektionswerkstätten. 
(Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 342.) 

Erlaß vom 25. Juni, betr. Verunreinigung der Flußläufe durch Abgänge aus gewerb¬ 
lichen Anlagen. (Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 348.) 

Erlaß vom 2. Juli, betr. Anstellung von Hebammen in den Universitätskliniken. 
(Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 291.) 

Erlaß des Justizministers vom 5. Juli, betr. Krankenfürsorge. (Justizministerialbl. 
S. 170.) 

Erlaß vom 6. Juli, betr. Anhaltspunkte für die frühzeitige Erkennung des Fleck¬ 
typhus. (Ministerialbl. für Medizinalangelegenheiten S. 292.) 

Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 10. Juli, betr. Genesungsheime. 
(Eisenbahn-Nachrichtenbl. S. 262.) 

Allgemeine Verfügung vom 21. Juli, betr. Ausführung des Fleischbeschaugesetzes. 
(Ausländisches Fleisch.) 

Erlaß des Ministers der geistlichen usw. Angelegenheiten vom 22. Juli, betr. Tätig¬ 
keit der Desinfektorenschulen. 

Erlaß vom 6. August, betr. Arbeiten und Verkehr mit Krankheitserregern (Ministerialbl. 
der Handels- und Gewerbeverwaltung S. 399.) 

Erlaß vom 19. August, betr. weitere Durchführung der obligatorischen Leichenschau. 

Erlaß vom 14. September, betr. Ausführung des Fleischbeschaugesetzes. 

Gesetz vom 23. September zur Abänderung des Gesetzes, betr. Ausführung des 
Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetzes vom 28. Juni 1902. (Gesetzsammlung 
S. 257.) 

Erlaß vom 26. September, betr. die gesundheitliche Beaufsichtigung der Erziehungs¬ 
anstalten seitens der Kreisärzte. 

Erlaß vom 30. September, betr. die Einführung des neuen Hebaminenlehrbuches. 

Allgemeine Verfügung vom 1. Oktober, betr. Erläuterung und Ergänzung der all¬ 
gemeinen Verfügung vom 16. September 1882 (Fürsorgeerziehung). (Justiz¬ 
ministerialbl. S. 259.) 

MinisterialVerfügung vom 1. und 15. Oktober, betr. Aussetzung der Strafvollstreckung 
gegen Verurteilte, die der Fürsorgeerziehung überwiesen sind. (Ministerialbl. 
nir innere Verwaltung S. 260.) 

Ministerialerlaß vom 3. Oktober, betr. Anzeigen über Aufnahme und Entlassung von 
Ausländem in bzw. aus Privatanstalten für Geisteskranke. (Ministerialbl. für 
innere Verwaltung S. 262.) 


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Erlaß vom 12. Oktober, betr. Vorschriften über das Arbeiten und den Verkehr mit 
Krankheitserregern, aasgenommen Pesterreger. 

Erlaß vom 12. Oktober, betr. Untersuchung und Impfung ausländischer Arbeiter und 
ihrer Angehörigen. 

Erlaß des Ministers für Handel usw. vom 24. Oktober, betr. Prüfung der Seeleute in 
der Gesundheitspflege. (Ministerialbl. der Handels- und Gewerbeverwaltung 

Verordnung vom 7. November über das Inkrafttreten von Vorschriften des Gesetzes, 
betr. weitere Aenderungen des Krankenversicherungsgesetzes vom 25. Mai 1903 
für die preußischen Knappschaftskassen. (Reichsgesetzbl. S. 233.) 

Erlaß vom 8. November, betr. Behandlung der von tollen oder tollwutverdächtigen 
Tieren gebissenen Personen. 

Erlaß vom 15. November, betr. die Auswahl der Anwärterinnen für den Hebammen¬ 
beruf und die Einführung des neuen Hebammenlehrbuchs. (Ministerialbl. für 
Medizinalangelegenheiten S. 412.) 


3. Bayern. 

Erlaß des Staatsministeriums des Innern vom 28. November 1903, betr. Maßregeln 
zur Bekämpfung des Typhus in der Pfalz. 

Gesetz vom 17. Dezember 1903, betr. Ausführung der §§ 42 und 45 des Kranken¬ 
versicherungsgesetzes. (Gesetz- und Verordnungsbl. S. 677.) 

Ministerialbekanntmachung vom 20. Dezember 1903, betr. Vollzug des Beichsgesetzes 
vom 30. März 1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Gesetz- 
und Verordnungsbl. S. 681.) 

Ministerialbekanntmachung vom 20. Januar, betr. Vornahme der richterlichen Leichen¬ 
schau und Leichenöffnung. (Justizministerialbl. S. 14.) 

Ministerialbekanntmachung vom 31. Januar, betr. Vollzug des Zwangserziehungs¬ 
gesetzes. (Justizministerialbl. S. 28.) 

Ministerialbekanntmachung vom 28. Februar, betr. Entmündigung der in Irrenanstalten 
untergebrachten Personen. (Justizministerialbl. S. 49.) 

Ministerialbekanntmachung vom 7. März, betr. Führung von Waisenlisten. (Justiz- 
ininisterialbl. S. 53.) 

Ministerialbekanntmachung vom 14. Mai, betr. Vollstreckung von Freiheitsstrafen an 
den zur Zwangserziehung in einer Familie oder in einer Anstalt unter¬ 
gebrachten Minderjährigen. (Justizministerialbl. S. 95.) 

Bekanntmachung vom 20. Juli, betr. die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in der 
Kleider- und Wäschekonfektion. (Amtsbl. des Königl. Staatsministeriums des 
Innern S. 276.) 

Oberpolizeiliche Vorschriften vom 24. Juli zum Schutze der bei Bauten beschäftigten 
Personen. (Gesetz- und Verordnungsbl. S. 257.) 

Verordnung vom 8. November zum Vollzüge des Reichsgesetzes vom 30. Juni 1900, 
betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. (Gesetz- und Ver- 
ordnungenbl. S. 563.) 


4. Sachsen. 

Bekanntmachung vom 19. Oktober 1903, betr. die Führung von Rezepttagebüchern 
in den Apotheken. (Dresdner Journal Nr. 252.) 

Verordnung vom 14. November 1903, betr. die Beaufsichtigung der Privatschulen 
durch die Bezirksärzte. (Gesetz- und Verordnungsbl. 1903 S. 571.) 

Ministerialverordnung vom 27. November 1903, betr. Mitteilungen an das Gesund¬ 
heitsamt. (Justizministerialbl. 8. 92.) 

Ministerialverordnung vom 30. November 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen 
Betrieben. (Gesetz- u. Verordnungsbl. S. 572.) 

Erlaß vom 21. Dezember 1903, betr. Hypnose, Suggestion, Magnetismus usw. 

Ministerialverordnung vom 29. Dezember 1903, betr. die von den Standesbeamten 
für Zwecke der Statistik zu liefernden Nachweise über Legitimationen unehe¬ 
licher Kinder durch nachfolgende Ehe, sowie über Scheidungen und Nichtig¬ 
keitserklärungen von Ehen. (Gesetz- und Verordnungsbl. 19Ö4, S. 40.) 


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B. Gesetzestafel. 


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Mmisterialverordnung vom 13. Januar, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und ähn¬ 
lichen Arzneimitteln. (Gesetz- und Verordnungsbl. S. 44.) 

Verfügung des königlichen Bergamtes vom 21. Februar 1903, betr. die Bekämpfung 
der Wurmkrankheit. (In der durch Verfügung vom 28. November 1903 ab¬ 
geänderten Fassung.) 

Erlaß vom 8. April betr. die Schutzpockenimpfung ausländischer Arbeiter. 

Verordnung vom 13. Mai, betr. weitere Bestimmungen zur Ausführung des Reichs- 
gesetzes über Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. (Gesetz- und 
Verordnungsbl. S. 161.) 

Anderweite Ministerial-Verordnung vom 20. Mai. betr. Ausführung des Allgemeinen 
Baugesetzes. (Gesetz- und Verordnungsbl. S. 165.) 

Gesetz vom 20. Mai, betr. Abänderung von Bestimmungen im X. Abschnitt des 
Allgemeinen Baugesetzes vom 1. Juli 1900. (Gesetz- und Verordnungsbl. 8.163.) 

Erlaß vom 26. Mai, betr. den ursächlichen Zusammenhang der Epilepsie mit Augen¬ 
fehlern. 

Verordnung vom 25. Juni, betr. die Anzeigepflicht der Aerzte beim Vorkommen an¬ 
steckender Krankheiten. (Gesetz- und Verordnungsbl. S. 244.) 

Verordnung vom 25. Juni, betr. die Einführung einer Gewerbeaufsicht durch weibliche 
Aufsichtsbeamte. 

Mmisterialverordnung vom 30. Juli, betr. Prüfung der Apotheker. (Gesetz- und 
Verordnungsbl. S. 318.) 

Erlaß vom 5. September, betr. Anzeigepflicht der Hebammen bei Schälblasenkrankheit. 

Mmisterialverordnung vom 15. Dezember, betr. Dienstanweisung für die Leichenfrauen. 
(Gesetz- und Verordnungenbl. S. 454.) 


5. Württemberg. 

Ministerialverfügung vom 26. November 1903, betr. Verkehr mit Schlachtvieh und 
Fleisch. (Regierungsbl. S. 512.) 

Ministerialverfügung vom 10. Dezember 1903, betr. Vollzug des Reichsgesetzes vom 
30. März 1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Regierungsbl. S. 570.) 

Erlaß des Königlichen Ministeriums des Innern vom 8. Januar an die Königliche 
Stadtdirektion und das Königliche Stadtdirektionsphysikat Stuttgart, die König¬ 
lichen Oberämter und Oberamtsphysikate, die Oberamtstierärzte und die Orts- 
polizeibebörden, betr. Schutzimpfungen gegen Tollwut. (Amtsbl. S. 32.) 

Ministerialverfügung vom 22. Januar, betr. freiwillige Fortsetzung der Invaliditäts- 
Versicherung durch Strafgefangene. (Amtsbl. des Justizministeriums S. ö.) 

Ministerialverfügung vom 24. April, betr. Bekämpfung der Pocken und Cholera. 
(Regierungsbl. S. 92.) 

Verfügung des Ministeriums des Innern vom 15. Juni, betr. den Vollzug der Vor¬ 
schriften über das Arbeiten und den Verkehr mit Krankheitserregern, ausge¬ 
nommen Pesterreger. (Regierungsbl. S. 244.) 

Ministerialbekanntmachung vom 18. Juni, betr. die bei dem Königlichen Polizeiprä¬ 
sidium in Berlin bestehende Zentralpolizeistelle zur Bekämpfung des inter¬ 
nationalen Mädchenhandels. (Amtsbl. des Justizministeriums 8. 39.) 

Ministerialbekanntmachung vom 23. Juni, betr. Prüfungsordnung für Apotheker. 
(Regierungsbl. S. 171.) 

Ministerialbekanntmachung vom 5. Dezember, betr. Fälschung von Nahrungsmitteln. 
(Amtsbl. des Justizministeriums S. 86.) 

Ministerialbekanntmachung vom 29. Dezember, betr. Zulassung der freiwilligen 
Feuerbestattung in Württemberg. (Amtsbl. des Justizministeriums S. 91.) 


6« Baden. 

Mmisterialverordnung vom 27. November 1903, betr. Öffentliche Ankündigung von 
Arzneimitteln. (Gesetz- u. Verordnungsbl. S. 207.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 4. Januar, betr. die öffentlichen Ankündi¬ 
gungen von Arzneimitteln. (Aerztliche Mitteilungen aus und für Baden S. 25.) 
Mmisterialverordnung vom 29. Februar, betr. Schutz der bei Bauten beschäftigten 
Personen gegen Berufsgefahren. (Gesetz- und Verordnungsbl. S. 15.) 


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48 ß. Gesetzestafel. 

Landesherrliche Verordnung vom 2. März, betr. Vollzug des Gesetzes vom 11. August 
1902 über Erziehung und Unterricht nicht vollsinniger Kinder. (Gesetz- und 
Verordnungsbl. S. 27.) 

Ministerialverordnung vom 9. Juni, über Vollziehung des Gesetzes vom 11. August 
betr. Erziehung und Unterricht nicht vollsinniger Kinder. (Gesetz- und Ver¬ 
ordnungsbl. S. 98.) 

Verordnungen vom 1. August, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. (Gesetz- 
und Verordnungsbl. S. 317.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 2. August, betr. die Heilstätte Friedrichsheim. 
(Aerztliche Mitteilungen aus und für Baden 8. 165.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 12. Oktober, betr. die Bekämpfung der 
Tuberkulose der Menschen. (Aerztliche Mitteilungen aus und für Baden S. 215. ' 

Verordnung vom 7. November, betr. die Ausübung der Heilkunde durch nicht appro¬ 
bierte Personen. (Gesetz- und Verordnungsbl. 8. 431.) 


7. Hessen. 

Verordnung vom 23. November 1903, betr. Ausführung des Krankenversicherungs- 
gesetzes vom 15. Juni 1883 in der Fassung des Gesetzes, betr. weitere Ab¬ 
änderungen des Krankenversicherungsgesetzes vom 25. Mai 1903. (Regierungs¬ 
blatt S. 357.) 

Verordnung vom 5. Dezember 1903, betr. Abänderung und Ergänzung der Ver¬ 
ordnung vom 28. Dezember 1876 über Aufhebung der Obermedizinaldirektion 
und Organisation der Medizinalbehürden, sowie Bildung der Medizinalbezirke. 
(Regierungsbl. S. 373.) 

Verordnung vom 12. Dezember 1903, betr. Vollziehung des Gesetzes vom 30. März 
1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Regierungsbl. S. 377.) 

Ministerialanweisung vom 16. Dezember 1903, zur Ausführung des Gesetzes vom 
30. März 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Regierungs¬ 
blatt S. 381.) 

Verordnung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 23. Dezember 1903, 
betr. die Abänderung der Vorschriften vom 14. Januar 1897 über die Ein¬ 
richtung und den Betrieb der Apotheken des Großherzogtums. (Regierungsbl. 
1903 Nr. 57.) 

Ministerialbekanntmachung vom 11. Januar, zur Ausführung des Gesetzes über 
Unfallfiirsor^e für Gefangene vom 30. Juni 1900. (Amtsbl. des Ministeriums 
der Justiz Nr. 1.) 

Erlaß vom 23. Januar, betr. die Signierung von Arzneimitteln bei der Abgabe ira 
Handverkauf. (Amtsbl. des Uroßherzogl. Ministeriums des Innern S. 342.) 


8. Oldenburg. 

Ministerialbekanntmachung vom 14. Dezember 1903, betr. Ausführung des Reichs¬ 
gesetzes vom 30. März 1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. 
[Gesetzbl. für Herzogtum Oldenburg S. 965; für Fürstentum Birkenfeld 8. 195: 
tür Fürstentum Lübeck S. 589.) 

Bekanntmachung vom 6. Januar, betr. die gewerbsmäßige Ausübung der Heilkunde 
durch nicht approbierte Personen. (Gesetzbl. S. 3.) 

Ministerialbekanntmachung vom 10. Mai, betr. Beaufsichtigung der Fleischbeschau. 
(Gesetzbl. S. 87.) 

Ministerialbekanntmachung vom 25. Mai. zur Ausführung der Bekanntmachung des 
Reichskanzlers vom 4. Mai, betr. Vorschriften über Arbeiten und Verkehr mit 
Krankheitserregern, ausgenommen Pesterreger. (Gesetzbl. für das Herzogtum 
Oldenburg S. 107.) 

Ministerialbekanntmachung vom 6. Juni, betr. gewerbsmäßige Ausübung der Heil¬ 
kunde durch nicht approbierte Personen. (Gesetzbl. für Herzogtum Oldenburg 
S. 3.} 

Regierungsbekanntmachung vom 16. Juni, betr. gewerbsmäßige Ausübung der Heil¬ 
kunde durch nicht approbierte Personen. (Gesetzbl. für Lübeck S. 655.) 


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B. Gesetzestafel. 49 

Regierungsbekanntmachung vom 16. Juni, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und 
ähnlichen Arzneimitteln. (Gesetzbl. für Lübeck S. 641.) 

Bekanntmachung vom 24. Juni, betr. die Untersuchung der Seeleute auf Seh- und 
Farbenunterscheidungsvermögen. 

Regierungsbekanntmachung vom 27. Juni, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und 
ähnlichen Arzneimitteln. (Gesetzbl. für Birkenfeld S. 243.) 

Regierungsbekanntmachung vom 30. Juli, betr. gewerbsmäßige Ausübung der Heil¬ 
kunde durch nicht approbierte Personen. (Gesetzbl. für Birkenfeld S. 302.) 

Bekanntmachung vom 12. August, betr. Aenderung der zur Ausführung des Impf¬ 
gesetzes erlassenen Bestimmungen vom 5. Juli 1900. (Gesetzbl. für das Herzogtum 
Oldenburg S. 177 ) 

Verordnung vom 17. August zur Ausführung der Seemannsordnung vom 2. Juni 1902. 

(Gesetzbl. S. 178.) 

Bekanntmachung vom 24. August, betr. die Verpflichtung zur Anzeige übertragbarer 
Krankheiten. (Gesetzbl. für das Herzogtum Oldenburg S. 179.) 

Erlaß des Staatsministers, Departement des Innern, vom 12. September zur Aus¬ 
führung der Bekanntmachung vom 24. August, betr. die Verpflichtung zur 
Anzeige übertragbarer Krankheiten. 

Regierungsbekanntmachung vom 7. November, betr. Aenderung der zur Ausführung 
des Impfgesetzes am 23. Februar 1901 erlassenen Bestimmungen. (Gesetzbl. 
für Fürstentum Birkenfeld S. 351.) 

Gesetz für das Fürstentum Birkenfeld vom 17. November, betr. Hebammenwesen. 
(Gesetzbl. für Birkenfeld S. 355.) 

Regierungsbekanntmachung vom 10. Dezember, betr. Aenderung der zur Ausführung 
des Impfgesetzes vom 10. April 1892 erlassenen Bestimmungen. (Gesetzbl. 
für Fürstentum Lübeck 8. 762.) 

Regierungsbekanntmachung vom 12. Dezember, betr. Verpflichtung zur Anzeige über¬ 
tragbarer Krankheiten. (Gesetzbl. für Birkenfeld S. 363.) 


9. Mecklenburg-Schwerin. 

Ministerialerlaß vom 3. Oktober 1903, betr. die Ueberwachung des Verkehrs mit 
Nahrungs- und Genußmitteln. 

Bekanntmachung vom 2. Dezember 1903, betr. die fachmännische Kontrolle der ge¬ 
samten Tätigkeit der Fleischbeschauer und der bei der Untersuchung des aus¬ 
ländischen Fleisches tätigen Trichinenschauer. (Regierungsbl. 1903 S. 285.) 

Verordnung vom 17. Dezember 1903, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und ähnlichen 
Arzneimitteln. (Regierungsbl. S. 239.) 

Verordnung vom 17. Dezember 1903, betr. öffentliche Ankündigungen oder An¬ 
preisungen von Geheim mittein. (Regierungsbl. S. 235.) 

Ministerialbekanntmachung vom 22. Januar, betr. Abänderung der Vorschriften für 
bauliche Einrichtungen in Städten und Vorstädten vom 20. Juni 1901. 
(Regierungsbl. S. 8.) 

Ministerialbekanntmachung vom 12. März zu den vom Bundesrat erlassenen Be¬ 
stimmungen zur Ausführung des Gesetzes vom 30. Juni 1900, betr. Bekämpfung 
gemeingefährlicher Krankheiten. (Regierungsbl. S. 21.) 

Ministerialverordnung vom 14. April, betr. Verfahren und Geschäftsgang bei dem 
Landesversicherungsamt. (Regierungsbl. S. 85.) 

Ministerialbekanntmachung vom 25. Mai, betr. Prüfungsordnung für Apotheker. 
(Regierungsbl. S. 139.) 

Ministerialbekanntmachung vom 24. Juni, betr. die dem kaiserlichen Gesundheitsamte 
zu machenden Mitteilungen vom Ausbruch und Verlauf gemeingefährlicher 
Krankheiten. (Regierungsbl. S. 167.) 

Erlaß vom 29. Juni, betr. die Ausführung des Gesetzes über die Bekämpfung ge¬ 
meingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900. 

Erlaß vom 29. Juni, betr. Anzeigen bei Infektionskrankheiten. 

Bekanntmachung vom 6. September über die Ausbildung der Fleischbeschauer und 
der Trichinenschauer auf Grund der Ausführungsbestimmungen des Bundes¬ 
rats zu dem Reichsgesetz vom 3. Juni 1901, betr. die Schlachtvieh- und Fleisch¬ 
beschau. (Regierungsbl. S. 249.) 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 4 


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B. Gesetzestafel. 


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Erlaß vom 24. Oktober, betr. das Bandwurm- und Trichinenmerkblatt. 

Verordnung vom 2. Dezember zur Abänderung der Verordnung vom 21. Dezember 
1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Regierungsbl. S. 329.) 


10. Mecklenburg-Strelitz. 

Verordnung vom 17. Dezember 1903, betr. öffentliche Ankündigung oder Anpreisung 
von Geheimmitteln. (Offizieller Anzeiger S. 281; für Ratzeh. S. 274.) 

Verordnung vom 17. Dezember 1903, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und ähnlichen 
Arzneimitteln. (Offizieller Anzeiger S. 286; für Ratzeb. S. 268.) 

Verordnung vom 21. Dezember 1903, betr. Ausführung des Reichsgesetzes vom 
30. März 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Offizieller An¬ 
zeiger 1904 S. 2; für Ratzeb. 1904 S. 1.) 

Regierungsbekanntmachung vom 22. Januar, betr. Abänderung der Vorschriften für 
die baulichen Einrichtungen in den Städten und Vorstädten vom 20. Juni 
1901. (Offizieller Anzeiger S. 17.) 

Regierungsbekanntmachung vom 19. April zu den vom Bundesrat erlassenen Be¬ 
stimmungen zur Ausführung des Gesetzes vom 30. Juni 1900, betr. Bekämpfung 

f emeingefährlicher Krankheiten. (Offizieller Anzeiger für Mecklenburg-Strelitz 
. 46; für Ratzeb. S. 41.) 

Bekanntmachung vom 12. Juli, betr. die dem Kaiserlichen Gesundheitsamt beim Aus¬ 
bruch einer gemeingefährlichen Krankheit im Sinne des Reichsgesetzes vom 
30. Juni 1900 und im späteren Verlauf derselben zu machenden Mitteilungen. 
(Offizieller Anzeiger für Gesetzgebung und Staatsverwaltung S. 172; für Ratzeb. 
S. 197.) 

Bekanntmachung vom 12. Juli, betr. die Statistik der Pockenerkrankungen und der 
Pockentodesfälle. (Offizieller Anzeiger für Gesetzgebung und Staatsverwaltung 
S. 171.) 

Regierungsbekanntmachung vom 29. Juli, betr. Prüfungsordnung für Apotheker. 
(Offizieller Anzeiger für Mecklenburg-Strelitz S. 179; für Ratzeb. S. 215.) 


11. Sacbsen-Weimar-Eisenach. 

Ausführungsanweisung vom lö. Dezember 1903 zum Reichsgesetz vom 30. März 1903, 
betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Regierungsbl. S. 245.) 
Ministerialverordnung vom 16. Dezember 1903, betr. Vorschriften über Verkehr mit 
Geheimmitteln und ähnlichen Arzneien. (Regierungsbl. S. 211.) 

Gesetz vom 27. April über Bestellung von Baubesichtigern. (Regierungsbl. S. 62.) 
Nachtrag vom 27. April zum Gesetz vom 6. Mai 1876, betr. Fischerei. (Regierungsbl. 
S. 61.) 

Verordnung vom 28. April, betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. 
(Regierungsbl. S. 55.) 

Ministerialverordnung vom 30. November, betr. Abänderung der Ausführungsverord¬ 
nung vom 30. Juni 1874 zum Gesetz vom 29. Juni 1874, betr. Hebammen¬ 
wesen. (Regierungsbl. S. 239.) 

Ministerialverordnung vom 21. Dezember, betr. Verkehr mit Kuhmilch. (Regierungsbl. 
S. 241.) 


12. Sacbsen-Koburg-Gotba. 

Verordnung vom 27. August 1903, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und anderen 
ähnlichen Arzneimitteln. (Gesetzsammlung S. 185.) 

Ministerialverordnung vom 19. November 1903 über Verkehr mit Arzneimitteln außer¬ 
halb der Apotheken. (Gesetzsammlung für Herzogtum Gotha S. 145.) 

Ministerialverordnung vom 28. Dezember 1903 zur Ausführung des Reichsgesetzes 
vom 30. März 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Gesetz¬ 
sammlung für Herzogtum Gotha S. 149.) 


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B. Gesetzestafel. 


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13« Sachsen-Meiningen. 

Verordnung vom 14. Februar 1903, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. 
(Hegierungsbl. S. 157.) 

Ausschreiben vom 29. Mai 1903, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. (Samm¬ 
lung der Ausschreiben 1903 S. 559.) 

Verordnung vom 27. Juli 1903, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau bei Not¬ 
schlachtungen. (Hegierungsbl. 1903 S. 764.) 

Ministerialausschreiben vom 3. November 1903, betr. Aufsicht über Ausführung des 
Kinderschutzgesetzes vom 30. März 1903 durch Gemeindewaisenräte. (Samm¬ 
lung der Ausschreiben S. 689.) 

Ministerialausschreiben vom 23. Dezember 1903 zur Ausführung des Reichsgesetzes 
über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Sammlung der Ausschreiben 
Bd. XII, S. 727.) 

Ausschreiben vom 25. Mai, betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. 
(Hegierungsbl. vom 10. Juni. Ausschreiben Bd. XIII.) 

Ministerialbekanntmachung vom 26. Juni, betr. Prüfung der Apotheker. (Sammlung 
der Verordnungen S. 267.) 

Runderlaß des StaatsministeriumB, Abteilung des Innern, vom 23. August, 24. August 
und 12. September, betr. Fleischbeschau- und Schlachtungsstatistik. 


14. Sachsen-Altenburg. 

MinisterialVerordnung vom 19. Dezember 1903, betr. Verkehr mit Geheimmitteln 
und ähnlichen Arzneimitteln. (Gesetzsammlung S. 109.) 

Ministerial Verordnung vom 19. Dezember 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen 
Betrieben. (Gesetzsammlung S. 113.) 

Ministerialbekanntmachung vom 1. Februar, betr. Aufsicht der Gemeindewaisenräte 
bei Durchführung des Reichsgesetzes über Kinderarbeit in gewerblichen Be¬ 
trieben. (Gesetzsammlung S. 4.) 

Verordnung vom 2. Juli, betr. Vorschriften über das Arbeiten und den Verkehr mit 
Krankheitserregern, ausgenommen Pesterreger (Gesetzsammlung S. 65.) 

Verordnung vom 20. August, betr. die weitere Ausführung des Reichsgesetzes, betr. 
die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900. (Gesetzsammlung 
S. 71.) 

15. Anhalt« 

Polizeiverordnung vom 9. Juni 1903. betr. die Bekämpfung der Kurpfuscherei. 
(Gesetzsammlung 1903 S. 453.) 

Polizeiverordnung vom 19. November 1903, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und 
ähnlichen Arzneimitteln. (Gesetzsammlung S. 491.) 

Verfügung vom 8. Dezember 1903, betr. die Anmeldung nicht approbierter Heil¬ 
personen. 

Anweisung vom 19. Dezember 1903 für die amtliche Besichtigung der Apotheken. 

Ministerialverordnung vom 27. Januar, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. 
(Gesetzsammlung S. 5.) 

Verordnung vom 12. März, betr. die Vorschriften über die Prüfung und Beauf¬ 
sichtigung der staatlich geprüften Heilgehilfen und Massierer, sowie der staat¬ 
lich geprüften Heilgehilfinnen und Massiererinnen. (Gesetzsammlung S. 11.) 

Gesetz vom 22. März, betr. die Ausführung des Reichsgesetzes über die Bekämpfung 
gemeingefährlicher Krankheiten. (Gesetzsammlung S. 37.) 

Gesetz vom 25. März, betr. Abänderung des Gesetzes vom 15. März 1889 über 
Hebammenwesen. (Gesetzsammlung S. 47.) 

Landespolizeiverordnung vom 21. April, betr. Schlachtvieh und Fleischbeschau, ein¬ 
schließlich Trichinenschau. (Gesetzsammlung S. 67.) 

Gesetz vom 27. April, betr. Abänderung der Ausführungsgesetze zum Reichsgesetz 
über Unterstützungswohnsitz. (Gesetzsammlung S. 119.1 

Bekanntmachung vom 6. August, betr. unentgeltliche bakteriologische Untersuchung 
durch das hygienische Institut in Halle a. S. Herzogi. Anhaitische Regierung, 
Abteilung des Innern. 

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6. Gesetzestafel. 


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Verordnung vom 22. September zur Ausführung der Vorschriften über das Arbeiten 
und den Verkehr mit Krankheitserregern. 

Verordnung vom 26. September, betr. Durchführung des Beichsgesetzes, betr. die 
Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900 und die An¬ 
weisungen zur Bekämpfung der Cholera, der Pocken, des Fleckfiebers und des 
Aussatzes. 


16. Brannschweig. 

Bundschreiben des Landesmedizinalkollegiums vom 29. Oktober 1903, betr. die ärzt¬ 
liche Behandlung erkrankter Personen, die der Gemeindekrankenversicherung 
unterliegen. 

Gesetz vom 10. Dezember 1903, betr. Verkehr mit Geheimmitteln und ähnlichen 
Arzneimitteln. (Gesetz- und Verordnungensammlung S. 611.) 

Ministerialbekanntmachung vom 17. Dezember 1903, betr. Ausführung des Beichs- 
gesetzes vom 30. März 1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. 
(Gesetz- und Verordnungensammlung S. 525.) 

Verfügung des Landesmedizinalkollegiums vom 2. Februar, betr. Dienstanweisung 
für Heilgehilfen. 

Erlaß vom 8. Februar, betr. Beaufsichtigung der Apotheken. (Gesetz- und Ver¬ 
ordnungensammlung S. 109.) 

Bestimmungen des Lanaesmedizinalkollegiums vom 23. Februar über die Auf¬ 
bewahrung und Abgabe von Arzneimitteln in den Krankenhäusern von Straf¬ 
anstalten und größeren Gefängnissen. 

Vorlage vom 14. März zur Ausführung der die Krankenversicherung betr. Beichs- 
gesetze. (Gesetz- und Verordnungensammlung S. 39.) 

Verordnung vom 26. Mai zur Ausführung der Unfallversicherungsgesetze des Deutschen 
Reichs vom 30. Juni 1900. (Gesetz- und Verordnungensammlung S. 139.) 

Verordnung vom 26. Mai zur Ausführung des Invalidenversicherungsgesetzes vom 
13. Juli 1899. (Gesetz- und Verordnungensammlung S. 145.) 

Gesetz vom 26. Juni, betr. Ausführung des Keichsgesetzes über Bekämpfung ge¬ 
meingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900 und Bekämpfung anderer 
übertragbarer Krankheiten. (Gesetz- und Verordnungensammlung S. 201.) 

Ministerialbekanntmachung vom 7. Dezember, betr. Abänderung der Anweisung zur 
Ausführung der Bauordnung vom 13. März 1899. (Gesetz- und Verordnungen¬ 
sammlung S. 377.) 


17. Schaumburg-Lippe. 

Ausführungsanweisung vom 30. November 1903 zum Beicbsgesetz vom 30. März 1903, 
betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Landesverordnun^en 8. 399.) 
Ministerialbekanntmachung vom 20. Mai, betr. Vorschriften über Arbeiten und Ver¬ 
kehr mit Krankheitserregern, ausgenommen Pesterregem. Landesverordnungen 
8. 495.) 


18. Lippe-Detmold. 

Ministerialanweisung vom 17. Dezember 1903 zur Ausführung des Reichsgesetzes vom 
30. März 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Gesetzsamm¬ 
lung 8. 673.) 


19. Schwarzburg-Rudolstadt. 

Ministerialbekanntmachung vom 2. Dezember 1903, betr. den Vertrag wegen Mit¬ 
benutzung der Irren-, Heil- und Pflegeanstalt zu Hildburghausen für Geistes¬ 
kranke aus dem Fürstentume Schwarzburg-Ruldolstadt. (Gesetzsammlung 1903, 

S. 195.) 

Verordnung vom 27. Juni, betr. die Ausführung der vom Bundesrat beschlossenen 
Vorschriften über das Arbeiten und den Verkehr mit Krankheitserregern, aus¬ 
genommen Pesterreger. (Gesetzsammlung S. 25.) 

Ministerialverordnung vom 24. Dezember, betr. Statistik der Todesursachen. (Ge¬ 
setzsammlung S. 223.) 


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B. Gesetzestafel. 


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20. Schwarzburg-Sonderghausen. 

Ministerialverordnung vom 29. Dezember 1903, betr. weitere Ausführung zu dem 
Reichsgesetz vom 30. März 1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. 
(Gesetzsammlung S. 115.) 

Gesetz vom 31. März, betr. Abänderung der Baupolizeiordnung vom 2. Mai 1881. 
(Gesetzsammlung S. 21.) 

Ministerialbekanntmachung vom 31. März, betr. Redaktion der Bauordnung. (Ge¬ 
setzsammlung S. 103.) 

Ministerialbekanntmachung vom 4. Juni, betr. die vom Bundesrat erlassene Prüfungs¬ 
ordnung für Apotheker vom 18. Mai. (Gesetzsammlung S. 203.) 

Ausführunpvorschriften vom 15. Juni zur Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 
4. Mai, betr. Vorschriften über Arbeiten und Verkehr mit Krankheitserregern, 
ausgenommen Pesterreger. (Gesetzsammlung S. 221.) 

Ausführungsverordnung vom 16. Juni zum Schlachtviehversicherungsgesetz vom 

21. Dezember 1891. (Gesetzsammlung S. 223.) 

Ministerialverordnung vom 7. September, betr. die Fleischbeschau- und Schlachtungs¬ 
statistik. (Gesetzsammlung S. 285.) 


21. Reuß, ältere Linie. 

Nachtragsverordnung der Fürstlichen Landesregierung vom 21. Dezember 1903 zur 
Regierungsverordnung vom 3. Juli 1903, betr. den Verkehr mit Geheimmitteln 
und ähnlichen Arzneimitteln. (Gesetzsammlung S. 89.) 

Regierungsbekanntmachung vom 23. Dezember 1903, betr. Kinderarbeit in gewerb¬ 
lichen Betrieben. (Gesetzsammlung 1904, S. 1.) 

Gesetz vom 30. Dezember 1903, betr. Unfallversicherung für Land- und Forstwirt¬ 
schaft. (Gesetzsammlung S. 96.) 

Regierungsverordnung vom 27. Januar zur Ausführung des Reichsgesetzes, betr. 
Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Gesetzsammlung S. 16.; 

Regierungsverordnung vom 3. Mai, betr. Regelung einiger aut fließende Gewässer 
bezügliche Verhältnisse. (Gesetzsammlung S. 31.) 

Regierungsverordnung vom 16. Juli, betr. Hebammenordnung. (Gesetzsammlung 
S. 115.) 

Regierungsverordnung vom 7. September zur Ausführung des Reichsgesetzes vom 
30. Juni 1900, betr. Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. (Gesetz¬ 
sammlung S. 172.) 


22, Reuß, jüngere Linie. 

Apothekenbetriebsordnung vom 10. September 1903 nebst Anweisung für die amtliche 
Besichtigung der Apotheken. 

Ministerialverordnung vom 15. Oktober 1903, betr. die Schlachtvieh- und Fleisch¬ 
beschau. (Gesetzsammlung 1903, S. 85.} 

Ministerialverordnung vom 22. Februar, betr. Einführung einer Todesursachenstatistik. 
(Gesetzsammlung S. 113.) 

Verordnung vom 21. Mai zur Ausführung der Bekanntmachung des Reichskanzlers 
vom 4. Mai (Reichsgesetzbl. S. 159 f.), betr. Vorschriften über das Arbeiten und 
den Verkehr mit Krankheitserregern, ausgenommen Pesterreger. 

Gesetz vom 9. Juni, betr. Abänderung des Gesetzes vom 12. März 1903 über staat¬ 
liche Schlachtviehversicherung. (Gesetzsammlung S. 1270 


23. Waldeck. 

Bekanntmachung vom 10. Dezember 1903, betr. Vorschriften über Verkehr mit Ge¬ 
heimmitteln und ähnlichen Arzneimitteln. (Regierungsbl. S. 57.) 
Bekanntmachung vom 8. Januar, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. 
(Regierungsbl. S. 5.) 


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B. Gesetzestafel. 


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24. Hamburg. 

Verordnung vom 23. Dezember 1903. betr. Vorkehrungen zum Schutze der Arbeiter 
auf Bauten. (Beichsarbeitsbl. 1. Jahrg. S. 825.) 

Bekanntmachung vom 29. Dezember 1903, betr. Vollzug des Beichsgesetzes vom 
30. März 1903 über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Amtsbl. S. 735.! 

Bekanntmachung vom 29. Januar, betr. Abänderung des § 32 Baupolizeigesetz vom 
23. Juni 1882. (Amtsbl. S. 279.) 

Bekanntmachung vom 2. März, betr. Ausführungsbestimmungen zum Reichsgesetz 
über Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. (Amtsbl. S. 399.) 

Verordnung vom 11. April, betr. die Ausübung der Heilkunde durch nicht approbierte 
Personen. (Amtsbl. S. 567.) 

Verordnung vom 11. April, betr. Regulierung und Beaufsichtigung des Verkehrs mit 
Arzneimitteln außerhalb der Apotheken. (Amtsbl. S. 568.) 

Bekanntmachung vom 13. Mai, betr. Vorschriften über Arbeiten und Verkehr mit 
Krankheitserregern, ausgenommen Pesterreger (Amtsbl. S. 659.) 

Bekanntmachung vom 22. Juni, betr. Arbeiten und Verkehr mit Krankheitserregern, 
ausgenommen Pesterreger. (Amtsbl. S. 723.) 

Bekanntmachung vom 1. Juli, betr. Prüfungsordnung für Apotheker. (Amtsbl. S. 771.) 

Bekanntmachung vom 22. Juli, betr. Verbesserung der WohnungsVerhältnisse im öst¬ 
lichen Teile der südlichen Neustadt. (Amtsbl. S. 817.) 

Bekanntmachung vom 28. September, betr. Abänderung des § 6 der Medizinal¬ 
verordnung vom 29. Dezember 1899. (Amtsbl. S. 915.) 


25. Lübeck. 

Vierter Nachtrag vom 20. April 1903 zum Gesetz vom 23. Juni 1884 das öffentliche 
Schlachthaus betr. (Sammlung der Lübecker Gesetze und Verordnungen 1903, 

Nr. 43.) 

Nachtrag vom 20. April 1903 zur Verordnung vom 10. September 1884, betr. die 
Einbringung und den Verkauf auswärts geschlachteten frischen Fleisches in 
der Stadt Lübeck und deren Vorstädten. (Sammlung der Lübecker Gesetze 
und Verordnungen 1903, Nr. 44.) 

Verordnung vom 12. März, betr. die Ausübung der Heilkunde durch nicht approbierte 
Personen. (Sammlung der Lübecker Gesetze und Verordnungen Nr. 29.) 
Verordnung vom 18. und 27. August, betr. Verkehr mit Milch. (Sammlung der Ge¬ 
setze und Verordnungen Nr. 73.) 


26. Bremen. 

Verordnung vom 19. Februar, wegen Aenderung der Verordnung vom 6. Februar 
1903, betr. Ausführung des Reichsgesetzes vom 3. Juni 1900 über Schlachtvieh- 
und Fleischbeschau. (Amtsbl. 72.) 

Gesetz vom 20. März, betr. Fürsorge für Beamte und Angestellte und deren Hinter¬ 
bliebene infolge von Betriebsunfällen. (Gesetzbl. S. 85.) 

Gesetz vom 27. Mai, betr. Abänderung des Gesetzes vom 23. Oktober 1903 wegen 
Ergänzung der Bauordnung für die Stadt Bremen und das engere Landgebiet 
vom 15. August 1883. (Gesetzbl. S. 154) nebst Bekanntmachung, betr. Redaktion 
dieses Gesetzes. (S. 154.) 


27. Elsaß-Lothringen. 

Verfügung vom 31. Juli 1903, betr. die Bekämpfung des Unterleibstyphus. 
Ministerialbekanntmachung vom 24. Dezember 19Ö3 zur Ausführung des Reichs¬ 
gesetzes, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. (Zentral- und Bezirks- 
amtsbl. 1904, S. 1.) 

Ministerialverfiigung vom 8. Februar, betr. Stempel für Erlaubniserteilungen zum 
Halten von Kostkindern. (Zentral- und Bezirksamtsbl. S. 31.) 


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B. Gesetzestafel. 65 

Ministerialverordnung vom 17. März, betr. Prüfung für Trichinenschauer. (Zentral- 
und Bezirksamtsbl. S. 49.) 

Bergpolizeiliche Anordnung des Kaiserlichen Bergmeisters zu Saargemünd vom 
22. Juni, betr. Bekämpfung der Wurmkrankheit. 

Ministerialbekanntmachung vom 3. November zum Vollzüge des Beichsgesetzes vom 
30. Juni 1900, betr. Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. (Zentral- 
und Bezirksamtsbl. S. 143.) ^ 

Ministerialbekanntmachung vom 26. November, betr. ausführliches Verzeichnis von 
Krankheiten und Todesursachen. (Zentral- und Bezirksamtsbl. S. 167.) 


U. Ausland. 

1. Oesterreich. 

AusführungBbestimmungen vom 29. August 1903 zum Zuckersteuergesetz. (Oester¬ 
reichisches Reichsgesetzbl. Nr. 121.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 10. Oktober 1903, betr. die Totenbeschau bei 
Militärpersonen. (Oesterreichisches Sanitätswesen 1903, S. 436.) 

Verordnung des Ministeriums des Innern vom 27. November 1903, betr. Arzneitaxe 
für das Jahr 1904. (Reichsgesetzbl. S. 793.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 15. Dezember 1903, betr. den Verkehr mit 
pharmazeutischen Spezialitäten in den Ländern der ungarischen Krone. (Oester¬ 
reichisches Sauitätswesen S. 513.) 

Verordnung des Finanzministeriums vom 29. Dezember 1903, betr. den Verkehr mit 
Tabakextrakt. (Oesterreiches Sanitätswesen S. 37.) 

Erlaß des Ackerbauministeriums vom 5. Januar, betr. Vorkehrungen gegen Ankylosto- 
miasis. (Oesterreichisches Sanitätswesen S. 30.) 

Erlaß der niederösterreichischen Statthalterei vom 19. Januar, betr. die Zulassung 
von Holzsärgen mit Metallüberzug für Leichentransporte. (Oesterreichisches 
Sanitätswesen S. 109.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 25. Januar, betr. den Verkehr mit Tabak¬ 
extrakt. (Oesterreichisches Sanitätswesen S. 38.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 17. Februar, betr. die Ausübung der Zahn¬ 
ersatzkunde als Bestandteil der Heilkunde durch Aerzte. (Oesterreichisches 
Sanitätswesen S. 73.) 

Gesetz vom 24. Februar, betr. Maßnahmen zur Bekämpfung der Pellagra. (Oester¬ 
reichisches Sanitätswesen S. 216.) 

Erlaß des Ministers für Kultus und Unterricht vom 24. Februar, betr. die körper¬ 
lichen Uebungen an Mittelschulen. (Oesterreichisches Sanitätswesen S. 81.) 

Erlaß des Ackerbauministeriums vom 29. Februar, betr. Unterstützungen der Arbeiter, 
welche an Ankylostomiasis erkrankt sind oder auf Ankylomen untersucht 
wurden. (Oesterreichisches Sanitätswesen S. 108.) 

Verordnung des Handelsministeriums im Einvernehmen mit dem Ministerium des 
Innern und dem Ministerium für Kultus und Unterricht vom 8. April, womit 
die Ministerialverordnung vom 24. April 1895 (Reichsgesetzbl. Nr. 58), betr. 
die Gestattung der gewerblichen Arbeit an Sonntagen bei einzelnen Kategorien 
von Gewerben ergänzt und teilweise abgeändert wird. 

Verordnung der Ministerien des Innern und der Finanzen vom 26. April, mit welcher 
in Durchführung des Gesetzes vom 8. Juli 1902 (Reichsgesetzbl. Nr. 144), betr. 
Begünstigungen für Gebäude mit gesunden una billigen Arbeiterwohnungen, 
der Maximalprozentsatz der Verzinsung solcher Gebäude für Mähren bestimmt 
wird. (Reichsgesetzbl. Nr. 38.) 

Verordnung der Ministerien des Innern und der Finanzen vom 26. April, betr. die 
Bemessung des Jahreseinkommens der Bewohner der Arbeiterwohnhäuser in 
M.-Ostrau. (Reichsgesetzbl Nr. 39.) 

Erlaß des Justizministers vom 25. Mai an die k. k. Oberlandesgerichtspräsidenten 
und die k. k. Oberstaatsanwälte, betr. tuberkulöse Gefangene. 


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B. Gesetzestafel. 


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Erlaß des Ministeriums des Innern vom 5. Juni, betr. das Verfahren anläßlich der 
Genehmigung gewerblicher Betriebsanlagen. (Oesterreichisches Sanitätswesen 

S. 232.) 

Verordnung des Ackerbauministeriums im Einvernehmen mit dem Ministerium des 
Innern vom 4. Juli, betr. Maßnahmen gegen die Wurmkrankheit beim Bergbau. 
Erlaß des Ministeriums des Innern vom 23. August, betr. die genaue Führung der 
Mortalitätsstatistik. (Oesterreichisches Sanitätswesen S. 315.) 

Erlaß des Ministeriums des Innern vom 17. Oktober, betr. die Untersuchungen der 
bei Bergbaubetrieben beschäftigten Personen auf Wurmkrankheit. (Oester- 
reichisches Sanitätswesen S. 374.) 


2. Ungarn« 

Verordnung des Handelsministers vom 13. Juni 1903, betr. die Sonntagsruhe. 

Erlaß des Ministers des Innern vom 29. August 1903, betr. pharmazeutische Speziali¬ 
täten und Geheimmittel. (Oesterreidiisches Sanitätswesen 1903, S. 461.) 

Erlaß des Handelsministeriums vom 3. Oktober 1903, Z. 57 326, an sämtliche Ge¬ 
werbebehörden zweiter Instanz, betr. die Inspektion der Buchdruckereien und 
Schriftgießereien. 

Verordnung des Handelsministeriums vom 2. Dezember 1903, Z. 64 922, zum Schutze 
der Gesundheit der Arbeiter in den mit der Verarbeitung von Pferde-, Rinder- 
und Schweinehaaren beschäftigten, dem Gesetzesartikel 28 ex 1893 unter¬ 
liegenden gewerblichen Unternehmungen. 


3. Schweiz. 

Bundesbeschluß vom 25. Juni 1903, betr. die freiwillige Sanitätshilfe zu Kriegs¬ 
zwecken. (Sanitarisch-demograph. Wochenbulletin der Schweiz 1903, S. 644.) 
Bundesratsbeschluß vom 24. Dezember 1903, betr. Verbot des Tragens von 125 kg 
Säcken in Mühlen und Lagerhäusern. 

Beschluß des Bundesrats vom 5. Januar, betr. die Verwendung bleifreier Farben bei 
öffentlichen Arbeiten. 


4« Dänemark. 

Bekanntmachung vom 23. Mai 1903 einer vom Ministerium des Innern gutgeheißenen 
Verfügung für die Stadt Kopenhagen, betr. die Arbeit der Kinder und Minder¬ 
jährigen in gewissen Industriezweigen. 

Bekanntmachung vom 1. Oktober 1903, betr. Verkauf und Ausfuhr von Fleisch und 
Schlächtereiabfällen kranker Tiere. 

Regulativ vom 9. Januar für Buchdruckereien und Schriftgießereien auf Grund von 
§ 8 des Gesetzes Nr. 71 vom 11. April 1901. 

Bestimmungen vom 6. Februar zum Schutze der Arbeiter in den der Fabrikinspektion 
unterstellten Zeugreinigungsanstalten, in denen Benzin und ähnliche feuer¬ 
gefährliche Flüssigkeiten angewendet werden. 

Regulativ vom 1. Juni für Zigarren und Tabakfabrikation auf Grund von § 8 des 
Gesetzes Nr. 71 vom 11. April 1901. 


5. Schweden. 

Gesetz vom 13. Mai, betr. Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Lungenschwind¬ 
sucht. 

Gesetz vom 3. Juni zur Abänderung des § 23 des Gesetzes vom 5. Juli 1901, betr. 
Schadenersatz bei Betriebsunfällen. 


6. Rußland. 

Reglement für die Behörden für Fabrik- und Hüttenangelegenheiten, für die Fabrik- 
und Bergwerksinspektoren, sowie für die Amtsstellen und Beamten, welche 
sie vertreten, über die Anwendung des Gesetzes vom 2. Juni 1903, betr. den 
Ersatz für Unfallschaden. (Gesetzsammlung Artikel 912.) 


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B. Gesetzestafel. 


57 


Regeln vom 19. August a. St. 1903 zur Verhütung der Verbreitung von Cholera und 
Pest auf Eisenbahnen und Binnenwasserstraßen. (Gesetzsammlung Nr. 119.) 

Erlaß des höheren Industrie- und Minenrates vom 18. September und 1. Oktober 1903, 
betr. Abänderung des Reglements vom 20. September und 3. Oktober 1897, betr. 
die Stundendauer und Einteilung in Fabriken. 

Verfügung des Ministers des Innern vom 5. Januar, betr. Bestätigung der Vorsichts¬ 
maßregeln bei Exhumierung von Leichen zum Zweck der Bestattung an einem 
anderen Ort und der Instruktion über die Anlage von Friedhöfen m Städten, 
Dörfern und anderen Orten in geringerer als der gesetzlichen Entfernung. 

Sanitäre Vorschriften vom 10. und 23. Juni, betr. die Passagierschiffe auf den Kaspi¬ 
schen Meere. (Gesetzsammlung Teil I, Nr. 137.) 


7. Niederlande. 

« 

Königl. Verordnung vom 9. Februar 1903 zur Erläuterung des 1. Artikels der infolge 
des 82. Artikels des Unfallversicherungsgesetzes erlassenen Königl. Verordnung 
vom 7. Juli 1902. (Gesetzbl. Nr. 152 und Nr. 70.) 

Königl. Verordnung vom 26. Januar 1903 auf Grund der Artikel 41 und 76 des 
„Berufungsgesetzes“ (Unfallversicherung). (Gesetzbl. Nr. 38.) 

Beschluß vom 16. März 1903, zur Ergänzung des königl. Beschlusses vom 7. Dezember 
1896 (Staatsblad Nr. 215), betr. Festsetzung einer allgemeinen Maßregel ge¬ 
mäß Artikel 6 und 7 des Sicherheitsgesetzes laut Ergänzung durch königl. 
Beschluß vom 3. Februar 1902. (Staatsblad Nr. 15.) 

Beschluß vom 18. März 1903, zur Feststellung einer allgemeinen Verwaltungsma߬ 
regel, laut Artikel 5, Absatz 4 des Arbeitsgesetzes. 

Königl. Verordnung vom 20. März 1903, gemäß Artikel 99 und 120 des Berufungs¬ 
gesetzes (Unfallversicherung). (Gesetzbl. Nr. 87.) 

Beschluß vom 24. April 1903 zur Festsetzung der Arbeit und der Kompetenzen der 
in Artikel 12 des Arbeitsgesetzes und Artikel 9 des Sicherheitsgesetzes ge¬ 
nannten Inspektoren und anderen Beamten. 

Gesetz vom 27. April 1903 zur Abänderung des Gesetzes von 1901, betr. Phosphor¬ 
streichhölzer. 

Gesetz vom 24. Juli 1903, wodurch für einen und denselben Unfall der Bezug einer 
Entschädigung oder Rente auf Grund des Unfallversicherungsgesetzes gleich¬ 
zeitig mit einer Pension oder Unterstützung aus der Staatskasse für unstatt¬ 
haft erklärt wird. (Gesetzbl. Nr. 245.) 

Königl. Verordnung vom 10. November 1903 zur Erläuterung der königl. Verordnung 
vom 28. Juli 1902 (Gesetzbl. Nr. 160) zur Ausführung der Artikel 7, 8, 9, 26, 
27, 28, 30, 34, 35 und 36 des Wohnungsgesetzes. (Gesetzbl. Nr. 274.) 

Ergänzende Verordnung vom 24. November 1903 zur Pestverordnung vom 23. Februar 
1902. (Javasche Courant 1903, Nr. 96.) 

Ausführungsbestimmungen des Ministers des Innern vom 4. März zur königl. Ver¬ 
ordnung vom 19. Februar, betr. Maßregeln gegen Pestgefahr. (Nederlandsche 
Staatscourant Nr. 55.) 


8. Belgien« 

Gesetz vom 12. August 1903, betr. Abänderung zu dem Gesetz vom 4. Mai 1900 zur 
Unterdrückung der vermittelst Margarine ausgeftihrten Verfälschungen. (Moni¬ 
teur Beige Nr. 234 (1903), S. 3948—3951.) 

Bestimmungen über den Verkehr mit Saccharin. Auszug aus dem Gesetz vom 21. August 
1903, betr. die Herstellung und die Einfuhr von Zucker. (Bulletin du Service 
de surveillance de la fabrication et du commerce des denrSes alimentäres 
1903, S. 199.) 

Königl. Verordnung vom 20. Oktober 1903, betr. den Verkehr mit Schweineschmalz 
und anderen eßbaren Fetten. (Moniteur Beige 1903, Nr. 297, S. 5324.) 

König!. Verordnung vom 31. Oktober 1903. betr. Ergänzung der Bestimmungen über 
die gefährlichen usw. Betriebe. (Moniteur Beige 1903. S. 5518.) 

Runderlaß des Ministeriums für Finanzen und öffentliche Arbeiten vom 30. November 
1903, betr. Bestimmungen zur Unterdrückung des Betruges im Handel mit 
Margarine. 


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B. Gesetzestafel. 


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Loi du 24 decembre 1903 sur la reparation des dommages r&ultant des accidents 
du travail. 

Arr£t6 royal en date du 10 janvier, concernant rinstitution de la Commission des 
accidents du travail. 

Königl. Verordnung vom 18. Februar, betr. Ergänzung der Bestimmungen über die 
gefährlichen usw. Betriebe. (Moniteur Beige S. 851.) 

Königl. Verordnung vom 21. März, betr. Ergänzung der Bestimmungen über die ge¬ 
fährlichen usw. Betriebe. (Moniteur Beige S. 1538.) 

Rundschreiben an die Generalgouverneure, betr. Vereinbarung mit dem Institut 
Pasteur zu Brüssel wegen Vornahme von Hundswutdiagnosen. Nebst einer 
Anlage mit Verhaltungsmaßregeln bei Tollwut. (Moniteur Beige vom 21. Mai.) 

Arröte royal en date du 6 juillet portant les modifications ä Karrete royal du 
26 decembre 1892, concernant le travail des femmes, des adolescents et des en- 
fants d&ns Findustrie de la ülature et du tissage du lin, du coton, du chanvre 
et du jute. 

Königl. Erlaß vom 9. August, betr. die Bestimmungen über die Beleuchtung bei 
Arbeiten unter Tage in Kohlengruben. 

Generalreglement vom 29. August, betr. die Unfallversicherung. 

Königl. Verordnung vom 18. September, betr. den Verkehr mit Butter und Margarine. 
(Moniteur Beige Nr. 270/271, S. 2903.) 

Königl. Verordnung vom 24. Oktober, betr. Maßnahmen zur Bekämpfung der Wunn- 
krankheit in den Kohlengruben der Provinz Lüttich. (Moniteur Beige S. 5577.) 


9» Frankreich. 

Gesetz vom 11. Juli 1903 zur Abänderung des Gesetzes, betr. Gesundheits- und 
Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeiter in industriellen Betrieben, vom 12. Juni 
1893. (Reichs-Arbeitsbl. 1903 S. 399.) 

Decret du 14 aoüt 1903, modifiant le decret du 4 juillet 1902, determinant des dero- 
gations relatives ä la duree du travail et du repos hebdomadaire. 

Circulaire du Ministre du Commerce aux Inspecteurs divisionnaires du travail, en 
date du 22 octobre 1903, relative au declarations d’accidents par les chefs 
d’entreprises commerciales assujetties k la loi du 11 juillet 1903. 

Erlaß vom 27. November 1903, betr. die Vertilgung der Ratten an Bord von See¬ 
schiffen. 

Loi du 2 decembre 1903 determinant pour Fannee 1903 les conditions d’application 
des articles 26 et 27 de la loi du 9 avril 1898 sur les accidents du travail. 
(Journal officiel du 3 decembre 1903.) 

Decret du 11 decembre 1903 appliquant ä FAlgerie les lois du 7 decembre 1874 et 
du 19 avril 1898 sur la protection des cnfants. 

Circulaire du Ministre du Commerce et de lTndustrie, en date du 20 janvier sur 
Fapplication de la loi relative ä Fhygiene et ä la securite des travailleurs 
dans les etablissements des compagnies de chemins de fer. 

Decret du 27 mars determinant les etablissements militaires dans lesquels Fexecution 
de la loi du 11 juillet 1903 sur Fhygiene et la securite est confiSe aux agents 
du Ministere de la Guerre. 

Circulaire du Ministre de la Guerre, en date du 2 mai sur Fapplication des lois 
reglementant le travail dans les etablissements militaires enumeres par le 
decret du 27 mars. 

Circulaire du Ministre du Commerce en date du 20 mai sur Fapplication des lois de 
protection ouvriere dans les ateliers des etablissements d’enseignement technique. 

Circulaire du Ministre de lTnstmction publique et des Beau-Arts aux prefets, en 
date du 25 juin, sur Fetnploi des enfants de moins de 13 ans dans les theatres 
et concerts sedentaires. 

Decret du 28 juin determinant les etablissements de la Marine dans lesquels, en 
raison de Finteret de la defense nationale, Fexecution de la loi du 11 juillet 
1903 sur Fhygiene et la securite des travailleurs est confiee aux agents 
designes ä cet effet par le Ministre de la Marine. 

Verordnung vom 15. Juli, betr. die Verwendung von Bleiweiß bei Malerarbeiten. 
(Journal officiel vom 21. Juli.) 


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B. Gesetzest&fel. 


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Decret du 28 juillet, concernant le couchage du personnel dans les etablissements 
industriels et commerciaux vis es par la loi du 12 juin 1893, modifiö par la loi 
du 11 juillet 1903. 

Decret du 4 aoüt, modifiant le decret du 14 mars 1903, portant reorganisation du 
Conseil superieur du travail. 

Circulaire du Ministre du Commerce, du 9 aoüt, adresse aux inspecteurs division- 
naires du travail sur l’application du decret du 28 juillet relatif au couchage 
du personnel. 

Circulaire du Ministre de la Marine, du 20 septembre sur l’application des lois 
reglementant le travail dans les etablissements de la Marine places en dehors 
du contröle des inspecteurs du travail. 


10. Italien. 

Ministerialerlaß vom 14. August 1903, betr. Denaturierung von Branntwein. (Gazzetta 
ufficiale Nr. 197.) 

Königliche Verordnung vom 5. November 1903, betr. die Genehmigung von Be¬ 
stimmungen zur Ausführung des Gesetzes über die Bekämpfung der Pellagra 
vom 12. Juni 1902. (Gazzetta ufficiale S. 5169.) 

Gesetz vom 14. Februar, betr. Bestimmungeu über Irrenanstalten und Geisteskranke. 
(Gazzetta ufficiale S. 818.) 

Gesetz vom 25. Februar, betr. Aenderungen und Ergänzungen der Bestimmungen 
über den gesundheitspolizeilichen Schutz, die gesundheitliche Ueberwachung 
und die Gesundheitspflege der Bevölkerung in den Gemeinden des Königreichs. 
(Gazzetta ufficiale S. 1083.) 

Verordnung vom 7. Mai 1903, betr. die Unfallverhütung bei Eisenbahnbetrieben. 

Reglement vom 8. Mai, betr. die Bodenverbesserung von Sümpfen und sumpfigem 
Gelände. (Gazzetta ufficiale S. 3805.) 

Königliche Verordnung vom 23. Juni, betr. Aenderungen der allgemeinen gesund¬ 
heitspolizeilichen Verordnung. (Gazzetta ufficiale S. 3733.) 


11. Spanien. 

Allgemeine Anweisung vom 12. Januar, betr. das öffentliche Gesundheitswesen. 

(Gaceta de Madrid S. 273—295.) 

Gesetz vom 3. März, betr. Sonntagsruhe. 

Königliche Verordnung vom 25. Juni, betr. die Einfuhr von lebendem und ge¬ 
schlachtetem Vieh. (El Eco de las Aduanas Nr. 1651.) 


12. Portugal. 

Königliche Verordnung vom 18. September 1903, betr. Vorschriften für die fiskalische 
Behandlung des Kaffees, der Schokolade und des Tees. (Deutsches Handels¬ 
archiv 1903, I, S. 1506.) 


13. Luxemburg. 

Ministerialerlaß vom 15. Mai 1903, betr. die Wahl von Arbeitervertretern in Unfall¬ 
versicherungsangelegenheiten. (Memorial Nr. 37, S. 573.) 

Erlaß vom 12. August 1903, betr. die Geschäftsführung der Unfallversicherungs¬ 
gesellschaft. (Memorial vom 13. August 1903, Nr. 59, S. 832.) 

Großherzoglicher Beschluß vom 16. Januar, betr. das Reglement über die den Schank¬ 
wirtschaften in hygienischer Hinsicht aufzuerlegenden Bestimmungen. (Memorial 
S. 145.) 

Rundschreiben vom 26. Januar, betr. die Fleischbeschau. (Memorial S. 164.) 

Erlaß vom 26. Januar, betr. kostenfreie Abgabe von Diphtlierieserum und von anti¬ 
septischen Mitteln. 


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B. Gesetzestafel. 


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Großherzoglicher Beschluß vom 11. März, betr. die allgemeinen in den gewerblichen 
und kaufmännischen Betrieben in bezug auf Gesundheit und Sicherheit der 
Arbeiter zu beobachtenden Vorschriften. 

Beschluß vom 24. Juni, betr. die Abänderung der Ausführungsbestimmungen zu dem 
Gesetze über die Kontrolle des aus dem Zollausland eingeführten Fleisches 
und der Fleischbeschauzollordnung vom 28. März 1903. (Memorial S. 625.) 

Beschluß vom 11. November, betr. die Beförderung von an den Pocken erkrankten 
Reisenden auf den Eisenbahnlinien Longwy-Luxemburg und Petingen-Esch 
a. d. Alz. (Memorial S. 958.) 

Ministerialbeschluß vom 17. November, betr. die meldepflichtigen ansteckenden Krank¬ 
heiten. (Memorial S. 989.) 


14« Serbien. 

Gesundheitspolizeiliche Vorschriften vom 6. Februar a. St. für Einfuhrwaren. (Nach¬ 
richten für Handel und Industrie Nr. 33.) 


15. Türkei. 

Impfgesetz vom 18. April. 

Ausführungsbestimmungen zum Impfgesetz vom 18. April. 

Pilgervorschriften vom 26. Juli für das Jahr 1905. 

16. Britisches Reich. 

Order of the Secretary of State applying the provisions of section 116 of the 
Factory and Workshop Act 1901, with modifications, to Wholesale tailoring. 
(January 5*h 1903.) 

Regulations inade by the Secretary of State for the manufacture of electrical accu- 
mulators. (November 21 st 1903.) 

Circular of the Home Office concerning precautions necessary in every room in 
which bronzing or dusting off is done. (November 1903.) 

Order of the Secretary of State applying the provisions of section 116 of the Factory 
and Workshop Act 1901, with modifications to the manufacture of wearing 
apparel. (December 17 th 1903.) 

Order of the Secretarv of State with regard to the overtime employment of women. 
(Dezember 29 th 1903.) 

Factory and Workshop Acts 1891, 1895 and 1901. Amended special rules for the 
manufacture and decoration of Eartlienware and China. As established. after 
arbitration, by the awards of the umpire, Lord James of Hereford. (o0*h of 
December 1901 and 28 th 0 f November 1903.) 

Order of the Secretary of State modifying the proportion of cubic feet of space to be 
provided in certuin bakehouses. (December 30th 1903.) 

Order of the Secretary of the State applying the provisions of section 116 of the 
Factory and Workshop Act 1901, w T ith modifications to Wholesale tailoring. 
(January 5th.) 

Order of the Secretary of State granting special exceptions: — as to meal hours in 
iron and steel foundries. (June 23 rd .) 

Order of the Secretary of State extending special exception: — employment at 
night of male young persons above 16. (August 9th.) 

Britisch-Südafrika. 

Verordnung des Gouvernements vom 22. Januar, betr. die Behandlung pestverdächtiger 
Schiffe. (Natal Government Gazette vom 26. Januar.) 

Verordnung vom 29. Januar, betr. das afrikanische Küstenlieber. 

Britisch-Co 1 umbien (Canada). 

An act to regulate immigration into British Columbia. (May 30th 1903.) 

Vorschriften vom 13. August 1903, betr. Verhinderung der Einfuhr, Herstellung und 
des Verkaufs von verfälschter Butter, Margarine, Butterine oder anderen Er¬ 
satzstoffen für Butter. (Nachrichten aus Handel und Industrie Nr. 141.) 


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B. Gesetzestafel. 


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An act further to amend the „Steam Boilers Inspection Act 1901.“ (February 10 th.) 
An act to amend the „Health Act.“ (February 10th.) 

An act to amend the „Coal Mines Regulation Act.“ (February 10th.) 

An act to regulate Immigration into British Columbia. (February 10 th.) 


Quebec (Canada). 

Loi du 25 avril, concemant les cites et les villes. 


West-Australien. 

An act relating to factories. (January 16 th.) 


Victoria. 

An act to continue and amend the factories and shops act 1896 and the acts amen- 
ding the same. (October 30 th 1903.) 


Neu-Süd-Wales. 

An act of August 16 th 1902 to consolidate the Acts relating to Public Health and 
the prevention of the spread of disease. 


Queensland. 

Verordnung vom 27. April 1903, betr. Bekämpfung der Lungentuberkulose. 


Neu-Seeland. 

An act to consolidate and amend the law relating to the Inspection of Machinery. 
(October 3rd 1902.) 

An act to amend the Inspection of Machinery Act, 1902. (October 30th 1903.) 

An act to provide for the creation of a Department of Labour and for declaring the 
powers and duties thereof. (November 23*«* 1903.) 

An act to amend the Worker’s Compensation for Accidents Act, 1900. (November 
23rd 1903.) 

Tasmania. 

An act to amend the act 16 Victoria, Nr. 11, for compensating the families of persons 
killed by accident. (November 28*h 1903.) 

An act to amend the women and children employment act 1884. (December 10 th 
1903.) Nr. 13. 


17. Vereinigte Staaten von Nord-Amerika. 

Grundlagen vom 20. November 1903 für die Reinheit von Nahrungsmitteln. 
Bekanntmachung vom 24. März, betr. besondere Quarantänevorschriften für Fracht¬ 
schiffe. (Public Health Reports S. 561.) 

Amendment to quarantine regulations (March 30th). (Veröffentlichungen des Kaiser! 
Gesundheitsamts 1903 3. 1078.) 


Massachusetts. 

An act concerning inspection of factory - blowers for emery wheels etc. (June 
26th 1903.) 

Connecticut. 

An act to prevent persons and corporations from working laborers in smelters and 
all other institutions for the reduction or refining of ores more than eight 
hours in a day of twentyfour hours, and fixing eight hours as a day for such 
laborers. (March 9th 1903.) 


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B. Gesetzestafel. 


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An act, approved May ötb 1903, concerning veterans discharged from employment. 
(Public Acts of Connecticut 1903, p. 40.) 

An act, approved May lltli 1903, concerning certificates of age of school children. 
(Public Acts of Connecticut 1903 p. öl.) 

An act, concerning tbe appointment of a factory inspector and bis deputies and de- 
fining their duties and fixing their salaries (May 12th 1903). (Public Acts of 
Connecticut 1903 S. 65.) 

Rhode-Island. 

An act to regulate the practice of barbering, the licensing of persons to carry on 
such practice and to insure the better edncation of such practitioners, and to 
insure better sanitary conditions in barber shops and to prevent the spreading 
of disease in the State of Rhode Island. 

Pensylvanien. 

An act to prohibit the adulteration of food and providing for the enforcement thereof. 
(April 27th 1903.) 

An act to amend article 9, section 1 of an act entitled „An act to provide for the 
health and the safety of persons employed in and about the anthracite coal 
mines of Pennsylvania and for the protection and preservation of property 
connected therewith,“ approved June 2n<* 1891, also to amend section 17 of an 
act, entitled „An act relating to bituminous coal mines and providing for tbe 
lives, health, safety and welfare of persons employed therein,“ approved June 
13th 1885. (May 13th 1903.) 

New Jersey. 

A Supplement to an act to regulate the manufacture of flour and meal food products. 
(March 24th 1903.) 

A Supplement to an act entitled „An act to limit the age and employment of children 
minors and women etc. (March 2öth 1903.) 

An act to limit the age and employment hours of labor of children, minors and 
women, and to appoint an inspector for the enforcement of the same. (May 
öth 1903.) 

An act to amend section 384—1 of the penal code, by providing a punishment for 
false Statements in or in relation to applications made for employment certiü- 
cates required by the labor law. (May 6th 1903.) 

Delaware. 

An act concerning hours of labor on public works-city of Wilmington. (April 7th 1903.) 

Michigan. 

An act concerning the inspection of factories. (May 7th 1903.) 

Wisconsin. 

An act authorizing the inspecting of and to secure a report upon the building and 
care of tenement houses. (1903). 

An act providing for the sanitary regulations of bakeries and other establishments 
for the manufacture of bread and other food products (1903). 

An act defining the liabilities of any railroad Company in relation to damages sus- 
tained by its employees and amendatory of subdivision 2 of section 1816 of 
the Statutes of 1898. (1903.) 

An act providing for the protection of employees and sanitation in certain boildings. 

(1903.) 

An act concerning compulsory education. (1903.) 

An act relating to female employment in the Service of telegraph and telephone 
Companies. (1903.) 

An act concerning cliild labor. (1903.) 

An act to amend section 4601 of the Statutes of 1898, relative to the adulteration 
of drugs and foods. (April 290* 1903.) 


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Illinois. 

An act reqniring compensation for causing death by wrongful act, neglect or default 
(May 13th 1903.) 

An act to require owners and operators of coal mines to provide every coal mine 
with wash rooms for the nse of the miners therein employed. (May 14th 1903.) 

An act to revise the laws in relation to coal mines and subjects relatin^ thereto, 
and providing for the health and safety of persona employed therein. (May, 
I4tii 1903.) 

An act to regnlate the employment of children in the state of Illinois and to provide 
for the enforcement thereof. (May 15th 1903.) 


Minnesota. 

An act to regnlate the hours of employment of locomotive engineers and locomotive 
firemen, and to provide a penalty for violation thereof. (March 19tfc 1903.) 

An act to protect the rights of employees, servants, laborers and persons seekmg 
employment and to provide a penalty for coercing or inflaencing or making 
demands npon or requirements of such persons. (April 21»t 1903.) 

Prcservative Law. Chapter 260, H. F. Nr. 602. (The Dairy and Pure Food Laws of 
the State of Minnesota S. 38.) 


Kansas. 

An act concerning the inspection of factories etc. — fire escapes. (Febrnary 28tb 1903.) 

An act concerning the liability of eraployers for injury to employees — railro&d 
Companies. (March 4th 1903.) 

An act to regnlate the practice of the barber profession in all cities of the state 
containing more than 3000 inhabitants, creating a State Board of Examination 
and Inspection Commissioners to prevent the spreading of contagions diseases, 
levying of fees and prescribing penalties for violation of this act. (1903.) 

An act to create a board of examiners and regnlate the bnsiness of plnmbing in 
certain cities. (1903.) 

An act requiring safeguards for the protection of persons employed or laboring in 
manufactnring establishments and providing civil remedies for all persons 
so engaged or their personal representatives, in cases where any such person 
may be kilied or injnred while employed or laboring in any mannfactnring 
establishment which is not properly provided with the safegnards reqnired by 
this act. (1903.) 

Missouri. 

An act providing for the practical and technical qualific&tions of mine inspectors, 
mine managers, mine foremen, assistent mine foremen, mine examiners and 
hoisting engineers, and for the creation of a state mining board, its quali¬ 
fications, duties and compensation. (April 4th 1903.) 

An act to amend section 8817 article 2, chapter 133, revised Statutes of the state 
of Missouri. 1899, relating to the establishment of the burean of mines, mining 
and mine inspection, and the appointment of mine inspectors, with emergency 
clause. (Aprü 13th 1903.) 

Virginia. 

An act concerning employment of children. age limit, night work. (April Ißth 1903.) 

An act concerning convict labor. (May 5th 1903.) 

An act concerning protection of employees on Street railways — inclosed platforms. 
(May 13 tb 1903.) 


Nord-Carolina. 

An act concerning employment of children, age limit, hours of labor. (March 9^* 1903.) 


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B. Gesetzestafel. 


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Süd-Carolina. 

An act conceming employment of children. (February 13th 1903.) 

An act concerning sunday labor — railroads. (Febmary 21*t 1903.) 

An act conceming convict labor. (February 23*d 1903.) 

An act conceming accident insnrance. (Febmary 23rd 1903.) 

Florida. 

An act concerning sunday labor — newspapers. (May 15*h 1903.) 

Alabama. 

An act conceming employment of children. (February 25th 1903.) 

An act conceming children laboring to support parents in idleness. (September 22rd 1903.) 

Arkansas. 

An act conceming labor day. (January 29th 1903.) 

An act concerning the employment of children. (April 8*h 1903.) 

An act conceming hours of labor of railroad employees. (April 14th 1903.) 

Colorado. 

An act conceming mine regulations. (April 10th 1903.) 

An act conceming employment of labor — age not ground for discharge. (April 10tb 
1903.) 

An act conceming mine regulations — inspectors of metalliferous mines. (April 1V& 
1903.) 

An act concerning the employment of women and children. (April lUh.) 


Arizona. 

An act concerning the hours of labor of railroad employees — number of brakemen. 
(March 18th 1903.) 

An act conceming the hours of labor in mines. (March 10th 1903.) 

Hawaii. 

An act concerning employment on public works. (April 23rd 1903.) 


18. Brasilien. 

Dekret des Präsidenten der Republik vom 8. März, betr. neue Vorschriften über den 
Sanitätsdienst zu Lasten der Vereinigten Staaten von Brasilien. 

Gesetz vom 31. Oktober, betr. die Impfung und Wiederimpfung gegen die Pocken. 
(Diario official vom 2. November.) 


19. Argentinien. 

Gesetz Nr. 4202 vom 27. August 1903, betr. die Impfung und Wiederimpfung mit 
Schutzpocken in der Hauptstadt und den Gebieten der Republik. 


20. Siam. 

Quarantäne-Ordnung vom 20. Mai. 


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C. Yon den Kongressen. 


Zehnte Jahreskonferenz der Vertrauenspersonen für 
die Gewerbeinspektion in Württemberg Anfang Januar in 
Stuttgart. Näther referiert über die Gewerbeinspektionsarbeit im 
Jahre 1903. 

Allgemeiner Krankenkassentag zu Leipzig am 25. Januar. 

A. Kohn (Berlin) berichtet über die Stellung der Krankenkassen 
gegenüber den Forderungen der Ärzte. 

Zicetunddreißigste Plenarversammlung des deutschen 
Landivirtschaftsrats vom 9. bis 12. Februar in Berlin. Es re¬ 
ferieren u. a. y. Schwerin (Spantekow) und v. Thüngen über den 
Bau von Landarbeiterwohnungen mit Darlehen der Landesversicherungs¬ 
anstalten ; H. D a d e (Berlin) über die landwirtschaftliche Bevölkerung 
des Deutschen Reichs um die Wende des 19. Jahrhunderts; M. Sering 
(Berlin) und v. Getto (Reichertshausen) über die Bedeutung der 
ländlichen Bevölkerung für die Wehrkraft des Deutschen Reichs. 

Achte Hauptversammlung des Deutschen Vereins für 
ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege am 17. Februar in 
Berlin, v. Pufendorf (Isenhagen) referiert u. a. über ländliche 
Krankenpflege. 

Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur 
Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten am 6. März in 
Berlin. X e i ß e r (Breslau) referiert über einen Antrag des Schlesischen 
Zweigvereins, betr. Abänderung des Fürsorgegesetzes; A. Blaschko 
(Berlin) über Anregungen betr. Textänderungen des Merkblattes. 

Allgemeiner Heimarbeiterschutz Kongreß am 7. und 

B. März in Berlin. Referate: F. Käming (Berlin), die soziale Lage 
und die Notwendigkeit des gesetzlichen Schutzes der Heimarbeiter 
und -Arbeiterinnen; T h. S o m m e r f e 1 d (Berlin), die gesundheitlichen 
Gefahren der Hausindustrie für das konsumierende Publikum. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 5 


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C. Von den Kongressen. 


Erster französischer Kongreß für Klimatotherapie 
und Stadthygiene vom 4. bis 7. April in Nizza. Es referierten 
u. a. T. Vidal (Hydres) über Hilfsanstalten für arme skrophulöse and 
tuberkulöse Lungenkranke; Balestre und Camous (Nizza) über 
Desinfektion in den Städten. 

Erster internationaler Kongreß für Schulhygiene in 
Nürnberg vom 4. bis 9. April. Referate im Plenum: H. Cohn 
(Breslau), was haben die Augenärzte für die Schulhygiene geleistet 
und was müssen sie noch leisten? A. Johann essen (Kristiania), die 
Entwicklung und der Stand der Schulhygiene in Norwegen; P. le 
Gendre (Paris), des reactions reciproques entre elöves et maitres 
au double point de vue des maladies contagieuses et des influences 
morales; Sickinger (Mannheim), Organisation großer Volksschul¬ 
körper nach der natürlichen Leistungsfähigkeit der Kinder; Hueppe 
(Prag), die Verhütung der Infektionskrankheiten in der Schule; 
Liebermann (Budapest), die Aufgaben und die Ausbildung von 
Schulärzten; J. Kerr (London), what is most required in school Ven¬ 
tilation; Skwortzow (Charkow), die Grundlagen der Erziehung und 
Bildung vom hygiologischen Standpunkte; M. Var gas (Barcelona). 
Schulhygiene in Spanien. — Gruppe A. Hygiene der Schulgebäude: 
Erismann (Zürich), die Orientierung der Schulgebäude; H. Th. 
M. Meyer (Hamburg), transportable Pavillons als Schulstätten der 
Zukunft; A. Hegedüs (Budapest), neuere Schulhausbauten Buda¬ 
pests; H. Chr. Nußbaum (Hannover), der gesundheitliche Wert 
niedrig temperierter Heizkörper für Schulzimmer; Jacobitz (Karls¬ 
ruhe), desinfizierende Wandanstriche; J. Staelens (Blankenberghe), 
les dimensions des salles d’ecole et le nombre d’eleves par classe en 
Belgique; A. v. Domitrovich (Schöneberg), Festlegung der generellen 
Anforderungen an ein relativ vollkommenes Schulbanksystem; R. Blasius 
(Braunschweig) und M.Osterloh (Braunschweig), Hygiene der Schul¬ 
gebäude; W. Szuppän (Budapest), die Schulbank von Michl und 
Szuppän; Könighöfer (Stuttgart), Geradehalter; Hoch (Schloppe), 
Beitrag zur endgültigen Lösung der Schulbankfrage; H. Brink 
(Wahlershausen), neue hygienische Einrichtungen für Klassenzimmer 
und Turnhallen; H. Graupner (Dresden), Wachstumsgesetze der 
Körperlänge und Verteilung der Schulbänke nach einer Untersuchung 
an 57000 Dresdener Volksschülern; Berger (Hannover), eine neue, 
den hygienischen und pädagogischen Anforderungen entsprechende 
Schulbank; K. Hin träger (Gries), das Volksschulhaus der Gegen¬ 
wart in hygienischer Beziehung; M. Gr über (München), die Ver¬ 
sorgung der Schulzimmer mit Tageslicht; W. Prausnitz (Graz), in¬ 
direkte (diffuse) Beleuchtung von Schulzimmern; A. Wingen (Bonn), 
Helligkeitsmessungen in Schulen; L. Bier (Krakau), der Wert des 
Wingenschen Photometers; M. Sakuta (Moskau), Ventilation der 


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C. Von den Kongressen. 


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Schulen mittels Luftverteilungsfilter nach System Timochowitsch ’ 
E. Angerer (Weilheim) und H. Recknagel (München), das Schul- 
haus auf dem Lande; Semeräd (Jungbunzlau), die Notwendigkeit, 
die Schule jeden Tag gründlich zu reinigen. — Gruppe B. Hygiene 
des Unterrichts und der Unterrichtsanstalten: Th. Ben da (Berlin) 
und Schwend (Stuttgart), Maß der Lehrpensen und Lehrziele an 
höheren Unterrichtsanstalten; Wildermuth (Stuttgart), Schule und 
Nervenkrankheiten; A. Conta-Kernbach (Jassy), les programmes 
actuels et la nouvelle methode d’enseignement au point de vue de 
l’bygiene intellectuelle; A. Juba (Budapest), Hygiene des Internats; 
Mathieu (Paris), les internats dans les Etablissements de l’instruc- 
tion secondaire en France; Bazin de Bezons (Paris), le LycEe 
Lakanal ä Paris-Sceaux; J. Drbohlaw (Tiflis), staatliche Erziehungs- 
pensionate mit Schulklassen auf dem Lande; M. Klaus (St. Pölten), 
Hygiene des Internats; J. Trüper (Jena), zur Frage der ethischen 
Hygiene unter besonderer Berücksichtigung der Internate; A. Hertel 
(Kopenhagen) und A. Palmberg (Helsingfors), Coedukation in den 
höheren Schulen ;B.Uhlemayr (Nürnberg), der fremdsprachliche Unter¬ 
richt in seiner Beziehung zur Schulhygiene; E. Feltgen (Luxem¬ 
burg), der Beginn der Schulpflicht; E. Hintzmann (Elberfeld), 
M. C. Schuyten (Antwerpen) und E. Semeräd (Jungbunzlau), die 
Vorzüge des ungeteilten Unterrichts; G. Hergel (Außig), die Schüler¬ 
überbürd ungsklage im Lichte der modernen GeseUschafts-, Familien- 
und Schulverhältnisse; Th. Altschul (Prag), Wert der Experimente 
bei Schüleruntersuchungen; Th. Vannod (Bern), la mEthode esthEsio- 
mEtrique pour la mensuration de la fatigue intellectuelle; Y. Sakaki 
(Tokio), Mitteilungen über Resultate der Ermüdungsraessungen in vier 
japanischen Schulen in Tokio; H. Adsersen (Kopenhagen), eine 
ästhesiometrische Untersuchung; P. J. Thiel (Elberfeld), die Wald¬ 
schule; S. Neuburger (Nürnberg), Mindestforderungen bei der typo¬ 
graphischen Ausstattung von Schulbüchern; P. M. No'ikow (Sofia), 
die passiven Unterrichtsmethoden vom schulhygienischen Standpunkt; 
Akbroit (Odessa), die Hygiene des Unterrichts. — Gruppe C. 
Hygienische Unterweisung der Lehrer und Schüler: A. Hartmann 
(Berlin), die Erziehung des Volkes zur Gesundheitspflege durch den 
Schularzt; R. B1 a s i u s (Braunschweig) und A. W e r n i c k e, hygienische 
Unterweisung der Lehrer; J. Presl (Jicen, Böhmen), der Unterricht 
in der Schulhygiene in den österreichischen Lehrerbildungsanstalten; 
H. Schuschny (Budapest), die sexuelle Frage und die Mittelschule; 
M. Oker-Blom (Helsingfors), Schule und sexualhygienischer Unter¬ 
richt: E. Epstein (Nürnberg), die Aufklärung der heran wachsenden 
Jagend über die Geschlechtskrankheiten; H. Stanger (Trautenau), 
SexueUes in und außerhalb der Schule; A. Tluchor (Wien), sexuelle 
Schulhygiene; A. Flachs (Moinesti-Rumänien) und A. Bexheft 

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C. Von den Kongressen. 


(Budapest), die Verbreitung hygienischer Kenntnisse in den Schulen; 
J. Slansky (Peterswald), die Gesundheitslehre in der Volksschule: 
K1 i m o f f (Petersburg), der Hygieneunterricht in Petersburg; E. Fisch er 
(Rixdorf), Lehr- und Lernmittel für den hygienischen Unterricht in 
der Schule; Gutzmann (Berlin), die Bedeutung der Stimm- und 
Sprechhygiene für Lehrer und Schüler; C. Barat (Valencia), la 
joie et la sant6 dans l’ecole. — Gruppe D. Körperliche Erziehung 
der Schuljugend: F. A. Schmidt (Bonn), Schulbäder; S. Merkel 
(Nürnberg), Erteilung von Schwimmunterricht an Schüler; F.A.Schmidt 
(Bonn) und K. Möller (Altona), Turnen und Jugendspiele; Samo sch 
(Breslau), schulärztliche Untersuchungen über den Einfluß der an 
Breslauer Volksschulen üblichen Jugendspiele auf die Herztätigkeit 
der Kinder; C. Dukes (Rugby), the Organisation of physical education 
in schools; Piasecki (Lemberg), les exercices de force au point de 
vue de l’hygiöne; Buj wid (Krakau), physische Arbeit als Erziehungs¬ 
agens; Nenadovic (Belgrad), körperliche Erziehung der Schuljugend 
in Verbindung mit der Schulhygiene bei den Serben; Brand eis 
(Prag), organische Nährelemente und Widerstandskraft; Gebhardt 
(Berlin-Friedenau), die olympische Bewegung und die Schule; Tluchor 
("Wien), Hygiene des Mädchenturnens; Quirsfeld (Rumburg), physi¬ 
sche und geistige Entwicklung des Kindes während der ersten Schul¬ 
jahre; Winkler (Wien), Atemgymnastik, ihre Pflege im Leben und 
in der Schule; U. Steyn Parve (Holland), richtig Atmen in der 
Schule; Guttmann (Wien), die Vitalkapazität unserer studierenden 
J ugend ;Hoffmann (Lübeck), Atmung und Körperbau; F. Z o 11 i n g e r 
(Zürich), die physische Erziehung der Jugend in der Schweiz; Pawel 
(St. Pölten-Wien), die körperliche Erziehung der Jugend in Österreich; 
Glauning (Nürnberg), der Spielplatzbetrieb in Nürnberg; Bucar 
(Agram), körperliche Erziehung in Kroatien und Slavonien; Wicken¬ 
hagen (Berlin-Friedenau), die körperliche Erziehung der Jugend in 
Deutschland; M. V a r g a s (Barcelona), les jeux ;Savas,Georgantas 
und Ka Ilias (Athen), Schulhygiene in Griechenland. — Gruppe E. 
Krankheiten und ärztlicher Dienst in den Schulen: Denker (Er¬ 
langen), die Hörfähigkeit und die Häufigkeit des Vorkommens von 
Infektionskrankheiten im kindlichen und jugendlichen Alter: nach 
eigenen Untersuchungen; Br es gen (Wiesbaden), die hauptsächlichen 
kindlichen Erkrankungen der Nasenhöhle, der Rachenhöhle und der 
Ohren, sowie ihre Bedeutung für Schule und Gesundheit; Kiel¬ 
hauser (Graz), die Zahnverderbnis der Schuljugend; Leubuscher 
(Meiningen), Aufgaben des Staates im Schularztwesen; Landau 
(Krakau) die Schularztfrage in Österreich; W. L. Mackenzie (Edin¬ 
burgh), the medical inspection of school children in Scotland; Kop- 
czynski (Warschau), die ärztliche Aufsicht in der siebenklassigen 
Warschauer Handelsschule; Gawronsky (Moskau), einige ver- 


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C. Von den Kongressen. 


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gleichende Daten über die zahnärztliche Hilfe in den Mittelschulen 
Moskaus; Sa mosch (Breslau), die Notwendigkeit der einheitlichen 
Kegelung des schulärztlichen Dienstes; Richter (Remscheid), wie 
weit soll und darf die Erteilung ärztlichen Rates und die Behandlung 
von Schülern und Schülerinnen seitens der Schulärzte gehen? Schisch- 
raanow (Sofia), les medecins scolaires en Bulgarie; Hamburger 
(Berlin), die beste Methode der Sehprüfung bei Lernanfängern; Meder 
(Brünn), Anlage und Zweck eines Grundbuches für Gesundheitspflege 
in Schulen; Altschul (Prag) und Büchel (Nürnberg), Morbiditäts¬ 
statistik; Pustowka (Teschen), Grundsätze für die Anwendung und 
Bemessung der Kontumaz infektionskranker Schüler und deren ge¬ 
sunden Wohnungs-, bzw. Hausgenossen; F. M. D. Berry (London), 
the physical examination of London school children and the preva- 
lence of albuminia among them; Brand eis (Prag), Ursachen und Be¬ 
kämpfung der nervösen Erscheinung unserer Schuljugend; Jessen 
und Dominicus (Straßburg), die Errichtung städtischer Schulzahn¬ 
kliniken, eine internationale-volkshygienische Forderung unserer Zeit; 
S. Spokes (London), the care of the teeth during school life; Engel¬ 
horn (Göppingen), welche Bedeutung für die Schulhygiene hat die 
Psychologie und Psychopathologie der Entwicklungsjahre? Segge 1 
(München), Schädigung des Lichtsinnes der Augen in der Schule; 
Hamburger (Berlin), die Grundlagen der Professor Stillingschen 
Theorie über die Entstehung und Bedeutung der Kurzsichtigkeit; 
Steiger (Zürich), Schule und Astigmatismus; K1 imoff (Petersburg), 
Lage eines Schularztes in verschiedenen Lehranstalten St. Peters¬ 
burgs; A. Anissimoff (Moskau), Hygieneunterricht in den Lehr¬ 
anstalten; E. Sayer (London), the deterioration of vision in school- 
life; Fischl (Prag), Theorie und Praxis der Karenz des Schul¬ 
besuches nach akuten Infektionskrankheiten; Wahl (München), zur 
Prophylaxe und Frühdiagnose des Schiefwuchses; Gunzburg (Ant¬ 
werpen), zur Prognose der Skoliose; Risley ((Philadelphia), the im- 
portance of examinations in development of school-hygiene; Dexter 
• Illinois), the influence of the weather upon the child; Sickinger 
i Bonn), Schulhygiene für die Zähne; G. B a d a 1 o n i (Bologna), l’esame 
dell' acuitiva visiva nelle scuole come mezzo di profilassi. — Gruppe F. 
Sonderschulen: H. Stadelmann (Würzburg), wie kann die unter- 
richtliche Behandlung abnormer Kinder die Prophylaxe der Nerven- 
und Geisteskrankheiten unterstützen? H. Gutzmann (Berlin), der 
Einfluß der Schule auf die Sprachstörungen; F. Schleißner (Prag), 
die Sprachgebrechen der Schuljugend an den deutschen Schulen in 
Prag; H. Kielhorn (Braunschweig), die Gesundheitspflege in der 
Hilfsschule; F. Frenzel (Stolp i. P.), die Hilfsschulen für Schwach¬ 
begabte; Gelpke (Karlsruhe), die Beziehungen des Sehorgans zum 
angeborenen und erworbenen Schwachsinn; F. Wann er (München), 


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C. Von den Kongressen. 


funktionelle Prüfungen der Gehörorgane in den Hilfsschulen für 
Schwachsinnige in München; J. Fes er (München), Nervosität und 
Schwachsinn beim Kinde in ihren Beziehungen; L. C r o n (Heidelberg), 
moralisch Schwachsinnige in den öffentlichen Schulen; 0. Berkhan 
(Braunschweig), Schulen für epileptische Kinder; W. Weygandt 
(Würzburg), epileptische Schulkinder; G. E. Shuttleworth (London), 
the educational treatment of epileptic children; L. Rosenfeld 
(Nürnberg), Krüppelschulen; Zimmer (Berlin-Zehlendorf), ein Heil¬ 
erziehungsheim für nervöse junge Mädchen gebildeter Stände: 

K. Baldrian (Wien), zur Gesundheitspflege der taubstummen Kinder: 
Sickinger (Mannheim) und J. M o s e s (Mannheim), das Sonderklassen- 
System der Mannheimer Volksschule. — Gruppe G. Hygiene der 
Schuljugend außerhalb der Schule. Hygiene des Lehrkörpers. All¬ 
gemeines: J. Berninger (Wiesbaden), Elternabende und deren 
Organisation; K. Roller (Darmstadt), die Beschäftigung der Schüler 
der höheren Lehranstalten außerhalb der Schule vom gesundheitlichen 
Standpunkt betrachtet; M. Jäger (Schwäbisch-Hall), zur Frage der 
häuslichen Arbeiten an unseren höheren Lehranstalten; G. Schanze 
(Dresden), die Hausaufgaben der Schüler; E. Krukenberg (Kreuz¬ 
nach) und H. Sumper (München), die Bedeutung schulhygienischer 
Bestrebungen für die Frauen und für die Familie; R. Flachs 
(Dresden), die Hygiene der Kleidung bei der weiblichen Jugend; 
E. van Tußenbroek (Amsterdam) und Th. Witry (Luxemburg), 
Hygiene des Lehrkörpers; R. Wichmann (Harzburg), zur Über¬ 
bürdungsfrage der Lehrerinnen; J. Weig 1 (München), das Frühstück 
der Schuljugend; F. Zollinger (Zürich), die Errichtung eines inter¬ 
nationalen Erziehungsamtes und die Veranstaltung internationaler 
Ausstellungen für das gesamte Unterrichts- und Erziehungswesen, 
sowie für Wohlfahrtseinrichtungen; A. K. Chalmers (Glasgow), the 
hygiene of school-life; Th. Heller (Wien), die Gefährdung der 
Kinder durch krankhaft veranlagte und sittlich defekte Aufsichts¬ 
personen; L. v. Wolfring (Wien), Entwurf einer landwirtschaftlich¬ 
gewerblichen Kolonie; K. 0hlmer (Hildesheim), die Universalschreib¬ 
platte und ihre Bedeutung für die Gesunderhaltung der Schuljugend; 
S. v. Förster (Nürnberg), Volksbildung und Schulgesundheitspflege; 

L. Bloch (Reichenau, Böhmen), Schule und Haushaltung; H. Stanger 
(Trautenau), Rauchfreiheit oder Rauchverbot für die Studierenden der 
oberen Klassen? E. Kap ff (Wertheim a. M.), unsere Erziehung im 
Lichte der Weltpolitik; M. Blitstein (Nürnberg), Alkohol und Schule, 
physiologisch-pathologischer Teil; W. Hadelich (Nürnberg), Alkohol 
und Schule, therapeutisch-prophylaktischer Teil. 

Congres national periodique de Ggnecölogie, d’Obste- 
trique et de JPaediatrie du 5 au 10 avril ä Rouen. Communica¬ 
tions: R. Raimondi, le röle et lävenir des pouponnieres; J. Ma- 


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C. Von den Kongressen. 


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gniaux, mortalite infantile ä Rouen dans les classes ouvrieres; l’en- 
fant ä la creche de la Maternite, dans le dispensaire et k la cröche 
de l’Hospice-General; Gal ton. la scrofule; Gas ton, les formes de 
I’h6redit6 pathologique infantile; dystrophies, stigmates et maladies. 

Einundzwanzigste Hauptversammlung des preußischen 
Med izinalbeamtenvereins am 18. und 19. April in Berlin. Es 
referierten u. a. Aschaffenburg (Halle), über Querulanten und 
Pseudoquerulanten; Gutknecht (Belgrad), über die Hygiene auf dem 
platten Lande; Friedei (Wernigerode) und Meyen (Muskau), über 
Hygiene in Kurorten und Sommerfrischen. 

Jahresversammlung des deutschen Vereins für Psy¬ 
chiatrie vom 25. bis 27. April in Göttingen. Es sprechen u. a. 
Cr am er (Göttingen) über die Heil- und Unterrichtsanstalten für 
Psychiatrie und Nervenheilkunde in Göttingen unter besonderer Be¬ 
rücksichtigung des Sanatoriums Rasenmühle; H. Schüle (Rienau), 
über die Frage des Heiratens von früher Geisteskranken. 

Dreizehnte Konferenz der Zentralstelle für Arbeiter - 
Wohlfahrtseinrichtungen am 9. und 10. Mai in Leipzig. Es 
referieren Wiedfeld (Essen) über Schlafstellenwesen und Ledigen¬ 
heime im allgemeinen, Falch über diesbezügliche Einrichtungen der 
evangelisch-inneren Mission, Saltzgeber (Berlin) der katholischen 
Charitas, Bern dt (Bochum), der Arbeitgeber; Thiel (Berlin) über 
Schlafstellen-Einrichtungen für ländliche Saisonarbeiter; Bisch off 
(Leipzig), Zimmer (Berlin) und Adickes (Frankfurt a. M.) über 
das Pensions- und Reliktenwesen der Arbeiter und Angestellten. 

Hauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für 
Volksbüder am 11. Mai in Kassel. Referate: Aschrott (Elber¬ 
feld) über die Verbindung von Volksbadeanstalten mit öffentlichen 
Waschanstalten; Herzberg (Berlin) über Ersatz für Flußbade- 
anstalten; Peters (Magdeburg), Brause- oder Schwimmbad ? A p p e - 
lius (Wilmersdorf), über die hygienische Bedeutung des Brausebades; 
Gebhard (Lübeck), über die Voraussetzungen, unter denen die Landes¬ 
versicherungsanstalten in der Lage sind, die Errichtung von Volks¬ 
badeanstalten zu fördern; Lassar (Berlin), über Eisenbahn und 
Volksbäder. 

Dritte Jahresversammlung der freien Vereinigung 
deutscher Kahrungsmittelchemiker am 13. und 14. Mai in 
Stuttgart. Es referieren u. a. S. König (Münster) und Emmerich 
(München) über den gegenwärtigen Stand der Beurteilung von Trink¬ 
end Abwasser. 

Achter Verbandstag deutscher Haugenossenschaften 
am 14. Mai in Berlin. H. Albrecht (Berlin) referiert über den 
preußischen Wohnungsgesetzentwurf; Koska (Berlin) über Geld¬ 
beschaffung für Baugenossenschaften. 


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C. Von den Kongressen. 


Achte Generalversammlung des deutschen Zentral¬ 
komitees zur Errichtung von Heilstätten für Lungen¬ 
kranke am 20. Mai zu Berlin. G. Pannwitz (Berlin) erstattet den 
Geschäftsbericht; Brugg er (Köln) spricht über die Aufgaben der 
Gemeinden bei der Tuberkulosebekämpfung; Samt er (Charlottenburg) 
und P. Jacob (Berlin) sprechen über Fürsorgestellen für Lungen¬ 
kranke. 

Dreizehnte Versammlung der Deutschen Otologischen 
Gesellschaft zu Berlin am 20. und 21. Mai. Es berichtet u. a. 
Hammer schlag über die Beziehung zwischen hereditär-degenerativer 
Taubheit und Konsanguinität der Erzeuger. 

Vierte Generalversammlung der Handlungsgehilfen 
und -Gehilfinnen am 22. und 23. Mai in Magdeburg. Lipinski 
(Leipzig) referiert über die Sozialreform im Handelsgewerbe. 

Erster wissenschaftlicher böhmischer Juristentag am 
22. und 23. Mai in Prag. Storch (Prag) behandelt die Frage: Ist 
die Einführung der bedingten Verurteilung in Österreich zu empfehlen? 
Prusäk (Prag): Mit welchen Mitteln ist der Alkoholismus vom Stand¬ 
punkt des Strafrechts zu bekämpfen? 

Fünfzehnte Generalversamtnlung des Verbandes 
deutscher Bergarbeiter vom 22. bis 24. Mai in Stadthagen (Lippe). 
Es referiert u. a. Hu6 über den Stand der Berggesetzgebung in 
Deutschland, mit besonderer Berücksichtigung der Knappschaftsver¬ 
hältnisse. 

Fünfzehnter ordentlicher Verbandstag der deutschen 
Gewerkvereine am 23. Mai in Hannover. Es referieren il a.: 
Winter (Berlin) und Berndt (Dresden) über Arbeiterschutz in der 
Heimarbeit. 

Delegieitentag des Gesamtverbandes der Evangelischen 
Arbeitervereine am 24. und 25. Mai in Frankfurt a. M. Bärrn 
(Frankfurt a. M.) referiert über ein Programm für soziale Kommunal¬ 
politik; J. F. Hofmann (Höchst) spricht über die Frage: Welche 
Vorzüge haben zentralisierte Ortskrankenkassen und welche Vorteile 
bieten Betriebs- und eingeschriebene freie Hilfskassen? 

Dreiundvierzigste Jahresversammlung des Zentral¬ 
vereins deutscher Zahnärzte vom 24. bis 26. Mai in Straßburg. 
Es referierten u. a. Motz (Straßburg) und Jessen (Straßburg) über 
Schulzahnklinik und Schule. 

Zehnte Landesversammlung der internationalen 
kriminalistischen Vereinigung vom 25. bis 27. Mai in Stutt¬ 
gart. Es referieren u. a. v. Liszt (Berlin), Krone (Berlin) und 
A. Leppmann (Berlin) über die Behandlung der vermindert Zu¬ 
rechnungsfähigen. 


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C. Von den Kongressen. 


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Fünfzehnter Evangelisch-Sozialer Kongreß am 26. Mai 
in Breslau. Es sprechen u. a. G. Dyhrenfurth (Berlin) und Wil- 
b ran dt (Berlin) über die weibliche Heimarbeit. 

Internationale Tuberkulose-Konferenz zu Kopenhagen 
vom 26. bis 29. Mai. Es erstatten Berichte: Bornhak (Berlin) über 
die Frage: Wie kann ein Verbot des Ausspuckens an öffentlichen 
Orten im Gesundheitsinteresse erlassen werden? Beco (Brüssel), sur 
la defense de cracher par terre; Holmboe (Kristiania) über die 
Anzeigepflicht bei der Tuberkulose; Putzeys (Lüttich) sur la decla- 
ration obligatoire de la tuberculose; v. Schrötter (Wien) über 
Leitsätze, betreffend das Studium der „Frage der Disposition“; 
Guinard (Bligny), sur une form ule d’entente internationale relative 
anx degres ou stades de la tuberculose pulmonaire chronique; S c h m i d 
(Bern», über die Frage der Einführung einer einheitlichen Statistik; 
Raw (Liverpool), on the public measures necessary for the prevention 
of consumption; Baradat (Cannes), sur l’education physique de la 
jeunesse dans la lutte antituberculeuse. Les ecoles rationelles. 

Del eg iertenr er Sammlung der evangelisch - sozialen 
Arbeiterinnen der Schweiz am 29. Mai in Bern. Steiger 
referiert über Arbeiterinnenschutz. 

Kongreß der freien Vereinigung für Verbesserung der 
Frauenbekleidung am 3. Juni in Dresden. Es referieren: Groß 
über Schönheit und Weißwange (Erfurt) und Flachs (Dresden) 
über Gesundheit und Frauenkleidung. 

Internationaler Frauenkongreß vom 12. bis 18. Juni in 
Berlin. Es referieren u. a.: H. Retzius (Schweden) zur Frage der 
Arbeitshygiene in der Schule; A. Salomon (Berlin) über die Lage 
der gewerblichen Arbeiterinnen; H. van der Mey (Holland) über die 
Lage der Arbeiterinnen in Holland; M. Baum (Karlsruhe) über die 
Fabrikarbeiterin in Deutschland; M. G. Bondfield (England) über 
industrielle Frauenarbeit; R. Schwimmer (Ungarn) über die öster¬ 
reichisch-ungarische Arbeiterinnenbewegung; L. K. Commander 
(Ver. Staaten) über industrielle Frauenarbeit und Mutterschaft; M. 
Friedenthal (Berlin) über die Lage der Heimarbeiterinnen in 
Deutschland; Watson-Lister (Victoria, Australien) über Heimarbeit 
in Australien; M. L. O’Kell (England) über Sanitätsinspektion und 
Heimarbeit; E. Krukenberg (Kreuznach) über Krankenpflege; 
Bedford-Fenwick (England) über die Krankenpflege als Frauen¬ 
beruf vom erzieherischen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkt; 
L. L. Dock (Ver. Staaten) über Krankenpflege in Amerika; A. Karll 
(Berlin» über die zukünftige Ausbildung der deutschen Kranken¬ 
pflegerinnen; Goodrich (Ver. Staaten) über die Lage der Kranken¬ 
pflegerinnen in Amerika: B. Cammeo (Italien), Krankenpflege in 
Italien: M. Banfield (Ver. Staaten) über Ausbildung, Lage und 


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C. Von den Kongressen. 


Altersversorgung der amerikanischen Krankenpflegerinnen; E. San¬ 
delin (Schweden) über die Organisation der Krankenpflegerinnen in 
Schweden; A. Harbon-Hoff (Dänemark) über die Bekämpfung der 
Tuberkulose im Kindesalter; M. Hecht (Tilsit) über Fürsorge für 
Kinder und Jugendliche; L. von Wolffring (Österreich) über 
Kinderfürsorge; A. Plothow (Berlin) über Kinderhorte; M. Fuchs 
(Ungarn) über Kinderschutz; H. Bieber-Böhm (Berlin) über das 
Fürsorge-Erziehungsgesetz; E. Cummings (Canada) on custodial care 
for feeble minded women of child-bearing age; V. Salicath (Däne¬ 
mark) über Heime für uneheliche Mütter; B. Kearney (Ver. Staaten). 
M. Par ent (Belgien), J. Rogberg (Schweden) und A. Trygg- 
Helenius (Finnland) über die Bekämpfung des Alkoholismus als 
Pflicht der Frauen; H. Bleuler-Was er (Schweiz) über den Einfluß 
des Alkohols auf das Verhältnis der beiden Geschlechter; H. Simon 
(Berlin), Rutgers-Hoitsema (Holland) und Steck (Schweiz) über 
Arbeiterinnenschutzgesetze; A. Schreiber (Berlin) über die Alters¬ 
und Invaliditätsversicherung in Deutschland. 

Genera l versa mm lung des Deutschen Vereins für Volks¬ 
hygiene am 3. und 4. Juni in Frankfurt a. M. Referate: Neißer 
(Frankfurt a. M.) über Erziehung zum hygienischen Denken; Bej r er 
(Leipzig-Eutritzsch) über Wandern als Mittel der Jugendbildnng; E. 
Fromm (Frankfurt a. M.) über Volksgesundheit und Ferien für jeden 
Beruf; Ostertag (Berlin) über Versorgung der Städte mit einwand¬ 
freier Säuglingsmilch. 

Hannoverscher Städtetag am 6. und 7. Juni in Hannover. 
Riese (Emden) referiert über den preußischen Wohnungsgesetz¬ 
entwurf. 

Fünfte Jahresversammlung der Schweizerischen Ge¬ 
sellschaft für Schulgesundheitspflege am 11. und 12. Juni in 
Bern. Referate: Girard (Bern), Wipf (Zürich), Grob (Erfenbach) 
und Henchoz (Lausanne) über die Schulbankfrage; Vannod (Bern) 
über die verschiedenen Messungsmethoden der geistigen Ermüdung; 
Erismann (Zürich) über die natürliche Beleuchtung; Roth (Zürich) 
und Emmert (Bern) über künstliche Beleuchtung; Müller (Wäden- 
swil) und E. Fetscherin (Bern) über Schule und Zahnpflege. 

Zweite Versammlung der Vereinigung der Kinder¬ 
ärzte Südwestdeutschlands und der Scliiveiz am 12. Juni in 
Heidelberg. Es spricht u. a.: 0. Vierordt (Heidelberg) über Säug¬ 
lingsstation, Säuglingsambulanz und Milchküche. 

Sechste Generalversammlung des RheinischenVereins 
zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens am 21. und 
22. Juni in Düsseldorf. Es referieren: Küster über einen Gesetz¬ 
entwurf betreffend die Erschließung von Baugelände und die Bildung 
geeigneter Baustellen durch Umlegung der Grundstücke; Brandts 


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C. Von den Kongressen. 


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[Düsseldorf). Hinsberg (Barmen) und Grunenberg (Düsseldorf) 
über den Entwurf eines Statuts für eine zu gründende Hypotheken¬ 
bank zur Förderung des Wohnungsbaues. 

Zweiter Österreichischer Krankenkassentag vom 26. bis 
29. Juni in Wien. El der sch (Brünn) referiert über die Aufgaben 
der Arbeiterversicherung und ihr Verhältnis zur Armenpflege; L. 
Verkauf (Wien) über Organisation der Arbeiterversicherung; 
Sternberg (Wien) über die wichtigsten Gewerhekrankheiten der 
einzelnen Berufe; Brot (Wien) über die Belastung der Kassen durch 
das Wohnungselend. 

Annual Conference of the Association of Cleansing 
Superint endents, June 28 th at Aberdeen. A. Findlay: the 
cleansing of Aberdeen; Burgess (Glasgow): the influence of clean¬ 
sing upon the health and death-rate of our cities; W. H. Ec des 
(Stockport): improvement in towns’ cleansing. 

Hauptversammlung des Hessischen Zentralvereins für 
Errichtung billiger Wohnungen am 29. Juni in Darmstadt. 
Andre (Marburg) referiert über die Bedeutung des Erbbaurechts für 
den Klein-Wohnungsbau; Stein (Darmstadt) über die Frage: Wie 
können die Gemeinden und gemeinnützigen Bauvereine beim Verkauf 
von Häusern an Minderbemittelte die Sicherstellung des Zweckes der 
Häuser für möglichst lange Zeit erreichen? 

Sechster allgemeiner Lehr er tag vom 5. bis 7. Juli in 
Budapest. Es referierten u. a.: P. Cavaloni, einheitliche Organi¬ 
sation der Waisen- und Rettungshäuser; D. Kuthy, der Lehrer im 
Kampf gegen die Tuberkulose; K. Egri-Töth, über Kinderschutz. 

Fünfter Kongreß der christlichen Gewerkschaften 
Deutschlands vom 17. bis 19. Juli in Essen. Es referieren u. a.: 
Rienecker (Düsseldorf) und Fräulein Nagel (Berlin) über gesetz¬ 
lichen Schutz der Heimarbeiter. 

Premier Congres national d’Hygiene sociale du 17 au 
21 juillet k Arras sous la pr6sidence de Casimir Perier. Les 
questions ä l’ordre du jour: Lejeune (Pas-de-Calais), la tuberculose 
ä Tecole et dans l’enseignement; E. Fuster, la lutte antituber- 
culeuse et l’assurance ouvriöre; Calmette (Lille), l’epuration biolo- 
gique des eaux residuaires; Bodin et Vie, l’epuration des eaux 
residuaires en sucreries; G. Maire, l’6tat de la legislation relative 
aux eaux residuaires; Bor das, le lait et ses falsifications; Mont- 
sarrat, la production industrielle du lait destine k l’alimentation 
des enfants; Bon (Lille) et B. Dubron, les expertises judiciaires 
relatives au lait. 

Annual Congress of the Ho gal Institute of Public 
Health from July 22 nd to July 27 t at Folkestone. J. T. C. Nash 
(Southend): a clean milk supply; G. Anderson: the economic value 


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C. Von den Kongressen. 


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of compulsory vaccination at school age; J. Pearson (Folkestone): 
milk supplies and their dangers, with local experiences; E. J. 
Bis hop (Folkestone): apractical attempt to solve the milk question; 
Bar low (Bootle): infectious hospitals: their usefulness or otberwise; 
G. Kekewich: the physical education of our children; C. Fitter: 
domestic hygiene; CI ose: children emigration; Hunt (Acton) muni- 
cipal crecbes; Nicholas: women’s work as sanitary inspectors; 
Peakin: women and emigration; H. Climo: military Service and 
national health; Th. Gilbert: the volunteer medical Organisation: 
with a special reference to the army medical reserve; F. Hueppe 
(Prag): on tuberculosis; H. B. Coli ins (Kingston-on-Thames): phy¬ 
sical deterioration; F. J. H. Coutts (Blackpool): the administrative 
control of whooping cough, measles etc.; N. Raw (Liverpool): Sana¬ 
torium treatment of phthisis; F. G. Bushneil (Brighton): the case for 
a ministry of public health; Greenwood (Blackburn): suggestions 
for improvements in the sanitation of schools; Neech (Halifax) and 
Berry (Wigan): what are infectious diseases? 

Twentysecond Conyress of the Sanitary Institute from 
the 25th to 30th July at Glasgow. J. Glaister (Glasgow): the in- 
fluence of small-pox hospitals upon the neighbouring populations with 
regard to the spread of the disease; H. R. Kenwood (London) and 
F. J. A11 a n (Westminster): practical desinfection in rooms and Work¬ 
shops occupied by sufferers from consumption; E. Duncan: notification 
of phthisis; J. M. Haegregor: medical inspection of school children; 
R. C. Teraple: some administrative measures taken against malaria 
and consumption in the tropics; C. Templeman (Dundee): infantile 
mortality: its causes and prevention; C. Harner-Jackson: the 
prevention of infantile mortality by help extended to the expectant 
motlier; W. Wright (Glasgow): the sanitary condition of the mer- 
cantile marine; J. U. Pr im rose (Glasgow): the smoke problem; S. 
Chisholm (Glasgow): the municipality and the housing of the poor; 
W. C o o p e r (Aberdeen): sanitary local authorities and administration 
of public health: J. P. Sw an: the incidence of small-pox; M. Ar¬ 
ni our: milk depots for infants; M. Sharples: the work of women 
sanitary inspectors in connection with elementary schools; H. M. 
Robinson: Ventilation of factories and workshops; A. Gr een wood 
(Blackburn): school Ventilation; J. G. D. Armstrong: the past. 
present, and future conditions of housing under the public health 
acts; C. Cochrane: cottages for agricultural labourers; E. W. 
Brabrook: the recording of observations on physical conditions in 
schools; J. G. Legge: muscle and morality; E. Evans: the respon- 
sibilities of municipal and county councils with regard to the deve¬ 
lopment of sanitation; Th. Wood: the co-ordination of the public 
health of schools, and its transference from the education department 


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0. Von den Kongressen. 


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to that of public health; A. Ravenhill: applied physiology in the 
school-room, with special reference to posture; Th. Wood: the im- 
portance of hygiene school desks and seats; A. Tuke: physical 
training as a branch of school hygiene; J. H. Clarke: consolidation 
and amendment of the public health acts; P. Fyre (Glasgow): what 
the people sleep on; W. W. Ke Iso (Paisley): rights and responsibi- 
lities of property in relation to sanitary administration; J. B. Phil¬ 
lips: notes on rural inspecting; J. Robertson (Birmingham): noti- 
fication of tuberculosis; Knight (Glasgow): control of small-pox 
contact; F. H. Waddy: scarlet fever in relation to hospital isolation; 
R H. Crowley: the spread of diphtheria in schools; Taylor 
iFinchley): on nuisances connected with pig-keeping; Young (Aber¬ 
deen): the present position of tuberculosis as an infective disease 
dangerous to man: H. A. Woodruff: dangers of an impure milk 
supply; J. G. Smith (London): hints on the management of children; 
E. Pace (Glasgow): the physical training of women and girls; B. 
Fenwick: the state registration of trained nurses; Th. Oliver 
(Dnrham): elfects of fatigue, alcohol, and tubercle on wage-earners in 
their work and surroundings; A. Scott (Glasgow): trade diseases 
and accidents and their preventions; A. K. Chalmers (Glasgow): 
raortality of occupation; Safford (London): health aspects of some 
occupations for women; Bondfield: elfects on health of women’s 
employment in shops; N. Vynne: woman’s home work in relation to 
comfort, character, and health; Dun bar (Hamburg): the different 
Standards in use for ascertaining the purity of sewage effluents. 

Seventy-Second Annual Meeting of the British Medical 
Association July 26th_29th at Oxford. F. J. Smith (London): a 
Suggestion on the criminal responsability of homicidal and dangerous 
lunatics; W. H. Willcox (London): infantile mortality from „over- 
laying"; Ch. A. Mercier (London): criminal responsability; E. S. 
Talbot (Chicago): criminal responsability and degeneracy; J. Beard 
(Edinburgh): heredity in its biological and psychiatrical aspects; W. 
König (Berlin): the problem of heredity from the psychiatrical 
aspect; C. Norman (Dublin): dementia praecox; A. T. Schofield 
(London): the eure of quackery; E. S. Pasmore (Warlingham); how 
to take a family history; W. H. Rivers: investigations on the com- 
parative visual aeuity of savages and of civilized people; J. W. 
Byers (Belfast): suggestions for the prevention of puerperal infection 
in private practice; S. Spokes; the care of children’s mouths; 
•J. S. W a 11 a c e (London): physical degeneration in relation to the 
teeth. 

Septierne Conyres international d’Otoloyie du 1 au 4 
aout ä Bordeaux. A. Costiniu (Bukarest), l’examen de 1’oreille cliez 
les mecaniciens et Chauffeurs de chemin de fer en rapport avec leur 


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C. Von den Kongressen. 


anciennete dans le Service et le combustible employe aux machines 
en Roumanie; Magnan (Tours), l’oto-rhinologie et l’hygiene scolaire. 

j Fünfunddreißif/8te Versammlung der Deutschen An¬ 
thropologischen Gesellschaft in Greifswald vom 4. bis 6. August. 
Es referieren u. a.: J. Ranke (München) und W. Waldeyer 
(Berlin) über die Tätigkeit der Kommission für eine physisch-anthro¬ 
pologische Untersuchung des Deutschen Reiches; K. E. Ranke (Arosa) 
über das Gauß’sche Fehlergesetz und seine Verallgemeinerungen durch 
Fechner und Pearson in ihrer Tragweite für die Anthropologie; M. 
Alsberg (Kassel) über Krankheiten und Deszendenz; G. Buse hau 
(Stettin) über Kultur und Gehirn. 

Trente-troisieme Congres de VAssociation franqaise 
pour VAvancement des Sciences du 4 au 11 aoüt ä Grenoble. 
Vincent (Lyon), influence desastreuse de l’alcoolisme sur les trauma- 
tismes; Berillon, traitement physiologique des alcooliques et buveurs 
d’habitude: la creation et l’organisation d’un dispensaire anti-alcoolique 
k Paris; Langlois, de l’extension de la loi de 1889 sur les accidents 
du travail aux maladies professionelles; Girard (Grenoble), de 
l’hygiene publique ä Bourg d’Oisans et dans la montagne d’Oisans. 

Fünfzehnter internationaler Bergarbeiterkongreß vom 
8. bis 12. August in Paris. Es referieren u. a.: Stanley (England), 
Evrard (Paris), Pokorny (Deutschland), Ebert (Österreich), 
Marville (Belgien) über die Einführung des Achtstundentages; 
S m i 11 i e (England), Lamendin (Frankreich), Caelnwaert (Belgien), 
Hufemann (Deutschland), Ebert (Österreich) über die Wurm¬ 
krankheit. 

Sechster Verbandstag deutscher Bahnärzte vom 10. bis 
12. August in Metz. Es sprachen u. a.: Sch wechten (Berlin) über 
Krankenbeforderung auf Eisenbahnen; Hager (Magdeburg) über 
Tuberkulose und Arzt; Roepke (Melsungen) über Tuberkulose und 
Heilstätte. 

Internationaler Sozialistischer Kongreß vom 14. bis 
20. August in Amsterdam. Es referiert u. a.: Molkenbuhr über 
Sozialpolitik und Arbeiterversicherung. 

Elfte Jahresversammlung des Zentralverbamies von 
Orts - Krankenkassen im Deutschen Reiche vom 21. bis 
23. August in München. Referate: May (München), die Bekämpfung 
der Lungenschwindsucht; Gräf (Frankfurt a. M.), Bericht der in der 
Jahresversammlung zu Breslau 1903 gewählten Kommission zur Prü¬ 
fung der Gehalts- und Anstellungsverhältnisse der Orts-Krankenkassen¬ 
beamten; A. Kohn (Berlin), die Krankenkontrolle bei den Krankenkassen. 

Siebenundzwanzigste Jahresversammlung des deut¬ 
schen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit am 24. 
und 25. August in Danzig. Es referieren u. a.: Samt er (Charlotten- 


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C. Von den Kongressen. 


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bürg) und Kohlhardt (Halle) über die Aufgaben der Armenpflege 
bei Bekämpfung der Tuberkulose. 

Fünfter Gordischer Kongreß für innere Medizin vom 
29. bis 31. August in Stockholm. Es referieren u. a.: K. Hansen 
(Bergen) und v. Post (Gefle) über den Nutzen eines Gesetzes, in¬ 
sonderheit der Einführung der Meldepflicht, im Kampfe gegen die 
Tuberkulose. 

Elfte Konferenz für das Idioten- und Hilfsschulwesen 
vom 6. bis 9. September in Stettin. Es referieren u. a.: Gutzmann 
(Berlin) über die Übung der Sinne; Zimmer (Zehlendorf) über die 
Heranbildung von Erzieherinnen für und durch unsere Anstalten; 
Böttger (Leipzig) über die Zentralisation der Hilfsklassen; Gündel 
(Rastenburg) über Erziehungsanstalten für Geistesschwache; Stritter 
(Alsterdorf) über die Frage: ist die Gründung von besonderen An¬ 
stalten für Schwachbegabte Fürsorgezöglinge notwendig? 

Einundzwanzigste Jahresversammlung des Deutschen 
Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke vom 7. bis 
9. September zu Erfurt. Referate: Möller (Brackwede) über Brannt¬ 
weinmonopol; Waldschmidt (Charlottenburg) über die Alkohol- 
Landeskommissionen; von Massow (Potsdam) über Einrichtungen 
znm Schutze der Kanalarbeiter vor der Alkoholgefahr; Esche 
(Dresden) und Frankel (Halle) über Flaschenbierhandel; Hartmann 
(Leipzig) und Weygandt (Würzburg) über Alkoholismus und höhere 
Schulen; Waldschmidt (Charlottenburg) über den Wert der Arbeit 
für die Heilbehandlung der Alkoholkranken. 

Third Annual Congress of the Incorporated Sani- 
tary Association of Scotland , 8 th September and f. d. at Perth. 
K. Cameron (Aberdeen), the mission of sanitation; P. Stewart 
(Perth), supervision of small-pox contacts; W. L. Mackenzie (Edin¬ 
burgh), vaccination; J. Hendrick (Aberdeen), the use of preservatives 
in food in relation to public health; G. R. G. Conway (Aberdeen), 
modern sewer construction in its relationship to public health; 
A. K. Chalmers (Glasgow), unity of the problem of sanitation and 
poverty; J. Charpenter (Edinburgh), the necessity for effective 
meat inspection; B. G. Mitchell (Glasgow), smoke abatement. 

Sanitarg Inspector 9 s Association Congress at Bourne- 
month, 8 th , 9 th and 10 th September. J. Young, the sanitary in- 
spectors’ association, its inception, progress, and aspirations; T. 0. Ed¬ 
wards, factory laws and local authorities; T. E. Rodgers (Bourne- 
mouth), the food and drugs act, the inspector’s responsibility for pro- 
^ecutions; W. G. Cooper (Bournemouth), school-sanitation; T. G. Dee 
Westminster), town flats. 

Siebenundzwanzigster Deutscher Juristentag vom 10. bis 
13. September in Innsbruck. Es geben Gutachten und halten Referate 


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C. Von den Kongressen. 


u. a.: Kahl (Berlin), Leppmann (Berlin), Kleinfeiler (Kiel). 
Cramer (Göttingen) und Kraepelin (München) über die strafrecht¬ 
liche Behandlung der geistig Minderwertigen; H. Groß (Prag), Klein 
(Tegel), Kr ohne (Berlin) und Puppe (Königsberg) über die straf¬ 
rechtliche Behandlung der jugendlichen Personen. 

Dritte Jahresversammlung des deutschen Medizinal - 
beamten-Vereins am 12. und 13. September in Danzig. Den Vor¬ 
sitz führt Rapmund (Minden). Es referieren u. a. Heimberger 
(Bonn), Straßmann (Berlin), Hoffmann (Berlin) und Aschaffen¬ 
burg (Halle) über gerichtsärztliche Wünsche bei der Revision der 
Strafgesetzgebung; Flinzer (Plauen i. V.) über Stellung, Kranken-, 
Alters- und Invaliditätsversicherung der Hebammen im Deutschen Reich. 

Neunundzwanzigste Jahresversammlung des Deutschen 
Vereins für öffentliche Gesundheitspflege vom 14. bis 17. Sep¬ 
tember in Danzig. Es referieren: W. Kruse (Bonn) und Doepner 
(Gumbinnen) über die Ruhr und ihre Bekämpfung; Stetefeld 
(Pankow) über die Kältetechnik im Dienste der öffentlichen Gesund¬ 
heitspflege ; 0 e h 1 e r (Halberstadt) und Bunte (Berlin) über die Frage: 
wie weit darf die Freizügigkeit des Fleisches gehen, ohne die Fleisch¬ 
versorgung der Städte in hygienischer Hinsicht zu gefährden? E. von 
Esmarch (Göttingen) und H. Rietschel (Berlin) über die hygie¬ 
nischen Anforderungen an zentrale Heizanlagen; Mugdan (Berlin) 
und G. Meyer (Berlin) über die Ausbildung und Organisation des 
Krankenpflegepersonals; Bredtschneider (Charlottenburg) und 
B. Proskauer (Charlottenburg) über städtische Kläranlagen und 
ihre Rückstände. 

Internationale Konferenz gegen den Mädchenhandel 
am 15. und 16. September in Zürich. Es referieren: Hilty (Bern) 
über die Differenzen hinsichtlich Bekämpfung des Mädchenhandels: 
A. de Graaf (Utrecht) über die Ursachen des Mädchenhandels: 
Wagen er (Berlin) über die Mittel zur Bekämpfung des Mädchen¬ 
handels der Impresarios. 

Sechsundsiebzigste Versammlung Deutscher Natur¬ 
forscher und Ärzte vom 18. bis 24. September in Breslau. Es 
referieren u. a.: L e u b u s c h e r (Meiningen) über schulhygienische Er¬ 
wägungen; Petruschky (Danzig) über Beobachtungen über Ehen 
und Nachkommenschaft Tuberkulöser; Kraemer (Böblingen) über 
die Häufigkeit der Tuberkulose des Menschen; E. Weiß (Pistyan) 
über Volkshygiene und Militär; Winter (Königsberg) über Tuber¬ 
kulose und Schwangerschaft; Schloßmann (Dresden) und Seiffert 
(Leipzig) über Kindermilch; J. Ascher (Königsberg) über die akuten 
Respirationskrankheiten, speziell des Säuglingsalters; Uchthoff 
(Breslau) über totale kongenitale Farbenblindheit ; J e s i o n e k (München) 
über die Lehre von der Vererbung der Syphilis; Sickinger (Brünn» 


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über die Schulhygiene der Zähne, Mittel und Wege; derselbe, Alkohol 
in der Zahnheilkunde und seine Bedeutung für die Mutterbrust; 
Hentze (Kiel) über die Prophylaxe der Zahnkaries; Sickinger 
('Brünn) über Vorschläge für Ernährung der Mannschaften, die Ein¬ 
richtung des Mannschaftsbettes, die rationellere Pflege der Zähne; 
Thalwitzer (Kötzschenbroda) über den Parademarsch; Neu mann 
(Bromberg) Militärmedizin und Volkshygiene; Scholze (Breslau) über 
Maßnahmen zur Verhütung des Ausbruchs und der Verbreitung an¬ 
steckender Krankheiten im Aufmarschgebiet eines Armeekorps; Vor¬ 
bereitungen für die Regelung des Sanitätsdienstes in diesem Gebiete; 
Williger (Breslau) Aktinomykose in der Armee; Bol dt (Thorn) 
über Trachom als Heereskrankheit; B. Heymann (Breslau) über die 
Beziehungen zwischen Säuglingsernährung und Phthisisfrequenz; 
Ranke (Arosa) über die Abhängigkeit der Ernährung vom Wärme¬ 
haushalt, nach Versuchen in den Tropen, dem gemäßigten Klima und 
im Hochgebirge; Sickinger (Brünn) über die Ernährung des Men¬ 
schen vom hygienisch-nationalökonomischen Standpunkt; Oebbecke 
(Breslau) über die Organisation des schulärztlichen Dienstes; Nese- 
mann (Charlottenburg) zur Ausbreitungsweise des Typhus in Gro߬ 
städten und auf dem Lande; Th. Weyl (Charlottenburg) über die 
Abwehr der Volkskrankheiten in der Vergangenheit. 

Dritte Konferenz der sozialistischen Frauen am 19. und 
20. September in Bremen. Zietz (Hamburg) referiert über den 
Kinderschutz, Baader (Berlin) über den Zehnstundentag. 

Sozialdemokratischer Parteitag vom 19. bis 24. September 
in Bremen. H. Lindemann referiert über Kommunalpolitik. 

Internationaler abolitionistischer Kongreß vom 21. bis 
24. September in Dresden. Es referieren: Frau Scheven (Dresden) 
über die Verbreitung der abolitionistischen Grundsätze in Deutsch¬ 
land; Frau M. Stritt (Dresden) und H. Minod (Genf) über die 
Frage, warum die abolitionistische Föderation die Prostitution an 
sich nicht als strafrechtlich zu verfolgendes Vergehen betrachtet; 
de Morsier (Genf) über den Neo-Reglementarismus; P. Kampff- 
meyer (Tegel) über die Rolle der Krankenversicherung bei der Pro¬ 
phylaxe der Geschlechtskrankheiten. 

Zwölfter deutscher Hebammenkongreß am 22. und 23. Sep¬ 
tember in Mainz. Krug (Mainz) referiert über Erfahrungen bei 
Wiederholungslehrgängen bei Hebammen; Pfannstiel (Gießen) über 
Händedesinfektion in der Hebammenpraxis; Th. Zlocisti (Berlin) 
über die Bedeutung und die Förderung des Stillens; Kupferberg 
(Mainz) über die rechtzeitige Erkennung des Krebses durch die 
Hebamme; Assmus (Kiel) über die Säuglingskleider. 

Congres international de Sauvetage et de Secours 
publics du 25 septembre au 2 octobre ä Paris. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 6 


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C. Von den Kongressen. 


Fünfter Verbandstag deutscher Mietervereine am 25. und 
26. September in Coburg. Koska (Berlin) referiert über die Förderung 
der Wohnungsfrage durch Baugenossenschaften, Meißgeier (Leipzig) 
über das Erbbaurecht. 

Dritte Generalversammlung der Internationalen Ver¬ 
einigung für gesetzlichen Arbeiterschutz vom 26. bis 28. Sep¬ 
tember in Basel unter Vorsitz von H. Scherrer (St Gallen). 
Referate: A. Millerand (Paris) über die Tätigkeit des Bureaus und 
der Sektionen der internationalen Vereinigung und über ihre Ergeb¬ 
nisse in den Jahren 1902—1904; St. Bauer über die Tätigkeit des 
internationalen Arbeitsamtes in den Jahren 1902—1904; Th. Sommer¬ 
feld (Berlin) und Fontaine (Paris) über Blei und andere gewerb¬ 
liche Gifte; Kaufmann (Bern) und Strohl (Paris) über die Gesetz¬ 
gebung betr. die Nachtarbeit der jugendlichen Arbeiter; Pieper 
(M.-Gladbach) und Pic (Lyon) über die Veranstaltung einer inter¬ 
nationalen Enquete über den Arbeiterschutz in der Heimarbeit im 
Sinne der Beschlüsse der Baseler Spezialkommission; Corsi (Pisai 
und Feigenwinter (Basel) über die Unfall- und Krankenversicherung 
und Haftpflicht in bezug auf die Personen, die außerhalb des Landes 
arbeiten, in dem sie selbst oder ihre Angehörigen wohnen. 

Premier Congres de l*Hygiene des Travailleurs ä Paris. 
Octobre. Les questions ä l’ordre du jour: les döfauts d’hygiene dans 
les diverses professions et des regles, de fa^on ä conjurer le dßvelope- 
ment des maladies professionnelles. 

Dritte Generalversammlung des Deutschen Vereins 
für Versicherungswissenschaft am 3. und 4. Oktober in Berlin. 
Es referiert u. a. Florschütz (Gotha) über den Unterricht in der 
V ersicher ungsm edizi n. 

Jahresversammlung des wissenschaftlich-humanitären 
Komitees am 8. und 9. Oktober in Berlin. M. Hirschfeld 
(Berlin) spricht über die Übergänge zwischen dem männlichen und 
weiblichen Geschlecht, Th. Rü 1 ing über Homosexualität und Frauen¬ 
bewegung, L. von Römer (Amsterdam) über statistische Fest¬ 
stellungen zur Kenntnis der umischen Natur. 

Zweite Generalversammlung der Gesellschaft für 
soziale Deform vom 13. bis 16. Oktober in Mainz. E. Francke 
(Berlin) berichtet über die Tätigkeit der Gesellschaft; R. Riehn 
referiert über Konsumvereine; M. von Schulz (Berlin) und B. Harms 
(Tübingen) über Arbeitskammern. 

Sechste Generalversammlung des Vereins für Kinder¬ 
forschung am 15. Oktober in Leipzig. Es referieren: Flügel 
(Wansleben) über das Verhältnis des Gefühls zum Intellekt in der 
Kindheit des Individuums wie der Völker; Binswanger (Jena) über 
den Begriff des moralischen Schwachsinns; Polligkeit (Frankfurt 


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C. Von den Kongressen. 


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i Main über Strafrechtsreform and Jugendfürsorge; Hemprich 
! reibuig) über die Ergebnisse der Kinderforschung in ihrer Bedeutung 
:iir Unterricht und Erziehung; Mümmel (Halle) über die Gliederung 
ler Schuljugend nach ihrer seelischen Veranlagung und das Mann¬ 
heimer Schulsystem. 

Vierzehnter Bundestag der Deutschen Bodenreformer 
am 15. und 16. Oktober in Darmstadt. Damaschke (Berlin) er¬ 
stattet den Jahresbericht; Baumeister (Karlsruhe) referiert über 
gesetzgeberische Versuche zur Einführung der Zuwachssteuer; Jäger 
i Speyer) über die Fortschritte des bodenreformerischen Gedankens in 
Bayern; Schär (Zürich) über die Verstaatlichung der Wasserkräfte; 
Boeters (Charlottenburg) über Bodenreform und Kolonialpolitik. 

Erster Allgemeiner Deutscher Wohnungskongreß vom 
16. bis 19. Oktober in Frankfurt a. M. I. Hauptgegenstand: General¬ 
bericht über den Stand der Wohnungsfrage und Wohnungsreform in 
Deutschland. Dazu referieren L. Pohle (Frankfurt a. M.) über die 
tatsächliche Entwicklung der Wohnungsverhältnisse in Deutschland 
und Bert hold (Blumenthal) über Entwicklung, Stand und Einfluß 
der Reformmaßregeln. II. Hauptgegenstand: Die Aufgaben von Reich, 
Staat und anderen öffentlich - rechtlichen Körperschaften in der 
Wohnungsfrage (unter besonderer Berücksichtigung des preußischen 
Wohnungsgesetzentwurfes und des Vorgehens des Reiches). Bericht¬ 
erstatter: L. Sinzheimer (München) und E. Jäger (Speyer). 
III. Hauptgegenstand: Wohnungserstellung und Kapitalbeschaffung. 
Das zusammenfassende Hauptreferat hat H e y d w e i 11 e r (Deuzerheide 
b. Ems). Liebrecht (Hannover) referiert über die Landesversiche- 
rungsanstalten und das Reichsvorgehen; Grunenberg (Düsseldorf) 
über städtische Baubanken und Gemeindegarantie für zweite Hypo¬ 
theken ; S e i d e 1 (Wiesbaden) über gemeinnützige Bau- und Hypotheken¬ 
banken auf Grundlage der Selbsthilfe. 

Hauptversammlung der Zentralstelle für das Ge¬ 
fangenen- Fürsorgewesen der Provinz Brandenburg am 
18. Oktober in Berlin. Es berichten: Rosenfeld (Berlin) über die 
Invalidenversicherung der Gefangenen und A. Leppmann (Berlin) 
über die Frage der Anrechnung der von einem Gefangenen in einer 
Irrenanstalt verbrachten Zeit auf die Strafe. 

Fünfunddreißigste Versammlung der südwestdeutschen 
Irrenürzte am 29. und 30. Oktober in Freiburg i. B. Es referieren 
u. a.: Weygandt (Würzburg) und Thoma (Illenau) über leicht ab¬ 
norme Kinder;Neumann (Karlsruhe) erstattet den Bericht der X erven- 
heilstättenkommission; E. Wilmanns (Heidelberg) referiert über die 
Bekämpfung des Landstreichertums; Beyer (Littenweiler) über die 
Bedeutung früher Heirat für die Entstehung nervöser Erkrankung 
der Frauen. 

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C. Von den Kongressen. 


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Premier Congres International d\Assainissement et 
de Salubrite de VHdbitation k Paris 1 er au 8 Novembre. 
Section L Habitations urbaines: Juillerat et G. Majon, habi- 
tations urbaines. Section II. Habitations rurales: F. Marid-Davy 
et Manolesco (Bukarest), habitations rurales; Ch. Dupuy, la loi 
du 15 fövrier 1902 et les habitations rurales; Br6mond, premier 
point d’hygtene rurale; Pion, habitations rurales? Section IH. Habi¬ 
tations ouvrteres: Cacheux, Cheysson, R. Merlin et P.E. Weber, 
habitations ouvrieres; Dombray-Schmitt, logements populaires ä 
Douai et k Nancy; J. G. Michielse (Haarlem), les habitations 
ouvrteres coop6ratives par rapport ä, la loi sur la protection de la 
sant6 publique de 1902; Depo ul ly, l’eau dans les logements ouvriers 
de la Ville de Paris; Pagliani, type de maisons populaires collec- 
tives; J. Bertillon (Paris), familles nombreuses; Boureille, le 
logement de l’ouvrier parisien au point de vue moral et physique; 
L. Lallement (Nancy), l’assistance par l’habitation ayec jardin; 
F6ret, les maisons ouvrieres deClermont; A. BSchaux, la maison 
collective de Lille; Brunot, l’assainissement des logements insalubres 
par l’application obligatoire de tous les moyens legaux; E. Weber, 
choix des types des maisons ouvrieres. Section IV. Habitations louees 
en garni: A. Joltrain, habitations lou6es en garni; Longerey, 
un projet d’hötel meubte pour c61ibataires (hommes); Savoire, un 
hötel r6serv6 k la classe indigente. Section Va. Locaux hospltaliers: 
F. Martin, locaux hospitaliers; Legros, l’hygiene des hopitaux 
modernes. Section Vb. Locaux militaires: Testi (Florence), amelio- 
ration hygtenique des vieilles casernes; Benech, role des equipes 
sanitaires dans les regiments; Dubois, la Ventilation et du chauffage 
des locaux; Bourdon, calfatage des planchers; B e r t h i e r, obturation 
et entretien des parquets; R o u g e t, l’entretien hygiönique des planchers; 
Hu bl 6, coaltarisage des cours de casernes; Lemoine, influence de 
l’amenagement interieur des casernes sur le d6veloppement des fievres 
eruptives dans l’armöe; D e 1 o r m e, locaux de reserve ou interchangeables 
pour contagieux; J. Meyer, du role des locaux communs, dans les ca¬ 
sernes, au point de vue de la prophylaxie; Br echot, assainissement 
des casernes. Section Vc. Locaux scolaires: C. Lacau, locaux scolaires. 
Section VI. Habitations flottantes: Jacques, les conditions de ddbar- 
quement ä quai et la surveillance sanitaire des navires suspects; sur la 
d6ratisation des navires par l’acide carbonique; Borei, les conditions 
g£n6rales de l’hygiene k bord des navires marchands oü aucune 
reglementation n’existe; Montaldo, une entente internationale pour 
regier les conditions hygi^niques des navires qui transportent des 6mi- 
grants; Thierry, habitations flottantes. Section VII. Alimentation en 
eau potable. Evacuation des matieres usees: Babinet, l’alimentation en 
eau potable dans les villes; M a s s o n, l’evacuation des matteres us6es. 


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C. Von den Kongressen. 


85 


Conference of JPublic Authorities, 9 th November, in London. 
Newton (Newcastle-upon-Tyne): the menace of vagrancy to the 
public health. 

Fünfte Lande stuberkuloseverSammlung des badischen 
Frauenvereins in Offenbnrg am 15. November. Nietner (Berlin) 
referiert über neuere Bestrebungen zur Ergänzung der Heilstätten- 
fursorge, Becker (Offenburg) über die Tuberkulose im Amtsbezirk 
Offenburg und ihre Ursachen, Lange (Karlsruhe) gibt statistische 
Mitteilungen über die Sterblichkeit an Lungenschwindsucht in Baden. 

Versammlung von Tuberkuloseärzten am 25. und 26. No¬ 
vember in Berlin. Es referieren: Köhler (Berlin) über Tuberkulose 
und Wohnungsfrage; Nietner (Berlin) über Vorbereitungen zum 
Pariser Tuberkulosekongreß; Weber (Berlin) über die Beziehungen 
zwischen menschlicher und Tiertuberkulose; Proskauer (Berlin) 
über die Abwässerbeseitigung in den Heilstätten; Elsner (Berlin) 
über die Grenzen der Formalindesinfektion; Ritter (Hamburg) über 
die Fürsorge für die aus der Heilstätte ungebessert entlassenen 
Kranken; Neißer (Stettin) über die Anwendung des Tuberkulins; 
Krebs (Planegg) über die Verpflegung in den Heilstätten; Nahm 
(Ruppertshain) über die Heranziehung der Heilstättenpfleglinge zur 
Arbeit. 

Preußischer Städtetag am 6. und 7. Dezember in Berlin. Es 
referiert u. a.: Zweigert (Essen) über den preußischen Gesetz¬ 
entwurf zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse. 


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D. Referate. 


L 

Methode und Geschichte der sozialen Hygiene. 

Weyl, Th., Handbuch der Hygiene. IV. Supplementband: Soziale 
Hygiene. Jena. Gustav Fischer. 21 Tafeln. 8 Abbildungen 
und 11 Kurven im Text. XXX und 1077 S. (Subskriptions¬ 
preis 24,00 M. Einzelpreis 32,00 M.) 

Den bisherigen Bänden seines bekannten Handbuches hat Th. 
Weyl hier einen Supplementband zugesellt, in dem er in zeitgemäßer 
Weise das soziale Moment in den Vordergrund der hygienischen Be¬ 
trachtungen gestellt hat. Den beiden Aufsätzen über Assanierung 
und die Abwehr gemeingefährlicher Krankheiten aus der Feder des 
Herausgebers folgen Abhandlungen über Armenwesen von A. Buehl, 
Wohnungswesen von R. Eberstadt, Säuglingsfürsorge von H. 
Finkeistein, Wohlfahrtswesen von K. F1 esch, Entartung von 
A. Grotjahn, Arbeiterschutz von K. Hartmann, Nahrungswesen 
von P. Mombert, Kinderfürsorge von Schmid-Monnard, Krieg 
und Frieden von H. Schwiening, Fürsorge für die schulentlassene 
Jugend von H. Suck und Assanierung von Th. Weyl. Den Beschluß 
macht eine 272 Seiten umfassende Geschichte der sozialen Hjgiene 
von Th. Weyl und Marg. Weinberg. Die Beiträge sind auch 
in Einzelausgaben erschienen. Um den Inhalt besser zu würdigen, 
sind die Sonderausgaben in diesem Jahresbericht in den betreffenden 
Abschnitten jede für sich zur Besprechung gebracht worden. 

.4. Grotjahn . 


Orth, J., Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege. Stuttgart. 
Moritz. 54 S. (0,80 M.) 

Aus der für das Verständnis der Laien berechneten und doch 
der Gedankentiefe nicht entbehrenden kleinen Schrift sei hier die 


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I. Methode und Geschichte der sozialen Hygiene. 


87 


psychologische Motiviernng der Gesundheitspflege wiedergegeben, mit 
der Orth in durchaus origineller Weise seine Ausführungen einleitet: 
.Jeder Mensch hat für sich das Recht am Leben, und er hat das 
Recht, sich das Leben so angenehm wie irgend möglich zu gestalten, 
aber nicht mühelos wird ihm dies zuteil, sondern ein jeder hat einen 
Kampf ums Dasein zu kämpfen, hat sich die Bedingungen zu er¬ 
werben, welche zur Erhaltung des Lebens notwendig sind, ein jeder 
Mensch ist zur Arbeit geboren. Je schwieriger die äußeren 
Lebensverhältnisse für den einzelnen sich gestalten, je größere Mühe 
es ihm macht, die notwendigen Lebensbedürfnisse sich zu verschaffen, 
je größer der Aufwand an Arbeit zu diesem Zweck sein muß, um 
so notwendiger ist es, daß er die ihm von Natur verliehene Arbeits¬ 
fähigkeit sich erhält, um so sorgfältiger muß er sich vor jeder Ver¬ 
minderung seiner Leistungsfähigkeit hüten, um so mehr muß er 
darauf bedacht sein, sich die Gesundheit zu erhalten, seine Gesund¬ 
heit zu pflegen, denn unter Gesundheit verstehen wir eben einen 
derartigen Zustand des Körpers und Geistes, daß alle Tätigkeiten 
regelrecht verlaufen und daß dadurch die jedem Menschen von Natur 
zukommende Leistungsfähigkeit vollauf vorhanden ist“ 

Die Schrift beschränkt sich auf allgemeine Betrachtungen und 
skizziert die Aufgaben der Gesundheitspflege nur in großen Zügen. 
Widerspruch fordert der Verfasser nur an der Stelle heraus, in der 
er dem Aufwerfen des Entartungsproblems die Berechtigung ab¬ 
spricht. Gewiß steht der medizinalstatistische Beweis einer all¬ 
gemeinen Verschlechterung des physischen Substrats der führenden 
Kulturvölker noch aus, aber die nicht wegzudisputierende Tatsache, 
daß z. B. in Deutschland die Hälfte aller Männer nicht wehrfähig, 
40 Proz. aller weiblichen Krankenkassenmitglieder kränklich und 
40—50 Proz. aller Kinder mit körperlichen Fehlern behaftet sind, 
läßt doch wohl auf partielle degenerative Tendenzen, die im Volks¬ 
körper ihr Unwesen treiben, schließen. Das Problem als solches be¬ 
steht also, wenn sich auch mangels brauchbaren Tatsachenmateriales 
die bezüglichen Erörterungen gegenwärtig noch in nebelhaften Hypo¬ 
thesen verlieren. 

A. Grotjahn. 

Petruschkf/t J., Sozial-Hygiene. Einführende Bemerkungen. Sonder¬ 
druck aus „Gesundheit“. XXIX. 1. Leipzig. Leineweber. 4 S. 

Der Verfasser bekennt sich in den vorliegenden Blättern als ein 
warmherziger Freund aller jener sozialhygienischen Bestrebungen, die 
sich mittelbar oder unmittelbar an die Institutionen der sozialen Ver- 
sicherungsgesetzgebung anschließen. Er geht in seinem Optimismus 
so weit, daß er schlechthin „die Lösung der sozialen Frage nicht 


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88 


D. Referate. 


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auf dem Böden politischer Kämpfe oder großer Staatsumwälzungen, 
sondern auf dem Boden sozialer Gesetzgebung und werk¬ 
tätiger Nächstenliebe, also nicht auf dem Boden einer Partei- 
herrschaft, sondern auf dem Boden der Sozialhygiene“ für 
möglich hält. 

A. Grotjahn. 


Ensch, La socialisation de la medecine. Essai d’hygiöne sociale. Extrait 
de la Revue d’hygiöne et de police sanitaire. Janvier-Mars. 
53 S. 

Ausgerüstet mit der eleganten Diktion des Franzosen und dem 
gründlichen Wissen des Deutschen — eine beneidenswerte Vereinigung 
von Vorzügen, die wir bei belgischen Autoren nicht selten finden, — 
schildert uns der Verfasser, wie sowohl in der auf Heilwirkungen 
ausgehenden Medizin als in der vorbeugenden Hygiene die indi¬ 
viduelle Obsorge in steigendem Maße und mit glänzendem Erfolge 
durch die gesellschaftliche, staatliche und kommunale Fürsorge er¬ 
gänzt. wird. Den gesamten Prozeß, der in der deutschen obligatorischen 
Versicherung gegen Krankheit, Unfall und Invalidität den bis jetzt 
größtmöglichen Grad der Verallgemeinerung gefunden habe, bezeichnet 
Ensch als „Sozialisation der Medizin“. In den einzelnen Unter¬ 
abteilungen der Abhandluug bespricht er 1. La conception öconomiqne 
de la maladie, 2. Le budget de l’hygiöne, 3. L’utilisation des infirmes 
et des malades, 4. L’utilite de soigner les maladies au dObut, 5. La 
systOmatisation de la mOdecine, 6. La conscience sociale de l’Otat de 
santö, 7. A propos de la viriculture, 8. La libertö et socialisation. 

Ensch faßt seine Ansichten am Schlüsse dahin zusammen, daß 
die „Sozialisation“ der Medizin ein unaufhaltsamer Vorgang sei, der 
durch den allmählichen Übergang von der heilenden zur vorbeugenden 
Medizin bedingt und durch die obligatorische Versicherung nach 
deutschem Muster beschleunigt werde, weil diese ein fiskalisches 
Interesse an der Volksgesundheit wachgerufen habe. Er verkennt 
nicht, daß die Interessen des frei praktizierenden ärztlichen Standes 
vielfach mit dieser Entwicklung kollidieren, tröstet sich aber damit, 
daß sie sich nur in engen Anschluß an die wissenschaftliche Medizin 
und Hygiene und also auch nur unter lebhafter Anteilnahme der 
Träger dieser Wissenschaften, der Ärzte, durchsetzen könne. 

A . Grotjahn . 


Weyl, Th., Zur Geschichte der sozialen Hygiene. Mit Beiträgen von 
Marg. Weinberg. Mit 2 Tafeln und 8 Abbildungen im 
Text. Besonderer Abdruck aus dem Handbuch der Hygiene 


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I. Methode und Geschichte der sozialen Hygiene. 


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Supplementband IV: Soziale Hygiene. Jena. Gustav Fischer. 

270 S. (6,00 M.) 

Die vor zehn Jahren von A. Nossig veröffentlichte historische 
Einführung in das Studium der sozialen Hygiene, die sich vorwiegend 
mit den hygienischen Anschauungen und Bestrebungen der vor- und 
nachchristlichen Juden sowie der übrigen Völker des Altertums be¬ 
schäftigte, findet in dem vorliegenden Werke von Th. Weyl und 
Marg. Weinberg die uns noch dringend fehlende Weiterführung 
bis in die Neuzeit. Besonders eingehend und unter Benutzung von 
Quellen, die von Medizinern bisher noch nicht herangezogen worden 
sind, ist die Hygiene des Mittelalters behandelt. Hier dürfte das 
Buch berufen sein, unsere bisherige Meinung über den Tiefstand der 
sozialen Hygiene im eigentlichen Mittelalter erheblich zu modifizieren. 
Sehen wir einmal ab von den rauhen und primitiven Formen, die 
das Mittelalter in allen seinen Kulturäußerungen zeigt, so müssen wir 
die Entwicklung z. B. des damaligen Bade- und Krankenhauswesens 
geradezu bewundern. In der Tat bedeuten nicht das 12.. 13. und 
14. Jahrhundert, sondern das 17., 18. und die erste Hälfte des 19. 
Jahrhunderts den Tiefstand der sozialen Hygiene in den maßgebenden 
Kulturländern Europas. Diesen Umstand in das rechte Licht gerückt 
zu haben, w r ird das bleibende Verdienst des vorliegenden Buches sein. 
Die Darstellung hält sich an die Tatsachen und verzichtet darauf, 
die hygienischen Anschauungen vergangener Zeiten aus den jeweilig 
herrschenden theologischen, philosophischen und medizinischen Ideen¬ 
kreise herauszuschälen. Das ist ein Vorzug des Buches, weil nur so 
die wesentlichen Fortschritte auf dem Gebiete der Hygiene klar dar¬ 
gestellt werden können. An einigen Stellen hätte man ein näheres 
Eingehen auf die wirtschaftlichen Zustände, mit denen die Hygiene, 
soweit sie sozial ist, doch untrennbar verknüpft ist, gewünscht. 

A. Grotjahn. 


Liebe, G., Die mittelalterlichen Siechenhäuser der Provinz Sachsen. 
Nr. 29 der Neujahrsblätter, herausgegeben von der historischen 
Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt. 
Halle. Hendel. 35 S. 

Die größte Leistung der sozialen Hygiene des Mittelalters ist 
die Bekämpfung des Aussatzes durch die Absonderung der befallenen 
Personen in eigene Anstalten. Den Einzelheiten dieses Jahrhunderte 
währenden Kampfes nachzugehen, ist ein Verdienst, das sich im vor¬ 
liegenden Falle der Verfasser um die Geschichte des Sondersiechen- 
wesens der Städte und Herrschaften, die heute das Gebiet der Provinz 
Sachsen ausmachen, erworben hat. Wir finden hochinteressante 


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D. Referate. 


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Schilderungen der Verwaltung, Entstehung und Finanzierung der 
Leprosarien, die um so eingehender dargestellt worden sind, als der 
Verfasser als Historiker sein Augenmerk ausschließlich auf das nicht¬ 
medizinische Detail gerichtet hält. 

A. Grotjahn. 


Bergmann, J., Geschichte der Antialkoholbestrebungen. Aus dem 
Schwedischen übersetzt, neu bearbeitet und herausgegeben von 
R. Kraut. Hamburg. Gebrüder Lüdeking. 2. Lieferung. 
135 S. 3. (Schluß-)Lieferung. 193 S. 

Das bereits im vorigen Jahrgang dieses Jahresberichts (Seite 61) 
angekündigte Werk hat in den beiden vorliegenden Lieferungen 
seinen Abschluß gefunden. Der Charakter des Buches, der sich in einer 
internationalen Darstellung der Abstinenz- und Mäßigkeitsbestrebungen 
kundgibt, ist auch in den beiden letzten Teilen sorgsam durchgeführt, 
so daß nicht zu viel behauptet wird, wenn man das Buch als eine 
unentbehrliche Quelle für historische Studien auf dem Gebiete der 
Bekämpfung des Alkoholmißbrauches bezeichnet. Von besonderem 
Interesse sind die Schilderungen, die Verfasser von der Entwicklung 
des Ordenswesens (Guttempler usw.) gibt, und die in der Tat zeigen, 
daß trotz mancher wellenförmiger Auf- und Abwärtsbewegungen der 
Kampf gegen den Alkohol Fortschritte, wenn auch in langsamem 
Tempo, macht. Verfasser, der auf dem Abstinenzstandpunkt steht, 
vertritt diesen energisch, wenn auch in maßvoller Form gegenüber 
den Vertretern der Mäßigkeit; es ist daher begreiflich, daß er bei der 
Kritik der Resultate der internationalen Kongresse, besondere des 
letzten in Bremen, den Vertretern der absoluten Enthaltsamkeit den 
Sieg zuspricht und ihren Bestrebungen die Zukunft verheißt — ein 
Standpunkt, der von der anderen Seite wohl bestritten werden wird. 

M. Bloch. 


Bloch, J., Das erste Auftreten der Syphilis in der europäischen Kultur- 
irelt. Jena. Gustav Fischer. 35 S. (0,60 M.) 

In dem vorliegenden Vortrage hat der Verfasser, dessen in gleichem 
Verlage erscheinendes größeres Werk: „Der Ursprung der S 3 'philis" 
wir im Jahrgang 1902 eingehend besprochen haben, die Ergebnisse 
seiner geschichtlichen Forschungen dem größeren Publikum zugängig 
gemacht. Die gleichen Vorzüge, welche sein großes Werk auszeichnen 
— Klarheit und Anschaulichkeit der Darstellungsweise, flüssiger Stil 
und überzeugende Einfachheit der Beweisführung — machen sich auch 
hier wieder geltend; nur daß es bei der kürzer zusammenfassenden 
Darstellung diesmal dem Verfasser noch gelungen ist, ein färben- 


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I. Methode und Geschichte der sozialen Hygiene. 


91 


prächtiges kulturhistorisches Zeitgemälde zu entwerfen, in welches 
der eigentliche Gegenstand der Darstellung — die Verschleppung der 
Syphilis durch die Spanier nach Europa — sich organisch einfügt. 

A. Blaschko . 


W. Jtoth s Jahresbericht Über die Leistungen und Fortschritte auf dem 
Gebiet des Militärsanitätsicesens. Herausgegeben von der Re¬ 
daktion der Deutschen militärärztlichen Zeitschrift. XXIX. 
Jahrgang: Bericht für das Jahr 1903. Ergänzungsband zur 
Deutschen militärärztlichen Zeitschrift. Berlin. E. S. Mittler 
& Sohn. 178 S. (4,50 M.) 

Die Roth’sehen Jahresberichte, welche der Deutschen militär¬ 
ärztlichen Zeitschrift, dem Fachorgan der deutschen Militärärzte 
— begründet von v. Leuthold —, als Ergänzungshefte beigefügt 
werden, bilden eine Quelle militärärztlicher Literatur. Wie eng die 
Beziehungen zwischen dem Zivilmedizinalwesen und dem Militär¬ 
medizinalwesen vor allem in hygienischer und sozialer Beziehung 
sind, geht aus ihnen zur Genüge hervor. Die Errungenschaften der 
Militärmedizin tragen bei aller Wahrung nationaler Eigenart einen 
internationalen Charakter, so daß der Austausch der Erfahrungen auf 
dem neutralen Gebiet der Krankenpflege und dem Gebiet des Ge¬ 
sundheitsdienstes geboten erscheint. Ein wertvolles Hilfsmittel hier¬ 
für bietet der vorliegende Jahresbericht. Der Bericht enthält 1402 
Literaturangaben und 604 Referate. 

O. Neumann. 


Zwanzigster Jahresbericht über die Fortschritte und 
Leistungen auf denn Gebiete der Hygiene. Jahrgang 
1902. Herausgegeben von A. Pfeiffer. Supplement zur 
Deutschen Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege. 
Band 35. Braunschweig. F. Vieweg. 574 S. (12,00 M.) 

Der vorliegende Jahresbericht, der sich seine Anerkennung als 
unentbehrliches Hilfswerk für Hygieniker seit langem erworben, er¬ 
scheint in fast unveränderter äußerer Form. Er umfaßt die Gesetze 
und Verordnungen, Gesundheitsstatistik, Infektionskrankheiten, deren 
Behandlung beinahe die Hälfte des Werkes einnimmt, dann die indi¬ 
viduelle Hygiene, die Fürsorge für Verunglückte, Kranke und Irre, 
Gewerbebygiene, Nahrungs- und Genußmittel, Bauhygiene usw. Die 
Referate von verschiedenen namhaften Sachverständigen, abschnitt¬ 
weise behandelt, sind kurz und klar. Das Sachregister ist sehr um¬ 
fassend. 

A. (lottatein. 


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92 


D. Referate. 


II. 


Bevölkerungsstatistik und Mortalität 

Bleicher, H., Über die Notwendigkeit systematischer Arbeitsteilung auf 
dem Gebiete der Bevölkerungs-(Sozial-)Statistik. Sonderabdruck 
aus G. v. Mayr’s Allgemeinem Statistischen Archiv. VT. 2. 
S. 103—119. 

Verfasser unterzieht in diesem dritten Abschnitt seiner Arbeit (siehe 
auch diesen Jahresbericht, Jahrgang II, Seite 72) die periodische Ermitt¬ 
lung des Bevölkerungsstandes einer kritischen Betrachtung, die in der 
Forderung eines größeren Wechsels in bezug auf Methode, Zweck und 
Ziele der Bevölkerungsaufnahmen gipfelt. „Nachdem die grundlegen¬ 
den Probleme der Bevölkerungsstatistik im Laufe des vorigen Jahr¬ 
hunderts durch Betonung des Prinzips steter Vergleichbarkeit ge¬ 
nügend Beachtung gefunden haben, erscheint es an der Zeit, auch 
den Fragen, welche die praktische Bevölkerungspolitik aufrollt, eine 
größere Beachtung zu schenken, was eben nur dadurch erreicht 
werden kann, daß die genaue Vergleichbarkeit aller aufeinander 
folgenden Zählungen nicht das oberste Prinzip bildet.“ Also nicht 
Stillstand, sondern Fortschritt in der von Wissenschaft und Praxis 
diktierten Richtung. Anregungen dazu bietet der Verfasser in seinen 
Ausführungen über die Handhabung bei Ermittlung der Volkszahl, 
des Berufs und der natürlichen und sozialen Differenzierung der Be¬ 
völkerung. 

F. Kriegei . 

JBrialmont, Zur Bevölkerungszunahme und deren Folgen für die Zu¬ 
kunft. Zürich. Buchhandlung des Schweizer Grütlivereins. 
24 S. (0,40 M.) 

Während besonnene Demographen mit Besorgnis auf die langsam 
aber stetig sinkende Geburtsziffer der europäischen Völker blicken und 
davor warnen, die rasche Bevölkerungszunahme des neunzehnten Jahr¬ 
hunderts als auch für die folgenden Jahrhunderte bevorstehend an¬ 
zusehen, hat der Verfasser der vorliegenden Broschüre noch immer 
Angst, daß der Erdball dereinst die Fülle der Menschenkinder nicht 
mehr zu ertragen imstande sei und empfiehlt daher aufs dringlichste 
die willkürliche Beschränkung. Den Beweis für seinen Neu-Malthu- 
sianismus ist uns Brialmont jedoch schuldig geblieben. Leider 
verschweigt er auch, daß in Frankreich, wo die Geburtenprävention 
zu Verzweiflung aller einsichtigen Volkswirte und Soziologen kon¬ 
sequent durchgeführt worden ist, nicht nur alle jene Segnungen, die 
der Bevölkerungsstillstand mit sich führen soll, ausgeblieben sind, 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


93 


sondern das Land selbst durch das Zurückbleiben der Bevölkerung 
dauernd aus der Reihe der aktuellen Kulturmächte auszuscheiden 
droht. 

A. Grotjahn. 


Taylor , J, W., On the Diminishing Birth-Rate. London. Bailiiere. 
Tindall & Cox. 27 S. (1,00 M.) 

Anläßlich seiner Wahl zum Vorsitzenden der Britischen Gynä¬ 
kologischen Gesellschaft hält der berühmte Frauenarzt von Birming¬ 
ham seinen Landsleuten hier eine ernste Strafpredigt über die auch 
in England zunehmende Geburtenprävention. Wenn der Verfasser 
die Schädigungen hervorhebt, die den betreffenden Individuen aus 
der Präventivpraxis selbst entstehen, so ist ihm darin zuzustimmen, 
soweit es sich um einige in der Tat das Nervensystem oder die 
weiblichen Geschlechtsteile schädigende Manipulationen handelt. Die 
Prävention aber ganz zu verwerfen, dürfte zu weit gehen, da sie 
doch auch ein Mittel ist, den Generationsprozeß aus dem Gebiete des 
Zufalls in das Bereich der rationellen Beeinflussung zu rücken. Sie 
darf nur nicht so weit gehen, daß der für den nationalen Wohlstand 
unbedingt erforderliche Geburtenüberschuß sich erheblich vermindert 
oder ganz verschwindet. Die Wunden, die dadurch dem Volkskörper 
geschlagen werden, schildert Taylor anschaulich an dem Beispiele 
des Bevölkerungsstillstandes in Frankreich. 

A. Grotjahn. 

Prinzing, F., Das Bevölkerungsgesetz. G. v. Mayr’s Allgemeines 
Statistisches Archiv. Band VI. 2. Halbband. S. 1—34. 

Die bisherigen Bevölkerungstheorien können nicht befriedigen, 
da sie sich meist nur auf die verhältnismäßig kurze Zeit von etwa 
einem Jahrhundert gründen. Dies gilt besonders auch vom Malthus- 
schen Bevölkerungsgesetz, das nur auf den zu Malthus’ Zeit in 
England sich zeigenden Erfahrungstatsachen beruht. Das Bevölke¬ 
rungsproblem darf nicht einseitig nur vom wirtschaftlichen Stand¬ 
punkt aus betrachtet werden, vielmehr müssen alle Faktoren, die auf 
die Vermehrung oder Verminderung einer Bevölkerung von Einfluß 
sein können, in den Kreis der Untersuchung gezogen werden; es muß 
also vom biologischen, historischen und soziologischen Standpunkt aus 
betrachtet werden. Der Verfasser kommt nach einem kurzen Über¬ 
blick, der allen diesen Forderungen gerecht zu werden sucht, zu dem 
Ergebnis, daß für die zahlenmäßige Entwicklung eines Volkes mehr 
die ihm eigentümliche Lebenskraft und Intelligenz den Ausschlag 
gibt, als der ihm zu Gebote stehende Nahrungsspielraum. 

Autoreferat. 


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D. Referate. 


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Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle im Jahre 1902. 

Referent: F. Zahn. Sonderabdruck aus den Vierteljahrs¬ 
heften zur Statistik des Deutschen Reiches. XIII. Jahrgang. 

Heft 1. S. 54—170. 

Die Statistik der Bevölkerungsbewegung erscheint diesmal in 
etwas veränderter Gestalt insofern, als sie gemäß Bundesratsbeschluß 
vom 6. Dezember 1900 zum ersten Male um die Nachweise über Alter, 
bisherigen Familienstand, Religionsbekenntnisse der Eheschließenden, 
über Mehrlingsgeburten und Mehrlingskinder, sowie über Alter der 
Gestorbenen für das gesamte Reich erweitert ist. Im Jahre 1902 
betrug die Zahl der Eheschließungen 457208, die der Geburten 
2089414 und die der Gestorbenen 1187171. Die Heiratsziffer ist 
weiter gesunken, von 8,55 im Jahre 1899, 8,51 im darauf folgenden, 
8,24 1901 bis auf 7,92 im Jahre 1902. Auch die Geburtenziffer 36,19 
ist niedriger als die des Vorjahres 36,89; sie erreicht auch nicht die 
Durchschnittszahl der Periode 1893/1902 mit 37,11. Während 1899 
und 1900 eine Zunahme der Sterbefälle zu konstatieren war, sind 
diese seitdem wieder zurückgegangen; die Sterbeziffer betrug 1902 
20,56 gegenüber 21,81 1901 und 23,23 1900, Jahre, in denen be¬ 
sonders Lungenschwindsucht, akute Erkrankungen der Atmungsorgane 
und akute Darmkrankheiten als Todesursache häufiger auftraten als 
jetzt. Der Geburtenüberschuß belief sich auf 15,63 pro Mille, die seit 
1841 erreichte höchste Ziffer. Den Reichsdurchschnitt des Geburten¬ 
überschusses übertrafen noch Westfalen mit 22,6, Posen mit 21,9, 
Westpreußen mit 19,5, Pfalz mit 18,6, Oldenburg mit 18,5, Rhein¬ 
land mit 18,1, Sachsen-Meiningen mit 17,5, Schwarzburg-Rudolstadt 
mit 17,2, Lippe mit 17,0, — unter ihm blieben Brandenburg mit 12,7, 
Waldeck mit 12,3, Mecklenburg-Schwerin mit 11,3, Hamburg mit 11,2, 
beide Hohenzollern mit 11,1, Elsaß-Lothringen mit 10,9, Berlin mit 9,6. 
Ein Rückgang der Eheschließungen zeigte sich besonders in Bayern, 
Schlesien, Rheinland, Westfalen, Berlin, Westpreußen, Posen und der 
Provinz Sachsen. Fast die Hälfte aller Eheschließungen kam auf die 
Monate Oktober, November, Mai, April. 56,2 Proz. aller heiratenden 
Frauen waren unter 25 Jahren, 43,1 Proz. der Männer zwischen 25 und 
30 Jahren. In 38 Fällen heirateten Männer im Alter bis zu 26 Jahren 
Frauen von über 50 Jahren, in 48 Fällen Männer von über 50 Jahren 
noch nicht 20jährige Mädchen. Von den 1902 geborenen Kindern 
waren 1074310 Knaben, 1015103 Mädchen; auf 100 Mädchen kommen 
somit 105,8 Knaben. 2 024473 Kinder, das sind 96,9 Proz., wurden 
lebend, 64679, 3,1 Proz. tot geboren. 1912331 Geburten waren eheliche, 
177 083, das sind 8,48 Proz. uneheliche. Von den ehelich Geborenen waren 
97,0 Proz. lebend, 3,0 Proz. tot, von den unehelich Geborenen 95,9 Proz. 
lebend, 4,1 Proz. tot. Von den Geburten waren 26259, das sind 12,7 pro 
Mille, Mehrlingsgeburten, die 52804 Mehrlingskinder, 26867 Knaben, 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


95 


2d 937 Mädchen brachten. 25 978, 98,8 Proz. der Mehrlingsgeburten, 
waren Zwillings-, 277 Drillings-, 2 Vierlingsgsgeburten and 1 Fünf- 
lingsgeburt 5 Proz. aller Mehrlingskinder wurden tot geboren; 6,4 
Proz. Mehrlinge waren unehelich, von diesen 6,8 Proz. tot geboren. 
Von den Verstorbenen (einschließlich der Totgeborenen) waren 621114 
männlichen, 566056 weiblichen Geschlechts. Nicht weniger als 
33,0 Proz. aller Todesfälle kommen auf die noch nicht 1 Jahr alten 
Kinder. 

F. KriegeI. 


Preußische Statistik. Heft 183: Die Geburten , Eheschließungen 
und Sterbefälle int preußischen Staate während des Jahres 190'2. 
XXIV. 256 S. Berlin 1903. Verlag des Königlichen Sta¬ 
tistischen Bureaus. (7,20 M.) 

Wie im Vorwort bemerkt wird, sind mit Rücksicht auf größere 
Übersichtlichkeit und schnelleres Erscheinen des Heftes einige weniger 
wichtige Tabellen, wie die Geborenen (einschließlich der Totgeborenen) 
nach Geburtsmonaten — die Totgeborenen nach Familienstand und 
Geburtsmonaten — das Alter der Gestorbenen nach Jahrzehnten der 
Geburt sowie einzelnen Geburtsjahren — die Gestorbenen nach fünf¬ 
jährigen Altersklassen (ohne die Totgeborenen), fortgelassen. Für die 
über 20000 Einwohner zählenden 153 Städte und Landgemeinden 
wurden nur folgende Tabellen gegeben: die Geborenen überhaupt 
und die Totgeborenen — die Lebendgeborenen überhaupt nach 
Familienstand und Geburtsmonaten — die Zeit der Eheschließungen 
nach Monaten und der Gestorbenen (einschließlich der Totgeborenen) 
nach Sterbemonaten — die Gestorbenen ohne die Totgeborenen. Die 
weniger wichtigen Tabellen sind nur noch für die mehr als 50000 
Einwohner zählenden 46 Städte nach dem Stande der Volkszählung 
vom 1. Dezember 1900 veröffentlicht worden. Die Einteilung nach 
dem Berufe und der sozialen Stellung erfolgte nach dem neuen, bei 
der letzten Berufszählung vom 14. Juni 1895 angewandten Schema. 
Der dem Tabellenwerke vorangehenden Einleitung entnehmen wir, 
daß im Jahre 1902 im preußischen Staate 1295914 Geburten, 
281532 Eheschließungen und 717521 Sterbetalle beurkundet wurden. 
Die Heiratsziffer, die von 1895 (16,2) bis 1900 (17,2) gestiegen war, 
fiel 1901 wieder auf 16,7, 1902 auf 16,1; sie war größer in den 
Städten als auf dem Lande. Die Heiratsziffer hat ihren höchsten 
Stand 20,7 im Jahre 1872 seitdem nicht wieder erreicht. Die Ge¬ 
burtsziffer weist im Verfolg der bis 1870 voraufgehenden Jahre 
mannigfache Schwankungen auf. Im Jahre 1875 betrug sie 42,8 und 
sank dann allmählich bis 37,7 im Jahre 1892, stieg im nächsten 
•Jahre wieder auf 38,9, um dann wiederum zu fallen; 1902 war sie 


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D. Referate. 


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37,0, im Vorjahre 37,7. In den Städten war die Geburtenziffer 
niedriger als auf dem Lande, 1902: 33,3 gegen 39,8, 1901: 34,5 
gegen 40,2. Die von den verschiedenartigen Ursachen beeinflußte 
Zahl der Sterbefälle variiert noch stärker als die Zahl der Geburten. 
Die Sterbeziffer bewahrt die sinkende Tendenz nun schon seit langem: 
1902 sank sie auf 20,5 gegen 20,9 im Vorjahre. Während früher die 
Städte eine höhere Sterbeziffer aufwiesen als das platte Land, ist 
jetzt der Unterschied minimal. Der Geburtenüberschuß belief sich 
im Jahre 1902 auf 578393 Personen, das sind 16,5 pro Mille, im Jahre 
1901 auf 546732 oder 15,8 pro Mille. Der trotz niedriger Geburten¬ 
ziffern hohe Geburtenüberschuß ist allein der Abnahme der Sterbe¬ 
fälle zuzuschreiben; die Sterbeziffer sank im Zeitraum 1867—1902 
von 31,1—20,5, schneller als die Geburtenziffer im selben Zeitraum 
von 42,8—35,3. Kommt noch die für 1895/1900 konstatierte positive 
Bevölkerungsbilanz, d. h. eine sowohl wirkliche als auch natürliche 
Bevölkerungszunahme, in Anschlag, so scheint die Hoffnung auf 
weitere Ausdehnungsfähigkeit der preußischen Bevölkerung nicht un¬ 
berechtigt. Trotzdem bleibt die sinkende Tendenz der Geburtenziffer, 
wenigstens vom sozial-hygienischen Standpunkt, eine bedenkliche Er¬ 
scheinung, die den Optimismus des Verfassers der Einleitung (S. XII) 
unseres Erachtens nicht rechtfertigt. Er gründet diesen Optimismus 
auf die verbesserten Sterblichkeitsverhältnisse besonders der pro¬ 
duktiven Klassen der Bevölkerung und betrachtet „die Geburten¬ 
abnahme in Preußen durch das Sinken der Sterbeziffer nicht nur der 
Menge, sondern auch der Bedeutung nach für reichlich aufgewogen“. 
Uns scheint der Beweis für den Ausgleich der sinkenden Geburten¬ 
ziffer und steigenden Säuglingssterblichkeit durch die verbesserten 
Sterblichkeitsverhältnisse der produktiven Klassen nicht erbracht. 

F. Kriegei . 


Die Sterblichkeit nach Todesursachen und Altersklassen 
der Gestorbenen sowie die Selbstmorde und die 
tödlichen Verunglückungen im preußischen Staate 
während des Jahres 1902. Preußische Statistik. Heft 
184. Berlin. Verlag des Statistischen Bureaus. XVIII und 
194 S. (3,40 M.) 

Die preußische Todesursachenstatistik zeichnet sich durch reiche 
Gliederung aus, wobei insbesondere die Trennung nach Stadt und 
Land und die in zahlreiche Altersklassen mit gleichzeitiger Unter¬ 
scheidung des Geschlechts zu nennen ist. Eine Änderung im Todes¬ 
ursachenschema wäre vor allem in der Hinsicht wünschenswert, daß 
die Rubrik Wassersucht entfernt, Tuberkulose in Tuberkulose der 
Lungen und solche der anderen Organe getrennt und die Rubrik 


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II. Bevölkerungsstatistik and Mortalität. 


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Skrofeln und englische Krankheit anders gefaßt würde, wenn die 
Leitung des preußischen statistischen Bureaus sich nicht entschließen 
könnte, eine durchgreifende Änderung des Schemas vorzunehmen. 
Unbedingt notwendig ist die Angabe, wie häufig bei den Gestorbenen 
ärztliche Behandlung vorausging oder wie oft der Tod ärztlich be¬ 
zeugt wurde. Danach allein läßt sich die Zuverlässigkeit einer Todes- 
ursachenstatistik bemessen; die Kenntnis der Zahl der unbekannten 
Todesursachen genügt nicht hierzu, da sie auch durch Anweisung 
der Standesbeamten verringert werden kann, ohne daß der innere 
Wert der Statistik zunimmt. Besondere Sorgfalt genießt seit langer 
Zeit die Bearbeitung der Selbstmorde und der tödlichen Unfälle, 
wodurch ein regelmäßig veröffentlichtes Material geliefert wird, wie 
es außer England kein größerer Staat auf weisen kann. 

F. Prinzing. 


Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staut. Erster 
Jahrgang. 1903. Herausgegeben vom Königlich statistischen 
Bureau. Berlin. Verlag des Königlich Preußischen statisti¬ 
schen Bureaus. IV. 242 S. (1,00 M.) 

„Schnell, sicher und in gedrängter Kürze“ will dieses statistische 
Jahrbuch, das zum ersten Male an die Öffentlichkeit tritt, die wich¬ 
tigsten Ergebnisse der preußischen Statistik in kurzen Übersichten 
einem größeren Publikum vermitteln. Das preußische statistische 
Bureau schafft sich damit ein Publikationsorgan, wie es ähnlich 
das kaiserliche statistische Amt in seinem statistischen Jahrbuch für 
das Deutsche Reich nunmehr schon 25 Jahre besitzt. Wie diesem 
werden auch dem preußischen statistischen Jahrbuch Beifall und An¬ 
erkennung nicht fehlen. 

Das Jahrbuch enthält 16 Hauptabschnitte, die über die folgenden 
Punkte orientieren: Fläche und Bevölkerung, Grundeigentum, Boden¬ 
nutzung einschließlich Viehzucht, Jagd und Fischerei, Bergbau, 
Salinen und Hütten, Industrie im engeren Sinne, Verkehrsmittel und 
Verkehr, Bank- und Kreditwesen, Versicherungswesen, Brände, Wohl¬ 
fahrtspflege, Gesundheitspflege, Kirche und Gottesdienst, Unterrichts¬ 
wesen, Rechtspflege und Strafvollzug, Finanzen und gesetzgebende 
Körperschaften. Aus dem Abschnitt Gesundheitspflege geben wir 
hier einige zusammenfassende Daten. Im Jahre 1902 besaß der 
preußische Staat an Heilpersonal: 17616 Arzte, 1134 Zahnärzte, 
3154 Apotheken, 172 Hand- oder Hausapotheken, 20009 Hebammen. 
Auf je 10000 Einwohner kommen 5,11 Ärzte, 0,91 Apotheken; auf' 
100 qkm wohnen 5,05 Ärzte. Der Staat hatte im Jahre 1901 1943 
allgemeine Heilanstalten mit 107523 Betten und 759699 Verpflegten 
bei 24875685 Verpflegungstagen. Es kamen auf 10000 Einwohner 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 7 


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D. Referate. 


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31,15 Betten, 220,09 Verpflegte. Auf ein Bett kamen 7,07 Verpflegte, 
auf einen Verpflegten 32,74 Verpflegungstage. In den Heilanstalten 
starben 52 798 Personen; auf 100 Verpflegte kamen demnach 6,95 Ge¬ 
storbene. Unter den Heilanstalten befinden sich 248 Irrenanstalten 
mit 60116 Betten und 80027 Krankheitsfällen und 114 Augenheil¬ 
anstalten mit 2618 Betten, in denen 25102 Fälle behandelt wurden. 

F. KrlegeL 

Zeuner, G., Neue Sterblichkeitstafeln für die Gesamtbevölkerung des 
Königreichs Sachsen. 2. Teil. Zeitschrift des Königlich Säch¬ 
sischen Statistischen Bureaus. Jahrgang 49. 1903. S. 76—92. 

Zeuner gibt in dieser sorgfältigen Bearbeitung eine Fortsetzung 
seiner früheren Berechnungen für die Jahre 1895 und 1900; die 
Tafeln sind nach der Methode berechnet, die seinen Namen trägt, 
wobei unter Zugrundelegung einer Volkszählung die beiden anliegenden 
Jahre in Rechnung genommen werden. Störend wirkt dabei die An¬ 
häufung der Lebenden in den runden Altersjahren; es fallen infolge¬ 
dessen die für diese berechneten Sterbenswahrscheinlichkeiten zu klein 
aus. Ausgleichungen sind nicht vorgenommen. Es ergaben sich aus 
den Zeuner’ sehen Berechnungen die folgenden Sterbens Wahrscheinlich¬ 
keiten für die sächsische Bevölkerung; wir fügen zum Vergleich die 
in gewöhnlicherWeise berechneten Sterbeziffern bei: 


1 

Jahr 

Sterbens¬ 
wahrscheinlichkeit j 

auf 1000 Lebende | 

Sterbeziffer (ohne Tot¬ 
geborene) auf 1000 der 
mittleren Bevölkerung 

*1880-81 

28,22 

30,37 

1885-86 

27,95 

30,91 

1890-91 

25,07 

27,60 

1895-96 

23,18 

24,62 

1900-01 

22,03 

22,63 


Die Unterschiede in den beiden Reihen müssen wir vor allem auf 
die durch die Wanderungen bedingte Veränderung des Altersgefüges 
der Bevölkerung zurückführen. „ _ . . 


Statistisches Handbuch für das Königreich Württemberg. 
Jahrgang 1902 und 1903. Mit einer Karte und einer gra¬ 
phischen Darstellung. Herausgegeben von dem Königlich 
Statistischen Landesamt. Stuttgart. Kommissionsverlag W. 
Kohlhammer. X. 243 S. (1,50 M.) 

Das Statistische Handbuch, das seit 1901 getrennt von den 
Württembergischen Jahrbüchern für Statistik und Landeskunde als 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


99 


selbständige Publikation erscheint, bringt, da es nur in zweijährigen 
Intervallen herausgegeben wird, das statistische Material für die 
beiden Rechnungsjahre 1902 und 1903, soweit solches bereits vorlag, 
in der üblichen Anordnung. Im Anhang beigegeben ist eine topo¬ 
graphische Karte des Königreichs mit Einzeichnung der Landes-, 
Kreis- und Oberamtsgrenzen und eine graphische Darstellung des 
Altersaufbaus der Bevölkerung Württembergs nach dem Ergebnis der 
Volkszählung vom 1. Dezember 1900. 

Die mittlere Bevölkerung Württembergs betrug nach vorläufiger 
Schätzung auf Grund des Geburtenüberschusses und der Wanderungen 
Mitte 1902 : 2203300, Mitte 1903: 2 224 400 Einwohner. Die Zahl der 
Eheschließungen belief sich im Jahre 1901 auf 17 339, im Jahre 1902 
auf 17177. Lebend geboren wurden 1901: 76230, 1902: 76371 
Kinder, tot 2583 und 2422 Kinder. Es verstarben (ohne Zuzählung 
der Totgeburten) 1901: 46755, 1902: 45 083 Personen. Der Geburten¬ 
überschuß ergab 1901: 29 475, 1902 : 31288. Die Eheschließungsziffer 
betrug 1901: 7,99, 1902: 7,92, die Geburtenziffer 36,23 und 36,32, die 
Sterbeziffer 22,74 und 21,90, der Geburtenüberschuß 13,59 und 14,42 
Promille. Auf 1000 geborene (einschließlich totgeborene) Mädchen 
kamen 1901:1081, 1902:1045 Knaben; von 1000 Geborenen einschlie߬ 
lich Totgeborenen waren unehelich geboren 96 und 93, totgeboren 
33 und 31. Auf 1000 gestorbene (einschließlich totgeborene) weib¬ 
liche Personen kommen männliche 1901: 1059, 1902: 1060. Auf 1000 
lebendgeborene kommen im ersten Lebensjahre wieder gestorbene 
Kinder 221 und 208. 9386 und 8947 Todesfälle kamen auf Magen- 

und Darmkatarrh und Atrophie der Kinder, 3746 und 3650 Fälle auf 
angeborene Lebensschwäche im ersten Lebensmonat, 4521 und 4308 
Fälle auf Lungentuberkulose, 2063 und 2153 auf bösartige Neu¬ 
bildungen. 

F. Kriegei . 


Die Ergebnisse der Volkszählung vom 1,, Dezember 1900 
im Großherzogtum Mecklenburg-Schwer in. Beiträge 
zur Statistik Mecklenburgs. Vom großherzoglichen statisti¬ 
schen Amt zu Schwerin. XIII. Band. 4. Heft. Schwerin. 
Stiller’sche Hofbuchhandlung. 175 S. 

Die eingehende Darstellung der Volkszählungsergebnisse gliedert 
sich in folgende Abschnitte: die ortsanwesende Bevölkerung nach 
Anzahl und Dichtigkeit, Wohnhäuser und Haushaltungen der Be¬ 
völkerung, die Bevölkerung nach dem Geschlecht, die Bevölkerung 
nach Staatsangehörigkeit, die Bevölkerung nach Gebürtigkeit, die 
Bevölkerung nach der Religion, die Bevölkerung nach dem Alter, die 
Bevölkerung nach dem Familienstande und die Bevölkerung nach der 

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D. Referate. 


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Muttersprache. Dem Tabellenwerke vorangestellt ist eine die stati¬ 
stischen Ergebnisse zusammenfassende Einleitung. Ihr folgend bringen 
wir einige Daten. Die ortsanwesende Bevölkerung des Großherzog¬ 
tums belief sich auf 607770, 300320 männliche, 307450 weibliche 
Personen, gegenüber 597436 im Jahre 1895 und 578342 1890. Die 
Bevölkerung nahm prozentualiter 1895—1900 um 0,34, 1890—95 um 
0,65 zu. Die langsamere Bevölkerungszunahme wird auf starke 
Wanderverluste zurückgeführt, die weder eine wenn auch geringe 
Geburtenzunahme noch die bedeutende Abnahme der Sterblichkeit 
aufwiegen konnten. Im Jahrfünft 1895/1900 wurden 90721 Geborene, 
gegenüber 90222 im vorhergehenden Jahrfünft und 57120 (59591) 
Gestorbene, also ein Geburtenüberschuß von 33601 (30631) gezählt 
während der Wanderverlust 23267 (11537) betrug. An dem Wander¬ 
verlust ungemein stark beteiligt ist das männliche Geschlecht, denn 
an dem Gesamtzuwachs der Bevölkerung partizipiert das männliche 
Geschlecht mit 32,3 Proz., das weibliche mit 67,7 Proz., beinahe das 
umgekehrte Verhältnis wie im vorhergehenden Jahifünft 1890/95. 
Beachtenswert ist der seit 25 Jahren stetig wachsende Anteil der 
städtischen Gebiete des Großherzogtums an der Gesamtbevölkerung 
gegenüber einer ebensolchen Abnahme des Anteils des Domaniums 
und der Ritterschaft. Von der Gesamtbevölkerung entfielen 1900: 
48,0 Proz. (1895: 46,5 Proz.) auf die Stadtbevölkerung, 52,0 Proz. 
(53,5 Proz.) auf die Landbevölkerung. Abgenommen hat auch die 
Seßhaftigkeit der Bevölkerung, immerhin waren noch 88,5 Proz. der 
Gesamtbevölkerung im Großherzogtum geboren. Die Alterszusammen¬ 
setzung der Bevölkerung hat sich gegenüber dem vorhergehenden 
Jahrfünft wenig verändert. 

F. Kriegei . 


Statistisches Jahrbuch der Schweiz. Herausgegeben vom 
Statistischen Bureau des eidgenössischen Departements des 
Innern. Zwölfter Jahrgang 1903. Bern. Kommissionsverlag 
A. Franke. 334 S. (6,00 M.) 

Das vorliegende Jahrbuch erscheint in gewohnter Art der Grup¬ 
pierung des Stoffes wenigstens in den uns hier besonders interessieren¬ 
den Abschnitten über Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung. 
Das eidgenössische Bureau bedauert, daß es den oft geäußerten Wunsch, 
den Tabellen Erläuterungen beizufügen, besonders aus Sparsamkeits¬ 
rücksichten nicht habe erfüllen können, verspricht aber, dem Ver¬ 
langen später nachzukommen. 

Am 1. Dezember 1900 zählte die Schweiz 728920 Haushaltungen, 
eine ortsanwesende Bevölkerung von 3325023, eine Wohnbevölkerung 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität, 


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von 3315443 Personen, und zwar 1627025 männlichen, 1688418 
weiblichen Geschlechts. Ausländer wurden 383424 gezählt. Nach 
der Größe der ortsanwesenden Bevölkerung gruppiert, folgen auf¬ 
einander die Kantone: Bern (590914), Zürich (431637), Waadt (284673), 
St. Gallen (250992), Aargau (206659), Luzern (146912), Tessin 
(138548), Genf (133417), Freiburg (128209), Neuenburg (126600), 
Wallis (114158), Thurgau (113 480), Basel-Stadt (112885), Graubünden 
(105065), Solothurn (100806), Basel-Land (68661), Schwyz (55451), 
Appenzell A.-Rh. (55380), Schaffhausen (41609), Glarus (32273), Zug 
(25206), Uri (19700), Obwalden (15270), Appenzell L-Rh. (13469), 
Nidwalden (13017). Das Jahr 1902 ergab 25128 Eheschließungen, 
96481 Lebendgeburten, 3512 Totgeburten, 57 702 Sterbefälle (ohne 
Totgeburten) bei einer Bevölkerung auf Jahresmitte berechnet von 
3357907. Die Eheschließungsziffer belief sich auf 7,5 gegen 7,6 im 
Vorjahre, 7,7 im Jahre 1900; die Geburtenziffer auf 28,7 gegen 29,1 
im Vorjahre und 28,6 im Jahre 1900; die Sterbeziffer auf 17,2 gegen 
18,0 im Vorjahre und 19,3 im Jahre 1900. Letztere hat im Jahre 
1902 ihren bisher niedrigsten Stand erreicht, während Eheschließungs¬ 
und Geburtenziffer in den letzten Jahren ziemlich stabil geblieben 
sind. Unter den Todesursachen stand die Lungenschwindsucht mit 
6280 Sterbefällen (1901 6241, 1900 6692) an erster Stelle, andere 
tuberkulöse Erkrankungen mit 2494, akute Krankheiten der Atmungs¬ 
organe mit 5293, Enteritis der kleinen Kinder mit 3936. Von 57 702 
Todesfällen waren 2353 unbescheinigt. Schließlich bringen wir auf 
Seite 101 eine Tabelle aus dem Abschnitt über Gesundheitswesen, 
Gesundheitspolizei usw. zum Abdruck, die die summarischen Ergeb¬ 
nisse der ärztlichen Untersuchung der 1902 ins schulpflichtige Alter 
gelangten Kinder in 16 Kantonen enthält. Von diesen 1902 ins 
schulpflichtige Alter tretenden Kinder waren also 10,5 Proz. mit 
Gebrechen behaftet, gegenüber 11,6 Proz. im Vorjahre und 13,4 Proz. 
im Jahre 1900. KrltgeL 


Vor/t, A., Ein Rückblick auf die Sterblichkeitsverhältnisse in der Schweiz 
von 1876 — 1900. Sonderabdruck aus der Zeitschrift für 

schweizerische Statistik. Jahrgang 1904. 40 S. 

Vogt liefert einen interessanten Überblick über die Sterbeverhält- 
nisse in der Schweiz von 1876—1900. Zu beachten ist bei allen Be¬ 
rechnungen, welche die Todesursachen in der Schweiz in Betracht 
ziehen, daß die ärztliche Bescheinigung der Todesursache, namentlich 
in früheren Jahren, nicht bei allen Sterbefallen vorhanden ist und daß 
daher die Zahl der Sterbefälle infolge der einzelnen Erkrankungen 
um einen gewissen Prozentsatz zu erhöhen ist. Es starben auf 
1 Million Einwohner an: 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


103 


Jahr 

! 

Pocken 

! 

Scharlach 

Masern 

Diph¬ 

therie 

Typhus 

Phthisis 

1876—1886 

S 49 

279 

117 

673 

398 

2421 

1886-1890 

18 

101 

148 

369 

175 

2329 

1891-1895 

9 

71 

168 

494 

117 

2145 

1896-1900 

3 

16 

140 

309 

88 

2011 


Vogt ist ein alter Impfgegner; er schließt aus der Abnahme der 
Pocken in der Schweiz, trotzdem in einer Anzahl von Kantonen der 
Impfzwang aufgehoben wurde, auf eine Unwirksamkeit derselben. Er 
übersieht dabei, daß in den Kantonen, in welchen der Impfzwang be¬ 
steht, Einschleppungen viel eher stattfinden, als in den anderen. Es 
wäre dem Verfasser zu empfehlen, vor Beurteilung dieser Frage den 
Blick auch über die Schweiz hinaus zu richten. 

F. Prlnzing. 

Lada me, H., Contribution ä l’tiude de la Mortinaliti Suisse. Inaugural- 
Dissertation. Bern. Stämpfli. 33 S. 

Der Verfasser ist über die bisher bekannten Ursachen der Tot¬ 
geburt gut orientiert. Als wichtigste Unterscheidung betrachtet er 
das Absterben der Kinder vor der Geburt und während derselben (er 
gebraucht dafür die Worte Fötogestimortalität und Fötopartimortalität!) 
Die Ursachen des Absterbens der Kinder während der Geburt sind 
gut bekannt, die des Absterbens der Frucht vor der Geburt dagegen 
nur ganz unvollständig. 

F. Prlnzing. 


Ungarisches Statistisches Jahrbuch. Neue Folge. X. 1902. Im 
Aufträge des Königlich Ungarischen Handelsministers ver¬ 
faßt und herausgegeben vom Königlich Ungarischen Statisti¬ 
schen Zentralamt. Amtliche Übersetzung aus dem ungari¬ 
schen Originale. Budapest. Athenaeum. XVIII. 471 S. 
(5,00 Kr.) 

Der Hauptübersicht der Daten der Bevölkerungsbewegung ent¬ 
nehmen wir, daß im Jahre 1902: 169029 Ehen, bei einer Eheziffer von 
8,6, geschlossen wurden. Es waren 775641 Gesamtgeburten, das sind 
39,6 pro Mille, darunter 759 739 Lebend-, 15 902 Totgeburten zu ver¬ 
zeichnen. Die Geburtenziffer stellte sich auf 38,8, gegen 37,8 im 
Vorjahre und 39,3 im Jahre 1900. Die Zahl der unehelichen Geburten 
blieb im Wachsen und betrug 1902 : 9,4 auf 100 Geburten. Von den 
Geburten waren 9562 Zwillings-, 91 Drillings- und 4 Vierlingsgeburten. 
Sterbefälle gab es 528058 (267097 männliche, 260961 weibliche) bei 


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D. Referate. 


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einer Sterbeziffer von 27,0 gegen 25,4 im Vorjahr. 48*24 Proz. der 
Gestorbenen waren Kinder unter 5 Jahren, 31,14 Proz. Säuglinge, 
ln 135929 Todesfällen war eine Infektionskrankheit die Ursache. 
An der Spitze steht hier die Tuberkulose mit 75146 Fällen, das sind 
14,2 Proz. aller Sterbefälle, ihr folgen Scharlach mit 14135, Keuch¬ 
husten mit 12817, Masern mit 10103 Fällen. Angeborene Lebens¬ 
schwäche war Todesursache in 73779 Fällen. In ärztlicher Behand¬ 
lung waren im Jahre 1902 : 42929 Trachomkranke und 6275 Trachom¬ 
verdächtige; nur Gemeinden mit mehr als 5 entschieden Trachom¬ 
kranken kamen hierbei in Zählung. In der Budapester Pasteur-Anstalt 
wurden 2602 Personen an Wutkrankheit behandelt, von denen alle 
bis auf 2 geheilt wurden. Mehr als die Hälfte der Gebissenen waren 
dem Berufe nach Landwirte und Tagelöhner. Die Zahl der Spitäler 
hat sich bedeutend vermehrt. Während es im Jahre 1896: 387 Spitäler 
mit 20554 Betten gab, waren 1902 : 440 Spitäler mit 31604 Betten 
vorhanden, die von 301032 (1896: 204376) Personen benutzt werden. 

F. KriegeU 


Ungarisches Statistisches Jahrbuch. Neue Folge. XI. Band. 
1903. Im Aufträge des Königlich Ungarischen Handels¬ 
ministers verfaßt und herausgegeben vom Königlich Unga¬ 
rischen Statistischen Zentralamt Amtliche Übersetzung aus 
dem ungarischen Originale. Budapest. XIX. 483 S. (5,00 Kr.) 

Im Jahre 1903 wurden im Königreich Ungarn 160221 Ehen ge¬ 
schlossen, gegenüber 169029 im Jahre 1902. Die Eheschließungsziffer 
sank von 8,6 1902 auf 8,1 1903. Geboren wurden 740405 Kinder, von 
ihnen 725239 lebend, 15166 tot. 382532 waren Knaben, 357873 
Mädchen. 671161 Kinder wurden ehelich, 69244 unehelich geboren. 
Die Geburtenziffer hat mit 36,7 (ausschließlich Totgeborene) — im 
Jahre zuvor 38,8 — den bisher niedrigsten Stand erreicht. Auf 100 
Geborene kommen 98,0 Lebend-, 2,0 Totgeborene, 51,7 Knaben, 48,3 
Mädchen, 90,6 ehelich, 9,4 unehelich Geborene. 9485 Mehrgeburten 
waren zu verzeichnen: 9398 Zwillings-, 87 Drillingsgeburten. Auf 
100 Geburten kommen somit 1,30 Mehrgeburten. Es starben 515926 
Personen gegenüber 528058 im Jahre 1902, und zwar 262644 männ¬ 
liche, 253282 weibliche. Von ihnen standen im Säuglingsalter 153999, 
das sind 29,85 Proz. 49,5 Proz. aller Gestorbenen waren in ärztlicher 
Behandlung; bei 55,5 Proz. der Todesfälle wurde die Todesursache 
ärztlich festgestellt. Eine infektiöse Krankheit war in 134651 Fällen 
die Todesursache und zwar in 249 Fällen Blattern, 6965 Masern, 
16318 Scharlach, 9500 Keuchhusten, 10740 Rachendiphtherie, 5554 
Unterleibstyphus, 5228 Diarrhöe der Kinder, 1245 Ruhr, 76 637 Tuber- 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


105 


kulose, 206 Flecktyphus, 44 Wutkrankheit, 472 Karbunkel, 922 Rot¬ 
lauf, 571 Kindbettfieber. Im Königreich Ungarn wurden 1903 5264 
Doktoren der Medizin, 230 diplomierte Chirurgen, 11829 diplomierte 
Hebammen und 1683 diplomierte Apotheker gezählt. 

F. Kriegei. 


Statistisches Jahrbuch deutscher Stäflte. In Verbindung mit 
seinen Kollegen herausgegeben von M. N e e f e. XII. Jahrgang. 
Breslau. G. Korn. XII. 481 S. (14,00 M.) 

Der Inhalt des Jahrbuchs zerfallt in 29 Abschnitte, von denen 
22 Fortsetzungen von Abschnitten des vorhergehenden, zwei (über 
Vieh- und Schlachthöfe, Leihhäuser) des zehnten, zwei (über Desin¬ 
fektionsanstalten, Wochenmärkte und Markthallen) des achten, und 
einer (über Heilanstalten) eine solche des sechsten Jahrganges sind. 
Neu im Rahmen des Jahrbuches sind die Abschnitte über Konsum¬ 
vereine, Kinderbewahranstalten, Kleinkinderschulen und Kindergärten. 

M. Neefe behandelt im ersten Abschnitt Gebiet, Bodenbenutzung 
und Grundbesitz in den Jahren 1901 und 1902. Im zweiten Abschnitt: 
das Wachstum der Großstädte seit 1871 beendet S. Schott seine 
Untersuchung über die Entwicklung der Agglomeration der Großstädte. 
E. Hasse bespricht die Bautätigkeit im Jahre 1901, M. Flinzer 
die öffentlichen Park-, Garten- und Schmuckanlagen im Jahre 1901, 
Straßenreinigung und Besprengung im Jahre 1901 und Abfuhr und 
Kanalisation im Jahre 1901; der letztere Abschnitt weist als neu eine 
Übersicht über die Art der Beseitigung der Abfallstoffe auf. Es 
folgen die Abschnitte: Wasserversorgung im Jahre 1901 von K. 
Buechel, Beleuchtungswesen im Jahre 1902 von K. Zimmermaun, 
Personenverkehr in den Jahren 1901 und 1902 und Post- und Tele¬ 
graphenverkehr im Jahre 1902 von G. Koch, Vieh- und Schlachthöfe 
im Jahre 1902 von J. Rahts, Viehpreise in den Jahren 1900 bis 
1903 von K. S i n g e r, Konsumvereine im Jahre 1901 von F. X. P r ö b s t, 
Sparkassen im Jahre 1901 von A. Fiack, öffentliche Leihhäuser in 
den Jahren 1900 und 1901 von K. Seutemann, Arbeitsnachweis 
und Notstandsarbeiten im Jahre 1902 und 1903 von J. Feig, Streiks 
und Aussperrungen im Jahre 1903 von M. Neefe, öffentliche Biblio¬ 
theken und Lesehallen im Jahre 1901 von G. Tenius, Lebensmittel¬ 
preise in den Jahren 1896 bis 1903 von K. Singer, öffentliche Des¬ 
infektionsanstalten im Jahre 1901 von A. Dullo, Feuerlöschwesen 
im Jahre 1901/02 von P. Glodkowski, Heilanstalten im Jahre 1901 
von 0. Landsberg, öffentliche chemische Untersuchungsämter im 
Jahre 1901 von E. Tr et au, Unterrichtswesen im Jahre 1901/02 von 
H. Sibergleit, Kinderbewahranstalten, Kleinkinderschulen und 
Kindergärten im Jahre 1901/02 von M. Mendelson, Gemeindesteuern 


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106 


D. Referate. 


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im Jahre 1901 von H. Schoebel, Wochenmärkte und Markt¬ 
hallen in den Jahren 1898 bis 1902 von E. Hasse, Schulden im Jahre 
1901 von 0. Wiedfeldt und Bevölkerung in den Jahren 1902 und 
1903 von Me in er ich. 

Im Vorwort verspricht der Herausgeber eine Sonderpublikation, 
die die Ergebnisse der Ermittelungen über städtische Lohnverhältnisse 
und Wohlfahrtseinrichtungen für städtische Arbeiter behandeln soll. 

F. Kriegei. 


Bevölkerungsaufnahme. Zweite Abteilung: Die Grundstücks- 
aufnahme Ende Oktober 1900 sowie die Wohnungs - und die 
Bevölkerungsaufnahme vom 1. Dezember 1900 in der Stadt 
Berlin. Herausgegeben von dem Statistischen Amt der Stadt 
Berlin. Berlin. L. Simion in Kommission. VI. 137 S. 
(4,50 M.) 

Mit diesem Hefte schließt die unter obigem Titel in mehreren Ab¬ 
teilungen (siehe diesen Jahresbericht, Jahrg. II, S. 240, Jahrg. III, S. 173) 
erschienene umfangreiche Sonderpublikation des Berliner statistischen 
Amtes. Es enthält ausführliche Tabellen über die anwesende Be¬ 
völkerung nach dem Geschlecht, die Bevölkerung nach Alter, Geschlecht 
und Familienstand, die Bevölkerung nach der Zuzugszeit, nach dem 
Geburtslande, über die Ehepaare, über die Bevölkerung nach der 
Konfession, nach der Muttersprache, nach der Staatsangehörigkeit, 
über die untereinjährigen Kinder nach der Ernährungsweise, über 
die Blinden und Taubstummen, die Bevölkerung nach dem Beruf, über 
die Gewerbetreibenden nach der Stellung im Beruf, und über die 14 
bis 17 Jahr alten kaufmännisch Angestellten nach Altersjahren nach 
dem Beschäftigungsort — mit besonderer Berücksichtigung der ein¬ 
zelnen Stadtteile. Im Vorwort bringt der Herausgeber, E. Hirsch¬ 
berg, das den Auszählungen zugrunde liegende Erhebungsformular 
zum Abdruck, aus dem ersichtlich ist, daß einzelne bei der Volks¬ 
zählung von 1895 gestellte Fragen, wie die nach der Dauer des Auf¬ 
enthaltes für nicht in Berlin Wohnhafte, nach den Hausindustriellen 
und Heimarbeitern, nach der Arbeitslosigkeit, nach der militärischen 
Ausbildung der Landsturmpflichtigen und nach dem Wechsel der Kinder¬ 
ernährung im Jahre 1900 fortgefallen sind. Neu hinzugekommen sind 
die Fragen nach dem Wohnort und dem Beschäftigungsort und die 
nach der Muttersprache. Wir begnügen uns vorläufig mit dieser An¬ 
zeige. Der Herausgeber selbst will eine Besprechung der wesent¬ 
lichsten Volkszählungsergebnisse in einem Hefte der „Berliner Statistik“ 
geben. 

F. KrtegeL 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


107 


Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin. 28. Jahrgang: Die 
Statistik des Jahres 1903. Im Aufträge des Magistrats heraus¬ 
gegeben von E. Hirschberg. Berlin. P. Stankiewicz’ Buch¬ 
druckerei. XV. 98 und 481 S. (10,00 M.) 

Das neue Jahrbuch unterscheidet sich der Anordnung des Stoffes 
nach nicht von seinen Vorgängern. Es bietet das neueste Zahlen¬ 
material, zum Teil sogar das des Jahres 1904. Besondere Anerkennung 
verdient die Neuerung, dem Tabellenwerk einen Text voranzustellen. 
Auf ca. 100 Seiten sind in mustergültiger Weise die wichtigsten 
Punkte der Ergebnisse der einzelnen Abschnitte herausgeboben und 
in charakteristischen Vergleich gebracht, so daß auch dem Laien 
durch die Lektüre dieser Erläuterungen ein anschauliches Bild von 
der demographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung 
Berlins vor Augen tritt. Sehr zu bedauern wäre es, wenn dieser Text, 
der einem stark gefühlten Bedürfnisse entspricht, das ja allerdings 
ebenso wichtige frühzeitige Erscheinen des Jahrbuches gefährden und 
deshalb wieder verschwinden würde. Vielleicht gelingt es dem tat¬ 
kräftigen Herausgeber, beide Wünsche in Einklang zu bringen. 

Über Stand und Bewegung der Berliner Bevölkerung entnehmen 
wir den Erläuterungen Folgendes: die fortgeschriebene Bevölkerungs¬ 
zahl war Ende Juli 1904: 1970500. Die Bevölkerungszahl betrug 
Ende 1861: 547571, 1875: 966858, 1890: 1578794, 1895: 1677304, 
1900: 1888848. Die durchschnittliche Bevölkerungszunahme in einem 
Jahr ist seit 1861/64, wo sie 4,97 Proz. betrug, ständig gesunken; sie 
betrug 1890/95: 1,22 Proz. Der Altersaufbau ist der typisch-gro߬ 
städtische : 


Alter 

insgesamt 

Personen 

männlichen 

Geschlechts 

weiblichen 

Geschlechts 

0 bis 1 Jahr 

39259 

19826 

19 433 

über 1 bis 2 Jahre 

170 719 

84 899 

85 820 

über 6 bis 14 Jahre 

246 597 

122 443 

124154 

über 14 bis 18 Jahre 

123 253 

56 908 

66 345 

über 18 bis 60 Jahre 

1195 564 

575 932 

619632 

über 60 Jahre 

111968 

42 114 

69 854 


Entsprechend der Geburtenabnahme ist der Anteil der Kinder im ersten 
Lebensjahr von 32 pro Mille 1875 auf 21 pro Mille 1900 gesunken, 
der Anteil der über 60jährigen von 43 auf 59 pro Mille gestiegen. 
Im Jahre 1900 waren in Berlin 772784 (das sind 409 pro Mille) ge¬ 
borene Berliner. Die Zahl der Eheschließungen war 1903 größer als 
in den beiden vorhergehenden Jahren und belief sich auf 20141. 
Geboren wurden 1903: 49549 Kinder gegenüber 51185 im Vorjahre. 


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108 


D. Referate. 


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Der Geburtenrückgang, der seit 1876 zu verzeichnen ist, zeigt sich 
neuerdings auch in den absoluten Zahlen. Die Geburtenziffer war 1900: 
25,7 gegen 47,2 1876. Der Geburtenrückgang erstreckt sich, wenn 
auch nicht in derselben Stärke, auf die unehelichen Geburten. Die 
ehelich Geborenen im Vergleich mit der mittleren Zahl der Ehefrauen 
(1903: 369611) beliefen sich auf 113,1 pro Mille gegenüber 119,8 im 
Vorjahre und 240,3 im Jahre 1876. Auf eine Berliner Ehe kommen 
nach den Berechnungen der Jahre 1886/90 drei Kinder, abzüglich der 
27 Proz. kinderloser Ehen, etwa vier. Die Zahl der Todesfälle zeigt 
relativ wie absolut einen Rückgang. Die Sterblichkeitsziftern der 
einzelnen Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts lauten: 1801 10: 41,27. 
1811/20: 41,88, 1821/30:29.53, 1831/40:31,70, 1841/50: 27,16, 185160: 
27,32, 1861/70:31,89, 1871/80 : 32,71, 1881/90 : 25,84, 1891/1900 : 20,29. 
Die allgemeine Sterbeziffer der letzten drei Jahre, d. h. solche ohne 
Rücksicht auf die Alterszusammensetzung der Bevölkerung, deren 
Kenntnis erst die nächste Volkszählung ermöglichen wird, ist noch 
niedriger: 1901: 18,19, 1902: 17,11, 1903: 17,4. Unter den Todes¬ 
ursachen steht die Lungenschwindsucht mit 3981 Todesfällen gegen¬ 
über 4142 im vorhergehenden Jahre an der Spitze. Neu aufgenommen 
in die Tabellen ist eine solche über den Anteil einzelner Todes¬ 
ursachen bei verschiedenen Berufsstellungen. Unter den der besonderen 
Betrachtung einzelner Todesursachen gewidmeten Tabellen sei auf die 
Erhebungen über die Lungenschwindsucht nach der Dichtigkeit des 
Wohnens und der topographischen Verteilung besonders verwiesen. 
Von 31882 Todestallen im Jahre 1903 betrafen 9452 Kinder unter 
einem Jahre, d. h. 29.64 Proz.; allerdings ist auch bei der Säuglings¬ 
sterblichkeit seit 1880 ein Rückgang eingetreten. Von größtem Ein¬ 
fluß auf sie ist die sommerliche Temperatur, wobei natürlich die Er¬ 
nährungsart der Kinder den Ausschlag gibt. Stets ist die Sterblich¬ 
keit der Flaschenkinder, wie dies die Berliner Statistik seit langem 
konstatiert, größer als die der Brustkinder. „Wenn freilich“, bemerkt 
der Herausgeber, „der Vergleich mit früheren Jahren das Resultat 
ergibt, daß die mit Muttermilch ernährten gestorbenen Kinder unter 
einem Jahr in einem ständigen beträchtlichen Rückgang begriflen 
sind (1880 : 2625, 1885: 1755, 1890: 1533, 1895: 1076, 1900 : 867, 
1903: 697), so liegt dies nicht so sehr in einem Rückgang in der 
Sterblichkeit der so ernährten Kinder, als, wie die Volkszählungen 
erwreisen, an einem beklagenswerten Rückgang der Ernährung durch 
Muttermilch überhaupt. Während bei der Zählung am 1. Dezember 
1890 von 1000 lebenden Kindern unter einem Jahr noch 507 Mutter¬ 
milch erhielten, war diese Ziffer fünf Jahre später auf 431, im Jahre 
1900 bereits auf 314 gesunken, und die Ammenmilchernährung von 
22 pro Mille auf 14 und 7.“ Dem Tabellenwerke vorangestellt sind 
zwei graphische Darstellungen: die im Jahre 1903 vorgekommenen 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


109 


Sterbefälle verglichen mit der Bevölkerung und die der Sterblichkeit 
an Lungenschwindsucht bei Personen im Alter von 15 bis 60 Jahren 
im Durchschnitt der Jahre 1900 und 1901. 

F. KHegel, 


Übersichten aus der Berliner Statistik für das Jahr 1903. 
Auszug aus dem 28. Jahrgang des Statistischen Jahrbuchs der 
Stadt Berlin. Herausgegeben vom Statistischen Amte der 
Stadt Berlin. Berlin. P. Stankiewicz. 64 S. 

Diese Übersichten bringen in Kürze allgemein wissenswerte Daten 
aus dem reichen Tabellenschatze des Jahrbuches und erleichtern das 
Auffinden durch ein alphabetisches Sachregister. 

F. Kriegei. 


Hirschberg, E., Bilder aus der Berliner Statistik. Volkswirtschaft¬ 
liche Zeitfragen, Vorträge und Abhandlungen, herausgegeben 
von der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft in Berlin. Heft 200. 
Berlin. L. Simion Nachfolger. 28 S. (1,00 M.) 

Vorliegende kleine Schrift ist der Abdruck eines vom Verfasser 
in der Berliner volkswirtschaftlichen Gesellschaft gehaltenen Vortrages, 
in dem er in großen Zügen ein zugleich lehrreiches und fesselndes 
Bild von dem statistisch erfaßten Berliner Leben gibt. Die Geburten, 
Eheschließungen, die Sterblichkeit, die Zu- und Fortzüge, die Woh¬ 
nungen und Finanzen gelangen zur Darstellung, die gerade darum, 
weil der Verfasser sich auf die besondere charakteristischen Tat¬ 
sachen beschränkt, so eindringlich und anschaulich wirken. 

F. Kriegei, 

Geburten, Eheschließungen und Sterbe fälle in München 
im Jahre 1903. Mitteilungen des Statistischen Amtes der 
Stadt München. XVIH. 5. S. 195—234. 

Im Jahre 1903 wurden in München 17 693 Kinder, 17081 lebend 
und 612 (d. h. 3,5 Proz.) tot, und zwar 9226 Knaben und 8467 Mädchen 
geboren. Ehelich geboren wurden 13197, unehelich 4496 Kinder. 
Die allgemeine Geburtenziffer, auf die mittlere Einwohnerzahl be¬ 
rechnet, betrug 33,2 gegen 35,1 im Vorjahr und 36,4 im Jahre 1901; 
sie ist die niedrigste Geburtenziffer seit 1894 und wird auf den er¬ 
heblichen Rückgang der Eheschließungen zurückgeführt. Da die 
Verhältniszahl der außerehelichen Geburten wieder etwas gewachsen 
ist, wird die eheliche Geburtenziffer stärker getroffen als die außer¬ 
eheliche. Die eheliche Geburtenziffer betrug 1901: 28,1, 1902: 27,4, 
1903: 25,6; die außereheliche 9,5, 9,0, 8,7. Von 198 Mehrgeburten, 


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110 


D. Referate. 


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155 ehelichen, 43 außerehelichen, waren 1 eine eheliche Vierlings¬ 
geburt, 3 eheliche und 1 eine außereheliche Drillingsgeburt. Von 
den 402 Kindern dieser Mehrgeburten wurden 24 totgeboren. Die 
Zahl der Eheschließungen hat, wie schon bemerkt, weiter abgenommen, 
die Eheschließungsziffer mit 9,2 den seit langem niedrigsten Stand 
erreicht Verstorben sind im Jahre 1903: 10681 Personen, 5459 männ¬ 
liche, 5222 weibliche, darunter 4075 Säuglinge. Die Sterblichkeits¬ 
ziffer ist seit dem Vorjahre (21,4) wieder gesunken und beträgt 20,7. 
Von 100 im Jahre 1903 lebend geborenen Kindern verstarben 23,9 
vor Erreichung des ersten Lebensjahres. Die Säuglingssterblichkeit 
nimmt an der Gesamtsterblichkeit mit 38,1 Proz., gegen 39,5 Proz. 
im Vorjahre, teil. Unter den Todesursachen stehen akute Darm¬ 
krankheiten mit 1602 (davon 217 an Brechdurchfall), Lungenschwind¬ 
sucht mit 1312, Entzündung der Atmungswerkzeuge einschließlich 
kroupöser Lungenentzündung mit 943 Todesfällen an der Spitze. Die 
Mitteilung bringt am Schluß eine interessante vergleichende Über¬ 
sicht der Geburten- und Sterbefall-Zahlen des Jahres 1903 aus 95 
deutschen Städten, einschließlich Wien und Zürich und eine ver¬ 
gleichende Übersicht der Verhältniszahlen für Geburten- und Sterbe¬ 
fälle dieser Städte seit 1901. Den Resultaten dieser Vergleichungen 
entnehmen wir, daß nicht weniger als drei deutsche Städte die Ge¬ 
burtenziffer 50 überschreiten. Borbeck, im Landkreis Essen gelegen, 
weist eine solche von 52,8 (54,1 mit Totgeburten) bei einer Sterblich¬ 
keitsziffer von 21,4, also einem Geburtenüberschuß von 31,4 (!). Ober¬ 
hausen Rhl. eine solche von 51,2 (52,3), eine Sterblichkeitsziffer von 
22,0, einen Geburtenüberschuß von 29,2, Königshütte solche von 50,1 
(51,3), eine Sterblichkeitsziffer von 25,9, einen Geburtenüberschuß von 
24,2 auf. Die geringsten Geburtenziffern haben Potsdam 19,6, Char¬ 
lottenburg 23,3, Kottbus 23,4, Wiesbaden 24,6, Schöneberg 24,8, Hildes¬ 
heim 25,4 und Berlin 25,6. Im allgemeinen ist die Geburtenziffer in 
den meisten Städten zurückgegangen, weniger deutlich zeigt sich die 
sinkende Tendenz bei der Sterblichkeitsziffer. 

F. Kriegel. 


Lommatzsch , G., Beiträge zur Statistik der Geburten ,, Eheschließungen 
und Sterbefälle in den drei sächsischen Großstädten. III. Ge¬ 
burtsfälle. Sonderabdruck aus Zeitschrift des Königlich 
Sächsischen Statistischen Bureaus. XLIX. Jahrgang. Heft 
1 und 2. 

Nachdem der Verfasser im vorhergehenden Jahrgange (Heft 3 
und 4) die Eheschließungen und Sterbefälle der drei sächsischen Gro߬ 
städte Dresden, Leipzig und Chemnitz einer eingehenden statistischen 
Untersuchung unterzogen hat, betrachtet er hier die Geburtsfälle dieser 


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Bei je 100 Geborenen, welche als 


II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 111 



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112 


D. Referate. 



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n. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


113 


Städte in den Jahren 1891 bis 1901, die von Chemnitz nnr bis 1893. 
Aus den Überschriften der Tabellen: Ehelich Geborene nach dem 
Alter und dem Altersunterschied der Eltern (Dresden und Chemnitz), 
Zwischenzeit zwischen der Eheschließung und der Gebart der Kinder 
(Dresden), Alter der Mutter bei der Geburt der einzelnen Kinder 
(Dresden und Chemnitz), Alter der unehelichen Mutter bei der Ge¬ 
burt der Kinder (Dresden), die Reihenfolge der beiden Geschlechter 
bei den Geborenen (Dresden), Alter der Eltern zur Zeit der Geburt 
des 3. usw. Knaben, Mädchens (Dresden), Religionsbekenntnisse der 
Eltern bei ehelich Geborenen (Dresden, Leipzig, Chemnitz), Zeitdauer 
zwischen der Geburt der Kinder eines Ehepaares oder einer unehe¬ 
lichen Mutter (Dresden, Chemnitz), die Stunde der Geburt bei den 
Lebendgeborenen (Chemnitz), ehelich Lebendgeborene mit Unter¬ 
scheidung der Kinder aus erster und aus späteren Ehen (Chemnitz) — 
geht die Reichhaltigkeit des Gebotenen hervor. Diese Tabellen ent¬ 
halten die absoluten Zahlen; einige weitere die Relativzahlen. Von 
diesen letzteren bringen wir auf Seite 111 und 112 zwei zum Ab¬ 
druck, die die Zeitdauer zwischen der letzten und der vorher¬ 
gegangenen Geburt angeben. 

F. Kriegei. 


Statistisches Jahrbuch für die Stadt Dresden. Jahrgang 
1903. Herausgegeben vom Statistischen Amte der Stadt 
Dresden im September 1904. Bearbeitet vom Ratsarchiv 
Dresden, v. Zahn und Jaensch. 227 S. 

Ende des Jahres 1903 betrug die Einwohnerzahl Dresdens mit 
Albertstadt 495400, 239800 männliche, 255600 weibliche Personen. 
Im Laufe dieses Jahres wurden 4143 Ehen gegenüber 3536 im Vor¬ 
jahre geschlossen. Geboren wurden 8280 Knaben (6861 im Jahre 
1902) und 7747 (6312) Mädchen, davon waren uuehelich geboren 1430(1397) 
Knaben, 1294 (1277) Mädchen. Totgeboren wurden 342 (257) Knaben, 
262 (204) Mädchen, davon unehelich 65 (59) Knaben, 55 (62) Mädchen. 
Sterbefalle (ohne Totgeburten) wurden gezählt 4456 (3545) männ¬ 
liche, 4114 (3333) weibliche, darunter waren 1631 (1166) Kinder 
männlichen und 1331 (934) Kinder weiblichen Geschlechts unter 1 Jahr. 
Auf 1000 der mittleren Einwohnerzahl trafen 8,43 (8,75) Ehe¬ 
schließungen, 32,60 (32,61) Geburten, einschließlich Totgeburten, 5,54 
(6.621 uneheliche Geburten, ebenfalls mit Einbeziehung der Totge¬ 
burten, 1,23 (1,14) Totgeburten, 17,43 (17,02) Sterbefälle ohne Tot¬ 
geburten, welche Zahl sich um 6,03 (5,20) vermindert, wenn man die 
im ersten Lebensjahre Gestorbenen (ohne Totgeburten) in Abzug 
bringt Sowohl die Eheschließungsziffer wie die uneheliche Geburten¬ 
ziffer sind die seit 1873 niedrigsten Ziffern. Von den im Zeitraum 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 8 


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114 


D. Referate. 


von 1899 bis 1903 lebendgeborenen 67520 Kindern versterben im 
ersten Lebensjahre wieder 12910 Kinder, d. h. 19,1 Proz. Von diesen 
12910 Kindern, 7176 männlichen, 5733 weiblichen Geschlechts, 10336 
ehelicher, 2570 unehelicher Geburt waren 1063 Brust- und 11847 
Flaschenkinder. Der Prozentanteil der mit der Flasche ernährten 
Kinder belief sich also auf 91,77! Von den hierunter an akuten 
Darmkrankheiten gestorbenen Kindern waren 164 mit Brust, 3796 
mit der Flasche ernährt, d. h. 15,43 Proz. der mit Brust ernährten, 
gegenüber 32,06 Proz. der mit der Flasche ernährten im ersten Lebens¬ 
jahre gestorbenen überhaupt. — Wie alljährlich, so ist auch diesmal 
wieder dem Jahrbuch eine von Georg Beutler verfaßte Chronik 
der Stadt Dresden für das Jahr 1903 beigegeben. 

F. Krieget. 


Bericht über den Zivilstand, die Todesursachen und die 
ansteckenden Krankheiten im, Jahre 1902. Stati¬ 
stische Mitteilungen des Kantons Basel-Stadt 61 S. Basel. 
K Beck. (1,50 M.) 

Die große Sorgfalt, mit welcher die Todesursachen in der ganzen 
Schweiz erhoben werden, zeigt sich auch in diesem Bericht. Die Zahl 
der Sterbefälle war 1669, davon kamen auf Ortsfremde 144; abge¬ 
sehen von den am 1. Lebenstage gestorbenen Kindern ist bei allen 
die Todesursache ärztlich beglaubigt; bei 34 Proz. der Sterbefälle 
wurde die Autopsie vorgenommen. An Alkoholismus oder unter Mit¬ 
wirkung desselben starben von je 100 Gestorbenen im Alter von 


30—40 Jahren . . . . 

.... 18,7 Prozent 

40- 50 „ _ 

.... 24,2 „ 

50—60 „ . . . . 

.... 16,3 „ 

60—70 „ _ 

.... 11,5 „ 

70—80 „ .... 

• • • • ^4 » 

zusammen. 

. . . . 13,3 „ 


Diese Zahlen sind nach Ansicht des Berichterstatters (Lotz) nicht 
vollständig. Das Auftreten der epidemischen Krankheiten wird ein¬ 
gehend besprochen. 

F. Prt nxing. 

Körösy, J. v., Die Sterblichkeit der Haupt - und Residenzstadt Buda¬ 
pest in den Jahren 1896—1900 und deren Ursachen. Budapest 
und Berlin. Puttkammer und Mühlbrecht. 206 S. (4,00 M.) 

Den ähnlichen Veröffentlichungen des kommunalstatistischen Amts 
der Stadt Budapest schließt sich die vorliegende an, nur mit dem 
Unterschied, daß wegen Ueberlastung des Amts kein begleitender 


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II. Bevölkerungsstatistik und Mortalität. 


115 


Text beigegeben ist Um die Berechnong von Verhältniszahlen zu 
ermöglichen, sind die entsprechenden Bevölkerungszahlen für 1896 
bis 1900 berechnet; die zur Berechnung der Säuglingssterblichkeit 
nötigen Zahlen der Geborenen finden sich im Budapester statistischen 
Jahrbuch. Aus dem reichen Inhalt des Heftes führen wir die folgenden 
Tabellen an: Sterbefälle nach Altersjahren, Sterbemonat und Wohn¬ 
bezirk, Art der Unfälle, Todesursachen (sehr spezifiziert) nach Monaten, 
Wohnbezirken, Altersgruppen, Konfession, Beruf, Wohlstand und Wohn¬ 
verhältnissen der Gestorbenen. Die Sterbefälle der Säuglinge, die 
Totgeburten und Fehlgeburten werden eingehend behandelt. 

F, Frinzing. 


Körösy, J. v., Die Sterblichkeit der Haupt- und Residenzstadt Buda¬ 
pest und deren Ursachen. 1902. Budapest und Berlin. Putt 
kammer iind Mühlbrecht. 67 S. (1,00 M.) 


Seit dem Jahre 1901 werden die Ausweise über die Sterbefälle 
und Todesursachen in Budapest jährlich veröffentlicht. Das Heft für 
1902 ist noch reichhaltiger als das vorhergehende, die Zahl der Tabellen 
ist größer und ihr Inhalt zum Teil reicher. Jedem Heft sind die 
entsprechenden Ziffern der Volkszählung für 1901 beigegeben; es 
wäre sehr erwünscht, wenn auch die Zahl der Geborenen, die zur 
Berechnung der Kindersterblichkeit nötig ist, in die Hefte aufgenommen 
würde. „ 

F. Frinzing. 


Statistisches Jahrbuch der Haupt- und Residenzstadt 
Budapest. V. Jahrgang. 1902. Redigiert von G. Thirring, 
Vizedirektor des Kommunalstatistischen Bureaus. Budapest. 
Kommunalstatistisches Bureau. Kommissionsverlag von Putt¬ 
kammer und Müblbrecht. Berlin. XX. 300 S. (6,00 Kr.) 

Der vorliegende fünfte Band des Jahrbuchs weist dasselbe Er¬ 
scheinungsjahr auf wie der die Jahre 1899 bis 1901 umfassende vierte 
Band. Dieser Umstand deutet einen erfreulichen Fortschritt im Tempo 
der Veröffentlichungen an. Das Jahrbuch zeigt formell wie inhaltlich 
einige Änderungen. So ist zwecks eingehenderer Bearbeitung dem 
Zahlenmaterial für das Berichtsjahr ein größerer Platz eingeräumt 
als bisher; dagegen haben die retrospektiven Tabellen eine Ein¬ 
schränkung erfahren. Besonders ausführlich behandelt ist Stand und 
Tätigkeit der kommunalen Anstalten, wie Spitäler, Schulen, Markt¬ 
hallen, Schlachthäuser usf., über deren finanzielle Verhältnisse eben¬ 
falls Aufschluß gegeben wird. 

Die Bevölkerungsziffer belief sich im Jahre 1900 auf 734165 und 
hat sich seit 1880, wo sie 370767 betrug, verdoppelt. Im Jahre 1902 
wurden 6420 Ehen geschlossen bei einer Eheschließungsziffer von 

8 * 


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116 


D. Referate. 


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8,4, dem niedrigsten Stand derselben seit 1893. Geboren wurden 
23755 Kinder, davon lebendgeboren in der Ehe 8608 Knaben, 8114 
Mädchen, außerehelich 3223 Knaben, 3109 Mädchen, totgeboren in 
der Ehe 237 Knaben, 212 Mädchen, unehelich 138 Knaben, 114 Mäd¬ 
chen. Die Zahl der gemeldeten Fehlgeburten — die Anmeldung er¬ 
streckt sich nur auf solche Fälle, bei denen ärztliche oder geburts¬ 
hilfliche Mitwirkung in Anspruch genommen wird, gibt also nur 
Minimalwerte — betrug 2429, 842 eheliche Knaben, 962 eheliche 
Mädchen, 288 uneheliche Knaben, 337 uneheliche Mädchen. Es starben 
14732 Personen, 7769 männliche, 6963 weibliche. Unter den Ver¬ 
storbenen waren Kinder unter 1 Jahr 3439, d. h. 23,3 Proz. aller 
Gestorbenen. Die häufigsten Todesursachen waren Lungentuberkulose 
in 2595 Fällen, und Darmkatarrh in 1122 Fällen. — Die Tätigkeit der 
kommunalen Sanitätsbehörden in bezug auf sanitätspolizeiliche Unter¬ 
suchung der Wohnungen erstreckte sich im Jahre 1902 auf 16551 
Visitationen. 14639 Fälle gaben keinen Anlaß zur Beanstandung, in 
1404 Fällen wurde Reinigung und Desinfektion, in 276 Fällen Um¬ 
gestaltung, in 111 Fällen Leerung der Wohnung, in 121 Fällen Unter¬ 
sagung der Vermietung angeordnet. Budapest hatte 1902 42 Kranken¬ 
häuser mit 9088 Betten, in denen 84936 Kranke gepflegt wurden. 
Die Anzahl der Verpflegungstage belief sich auf 2743665, d. h. 32.3 
auf 1 Kranken. 

F. Kriegei. 


Statistisch Jaarboek der Gemeente Amsterdam, uitgegeven 
door het Bureau van Statistiek der Gemeente. 7 e Jaargang 
1901 en 1902. Twede Helft. Amsterdam 1903. Joh. Müller 
in commiss. XXVII. 272 S. (1,90 F.) 

Das vorliegende Jahrbuch schließt sich inhaltlich in der Haupt¬ 
sache seinen Vorgängern an. Die einzelnen Abschnitte behandeln 
das öffentliche und private Unterrichtswesen, das städtische Finanz¬ 
wesen, das Verkehrswesen, Handel, Industrie und Ackerbau, Wasser¬ 
leitung und Beleuchtung, öffentliche Sicherheit, Justiz, Gefängnis¬ 
wesen und Wahlstatistik. Dem Abschnitt Industrie und Landwirt¬ 
schaft entnehmen wir eine Tabelle, die die Zahlen der in den Jahren 
1898—1902 zur Kenntnis der städtischen Behörde gelangten Arbeits¬ 
unfälle nach ihrer Verteilung auf die einzelnen Berufe angibt: 



1898 

1899 

1900 

1901 

1908 

Eisen- und Maschinenfabrikation 

233 

213 

205 

281 

282 

Schiffsbau 

169 

190 

155 

145 

220 

Baugewerbe 

123 ; 

125 

207 

228 

316 

Holzindustrie 1 

26 

29 

24 

36 

42 


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in. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


117 



1898 

1899 

1900 

1901 

1902 

Zuckerraffinerie 

30 

55 

74 

136 

139 

Stein- and Bachdrnckerei 

18 

19 

14 

20 

29 

Bierbrauerei 

18 

25 

32 

27 

23 

Gasfabrikation 

22 

33 

47 

80 

167 

Chemische Produkte ! 

7 

7 

4 

8 

8 

Wachskerzenfabrikation 

5 

12 

4 

6 

8 

Übrige Fabrikation 

33 

35 

25 

32 

31 

Fensterreinigung 

7 

7 

5 

3 

40 

Städtische Reinigung 

33 

35 

17 

9 

54 

Anderes 


29 

25 

21 

21 

Im ganzen 






Männliche Personen 

810 

963 

1000 

1027 

1370 

Weibliche Personen 

4 

6 

i 

5 

5 

10 


F. Kriegel. 


Statistiek der Bevolking van Amsterdam en eenige voor- 
name steden der wereld in de jaren 1899 — 1903 . 
Statistische Mededeelingen uitgegeven door het Bureau van 
Statistiek der Gemeente Amsterdam. Nr. 11. Amsterdam. 
J. Müller in commiss. 49 S. (0,30 F.) 

Das Heft enthält eine kurze Registrierung der Geburts- und 
Sterbefalle und der Eheschließungen in absoluten und relativen Zahlen 
für die einzelnen Wochen des Jahres 1903 und, wie alljährlich, eine 
vergleichende Betrachtung der Bevölkerungsbewegung einer Reihe 
größerer Städte in den Jahren 1899—1903. Ehen, Geburten und 
Sterbefalle sowie einzelne Todesursachen, Scharlach, Croup und Di¬ 
phtherie, Keuchhusten, Typhus, Lungentuberkulose, Puerperalfieber, 
Krebs sind in den Kreis der Betrachtung gezogen worden. Prüfen wir 
die die Tuberkulosemortalität behandelnde Tabelle, so fallen auf die 
für 1903 auf 100000 Einwohner berechneten hohen Sterbeziffern an 
Lungentuberkulose der Städte Havre 490,8 (eine Stadt, in der im 
Jahre 1903 21,1 Proz. aller Todesfälle, 639 von 3017, auf Konto der 
Tuberkulose zu setzen war), Rouen 451,4 (16,1 Proz.: 525 von 3251), 
Triest 391,8 (15,2 Proz.: 725 von 4777), Paris 390,3 (22,2 Proz.: 10357 
von 46537!), Lyon 372,0 (19,1 Proz.: 1708 von 8913), Athen 358,1 
(13,1 Proz.: 437 von 3330), Budapest 346,1 (18,1 Proz.: 2736 von 
15059), Bern 326,9 (14,8 Proz.: 221 von 1485). Klein dagegen sind 
diese Sterbeziffern in Ravenna 106,2 (5,8 Proz.: 70 von 1199), Pa¬ 
lermo 117,2 (5,3 Proz.: 372 von 6965), Antwerpen 129,0 (8,6 Proz.: 
377 von 4346) und in den holländischen Städten Utrecht 109,5 
(6,9 Proz.: 120 von 1738), Rotterdam 129,5 (8,2 Proz.: 457 von 5517) 


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118 


D. Referate. 


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und Haag 127,8 (9,1 Proz.: 289 von 3155). 24 in der Tabelle ver- 
zeichnete deutsche Städte wiesen 1903 und in den vorhergehenden 
Jahren die folgenden Sterbeziffern an Lungentuberkulose, auf 100 000 
Einwohner berechnet, auf: 


Stadt 

1903 

1902 

1901 

1900 

1899 

Sterbe¬ 

falle 

im Jahre 
1903 

Davon an 
Tuber¬ 
kulose 

Prozent 

aller 

Sterbe¬ 

fälle 

Breslau 

304,3 

310,9 

1 335,8 

340,3 

309,4 

10 431 

1336 

12,8 

Nürnberg 

278,5 

237,8 

268,8 

297,2 

363,6 

6078 

747 

12,2 

München 

254,8 

272,5 

273,8 

324,7 

299,3 

10876 

1312 

12,0 

Mainz 

239,0 

267,6 

282,9 

301,0 

238,6 

1642 

211 

12.8 

Mannheim 

227,1 

249,7 

252,8 

262,1 

247,5 

3153 

336 

10,6 

Frankfurt a. M. 

225,0 

216,3 

222,8 

277,4 

252,1 

5188 

693 

13,3 

Dresden 

216,2 

228,3 

233,7 

239,6 

126,2 

8570 

1063 

12,4 

Görlitz 

212,2 

168,7 

214,9 

— 

— 

1664 

174 

10,4 

Straßburg i. E. 

211,6 

221,3 

247,3 

233,7 

214,8 

3 220 

337 

10,4 

Elberfeld 

204,2 

187,4 

185,2 

182,2 

210,0 

2 913 

331 

11,4 

Darmstadt 

201,5 

! 193,1 

! 152,1 

178,2 

188,8 

1310 

155 

11,8 

Leipzig 

200,8 1 199,0 

| 204,8 

233,4 

255,9 

8662 

974 

11,2 

Köln 

194,9 

201,4 

207,7 

240,4 

218,5 

7 849 

779 

9,9 

Berlin 

193,1 

204,1 

218,8 

233,1 

219,4 

31879 

3731 

11,7 

Essen 

188,4 

— 

185,9 

214,9 

216,1 

3617 

343 

9,4 

Chemnitz 

167,3 

171,3 

184,7 

215,7 

207,4 

4 603 

363 

7,8 

Königsberg i. Pr. 

163,3 

| 156,2 

193,5 

189,2 

177,3 

4394 

316 

7.1 

Stuttgart 

163,1 

! - 

152,3 

203,3 

124,3 

3314 

313 

9,4 

Plauen i. V. 

158,8 

144,2 

158,2 

203,0 

169,4 

1607 

143 

8,9 

Altona 

156,6 

166,3 

! 188,0 

200,1 

207,1 

2905 

282 

9,7 

Magdeburg 

147,1 

142,9 : 

135,8 

158,0 

190,5 

-4166 

236 

5,6 

Düsseldorf 

139,2 

141,4 

158,2 

204,2 

197,4 

3987 

• 321 

7,7 

Charlottenburg 

128,4 

143,91 

121,4 

122,8 

162,1 

2 793 

260 

9,3 

Kiel 

110,0 

_ J 

182,0 

180,2 

135,5 

2176 j 

153 

7,0 


F. Kriegei. 


IH. 

Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 

Böhm, F., Beiträge zur Morbiditätsstatistik Bayerns. Sonderabdruck 
aus dem Beilagenheft zur Zeitschrift des Königlich bayrischen 
Statistischen Bureaus. Jahrgang 1904. 49 S. 

Böhm’s „Beiträge“ werden seit 10 Jahren in der Zeitschrift 
des bayrischen Statistischen Bureaus aufgenommen; das vorliegende 
Heft umfaßt die Ergebnisse der 10 Jahre 1894—1903. Die Mit- 


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HI. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


119 


Arbeiterschaft der Ärzte war nur eine freiwillige; infolge von Differenzen 
verschiedener Art hat ein Teil der Ärzte diese verwigert und eine 
Fortsetzung des Unternehmens ist daher nicht mehr möglich. Die 
.Ziffern beziehen sich auf 19 Infektionskrankheiten und werden für 
die einzelnen Jahre nach kleinen Gebietsteilen, für die Gesamtheit 
der Jahre auch nach Monaten mitgeteilt 

F. Prlnzlng. 


Fachmann, Eine „Gebrechenstatistik “ für das Deutsche Reich. Sonder¬ 
abdruck aus der Zeitschrift für Medizinal beamte. Band XVII. 
Heft 5. 9 S. 

Der Verfasser fordert eine Zählung der verkrüppelten, siechen 
und chronisch erkrankten Individuen, die sich entweder auf das 
ganze Reich oder auf bestimmte, charakteristische Landschaften er¬ 
strecken soll. Er wünscht diese Erhebung nicht im Anschluß an die 
allgemeine Volkszählung, sondern als besondere, von den Ärzten 
durchzuführende Veranstaltung. 

A. Grotjahn. 


Hueppe, F., Allgemeine Betrachtungen über die Entstehung der In¬ 
fektionskrankheiten. 

Derselbe, Hygiene und Serumforschung. 

Derselbe, Die Tuberkulose. Sonderabdrücke aus Archiv für Rassen- 
und Gesellschafts-Biologie. I. Jahrgang. Heft 2, 3 und 4. 

Hueppe hielt im Jahre 1903 am Kings-Kolleg in London drei 
Harbenlektionen, deren Inhalt den Gegenstand der obigen Veröffent¬ 
lichung bildet. Im ersten Vortrag schildert H u e p p e die Gegensätze, 
welche entstehen, je nachdem die Infektionskrankheiten einseitig vom 
Standpunkt des Bakteriologen oder des Pathologen untersucht werden, 
Gegensätze, welche schließlich in den Worten von Rosenbach „Arzt 
contra Bakteriologe“ ihre Kennzeichnung fanden. Den Gegensatz 
löst einfach die von Hueppe zuerst ins Auge gefaßte energetische 
Auffassung, nach welcher die Infektionskrankheiten Vorgänge sind, 
bei denen die pathogenen Mikroorganismen als Reize in dem empfäng¬ 
lichen (prädisponierten) Organismus die Krankheit auslösen. Die 
Krankheit läßt sich definieren als eine Funktion des veränderlichen 
Reizes und der veränderlichen äußerlichen Bedingungen. Zu ihrer 
Erklärung müßten sämtliche an sich verschiedene Methoden der 
Medizin und Hygiene herangezogen werden und der praktische Kampf 
müsse durch die wissenschaftliche Betrachtungsweise ergänzt werden. 


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120 


D. Referate. 


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Im zweiten Vortrag gibt Hueppe eine historische Darstellung 
der Entwicklung der Lehre von der Immunität, die ihren Ausgangs¬ 
punkt von der Entdeckung der bakterientötenden Wirkung des Blut¬ 
serums nahm. Er schildert ausführlich die natürliche Widerstands¬ 
fähigkeit und die erworbene Immunität, referiert die Ehrl ich’sehe 
Theorie und kommt auf Grund eigener Forschungen zu der Annahme, 
daß die spezifischen Bakterienstoffe nur den Reiz abgäben, um die 
von den Zellen des Körpers selbst gelieferten antitoxischen und bak¬ 
teriziden Stoffe in einem gegenüber dem Tiere nur quantitativ ge¬ 
steigerten Maße zu erzeugen. 

Im dritten Vortrag schildert Hueppe den gegenwärtigen Stand 
der Lehre vom Tuberkelbazillus und seinen Beziehungen zur Tuber¬ 
kulose. Er führt die Tatsachen an, welche gegen die Koch’sehe 
Theorie von der Dualität der Menschen- und Säugetierbazillen 
sprechen, und beruft sich auf eigene Versuche, welche die Variabili¬ 
tät dieser Bazillen dartun. Die Infektionen vom Darmkanal dürften 
nicht unterschätzt werden. Die Bazillen selbst werden nicht vererbt, 
wohl aber ist eine spezifische ererbte Organdisposition möglich. Will 
man die Tuberkulose bekämpfen, so muß man nicht bloß die Bazillen, 
sondern auch die Prädisposition berücksichtigen. Ob eine spezifische 
Immunisierung gegen die menschliche Tuberkulose möglich ist, läßt 
sich heute noch nicht sagen, eher ist eine solche gegen die Rinder¬ 
tuberkulose denkbar. 

A. Gottstein. 


Spring fehl, Die Ruhrseuche im Regierungsbezirk Arnsberg. Separat- 
abdruck aus: „Klinisches Jahrbuch“. Band XII. Jena. 
G. Fischer. Mit einer Kurventabelle. 30 S. (1,20 M.) 

Springfeld unterwarf die behandelte Krankheit in seinem 
Bezirk einer eingehenden historischen und epidemiologischen Unter¬ 
suchung mit wertvollen Ergebnissen. Danach ist die Krankheit seit 
fast einem Jahrhundert im Regierungsbezirk endemisch mit etwa 
10jährigen Steigerungen und Abnahmen, die von den Bekämpfungs¬ 
maßregeln unabhängig sind. Die Intensität ist am stärksten im Spät¬ 
sommer, doch verschwindet die Krankheit im Winter nicht völlig. 
Es kommen Einzelfälle vor, die meistens die Häuser von Bergleuten 
betreffen und von denen im nächsten Jahre die Epidemie von neuem 
ausgeht und sich ausbreitet. Offenbar hält sich das Kontagium in 
vereinzelten Keimen über Winter und zwar gelegentlich im Darm 
selbst, wahrscheinlich auch in höher temperierten Gruben und ähn¬ 
lichen Stätten. Die Verbreitung erfolgt niemals durch Leitungs¬ 
oder Brunnenwasser, sondern in der Regel durch direkte oder in¬ 
direkte Ansteckung von Erkrankten aus, wobei keine Altersdisposition 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


121 


zn beobachten ist. Die Hauptherde der Krankheit sind der Nordteil 
des Kreises Bochum und der Kreis Gelsenkirchen. Die Massen¬ 
erkrankungen im Spätsommer sind die Folge einmal der Vermehrung 
der Krankheitserreger durch die Sommerwärme und dann der im 
Hochsommer gesteigerten Ansteckungsbedingungen durch den leb¬ 
hafteren Straßen- und Menschenverkehr in dieser Jahreszeit 

A. Gottstein . 


Hueppe, F. f Zur Sozialhygiene der Tuberkulose. Nach einem in der 
allgemeinen Sitzung des englischen Hygienekongresses in 
Folkestone am 25. Juli 1904 gehaltenen Vortrage. Wien und 
Leipzig. W. ßraumüller. 26 S. 

Im Gegensatz zu einer rein biologisch-hygienischen Auffassung 
des Tuberkelbazillus trägt hier Hueppe in ganz vorzüglicher Weise 
alle Gesichtspunkte zusammen, welche sich nach sozial-hygienischer 
Richtung aus der Betrachtung des Tuberkelbazillus ergeben. Er 
schildert das statistische Verhalten der Lungenschwindsucht in Eu¬ 
ropa, besonders in England und Deutschland, den Zusammenhang der 
Verbreitung mit Wohnungsdichtigkeit und industrieller Entwicklung 
und kommt zu dem Schluß, daß das verschiedene Auftreten nicht 
bloß vom Bazillus, sondern außerdem noch von äußeren und inneren 
disponierenden Momenten abhängig sein muß. Für die Entstehung 
der Krankheit ist also die Infektion allein nicht maßgebend. Im 
übrigen besteht, wie auch von anderer Seite, namentlich von Ascher 
nachgewiesen ist, neben der Abnahme der chronischen Lungenschwind¬ 
sucht eine Zunahme der akuten infektiösen Lungenerkrankungen, was 
wohl mit dem Übergange zur Industrie zusammenhängt. Der Kampf 
gegen die Bazillen ist leicht, der Kampf gegen die äußeren Be¬ 
dingungen hat z. B. die Beseitigung des Staubes ins Auge zu fassen. 
Der Kampf gegen die Krankheitsanlage ist nicht bloß identisch mit 
der Wohnungsfrage, obgleich diese die wichtigste ist. Auch die 
Frage der Kinderernährung mit Milch ist nicht belanglos. Der 
Kampf gegen die Tuberkulose ist teuer und langwierig, aber er muß 
geführt werden, weil sonst die Entartung unserer Rasse durch das 
Stadtleben droht. 

A. Gottstein. 

Cornet, Die Entstehung der Tuberhulose mit besonderer Berücksichtigung 
der von Behring'schen Lehre. Sonderdruck aus der Münchener 
medizinischen Wochenschrift. Nr. 11. 20 S. 

Die wunderliche Hypothese Behring’s von der Entstehung der 
Lungentuberkulose infolge einer im frühesten Kindesalter stattfindenden 


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122 


D. Referate. 


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Infektion unterwirft Com et hier an der Hand der preußischen Todes¬ 
ursachenstatistik einer vernichtenden Kritik. Das muß auch aner¬ 
kennen, wer im übrigen sich den einseitigen Anschauungen Cor ne t’s 
über die Lungentuberkulose nicht anschließen kann. 

Auf 10000 Lebende der betreffenden Altersklasse sind nämlich 
an Tuberkulose in Preußen gestorben: 


Alter 

männlich 

weiblich 

Alter 

männlich 

i 

weiblich 

Unter 1 Jahr 

26,4 

22.94 

25—30 Jahre 

36,62 

32,82 

1—2 Jahre 

20,89 

20,85 

30-40 „ 

43,54 

37,54 

2-3 „ 

12.45 

13,54 

40-50 „ 

54,70 

! 38.10 

3-5 „ 

i 6,87 

7,95 

50-60 „ 

75,88 

! 49,52 

5-10 „ 

4,52 

6,00 

60—70 ., 

99,65 

| 68,33 

10—15 „ 

4,89 

8,93 

70—80 „ 

69,30 

45,69 

15—20 „ 

17,63 

19,80 

über 80 ,. 

26,21 

19.69 

20-25 „ 

32,32 

; 

25,34 


i 

i 

1 


Daß diese Tabelle sich durch die Behring’sehe Hypothese nicht 
erklären läßt, ist allerdings richtig. Ob aber die Deutung Comet’s. 
der ausschließlich die Inhalationstheorie vertritt, erschöpfend ist, ist 
ebenfalls fraglich; sie lautet folgendermaßen: 

„Im ersten Lebensjahre, wo das Kind die engsten und fast 
einzigen Beziehungen zu den Eltern und namentlich zur Mutter hat, 
wo die Infektion am häufigsten von dieser Seite droht, entspricht die 
Tuberkulosemortalität jener der geburtsfähigen Frauen. Schon im 
zweiten Lebensjahre, wenn das Kind zu laufen beginnt, lockern sich 
die nahen Beziehungen zur tuberkulösen Mutter, die Tuberkulose¬ 
frequenz sinkt — noch mehr im 3. bis 5. Jahre, wobei sich auch 
schon eine Geschlechtsdifferenz geltend macht, dahin, daß die zarteren 
Mädchen, die mehr an den Mutterschoß sich schmiegen als die leb¬ 
hafteren Knaben, diese an Infektions gelegen heit und also auch 
an Tuberkulosesterblichkeit übertreffen. Noch mehr ist dies der 
Fall vom 5. bis 10. und namentlich vom 10. bis 15. Jahre entsprechend 
der zunehmenden Bewegungsfreiheit der Knaben auf der Straße usw. 
gegenüber den mehr an Haus und Familie gefesselten Mädchen. 
Sobald aber im 15. bis 20. Jahre die Erwerbstätigkeit, das 
engere Zusammensein mit Erwachsenen und darunter Tuberkulösen 
beginnt, steigt die Tuberkulosemortalität und der Unterschied zwischen 
den Geschlechtern verwischt sich. Vom 20. Jahre an übertrifft die 
Tuberkulose des männlichen Geschlechts die des weiblichen und steigt 
entsprechend der zunehmenden Erwerbstätigkeit, der zunehmenden 
Infektionsgelegenheiten immer höher, wobei durch den in diesen Jahren 
schon langsameren Verlauf auch allmählich eine AdmassierungstattfindeL 


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UI. Morbidität, Prophylaxe and Kr&nkenfürsorge. 


123 


Die Frauen sind am Erwerbsleben und namentlich an den durch 
Stanbbildnng gefährlichsten Berufsarten (Metallschleifer usw.) weniger 
beteiligt, ihr Verkehrskreis ist weit enger gezogen, sie bleiben daher 
auch weit hinter den Männern zurück, die für sie oft die einzige In¬ 
fektionsquelle bilden. Mit dem 60. bis 70. Jahre nimmt die Erwerbs¬ 
tätigkeit und damit das Zusammensein mit vielen Personen, also auch 
mit Tuberkulösen, ab. Die Tuberkulosemortalität bleibt zwar in den 
ersten Jahren dieses Dezenniums noch auf der Höhe, bis die aus den 
vorigen Altersklassen zahlreich Infizierten abgestorben sind; aber 
vom 70. Jahre, wo es um den einzelnen einsamer wird, sinkt sie 
immer mehr, bis sie im 80., wenn der betreffende mehr an das Heim 
gefesselt ist, wieder bis zur Frequenz der 20jährigen Frauen und 
der einjährigen Kinder fällt.“ 

Zwangsloser erklärt sich die Tabelle denn doch, wenn man an¬ 
nimmt, daß die Tuberkulose zwar eine Infektionskrankheit ist, aber 
vorwiegend die Individuen befällt, die eine schwache Konstitution 
erblich überkommen oder erworben haben. Die verschiedene Sterb¬ 
lichkeit in den einzelnen Lebensaltern würde sich dann dadurch er¬ 
klären, daß die zarte Kindheit bedrohter ist als die Zeit von 3—15 
Jahren, daß dann mit zunehmendem Alter auch die konstitutionelle 
Widerstandskraft mehr und mehr schwindet, bis nach dem 70. Lebens¬ 
jahre wieder die Sterblichkeit sinkt, da nur konstitutionell kräftige 
Individuen das biblische Alter überschreiten. 

A. Grotjahn. 


Baumgarten , P., Die Bekämpfung der Tuberkulose. Rede, gehalten 
am 27. Januar 1904. Leipzig. Hirzel. 28 S. (1,00 M.) 

Für Baum garten ist die Bekämpfung der Tuberkulose identisch 
mit der Bekämpfung des Bazillus. Diesen im Kranken selbst zu be¬ 
kämpfen, hat man durch Heilstätten versucht. Die Tuberkulinkur 
habe Bedenken hervorgerufen. Es bleibe also nur die indirekte Be¬ 
kämpfung durch Vernichtung des ausgestreuten Bazillus. Baum- 
garten vertritt hier seine Lehre von der erblichen Übertragung und 
der jahrelangen Latenz des Krankheitskeimes. Er verwirft die 
Deutung der erblichen Übertragung und des Bestehens einer spezi¬ 
fischen Prädisposition und erklärt den Kampf gegen diese als einen 
Kampf gegen Windmühlenflügel. Er stellt sich auf den Standpunkt 
von Koch von der Dualität der Menschen- und Säugetierbazillen, 
ohne auf die bisherigen Schutzmaßregeln gegen die Übertragung der 
Bazillen der Rindertuberkulose auf den Menschen verzichten zu wollen. 
Er bekämpft die Behring’sche, unitarische Lehre, hofft jedoch, 
daß als das Ergebnis der neueren Forschungen ein brauchbares Immu¬ 
nisierungsverfahren hervorgehen werde. Die Heilstätten kommen zu 


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D. Referate. 


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spät, um die Infektion zu verhüten, aber nicht zu spät, um den 
Heilungsprozeß zu fördern und die Gebesserten hygienisch zu erziehen. 
Darum müßten sie unterstützt werden. 

A. Gottstein. 


Brauer, L., Der Einfluß der Krankenversorgung auf die Bekämpfung 
der Tuberkulose als Volkskrankheit. Sonderabdruck aus deu 
Beiträgen zur Klinik der Tuberkulose. II. 2. Würzburg. 
Stuber’s Verlag. 12 S. 

Ludolph Brauer zeichnet sich unter den Tuberkuloseforschern 
unserer Tage dadurch aus, daß er nicht mit einem ätiologischen Vor¬ 
urteil an die zahlreichen Probleme, die uns die Bekämpfung der 
Lungenschwindsucht aufgibt, herantritt. Gerade weil Brauer durch 
sorgfältige Arbeiten gezeigt hat, daß er einerseits das soziale, anderer¬ 
seits das konstitutionelle Moment bei der Entstehung der Phthise 
wohl zu würdigen weiß, macht es großen Eindruck, wenn er in der 
vorliegenden Arbeit zu dem Schlüsse kommt, daß die Bekämpfung der 
Tuberkulose doch am wirksamsten bei den Infektionsquellen, 
nämlich den fortgeschrittenen Fällen, einzusetzen habe. Von diesem 
Gesichtspunkte aus übt er eine besonnene Kritik an den jetzigen, 
ganz auf die Frühtuberkulose eingestellten Heilstätten und schlägt vor, 
die Heilstättenbewegung durch eine Heimstättenbewegung zwecks 
Unterbringung der so überaus infektiösen Phthisiker im vorgeschrittenen 
Krankheitsstadium zu ergänzen. 

A. Oroijahtu 


Brauer, X., Anseigerecht, Anseigepflicht und Morbiditätsstatistik der 
Tuberkulose. Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. Band 2. 
Heft 2. 

In Baden besteht für die Ärzte die Anzeigepflicht, in anderen 
Ländern wird sie erstrebt. Der Verordnung und Ausführung haften 
mancherlei Mängel an. Von deren Ergebnissen hängt die Frage nach 
dem Umfang und der Art der Abwehrmaßregeln ab. Wegen dieser 
Mängel bedarf die Erhebungsmethode einer Ergänzung, deren sich der 
Verfasser unterzog, indem er in drei badischen Amtsbezirken eine 
genauere Auszählung der lebenden Tuberkulösen unter Mitwirkung 
beamteter und anderer Ärzte veranlaßte. Das Ergebnis der Tabellen 
verarbeitete er nach Altersklassen, wobei sich ein vollgültiger Beweis 
für die Existenz einer Altersdisposition zur Tuberkulose ergab. Die 
Entstehung der Krankheit ist überwiegend in das dritte Lebens¬ 
dezennium zu verlegen. Die Krankheit ist viel verbreiteter auch auf 
dem Lande, als durch die Ergebnisse einer Anmeldepflicht sich her- 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


125 


aasstellen könnte. Um Klarheit zu erhalten, würde es sich empfehlen, 
in gleicher Weise wie der Verfasser kleinere staatliche Komplexe zu 
durchforschen. 

A. Gottstein. 


Ascher, L., Die Lungenkrankheiten Königsbergs. Vortrag. Nebst An¬ 
lagen und 2 Tafeln. Separatabdrnck aus den Schriften der 
Physikalisch - ökonomischen Gesellschaft. Jahrgang XLV. 
Königsberg. W. Koch in Kommission. 

An dem Material der Krankenkassen Königbergs stellt A. fest, 
daß zwischen Temperaturänderungen und Erkrankungshäufigkeit an 
akaten Lungenleiden ein zeitlicher Zusammenhang besteht. Parallel 
mit der Abnahme der Tuberkulosesterblichkeit ist eine Steigerung 
der Sterblichkeit an nicht tuberkulösen, namentlich akuten Lungen¬ 
erkrankungen in Preußen festzustellen. Diese Zunahme betrifft be¬ 
sonders Kindes- und Greisenalter, und zwar, wie weitere Studien er¬ 
weisen, nicht landwirtschaftliche, sondern vorzugsweise industrielle 
Bezirke. Die einwirkende Schädlichkeit dürfte wohl am ehesten im 
Steinkohlenrauch. gesucht werden. (Ref. muß aber bemerken, daß er¬ 
hebliche Unterschiede der Sterblichkeit in Stadt und Land schon in 
der vorindustriellen Zeit bestanden.) Daneben spielt Beruf, Wohnung 
und Einkommen eine Rolle, so daß eine Bekämpfung der Lungen¬ 
krankheiten ohne Verbesserung der Lage der Arbeiter nicht denkbar 
ist. Zum Schluß hebt A. die Ergebnisse seiner früheren Arbeiten 
hervor, nach denen die scheinbare Abnahme der Tuberkulosesterblich¬ 
keit in Deutschland, die übrigens nur die Lebensalter zwischen 30 und 
60 Jahren betrifft, nicht durch bakteriologisch-hygienische Fortschritte 
positiv errungen, sondern durch Bevölkerungsverschiebungen (Binnen¬ 
wanderungen widerstandsfähiger Elemente vom Lande nach der Stadt) 
vorgetäuscht sei und außerdem durch die in mathematischem Ver¬ 
hältnis gesteigerte Zunahme der Sterblichkeit an anderen Lungen¬ 
krankheiten kompensiert werde. Die Beleuchtung dieser Tatsache 
beweise die Notwendigkeit einer sozialhygienischen Richtung neben 
der bisher mit Vorliebe gepflegten naturwissenschaftlichen Hygiene. 

A. Gottstein. 

Ascher 9 L, Beiträge zur sozialen Hygiene. 2. Sind Erfolge gegen die 
Tuberkulose erzielt worden? Berliner Klinische Wochenschrift. 
XLI. Nr. 17. 

Der Verfasser betont die häufig übersehenen statistischen Fehler¬ 
quellen bei der Tuberkuloseforschung, bei der es unbedingt erforder¬ 
lich ist, die Altersklassen getrennt zu betrachten und die Sterblich- 


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D. Referate. 


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keit an nicht tuberkulösen Lungenerkrankungen mit zu berücksich¬ 
tigen. Dann ergibt sich, daß die Abnahme der Sterbeziffern an 
Tuberkulose durch die Zunahme der akuten Respirationskrankheiten 
ausgeglichen wird. Die Abnahme der Sterbeziffern für beide Krank¬ 
heitsgruppen in den Städten ist eine scheinbare und durch die Zu¬ 
wanderung der widerstandsfähigeren Altersklassen bedingt. Die Ab¬ 
nahme der Tuberkulose hat, da sie früher einsetzt als die Entdeckung 
des Tuberkelbazillus, mit den gegen dessen Vernichtung gerichteten 
Maßnahmen nichts zu tun. Das Todesalter der Tuberkulösen ist in 
steter Abnahme begriffen. Die Zunahme der akuten Lungenkrank¬ 
heiten beruht auf zunehmender Industrialisierung und der dadurch 
hervorgerufenen Verdichtung der Bevölkerung. 

A. Gottstein. 


Hueppe, F; Krankheitserreger und Infektion. Sonderabdruck aus 
Handbuch der Therapie der chronischen Lungenschwindsucht, 
herausgegeben von G. Schröder und F. Blumenfeld. 
Leipzig. A. Barth. 

H. schildert die biologischen Eigenschaften des* Tuberkelbazillus 
in Präparat und Kultur, ihre Variationen, die Beziehungen zwischen 
Geflügel-, menschlicher und Säugetiertuberkulose, die bisher bekannten 
Wege ihrer Ausstreuung und das Verhalten bei der Infektion (künst¬ 
liche und natürliche) in den einzelnen Organen. Entsprechend den 
gestellten Aufgaben enthält der kleine Aufsatz zwar keine neuen 
Tatsachen, besitzt aber die Eigenschaft ähnlicher Arbeiten des Ver¬ 
fassers, die einzelnen Tatsachen als Erscheinungen einer allgemeinen 
Gesetzmäßigkeit zusammenzufassen. 

A. Gottstein. 


Prinzlng, F., Die hohe Tuberkulosesterbtichkeit des weiblichen Geschlechts 
zur Zeit der Entmcklung und der Gebärtätigkeit. Zentralblatt 
für allgemeine Gesundheitspflege. 23. Jahrg. Bonn. S.351—380. 

Die Gefährdung des weiblichen Lebens durch die Tuberkulose in 
den einzelnen Altersjahren folgt anderen Gesetzen als denen, die für 
das männliche Geschlecht gelten. Wegen der großen Neigung zu 
Blutarmut und Chlorose zur Zeit des Schulbesuchs und der Entwicklung 
ist die Tuberkulose in dieser beim weiblichen Geschlecht größer als 
beim männlichen. Es ist dies bei der Ausbildung der Mädchen für 
Berufe, die längere Vorbereitung in der Schule voraussetzen, sehr zu 
beachten; für die Bekämpfung der anämischen Zustände bei Arbeite¬ 
rinnen wird die Gründung von Erholungsheimen empfohlen. Schwanger¬ 
schaft und Wochenbett begünstigen die Entwicklung der Tuberkulose 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


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ungemein; wo die Frauen während dieser Zeit nicht die nötige 
Schonung genießen, werden sie von der Tuberkulose besonders häufig 
befallen; daher kommt es, daß bei den Frauen in den weniger kulti¬ 
vierten Staaten und auf dem Lande die Tuberkulosesterblichkeit auch 
im Alter der Hauptgebärtätigkeit höher ist als beim Mann. 

Autoreferat. 


Prinz in ff, F., Die Verbreitung der Tuberkulose in den europäischen 
Staaten. Zeitschrift für Hygiene und Infektion. 46. Band. 
S. 517—546. 

Die Abhandlung gibt eine Übersicht über die Höhe der Tuber¬ 
kulosesterblichkeit in den europäischen Staaten. Man findet in Europa 
zwei große Gebiete mit niederen Zahlen (Preußen zum Teil, Dänemark, 
Niederlande, England einerseits, Italien andererseits). Im übrigen 
Europa ist die Tuberkulose häufig, so besonders in Spanien und 
Frankreich, ferner im südlichen und westlichen Deutschland, in Öster¬ 
reich, Ungarn und Rußland, anscheinend auch auf der Balkanhalbinsel. 
Die Zuverlässigkeit der Statistik läßt in manchen Staaten zu wünschen 
übrig, wie sich aus der verschiedenen Altersverteilung der Tuberkulose¬ 
sterbefälle ergibt, ungenau sind vor allem die Ziffern der Sterbefälle 
von Tuberkulose anderer Organe, die in den einzelnen Staaten sehr 
verschiedenartig erhoben werden. 

Autoreferat. 


Abbott, S. W., The decrease of consumption in New England. 

Quarterly Publications of the American Statistical Association. 

Band IX. 

Abbott gibt eine Statistik der Schwindsuchtssterblichkeit in 
den 6 Staaten, die Neu-England bilden, eine gemischte ländliche und 
städtische Bevölkerung haben und von denen Massachusetts über ein 
Material von mehr als 50 Jahren verfügt. In den Tabellen und 
Kurven sind vergleichsweise die Zahlen Englands mit herangezogen. 
Danach ist die Sterblichkeit erheblich größer in den dichter be¬ 
völkerten Gegenden. Die Gesamtsterblichkeit hat in den letzten 
50 Jahren in fast gleichmäßigem Abfall um mehr als 15 Proz. ab¬ 
genommen, und zwar bei den Frauen, bei denen sie bis 1890 größer 
war, rapider als bei den Männern. Die Abnahme betrifft zwar alle 
Altersklassen, die älteren aber in höherem Grade als die jüngeren. 

Der Verlauf berechtigt nach Abbott zu optimistischen Aus¬ 
blicken in die nahe Zukunft. 

A . Gottstein, 


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D. Referate. 


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Ergebnisse des von der Landesversicherungsanstalt der 
Hansestädte eingeleiteten Heilverfahrens bei lungen¬ 
kranken Versicherten bis Ende 1903. Hamburg. 
Lütcke und Wulff. 34 S. 

Es handelt sich um 6750 in den Jahren 1893—1903 ab¬ 
geschlossene Fälle, bei denen die Ergebnisse nach der Nomenklatur 
des Reichsgesundheitsamts verzeichnet werden. Zur Prüfung der 
Dauer der erreichten Heilerfolge kamen 4822 Personen hier in Be¬ 
tracht, von denen 972 gestorben waren, während bei 3350 Personen 
Fortdauer der Erwerbsfähigkeit, und zwar bei 770 seit mehr als 
6 Jahren festgestellt werden konnte. Bei 36,8 Proz. der Behandelten 
lag erbliche Belastung durch die Eltern vor (männliche 30,8 Proz.. 
weibliche 46,4 Proz.). Körperliche Veranlagung durch Habitus phthisicus 
zeigten 16,2 Proz. Besonderheiten, wie Komplikationen usw. enthalten 
die Tabellen. 

A. Gottstein. 


Stuertz, Praktische Anleitung zur Organisation von Fürsorgestellen für 
Lungenkranke und deren Familien. Mit einem Vorwort von 
F. Kraus. Mit 1 Tabelle. VI. 118 S. Berlin-Wien. Urban 
und Schwarzenberg. (4,00 M.) 

Während im vorigen Jahrgange über die ersten kleinen Anfänge 
des Fürsorgewesens berichtet werden konnte, zeigt das vorliegende 
Werk, wie eifrig und erfolgreich auf diesem neuen Gebiete der Tuber¬ 
kulosebekämpfung weiter gearbeitet worden ist. Verfasser, der als 
Leiter der Fürsorgestelle vom Roten Kreuz in Berlin über reiche eigene 
Erfahrung verfügt, schildert in den ersten zwei Abschnitten die Ent¬ 
wicklung des Heilstättenwesens und der im Laufe der Jahre hinzu- 
getretenen anderen Abwehreinrichtungen gegen die Tuberkulose, die 
Tageserholungsstätten, Kinderheilstätten, Polikliniken für Lungen¬ 
kranke usw. Einer kurzen Geschichte der Einrichtung der „Dispen¬ 
sair es“ folgt dann die ausführliche Schilderung der z. T. eigenartigen 
Organisationen der Familienfürsorge des Volksheilstätten Vereins vom 
Roten Kreuz, dessen Leiter der Verfasser ist. Das Hauptprinzip ist 
nicht die Meldung des Kranken abzuwarten, sondern systematisch 
die Angehörigen der als lungenkrank der Heilstätte am Grabowsee 
überwiesenen Patienten aufzufinden, sie auf ihren Gesundheitszustand 
zu untersuchen, die schon latent Kranken, deren Zahl überraschend 
groß ist, in sachgemäße Behandlung zu übernehmen, die Fürsorge 
für die noch gesunden aber gefährdeten Kinder einzuleiten und für 
Unterstützung durch Geld, Nahrung, Feuerung usw. zu sorgen. 
Stuertz begründet ausführlich, warum der hier und auch in Char- 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


129 


lottenburg geübte Gebrauch, zur Recherche Schwestern zu verwenden, 
anderen Einrichtungen vorzuziehen ist. 

Weitere Abschnitte schildern die ähnlichen Einrichtungen in 
anderen Städten, besonders in Charlottenburg und Halle, die durch 
Samt er und Putter schon über eine gefestigtere Organisation und 
größere Erfahrungen verfügen; er behandelt weiter die Frage der 
Beschaffung der Mittel durch die verschiedenen in Betracht kommen¬ 
den Institute. Zuletzt behandelt Stuertz drei wichtige Fragen, 
deren weitere Ausgestaltung Aufgaben der Zukunft sind, die Regelung 
der Anmeldepflicht, die Wohnungsfürsorge und die pflichtmäßige regel¬ 
mäßige Untersuchung der Schulkinder. Die betreffenden Abschnitte 
enthalten alle bisher auf diesem Gebiete schon eingeleiteten Schritte 
und die Tatsachen, die zur Begründung dieser Vorschläge beigebracht 
worden sind. 

A. Gottstein . 


Elkan, Beschäftigung Lungenkranker während der Anstaltsbehandlung. 
Sonderdruck aus der Zeitschrift für Tuberkulose und Heil¬ 
stättenwesen. Band 5. Heft 5. 4 S. 

In steigendem Maße wendet man sich in den Lungenheilstätten 
der Frage der Beschäftigung der Kranken in der langen Kurzeit zu. 
Es ist daher erfreulich, wenn wie in der vorliegenden Arbeit die 
wenigen Heilstättenärzte, die Erfahrungen über die Arbeitsfähigkeit 
und Arbeitswilligkeit der Patienten gesammelt haben, diese veröffent¬ 
lichen. Elkan ist der Ansicht, daß nach einer achtwöchentlichen 
Anstaltsbehandlung jeder Patient imstande sein sollte, sich zu be¬ 
schäftigen. Die Gartenarbeit hält er jfür am meisten geeignet. Er 
empfiehlt dringend, in allen Heilstätten eine regelmäßige, freiwillige, 
aber nicht durch Lohn zu entschädigende Arbeit in den Kurplan ein¬ 
zufügen. 

A. Grotjahn. 

Bla&chko, A., Syphilis und Lebensversicherung. Zeitschrift für die 
gesamte Versicherungswissenschaft. Band 4. Heft 1. 

Die Bedeutung der Syphilis für die Lebensversicherung ist bis¬ 
her nicht genügend gewürdigt worden, da man bis vor kurzem nicht 
wußte, daß drei sehr verbreitete und fast stets zum Tode führende 
Erkrankungen, die Tabes, die progressive Paralyse und das Aorten¬ 
aneurysma — die beiden ersten wahrscheinlich ausschließlich, die zu 
dritt genannte Krankheit wenigstens in einem großen'Teil der Fäll«.* 
— auf Syphilis zurückzuführen sind. Unter Berücksichtigung dieses 
Momentes ist, wie schon Runeberg betont hat, die Zahl der infolge 
ihrer Syphilis zugrunde gehenden Menschen als eine außerordentlich 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV.'Jahrgang. 9 


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D. Referate. 


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beträchtliche anzusehen. Für die Lebensversicherung kommen nun 
vor allem folgende Fragen in Betracht: 

1. Wie groß ist der Prozentsatz der Syphilitiker unter den Ver¬ 
sicherten : 

a) zur Zeit der Versicherung? 

b) wie oft wird Syphilis nach stattgefundener Versicherung er¬ 
worben? 

2. In welchem Prozentsatz der Todesfälle überhaupt muß Syphilis 
als Todesursache betrachtet werden? 

3. In wie vielen Fällen ist die Syphilis als direkte nächste, in 
wie vielen als indirekte (begünstigende) Todesursache anzusehen? 

4. In wie vielen Fällen wird die Lebensdauer durch eine vorauf¬ 
gegangene Syphilis abgekürzt? (mit anderen Worten: welches ist die 
durchschnittliche fernere Lebensdauer der Syphilitiker?) 

5. Unter welchen Formen gibt sich der lebensverkürzende Ein¬ 
fluß der Syphilis kund? 

6. Von welchen Momenten hängt der mehr oder minder schwere 
Verlauf der Syphilis im Einzelfalle ab? 

7. Läßt sich aus gewissen Anzeichen der mehr oder minder 
schwere Verlauf der Erkrankung mit Wahrscheinlichkeit Vorhersagen? 

Auf Grund des vorliegenden Materials lassen sich diese Fragen 
zurzeit zwar nicht ganz exakt beantworten, doch geht man wohl 
nicht fehl, wenn man eine Lebensverkürzung durch die Syphilis um 
4—5 Jahre annimmt, ein Ergebnis, mit welchem übrigens neuerdings 
in Schweden gewonnene sorgfältige Untersuchungen fast vollkommen 
übereinstimmen. Dieses Ergebnis ist übrigens nicht bloß für die 
Lebensversicherung, sondern auch für die Volkswirtschaft im all¬ 
gemeinen von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Für die Lebens¬ 
versicherungen ergeben sich selbstverständlich aus diesen Unter¬ 
suchungen noch eine Reihe praktischer Fragen, z. B.: Welche Fälle 
sind als nicht aufnahmefähig zu bezeichnen, und unter welchen Be¬ 
dingungen soll man diejenigen Menschen zur Lebensversicherung zu¬ 
lassen, welche früher Syphilis durchgemacht haben? Alle diese Fragen 
werden in der vorliegenden Arbeit erörtert. 

Autoreferat. 


Alexander, C., Geschlechtskrankheiten und Kurpfuscherei. 
Gutmann, G., Über die Bedeutung der Geschlechtskrankheiten für die 
Hygiene des Auges. 

Block, F., Wie schützen ivir uns vor den Geschlechtskrankheiten und 
ihren üblen Folgen? 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


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Kopp, C., Das Geschlechtliche in der Jugenderziehung. Flugschriften 
der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts¬ 
krankheiten. Leipzig. J. A. Barth. 

Schon hei Begründung der „Deutschen Gesellschaft zur Be¬ 
kämpfung der Geschlechtskrankheiten“ war als eine der Haupt¬ 
aufgaben der Gesellschaft die ausgedehnte Aufklärung des Volkes 
über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten in Wort und Schrift 
ins Auge gefaßt worden. Diesem ihrem Programm ist die Gesell¬ 
schaft treu geblieben. Neben der unermüdlichen Propaganda in Ver¬ 
einen und Versammlungen, auf Kongressen der Gesellschaft sowie in 
einzelnen Ortsgruppen soll dem gleichen Zwecke das gedruckte Wort 
dienen; vor allem soll die Herausgabe einer Reihe populär gehaltener 
Flugschriften, welche auf die Gefahren und die Verbreitung der Ge¬ 
schlechtskrankheiten hinweisen, deren Bedeutung für das Volkswohl, 
die Notwendigkeit ihrer Bekämpfung, die verschiedenen Formen, 
unter denen diese Bekämpfung ins Werk zu setzen sei, darlegen und 
auch in fernstehenden Kreisen Interesse für die Aufgaben der Gesell¬ 
schaft erwecken. 

Die erste Flugschrift: Geschlechtskrankheit und Kur¬ 
pfuscherei von Carl Alexander-Breslau wendet sich gegen 
die unheilvolle Verblendung weiter Kreise, die alljährlich eine er¬ 
schreckende Menge von Opfern fordert, Opfer, die gar nicht einmal 
immer als solche erkannt werden. Die Darlegungen des Verfassers, 
welcher vor kurzem auf dem Breslauer Natur forscher tage durch seine 
interessante „Ausstellung des Kurpfuschertums“ den Umfang und die 
Schamlosigkeit dieses Treibens anschaulich zur Darstellung gebracht 
hat, sind klar und einleuchtend. — Die zweite Flugschrift: Die 
Bedeutung der Geschlechtskrankheiten für die Hygiene 
des Auges ist von dem Berliner Augenarzt G. Gutmann verfaßt. 

Als neu kommen zwei weitere Hefte hinzu: Wie schützen 
wir uns vor den Geschlechtskrankheiten und ihren 
Folgen? Ein Vortrag für junge Männer. Der Verfasser, F. B1 o ck - 
Hannover, verfolgt den Zweck, unsere männliche Jugend, soweit dieses 
durch Aufklärung, Belehrung, Warnung möglich ist, vor jenen ver¬ 
derblichen Krankheiten zu bewahren und die bereits Erkrankten vor 
den schlimmsten Folgen zu schützen. — Das Geschlechtliche 
in der Jugenderziehung von C. Kopp-München wendet sich 
vornehmlich an Eltern und Erzieher; nicht um die Geschlechtskrank¬ 
heiten handelt es sich hier, sondern um das gesunde Geschlechtliche. 
Wie und wann sollen wir unseren Kindern davon sprechen? Bis zu 
welchem Grade sollen wir sie mit den geschlechtlichen Vorgängen 
bekannt machen? 

A. Blaschko . 

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D. Referate. 


Neuberger, J., Die Verhütung der Geschlechtskrankheiten. München. 
R. Oldenbourg. 47 S. (0,30 M.) 

Ein flott und leicht verständlich geschriebenes populäres Heftchen, 
welches bei der männlichen Jugend nur Gutes stiften kann und dem 
eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen ist. 

A. Blasehko • 


Bur Winkel, O., Die Geschlechtskrankheiten, ihre Ursachen, Bedeutung 
und Bekämpfung. Leipzig. Modern-Medizinischer Verlag F. 
W. Gloeckner & Co. 48 S. (1,00 M.) 

Eine der vielen in den letzten drei Jahren erschienenen populären 
Darstellungen der Geschlechtskrankheiten, leicht verständlich und les¬ 
bar geschrieben. Die öffentliche Prophylaxe der Geschlechtskrank¬ 
heiten macht sich der Autor freilich etwas leicht. 

A. Blasehko. 


Bresler, J., Erbsyphilis und Nervensystem. Leipzig. S. Hirzel. VI. 

141 S. (2,00 M.) 

Eine ursprünglich als Übersicht für „Schmidt’s Jahrbücher“ ge¬ 
schriebene sorgfältige literarische Studie über die Beziehungen zwischen 
ererbter Syphilis und Erkrankungen des Nervensystems, bei der unter 
Beibringung einer großen Kasuistik und eines umfangreichen Literatur¬ 
verzeichnisses die verschiedenen Formen, unter denen das periphere 
und zentrale Nervensystem bei der Nachkommenschaft syphilitisch 
erkranken kann, eingehend dargestellt werden. Die Arbeit hat vor¬ 
wiegend medizinisches Interesse. Von allgemeiner Bedeutung sind 
namentlich die Fälle von Erbsyphilis in der dritten Generation, welche 
dartun. daß die Syphilis in einzelnen Fällen zweifellos auch einen 
degenerierenden Einfluß auf die Rasse ausübt. Wie häufig das vor¬ 
kommt, ist nicht zu sagen. Auch läßt sich nicht exakt feststellen, 
inwieweit der Einschlag von Hereditärsyphilitischen unter die Ge¬ 
samtbevölkerung die Qualität der Gesamtmischung verschlechtert — 
immerhin spricht das häufige Vorkommen von Störungen des Nerven¬ 
systems und Dystrophien der verschiedensten Gewebe bei Hereditär- 
syphilitischen für eine degenerative Wirkung in diesem Sinne. 

A. Blasehko. 


Schall mager, II'., Infektion als Morgengabe. Separatabdruck aus 
Zeitschrift für Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Band II. 
Nr. 10. 

Der Verfasser tritt dafür ein, daß alle männlichen Ehekandidaten 
vor Eingehung der Elite staatlich gezwungen sein sollen, ein Gesund¬ 
heitsattest beizubringen, in welchem vor allem das Freisein bzw. das 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 133 

Geheiltsein von Geschlechtskrankheiten durch einen staatlich ange- 
stellten Arzt bescheinigt würde, und ohne welches die Eingehung der 
Ehe als nicht zulässig gelten solle. Ein solches Zeugnis auch von 
der Braut zu verlangen, sei bei der Seltenheit, mit der Frauen Ge¬ 
schlechtskrankheiten in die Ehe bringen, keine Veranlassung gegeben. 
Die verschiedenen Einwürfe, welche gegen eine derartige Forderung 
erhoben worden sind, glaubt Schallmayer durch den Hinweis ent¬ 
kräften zn können, daß man bisher immer nur die individuellen Inter¬ 
essen, nie die der Gesamtheit, berücksichtigt habe. Was mich zum 
Gegner des Schallmayer’schen Vorschlags macht ist folgendes: wir 
haben heute Ehehindernisse, meist wirtschaftlicher Natur, wahrlich ge¬ 
nug. und jede Vermehrung derselben führt nur zu einer Steigerung des 
außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Die Zahl der Geschlechtskranken 
ist auch eine so große, daß aus dem Schallmayer’schen Vorschlag 
eine ganz kolossale Einschränkung der Verehelichungsziffer resultieren 
würde. Aber alle diese Männer würden eben außerehelich koitieren 
nnd außereheliche Kinder erzeugen. Für den Artprozeß wäre also 
nichts gewonnen; die wirtschaftliche Misere aber würde gesteigert. 
Und weiter! Vorschläge wie der Schallmayer’sche haben 
Aussicht auf Realisierung erst dann, wenn sie im Ein¬ 
klang mit dem allgemeinen Volksempfinden stehen und 
das ist heute zweifellos nicht der Fall. Der Wert der Ge¬ 
sundheit wird an und für sich und insbesondere bei der Eheschließung 
heutzutage in fast allen Volksschichten noch enorm unterschätzt und 
die Aufgabe des Sozialhygienikers kann nur die sein, durch anhaltende 
eindringliche Aufklärung des Volkes eine Umwertung dieses Wertes 
anzubahnen. Das ist der Weg, den die deutsche Gesellschaft zur Be¬ 
kämpfung der Geschlechtskrankheiten eingeschlagen und der schon in 
den wenigen Jahren ihres Bestehens schöne Früchte gezeitigt hat. 
Ein großer, von Jahr zu Jahr steigender Bruchteil von Ehekandidaten 
fühlt heute schon das Bedürfnis und die sittliche Pflicht, sich sein 
Freisein von Erscheinungen der Venerie ärztlich bestätigen zu lassen; 
ebenso steht es mit den „Schwiegervätern“. Die Zeit ist nicht mehr 
fern, wo im Mittelstand die Einforderung des ärztlichen Gesundheits¬ 
attestes vom Ehekandidaten allgemein Sitte geworden sein wird — 
dann wird sich vielleicht wieder über den Schallmayer’schen 
Vorschlag eines staatlichen Zwanges reden lassen. Aber auch dann 
wird er noch ernstlich diskutiert werden müssen. 

A. Blaschko. 

Blaschko, A., Die gesundheitlichen Schäden der Prostitution und deren 
Bekämpfung. Berlin. W. und S. Loewenthal. 20 S. (0,50 M.) 

Der hygienische Nutzen der Reglementierung ist, wie in der Ab¬ 
handlung des näheren ausgeführt — wenn überhaupt vorhanden — 


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D. Referate. 


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nur ein sehr geringer. Es wird ja der Kontrolle nur ein Bruchteil 
der Prostituierten unterworfen und es sind gerade die in hygienischer 
Beziehung so gefährlichen Anfängerinnen, die entweder der Kontrolle 
entschlüpfen oder absichtlich von der Polizei nicht in die Liste ein¬ 
getragen werden — absichtlich, weil entweder der Nachweis der 
gewerbsmäßigen Prostitution nicht zu erbringen oder noch eine 
Besserung und Rückkehr zum ehrlichen Erwerb zu erwarten ist. 
Auch die Untersuchung und Behandlung des kleinen Bruchteils ge¬ 
werbsmäßiger Prostituierter, welcher der Kontrolle unterliegt, führt 
nur zu sehr mäßigen Resultaten, was angesichts der schwierigen 
Diagnose und schweren Heilbarkeit der weiblichen Gonorrhoe sowie 
der langdauernden Infektiosität der Syphilis nicht verwunderlich ist 
Was an guten Erfolgen durch die Reglementierung erzielt wird, wird 
wieder wett gemacht dadurch, daß eine viel größere Zahl gesunder 
Prostituierter wegen allerhand kleinlicher Kontravention gegen das 
sittenpolizeiliche Reglement interniert wird und außerdem der größere 
Teil der weiblichen Geschlechtskranken aus Furcht vor der Re¬ 
glementierung von den Krankenhäusern sich fern hält und endlich 
bei den jungen Leuten durch die Reglementierung ein ganz falsches 
Gefühl von Sicherheit erzeugt wird. Durch eine Erweiterung der 
Krankenversicherung, durch leichte Zugängigmachung der Kranken¬ 
häuser, Besserung der Krankenhauszustände sowie durch eine Woh¬ 
nungsreform mit Zuhilfenahme weiblicher Wohnungsinspektorinnen 
würde sehr viel mehr Nutzen gestiftet werden als durch die heutige 
Reglementierung; eine zwangsweise Behandlung würde dann nur bei 
einer ganz kleinen Minderheit von böswilligen Elementen ausgeübt 
zu werden brauchen. 

Autoreferat. 


Hanauer, W., Die Prostitution und die Dienstboten. Monatsschrift 
für soziale Medizin. I. Band. 7. Heft. Jena. Gustav Fischer. 

Verfasser betrachtet die Prostitution hier unter anthropologisch¬ 
sozialem Gesichtspunkt; er will dabei folgerichtig von einer möglichst 
unter denselben äußeren Bedingungen und Voraussetzungen lebenden 
Berufsklasse ausgehen und die Beziehungen dieser zur Prostitution 
untersuchen. Er wählt die Dienstboten, weil nach der internationalen 
Statistik dieser Berufsstand für die Rekrutierung der Prostituierten 
die Hauptquelle bildet. Die sozialen Mißstände im Dienstboten wesen 
sollen dafür verantwortlich gemacht werden, daß die Mädchen sich 
in großer kSchar dem Laster in die Arme werfen. Verfasser glaubt, daß 
dem vorgebeugt werden könnte durch Ersatz der unmodernen Gesinde¬ 
ordnung durch das Bürgerliche Gesetzbuch und die Gewerbeordnung, 
durch Einführung von Arbeitsbüchern statt der Dienstbücher unter 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 135 

Wegfall des Zeugnisses und durch Aufhebung des sog. patriarchalischen 
Verhältnisses. Wenn Referent ohne weiteres die Richtigkeit der 
Methode, zur Erklärung gewisser Erscheinungen soziale Gesichts¬ 
punkte heranzuziehen, anerkennt, so muß er dem Verfasser gegenüber 
bemerken, daß er den Begriff „sozial“, wenigstens in dem behandelten 
Thema, zu eng faßt. Hanauer bezeichnet zwar im Anfang seiner 
Betrachtung die Prostituierten als degenerierte Individuen, in seiner 
Schilderung der Ursachen der Prostitution läßt er aber diesen Punkt 
völlig fallen. — Ein anderer Einwand, den ich zu machen habe, ist 
methodologischer Natur und bezieht sich auf die Frage, ob die 
„Dienstboten“ wirklich eine so einheitliche Gruppe darstellen, wie die 
Berufsstatistik und die auf sie sich Stützenden annehmen. Meinen 
Erfahrungen nach nennt sich „Dienstmädchen“ ein gar nicht geringer 
Teil von Individuen, auf welche die geschilderten sozialen Verhält¬ 
nisse gar keine Anwendung finden können; sie sind nur sog. Tag¬ 
mädchen oder arbeiten auch nur kurze Zeit des Tages, weniger zur 
Erwerbung des Lebensunterhaltes, als um der Polizei gegenüber einen 
Beruf angeben zu können. Ein Teil dieser Personen, die vordem 
vielleicht ganz anderen Erwerbsklassen angehört haben oder nie das 
waren, was man als „Dienstmädchen“ schlechtweg bezeichnet, sind, 
wenn auch nicht polizeilich anerkannte, so doch tatsächlich Prosti¬ 
tuierte. Könnte man diesen Teil zahlenmäßig ausdrücken und bei 
der Berechnung des Prozentsatzes der einzelnen Berufsklassen an der 
Prostitution in Abzug bringen, so würde sich vielleicht heraussteilen, 
daß die „Dienstmädchen“ verhältnismäßig nicht mehr Material der 
Prostitution liefern, als die anderen Erwerbszweige. 

B. Spiethoff. 


Bonfort, H., Zur Abschaffung der Reglementierung und der Konirdll- 
vorschriften. Monatsschrift für soziale Medizin. I. Band. 
Jena. Gustav Fischer. 

Aus der Hochflut der Literatur über Prostitution und verwandte 
Dinge hebt sich die vorliegende Abhandlung vorteilhaft hervor. Es 
ist eine der wenigen Schriften, die sich von allgemeiner Salbaderei und 
moralischer Eutrüstung freihält. Verfasserin bildet unter den Frauen 
die seltene Ausnahme, Gegnerin des Abolitionismus zu sein. Ihren 
Standpunkt hat sie wohl nur dadurch gewonnen, daß sie abhold aller 
Utopien auf dem Boden der Wirklichkeit geblieben ist. Nach ihr ist 
die Prostitution zum großen Teile eine Kriminalfrage, und Aufgabe 
des Staates sei es, sich gegen diesen Auswuchs, wie gegen jedes 
andere Verbrechertum, zu schützen. Ein Vergleich derjenigen Staaten, 
in denen die Prostitution freigegeben ist wie in England, mit denen 
einer staatlichen Überwachung ist noch stets zugunsten der letzteren 


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D. Referate. 


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ausgefallen. Zur Begründung ihrer Ansicht von der gewerbsmäßigen 
Prostitution als einer Form der Kriminalität führt Verfasserin einige 
Einzelheiten aus einer Statistik des Hamburger Waisenhauses über die 
schlechte Neigung Minderjähriger an: „Da fallen auf noch schul¬ 
pflichtige Knaben in einem Jahre 63 Fälle von Unzucht, auf 
Mädchen 101. Dann fallen die schulentlassenen Knaben auf 
55 Fälle, während die gleichaltrigen Mädchen auf 713 steigen. Da¬ 
gegen stehen im selben Alter unter Landstreichen und Trunksucht 610 
Knaben gegen 92 Mädchen.“ Verfasserin bemerkt dazu: „Wie deutlich 
zeigt sich darin, daß die angeerbte, verbrecherische Neigung bei dem 
weiblichen Geschlecht die Form geschlechtlicher Schamlosigkeit und 
gesteigerten Geschlechtsbedürfnisses annimmt.“ 

B. Spiet ho ff. 


Mexin, S., Der Mädchenhandel. Sozial- und kriminalpolitische Studie. 

Basel. Basler Buch- und Antiquariatshandlung vormals A. 

Geering. 80 S. (1,20 M.) 

Verfasser hat sich im vorliegenden Werke die Aufgabe gestellt, 
„an der Hand von Beispielen und Tabellen ein wahrheitsgetreues 
Bild des lichtscheuen Treibens der Mädchenhändler zu geben“. Dann 
soll die Kriminalpolitik im Zusammenhang mit dem in Frage kommen¬ 
den Verbrechen eingehend betrachtet werden, um eine genaue Unter¬ 
suchung der Gesetzgebungen — sowohl der geltenden als der Ent¬ 
würfe — der verschiedensten Kulturstaaten zu erleichtern und eine 
auf wissenschaftlicher Grundlage beruhende Feststellung zu ermög¬ 
lichen, welches der behandelten Gesetze am besten geeignet sei, den 
Händlern mit Menschenfleich ihr verbrecherisches Gewerbe zu legen. 
Des weiteren werden die bisherigen Bekämpfungsversuche vorgeführt 
und zum Schluß wird darauf hingedeutet, auf welche Art und Weise 
das um sich fressende Übel mit Erfolg bekämpft werden könnte. Ob 
der Wunsch des Verfassers, die Schrift möge vor allem in die breiten 
Volksschichten Eingang finden, welche die Opfer in erster Linie zu 
bringen haben, in Erfüllung gehen wird, scheint mir nach Anlage 
und Durchführung zweifelhaft. 

B. Splethoff. 


Schenk, P., Gebrauch und Mißbratich des Alkohols in der Medizin. 
Berlin. Mäßigkeitsverlag des Deutschen Vereins gegen den 
Mißbrauch geistiger Getränke. 32 S. (0,50 M.) 

Eine besonders Ärzten warm zu empfehlende Schrift, die mit 
Recht gegen die auch heute noch vielfach kritiklose Verordnung von 
Spirituosen bei Kranken energisch Front macht. Nach einem kurzen 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


137 


historischen Exkurs, der zeigt, wie in der Geschichte der Medizin die 
Wertschätzung des Alkohols mannigfachen Schwankungen unterlegen 
ist, wendet sich Verfasser unter Darlegung der Gefahren, die dem 
kindlichen Organismus aus dem Alkoholgenuß erwachsen, zu der Frage 
der Berechtigung medikamentöser Verschreibung geistiger Getränke 
im Kindesalter; er verneint absolut eine gewohnheitsmäßige Verord¬ 
nung und will die Anwendung des Alkohols streng auf die durch 
Kollapserscheinungen bedingte Indikation beschränken. Regelmäßiger 
Alkoholgenuß soll auch während der Schwangerschaft und des Stillens 
unterbleiben, während aus der Verordnung von Alkohol bei Wochen¬ 
bettfieber Schaden nicht erwachsen dürfte. Beachtenswert, wenn auch 
eigentlich nicht in den Rahmen der Arbeit streng hineinpassend sind 
die Ausführungen, die Verf. über die Notwendigkeit der Enthaltung 
von alkoholischen Getränken für alle diejenigen macht, die in ver¬ 
antwortlicher bzw. maßgebender Stelle tätig sind (Lokomotiv- und 
Schiffsführer, Offiziere, Richter, Ärzte usw.). Unbedingte Abstinenz 
hat für alle, sei es hereditäre, sei es erworbene, alkoholopathische 
Zustände zu gelten, ebenso für Zustände reizbarer Schwäche des 
Nervensystems, bei Neigung zu Blutungen, Blutandrang, Schwindsucht, 
Schlagaderverkalkung, Nieren- und Leberleiden sowie geschwürigen 
Erkrankungen des Magens und Darms. 

ln allgemein gehaltenen Schlußsätzen betont Verfasser schließlich 
noch die sozialen Bedenken und Gefahren, die aus einer laxen ärzt¬ 
lichen Indikationsstellung bei der Verordnung von alkoholischen Ge¬ 
tränken erwachsen, indem er besonders die alte Fabel von der Be¬ 
deutung des Alkohols als Stärkungsmittel auf ihren wahren Wert 
zurückführt. 

M. Bloch. 


Berkhan, O., Über den angeborenen und früh erworbenen Schwachsinn. 
Geistesschwäche des Bürgerlichen Gesetzbuches. Für Psy¬ 
chiater, Kreis- und Schulärzte. 2. Auflage. Braunschweig. 
F. Vieweg & Sohn. 98 S. (2,40 M.) 

Der erste Teil der vorliegenden Schrift behandelt in großen 
Zügen die Ursachen und das Krankheitsbild des angeborenen oder 
früh erworbenen Schwachsinns und bringt vom ärztlichen Standpunkt 
nichts wesentlich Neues. Verfasser schildert dann die Entstehung der 
Hilfeschule für schwachsinnige Kinder in Braunschweig und stellt die 
Grundsätze fest, nach denen derartige Schulen einzurichten sind. — 
Interessant sind die Versuche, die Verfasser zur Verhütung des Schwach¬ 
sinns angestellt hat bei solchen Frauen, die mehrfach Kinder an 
epileptiformen Anfällen und Gehirnentzündungen verloren oder schwach- 


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D. Referate. 


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sinnige Kinder geboren hatten. Die Versuche bezweckten, bereits in 
der Schwangerschaft einen Einfluß auf die Entwicklung der Frucht 
zu gewinnen. Verfasser hat durch eingehende Vorschriften bezüglich 
der Ernährung (reichlicher Genuß von Mehl- und Fleischspeisen), Ver¬ 
abreichung von Eisen und Kalkwasser, ausgiebiger körperlicher Ruhe, 
Genuß von frischer Luft in mehreren Fällen beachtenswerte Resultate 
erzielt, die er eingehend mitteilt. — Ein weiterer Abschnitt behandelt 
die forensische Bedeutung des Schwachsinns in straf- und zivilrecht¬ 
licher Hinsicht, die für den Sachverständigen zu beachtenden Momente 
der Untersuchungsmethode und streift auch kurz die militärstrafrecht¬ 
liche Bedeutung des Schwachsinns. — In einem Nachtrage werden 
einige besondere Formen des Schwachsinns, der bydrocephalische, 
mitrocephale und der kretinoide Schwachsinn etwas ausführlicher be¬ 
handelt, sowie Fälle von epileptoiden Anfällen von Einschlafen und 
solche von krankhaftem Wandertrieb, die nicht selten bei Schwach¬ 
sinnigen beobachtet werden, besprochen. 

M. Bloch. 


Guttstadt, A., Sterblichkeitsverhältnisse der Gastwirte und anderer 
männlicher Personen in Preußen , welche mit der Erzeugung, 
dem Vertriebe und dem Verkaufe alkoholhaltiger Getränke gewerbs¬ 
mäßig beschäftigt sind, im Vergleiche zu anderen wichtigen Be¬ 
rufsklassen. Aus dem Klinischem Jahrbuch. Band 12. Jena. 
Gustav Fischer. 32 S. (1,20 M.) 

Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, die Sterblichkeitsverhält- 
nisse der in den „Alkoholgewerben“ beschäftigten Personen mit An¬ 
gehörigen anderer Bernfsklassen zu vergleichen, und zu dem Zwecke 
eine statistische Nebeneinanderstellung der standesamtlichen Nach¬ 
richten über die gestorbenen Männer jener Berufsgruppen von 1883 
bis 1884, 1895 und 1901, der Nachrichten über die im Alter von über 
25 Jahren in Preußen gestorbenen Männer überhaupt mit den Sterb¬ 
lichkeitsverhältnissen von 4 anderen Berufsklassen (Ärzten, Geistlichen. 
Elementar- und Gymnasiallehrern) nach den statistischen Aufstellungen 
der Gothaer Lebensversichernngsbank in der Zeit von 50 Jahren unter¬ 
nommen. Aus den zahlreichen Tabellen, die Verfasser mitteilt, geht 
hervor, daß die gestorbenen Männer, welche durch ihren Beruf der 
Verführung zum Alkoholgenuß ausgesetzt waren, in jüngeren Alters¬ 
klassen standen als die gestorbenen Angehörigen anderer Berufsarten. 
Besonders erscheint das Brauer- und Kellnergewerbe bereits für das 
jugendliche Mannesalter lebensgefährlich. Beachtenswert ist 
weiter die außerordentlich hohe Unfallziffer im Brauereigewerbe, 
die noch erheblich über die Unfallzahl des Bergwerks- und Hütten¬ 
betriebes hinausgeht (118,6:90,1 auf 1000 Versicherte). Was die 


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m. Morbidität, Prophylaxe and Krankenfürsorge. 


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Todesursachen betrifft, so ergibt sich eine besondere Gefährdung durch 
Herzkrankheiten, Delirium, aber auch Apoplexie, Gehirnkrankheiten, 
Selbstmord, Verunglückung, Nierenkrankheiten und vor allem durch 
Tuberkulose, der in besonders großer Zahl Kellner, aber auch Gast¬ 
wirte und Brauer zum Opfer fallen. Dieses ist ein erneuter Hinweis 
auf die engen Beziehungen zwischen Alkoholismus und Tuberkulose, 
der aber auch die gefährliche Tragweite der Tatsache erkennen läßt, 
daß gerade viele Tuberkulöse unter den Personen, die mit der Bevölke¬ 
rung im allgemeinen in vielfach enge Beziehungen treten, beobachtet 
werden. Die genannten Tatsachen sollten dazu dienen, zur Aufklärung 
über die Gefahren des Gastwirtsberufes und verwandter Tätigkeiten 
aufzufordern. Diese Gefahren werden von den Lebensversicherungs¬ 
gesellschaften schon lange in einem von der Allgemeinheit leider noch 
viel zu wenig gekannten Umfange gewürdigt. 

)f. Bloch. 

Hueppe, F., Alkoholmißbrauch und Abstinenz. Vortrag. Berlin. 

August Hirschwald. 46 S. (1,00 M.) 

Aus der Erkenntnis des Naturforschers, daß für den Kulturmenschen 
eine Ernährung ohne Reizmittel unmöglich ist, und daß das Bedürfnis 
nach solchen mit der Erschwerung der kulturellen Aufgaben des In¬ 
dividuums steigt, erwächst die Aufgabe, die Schäden des Mißbrauches 
der Reizmittel zu bekämpfen, ihren Nutzen aber zu erhalten. Von 
diesem Standpunkte aus entwickelt Verfasser vor einem Laienpublikum 
seine bekannten Anschauungen über die Alkoholfrage oder vielmehr 
um seinem durchaus richtigen Gedankengange zu folgen, über den 
Mißbrauch alkoholhaltiger Getränke — denn nur solche, allerdings in 
wechselnder Konzentration (1—60 Proz.), genießen wir. Verfasser ent¬ 
wirft nun zunächst ein Bild von den physiologischen und toxischen 
Wirkungen des Alkohols, insbesondere die Beeinflussung des Nerven¬ 
systems durch alkoholische Getränke, sowie die Bedeutung des Bieres 
als eines Genußmittels, das gleichzeitig sehr wertvolle Nährstoffe ent¬ 
hält. Eingehend werden die krankhaften Zustände, die dem Übermaß 
alkoholischer Getränke zur Last gelegt werden, erörtert und hierbei 
mancher noch heute in bezug auf die alkohol-toxische Genese frag¬ 
licher Krankheiten wie der Magenkatarrhe, mancher Lebererkrankung. 
Schlagaderveränderungen u. a. gedacht. Für die meisten derartigen 
Zustände genügt der Alkohol als alleiniges ätiologisches Moment nicht, 
es kommen noch andere Ursachen, wie schwere Arbeit, veränderte 
Lebensweise in Betracht. Energisch zu betonen bleibt übrigens der 
medizinische Wert des Alkohols für manche Krankheitszustände. 

Charakteristisch ist, daß das Streben der Anhänger der absoluten 
Abstinenz, Ersatzgetränke zu schaffen, ein unwillkürliches Einge- 


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D. Referate. 


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ständnis der Unmöglichkeit ist, ohne Reiz- oder Erwärmungs- and 
Erfrischungsmittel auszukommen, ohne daß es aber bisher gelungen 
wäre in bezug auf Wirkung, Geschmack und Reinheit einwandfreie 
Produkte herzustellen. Verfasser verspottet hier mit Recht die Un¬ 
geheuerlichkeit, mit der in manchen Gegenden die Abstinenz (besonders 
in Amerika) sozusagen den Teufel mit Beizebub austreibt; statt in 
Alkohol kommen Exzesse in Opium, Eau de Cologne etc. vor. 

Vor allem aber sollte man sich hüten, Wein und Bier mit dem 
gleichen Maße zu messen, wie den Schnaps in allen seinen Formen, 
der da, wo von Alkoholmißbrauch die Rede ist, in erster Linie in 
Frage kommt; der Umfang des Verbrauches an Schnaps stellt geradezu 
einen Gradmesser der wirtschaftlichen Verhältnisse dar; seine Be¬ 
kämpfung richtet sich in ihren Aussichten auf Erfolg außerdem ganz 
nach den nationalen Verhältnissen, Größe der Bevölkerungszitfer, 
Überwiegen von Industrie, Großstädten etc. 

Die Enthaltsamkeit vom Alkohol ist für Verfasser nur von Fall 
zu Fall für einzelne Individuen oder Gruppen von Individuen resp. 
Bevölkerungsschichten zu beurteilen. Obenan hat das Verbot der 
Verabreichung alkoholischer Getränke zu stehen, welches bei einer 
Reihe von Krankheitszuständen, manchen körperlich besonders nervös 
Minderwertigen, sowie einer Anzahl von dem Alkohol gegenüber eigen¬ 
artig Intoleranter in Betracht kommt. 

Noch nicht bewiesen ist die lebenskürzende Wirkung auch des 
mäßigen Alkoholgenusses, ebenso ist auch der Zusammenhang zwischen 
Alkoholismus, Geisteskrankheit und Verbrechen noch vielfach anfecht¬ 
bar. Meist handelt es sich hier um gleichartige Zeichen einer an¬ 
geborenen Minderwertigkeit, wenn auch gelegentlich der Alkoholmi߬ 
brauch als auslösendes Moment im gegebenen Falle in Frage kommen 
kann. Es ist auch nicht als bewiesen anzusehen, daß kleine Gaben 
Alkohol einen degenerierenden Einfluß auf die Rasse ausüben. 

Der Kampf gegen den Alkoholmißbrauch stellt sich als ein großes 
biologisches, sozialhygienisches und wirtschaftliches Problem dar, das 
sich nicht auf dem einseitigen Wege der Enthaltsamkeitsbewegung 
lösen läßt, vielmehr eines Vorgehens aller beteiligten Faktoren, Gesetz¬ 
geber, Volkswirte, Ärzte, Hygieniker, Juristen etc. bedarf. Referent 
muß sich mit dieser kurzen Skizze der bedeutsamen Schrift begnügen, 
will aber nicht verfehlen, auf die Lektüre des Originals ausdrücklich 
hinzuweisen. 

M. Bloch. 


Schae/er, Fr., Die Aufgaben der Gesetzgebung hinsichtlich der Trunk¬ 
süchtigen nebst einer Zusammenstellung bestehender und rar¬ 
geschlagener Gesetze des Auslandes und Inlandes. Juristisch- 


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HI. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfüreorge. 


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psychiatrische Grenzfragen. Band I. Heft 5/7. Halle. Carl 
Marhold. 106 S. (3,00 M.) 

Die Beschäftigung der Gesetzgebung mit den Trunksüchtigen liegt 
in Deutschland zurzeit noch in den ersten Anfängen; denn die Ermög¬ 
lichung der Entmündigung der Trunksüchtigen nach § 6 des Bürger¬ 
lichen Gesetzbuchs kann nur als ein Anfang bezeichnet werden, der 
ein sehr unvollkommenes Mittel zur Fürsorge für die Trinker dar¬ 
stellt. Zu verlangen ist vor allem die gesetzliche Möglichkeit, einen 
Trinker auch ohne Entmündigung zwangsweise zu internieren, weiter 
die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für die Errichtung von Trinker¬ 
anstalten, die Regelung der Kostenfrage der Behandlung der zahlungs¬ 
unfähigen Trinker und endlich Verbesserung und Vervollständigung 
gewisser straf- und zivilrechtlicher Bestimmungen. Dazu ist vor allem 
erforderlich, daß die Erkenntnis des Trunksüchtigen als eines Hilfs¬ 
bedürftigen, der weitgehende Analogien mit dem Geisteskranken auf¬ 
weist, ja in den meisten Fällen als Geisteskranker anzusehen ist, in 
immer weitere Kreise dringt; hieraus folgt von selbst, daß die im 
Interesse des Trunksüchtigen sowie seiner Familie und der Allgemein¬ 
heit zu treffenden Maßnahmen im w esentlichen denen parallel laufen, 
die das Gesetz für die Geisteskranken vorsieht. Das sind für den 
Trinker die Entmündigung und die Unterbringung in geeigneten An¬ 
stalten, ohne daß aber gerade beim Trinker die letztere Maßnahme 
die erste notwendig zu bedingen brauchte. Nur aushilfsweise sollten 
beide Maßnahmen verbunden werden (bei Unheilbarkeit, wenn dringende 
Vermögensinteressen auf dem Spiel stehen, bei dauerndem Protest des 
Trinkers gegen Anstaltsbehandlung); dann aber ist die Möglichkeit 
der Entmündigung eine wertvolle Errungenschaft, für die indes Ver¬ 
fasser wie bei Geisteskranken die bisher nach dem Bürgerlichen Ge¬ 
setzbuch versagte Mitwirkung der Staatsanwaltschaft verlangt. Für 
die Aufnahme der Trinker in die Anstalt lehnt Verfasser mit Recht 
ein richterliches Verfahren ab und verlangt nichts anderes, als die 
gesetzliche Festlegung der Aufnahme- und Entlassungsbedingungen 
nnd der Aufsichtsbestimmungen in analoger Weise wie bei den Geistes¬ 
kranken. 

Für den Fall der gesetzlichen Festlegung der Straffähigkeit 
öffentlicher Trunkenheit soll in jedem Fall der Richter feststellen, ob 
es sich um einen Gewohnheitstrinker handelt, im bejahenden Fall den 
Angeklagten freisprechen und durch die zuständige Verwaltungsbehörde 
einer Trinkeranstalt zuführen lassen. Das gleiche gilt für Verbrecher, 
die wegen Trunksucht freigesprochen sind; mehrfach vorbestrafte 
resp. mit angeborenen verbrecherischen Neigungen behaftete Individuen 
können besonderen Anstalten (Arbeitshäusern, Anstalten für ver¬ 
brecherische Geisteskranke) überwiesen werden. 


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D. Referate. 


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Bei der Aufnahme in Trinkeranstalten sind vom praktischen Ge¬ 
sichtspunkt aus gewisse Minimal- und Maximalzeiten für den Aufent¬ 
halt (* 2 —2 Jahre) vielleicht zweckmäßig, weniger die Selbstverpflich¬ 
tung der freiwillig Eintretenden für eine gewisse Zeit. Bei Er¬ 
richtung von Trinkeranstalten ist es nicht erforderlich, Heil- und 
Pflegeanstalten zu trennen, das Hauptgewicht ist auf die Gründung 
von öffentlichen, unter ärztlicher Leitung stehenden Anstalten zu legen, 
die das Gros der nicht selbst zahlenden und aller unfreiwillig ein¬ 
gewiesenen Trinker zu versorgen hätten, während die Privatanstalten 
die zahlungsfähigen Patienten aufnehmen, soweit dieselben freiwillig 
ein treten. 

Die Kosten für die Trinker werden in erster Linie die Armen¬ 
verbände zu tragen haben, in Zukunft wird hoffentlich ein Teil der 
Lasten auch von den Krankenkassen und den Landesversicherungs¬ 
anstalten getragen werden. Die Einrichtung und Verwaltung der 
Anstalten wird aber am besten in den Händen der Provinzial- bzw. 
Staatsbehörden liegen. 

Verfasser berührt schließlich noch die Frage der Ehescheidung. 
Gemäß dem allgemeingültigen wissenschaftlichen Standpunkt kann 
die Trunksucht nur als eine Krankheit angesehen und demnach nicht 
als Ehescheidungsgrund betrachtet werden; durch die Trennung der 
Ehe wird der Trinker nur noch hilfloser, ist er unheilbar, so kann 
nur — auch im Interesse des gesunden Gatten — dauernde Unter¬ 
bringung in eine Anstalt in Frage kommen. (Im Interesse des ge¬ 
sunden Gatten könnte nach Ansicht des Referenten wohl aber bei 
unheilbarer Trunksucht § 1569 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in An¬ 
wendung gezogen werden.) 

Der zweite Teil der Arbeit enthält eine Zusammenstellung be¬ 
stehender und vorgeschlagener Gesetze bezüglich der Trinkerfürsorge 
im Auslande und Inlande. 

M. Block. 


Ziehen, Th., Über den Einfluß des Alkohols auf das Nervensystem. 
2. vermehrte Auflage. Berlin. Mäßigkeitsverlag des Deutschen 
Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. 15 S. 
(0,20 M.) 

Eine kurze Darlegung der psychologischen Experimente, die die 
Wirkung des Alkohols auf das Nervensystem erkennen lassen, ergibt 
als wichtiges Resultat folgendes: nach einem einmaligen augenblick¬ 
lichen Genuß von 25 Gramm Äthylalkohol in lOfacher Wassermenge 
erfolgt zunächst fast auf allen Gebieten der seelischen Tätigkeit eine 
leichte Beschleunigung, nach 15—30 Minuten tritt an Stelle dieser 
Beschleunigung eine zunehmende, schließlich sehr erhebliche und meist 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Kr&nkenfiirsorge. 


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erst nach mehreren Stunden sich völlig verlierende Verlangsamung. 
Nach Steigerung der Dosis tritt das erste Stadium der Beschleunigung 
mehr und mehr zurück zugunsten des zweiten, umgekehrt nach Ver¬ 
ringerung der Dosis. Bei chronischem Alkoholgenuß größerer Mengen 
wird auch die ungünstige Wirkung chronisch, die sich in einer 
völligen Degeneration der gesamten Tätigkeit des Zentralnervensystems 
äußert. Die größte regelmäßig ohne Schaden zu genießende höchste 
Tagesdosis liegt zwischen 30—40 Gramm Alkohol, d. h. 8 /io —4 /io Liter 
leichteren Weißweines oder 1 Liter Bier für erwachsene gesunde Per¬ 
sonen. Konzentriertere Alkoholgetränke, besonders Schnaps oder Liköre 
sind überhaupt zu meiden. Kindern bis zur Pubertät, Nervenkranken 
und zu Nervenkrankheiten disponierten Individuen ist Alkohol über¬ 
haupt zu versagen. Auch empfiehlt es sich nicht, regelmäßig bis zu 
der genannten Höchstdosis hinaufzugehen, sondern erheblich darunter 
zu bleiben, besonders nach ermüdenden körperlichen oder geistigen 
Anstrengungen. 

af. Bloch. 


Wächter, E., Die Zahl der Gast- und Schanhvirtschaften sowie der 
Kleinhandlungen mit Branntwein in den einzelnen Verwaltungs¬ 
bezirken Sachsens im Jahre 1903. Zeitschrift des Königlich 
Sächsischen Statistischen Bureaus. Jahrgang 49. Heft 1—2. 
11 S. 

Eine Zusammenstellung, aus der sich ergibt, daß sämtliche oben 
genannte Gewerbebetriebe im Laufe der letzten 10 Jahre eine relative 
Abnahme erfahren haben, wenn auch gewisse lokale Verschiedenheiten 
sich erkennen lassen. Auf die Einzelheiten kann hier nicht eingegangen 
werden. Verfasser glaubt in seinen Resultaten Erfolge der modernen 
Mäßigkeitsbewegung erkennen zu können. Von besonderem Interesse 
für die Alkoholfrage sind die der Arbeit beigegebenen literarisch¬ 
statistischen Nachweise der amtlichen sächsischen Statistik. 

Jf. Bloch . 


Abderhalden, Eh, Bibliographie der gesamten wissenschaftlichen Literatur 
über den Alkohol und den Alkoholismus. Berlin und Wien. 
Urban und Schwarzenberg. 504 S. 

Nur wer selbst jemals bibliographisch gearbeitet hat, kann er¬ 
messen, wieviel Sorgfalt, Fleiß und Takt der Herausgeber aufgewandt 
haben muß, um einen großen Stab von Mitarbeitern des In- und Aus¬ 
landes zu gewinnen und so zu dirigieren, daß die vorliegende, bis an 
die Grenze der Möglichkeit den Stoff erschöpfende Bibliographie zu- 


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D. Referate. 


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stände kommen konnte. Der erste naturwissenschaftlich-medizinische 
Teil faßt 377, der zweite soziale Teil 130 Seiten. Es dürften im 
ganzen etwa 15000 Publikationen aller Sprachen und Länder in der 
Anordnung eines Realkataloges registriert worden sein. Als Mit¬ 
arbeiter haben sich betätigt: Almqvist, Stockholm; Aschaffen¬ 
burg, Halle a. S.; E. Bayr, Wien; R. Bing, Frankfurt a. M.: 
R. C. Catol, Boston; Ernst Colla, Stettin; P. M. Creed, Sydney: 
Cuza, Jassy; A. Daum, Wien; 0. Diem, Herisau; H. Fels. 
Zürich; Floras, Konstantinopel; Chr. Geill, Viborg; G. Gisler, 
Basel; A. Granfeit, Helsingfors; A. Grotjahn, Berlin; M. Haus¬ 
mann, Bern; G. Heimann, Berlin; G. Heinzeimann, Berlin; 
E. Herter, Berlin; H. J. Hewes, Boston; A. Hoch, Waverley, 
Mass.; H. Hoppe, Königsberg i. P.; Heinr. Hunziker, Basel; 
A. Th. Kiaer, Christiania; R. Kolisch, Wien; J. Koren, Cam¬ 
bridge, Mass., U. S. A.; Kubli, Bern; 0. Kubli, Bern; Kürz. 
Heidelberg; H. La Fontaine, Bruxelles; Laitinen, Helsingfors; 
Marcuse, Mannheim; F. Mathieu, Paris; M. Miljicovid, Bel¬ 
grad; Milliet, Bern; P. J. Moebius, Leipzig; von Muralt, 
Zürich; 0. Naegeli, Zürich; Paschayan, Tauris; N. Petkow. 
Sofia; Poech, Wien; Possa, Jassy; Herrn. Putz, Wien; C. B. 
de Quirös, Madrid; Rille, Leipzig; R. Rosemann, Bonn: 
Rüdin, Beriin; F. Schultheß, Stockholm; Selenkoff, St. Peters¬ 
burg; S. Stier, Zürich; A. Stuart, Sydney; M. Stuckenberg. 
Sup., Cambridge, Mass., U.S. A.; Thurnwald, Berlin; Tigerstedt. 
Helsingfors; Viavianos, Athen; Vogt, Christiania; Woodhead, 
Cambridge; van der Woude, Amsterdam; Ad. Zerboglio, Pisa. 

Für alle, die sich theoretisch oder praktisch mit dem Alkoholis¬ 
mus befassen, ist das vorliegende Buch ein unentbehrliches Nach¬ 
schlagewerk. 

A. Grotjahn . 


Hackt, Jf., Das Anwachsen der Geisteskranken in Deutschland. 

München. Seitz und Schauer. 104 S. (3,00 M.) 

Eine sehr verdienstliche Arbeit, nicht nur wegen der Reichhaltig¬ 
keit des beigebrachten statistischen Materials, sondern auch wegen 
der mannigfachen Anregungen, zu denen Verfasser durch seine Fest¬ 
stellungen kommt. Einleitend wird die Tatsache hervorgehoben, daß 
bislang trotz der gewaltigen Zunahme der Irrenanstalten und trotz 
deren dauernder Uberfüllung schlüssige Beweise für die vielfach 
angenommene Zunahme der Zahl der Geisteskranken (in dem Sinne 
einer im Vergleich zum Bevölkerungszuwachs zu konstatierenden Ver¬ 
mehrung) bislang noch nicht vorliegen, für Deutschland schon insofern 
nicht vorliegen können, als seit dem Jahre 1871 eine Irrenzählung 


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m. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


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gelegentlich der Volkszählung nicht vorgenommen worden ist. Wohl 
liegen solche Zählungen für Preußen und Sachsen vor, die letzten aus 
dem Jahre 1895. Während nun für Preußen sich ergeben hat, daß 
die Geisteskranken absolut und relativ zugenommen haben, ist in 
Sachsen trotz absoluter Zunahme das Verhältnis der Geisteskranken 
zur übrigen Bevölkerung günstiger geworden. Es ergibt sich hieraus, 
daß Schlüsse aus dem Verhalten eines Einzelstaates auf Deutschland 
nicht gemacht werden können. 

Die Irrenanstaltsstatistiken als solche können zur Lösung der 
vorliegenden Frage nicht herangezogen werden, weil in ihnen nur 
der Krankenstand der öffentlichen Anstalten, nicht aber der 
der Wohltätigkeitsanstalten für Epileptiker und Schwachsinnige und 
auch nicht der der Privatanstalten statistisch verwertet wird; es 
fehlen ferner die in Krankenhäusern und Familienpflege unter¬ 
gebrachten Kranken. Andererseits geht aber aus den Veröffent¬ 
lichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes (beginnend vom Jahre 
1886, fortgefuhrt bis 1900) betr. die Heilanstalten des Deutschen 
Reiches eine Zunahme (1886—1895—1898) von 9,9 auf 12,3—13,2 
Geisteskranke auf 10000 Einwohner hervor. Dies in Verbindung 
mit den Zählungen des größten Bundesstaates drängt zu dem Schluß, 
daß die Zahl der Geisteskranken in Deutschland über die Zunahme 
der Bevölkerung hinaus anwächst, ohne daß die gegebenen Belege 
aus oben genannten Gründen als absolut einwandsfrei angesehen werden 
können. 

Es muß um so mehr verlangt werden, daß wie im Jahre 1871 
baldmöglichst eine Irrenzählung mit einer Volkszählung im Reiche ver¬ 
bunden werde, und zwar möglichst wiederholt in regelmäßigen Ab¬ 
ständen. 

Im zweiten Abschnitt seines Buches gibt Verfasser nach einer 
kurzen historischen Darstellung der Entwicklung des Irrenwesens be¬ 
sonders im Hinblick auf die deutschen Bundesstaaten auf 36 Seiten 
eine statistische Aufstellung (zum großen Teil auf Grund einer eigenen 
Rundfrage) sämtlicher (öffentlicher und privater) Anstalten für Geistes¬ 
kranke, Epileptiker und Schwachsinnige mit dem Krankenbestande 
vom 1. Dezember 1903 im Deutschen Reich und zählt insgesamt 395 
Anstalten mit 108004 Kranken. 

Soviel ergibt sich jedenfalls aus den Feststellungen des Ver¬ 
fassers, daß es noch heute viel zu wenig Irrenanstalten gibt. Zu 
fordern ist weiter ein einheitliches deutsches Irrengesetz, ferner der 
Ausbau der Fürsorge für Schwachsinnige, Idioten, Epileptiker und 
geisteskranke Verbrecher. 

Als wichtigstes hat der Versuch einer Prophylaxe der Geistes¬ 
krankheiten zu gelten. Aufklärung des Volkes über Wesen und Be¬ 
deutung der Heredität, der Kampf gegen den Alkoholmißbrauch, Er- 

Jahresbericht über Hygiene nnd Demographie. IV. Jahrgang. 10 


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146 


D. Referate. 


richtung von Trinkerasylen, sozialpolitische Reformen, Förderung 
der Wohnungshygiene, Kampf gegen den Trinkzwang usw., Bekämp¬ 
fung der Geschlechtskrankheiten, Verhütung der das kindliche Nerven¬ 
system schädigenden Momente, Volksheilstätten für Nervöse, Ansban 
des Kinderschutzes für Uneheliche n. a. sind unabweisbare Forderungen 
für jeden, der es mit der Zukunft des Volkes ernsthaft gut meint 
und die der Allgemeinheit drohenden Gefahren auf der Basis einer 
verständigen sozialen Hygiene abwenden helfen will. 

M. Bloch. 


Weygandt, W., über die Leitung der Idiotenanstalten. Psychiatrisch- 
neurologische Wochenschrift 1903. Nr. 38. 10 S. 

Ein vorwiegend polemisch gehaltener Abwehrartikel gegen zwei 
Aufsätze des Institutsdirektors Trüper, die ein Buch des Verfassers 
über die Behandlung idiotischer und imbeciller Kinder in ärztlicher 
und pädagogischer Beziehung besprachen. Hier interessieren be¬ 
sonders die Forderungen des Verfassers über die Leitung der Idioten¬ 
anstalten , die nach, seiner Ansicht — und er dürfte hiermit wohl 
kaum Widerspruch begegnen — durchaus in den Händen erfahrener 
(psychiatrisch, psychologisch und möglichst auch pädagogisch genügend 
vorgebildeter) Irrenärzte zu liegen haben. Ebenso muß energisch 
Verstaatlichung der Idiotenpflege verlangt werden. Es soll bei der 
ersteren Forderung selbstverständlich dem wohltätigen Wirken gut 
ausgebildeter Idiotenlehrer keine Schranke gezogen werden, auch er¬ 
scheint die Frage, ob die Leitung solcher Anstalten, in denen es sich 
um bildungsfähige Schwachsinnige handelt, Pädagogen anzuvertrauen 
ist, durchaus diskutabel Als Mindestforderung ist zu verlangen, 
daß alle bestehenden Idiotenanstalten einen Hausarzt anstellen, und 
daß neu errichtete Idiotenanstalten sofort unter ärztliche Leitung 
kommen und an das System der öffentlichen Irrenanstalten an¬ 
geschlossen werden. Besonders hervorgehoben sei, daß Verfasser auf 
das entschiedenste alle körperlichen Züchtigungen aus den Anstalten 
für Schwachsinnige und Idioten verbannen will, wie sie aus den Irren¬ 
anstalten schon längst verbannt sind. 

M. Bloch. 


Aschaffenburg, G., Verminderte ZurechnungsfähigTceit. Sonderabdruck 
aus der Deutschen medizinischen Wochenschrift. XXX. 31. 

Kritisches Referat über die wichtigsten Arbeiten und Beratungen 
über die verminderte Zurechnungsfähigkeit im ersten Halbjahre 
1904, insbesondere über die Verhandlungen der Landesgruppe Deutsch- 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfüraorge 


147 


land der internationalen kriminalistischen Vereinigung zu Stuttgart 
(v. Liszt, Bleuler, Finger, Krohne, Leppmann) und das 
Gutachten von Kahl für den XXVII. Deutschen Joristentag in 
Innsbruck. Der Inhalt der in Frage kommenden Publikationen dürfte 
der Mehrzahl der Leser bekannt sein, es empfiehlt sich aber, die von 
der Stuttgarter Versammlung angenommenen Thesen hier noch ein¬ 
mal wiederzugeben: 

L 1. Vermindert Zurechnungsfähige sind milder zu bestrafen. 

2. Gegenüber den wegen ausgeschlossener Zurechnungsfähig¬ 
keit Freigesprochenen oder wegen verminderter Zurechnungs¬ 
fähigkeit milder Bestraften sind, soweit sie gemeingefährlich 
sind, geeignete Sicherheitsmaßregeln in Anwendung zu 
bringen. 

3. Solche Sicherungsmaßregeln sind auch denjenigen noch nicht 
verbrecherisch gewordenen Personen gegenüber notwendig, 
die infolge ausgeschlossener oder verminderter Zurechnungs¬ 
fähigkeit gemeingefährlich sind. 

4. Die endgültige Verhängung dieser Sicherheitsmaßregeln er¬ 
folgt in einem besonderen Verfahren, das dem Entmündigungs¬ 
verfahren analog gestaltet ist. 

U. Der Vorstand der internationalen kriminalistischen Vereinigung 
wird beauftragt, den gesetzgebenden Faktoren des Reiches die 
Bitte zu unterbreiten, daß ein Gesetz auf Grund der obigen 
Grundsätze ausgearbeitet werde. 

III. In den vom Bundesrate aufgestellten Grundsätzen über den 
Vollzug gerichtlich erkannter Freiheitsstrafen vom 28. Oktober 
1897 ist nach § 14 folgender § 14a einzuschalten: 

§ 14 a. 

Geistig minderwertige Gefangene sind im Strafvollzüge 
mit Rücksicht auf diesen geistigen Zustand zu behandeln. 
Sie sind unter besondere Aufsicht des Arztes zu stellen. 
Bei diesen Gefangenen hat der Arzt eine entscheidende 
Stimme: 

a) in bezug auf disziplinäre und sonstige Behandlung; 

b) in bezug auf die Beantragung der Ausscheidung aus 
dem Strafvollzug. 

Mit Recht erklärt Verfasser, daß diese Thesen ein Programm 
von eminenter Wichtigkeit für die gesamte zukünftige Strafrechts¬ 
pflege und die öffentliche Rechtssicherheit enthalten. 

M. Bloch. 

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D. Referate. 


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Gaupp, R., Über moralisches Irresein und jugendliches Verbrechertum. 

Juristisch-psychiatrische Grenzfragen. Band II. Heft 1/2. 

Halle. Carl Marhold. 

Die Tatsache, daß in der letzten Zeit die Zahl der jugendlichen 
Verbrecher im Deutschen Reich in rapider Zunahme begriffen ist, 
einer Zunahme, die der der allgemeinen Kriminalität weit überlegen 
ist, geht aus der Kriminalstatistik unleugbar hervor, ebenso die Tat¬ 
sache, daß sowohl die Zahl der von Jugendlichen begangenen schweren 
Verbrechen sowie die Zahl rückfälliger Jugendlicher eine erhebliche 
Zunahme erkennen läßt. Die Ursachen der Kriminalität der Jugend¬ 
lichen liegen, wie die der Kriminalität überhaupt, zum größten 
Teile in außerhalb des Individuums gelegenen Verhältnissen (wirt¬ 
schaftliche Verhältnisse, Milieu, Alkoholismus u. a.). Dabei ist aber 
nicht außer acht zu lassen, daß sich unter diesen jugendlichen Ver¬ 
brechern erstens zahlreiche durch Vererbung Entartete finden und 
zweitens Individuen, bei denen unsittliche Triebe und Handlungen 
schon in frühester Jugend sich zeigen, und die auch der sorgfältigsten 
Erziehung gegenüber versagen. Derartige vom Richter wie vom 
Arzt gemachten Beobachtungen zwingen zu der Frage: Gibt es ein 
moralisches Irresein, eine „Moral insanity“ als solche, d. h. eine 
Geistesabnormität, deren einzig nachweisbares Symptom die Un¬ 
sittlichkeit ist? Zu definieren wäre ein solcher Zustand als „patho¬ 
logisch bedingter angeborener Mangel sittlichen Fühlens und Handelns“, 
als „krankhafte Unfähigkeit zur Entwicklung sittlicher Grundsätze“. 
Verfasser bejaht das Vorkommen solcher Zustände; derartige In¬ 
dividuen sind meist erblich nervös belastet, weisen in der Regel 
körperliche Degenerationszeichen sowie Symptome seelischer Dis¬ 
harmonie (gesteigerte Reizbarkeit, abnorme ReaktionsVerhältnisse, 
sexuelle Perversitäten, Gedächtnisanomalien und manchmal auch 
geringe intellektuelle Begabung) auf. Von einer erheblicheren In¬ 
telligenzschwäche kann aber bei solchen Fällen nicht die Rede sein. 
Prinzipiell weist Verfasser die psychologisch-philosophische Vorstellung 
zurück, als ob sittliches Fühlen und Wollen ein Produkt der Intelligenz 
sei. Verfasser setzt sich hiermit in bewußten Gegensatz zu manchen 
Psychiatern, die in der Moral insanity immer ein Symptom all¬ 
gemeinen Schwachsinns sehen. Das ist sie manchmal, aber keines¬ 
wegs immer. 

Was hat die heutige Rechtspflege zu tun, um die Allgemeinheit 
vor solchen Individuen zu schützen? Die Antwort lautet: Derartige 
krankhaft veranlagte Individuen sollen versorgt und verwahrt werden 
so lange, wie sie aktiv kriminelle Neigungen erkennen lassen. Dagegen 
ist die Frage, wo und wie derartige Individuen unterzubringen sind, 
heute noch nicht als gelöst anzusehen; es könnte sich nur handeln 


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III. Morbidität, Prophylaxe nnd Krankenfürsorge. 


149 


um Anstalten, die eine Zwischenstellnng zwischen Gefängnis nnd 
Irrenanstalt einnehmen. 

Verfasser schließt mit Betonung des Umstandes, daß die Frage 
eine sehr große Bedeutung deshalb nicht hat, weil die Zahl der in 
Rede stehenden Individuen immerhin eine verhältnismäßig sehr kleine 
ist Auch bei ihnen spielen äußere Ursachen nicht selten eine wesent¬ 
liche Rolle, unter denen die wichtigsten, wirtschaftliche Verhältnisse 
nnd Trunksucht, allmählich mit Erfolg unwirksam gemacht werden 
können. Es besteht begründete Hoffnung, daß die moderne Straf¬ 
rechtspflege allmählich den neugewonnenen kriminalpsychologischen 
Erkenntnissen Konzessionen machen wird. 

M. Bloch. 


Prinzing, F., Der Kreis in Österreich. Centralblatt für allgemeine 
Gesundheitspflege. 23. Jahrgang. Bonn. S. 209—221. 

Die Untersuchung erstreckt sich nur auf die Kronländer, in 
welchen mehr als 90 Proz. der Sterbefälle ärztlich beglaubigt sind. 
Wie sich aus den beigegebenen zwei Kartogrammen, welche die Ver¬ 
breitung der Krebssterblichkeit in Österreich nach kleinen Bezirken 
für die Jahre 1880—87 und 1896—1900 veranschaulichen, ergibt, ist 
der Krebs sehr häufig in Nieder- und Oberösterreich, in Salzburg, im 
nördlichen Tirol, im nördlichen Böhmen; da wo der Krebs früher 
häufig war, ist dies auch jetzt noch der Fall, dazu kommen aber im 
Laufe des letzten Jahrzehnts eine Anzahl neuer Herde mit hoher 
Krebssterblichkeit. 

Autoreferat. 

Frieff F», Die in den Jahren 1876 bis 1900 in Breslau vorge¬ 
kommenen Todesfälle an Krebs mit besonderer Berücksichtigung 
örtlicher Einflüsse auf diese Krankheit. Aus dem Hygienischen 
Institut zu Breslau. Sonderabdruck aus dem Klinischen Jahr¬ 
buch. Band 12. Jena. G. Fischer. 68 S. (2,40 M.) 

Die Arbeit gehört zu den sorgfältigsten und erfolgreichsten epi¬ 
demiologischen Studien über Krebs aus der Neuzeit, trotzdem ihre 
Ergebnisse meist negative Fassung haben. Verfasser bearbeitet die 
Todesfälle an Krebs in Breslau nach Lokalisation, Verbreitung in der 
Stadt, Familienzugehörigkeit etc. Dank der Organisation der Bres¬ 
lauer Statistik durch N e e f e war eine reiche Gliederung des Materials 
möglich und die Fehlerquellen geringe. Die Ergebnisse, die Verfasser 
erhielt, weichen mehrfach von den sensationelleren anderer Forscher 
ab. Aber gerade die Exaktheit ihrer Gewinnung verleiht ihnen be¬ 
sonderes Vertrauen. Die absolute Vermehrung, auf die in vielen Ar- 


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150 


D. Referate. 


beiten so viel Wert gelegt wird, betraf ausschließlich die Altersstufen 
von 50—70 Jahren und galt fast gleichmäßig für beide Geschlechter. 
Die Vermehrung der Krebstodesfalle findet nach Frief ihre Erklärung 
in dem stärkeren Befallensein der Organe des Verdauungstraktus, 
also gerade derjenigen Lokalisationen, denen sich die verfeinerte 
Diagnostik im Interesse der operativen Therapie besonders zugewandt 
hat. Die anderen Organsysteme zeigen keine Vermehrung. Für die 
Beteiligung besonderer Berufe, die Bevorzugung besonderer sozialer 
Schichten oder Rassen gibt das Breslauer Material keinen Anhalt 
Wohlhabenheit, Armut oder Wohndichtigkeit spielen also keine ur¬ 
sächliche Rolle. Von besonderem Interesse ist, daß keine Bevorzugung 
besonderer Stadtgegenden sich nachweisen läßt, örtliche Einflüsse 
könnten also nicht als ursächlich beteiligt angesprochen werden. Auf¬ 
fällig waren die Stufungen von Krebstodesfällen in gewissen Häusern; 
eine Tatsache, auf die schon Aschoff für Berlin hingewiesen hat 
Ein besonderer Zusammenhang mit dem Hausschwamm, wie er be¬ 
hauptet worden ist, besteht sicher nicht Sehr interessant ist die 
Untersuchung der Doppelerkrankungen. Hirschberg hatte den 
Weg angegeben, mittels dessen sich prüfen läßt, ob zwei pathologische 
Zustände in ursächlichem Zusammenhänge ständen. Auf diesem Wege 
untersuchte Frief rechnerisch 

1. die Größe der Wahrscheinlichkeit, daß der Ehegatte 
einer an Krebs verstorbenen Person ebenfalls von Krebs ergriffen 
werde, und 

2. die Tatsächlichkeit des Verhältnisses der Krebsehen zu der 
Gesamtheit der lebenden Ehepaare. 

Das Ergebnis der mit großer Sorgfalt durchgeführten Rechnung, 
die mehrere Lebensjahre umfaßt, ergibt, daß aus dem gleichzeitigen 
Ergriffenwerden zweier Eheleute innerhalb eines bestimmten Zeit¬ 
raumes sich kein zwingender Beweis für eine Übertragbarkeit des 
Krebses ergibt. 

A. Gottstein. 


Hirschberg , J., Über die Körnerkrankheit. Vortrag aus dem von 
dem Zentralkomitee für das ärztliche Fortbildungswesen in 
Preußen veranstalteten Zyklus „Volksseuchen“. Mit 1 Karte 
im Text. Klinische Jahrbücher. XIII. Jena. G. Fischer. 44 S. 
(1,80 M.) 

Der Vortrag muß als eine klassische Arbeit bezeichnet werden. 
Er enthält eine erschöpfende Darstellung der Geschichte, geographi¬ 
schen Verbreitung, der Ätiologie, der Pathogenese, Klinik und Ana¬ 
tomie der behandelten Volkskraukheit. Die Prognose und individuelle 
Therapie werden ausführlich geschildert, daran schließt sich ein auf 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


151 


eigene Erfahrungen durch ärztliche Tätigkeit und Studienreisen auf- 
gebanter Plan der Prophylaxe, die Darstellung der Beziehung des 
Trachoms zur Zahl der Erblindungen und eine Wiedergabe der bisher 
zur Bekämpfung der Volksseuche in Deutschland und Österreich ge¬ 
troffenen Maßnahmen, bezüglich deren auf die Referate in den früheren 
Jahrgängen hingewiesen werden kann. Wichtig ist der Vorschlag am 
Schluß der Arbeit, der Krankheit, deren Bekämpfung eine patriotische 
Pflicht sei, durch internationale Maßnahmen entgegenzuwirken. 

Referent hat es sich versagt, eine Reihe höchst interessanter und 
wertvoller Einzelheiten wiederzugehen, weil der Vortrag selbst für 
jeden, der mit der Körnerkrankheit sich beschäftigen will, unentbehr¬ 
lich ist Aber er muß mit dem Ausdruck des höchsten Lobes für dep 
Autor schließen, dem es gelungen ist, ein Bild der Volksseuche, ihrer 
Entstehung und Verbreitung und der Aussichten für ihre Bekämpfiwg zu 
geben, das nach Form und Inhalt vollendet ist und allen Beziehungen, 
vor allem in sozialhygienischer Richtung, gerecht wird. 

A. Gottstein. 


Doepner und Jdnssen, Kosten und Erfolge der Bekämpfung der 
Grantdose in der Provinz Ostpreußen. Separatabdruck aus 
„Klinische Jahrbücher“. Band XIII. Jena. G. Fischer. 
16 S. (0,60 M.) 

Janssen berichtet über den Regierungsbezirk Königsberg, 
Doepner über Gumbinnen. Seit dem Jahre 1896 werden nach dem 
Vorschläge von Hirschberg sytematische Behandlungsversuche der 
Granulöse vorgenommen durch besonders ausgebildete Granulose-Be- 
zirksärzte, deren Aufgabe die Untersuchung und Behandlung nament¬ 
lich der Schulkinder ist. Die Fälle werden nach ihrer Schwere ein¬ 
geteilt und die schwersten Fälle den Krankenhäusern überwiesen. In 
dem Beobachtungszeitraum ist die Seuche sowohl der Quantität als 
der Qualität nach zurückgegangen (in Königsberg Gruppe I von 12044 
auf 4414, Gruppe II von 9499 uuf 3483). Die ganz schweren, kom¬ 
plizierten Fälle und die vernachlässigsten findet man unter den Schul¬ 
kindern überhaupt nicht mehr. In Übereinstimmung damit hat auch 
die Zahl der Augenkranken unter den Militärpflichtigen von 781 auf 
169 abgenommen. Die Kosten betrugen 1899 noch an Staatsbeihilfe 
197000 Mark, an Kreisbeitrag gegen 30000 Mark. Auch sie sind 
wesentlich herabgegangen, weil eine Verminderung der bisher tätigen 
Bezirksärzte möglich war. Die gleiche Beobachtung liegt im Kreise 
Gumbinnen vor, daß die Körnerkrankheit durch die aufgewendeten 
Maßnahmen nach Umfang und Schwere unter den Schulkindern und 
Militärpflichtigen abgenommen hat. 

A. Gottstein. 


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D. Referate. 


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Cohn, L., Unsere Blinden. Darstellung und Kritik des deutschen 
Blindenwesens nebst einer Würdigung des Blinden als er¬ 
werbstätiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft Leipzig. 
F. Dietrich. 16 S. (0,15 M.) 

Die wesentlichen Tatsachen des heutigen Blindenwesens werden 
kurz mitgeteilt. Die Blinden haben sich in Deutschland von 1861 
bis 1900 um ein Drittel vermindert. Von den 37 000 Blinden, die bei 
der Volkszählung im Jahr 1900 in Deutschland ermittelt wurden, 
sind nur 25 Proz. blind geboren, während 70 Proz. ihr Augenlicht 
vom 1. bis 14. Lebensjahre verloren. Ein besonderer Vorzug der 
vorliegenden kleinen Schrift ist die Berücksichtigung der Erwerbs¬ 
möglichkeit und der Erwerbsstatistik, deren Darstellung den Wunsch 
des Lesers nach einer eingehenderen Darstellung durch L. Cohn, als 
sie in diesem Rahmen möglich war, auf das lebhafteste wachruft. 

A. Grotjahn. 


Tenholt, Die Untersuchung auf Anchylostomiasis mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der umrmbehafteten Bergleute. 2. Auflage. Bochum. 
W. Stumpf. 6 S. mit 2 Taf. (1 M.) 

Der Verfasser gibt in kurzer präciser Form, der man die große 
eigene Erfahrung anmerkt, eine Darstellung der Untersuchungs¬ 
methoden auf die Wurmeier, der praktischen Handgriffe, der zu ver¬ 
meidenden Fehlerquellen bei der Untersuchung und der Unterschiede 
von anderen in den Ausleerungen vorkommenden Wurmeiern. Die 
Diagnose kann unter Umständen fast mit Sicherheit schon aus dem 
Symptomenkomplex gestellt werden. Vorzügliche Abbildungen in 
2 Tafeln erläutern die Darstellung. 

A. Gottstein, 


Dieminyer, Beiträge zur Bekämpfung der Ankylostomiasis. Klinische 
Jahrbücher. XII. Jena. G. Fischer. 10 S. und 1 Taf. 

Der Bericht enthält zunächst die Ergebnisse der Untersuchungen, 
die Verfasser über die Verbreitung der Krankheit unter den Arbeitern 
einer Zeche vornahm, von denen 66 Proz. die Eier bargen. Von den 
Freigebliebenen zeigte die Hälfte 5 Monate später ebenfalls Wurmeier 
im Stuhl. Nach übermäßigem Alkoholgenuß verringert sich die Zahl der 
Eier im Stuhl auf ein Minimum. Die Abtreibekur gibt im allgemeinen 
gute Resultate, doch muß die Behandlung in 20 Proz. der Fälle 
wiederholt werden. Eine Übertragung der Krankheit auf Familien¬ 
angehörige, die nicht in die Grube einfuhren, wurde unter fast 
1000 Untersuchten nur einmal festgestellt; wahrscheinlich war die 
Ursache das Verzehren infizierter Nahrungsmittel. Doch ist nach 


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IIL Morbidität, Prophylaxe und Krankenftireorge. 


153 


Versuchen des Verfassers die Möglichkeit vorhanden, daß auch der 
außerhalb der Grube entleerte Stuhlgang die Krankheit überträgt. 
Tiere (Ratten, Mäuse, Grillen) scheinen nach Versuchen des Verfassers 
als Krankheitsüberträger nicht in Frage zu kommen. 

A. Gottstein. 


Brennecke, Reform des Hebammenwesens oder Reform der geburts¬ 
hilflichen Ordnung? Ein Beitrag zur Kritik der im König¬ 
reich Preußen geplanten gesetzlichen Neuregelung des Heb¬ 
ammenwesens. Magdeburg. Faber’sche Buchdruckerei. 119 S. 
(2,00 M.) 

Br. polemisiert zunächst gegen den dem preußischen Landtage 
zugegangenen Gesetzentwurf betreffend die Neuregelung des Hebammen¬ 
wesens. Verfasser kann seine Zustimmung den Regierungsvorschlägen 
nicht geben, weil sie sich wieder rein auf das Hebammenwesen be¬ 
schränken und nicht eine Reform der geburtshilflichen Ordnung an- 
bahnen. Nach ihm ist eine Beseitigung der vielen Mißstände in der 
Geburts- und Wochenbettshygiene nur durch eine Reform aller 
einschlägigen Faktoren, nicht eines Faktors, zu erwarten. „Heb¬ 
ammenwesen- und Wöchnerinnenpflege-Ordnung sind zwei gleichwertige, 
zum Begriffe eines gesunden Organismus der Geburts- und Wochen¬ 
bettshygiene gehörige und einander notwendig ergänzende Faktoren.“ 
Was den Hebammenstand betrifft, so faßt Br. seine Ansicht in den 
Leitsatz zusammen: „Der Hebammenstand steht bisher unter dem 
Zeichen des Gewerbes, nicht aber unter dem der Hygiene“; er 
fordert vor allem dreierlei: 1. entwickeltere Intelligenz und bessere 
allgemeine Vorbildung der zum Hebammenunterricht zuzulassenden 
Schülerinnen und dementsprechende wesentliche Vertiefung des ganzen 
Hebammenunterrichts; 2. Anstellung sämtlicher Hebammen als Bezirks¬ 
hebammen und grundsätzliche Beseitigung aller sogenannten frei¬ 
praktizierenden Hebammen; 3. genügende pekuniäre Sicherstellung der 
Bezirkshebammen durch Garantierung eines dem Gehalt der Lehrerinnen 
deich zu bemessenden Mindesteinkommens, samt Alters- und Invali¬ 
ditätsversorgung derselben. Das Werk enthält sonst noch den Ab¬ 
druck zweier dem Kultusministerium überreichter Denkschriften: 
»1. Zur Reform des Hebammenwesens und 2. Auf welche Gegenstände 
hat sich die Neubearbeitung des Preußischen Hebammenlehrbuches 
in erster Linie zu erstrecken und welche Gesichtspunkte sind hierbei 
zugrunde zu legen?“ Das dritte Kapitel gibt einen auf der Natur¬ 
forscherversammlung zu Düsseldorf im Jahre 1898 gehaltenen Vortrag 
wieder über die Stellung der geburtshilflichen Lehranstalten und der 
Wöchnerinnenasyle im Organismus der Geburts- und Wochenbetts¬ 
hygiene. Das vierte Kapitel bildet ein auf der Versammlung des 


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D. Referate. 


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deutschen Vereins zur öffentlichen Gesundheitspflege 1896 erstattetes 
Referat über „Das Ziel der sozialen Entwicklung auf geburtshilflichem 
Gebiete: die Errichtung von Heimstätten für Wöchnerinnen“. Zum 
Schlüsse werden statistische Mitteilungen über Morbidität und Mor¬ 
talität im Wochenbett gegeben. 

B. Spiethoff. 


Schnitze, B. 8,, Lehrbuch der Hebammenkunst. 13. Auflage. Leipzig. 

W. Engelmann. XXVIH. 395 S. (7,00 M.) 

Bis auf die Neubearbeitung einiger Kapitel sind Anordnung und 
Ausführung in dieser Auflage dieselben geblieben wie in den früheren. 
Was das Schultze’sche Buch so wertvoll und auch für den Arzt 
noch interessant macht, ist die mit meisterhaft logischer Schärfe 
durchgeführte Schilderung des Geburtsmechanismus. Auf jeder Seite 
fühlt man den innigen Wunsch des Verfassers heraus, die Hebammen¬ 
schülerin zu einem denkenden Wesen zu erziehen, ihr für den Beruf 
Interesse und Begeisterung einzuflößen. Wenn das nicht immer ge¬ 
lingen sollte, so trägt der Lehrmeister daran gewiß keine Schuld, 
sondern die Schülerin, deren intellektuelle oder moralische Anlagen 
für den gewählten Beruf eben nicht ausreichen. Deshalb legt Schultze 
wie auch andere Vorkämpfer für eine geburtshilfliche Reorganisation 
entscheidenden Wert auf die Rekrutierungsfrage. 

B. Spiethoff 


Für8t, M; und Windscheid, F., Handbuch der sozialen Medizin 

Band IV. Mit 24 Abbildungen im Text. Jena. G. Fischer. 

487 S. (12,00 M.) 

Fast die Hälfte des vorliegenden Buches nimmt der eine Aufratz 
von Jessen ein, „Soziale Krankenpflege in Krankenhäusern“, der 
sich durch seinen großen Inhalt an tatsächlichem Material des In- 
und Auslandes, durch genaue Berücksichtigung der geschichtlichen 
Entwicklung und ausführliche Literaterangaben auszeichnet und dem 
man die praktische Erfahrung und den auf Tatsachen gerichteten 
Sinn des Verfassers anmerkt. Der Titel „Soziale Krankenpflege“ 
ist allerdings nur insofern gerechtfertigt, als das Krankenhauswesen 
überhaupt zu den sozialen Einrichtungen gehört. Im wesentlichen 
handelt es sich einfach um eine Darstellung der modernen Kranken¬ 
hauseinrichtungen und Krankenhauspflege; diese Darstellung ist, ohne 
allzusehr in Einzelheiten zu gehen, außerordentlich umfassend und 
berücksichtigt namentlich die Verwaltungsfragen, die gesetzlichen 
Bestimmungen über die Berufspflichten der verschiedenen Kategorien 
der Beamten, die Versorgung der Kranken. Es handelt sich hierbei 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


155 


weniger am die Darstellung der technischen Anforderungen für den 
Bau der Anstalten als um die des Betriebes. Ein eigener Abschnitt 
ist den Sonderkrankenhäusern gewidmet; hier vermißt man allerdings 
neben der vorzüglichen Darstellung der Vergangenheit und der Gegen¬ 
wart, Ausblicke in die Zukunft, weil wenigstens in den modernen 
Großstädten, wie ja auch der Verfasser selbst an einer Stelle an¬ 
deutet, mit dem bisherigen System der allgemeinen Riesenanstalten 
gebrochen werden und eine Dezentralisation nach der Schwere und 
der Art der verschiedenen Krankheiten eintreten muß. Verfasser 
wäre nach seinen Kenntnissen und Erfahrungen berufen gewesen, 
auch die Aufgabe der Zukunft auf dem von ihm behandelten Gebiete 
schärfer hervorzuheben. 

Die anderen Abschnitte des Werkes behandeln, von hervorragen¬ 
den Fachmännern abgefaßt, derartige Spezialkrankenhäuser, so be¬ 
spricht Nonne die Trinkerheilstätten, Ritter die Volksheilstätten 
für Lungenkrankheiten, Illberg die Irren-, Idioten- und Epileptiker¬ 
anstalten. Besonders hin gewiesen werden soll auf den Abschnitt, den 
Nocht bearbeitete, die ärztliche Mitwirkung bei der sozialen Für¬ 
sorge im Seeverkehr. Hier finden neue Gebiete von ma߬ 
gebendster Seite ihre Darstellung, nämlich die Behandlung des Aus¬ 
wandererverkehrs und die ärztliche Mitwirkung bei deren Unter¬ 
suchung und gesundheitlichen Fürsorge. Ferner bespricht Nocht 
die Pflichten des Schiffsarztes und seine Stellung auf deutschen und 
fremden Schiffen. 

A. Gottstein, 

Ergebnisse des von der Landes-Versicherung#-Anstalt der 
Hansestädte eingeleiteten Verfahrens • bei Ver¬ 
sicherten, die an Emphysem, Asthma, Bronchitis, 
Neurasthenie, Chlorose, Gelenkrheumatismus usw. 
erkrankt tvaren. Festgestellt Ende 1903. Hamburg. 
Lütcke & Wulff. 8 S. 

Es handelt sich um 1766 Kranke (828 männliche, 938 weibliche), 
bei denen seit 1894 das Behandlungsverfahren zum Zwecke der Wieder¬ 
berstellung der Erwerbsfähigkeit eingeleitet war. Die nach den ein¬ 
zelnen Krankheiten geordneten Tabellen enthalten die Ergebnisse, die 
z. B. für die Lungenkrankheiten relativ, für Neurasthenie, Chlorose 
und allgemeine Körperschwäche in der Rekonvaleszenz sogar recht 
gute Dauerresultate aufweisen. 

A. Gottstein. 

Die Handhabung des Heilverfahrens bei Versicherten und 
die Unterbringung von Rentenempfängern in In- 


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D. Referate. 


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validenheimen durch die Landes-Versicherung»- 
Anstalt der Hansestädte im Jahre 1903 soivie die 
Jahresberichte über die Heilstätten-Anlagen, Ham¬ 
burg. Lütcke & Wulff. 50 S. 

Im Jahre 1903 wurden 3341 Anträge auf Übernahme des Heil¬ 
verfahrens gestellt (1944 männliche, 1397 weibliche). Davon wurden 
1335 (892 männliche, 843 weibliche) genehmigt. Hiervon betrafen 
1170 lungenkranke Personen (gestellte Anträge 1890). Die ange¬ 
schlossenen Berichte betreffen die Einteilung der Anträge nach 
Monaten, die Namen der benutzten Anstalten mit der Zahl der über¬ 
wiesenen Fälle, die Zahl der Pflegetage, die Kosten und die Berichte 
der leitenden Ärzte über die Ergebnisse. 

A. Gottstein . 


Fünfter Bericht des deutschen Samariterbundes für 1903 
und 1904. Leipzig. Friedrich Gröber. 

Der deutsche Samariterbund bedeutet im allgemeinen im Frieden 
das, was das Rote Kreuz für den Krieg bedeutet. Da das letztere 
aber, abgesehen von seiner kriegsvorbereitenden Tätigkeit, auch 
Friedensaufgaben zu erfüllen hat und eine weitgehende Friedens¬ 
tätigkeit auf dem Gebiet der allgemeinen sozialen Wohlfahrtspflege 
ausübt, so sind Grenzgebiete vorhanden, auf denen die Tätigkeit 
parallel geht Referent hat seinerzeit das Verhältnis des deutschen 
Samariterbundes zum Roten Kreuz einer eingehenden Besprechung 
unterworfen. Der Bund zeigt eine erfreuliche Weiterentwicklung. 
Sein Hauptgebiet ist das moderne Rettungswesen, der Krankentrans¬ 
port und die Krankenpflege sowie praktische Abhilfe bis zur Ankunft 
des Arztes. Daß der Umstand der begrenzten Laienhilfe bis zur 
Ankunft des Arztes auch in ärztlichen Kreisen gewürdigt wird, ist 
das Hauptverdienst des Samariterbundes. Diese Tätigkeit hat aber 
eine eminent soziale Bedeutung, da ja nur der ärztlich Angeleitete 
imstande ist, sachgemäße Hilfe zu leisten. Die berechtigten ärztlichen 
Bedenken, die anfangs herrschten, sind geschwunden, und da es an 
guten Lehrbüchern — das beste ist der Rühlemann’sche Leit¬ 
faden — nicht mangelt, so ist jeder Arzt in der Lage, den Samariter¬ 
unterricht so zu gestalten, daß jeder Versuch der Kurpfuscherei sich 
ausschaltet. Die Arbeit des deutschen Samariterbundes ist von jeher 
eine praktische gewesen und hat sich von Anfang an auf den Stand¬ 
punkt gestellt, daß lediglich der Arzt Führer und Leiter auf diesem 
klippenreichen Gebiete sein kann. Der Begriff der „Laienhilfe“ ist 
eben so eng als nur irgend möglich zu fassen. 

O. Neumann. 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


157 


Lindheim, A. v., SaltUi aegrorum. Aufgabe und Bedeutung der 
Krankenpflege im modernen Staat. Eine sozialstatistische 
Untersuchung. Leipzig und Wien. Deuticke. 334 S. (7,00 M.) 

In vier Kapiteln behandelt der Verfasser, der anscheinend nicht 
Arzt sondern Verwaltungsbeamter ist, wichtige Fragen des Kranken¬ 
hauswesens und zwar vorwiegend solche, die von den medizinischen 
Autoren bisher vernachlässigt worden sind, nämlich 1. den Umfang 
der Krankenfürsorge und Krankenpflege in Österreich und Deutsch¬ 
land im Vergleich mit anderen Kulturländern, 2. die Sterblichkeits¬ 
und Erkrankungsverhältnisse in der Krankenpflege, 3. die Gefahr¬ 
losigkeit der Kurorte und Lungenheilstätten in bezug auf die In¬ 
fektion der Bevölkerung und 4. die Reform der Krankenpflege in den 
Kulturstaaten. Teils benutzt der Verfasser eigene Ermittelungen, 
die er besonders in den österreichischen Ländern angestellt hat, teils 
schöpft er aus Quellen, deren Herkunft er etwas sorgfältiger hätte 
angeben können. Die wertvollsten Teile des Buches bilden die 
statistische Darstellung der Mortalität und Morbidität der sich mit 
der Krankenfürsorge befassenden Berufe im zweiten Kapitel und 
weiterhin die fesselnde Schilderung des englischen Pflegerinnen¬ 
wesens im vierten Kapitel. Aus den Leitsätzen, mit denen der 
Verfasser seine Arbeit schließt, seien die folgenden hier wieder¬ 
gegeben: 

Dem Staate obliegt die Verpflichtung, im Vereine mit den be¬ 
teiligten Faktoren Einrichtungen für eine allgemeine Kranken-, Un¬ 
fall- und Invaliditätsversicherung jener Staatsangehörigen zu schaffen, 
welche nicht imstande sind, hierfür aus eigenen Kräften zu sorgen. — 
Der Staat hat dafür Sorge zu tragen, daß genügend Pflegekräfte in 
erster Linie für die öffentlichen Heilanstalten, in zweiter Linie für 
die Distrikts- und Privatpflege vorhanden sind. Um dem jetzt be¬ 
stehenden Mangel abzuhelfen, sind mit den bestehenden, bereits seit 
längerer Zeit segensreich wirkenden konfessionellen Genossenschaften, 
sowie mit den bestehenden interkonfessionellen Pflegegesellschaften 
(Rotes Kreuz etc.) Vereinbarungen zu treffen, welche den Mangel an 
Pflegepersonal beheben. Die gesamten bisher nicht organisierten 
weltlichen Krankenpflegepersonen männlichen und weiblichen Ge¬ 
schlechtes sind zu Verbänden zu vereinigen, welche vom Staate in 
Evidenz gehalten werden. — Die eigentlichen Krankenpflegepersonen 
männlichen und weiblichen Geschlechtes sind in Morbidität und Mor¬ 
talität zwar weniger günstig als die Ärzte gestellt, doch sind sie in 
bezug auf die Infektion und namentlich der Tuberkulose nicht größerer 
Gefahr ausgesetzt als die gesamte Bevölkerung in der gleichen Alters¬ 
epoche. Die ungünstigen Ausnahmen, welche bei den konfessionellen 
Genossenschaften, namentlich bei den Barmherzigen Schwestern 


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158 


D. Referate. 


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römisch-katholischen Bekenntnisses stattfinden, sind auf Gründe 
znrückzuführen, die nicht in der Ansteckung am Krankenbette be- 
rnhen. — Die Knlturstaaten sollen zusammentreten, um einheitliche 
Vereinbarungen für eine vollkommenere und sicherere Mortalitäts¬ 
und Morbiditätsstatistik zu treffen, welche geeignet ist, über den 
Zusammenhang der Erkrankung und des Todes mit dem Berufe Auf¬ 
klärung zu geben, den Vergleich der Ergebnisse innerhalb der ver¬ 
schiedenen Staaten zu erleichtern und der Medizin sowie der Sozial¬ 
wissenschaft wichtige und neue Behelfe zu liefern. 

A. Grotjahru 


Die Krankenversicherung im Jahre 1901. Bearbeitet im 
Kaiserlichen Statistischen Amt. Referent: P. May et. Statistik 
des Deutschen Reichs. Neue Folge. Band 147. Berlin. Putt¬ 
kammer & Mühlbrecht 48* und 192 Seiten. (5,00 M.) 

Der sonst gewöhnlich beigegebene einleitende Text ist diesmal 
fortgeblieben, dagegen enthält der Band ein eingehendes Gesamt¬ 
inhaltsverzeichnis der bisherigen Einleitungen. Wertvoll ist die in 
der diesmaligen Einleitung enthaltene reichhaltige Zusammenstellung 
der Entwicklung der Krankenkassen seit ihrem Bestehen; die zahl¬ 
reichen Tabellen geben Aufschluß über Größe der Kassen, Mitglieder¬ 
zahl, Karenzzeit, Zahl der Erkrankungen und der Krankheitstage, vor 
allem aber über die finanzielle Gestaltung des Kassenwesens. Es 
kamen ohne Einbeziehung der Knappschaftskassen 1888 auf 1000 
männliche Einwohner in Deutschland 187,9 und auf 1000 weibliche 
40,1 Versicherte, im Jahre 1901 waren die Ziffern 262,8 und 79,2. 

F. Prinxing. 


Wiedemann, Was muß der Arzt vom Krankenversicherungsgesetz 
wissen? München. Seitz & Schauer. 162 S. (1,50 M.) 

Das vorliegende Schriftchen entspricht nach allen Richtungen den 
Bedürfnissen des praktischen Arztes, dem es nicht möglich ist, 
Kommentare, Reichstagsverhandlungen, Entscheidungen aller Art über 
Ausdrücke im Krankenversicherungsgesetz, die verschiedener Deutung 
fähig sind, durchzuarbeiten. Die Kenntnis dieser Dinge ist für den 
Arzt von großem Wert, da er oft in die Lage kommt, Kassenmit¬ 
gliedern zu ihrem guten Recht verhelfen oder übertriebene Ansprüche 
zurückweisen zu müssen. Ein ausführliches Register erleichtert die 
Benutzung. 

K Prinxing. 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 


159 


Krankenversicherung in den Jahren 1896 — 1900. Alters¬ 
und Invalidenrenten seit 1891. Breslauer Statistik. 
Herausgegeben vom Statistischen Amt der Stadt Breslau. 
Band XXI11 Heft 1. Breslau 1903. E. Morgenstern. 152 S. 
(2,00 M.) 

Das unter Leitung des verdienstvollen Statistikers Neefe 
stehende Statistische Amt der Stadt Breslau hat schon durch zwei 
Veröffentlichungen über Krankenversicherung! (Band XIV, Heft 3 
and Band XIX, Heft 4 der Breslauer Statistik) wichtige Beiträge 
zur Statistik der Krankenkassen und zur Morbiditätsstatistik der 
Mitglieder geliefert Im diesjährigen Bericht ist die Art der Er¬ 
krankung nicht berücksichtigt. Besonderer Wert wird stets darauf 
gelegt, zu zeigen, wie sehr die Ergebnisse der Krankenkassenstatistik 
von den statutarischen Bestimmungen der einzelnen Krankenkassen 
abhängig sind, und daß daher einzelne Kassen ohne Berücksichtigung 
dieses Umstandes nicht miteinander verglichen werden können. Die 
Morbidität des weiblichen Geschlechts erscheint in den Tabellen 
überall geringer; wie ganz richtig ausgeführt ist, erklärt sich dies 
daraus, daß die weiblichen Versicherten durchschnittlich jüngeren 
Altersklassen angehören als die männlichen. In einem kleinen An¬ 
hang über Invalidenrenten wird deren günstiger Einfluß auf die 
Entlastung der Armenpflege besprochen. Auf je 1000 erwerbstätige 
Arbeiter wurden in den Jahren 1896—1900 Invalidenrenten bewilligt 
beim Alter von 



20—30 

30-40 

40—50 

50-60 

60-70 

über 70 

ucSCDlcCul 

Jahren 

Jahren 

Jahren 

Jahren 

Jahren 

Jahre 

männlich. 

6 

1 19 

40 

96 

306 

243 

weiblich. 

5 

15 

i 

35 

124 

397 

396 


Verhältniszahlen für Invalidenrentner bei verschiedenen Berufen 
lassen sich leider nicht berechnen, da die Zahl der in jeder Berufs¬ 
gruppe Erwerbstätigen nicht mit Sicherheit zu ermitteln ist. 

F. Prlnzing. 

Lenhhofff R., Der Kongreß der Krankenkassen Deutschlands am 
25. Januar 1904. Stenographischer Bericht. Mit Kommentar. 
Mit einem Anhänge von Curt Freudenberg. Berlin. 
0. Coblentz. 36 und XIX S. (0,75 M.) 

Eine nicht nur für Ärzte, sondern auch für alle Sozialpolitiker, 
die zu der Krankenversicherung in Beziehung stehen und Interesse 
für die Kassenarztfrage haben, wichtige Arbeit. In über 100 An- 


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160 D. Referate. 

merkungen, die unter dem Text des stenographischen Berichtes 
Platz gefunden haben, widerlegt der Kommentar zahlreiche Irrtümer, 
Entstellungen und Einseitigkeiten der Reden der meisten Delegierten 
zu dem genannten Kongreß bezüglich der Ärztefrage. Es ist natür¬ 
lich, da es sich nicht um eine in sich geschlossene Arbeit handelt, 
nicht möglich, dieselbe referierend zu besprechen. Hervorgehoben sei 
nur der ja auch sonst hinreichend bekannte maßvolle und sozial¬ 
politisch verständige Standpunkt des Verfassers, der selbst an dem 
Selbstverwaltungsrecht der Krankenkassen nicht gerüttelt sehen 
möchte, den Kassenvorständen gegenüber aber energisch das Koalitions¬ 
recht der Ärzte gewahrt und als selbstverständliche Forderung re¬ 
spektiert sehen will. Die Kritik des Ergebnisses des ausschließlich 
der Ärztefrage gewidmeten Kongresses faßt Verf. mit Recht darin 
zusammen, daß sachlich ein Versuch der Lösung der Frage überhaupt 
nicht unternommen worden ist, daß besonders der freien Arztwahl 
gegenüber eine prinzipielle Stellung nicht eingenommen wurde; die 
einzige positive Forderung stellt nur „der Ruf nach der Polizei zur 
Unterdrückung des Koalitionsrechts der Ärzte“ dar (Absatz 10 der 
gefaßten Resolution). Bedauerlich bleibt es, daß sämtliche Anträge, 
die den Weg zu einer Verständigung mit den ärztlichen Organisationen 
weisen sollten, entweder abgelehnt wurden oder überhaupt nicht zur 
Beratung kamen. 

In dem Nachtrag werden eine Reihe von Artikeln unseres leider 
zu früh verstorbenen Freundes Gurt Freudenberg zum Abdruck 
gebracht, in denen nachgewiesen wird, wie schwer es ist, aus der 
Krankenkassenstatistik zuverlässige und verwertbare Schlüsse in bezug 
auf Vorzüge oder Nachteile eines kassenärztlichen Systems zu ziehen, 
und in denen weiter die Art, wie gewisse Gegner der freien Arztwahl 
letztere zu bekämpfen suchen, charakterisiert wird. 

Jff Bloch. 


Aus den JErgebnissen der Sozialversicherung. Beilage zu 
den Beiträgen zur Statistik der Stadt Frankfurt a. M. Neue 
Folge. Frankfurt a. M. Gebr. Knauer. 23 S. 

Das vorliegende Heft enthält die Statistik der Invalidenrenten¬ 
empfänger, die Geschäftsergebnisse der Krankenkassen und eine Zu¬ 
sammenstellung der An- und Abmeldungen bei der allgemeinen Orts¬ 
krankenkasse. In der ersten Tabelle, die die Rentenempfänger nach 
dem Alter des Bezugsbeginnes ausscheidet, zeigt sich ausgesprochen, 
daß hier zwei Maxima vorhanden sind, das erste zwischen dem 
26. und 30. Jahre, dessen Ziffer erst wieder nach dem 50. erreicht 
wird, und das zweite, natürlichere nach dem 60. Lebensjahre. Das 
erstere Maximum, das in die Jahre bester Lebenskraft fällt, läßt hin- 


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HL Morbidit&t, Prophylaxe und Krankenfttrsorge. 


161 


reichend erkennen, wie stark äußere Umstände mitspielen. In der 
Krankenkassenstatistik ist ein langsames Zurückgehen der Betriebs¬ 
kassen zu bemerken, was ja vor allem bei den kleineren ganz er¬ 
freulich ist, da ihnen gegenüber die Ortskrankenkasse leistungsfähiger 
erscheint. Für diese könnte man eine Abnahme der sehr hohen Ver¬ 
waltungsausgaben wünschen, die allein fast 10 Proz. der Gesamt¬ 
aasgaben beanspruchen. Die Ortskrankenkasse ist die einzige, die 
Wöchnerinnenunterstützung zahlt. 


Tencaltungüberlebt der Vereinigten Ortekrankenkasse zu 
Kottbus für das Jahr 1903. Kottbus. 35 und XIV S. 

Der vortreffliche Bericht enthält allgemeine Bemerkungen über 
die Entwicklung des Krankenkassenwesens überhaupt und über die 
der Ortskrankenkasse in Kottbus. Aus den statistischen Ausweisen 
sind die Tabellen über die Art der Erkrankung nach Geschlecht und 
Alter und nach Geschlecht und Beruf zu erwähnen (ohne gleichzeitige 
Mitteilung der entsprechenden Zahlen des Versicherten). 

F, Frlnzing. 

Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse für den Gewerbe¬ 
betrieb der Kauf leute, Handelsleute und Apotheker 
zu Berlin für 1903. 43 und 16 S. 

Der sehr übersichtlich zusammengestellte und bis in die kleinsten 
Einzelheiten genau durchgearbeitete Bericht gewährt, ergänzt durch 
die regelmäßigen von derselben Kasse veröffentlichten Wohnungs¬ 
enqueten (siehe diese), einen Einblick in die Lebensverhältnisse jener 
Schichten der großstädtischen Bevölkerung, die man als die der 
„Proletarier mit weißer Wäsche“ bezeichnen kann. Da die Kasse im 
Berichtsjahre nicht weniger als 83000 Mitglieder umfaßte, darf man 
die von ihr gebotenen Angaben wohl als für jene Schicht maßgebend 
ansehen. Die Zahl der Tage, für welche Krankenunterstützung von 
der Kasse geleistet wurde, erreichte 1903 die enorme Höhe von rund 
800000. Im Interesse der zahlreichen kranken Mitglieder leitete die 
Kasse im Jahre 1903 die Errichtung einer großen Lungenheilstätte 
im Lychener Stadtforst am Stübnitzsee in die Wege. Die Anstalt 
faßt 100 Betten und wird ca. 500000 Mark kosten. 

A, Südeleum. 

Geschäftsbericht der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu 
Halberstadt für das I{echnu tifjsjahr 1904. 

Das abgelaufene Geschäftsjahr 1904 ist für die Kasse nicht ün- 
günstig gewesen. Durch die Festsetzung der Beiträge auf 4 Proz. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 11 


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162 


D. Referate. 


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konnte allen Anforderungen, hervorgerufen durch die erhöhten Leistungen, 
entsprochen werden, außerdem konnte dem Reservefonds 7000 Mark 
überwiesen werden. Der Mitgliederbestand betrug am 1. Januar 
3872 (2616 männliche, 1256 weibliche), am 31. Dezember 4298 (2913 
männliche, 1385 weibliche), so daß ein Zuwachs von 426 Personen zu 
verzeichnen ist. Erkrankungsfälle, welche mit Erwerbsunfähigkeit 
verbunden waren, sind im Berichtsjahre eingetreten 1791 der männ¬ 
lichen und 1042 der weiblichen Mitglieder zusammen 2833. Von den 
Krankheitstagen entfielen auf die männlichen Mitglieder 28017, auf 
die weiblichen 19758 Tage. In Krankenanstalten am Orte waren 
untergebracht 266 Personen, in auswärtige 17 Personen. Gestorben 
sind 31 männliche und 14 weibliche Mitglieder. 

Die Ausgaben betrugen: 



1 Mark 

Pfen¬ 

nige 

Für ärztliche Behandlung 

18 345 

53 

Für Arznei und sonstige Heilmittel 

15 567 

16 

Krankengeld 



a) an Mitglieder 

44 354 

31 

b) an Angehörige 

1677 

80 

Wöchnerinnenunterstützung 

2 921 

50 

Kurkosten an Krankenanstalten 

12 048 

00 

Sterbegelder 

3753 

10 

Ersatzleistungen 

1901 

85 

Zurückgezahlte Beiträge 

90 

54 

Verwaltungsausgaben 



a) persönliche 

6168 

57 

b) sächliche 

1077 

40 

Sonstige Ausgaben 

1058 

46 

Kapitalanlage 

7000 

00 

Kassenbestand 

1 767 

76 


Summa: 117 7311 98 


A. Grotjahn. 


Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse für das Bäcker¬ 
gewerbe xu Berlin für das Kalenderjahr 1904. 

Als Beitrag wurden nach dem erstatteten Berichte 2*/ 8 Proz. er¬ 
hoben. Die Zahl der Mitglieder betrug 7612. Verausgabt wurden 
für ärztliche Behandlung 20299,53 Mark (gegen 17899,82 im Vor¬ 
jahre) für Arznei und sonstige Heilmittel 28785,58 Mark (gegen 
19322,85 im Vorjahre), für Krankenuntersttitung 61578,76 Mark 
(gegen 55642,37) und für Verwaltung 20888 Mark (gegen 17988). 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 163 

Die Gesamtausgaben betrugen 245000 Mark. Dem Bericht ist eine 
kurze Statistik der Morbidität und Mortalität beigegeben. 

A. Grotjahn. 


Häberlin, H., Über das heutige Krankenkassemoesen und die zukünftige 

Krankenversicherung in der Schweiz. Zürich. Speidel. 99 S. 

(1,00 M.) 

Im vorliegenden Buche werden zwar vorwiegend schweizerische 
Krankenkassenverhältnisse geschildert, aber es hat doch einen eigenen 
Reiz, das Krankenkassenwesen einmal von einem anderen Gesichts¬ 
punkte aus als dem, den wir in Deutschland bei unserer obligatorischen 
Versicherung zu nehmen gewohnt sind, anzusehen. In diesem Falle 
ist das um so lehrreicher, als Häberlin häufig auf deutsche Ver¬ 
hältnisse, die er ausgezeichnet kennt, Bezug nimmt. Er tritt nicht 
für eine obligatorische Versicherung nach deutschem Muster, die an¬ 
scheinend in der Schweiz vorläufig noch keine Aussicht auf Verwirk¬ 
lichung hat, ein, sondern für eine starke Subventionierung der be¬ 
stehenden freien Kassen durch die Bundesregierung. Er glaubt, daß 
dadurch die Versicherung sich verallgemeinern wird, ohne daß die 
Selbständigkeit der Kassen leidet. Bezüglich der ärztlichen Ver¬ 
sorgung steht er durchaus auf dem Standpunkte der freien Arztwahl 
mit ärztlicher Selbstkontrolle. Interessant zy hören ist es, daß es zur¬ 
zeit in Zürich 60 Krankenkassen gibt, die nur Krankengeld gewähren, 
aber nur wenige, die außerdem noch die Kurkosten übernehmen. 
Neu werden dem Leser auch die Angaben sein, die Häberlin über 
die Anfänge der Kinderversicherung, deren Fürsprecher er ist, macht. 
In Basel sind über 6000 Kinder, in Zürich etwa 500 kassenmäßig 
versichert. Monatlich wird für das erste 0,50, für das zweite 0,35, 
für das dritte 0,25, für das vierte bis sechste Kind (die weiteren sind 
gratis) 0,15 Francs bezahlt, während der Beitrag für den Erwachsenen 
1,00 Francs beträgt. 

1 . Grotjahn. 


Bericht des Verbandes der Genossenschaftskrankenkassen 
Wiens samt der Statistik der Verbandskassen für 
das Jahr 1903. Wien. Volksbuchhandlung. 174 S. 
(1,00 M.) 

Der mittlere Mitgliederbestand der Verbandskassen war im Be¬ 
richtsjahr 128557, die Zahl der Kassen war wie früher 55. Über 
den zweiten österreichischen Krankenkassentag (der erste war 1896) 
wird eingehend berichtet; er zeichnet sich durch Beschluß zahlreicher, 
zum Teil weitgehender und nie erfüllbarer Resolutionen aus. Die 
Kassen haben fest angestellte Kassenärzte (124); daneben sind 5 Re¬ 
il* 


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164 


D. Referate. 


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visions-(Chef-)Ärzte tätig, denen zahlreiche Untersuchungen über 
Arbeitsfähigkeit, Bewilligung eines Landaufenthalts, Besuch eines 
Kurorts, Aufnahme in ein Rekonvalescentenheim usw. zufallen. Von 
allgemeinem wissenschaftlichen Wert sind die umfangreichen statisti¬ 
schen Mitteilungen über Morbidität, Mortalität und Unfallhäufigkeit 
der Mitglieder. Diese, sowie die Krankheitsfälle (getrennt in solche 
mit und ohne Erwerbsfähigkeit) und die Sterbefälle werden bei der 
Gesamtheit für einzelne Altersjahre, bei den einzelnen Berufsarten 
nach 5-, bzw. (bei den älteren Jahrgängen) nach 10jährigen Alters¬ 
klassen ausgezählt. Ohne Trennung nach Altersklassen wird die 
Wiederholung der Erkrankung, die Art und die Dauer der Krank¬ 
heit mitgeteilt. Bei den Unfällen ist die Art des Unfalls in den 
einzelnen Betrieben und die Häufigkeit, mit welcher sie auf die Jahres¬ 
zeiten, die Wochentage und die Tagesstunden fallen, angegeben. 

F. Prinztng. 


Protokoll über die am 15. Mai 1904 stattgehabte fünfzehnte 
ordentliche Delegiertenversammlung des Verbandes 
der niederösterreichischen Bezirkskrankenkassen. 
28 S. Wien. Selbstverlag. 

Erwähnenswert ist <jer Beschluß, kurze populäre Belehrungen über 
gesundheitsgemäßes Verhalten überhaupt, über die erste Hilfeleistung 
vor Ankunft des Arztes und über das Verhalten der Umgebung der 
Kranken auszuarbeiten und den Bezirkskrankenkassen kostenfrei zur 
Verbreitung zu übermitteln. 

F. Frinxtng . 


Knieke, Die Kassenarztfrage. Sonderabdruck aus Monatsschrift für 
soziale Medizin. Band I. Heft 8/9. Jena. G. Fischer. 18 S. 

Der Vortrag enthält im wesentlichen dieselben Ausführungen, die 
Verfasser in einer bereits im Vorjahr hier besprochenen Arbeit ge¬ 
macht hat (cf. diesen Jahresbericht 1904 p. 132—33), nur entsprechend 
dem ärztlichen Publikum, vor dem er gehalten ist, etwas vertieft und 
erweitert. 

M. Bloch. 


Hirsch, L., Der Arzt in Gegenwart und Zukunft. Sonderabdruck 
aus Deutsche Ärzte-Zeitung. Heft 3. 90 S. 

Eine der beiden bisher erschienenen Arbeiten zur wirtschaftlichen 
Lage des Ärztestandes, ausgezeichnet durch eindringliche Behandlung 


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III. Morbidität, Prophylaxe und Krankenfürsorge. 165 

des Stoffes und Beibringung großen statistischen Materials. Verfasser 
behandelt gesondert die Überfüllung des ärztlichen Berufes, den 
schädigenden Einfluß der Krankenkassen-Gesetzgebung in wirtschaft¬ 
licher nnd ethischer Beziehung, die Poliklinikenfrage, die Folgen 
des zweifellos vorhandenen, statistisch nachweisbaren Notstandes 
der Ärzte und schließlich die Mittel zur Abhilfe. Mit Recht erwartet 
er von Gesetzgebung und Regierung nicht viel, sieht vielmehr in 
der erwachenden Selbsthilfe der Organisation der Ärzte den Weg, 
der zur Besserung der wirtschaftlichen Lage des Ärztestandes 
führen kann. Eine der wichtigsten Aufgaben der Organisation 
liegt in dem systematisch zu führenden Kampfe gegen den über¬ 
mäßigen Andrang zum Studium, die zweite ist die Regelung des Ver¬ 
hältnisses der Ärzte zu den Krankenkassen, die, wenn irgend angängig, 
anf friedlichem Wege von Organisation zu Organisation herbeizuführen 
ist Auch der allerdings mit großen Schwierigkeiten verbundene 
Kampf gegen die Auswüchse des Poliklinikenwesens muß aufgenommen 
werden; der Charakter der letzteren als Armenklinik soll gewahrt 
werden durch Ausschluß aller Zahlungsfähigen, unter die auch die 
Mitglieder von Krankenkassen zu rechnen sind. Vielleicht empfiehlt 
sich außerdem — schon aus hygienischen Gründen — eine behördliche 
Konzessionierung bei der Errichtung von Polikliniken. Referent hat 
aus dem reichen Inhalt nur die Grundtendenz und einige Einzel¬ 
heiten hervorgehoben; wer an der augenblicklichen Lage des Ärzte¬ 
standes und der durch sie gezeitigten Bewegung Interesse hat — 
und dies dürfte sich heute nicht mehr auf die Ärzte beschränken — 
sollte Einsicht in die Arbeit des Verfassers nehmen. 

AI. Bloch. 


Teleky , L., Der Arzt in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. 

Pernerstorfer’s Monatshefte „Deutsche Worte“. Mai 1903. 

22 S. 

Verfasser geht den Ursachen nach, die zu Umwälzungen im 
ärztlichen Beruf geführt haben und unterscheidet hier innere und 
äußere. Zu den ersteren sind zu rechnen die Fortschritte auf dem 
Gesamtgebiet der Naturwissenschaft, die zu einer Verfeinerung 
der technischen Beihilfe in der Untersuchung und Behandlung der 
Kranken, sowie zu einem enormen Anschwellen des Wissensstoffes 
geführt haben; in deren Gefolge kam dann die weitgehende Spe¬ 
zialisierung in der Medizin und die Vermehrung der Heilanstalten, 
Sanatorien und Krankenhäuser, die vielfach zu einem gro߬ 
kapitalistischen Betrieb geführt hat. Damit Hand in Hand geht 


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166 


D. Referate. 


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naturgemäß eine Versachlichung der Beziehungen zwischen Patient 
und Arzt, die in den Anstalten resp. hei der spezialistischen Behand¬ 
lung nicht mehr so intim persönlich werden wie in früheren Zeiten. 
Verfasser bemüht sich weiter, nachzuweisen, daß infolge der Ver¬ 
schiebung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gesamtbevölkerung 
auch eine Verschärfung der Gegensätze innerhalb des ärztlichen 
Standes eingetreten ist, so daß, während der Arzt des Mittelstandes 
wirtschaftlich sinkt, eine kleine Schicht von Professoren, Spezialisten usw. 
emporsteigt, da letztere mit Vorliebe von der kleinen Zahl der Wohl¬ 
habenden zu Rate gezogen werden. Den ersteren verbleibt im wesent¬ 
lichen das Proletariat, das zwar durch sein wirtschaftliches Empor¬ 
steigen und die Organisation der Krankenkassen eine gesteigerte 
Nachfrage nach ärztlicher Tätigkeit erkennen läßt, damit aber eine 
sehr geringe Zahlungsfähigkeit verbindet. Damit Hand in Hand ging 
die Vermehrung des Bedarfes armenärztlicher Hilfe und die der all¬ 
gemeinen Krankenhäuser. Durch die Krankenkassen wird ferner, be¬ 
sonders in Österreich, eine wenn auch kleine Zahl Zahlungsfähiger 
dem praktischen Arzte entzogen, also auch hier für die Mehrheit der 
Ärzte Abnahme der gut und Zunahme der schlecht bezahlten ärzt¬ 
lichen Tätigkeit. Mit der Organisierung des ärztlichen Dienstes in 
den Krankenkassen ging eine enorme Zunahme der Ärzte überhaupt 
Hand in Hand, während neben den oben genannten die materiellen 
Ergebnisse des ärztlichen Berufes beeinträchtigenden Ursachen außer¬ 
dem noch eine Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse ihre 
Wirkungen auszuüben beginnt. Verfasser betont außerdem noch mit 
Recht die schlechte Bezahlung der Krankenhausärzte. 

In der Zukunft werden nun voraussichtlich sowohl die Speziali¬ 
sierung des ärztlichen Berufes als auch die Formen des kapitalistischen 
Großbetriebes in Form von Sanatorien usw. immer weitere Fortschritte 
machen, der praktische Arzt mehr und mehr in seiner Tätigkeit ein¬ 
geengt und auf das Feld der internen Medizin beschränkt bleiben. 
Dagegen ist zu erwarten, daß die Krankenversicherung auch im Mittel¬ 
stände weitere Fortschritte machen und vor allem verfeinert und 
besser ausgestaltet wird, auch in der Frage des ärztlichen Dienstes. 
Verfasser bespricht die verschiedenen Systeme des letzteren und hält 
die freie Arztwahl d. h. die bedingt freie Arztwahl für das beste 
System. Grundsätzlich verwirft Verfasser das System der beamteten 
Ärzte für das Krankenkassenwesen, für wie wertvoll er auch die 
Vermehrung ärztlicher Gesundheitsämter im Dienste der allgemeinen 
Hygiene hält. Er erhofft von der wirtschaftlichen und intellektuellen 
Hebung des Proletariats und einem damit Hand in Hand gehenden 
Ausbau des Kassenwesens auch eine Besserung der materiellen Lage 
des Ärztestandes. 

M. Bloch. 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


167 


Hanauer, W., Die gesetzlichen Grundlagen der Beziehungen zunschen 
Aufsichtsbehörden und Ärzten bei den Kranhenkassen. Ärztliche 
Sachverständigen-Zeitung. X. 13. 12 S. 

Kurze Darlegung der obige Beziehungen behandelnden Paragraphen 
des Krankenversicherungsgesetzes, die durch die zahlreichen Konflikte 
zwischen Ärzten und Krankenkassen der jüngsten Zeit ein wesentliches 
Interesse gewonnen haben und auch mehrfach zur praktischen An¬ 
wendung gelangt sind. Es sind dies in organisatorischer Beziehung 
die §§ 6 a, 26 a, 44, 6, 20, ferner die §§ 33, 53, 45 und 56 a; die 
letzteren beiden enthalten die wichtige Bestimmung über das Ein¬ 
greifen der Aufsichtsbehörde und der höheren Verwaltungsbehörde. 
Die Tatsachen der jüngsten Vergangenheit entheben den Verfasser 
der Aufgabe, deren Inhalt hier wiederzugeben, da er allen Inter¬ 
essenten bekannt sein dürfte. 

M. Bloch. 


IV. 

Soziale Hygiene der Arbeit 

Broesike, M. f Arbeitsort und Wohnort der Bevölkerung in den Gro߬ 
städten und einigen Industriebezirken Preußens am 1. Dezember 
1900. Sonderabdruck aus der Zeitschrift des königlich preu¬ 
ßischen statistischen Bureaus. XLIV. Jahrgang. 18 S. 

Eine erhebliche Vergrößerung der körperlichen Anstrengung, 
die durch die Arbeit selbst gegeben wird, liefert gegenwärtig auch 
der Weg zur Arbeit, der nicht nur Zeit, sondern auch ein erhebliches 
Maß an Körperkraft in Anspruch nimmt. Unter diesem Gesichts¬ 
punkte gewinnt die Entfernung des Wohnorts von der Arbeitsstätte 
auch ein hygienisches Interesse. Es sei deshalb aus vorliegender 
Publikation eine Tabelle mitgeteilst, die die Entfernung zwischen 
Arbeitsort und Wohnort angibt (siehe unten). Man ersieht aus dieser 
Tabelle, daß die Mehrzahl sowohl der männlichen als der weiblichen 
Personen einen Arbeitsweg von 3 bis 7 Kilometer zurücklegen muß. 
Natürlich gestalten sich die Arbeitswege in den verschiedenen Teilen 
der preußischen Monarchie verschieden. Als besonders beachtenswert 
hebt Verfasser die Tatsache hervor, daß die Großstädte und Industrie- 
mittelpunkte ihrer Umgebung mehr Arbeits- und weniger Wohngelegen- 
heit bieten als umgekehrt. Er ist sich der Mängel der zur statistischen 
Ermittlung von Arbeitsort und Wohnort angewandten Methode wohl 
bewußt und macht zum Schluß Vorschläge zu ihrer Vervollkommnung. 

Es arbeiteten in den Großstädten bzw. Industriebezirken und 
wohnten vom Arbeitsorte entfernt: 


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168 


D. Referate. 


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Männliche Personen 

Weibliche Personen 

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Kilometer 

über- 

vom 

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vom 

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haupt 

Hundert 

haupt 

Hundert 

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Hundert 

1—2 

13 030 

7,36 

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2,06 

13635 

6,60 

2-3 

12616 

7,12 

2461 

8,39 

15 077 

7.30 

3—4 

28792 

16,25 

5 378 

18,34 

34170 

16,55 

4—5 

29938 

16,90 

5 450 

18,59 

35388 

17,13 

5-6 

22353 

12,61 

4687 

15,99 

27 040 

13,09 

6-7 

34065 

19,22 

5 827 

19,88 

39892 

19,32 

7-8 

7 721 

4,36 

1622 

5,53 

9343 

4,52 

8-9 

6 381 

3,60 

963 

3,28 

7 344 

3,56 

9-10 

3 742 

2,11 

447 

1,52 

4189 

2.03 

10—11 

2819 

1,59 

386 

1,32 

3205 

1,55 

11—12 

1472 

0,83 

260 

0,89 

1732 

0,84 

12-13 

2305 

1,30 

193 

0,66 

2 498 

1,21 

13—14 

2 441 

1,38 

180 

0,61 

2621 

1,27 

14—15 

2154 

1,22 

287 

0,98 

2 441 

1,18 

15-20 

4 027 

2,27 

256 

0,87 

4 283 

2,07 

20-25 

1210 

0,68 

116 

0,40 

1326 

0,64 

25-30 

1652 

0,93 

125 

0,43 

1777 

0,86 

über 30 

499 

0,28 

75 

0,26 

574 

0,28 

zusammen: 

177 217 

100,00 

29 318 

100,00 

206 535 

100,00 


Es wohnten in den Großstädten bzw. Industriebezirken und 


arbeiteten vom Wohnorte entfernt: 



Männliche Personen 

Weibliche Personen 

Zusammen 

Kilometer 

über¬ 

haupt 

vom 

Hundert 

über¬ 

haupt 

vom 

Hundert 

über¬ 

haupt 

vom 

Hundert 

1—2 

1415 

2,22 

116 

1,35 

1531 

2,11 

2—3 

4 677 

7,32 

247 

2,87 

4924 

6,79 

3-4 

19 426 

30,41 

2 786 

32,39 

22 212 

30,65 

4—5 

7163 

11,21 

814 

9,46 

7 977 

11,01 

5-6 

5 273 

8,26 

470 

5,47 

5 743 

7,92 

6-7 

21689 

33,95 

3809 

44,29 

25498 

35,18 

7—8 

1140 

1,78 

39 

0,45 

1179 

1,63 

8—9 

1399 

2,19 

113 

1,31 

1512 

2,09 

9—10 

306 

0,48 

20 

0,23 

326 

0,45 

10-11 

208 

0,33 

17 

0,20 

225 

0.31 

11—12 

146 

0,23 

18 

0,21 

164 

0,23 

12—13 

173 

0,27 

15 

0,18 

188 

0,26 

13—14 

107 

0,17 

14 

0,16 

121 

0,17 

14—15 

90 

0,14 

11 

0,13 

101 

0,14 

15—20 

271 

0,42 

35 

0,41 

306 

0,42 

20—25 

173 

0,27 

33 

0,38 

206 

0,28 

25-30 

100 

0,16 

25 

0,29 

125 

0,17 

über 30 

122 

0,19 

19 

0,22 

141 

0,19 

zusammen: 

63878 

100,00 

8601 

100,00 

72479 

100,00 


F. Kriegei . 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


169 


Claaßen, W., Die soziale Berufsgliederung des deuschen Volkes nach 
Nahrungsquellen und Familien. Kritische Bearbeitung der 
deutschen Berufszählungen von 1882 und 1895. Staats- und 
sozialwissenschaftliche Forschungen. Band XXIII. Heft 1. 
XV. 164 S. Leipzig. Duncker & Humblot. (4,40 M.) 

„Die gänzliche Ignorierung des Begriffs „Familie“ bewirkt einmal 
die Koordinierung vorübergehend und dauernd Unselbständiger, und 
sodann die Rubrizierung von Mitgliedern Selbständiger als Ernährer 
von Mitgliedern der Familien Unselbständiger. Durch diese beiden 
Grundfehler wird sowohl das Bild der sozialen Volksgliederung im 
ganzen, als der wirklichen Nahrungsquellen der einzelnen sozialen 
Gruppen, erheblich verschoben.“ Diese nicht nur der deutschen, 
sondern auch den ausländischen Berufszählungen anhaftenden Haupt¬ 
mängel, die Verfasser aus dem Überwiegen des bei den Zählungen 
obwaltenden juristischen über den sozialen Gesichtspunkt zu erklären 
sucht, veranlassen ihn zu einer scharfsinnigen und eindringlichen 
Kritik der deutschen Berufszählungen. Sein Streben geht dahin, 
gegenüber der „im Denken der Zeit“ wie in der Statistik liegenden 
atomistischen Betrachtungsweise der organischen Auffassung der Ge¬ 
sellschaft Anerkennung zu verschaffen, durch die Einführung des 
Begriffs „Familie“ die Berufsstatistik zur Sozialstatistik zu ent¬ 
wickeln. Im Gegensatz zur amtlichen Statistik, die nur „die augen¬ 
blickliche, d. h. zur Zeit der Zählung, ausgeübte Berufstätigkeit“ 
erfaßt und damit in den Fehler der Identifizierung von „Beruf“ und 
„Berufsstadium“ verfallt, wünscht er den Beruf „als wirtschaftliche 
und soziale Lebensaufgabe“ aufgefaßt zu sehen. Seine Arbeit zerfällt 
in zwei Teile. In dem ersten rein kritischen Teile beschäftigt er 
sich mit der bislang amtlich geübten statistischen Erfassung der sog. 
Nahrungsberufsbevölkerung, d. h. der nach Nahrungsquellen ge¬ 
gliederten Bevölkerung. Er untersucht eingehend Umfang, Gliederung 
und Begriff der „Berufsnahrungsbevölkerung“ und kommt zu dem Re¬ 
sultat, daß man der oben gekennzeichneten Mängel wegen ein klares 
Bild von der sozialen Gliederung des Volkes aus der bisher geübten 
Praxis, die Bevölkerung nach ihren Nahrungsquellen zu erkunden, 
nicht gewinnen kann — es sei denn, daß man die Berufs- mit einer 
Einkommensstatistik verbände, was aber praktisch nicht in Frage 
komme. Den einzig gangbaren Weg, zum Ziele zu gelangen, erblickt 
er in einer Statistik, die von der Familie als letzter Einheit des 
sozialen Körpers ausgeht und das Familienoberhaupt zum Einteilungs¬ 
prinzip macht. Der „Familienberufsbevölkerung“ ist der umfang¬ 
reichere zweite Teil gewidmet Claaßen unterzieht sich hier der 
mühevollen Aufgabe, auf Grundlage der vorliegenden statistischen 
Zahlen die Größe der Familienbevölkerung in Landwirtschaft, Industrie, 


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170 


D. Referate. 


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Arbeiter 

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8 

8 

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41,10 

03 

<1 

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16,55 

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20,18 

HA 

8 

8 

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HA 

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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


171 


Handel und den übrigen Klassen zu berechnen. Als Familienhäupter 
sieht er verheiratete Männer, verwitwete Männer und geschiedene 
Frauen an. Innerhalb jeder Berufskategorie unterscheidet er diese 
drei Gruppen, für die er eine gleiche Familienbesetzung, 4,61 für die 
vollständigen und 3,61 für die halbverwaisten, annimmt. Dem Ge¬ 
dankengang des Verfassers auf den vielfach verschlungenen Pfaden 
der Analyse und Kritik zu folgen, müssen wir uns an dieser Stelle 
versagen und bringen nebenstehend nur eine die Resultate seiner 
statistischen Schätzung der Familienbevölkerung und die der amtlichen 
Erhebung der Nahrungsbevölkerung enthaltende Tabelle zum Abdruck, 
aus der die Abweichungen besonders in bezug auf die Zahl der Selb¬ 
ständigen und Unselbständigen deutlich hervorgehen. 

„Sollte es“, sagt Claaßen am Schluß seiner Abhandlung, „auch 
nur gelungen sein, ein Bild der möglichen Gesellschaftsschichtung 
nach der sozialen Zugehörigkeit, zu geben, so wird es doch fortan un¬ 
möglich sein, die amtlichen Zahlen, wonach zwei Drittel der Erwerbs¬ 
tätigen Proletarier sind, als maßgebend anzusehen, und es wird sich 
ferner notwendig machen, die wirkliche soziale Gliederung, die wir 
nur durch Schätzung ermittelten, auf dem Wege der Zählung fest¬ 
zustellen.“ 

Im Anhang schlägt er eine Erweiterung der Berufszählungs¬ 
fragen und eine andere Form der Erhebung vor: anstatt der Haus¬ 
haltungskarte die Individualzählkarte. Von den dabei neu zu stellenden 
Fragen scheinen uns besonders drei in demographischer wie sozial¬ 
hygienischer Hinsicht von besonderer Wichtigkeit: die Frage nach 
dem Militärverhältnis, die kombiniert mit der Dauer der Erwerbs¬ 
tätigkeit im Gewerbe Aufschluß über die etwa vorliegende „Auslese 
ans der ursprünglichen Landbaubevölkerung“ und die „Wirkung der 
Gewerbstätigkeit auf diese ausgelesene Bevölkerung“ geben würde, 
und die Frage nach Name und Beruf des Großvaters. Besonders 
letztere Frage wäre geeignet über die physische und soziale Struktur 
der besitzenden, führenden Klasse, über ihren Berufswechsel, ihr Aus¬ 
sterben und ihren Ersatz Aufklärung zu schaffen, Erscheinungen, 
mit denen sich Forscher wie Lorenz, Hansen, Ammon und 
Fahlbeck schon eingehend beschäftigt haben. 

F. Krlegel. 


Kolb, A. f Als Arbeiter in Amerika. 2. Auflage. Berlin. K. Sigis¬ 
mund. 141 S. (3,00 M.) 

Ein halbes Jahr hat der Verfasser unter deutsch-amerikanischen 
Arbeitern als einer der ihren gelebt. Das Buch schildert der Reihen¬ 
folge nach die langwierige Arbeitssuche, dann die Beschäftigung, 


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172 


1). Referate. 


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zuerst in einer Brauerei, später in einer Fahrradfabrik, dazwischen 
in verschiedenen Exkursen Lage und Lebenshaltung der Arbeiter¬ 
schaft, in erster Linie der ungelernten. Als Eindrücke eines Mannes 
aus anderen Kreisen — der Verfasser ist deutscher Regierungsrat — 
gewinnen die Aufzeichnungen besonderes Interesse. Vor allem be¬ 
merkenswert sind die Abschnitte über Arbeit und Arbeitszeit Der 
Verfasser hat die Wirkungen überlanger Arbeitszeit, 12 bis 14 Stunden 
täglich, an sich selbst erfahren nnd zieht daraus folgendes Ergebnis 
(S. 65): „Mein Urteil kann ich zusammenfassen in den Satz, daß ich 
rückhaltlos ein trete für Kürzung der Arbeitszeit, so weit und so 
umfassend, wie sie nur irgend möglich ist. Und diese Möglichkeit 
reicht weiter, als Schablone und Schlendrian sich träumen lassen.“ 
An derselben Stelle wird auch die ungünstige Wirkung auf das 
Arbeitsergebnis eindringlich betont, ebenso die völlig geistige Ab¬ 
stumpfung. Aus den Bemerkungen über Alkohol und Arbeit sei hier 
folgendes wiedergegeben: „In der Fabrik fand ich den Geschmack 
am Alkohol wieder, als schwere Arbeit und lange Überstunden den 
Wunsch auslösten, die natürliche Ermüdungsgrenze künstlich hinaus¬ 
zuschieben. Fortgesetzte Überanstrengung, monotone Beschäftigung, 
abwechslungsarme Kost, häßliche überfüllte Wohnräume, Mangel an 
geistiger Anregung etc. erzeugen ein leibliches und seelisches Mi߬ 
behagen, das nur allzugern Trost in der Flasche sucht.“ Bekämpfung 
des Alkoholismus heißt also Bekämpfung dieser Faktoren. Beobach¬ 
tungen solcher Art finden sich noch verschiedentlich in dem Buche 
zerstreut. Noch näher darauf einzugehen, verbietet der Raum. Im 
ganzen ein Buch, dem man nur weite Verbreitung im großen Publikum 
wie besonders in Beamtenkreisen wünschen kann. 

P. Georg . 


Hahn, M., Nadolecxny, Hirt, E., Schneider, R., Lange, F., 
und Neumayer, H., Berufsicahl und körperliche Anlagen. 
Heft 2 der Veröffentlichungen des Deutschen Vereins für Volks¬ 
hygiene. München. Oldenbourg. 64 S. (0,40 M.) 

Die Wahl eines mit der Körperbeschaffenheit nicht im Einklänge 
stehenden Berufes führt häufig zu Krankheiten, Verkrüppelungen oder 
vorzeitiger Invalidität. Es wäre wünschenswert, wie M. Hahn in 
der Einleitung hervorhebt, daß der Schularzt bei der Schulentlassung 
den in das Berufsleben eintretenden Kindern auf Grund einer körper¬ 
lichen Untersuchung einen diesbezüglichen Rat erteilen würde. Leider 
ist diese Einrichtung aber bisher nur in Wiesbaden getroffen. Bis 
zu einer Regelung dieser Frage durch die Behörden ist es erforder¬ 
lich, allen Eltern, die sich belehren lassen wollen, eine Broschüre wie 
die vorliegende zur Lektüre zu empfehlen. Sie wird ihnen bei der 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


173 


Berufswahl ihrer Kinder oder Pfleglinge die besten Dienste leisten. 
Nadoleczny behandelt Gehörorgan und Berufswahl, E. Hirt 
Nervensystem and Berufswahl, B. Schneider Auge und Berufswahl, 
F. Lange die Berufwahl bei Störungen und Fehlern im Knochen¬ 
system und den Gelenken und H. Neumayer Brustorgane und Be¬ 
rufswahl. Von den sechs bisher erschienenen Heften, die der Deutsche 
Verein für Volkshygiene veröffentlicht hat, scheint mir das vorliegende 
am wertvollsten zu sein. 

A. Orot Jahn . 


Erhebung über die Arbeitszeit der Gehilfen und Lehrlinge, 
sowie der Hilfsarbeiter in solchen Kontoren des 
Handelsgewerbes und kaufmännischen Betrieben , 
die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden 
sind. Berichte der Handelskammern, der kaufmännischen 
Verbände und Vereine, sowie der Vereinigungen der Handels¬ 
hilfsarbeiter, erstattet im Jahre 1903. Referent: G. Seibt. 
Drucksachen des Kaiserlich Statistischen Amtes, Abteilung für 
Arbeiterstatistik. Erhebungen Nr. 3. Berlin. Carl Heymann. 
174 S. (1,60 M.) 

Die Enquete, deren Ergebnisse der Band enthält, bildet eine Fort¬ 
setzung der Erhebungen von 1901. Die Fragen beziehen sich auf 
die tägliche Arbeitszeit und deren schädliche Folgen, auf Mittags¬ 
pause und Überstunden. Dabei hat man sich nicht beschränkt, den 
gegenwärtigen Zustand festzustellen, sondern den befragten Stellen 
auch hinreichend Gelegenheit zur Äußerung de lege ferenda gegeben. 
Ein Blick in das Tabellenwerk zeigt, daß das gewonnene Material 
scharf in zwei Teile zerfällt, die sich diametral gegenüberstehen, die 
Antworten der Handelskammern einerseits, der Vereine und Verbände 
andererseits. Die Handelskammern sind mit geringen Ausnahmen für 
Erhaltung des jetzigen Zustandes, verneinen jegliche Schädigungen 
durch denselben und sträuben sich vor allem gegen die gesetzliche 
Fixierung von Arbeitszeit, Mittagspausen und Überstunden. Leider 
fehlt den Tabellen dieses Abschnittes die Hauptsache, nämlich die 
Angaben über die heutige faktische Arbeitszeit. Die Handelskammern, 
von denen Näheres angeführt ist, sprechen sich für neunstündige Ar¬ 
beitszeit mit zweistündiger Mittagspause aus, aber ohne gesetzliche 
Festlegung. Die Begründung, mit der die Kasseler Kammer die letztere 
abweist (Seite 47), spricht eigentlich recht deutlich für dieselbe und 
auch die etwas larmoyanten Erklärungen auf Seite 47 schlagen nicht 
durch. Das bei gesetzlicher Regelung der Arbeitszeit den verschie¬ 
denen Bedürfnissen der Geschäftszweige Rechnung getragen und ein 
gewisser Spielraum für Überstunden vorgesehen werden muß, erkennen 


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174 


D. Referate. 


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auch die kaufmännischen Vereine durchweg an. Diese wünschen vor 
allem eine genügende Mittagspause, fast allgemein zwei Stunden, 
und Einschränkung der überlangen Arbeitsausdehnung, die in einigen 
Geschäftszweigen für einen erheblichen Teil des Jahres in Gebrauch 
sind. Besonders grobe Mißbräuche finden sich Seite 41 zusammen¬ 
gestellt. 

Die Antworten der Verbände und Vereine zeichnen sich im all¬ 
gemeinen durch größere Substanzierung ihrer Wünsche aus und sind 
für den Einblick in diese Verhältnisse wertvoller als die meist ganz 
abstrakten Äußerungen der Handelskammern. Besonders hingewiesen 
sei hier noch auf die Mitteilungen der Münchener Ortskrankenkasse 
und den Bericht des deutschnationalen Verbandes in Hamburg. 

P. Georg . 


Die Jahresberichte der Königlich Bayerischen Fahrikcn- 
und Gewerbeinspektoren, dann der Königlich Baye¬ 
rischen Bergbehörden für das Jahr1903. Mit einem 
Anhänge betreffend Erhebungen i'iber die wirt¬ 
schaftliche Lage der gewerblichen Arbeiter Bayerns. 
I. Teil: Arbeitsgelegenheit , Arbeitsnachweis, Arbeitslosenfürsorge. 
München. Th. Ackermann. XXXIX. 351. 135 S. (6,60 M.) 

Der vorliegende Bericht zeugt im ganzen von einer lebhaften und 
energischen Tätigkeit der Aufsichtsbeamten, unter denen sich erfreu¬ 
licherweise auch einige frühere Arbeitnehmer befinden. Seit der An¬ 
stellung weiblicher Inspektoren, deren Zahl neuerdings wieder ver¬ 
mehrt werden soll, ist auch die Hausindustrie, soweit möglich, in den 
Wirkungskreis einbezogen. Die Kürzung der Arbeitszeit hat in ver¬ 
schiedenen Bezirken nennenswerte Fortschritte gemacht und kommt 
auch den weiblichen Arbeitern zum größten Teil zugute. Nur lang¬ 
sam setzen sich die Ruhezeiten für das Personal in Schankwirt schäften 
durch, da häufig die Angestellten aus Furcht vor Nachteilen über 
ihre Beschäftigungsdauer unrichtige Angaben machen. Ebenso stößt 
die Durchführung der gesetzlichen Arbeitszeitbeschränkung im Stein- 
liauergewerbe auf manche Schwierigkeiten, zumal die Kontrolle infolge 
der zerstreuten Lage der Brüche nicht leicht ist. Die Unfallzifter ist 
im ganzen nicht hoch. Doch ist in einzelnen Bezirken die Zahl der 
schweren Verletzungen recht erheblich. So zogen in der Pfalz 605 
Unfälle unter 1731 eine Erwerbsunfähigkeit von mehr als 13 Wochen 
nach sich. Von den spezifischen Gewerbekrankheiten steht die Blei¬ 
vergiftung bei weitem obenan. Allein in den Münchener Kranken¬ 
häusern wurden 1902 54 Fälle behandelt, darunter 33 Maler. Be¬ 
achtenswert sind diesen Zahlen gegenüber die Erfolge, die in einer 
größeren Fabrik von Badeeinnohtungen durch die Verwendung von 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


175 


Ersatzfarben erzielt wurden. Am ungünstigsten liegen die Verhältnisse 
in der Haustöpferei Niederbayerns, da hier der Arbeitsraum, in dem 
bleihaltige Materialien benutzt werden, meist zugleich Wohn- und 
Kochraum ist. Von Phosphornekrose und Milzbrand kamen gleichfalls 
einige Fälle vor. Dank der Tätigkeit gemeinnütziger Vereine haben 
sich die Wohnungsverhältnisse in einigen Bezirken etwas gebessert. 
Auch sonstige Wohlfahrtseinrichtungen, ein Speisehaus und ein Kinder¬ 
heim, sind im Betriebsjahre ins Leben getreten. 

Als Anlage zu dem Berichte erscheint der erste Teil einer um¬ 
fassenden Untersuchung über die wirtschaftliche Lage der Arbeiter¬ 
schaft, der auch reiches statistisches Material beibringt. Hingewiesen 
sei da nur auf die Nachweise über die Entwicklung der gemeindlichen 
Arbeitsvermittlung, die recht gute Resultate aufzuweisen hat. 

JP. Georg . 


Jahresberichte der Königlich Sächsischen Gewerbeauf¬ 
sichtsbeamten für 1903. Dresden. F. A. Schröer. XVI. 
432 S. (3,00 M.) 

Der vorliegende Band enthält wieder eine ungemeine Menge von 
Zahlen, Beanstandungen, Auflagen, Übertretungen, alles ist gezählt 
und registriert. Trotzdem will es scheinen, als ob unter diesen 
ZifFernmengen der Geist der Gewerbeinspektion etwas erstickt wäre. 
Dabei fehlen leider genauere Nachweise über die Unfallstatistik, und 
diese Lücke tritt bei dem sonstigen Überfluß an Tabellen besonders 
deutlich hervor. Die Institution von weiblichen Vertrauenspersonen, 
denen in halbamtlicher Stellung nur die Entgegennahme von Be¬ 
schwerden obliegt, scheint der geringen Benutzungsziffer nach ihrem 
Zwecke nicht zu entsprechen. Die Zusammensetzung der Arbeiter¬ 
schaft ist nicht sehr günstig. 35 Proz. davon sind Frauen jeden 
Alters. Die Unfallzahlen halten sich im allgemeinen in ziemlich 
niedrigen Grenzen, eine Ausnahme davon machen einige Berg¬ 
inspektionsbezirke, in denen der Prozentsatz der Verletzten zur Ge¬ 
samtarbeiterschaft auf 14 Proz. und 17 Proz. ansteigt. Unter den 
Unfallursachen ist häufig das Ausgleiten von Arbeitern zu bemerken, 
die in der Absicht, sich zu stützen, mit den Händen in das Ge¬ 
triebe gerieten. Die Verletzungen sind dabei meist ziemlich schwer 
und zeigen, wie nötig eine Einfriedigung der bewegten Maschinen¬ 
teile auch abgesehen von Sicherung der direkt an ihnen beschäftigten 
Arbeiter ist. Die Zahl der Bleivergiftungen ist noch recht hoch, so 
daß die Stadt Leipzig genötigt war, zur Verbesserung der gesund¬ 
heitlichen Verhältnisse eine besondere Vorschrift für Betriebe, in 
denen Blei verwendet wird, zu erlassen. Die Schankwirtschaften und 
Bäckereien Leipzigs wurden in größerem Umfange, allerdings nur 


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176 


1). Referate. 


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durch Polizeibeamte, revidiert Wenn das auch noch nicht ganz als 
das Richtige erscheint, so stellt es jedenfalls einen Fortschritt in der 
Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen dar. Denn an mancher¬ 
lei Überschreitungen hat es hier nicht gefehlt. Die neu eingeführte 
Regelung für Steinbruchsbetriebe und Steinhauereien hat zur Ent¬ 
lassung einer größeren Anzahl von Arbeiterinnen geführt, die vorher 
bei der Verarbeitung der Abfallsteine zu Straßenschotterung be¬ 
schäftigt waren. 

P. Georg. 


Jahresberichte der Gewerbeaufsichtsbeamten im König¬ 
reich Württemberg für 1903. Stuttgart. Kommissions¬ 
verlag H. Lindemann (P. Kurtz). 224 S. (2,00 M.) 

Das Inspektionspersonal wurde im Berichtsjahre um 4 Beamte, 
1 Assistentin und 3 Gehilfen, vermehrt. Damit wird sich hoffentlich 
auch der Prozentsatz der revidierten Anlagen, der jetzt nur 55 Proz. 
mit 65 Proz. der Gesamtarbeiterschaft beträgt, in Zukunft steigern. 
Bei der Einstellung der Inspektionsgehilfen ist Württemberg insofern 
vorbildlich vorgegangen, als alle drei dem Arbeitnehmerstande ent¬ 
nommen sind. Da ihr Eintritt erst im Dezember des Berichtsjahres 
erfolgte, ist über ihre Tätigkeit noch nichts zu sagen. Allerdings 
erscheint uns die ganze Maßregel ziemlich illusorisch, wenn man den 
Gehilfen, wie im Bericht des zweiten Bezirkes gesagt wird, vornehm¬ 
lich zur Beaufsichtigung der Gast- und Schankwirtschaften heranziehen 
will. Die Verhältnisse in Württemberg sind im allgemeinen ganz 
gut. Für die Stellung, die sich das Gewerbeinspektorat dort zu 
schaffen gewußt hat, spricht die häufige Inanspruchnahme als Ver¬ 
mittlungsinstanz bei Differenzen zwischen Arbeitnehmern und Arbeit¬ 
gebern. Auch die Gewerbegerichte funktionieren gut und mit an¬ 
erkennenswerter Schnelligkeit, da nach der Statistik •/, aller Klagen 
innerhalb einer Woche erledigt wurden. Die Verkürzung der Arbeits¬ 
zeit macht stetige Fortschritte, die damit erzielten Resultate be¬ 
friedigen sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Andererseits zeigt 
sich ein Mißstand in der zu leichten und bereitwilligen Erlaubnis 
zu Überstunden für Frauen seitens der unteren Verwaltungsbehörden, 
die sich häufig auf längere Zeiten erstrecken. Die Unfallstatistik 
weist im ganzen mäßige Zahlen auf. Bedauerlich ist, daß gerade 
hier jede tabellarische Zusammenstellung des Materials fehlt, während 
sonst mit ziemlich belang- und inhaltlosen Tabellen nicht gespart ist 
Der Sinn der württembergischen Fabrikbesitzer für das körperliche 
Wohlbefinden der Arbeitnehmerschaft dokumentiert sich in den zahl¬ 
reichen neuhergestellten Badeeinrichtungen. Dabei ist meist der be¬ 
kannten Erfahrung Rechnung getragen, daß solche Einrichtungen nur 


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IV. Sozial« Hygiene der Arbeit. 


177 


dann gut benutzt werden, wenn der Besuch unentgeltlich ist und 
innerhalb der Arbeitszeit ohne Lohnabzug gestattet wird. Im ganzen 
erhält man ein erfreuliches Bild sozialhygienischen Fortschrittes in 
vielen Richtungen, zu dem die Gewerbeaufsicht ein gutes Stück bei¬ 
trägt. 

JP. Georg . 


Jahresbericht der Großherxoglich Badischen Fabrik¬ 
inspektion für das Jahr 1903. Karlsruhe. F. Thier¬ 
garten. 152 S. (2,50 M.) 

Wie die früheren gibt auch dieser Bericht ein erfreuliches Bild 
von der Tätigkeit der Gewerbeaufsicht. Während die Stellung der 
Beamten den Arbeitnehmern gegenüber gut ist, finden sich leider 
noch ziemlich zahlreiche Arbeitgeber, die das Wesen der Fabrik¬ 
inspektion stark verkennen. Davon zeugen auch dieses Jahr wieder 
einige Fälle, in denen Arbeiter infolge der Mitteilung von Unregel¬ 
mäßigkeiten im Betriebe an das Inspektorat ohne weiteres gekündigt 
wurden. Die Überarbeitszeit der Frauen ist im Berichtsjahre der 
Einzeldauer nach etwas zurückgegangen, wenn auch die Gesamtzahl 
der Überstunden stieg. Die Arbeitgeber lernen eben je länger je 
mehr, sich mit den einmal gegebenen Arbeitszeiten einzurichten. Das 
zeigt sich unter anderen in der Abnahme der Fälle, in denen von 
der Erlaubnis, in gewissen Industrien Sonnabends nach 5 1 /* Uhr noch 
Reinigungsarbeiten vorzunehmen, Gebrauch gemacht wurde. Aus 
demselben Grunde ist die Sonntagsarbeit in Betrieben mit durch¬ 
gehenden Fabrikationsprozessen stark zurückgegangen. Nicht ohne 
Schwierigkeiten wurde im Berichtsjahre die Arbeitszeitverkürzung 
für Steinhauer durchgeführt. In vielen Fällen erhöhten sich die 
Leistungen der Arbeiter soweit, daß bei gleichen Stücklohnsätzen 
der befürchtete Lohnansfall nicht eintrat. In einzelnen Brauereien 
hat die Abschaffung oder Einschränkung des Freibieres für die 
Arbeitnehmer wieder Fortschritte gemacht. Die Unfallziffer ist ver¬ 
hältnismäßig nicht hoch. Leider vermißt man hier eine speziali- 
siertere Zusammenstellung der Verunglückungen, so nach der Dauer 
der Arbeitsunfähigkeit, Alter der Verletzten usw. Für die Unfall- 
nrsachenstatistik scheint der Inspektion selbst das Material zu fehlen, 
ein Mangel, dem sich durch präzisere Fassung der Unfallanzeigen 
abhelfen ließe. Eine erfreuliche Maßregel hat ein größerer Betrieb 
eingeführt durch Abhaltung vierteljährlicher Unfallkonferenzen, an 
denen die gesamte Arbeiterschaft beteiligt ist und aus denen An¬ 
regungen zu neuen Schutzmaßnahmen zahlreich hervorgehen. Am 
Sehluß des Berichtes ist noch eine Zusammenstellung Uber Lohnhöhe 

Jahresbericht über Hygiene and Demographie. IV. Jahrgang. 12 


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D. Referate, 


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in der Bijouterie und einige Arbeiterbudgets, darunter eins, das sich 
über 13 Jahre erstreckt, mitgeteilt. 

P. Georg. 


Jahresbericht der Gewerbeinspektion für das Jahr 1903. 
Hamburg. Lütcke & Wulff. 45 S. 

Seinem Umfange nach könnte der Bericht für einen Bezirk wie 
Hamburg etwas dürftig erscheinen, allein ein Blick auf den Inhalt 
zeigt, daß in dem knappen Rahmen viel Bemerkenswertes, auch an 
Einzelheiten, zusammengetragen ist und im ganzen dort in der Ge¬ 
werbeinspektion ein frischer Zug herrscht Die Revisionstätigkeit 
ist sehr rege, wurden doch von den Fabriken 93 Proz. mit 95 Proz. 
der Gesamtarbeiterschaft besichtigt, Prozentzahlen, die wir sonst in 
Norddeutschland auch nicht annähernd antreffen. Seit 1903 ist auch 
eine Assistentin bei der Gewerbeaufsicht beschäftigt. In den klein¬ 
gewerblichen Betrieben ist eine starke Abnahme jugendlicher Arbeite¬ 
rinnen, von 133 auf 29, zu bemerken, die um so erfreulicher ist, als 
sie fast ganz Gastwirtschaftsbetriebe betrifft In der Überstunden¬ 
statistik der Arbeiterinnen zeigt sich wieder die gefährliche Lage 
der Saisonindustrien. Die Bekleidungsbranche, die nur ein Viertel 
der weiblichen Arbeiter beschäftigt, trägt allein über die Hälfte der 
sämtlichen Überstunden. Die Bäckereien haben sich nach dem Be¬ 
richt jetzt an die gesetzlich fixierte Arbeitszeit gewöhnt. Der Pro¬ 
zentsatz der verletzten Arbeitnehmer weist nach der Zusammen¬ 
stellung auf Seite 14 für die letzten fünf Jahre ein langsames, stetiges 
Sinken auf. Einen sehr dankenswerten Schritt hat der Senat zu¬ 
gunsten der von Staatsbehörden beschäftigten Arbeitnehmer getan, 
indem er ihnen während unverschuldeter Verhinderung ihrer Dienst¬ 
leistung den vollen Lohn — unter Anrechnung etwaiger sonstiger 
Entschädigungen — weiter zahlt, für eine Dauer von 2—6 Wochen, 
die je nach der Beschäftigungsdauer bemessen ist. Hygienisch sehr 
zu begrüßen ist es, daß die Arbeitsverhinderung durch Schwanger¬ 
schaft, Entbindung und Wochenbett ausdrücklich der durch Krank¬ 
heit verursachten gleichgestellt ist. 

P. Georg . 

Jahresbericht des Gewerbeaufsichtsbeamten des Aufsichts¬ 
bezirks Lübeck für 1903. Lübeck. Lübcke & Nöhring. 
25 S. (0,50 M.) 

Die 13 Textseiten des Berichtes bieten wenig Bemerkenswertes. 
Man sollte annehmen, daß dem Gewerbeinspektor bei so enger Be¬ 
grenzung seines Wirkungskreises — er umfaßt 6900 Arbeitnehmer — 
Gelegenheit gegeben ist, besonders genauen Einblick in die Verhält- 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


179 


nisse der Gesamtarbeiterschaft zu tun. In der vorliegenden Publi¬ 
kation findet man wenig davon. In der Zusammensetzung der Gesamt¬ 
arbeiterschaft ist eine erhebliche Verschiebung zuungunsten der 
Jagendlichen zu bemerken, deren Zahl für das Baugewerbe von 43 
im Jahre 1902 auf 178 im Jahre 1903 anstieg. Erfreulich ist der 
zehnstündige Arbeitstag für alle Arbeitnehmer, der im Bezirke durch- 
gehends innegehalten wird. In der Unfallstatistik kommt die be¬ 
sondere Gefährlichkeit der Maschinen- und Holzindustrie und des 
Baugewerbes deutlich zum Ausdruck, da diese drei Gruppen, die 
60 Proz. der Arbeitskräfte beschäftigen, 75 Proz. der Unfälle liefern. 
Anerkennenswert ist die große Zahl der Unfalluntersuchungen, die 
der Fabrikinspektor vornahm. Im Text fehlt leider jede Bemerkung 
darüber. 

P. Georg. 


Die Bergwerksinspektion in Österreich. Berichte der Kaiser¬ 
lich Königlichen Bergbehörden über ihre Tätigkeit im Jahre 
1900. Wien 1903. Kaiserlich Königliche Hof- und Staats¬ 
druckerei. 731 S. (6,00 M.) 

Dasselbe. Berichte der Kaiserlich Königlichen Bergbehörden über 
ihre Tätigkeit im Jahre 1901. Wien. Kaiserlich Königliche 
Hof- und Staatsdruckerei. 440 S. 

Der Bericht, der leider wieder erst sehr spät erschien, gibt das 
umfangreiche Material der einzelnen Beobachtungen, aber ohne die 
Auffindung des sachlich Zusammengehörigen durch ein Sachregister 
zu erleichtern. Die Benutzung wird infolge der Einteilung in zahl¬ 
reiche kleine Aufsichtsbezirke etwas erschwert. 

Im allgemeinen sieht man, daß die Inspektionsbeamten mit 
Eifer bemüht sind, die großen Gefahren des bergbaulichen Betriebes 
nach Möglichkeit zu verringern. Die Erfolge treten bei der Aus¬ 
dehnung ihres Tätigkeitsgebietes nur langsam hervor, aber Ver¬ 
gleiche mit den Verhältnissen früherer Jahre zeigen einige Fort¬ 
schritte. Die Zahl der tödlich oder schwer Verletzten erreicht aller¬ 
dings immer noch ein Prozent, von denen kaum die Hälfte auch nur 
teilweise wieder arbeitsfähig werden. Dabei sind 36 Proz. der Be¬ 
troffenen bis höchstens 3 Jahre im Bergbaubetriebe beschäftigt, und 
fast ein Fünftel von ihnen ist noch nicht 20 Jahre alt. Daß die 
lange Schichtdauer einen nicht unerheblichen Teil der Unfallgefahr 
bildet, zeigt die Statistik des Wiener Bezirkes, nach der sich im 
letzten Schichtviertel 27,5 Proz. aller Unfälle gegenüber 18,4 Proz. im 
ersten Viertel ereignen. Bei der Verteilung auf die einzelnen Stunden 
zeigt sich ebenfalls ein Maximum in der Zeit vor der Mittagspause 
und am Ende der Schicht. Die Unfallstatistiken des Prager und 

12 * 


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180 


D. Referate. 


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Wiener Bezirkes sind durch ihre spezialisierende Anordnung über¬ 
haupt sehr lehrreich. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Spreng¬ 
mittelbetriebe gewidmet, wie die Versuche mit schlagwettersicheren 
Sprengstoffen zeigen. 

Der Bericht für 1901 zeichnet sich durch größere Handlichkeit 
aus, ohne daß darunter die Ausführlichkeit gelitten hätte. Die Un¬ 
fallziffern, die auch hier wieder sehr eingehend tabellarisch dar¬ 
gestellt sind, zeigen gegen das Vorjahr nach Häufigkeit und Schwere 
eine kleine Abnahme. Das Ansteigen der Verunglückungen im Schicht¬ 
viertel vor der Mittagspause und vor Schichtende findet sich wieder 
z. B. Seite 27 deutlich ausgesprochen. Als Unfallursachen kommen, 
wie im Bergbau überhaupt, in erster Linie Stein- und Kohlenfall und 
Fördereinrichtungen in Betracht Auf diesen Gebieten ist noch viel 
zu bessern, wenn auch langsame Fortschritte nicht zu verkennen 
sind. Auch die Arbeiter selbst müssen dazu nach Möglichkeit mit- 
wirken. Bezüglich der Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte, die 
in einzelnen Bezirken zu Arbeiten über Tage ziemlich stark heran¬ 
gezogen werden, ist zu bemerken, daß das Kohlenverladen in Eisen¬ 
bahnwaggons keine „angemessene“ Beschäftigung für Frauen ist. 

P. Georg. 


Arbeitsxeitverlängerungen (Überstunden) im Jahre 1903 
in fabrikmäßigen Betrieben. Wien. Kaiserlich König¬ 
liche Hof- und Staatsdruckerei. 33 S. (0,50 M.) 

Die Gesamtzahl der geleisteten Überarbeitstunden hat sich 
gegen das Vorjahr fast um ein Sechstel reduziert, und was noch er¬ 
freulicher ist, auf den einzelnen zu Arbeitszeitverlängerungen heran¬ 
gezogenen Arbeitnehmer entfällt eine geringere Überstundenzahl. 
Im ganzen ist das Bild der Statistik nur mit großer Vorsicht zu be¬ 
nutzen, da längerdauernde Bewilligungen für einzelne Betriebe za 
stark ins Gewicht fallen. Nicht unbedenklich ist die Höhe und Länge 
der Bewilligungen, die in der Mehrzahl der Fälle 2 1 /* Stunden pro 
Tag und mehr beträgt und sich im extremsten Falle über 35 Wochen 
bei zweistündiger Mehrarbeit erstreckt. Dio bewilligenden Behörden 
scheinen hier doch manchmal zuvorkommender zu sein, als sich mit 
einer vernünftigen Anspannung der Arbeitskräfte verträgt. 

P. Georg. 


Berichte der eidgenössischen Fabrik - und Bergwerk - 
inspektoren über ihre Amtstätigkeit in den Jahren 
1902 und 1903. Veröffentlicht vom schweizerischen 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


181 


Industriedepartement. Aarau. Sauerländer & Co. 288 S. 

(3,00 M.) 

Wie in früheren Jahren macht der Bericht durch seine lebendige 
nnd persönliche Darstellung des Stoffes einen erfreulichen Eindruck. 
Die Tätigkeit der Beamten ist sehr rege, denn in jedem Berichtsjahre 
ist die Zahl der Inspektionen größer als die der Betriebe. Die Vor¬ 
bedingung einer hygienisch-rationellen Beschäftigung, einwandfreie 
Arbeitsräume, wird in langsam steigendem Maße erfüllt, da hier mit 
Rücksicht auf die bestehenden Gebäude Verbesserungen nur all¬ 
mählich durchzuftthren sind. Immerhin werden die Verhältnisse bei 


der besonderen Aufmerksamkeit der Behörden vor allem auf Fabrik¬ 
neubauten günstiger. Ebenso macht die Verkürzung der Arbeits¬ 
zeit stetige Fortschritte und findet auch unter den Arbeitgebern 
größere Anhängerschaft. Leider profitieren von dieser Kürzung die 
Kreise, denen sie am nötigsten wäre, Frauen und Jugendliche, am 
wenigsten. Ein ganz auffallendes Mißverhältnis zeigt sich da be¬ 
sonders im I. Bezirke. 38 Proz. der männlichen erwachsenen Arbeit¬ 
nehmer arbeiten dort die gesetzlich zulässige Stundenzahl von 65 pro 
Woche. Dagegen ist bei den verheirateten Frauen der Prozentsatz 
fast doppelt so hoch, 72 Proz., bei den unverheirateten 65 Proz., bei 
den jugendlichen beider Geschlechter 53 Proz. Die Mehrzahl dieser 
langen Arbeitszeiten kommt in der Textilindustrie vor. Das Auf¬ 
hören der Arbeit am Sonnabend Mittag, damit der Nachmittag für 
häusliche Geschäfte freibleibt, breitet sich in einigen Bezirken aus. 
Die Zentralregierung fördert diese Bestrebungen durch einen Gesetz¬ 
entwurf, der die Arbeitszeit für den Sonnabend auf 9 Stunden be¬ 
schränkt und deren Ende spätestens auf 5 Uhr festsetzt. Zugleich 
wird dankenswerterweise ganz allgemein jegliche Mitgabe weiterer 
Arbeit seitens der Arbeitgeber zur Erledigung im Hause verboten. 
Daß sich soziale Denkweise in den Fabrikbesitzerkreisen erfreulich 
ausdehnt, zeigt die immer mehr ansteigende Zahl von Arbeitnehmer¬ 
wohnungen, Wasch- und Badeeinrichtungen, Gewinnbeteiligungen 
und ähnlichen Institutionen, die in dem vorliegenden Bande aufge¬ 


führt sind. 


P. Georg. 


Annual Report of the Chief Inspector of Factories and 
Workshops for the Year 1903. Part I: Reports. Part II: 
Tables. London. Darling & Son. 334 S. und 45 S. (2 s. 10 d. 
and 6 d.) 

Schon rein äußerlich macht der Bericht durch das Fehlen jedes 
unnötigen Schematismus einen angenehmen Eindruck. An Stelle von 
häufig belanglosen Allgemeinheiten, die in manchen unserer deutschen 
Berichte fast jährlich wiederkehren, stehen hier Einzelwahr- 



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182 


D. Referate. 


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nehmungen der Inspektoren, die nach den einzelnen Materien von der 
Zentralstelle geordnet werden. Damit wird ein Austausch von Er¬ 
fahrungen und Beobachtungen innerhalb des großen Inspektions¬ 
personals ermöglicht, der zur ersprießlichen Wirksamkeit der ganzen 
Organisation durchaus notwendig ist. 

Besonderes Interesse beansprucht die ausführliche Unfallstatistik 
des 2. Teiles schon wegen des umfangreichen Materials. Die Gesamtzahl 
der Verunglückungen ist gegen das Vorjahr etwas gewachsen. Fast ein 
Viertel von ihnen ist von Maschinen, die mit Dampf oder sonstiger 
Kraft betrieben werden, verursacht, und man versteht angesichts 
dieser hohen Zahl die Klagen der einzelnen Berichte, daß in vielen 
Distrikten, zumal den ländlichen, auf die genügende Versicherung be¬ 
wegter Maschinenteile noch viel zu wenig Sorgfalt verwendet wird. 
Wie in anderen Ländern sind Hebezeuge aller Art, Kreissägen and 
Drehbänke stark beteiligt. Die Maschinenindustrie steht unter den 
einzelnen Gewerbegruppen bei weitem am schlechtesten. 40 Proz. der 
Unfälle kommen auf ihr Konto. Verhältnismäßig die meisten Todes¬ 
fälle kommen in der Dockarbeit vor, mehr als 11 Proz. der ernsteren 
Unfälle verlaufen hier tödlich. Die Mehrzahl der schweren Ver¬ 
letzungen betrifft Gesicht und Kopf, dann folgen Verstümmelungen 
der Hände und Verbrennungen. Ganz besondere Aufmerksamkeit 
wird' auf die eigentlichen Berufskrankheiten verwandt. Gerade hier 
sind die Erfolge der Inspektionstätigkeit besonders ins Auge fallend, 
denn die Zahl der Fälle ist in den letzten 5 Jahren um 50 Proz. ge¬ 
sunken. Bei der Bleivergiftung, die numerisch bei weiten am 
stärksten vertreten ist, kommt ein Fünftel der Erkrankungen auf die 
Bleiweißfabrikation, und wenn auch hier die absoluten Zahlen stark 
herabgegangen sind, so läßt sich doch das Übel nur durch stärkere 
Verwendung von Ersatzfabrikaten, mit der mau in Frankreich und 
der Schweiz gute Erfolge erzielt hat, in wirksamer Weise bekämpfen. 
Im Berichte des medizinischen Inspektors sind die einzelnen Fälle von 
Gewerbekrankheiten nach Schwere, Verlauf und Symptomen zusammen¬ 
gestellt und eingehend besprochen (Seite 264—294). Schließlich sei 
noch auf den Bericht der weiblichen Aufsichtsbeamten und den des 
Spezialinspektors für gefährliche Berufe und Maschinen hingewiesen. 

P. Georg. 


Die Lage der Bäckereiarbeiter Deutschlands. Nach stati¬ 
stischen Erhebungen des Vorstandes des deutschen Bäcker¬ 
verbandes im Januar 1904. Hamburg. 0. Allmann. 189 S. 
(1,50 M.) 

Die Erhebungen erstrecken sich hauptsächlich auf die Betriebe, 
in denen Mitglieder des deutschen Bäckerverbandes beschäftigt sind. 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


183 


Trotzdem läßt sich ein Vorwurf der Einseitigkeit aus diesem Grunde 
nicht herleiten, da erfahrungsgemäß die organisierten Arbeitnehmer 
im Durchschnitt in den besseren Betrieben beschäftigt sind. Das 
Bild, das diese Enquete gibt, ist für die allgemeine Hygiene wie für 
die besondere der Bäckereiarbeiter gleich traurig und ergänzt und er¬ 
weitert nur die Klagen, die in den Berichten der Gewerbeinspektorate 
jährlich wiederkehren. Es gibt doch schon sehr zu denken, daß un¬ 
gefähr 60 Proz. der Gehilfen bis zu 25 Jahren alt sind, und zeigt 
deutlich, daß sie sich in etwas höherem Alter in großer Menge anderen 
Berufen zuwenden, eine Erscheinung, die doch ihre triftigen Gründe 
haben muß. Durch Verordnung ist die Maximalarbeitszeit auf 12‘/ e 
Stunden begrenzt. Nach den Angaben der Beschäftigten arbeiten 
noch heute 20 Proz. der Gehilfen und 28 Proz. der Lehrlinge länger, 
zum Teil ganz exzessiv. Dabei kommt Sonntagsruhe nur in 9 Proz. 
der aufgenommenen Betriebe vor, 55 Proz. gewähren neuerdings 
wenigstens an den großen Festen je eine Freinacht. Diese beiden 
Tatsachen werfen übrigens auch ein bedauerliches Licht auf das 
sozialpolitische Unverständnis des großen Publikums, daß gerade in 
diesem Berufe, bei dem es mit dem unmittelbaren Produzenten stetig 
in Berührung kommt, für die Gestaltung des Betriebes durch seine 
Anforderungen ausschlaggebend ist. Daß auch die Sauberkeit der 
Bäckereien in den allermeisten Fällen zu wünschen übrig läßt, ist 
längst bekannt und wird auch in dem hier vorliegenden Material durch 
zahlreiche Einzelfälle drastisch illustriert. In München sind die Ver¬ 
hältnisse im ganzen am besten, eine Folge der scharfen Kritik, die 
sich dort in den letzten Jahren auch unter dem Publikum gegen die 
früheren Zustände erhoben hat. So entfallen von den gemeldeten 
wirksamen Ventilationen der Arbeitsräume ein Drittel auf diese 
Stadt allein. Gegenüber den langen Arbeitszeiten, die zumeist in die 
Nacht fallen, sind die Löhne niedrig und nur in einigen größeren 
Städten, vor allem Hamburg und Frankfurt a. M., ist das alte System, 
wonach die Gehilfen Kost und Wohnung beim Meister haben, in 
größerem Umfange verschwunden und damit den Angestellten eine 
günstigere Position gegeben. 

Im ganzen läßt das Buch ohne weitere Zusätze die Ergebnisse 
der Erhebung für sich selbst sprechen, und es ist nur wünschenswert, 
daß das Publikum in möglichst weitem Umfange von diesen Tat¬ 
sachen Kenntnis erhält. Die Resultate zeigen aufs neue, wie dringend 
nötig eine gesetzliche Regelung ist, die im allgemeinen Interesse wie 
in dem der Bäckereiarbeiter energisch eingreift und deren Durch¬ 
führung durch scharfe Kontrolle überwacht wird. 

P, Georg, 


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D. Referate. 


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Müller , A., Arbeitersekretariate und Arbeiter-Versicherung in Deutsch¬ 
land. München. G. Birk & Co. 184 S. (3,00 M.) 

Der erste Teil der inhaltreichen Schrift behandelt die Arbeiter¬ 
sekretariate vornehmlich nach ihrer formalen Seite, während der 
zweite darstellen soll, wie sich die drei großen Arbeiterversicherungs¬ 
gesetze in den Jahresberichten der Sekretariate widerspiegeln. Zu 
dieser kritischen Sichtung und organischen Verarbeitung des über¬ 
reichlich vorliegenden kasuistischen Materials war der Verfasser be¬ 
sonders befähigt, weil er selbst aus der Arbeiterschaft hervorgegangen 
ist und ihre Leiden, ihre Psychologie daher besonders genau kennt. 

In anschaulicher Darstellung führt Müller die Krankenver¬ 
sicherung, die Unfallversicherung und die Alters- und Invalidenver¬ 
sicherung vor und legt gleichzeitig übersichtlich geordnet die von den 
Arbeitersekretären daran geübte Kritik dar. Es ergibt sich daraus, 
daß ein großer Teil der Klagen typisch ist: das deutet auf Mängel 
in der Gesetzgebung selbst; zu ihnen kommen aber noch die ebenfalls 
typischen Gepflogenheiten der mit der Handhabung der Gesetze be¬ 
trauten Behörden. Die Klagen der Arbeiter auf der einen, der Unter¬ 
nehmer auf der anderen Seite kehren ständig, oft in wörtlicher Über¬ 
einstimmung, wieder. Daraus folgt, daß eine durchgreifende Revision 
der gesamten sozialpolitischen Gesetzgebung nicht nur notwendig, 
sondern, abgesehen von dem Ausgleich der entgegenstehenden Interessen, 
unschwer nach Richtung und Art zu bestimmen ist. Wir schließen 
uns der Meinung des Verfassers an, daß bei der notwendigen und 
und vom Staatssekretär des Reichsamts des Inneren ja auch schon 
angedeuteten Revision der Versicherungsgesetze die Stimme der 
Arbeitersekretäre sich besonderer Beachtung erfreuen sollte. „Denn 
das, was die Sekretäre mitzuteilen wissen, das ist so recht eigentlich 
die Meinung der Versicherten selbst, d. h. die Meinung derjenigen, 
deren Wohl der Gesetzgeber fördern wollte, als er die Arbeiterver¬ 
sicherungsgesetze schuf.“ Müller’s Arbeit erleichtert diese Berück¬ 
sichtigung in dankenswerter Weise. 

A. Südelcum. 


Fünfzehnter Jahresbericht 1903 des Arbeitersekretariats 
Berlin. (Berliner Gewerkschaftskommission.) Berlin. Ver¬ 
lag der Berliner Gewerkschaftskommission. 127 S. mit 1 Ta¬ 
belle. (1,50 M.) 

Von besonderem Interesse sind in diesem Berichte die Schilde¬ 
rungen behördlicher Maßnahmen, durch die den Arbeitern die Aus¬ 
nutzung des Koalitionsrechtes illusorisch gemacht oder erschwert 
werden sollte. Sie lassen auf einen bedauerlichen Mangel an Ver- 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


185 


ständnis für die große Bedeutung der Arbeiterorganisationen nicht 
nur für das Proletariat, sondern für die Gesamtheit des Volkes 
schließen. Gerade vom Standpunkt weitausschauender sozialer Hygiene 
aus haben wir alle Ursache, die Organisationsbestrebungen der 
Arbeiterschaft zu fördern. Die Organisationen sind das einzige 
Mittel, durch das sich das Proletariat vor einer immer weiter um 
sich fressenden Degeneration schützen kann. Man sollte meinen, daß 
diese Erkenntnis endlich auch einmal in die Amtsstuben einziehen 
dürfte! 

A. Südekum . 


Sechster Jahresbericht des Arbeiter Sekretariates München 
pro 1903. Anhang: Erbfolge , Testament und Pflichtteüsrecht 
nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch von H. Kastor. München. 
Selbstverlag. IV. 87 S. (0,60 M.) 

Der Bericht unterscheidet sich nicht wesentlich von seinen Vor¬ 
gängern und denen anderer Sekretariate, auch er bringt viel Material 
zur Kenntnis der Praxis unserer Versicherungsgesetzgebung. Sehr viel¬ 
seitig und auch der großen Züge nicht entbehrend ist der Nachweis 
der gewerkschaftlichen Tätigkeit der Münchener Arbeiterschaft. An 
die eingehende Gewerkschaftsstatistik schließt sich dann die Übersicht 
über die Amtsführung des Gewerbegerichts, des städtischen Arbeits¬ 
nachweises und anderer Institutionen an. 

A. Südekum. 

Vierter Jahresbericht 1903 des Arbeitersekretariates 
Bremen. Selbstverlag. 127 S. (0,50 M.) 

Die wichtige Frage, ob das gesetzlich gewährleistete Koalitions¬ 
recht der Arbeiter durch Arbeitsverträge aufgehoben werden könne, 
ist in diesem Berichte an der Hand von Urteilen des Gewerbe- und 
des Landgerichts zu Bremen behandelt worden. Bedenklich an der 
Kechtsauffassung des Landgerichts Bremen ist nach unserer Meinung, 
daß es sich nicht hat entschließen können, jede vertragsmäßige Be¬ 
schränkung des Koalitionsrechts der Arbeiter als gegen die guten 
Sitten verstoßend zu erachten. Die wichtigste Prinzipienfrage des 
Arbeiterrechts wird dadurch zu einer simplen Tatfrage degradiert. 
An der Erhaltung und Ausgestaltung des Koalitionsrechts der Arbeiter 
ist aber nicht allein der Sozialpolitiker, sondern auch der Sozial¬ 
hygieniker interessiert, weil die Möglichkeit einer ausgiebigen Benut¬ 
zung dieses Rechtes neben der direkten sozialpolitischen Gesetzgebung 
allein den Aufstieg der breiten Massen des Volkes zu einer höheren 
Lebenshaltung gewährleistet. 

A. Südekum. 


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D. Referate. 


Dritter Jahresbericht des Arbeitersekretariats in Lübeck 
nebst Jahresberichten der Aufsichtskommiss ioti und 
des Gewerkschaftskartells. Lübeck. Druck von Friedr. 
Meyer & Co. 92 S. 

Dieser Bericht ist, wie seine Vorgänger, reich an kasuistischem 
Material zur Beurteilung der Praxis der deutschen Arbeiterversicherung. 
Bei der im Reichstage vom Staatssekretär Grafen Posadowsky be¬ 
reits angeregten grundlegenden Reorganisation unseres Versicherungs¬ 
wesens werden die Arbeitersekretariatsberichte eine besondere Be¬ 
achtung beanspruchen dürfen. 

A. Südekum . 


Dritte*' Jahresbericht des Arbeitersekretariats Köln nebst 
Bericht über den Stand der Gewerkschaftsbewegung 
in Köln für das Geschäftsjahr 1903. Köln. Verlag 
des Arbeitersekretariats. 84 S. (0,20 M.) 

Der hier vorgelegte Bericht des Arbeitersekretariats zu Köln a/Rh. 
für das Geschäftsjahr 1903 kann Anspruch auf eine besondere Beach¬ 
tung machen, weil ihm eine eingehende Darstellung des Streites der 
Ärzte und der Krankenkassen in Köln angefügt worden ist Niemand, 
der sich mit diesen großen Auseinandersetzungen befassen will, darf 
sie übersehen, denn sie spiegelt zweifellos die Auffassung der großen 
Masse der Kassenmitglieder über den Streit wieder. 

A. Südekum. 


Vierter Geschäftsbericht des Arbeitersekretariats Halle 
a. S. für das Jahr 1903. Halle a. S. Verlag des Arbeiter¬ 
sekretariats. 

Dem Bericht, der wie die vorausgehenden viel Interessantes über 
die Handhabung der Versicherungsgesetze enthält, hat das Arbeiter¬ 
sekretariat eine Abhandlung über das preußische Vereins- und Ver¬ 
sammlungsrecht angehängt 

Mannigfache Einblicke in die Lebenslage der arbeitenden Bevöl¬ 
kerung werden auch hier wiederum geboten. Durch ihre tendenziöse 
Aneinanderreihung wirken sie besonders drastisch. Einzelne Angaben 
über die Geistesverfassung der um ihre Renten kämpfenden Arbeiter 
empfehlen wir allgemeiner Beachtung. 

A. Südekum. 

Zweiter Jahresbericht des Arbeitersekretariats zu Gotha 
auf die Zeit vom 1. Januar 1903 bis 31. Dezember 
1903. Gotha. Verlag des Arbeitersekretariats. 

Das Herzogtum Sachsen-Koburg-Gotha wendet die 2000 Mark, 
die es zur Unterhaltung des Arbeitersekretariats beisteuert, zweifei- 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


187 


los sehr gut an. Die Besucherzahl der Anstalt hat sich im zweiten Jahr 
gegen das erste um 31,21 Proz. vermehrt, die Zahl der angefertigten 
Schriftsätze ist um etwa 25 Proz« von 1734 auf 2190 gestiegen. Un¬ 
klar ist uns nur, wie ein einziger Beamter diese Arbeitslast ertragen 
konnte. 

A, Südeknm . 


Neunter Jahresbericht des Arbeitersekretariats Nürnberg 
nebst Berichten über die Geicerk schaftsorganisa- 
tionen, Lohnkämpfe, das Gewerbegericht etc. für 
1903. Nürnberg. Selbstverlag. III. 79 S. mit 1 Tabelle. 
(0,50 M.) 

Jeder Bericht des Arbeitersekretariats zu Nürnberg hallt von 
Klagen über das mangelhafte sozialpolitische Verständnis der Stadt¬ 
verwaltung wieder. Besonders sind es zwei Gebiete, auf denen sich 
die Arbeiter benachteiligt fühlen: in der Krankenversicherung und in 
der Arbeitsvermittlung. Was die Krankenversicherung anlangt, so hält 
der Magistrat von Nürnberg mit einer Zähigkeit, die einer besseren 
Sache würdig wäre, an der Form der Gemeinde Versicherung fest, 
lediglich weil er von der Einrichtung einer zentralisierten Ortskranken¬ 
kasse eine Minderung des politischen Einflusses der herrschenden frei¬ 
sinnigen Partei fürchtet. Auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises 
erbittert die rigorose Abweisung berechtigter Wünsche, die offensich t- 
lieh im wirklichen oder vermeintlichen Interesse der Unternehmer ge¬ 
schieht: dem Verlangen der Gewerkschaften, von Streiks oder Aus¬ 
sperrungen den Arbeitsuchenden im öffentlichen Arbeitsnachweis 
Mitteilung zu machen, wie das z. B. in München, in Fürth und an 
vielen anderen Orten seit langer Zeit geschieht, trägt der kommunale 
Arbeitsnachweis in Nürnberg keine Rechnung. 

A. Südekum. 


Zweiter Jahresbericht des Arbeiter Sekretariats Dortmund- 
Hörde für das Geschäftsjahr 1903. Selbstverlag des 
Arbeitersekretariats. 118 S. 

Wer den Ursachen des gewaltigen Bergarbeiterkampfes im Jahre 
1905 nachgehen will, tut gut, die Berichte des Dortmunder Sekretariats 
auch schon aus den Vorjahren zu studieren: es ist manches wertvolle 
Material darin enthalten. So will uns scheinen, daß das Verhalten 
der Knappschaftskassen noch rigoroser ist, als das anderer Versiche- 
rungsorgane. 

A . Sildelcum. 


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D. Referate. 


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Siebzehnter Jahresbericht des leitenden Ausschusses des 
Schweizerischen Arbeiterbundes und des Schweize¬ 
rischen Arbeitersekretariats für das Jahr 1903. 
Zürich. Kommissionsverlag der Buchhandlung des Schweize¬ 
rischen Grütlivereins. 67 S. (1,20 M.) 

Im Gegensatz zu den deutschen Arbeitersekretariaten, die ihre 
Tätigkeit von Anbeginn an zumeist auf die Beratung Hilfesuchender 
in Sachen der Arbeiterversicherung und der Rechtspflege richteten, 
benutzt das Schweizerische Arbeitersekretariat seine größere Be¬ 
wegungsfreiheit zu organisatorischer Arbeit großen Stils. Im 
Berichtsjahre (1903) erstreckte sich diese 1. auf das Anstreben einer 
zweckmäßigen Taktik der Arbeiter bei Lohnbewegungen; 2. auf die 
Organisation leistungsfähiger Arbeiterverbände, und 3. auf den Zu¬ 
sammenschluß und die bessere Organisation der Textilarbeiter. 

Die Darlegungen zum ersten Punkte bilden einen sehr wert¬ 
vollen Beitrag zur Psychologie des Streiks. Stößt, so meint 
der Verfasser, als den wir wohl den erfahrenen H. Greulich an¬ 
sprechen dürfen, jede bescheidene Forderung der Arbeiter auf Wider¬ 
stand und gehässige Anfeindung oder wird sie gar mit einer Ma߬ 
regelung ihrer Befürworter beantwortet, dann findet dadurch bei den 
Arbeitern der Gedanke, daß Personen die schlechte Lage des Pro¬ 
letariats verschulden, da es auch Personen sind, die sie darin fest- 
halten wollen, immer neue Nahrung. Darum ist die Erziehung der 
Arbeiter zu der Überzeugung so sehr schwer, daß es immer am besten ist, 
zunächst den Weg gütlicher Verständigung und Unterhandlung zu 
beschreiten. Übrigens kranken an dem Fehler allzupersönlicher Auf¬ 
fassung wirtschaftlicher Kämpfe nicht etwa nur oder etwa besonders 
stark die Arbeiter, sondern auch alle jene, die jeden Streik als das 
Werk einzelner Agitatoren betrachten. Deshalb muß mit der Er¬ 
ziehung der Arbeiter zu sachlichem Denken und damit zu einer ge¬ 
eigneteren Taktik bei Lohnbewegungen die gleiche Erziehung auch 
bei den anderen Bevölkerungsklassen Hand in Hand gehen. 

Wenn man erwägt, daß fast jede Verbesserung proletarischer 
Lebensverhältnisse durch die Kämpfe der Arbeiterorganisationen er¬ 
rungen werden muß, dann leuchtet die Bedeutung der Bemühungen 
G r e u 1 i c h ’s auf eine Rationalisierung der Streiktaktik auch für die 
soziale Hygiene ein. a. sadekum. 

Fünfter Jahresbericht des Waldenburger Arbeitersekre¬ 
tariats in Altwasser für das Gesellüftsjahr 1903. 
Erstattet von E. Kirchberg. Oberlangenbielau. Druck von 
F. Pelz. 

Eine Bemerkung aus diesem Berichte scheint mir der Heraus¬ 
hebung wert zu sein: „Dem Rechtsanwalt ist der Widerstreit der 


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IY. Soziale Hygiene der Arbeit. 


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Interessen bei den Parteien Lebensbedingung. Sein eigenes Interesse 
ist am besten gewahrt, wenn dieser Widerstreit fremder Interessen 
fortbesteht Der Arbeitersekretär wird darauf hinzuwirken suchen, 
daß die Gesamtlage der von ihm vertretenen Arbeiterbevölkerung auf 
dem Wege der Gesetzgebung (doch auch wohl dem der organisierten 
Selbsthilfe. Referent) gehoben und dadurch die Gegensätze zwischen 
den einzelnen Gesellschaftsklassen und der Widerstreit ihrer Inter¬ 
essen gemildert werden. Wenn das Waldenburger Arbeitersekretariat 
sich einen Vorwurf zu machen hat, so ist es der, seiner Aufgabe in 
dieser Beziehung infolge zu großer sonstiger Inanspruchnahme nicht 
immer vollkommen gerecht geworden zu sein.“ 

A. Südekum . 


Jahresbericht 1903 des Arbeitersekretariates St. Gallen. 

Zürich. Buchdruckerei des schweizerischen Grütlivereins. 

45 S. 

Daß auch in der Schweiz bei den Behörden die Vorurteile gegen 
die Arbeitersekretariate noch nicht überall geschwunden sind, beweist 
eine Bemerkung dieses Berichts, wonach der Gemeinderat von St. 
Gallen ein Gesuch um Subvention des Sekretariats mit der Begrün¬ 
dung abgelehnt hat, die Auskunftstelle diene nur Parteizwecken. 
Wie segensreich aber kostenlose Rechtsauskunftsstellen wirken können, 
einem wie lebhaften Bedürfnisse sie ahhelfen, das lehrt auch dieser 
Bericht. 

A. Südekum . 


Hartmann , K., Arbeiterschutz. Besonderer Abdruck aus dem Hand¬ 
buch der Hygiene, herausgegeben von Th. Weyl. Vierter 
Supplementband: Soziale Hygiene. Jena. G. Fischer. 60 S. 
(2,00 M.) 

Der Verfasser gibt im Rahmen dieses Beitrages ein gedrängtes 
Bild des Arbeiterschutzes, vornehmlich nach der gesundheitlichen 
Seite. Zugrunde gelegt sind im wesentlichen die heutigen deutschen 
Verhältnisse, vor allem was die gesetzlichen Maßnahmen anlangt. 
Die knappe, von unnötigen Einzelheiten freie Darstellung der Sicher- 
heitsmaßregelu in gewerblichen Betrieben gewährt einen vorzüglichen 
Überblick über die Unfallverhütung und das weite Feld dessen, was 
da noch zu tun bleibt. Zu einer bei aller Kürze gründlichen Orien¬ 
tierung über die allgemeinen Fragen des Arbeiterschntzes kann das 
Heft gerade in Kreisen nicht direkt Beteiligter von bedeutendem 
Nutzen sein. Für den Hygieniker ist von Wert, zu erfahren, daß nun 
endlich die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften, die hinter 


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D. Referate. 


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den gewerblichen mit dem Erlaß ihrer Unfallverhütungsvorschriften 
so weit zurückstanden, sich bemühen, das längst Versäumte nach¬ 
zuholen. 

P. Georg. 


Landmann, J., Die Arbeiterschutzgesetzgebung der Schweiz. Basel. 

Helbing & Lichtenhabn. CXXXII. 496 S. (7,20 M.) 

Das vorliegende Werk füllt eine Lücke aus, die sich in allen 
Staaten, in denen die Gesetzgebungsgewalt unter mehrere Stellen ge¬ 
teilt ist, wie in der Schweiz unter Bund und Kanton, besonders fühl¬ 
bar macht: es gibt in einem einheitlichen Bande die sämtlichen auf 
Arbeiterschutz gerichteten gesetzlichen Maßnahmen, einerlei aus 
welcher Quelle sie geflossen sind. Den Hauptteil des Buches nimmt 
daher der Abdruck der Gesetzes- und Verordnungsteite ein, da der 
Verfasser, Sekretär des internationalen Arbeitsamtes, mit Recht der 
Meinung ist, daß auch eine eingehende Sachdarstellung den Text 
selbst nicht ersetzen kann. Die Benutzung ist durch zwei eingehende 
Register erleichtert, die um so notwendiger sind, als in der Kantonal¬ 
gesetzgebung dieselbe Materie häufig an ganz verschiedenen Stellen 
geordnet ist. Den Gesetzestexten vorangeschickt ist eine längere 
Einleitung, die nacheinander den Werdegang der Schweizer Arbeiter* 
Schutzgesetzgebung, das materielle Recht und die Vollzugsorgane in 
großen Zügen behandelt. 

Hygienisch von Interesse ist unter anderem die Geschichte des 
Weißphosphorverbotes in der Zündholzindustrie, das kurze Zeit nach 
dem Erlaß aufgehoben, aber bald darauf aus den bekannten hygie¬ 
nischen Gründen mit bestem Erfolg wieder eingeführt wurde. Wie 
bekannt, ist in der Schweiz seit 1877 der Normalarbeitstag gesetzlich 
festgelegt und hat sich trotz des anfänglich bedeutenden Widerstandes 
in verhältnismäßig kurzer Zeit vollkommen durchführen lassen. Dabei 
ist seit 1891 der Fabrikbegriff sehr weit ausgedehnt, da schon mecha¬ 
nische Betriebe mit 5 Arbeitern darunter fallen. Darüber hinaus hat 
dann in anerkennenswerter Weise die Kantonalgesetzgebung ein¬ 
gegriffen. Die Nachtarbeit ist durch Bundesgesetz allgemein unter¬ 
sagt. Unter den generellen Ausnahmen davon findet man leider auch 
die Bäckerei und kann nur bedauern, daß hier die Gelegenheit ver¬ 
säumt wurde, gerade dieses Gewerbe, das traditionell an der Nacht¬ 
arbeit festhält, zur Aufgabe derselben, soweit es irgend möglich, zu 
zwingen. Hygienisch wertvoll ist endlich der frühzeitige Ausschluß 
der Schwangeren von der Fabrikarbeit, der schon 4 Wochen vor der 
Niederkunft einsetzt. Angefügt sind noch eine Anzahl statistischer 
Tabellen, von denen die Unfallzahlen besonderes Interesse in Anspruch 
nehmen, da sie sich über zwanzig Jahre erstrecken. 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


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Die Darstellungen des Verfassers endlich, besonders die historische, 
lesen sich bei ihrer Knappheit und Präzision gut, so daß das Buch in 
jeder Richtung, sowohl als Übersicht wie als Nachschlagebuch, an¬ 
genehm zu benutzen ist. 

P. Georg. 


Zaclek, J., Der Achtstundentag , eine gesundheitliche Forderung. Ein¬ 
führung in die Gewerbehygiene. Berlin. Buchhandlung Vor¬ 
wärts. 23 S. (0,20 M.) 

Nach einer knapp gehaltenen einleitenden Darstellung unserer 
Arbeitsverhältnisse schildert der Verfasser in ansprechender Form die 
gesundheitlichen Gefahren andauernder Überarbeitung, ihren Einfluß 
auf die Frequenz der Gewerbekrankheiten und auf die Sterblichkeit 
der Arbeiterbevölkerung. 

A. Südekunu 


Bechaux, A., La Reglementation du Travail. Paris. V. Lecoffre. 

203 S. (2 Fr.) 

Das Buch steht in gewissem Zusammenhänge mit den Plänen, in 
Frankreich den Arbeitsvertrag, der im code civil fehlt, durch ein ein¬ 
heitliches Gesetz, das die vorhandenen Bestimmungen zusammenfaßt 
und ergänzt, zu regeln. Im ganzen tritt der Verfasser für Freiheit 
der Arbeit ein. Wenn er auch die Notwendigkeit gewisser Schranken 
anerkennt, so verlangt er doch Dehnbarkeit der Bestimmungen und 
geht damit, wie uns scheint, an verschiedenen Stellen zu weit. Vor 
allem wendet er sich gegen das französische Gesetz von 1900, das 
die Arbeitszeit der Frauen und Jugendlichen allmählich auf 10 Stunden 
herabsetzt. Diese Reduktion kommt, um die Durchführung zu er¬ 
möglichen, auch den Männern zugute, die mit den betreffenden Kate¬ 
gorien in einem Raume Zusammenarbeiten. Daß sich diese Maßregeln 
nicht ohne Schwierigkeiten durchführen ließen, gibt dem Verfasser 
Anlaß zu einer heftigen Polemik gegen das Gesetz. Die hygienische 
Seite der Arbeitskürzung ist dabei ganz aus den Augen gelassen, 
denn anders sind die wiederholten Fragen, weshalb man den er¬ 
wachsenen männlichen Arbeitnehmern nicht Überstunden nach ihrem 
Belieben gestatte, unverständlich. An einzelnen Stellen scheint es 
sogar, als ob dem Verfasser das Gesetz von 1848, das 12 Stunden 
effektiver Arbeit als Maximum festlegt, zu weit geht. Höchst be¬ 
denklich ist schließlich das Eintreten für die kleineren Betriebe und 
die Hausindustrie, die nach der Ansicht des Verfassers auch für die 
Zukunft von jeglicher gesetzlichen Regelung frei bleiben sollen. Gerade 
hier kommen doch erfahrungsgemäß die ärgsten Mißbräuche vor. Die 


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D. Referate. 


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beiden letzten Kapitel handeln „de la suppression legale et illegale 
de la liberte du travail“. In dem einen taucht das Gespenst des 
staatlichen Eisenbahnbetriebes nnd Schulunterrichtes auf, im anderen 
das der gewerkschaftlichen Organisationen. Zum Schluß sei noch ein 
Satz der „Conclusion“ zitiert, der die mehr als vorsichtige Stellung 
des Verfassers zu sozialhygienischen Fortschritten kennzeichnet: „Tel 
pays qui offre ä l’observatenr des salaires eleves, un travail facile et 
de courte duree, des institutions Gconomiques florissantes, est souvent 
ruine par 1’alcoolisme, l’immoralit6 et mille besoins factices, source de 
malaise prochain, d’antagonisme et de ruine.“ _ 


Vinck, JE., La Redudion des Heures de Travaü et la Joumee de huit 
heures. Bruxelles. H. Lamartin. 118 S. (1,00 F.) 

In Belgien, das für die Verminderung der Arbeitszeit bis jetzt 
noch wenig getan hat, ist innerhalb der letzten Jahre das Verlangen 
nach einer staatlichen Regelung der Beschäftigungsdauer, sei es all¬ 
gemein oder für einzelne Berufe, immer dringender geworden. Diese 
Bewegung will die Broschüre durch eine Zusammenstellung der Ver¬ 
hältnisse anderer Industrieländer und der dort bei Kürzung der Ar¬ 
beitsdauer gemachten Erfahrungen unterstützen. Der Verfasser gibt 
zunächst eine kurze Geschichte der Arbeitszeitreduktion, sei sie 
staatlich oder privat durchgeführt, und ihren heutigen Stand in den 
einzelnen Ländern. Dann folgt eine umfangreiche Zusammenstellung 
der erzielten wirtschaftlichen Resultate. Das Material dazu ist in 
großem Umfange amtlichen Publikationen entnommen, nicht zum 
Nachteil seiner Überzeugungskraft, und dabei sind auch vielfach 
ältere Veröffentlichungen benutzt, wie die englischen von 1848 zur 
Zeit der Einführung des Zehnstundentages in der Textilindustrie 
Den letzten Teil des Buches bildet die Darstellung der heutigen 
belgischen Verhältnisse unter Zugrundelegung der Industriestatistik 
von 1896. 

Die Zahlen, die sich da finden, sind sehr traurig. 25 Proz. der 
Kinder unter 16 Jahren arbeiten länger als 11 Stunden täglich mit 
Ausschluß der Pausen, von den Frauen sogar 35 Proz., von der 
Gesamtarbeiterschaft 25 Proz. Beinahe die Hälfte dieser überlangen 
Arbeit wird allein in der Textilindustrie geleistet. In der Zusammen¬ 
stellung der üblichen Löhne zeigt sich wieder schlagend das Zusammen¬ 
gehen von niedrigen Lohnsätzen mit langer Beschäftigungsdauer. 

Das Buch kann und wird hoffentlich mit seiner eindringlichen 
Darstellung reiner Tatsachen zur Beseitigung wenigstens zunächst 
der gröbsten Mißstände, der überlangen Frauen- und Kinderarbeit, 
viel beitragen. _ 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


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Jones, L. A. A., and Beillot, H. H. L., The Miners Guide to the coal 
mines regulaiion acts and the law of employers and worhnen. 
London. Methuen & Co. 262 S. (2 s. 6 d.) 

Nach dem Muster früherer Sammlungen, z. B. der Zusammen¬ 
stellung der auf die Frauenarbeit bezüglichen Rechtsnormen, sind 
hier die Gesetze zusammengetragen, die auf den Grubenbetrieb Bezug 
haben, und damit vereinigt die Vorschriften, die allgemein für alle 
gewerblichen Anlagen gelten. Da auch in England diese Materien 
in verschiedenen zerstreuten Gesetzen geordnet sind, ist eine derartige 
Zusammenfassung vor allem für die Nächstbeteiligten, Grubenbesitzer 
und Belegschaften, zur genauen Kenntnis ihrer Rechte und Pflichten 
sehr erwünscht. Die Erläuterungen und Einleitungen der Heraus¬ 
geber, juristischen Sachverständigen, machen das Buch für diese 
Zwecke ganz besonders geeignet, zumal auch die gerichtlichen Ent¬ 
scheidungen, die ja in England eine große Rolle bei der Fortbildung 
des bestehenden Rechtes spielen, ausgiebig herangezogen werden. 
Zum Schluß ist endlich noch das Recht der Trade Unions dargestellt. 

JP. Georg. 


Sommerfeld, Th., Der Gewerbearzt. Band VI des Handbuchs für 
Soziale Medizin. Jena. G. Fischer. 194 S. (4,00 M.) 

Der Inhalt des vorliegenden Buches ist ein doppelter. Im ersten 
Teile schildert Sommerfeld die Entwicklung der Gewerbeaufsicht 
in Deutschland und im Auslande unter ausführlicher Wiedergabe der 
gesetzlichen Bestimmungen, deren Wiederabdruck einen großen Teil 
des Inhalts ausmacht. Im zweiten Teil begründet Sommerfeld 
eigene Forderungen zur Reform des Gewerbeaufsichtswesens und von 
diesen Forderungen hat das Werk seine besondere Bezeichnung. 
Nach seiner Ansicht beweist eine Übersicht über die bisher getroffenen 
Maßnahmen, daß die Gewerbeaufsicht zahlreiche Aufgaben in sich 
schließt, deren sachgemäße Durchführung vor allem ärztliches 
Wissen und Können erfordert; es ist daher eine umfangreichere Be¬ 
tätigung der Ärzte in der Gewerbeaufsicht, zumal in der Beaufsichti¬ 
gung der bestehenden Anlagen und in der gesundheitlichen Kontrolle 
der Arbeiter geboten, als die jetzige Gesetzgebung vorsieht. Schon 
andere Hygieniker haben die gleiche Forderung gestellt, meistens 
aber geglaubt, daß die Medizinalbeamten die berufenen Ärzte seien. 
Ein Einblick in deren Pflichten beweist, daß diese Kategorie zu viel¬ 
seitige Aufgaben hat, um auch noch eine neue auf sich zu nehmen, 
welche an sich schon die volle Tätigkeit eines sachgemäß vorgebildeten 
Arztes verlangt, der zweckmäßig als Gewerbearzt zu bezeichnen 
wäre. Die Vorbildung kann schon jetzt auf der Universität erreicht 
werden, wobei eine besonders eingehende Ausbildung und Prüfung in 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 13 


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D. Referat«. 


der Technik weniger erforderlich ist, als die Betonung der ärztlichen 
Seite. Dem Gewerbearzt sind beaufsichtigende und beratende Funk¬ 
tionen im Fabrikbetriebe sowie die gesundheitliche Überwachung der 
Hausindustrie und Heimarbeit zu übertragen. Voraussetzung ist die 
Schaffung von Lehrstühlen für Gewerbehygiene, deren Inhaber auch 
praktisch ärztliche Erfahrung besitzen müssen. 

A. Gottstein. 


Roth, JE., Kompendium der Gewerbekrankheiten und Einführung in die 
Gewerbehygiene. Berlin. E. Schoetz. 271 S. (6,00 M.) 

Das Werk ist aus Vorlesungen in Fortbildungskursen entstanden 
und verdankt der besonderen Vorliebe des Verfassers für den be¬ 
handelten Gegenstand seine hervorragende Eigenart. Roth wählte als 
Einteilungsprinzip die Schilderung der Berufsgefahren und Gewerbe¬ 
krankheiten an der Hand der einzelnen Betriebe, unter deren Zu¬ 
sammenfassung nach den wesentlichsten Eigenschaften der verwandten 
Stoffe. Der Verfasser verfügt über große eigene Erfahrung und über 
die Fähigkeit, mit ganz kurzen, aber scharf kennzeichnenden Strichen 
dem ärztlichen Leser ein Bild von der technischen Seite des Betriebes 
und den mit seiner Ausübung verbundenen Gesundheitsgefahren zu 
geben; es erfolgt dann je nach der Wichtigkeit des Gegenstandes eine 
mehr oder weniger ausführliche Schilderung der beobachteten, mit dem 
Beruf selbst verbundenen Erkrankungen unter eingehendster Berück¬ 
sichtigung der vorhandenen Literatur und unter sorgfältiger Aufzählung 
der gesetzlichen Bestimmungen für die Vorbeugung der jeweils vor¬ 
handenen Gefahren; statistische Angaben über die Lebensgefahr und Er¬ 
krankungshäufigkeit sind in die lebhafte und anschauliche Schilderung 
eingefügt Der Berichterstatter muß das vorliegende Werk nach In¬ 
halt und Form als vorzüglich gelungen empfehlen; nur das Inhalts¬ 
verzeichnis hätte er gern etwas ausführlicher gewünscht Cellulose¬ 
industrie muß man z. B. unter „Schweflige Säure“ suchen. 

A. Gottstein. 


Fürst, M., Über die gesundheitliche Lage der im Außendienst be¬ 
schäftigten Straßenbahner (Führer und Schaffner). Mit besonderer 
Berücksichtigung der Verhältnisse bei der Hamburger Straßenbahn- 
Gesellschaft. Archiv für soziale Medizin und Hygiene. Leipzig. 
F. C. W. Vogel. 

Verfasser leitet seine Untersuchung mit einer kurzen Übersicht 
über den früheren Beruf der Schaffner und Führer ein, kommt dann 
auf die Einkommenverhältnisse, die Bekleidungsfrage, die Dienstzeit 
zu sprechen und streift kurz die Wohlfahrtseinrichtungen. Das 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


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Material zur Beurteilung der gesundheitlichen Lage hat sich Fürst 
durch Anfragen bei den Betriebsärzten und Fragebogen an die An¬ 
gestellten verschafft Die Hamburger Ärzte haben die Beobachtung 
gemacht, daß rheumatische Leiden und Influenza besonders häufig 
auftreten. Im Gegensätze zu Untersuchungen anderer hat Fürst 
für die Hamburger Verhältnisse gefunden, daß die sogenannten „Er¬ 
kältungskrankheiten“ bei den Schaffnern weit häufiger auftreten als 
bei den Führern, eine zunächst vielleicht befremdende Erscheinung, 
die Fürst auf die zweckmäßigere Bekleidung der Führer im Winter 
und beim Regen und auf den häufigen Temperaturwechsel, dem die 
Schaffner durch zeitweisen Aufenthalt im Wagenabteil ausgesetzt 
sind, zurückführt. Dieser Erklärung wird man ohne weiteres zu¬ 
stimmen müssen. Die in sozialhygienischer Beziehung wichtigste 
Schlußfolgerung Fürst’s ist: „Infolge der strengen Auslese, die 
beim Eintritt in den Dienst der Straßenbahn zu geschehen pflegt, 
kann man die Straßenbahner als ein von Haus aus besonders kräftiges 
Menschenmaterial ansehen. Ihre ökonomische Lage ist derart, daß 
sie zurzeit — wenn auch in der Zukunft noch durchaus verbesserungs¬ 
fähig und bedürftig — doch nicht als besonders geeignet bezeichnet 
werden kann, zu abnormer Sterbe- und Erkrankungshäufigkeit zu 
prädisponieren.“ 

B. Splethoff, 

Die deutsche Arbeiterversicherunff als soziale Einrichtung. 
Im Aufträge des Reichs-Versicherungsamts dargestellt für die 
Weltausstellung in St. Louis 1904. Heft I: Entstehung und 
soziale Bedeutung. Heft II: Statistik der Arbeiterversicherung. 
Heft III: Unfallverhütung und Arbeitshygiene. Heft IV: Arbeiter¬ 
versicherung und Volksgesundheit. Heft V: Arbeiterversicherung 
und Volkswirtschaft. Berlin. A. Ascher. (Jedes Heft 0,35 M.) 

Gelegentlich der dem friedlichen Wettbewerbe aller Nationen 
auf kulturellem Gebiete dienenden Weltausstellung in St. Louis im 
vorigen Jahre erschien auch das deutsche Reichs-Versicherungsamt 
im Verein mit dem kaiserlichen statistischen Amt mit einer kurzen 
Darstellung der deutschen Arbeiterversicherung, die dem Ausstellungs¬ 
besucher ein Bild von ihrer sozialen Bedeutung geben sollte. Sie 
liegt uns in obigen fünf Heften vor. 

Das erste handelt von der Entstehung und sozialen Bedeutung 
der deutschen Arbeiterversicherung. L. Laß schildert hier die Ent¬ 
wicklung des Versicherungsproblems, die mannigfachen Versuche zu 
seiner praktischen Lösung, die Vorteile und Nachteile der verschie¬ 
denen Systeme und zeigt, wie Deutschland, allen anderen Staaten 
voran, sich am entschiedensten von dem rein privatrechtlichen Stand¬ 
punkt in der Arbeiterversicherung zu einem öffentlich-rechtlichen 

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D. Referate. 


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durchgerungen und damit die ganze Arbeiterversicherung zu einer 
sozialen Institution gemacht habe. Alsdann werden die deutschen 
Einrichtungen und ihre Gestaltung skizziert: die Organisation der 
einzelnen Zweige der Versicherung, der Kreis der versicherten Per¬ 
sonen, die Leistungen, die Aufbringung der Mittel, Verwaltung und 
Rechtspruch. 

Das zweite Heft: Statistik der Arbeiterversicherung ist von G. 
A. Klein verfaßt und bringt das Zahlenmaterial für den Umfang 
der Versicherung, die Versicherungsträger und Versicherten, die Ein¬ 
nahmen, Ausgaben und das Vermögen, die Entschädigungsfälle, die 
Häufigkeit der Krankheiten, Unfälle, Invaliden- und Altersrenten, die 
Krankheits-, Unfall- und Invaliditätsursachen, die Dauer und Folgen 
der Krankheiten, Unfälle und Invalidität und den Rechtsgang im 
Versicherungsstreitverfahren. „Der in der statistischen Betrachtung 
gegebene Überblick über die Hauptergebnisse der amtlichen Er¬ 
hebungen zur Statistik der Arbeiterversicherung zeigt,“ so führt Ver¬ 
fasser im Schlußwort aus, „wie diese sich bemühen, den praktischen 
Zwecken der Gesetzgebung und Verwaltung zu dienen. Sie schildern 
die Wirksamkeit der sozialen Gesetzgebung und decken Hergang. 
Ursachen und Folgen von Krankheit, Unfall und Invalidität auf. Die 
Statistik der Arbeiterversicherung liefert so eine wirksame Waffe zur 
Bekämpfung dieser sozialen Übel, indem sie Klarheit schafft über die 
Art und Stärke des Feindes, und indem sie die Punkte erkennen 
läßt, an denen ein erfolgreicher Angriff anzusetzen ist.“ 

Im dritten Heft erörtert K. Hart mann Unfallverhütung und 
Arbeitshygiene. Er zeigt Art und Bedeutung der Arbeitsgefahren, 
wie sie in den Unfällen und den Gewerbe- und Berufskrankheiten 
in Erscheinung treten. Neben humanen Gefühlen sind es vor allem 
Erwägungen der Nützlichkeit, die zum Kampf gegen diese Gefahren 
führen. Verringerung der Gefahr bedeutet Verminderung der Unfälle 
und Krankheiten und damit des Risikos der Versicherungsträgei. 
Verfasser beschäftigt sich des weiteren mit den gesetzlichen Ma߬ 
nahmen, den allgemeinen Betriebsmaßnahmen und den technischen 
Maßnahmen der Ünfallverhütung und Arbeitshygiene. 

Im vierten Heft: Arbeiterversicherung und Volksgesundheit 
schildert Bielefeldt in beredten Worten die hohe Bedeutung der 
Arbeiterversicherung für die Volksgesundheit sowohl in therapeuti¬ 
scher wie prophylaktischer Hinsicht. Er erörtert die Maßnahmen, 
die der Heilung wie der Verhütung von Krankheiten dienen, Ma߬ 
nahmen, die zum Wohle der Versicherten von den Trägern der 
Kranken-, Unfall- und Invaliditätsversicherung freiwillig oder pflicht¬ 
gemäß getroffen worden sind* Seinem Thema entsprechend ist er 
bedacht, neben der Darstellung dieses Aufgabenkreises den sozial¬ 
hygienischen Wert der einzelnen Einrichtungen hervorzuheben. 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


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Im Schlußheft: Arbeiterversicherung und Volkswirtschaft sucht 
F. Zahn die Frage zu beantworten, „in welcher Weise sich die 
deutsche Volkswirtschaft im Zeichen der deutschen Arbeiterversiche¬ 
rung entwickelt.“ Im ersten Abschnitt betrachtet er die deutsche 
Volkswirtschaft in ihren Hauptgrundzügen und zeigt an der Hand 
der Statistik den wirtschaftlichen Aufschwung des Deutschen Reiches 
in den letzten Jahrzehnten, wie er sich im Anwachsen der Bevölke¬ 
rung, der Zunahme der Erwerbstätigkeit, unverminderter Leistungs¬ 
fähigkeit der Landwirtschaft und der gewaltigen Entfaltung von In¬ 
dustrie und Handel zu erkennen gibt. Im zweiten Abschnitt unter¬ 
sucht er die Wirkungen der Arbeiterversicherung auf die Volkswirt¬ 
schaft, d. h. ihre Äußerungen auf Arbeitgeber, Arbeiter, Gemeinden, 
Staat, Reich und Gesamtheit und kommt zu dem Resultat, daß die 
soziale Arbeiterversicherung volkswirtschaftlich nicht nur nicht als 
Hemmschuh, sondern als ein hervorragend befruchtendes Moment zu 
betrachten sei. 

Da das Versicherungswesen als Reflex der Nationalwirtschaft ein 
kompliziertes Problem ist, bei dem die Fülle der Einzelheiten fast 
schon bis zur Unübersichtlichkeit angeschwollen ist, so ist eine zu¬ 
sammenfassende, knapp gehaltene Darstellung von so sachkundigen 
Federn geradezu eine Wohltat. 

F. Kriegei. 

Klein, G. A., Atlas und Statistik der Arbeiterversicherung des Deutschen 
Reiches. Beiheft zum Reichs-Arbeitsblatt. Juni 1904. Heraus¬ 
gegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt. Abteilung für 
Arbeiterstatistik. Im Aufträge des Reichs-Versicherungsamts 
für die Weltausstellung in St. Louis 1904 bearbeitet. Berlin. 
C. Heymann. 38 S. (0,50 M.) 

Eine wertvolle Ergänzung der vorstehend angezeigten Bearbeitung 
der deutschen Arbeiterversicherung ist dieser Atlas, der in 29 graphi¬ 
schen Darstellungen und 26 statistischen Tabellen ein ebenso über¬ 
sichtliches wie lehrreiches Bild von der tatsächlichen Gestaltung des 
sozialen Versicherungswesens gibt. Die Nachweisungen für die 
Krankenversicherung erstrecken sich bis auf das Jahr 1901, die für 
die Unfall- und Invalidenversicherung bis auf das Jahr 1902. 

F. Kriegei. 


Düttmann, Umbau der Arbeiterversicherung. Sonderabdruck aus 
„Arbeiterversorgung“. XXI. 18. 19. Berlin. Verlag der 
Arbeiterversorgung. A. Troschel. 19 S. (0,60 M.) 

Zu der viel diskutierten Frage der Vereinheitlichung des sozialen 
Versicherungsapparates ergreift Verfasser in obiger Abhandlung das 


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D. Referate. 


Wort. Sein Vorschlag, der in gewissem Gegensatz zu den das gleiche 
Thema behandelnden Ausführungen des Vorsitzenden der Berliner 
Landesversicherungsanstalt Freund steht, geht dahin, bei finanzieller 
Selbständigkeit der einzelnen Versicherungszweige eine gemeinsame 
Verwaltung zunächst für die Kranken- und Invaliditätsversicherung und 
die zu erwartende Hinterbliebenenversicherung zu organisieren, die 
Unfallversicherung vorläufig zurückzustellen. Nachdrücklichst weist 
er anf die Gefahren hin, die der gesamten Arbeiterversicherung durch 
eine Zusammenlegung bei völliger finanzieller Vermischung drohen: 
die finanzielle Trennung scheint ihm der einzig gangbare Weg. Als 
öffentliche Organe der von ihm geplanten gemeinsamen Verwaltung 
der drei Versicherungszweige sollen Wohlfahrtsämter errichtet werden, 
die aus einem Beamten als Vorsitzenden und wenigstens je vier Ver¬ 
tretern der Arbeitgeber und der Versicherten als Beisitzern bestehen 
und die Eigenschaft einer öffentlichen Behörde haben. Die Aufgaben 
des Wohlfahrtsamtes bestehen in der Verwaltung der Bezirkskranken¬ 
kasse, durch deren Zugehörigkeit dem Krankenversicherungszwang 
ausschließlich genügt werden kann, in der Besorgung der örtlichen 
Geschäfte der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung (Erhebung 
der Beiträge, Entgegennahme und Begutachtung der Rentenanträge 
usw.), in der Erledigung der ihm auf dem Gebiete der Unfall¬ 
versicherung zu übertragenden Geschäfte (zunächst vielleicht nur die 
Kontrolle der Rentenempfänger, die Beobachtung der Unfallverhütungs¬ 
vorschriften in Kleinbetrieben, sofort oder später die Entgegennahme 
von Betriebsanmeldungen, Unfallanzeigen, Vornahme der Unfallunter¬ 
suchungen usw.), in der Ausführung der ihm auf den Gebieten der 
Krankheitsverhütung, der Arbeiterschutzgesetzgebung, der Wohnungs¬ 
kontrolle, des Arbeitsnachweises später zu übertragenden Aufgaben. 
Der Kreis der Versicherten soll gleichmäßig abgegrenzt werden und 
zwar im allgemeinen nach den für das Gebiet der Invalidenversiche¬ 
rung geltenden Bestimmungen. Es sind indes die sämtlichen Haus¬ 
gewerbetreibenden und die Unternehmer, welche nicht regelmäßig 
wenigstens einen Lohnarbeiter beschäftigen, ferner die nur gegen 
freien Unterhalt beschäftigten und die weniger als 16 Jahre alten 
Lohnarbeiter zur Versicherung heranzuziehen. Personen mit einem 
Jahresverdienst oder Einkommen von 3000 Mark und darüber sind 
nicht versicherungspflichtig. Für die Kranken-, Invaliden- und Hinter¬ 
bliebenenversicherung wird ein Beitrag erhoben, der je zur Hälfte 
von den Arbeitgebern und den Versicherten zu tragen ist. Die Höhe 
des Normalbeitrages wird im Wege der Gesetzgebung bestimmt und 
zwar zunächst auf die Dauer von 10 Jahren. Von demselben sind 
50 Proz. an die Versicherungsanstalt abzuführen, die übrigen 50 Proz. 
dienen zur Bestreitung der Ausgaben des Wohlfahrtsamtes. Bei 
einem Defizit können Zuschläge zugunsten der Bezirkskrankenkasse 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


199 


erhoben werden. Die Bezirkskrankenkasse hat als Unterstützung für 
die Dauer von 26 Wochen zu gewähren: 1. ihren Mitgliedern und 
deren Familienangehörigen, die nicht selbst dem Krankenversicherungs¬ 
zwange unterliegen, freie ärztliche Behandlung, Arznei; 2. ihren Mit¬ 
gliedern auch sonstige Heilmittel im Preise bis zum 20 fachen Be¬ 
trage des durchschnittlich von ihr gezahlten Krankengeldes oder 
einen Zuschuß zu den Kosten bis zu dieser Höhe, Verpflegung in 
einem Krankenhause, soweit sie nach der Art der Krankheit oder 
wegen der häuslichen Verhältnisse erforderlich ist, nach Beendigung 
der Krankheit Verpflegung in einem Genesungshause, wenn die Wieder¬ 
aufnahme der Berufstätigkeit noch nicht zulässig ist und die häus¬ 
lichen Verhältnisse die Wiederherstellung der Erwersfähigkeit nicht 
sicher stellen, ferner im Falle der Erwerbsunfähigkeit das Kranken¬ 
geld und zwar auch für Sonn- und Feiertage; 3. weiblichen Mit¬ 
gliedern und den Ehefrauen von Mitgliedern während der Schwanger¬ 
schaft und nach der Entbindung soweit erforderlich Hebammendienste 
und ärztliche Behandlung und eine Unterstützung in der Höhe des 
Krankengeldes für längstens je 6 Wochen; 4. den Angehörigen eines 
in einem Kranken- oder Genesungshause untergebrachten Mitgliedes 
eine Unterstützung in der Höhe der Hälfte des Krankengeldes; 5. ein 
Sterbegeld, das für Mitglieder das 50fache, für die Ehefrauen der¬ 
selben das 30 fache, für Kinder das 20 fache des Krankengeldes be¬ 
beträgt. Die Gemeinden, für deren Bezirk die Bezirkskrankenkasse 
errichtet ist, oder der nach Landesrecht an ihre Stelle tretende Ver¬ 
band sind verpflichtet, den Kassen Betten in Krankenhäusern zu 
einem dem durchschnittlichen Betrage des Krankengeldes entsprechen¬ 
den Verpflegungssätze in der erforderlichen Zahl zur Verfügung zu 
halten. 

Es würde zu weit führen, wollten wir auf die scharfsinnigen und 
überzeugenden Ausführungen, die diese Leitsätze finden, näher ein- 
gehen. Wir müssen uns deshalb darauf beschränken, die anregende 
Lektüre dieser Schrift, die einen wertvollen Beitrag zur Klärung der 
schwierigen Frage der Verschmelzung unseres sozialen Versicherungs¬ 
wesens darstellt, auf das wärmste zu empfehlen. 

F. Kriegei. 


Zacher, Die Arbeiterversicherung im Auslande. Heft IHa: Die Ar¬ 
beiterversicherung in Norwegen. 1 . Nachtrag zu Heft III. Berlin. 
Verlag der Arbeiterversorgung. A. Troschel. 113 S. (3,60 M.) 

Das Heft behandelt die norwegische Alters- und Invaliditäts¬ 
versicherung und ihre Vorgeschichte. Schon im Jahre 1894 wurde 
eine parlamentarische Kommission mit der Beratung über die In- 
validitäts- und Altersversicherung betraut. Erst 1898 waren die 


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200 


D. Referate. 


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Vorarbeiten der Kommission so weit gediehen, daß sie an die Aus¬ 
arbeitung eines Gesetzentwurfes gehen konnte. Infolge von Meinungs¬ 
verschiedenheiten kam es zu keiner Einigung, und sowohl die Majori¬ 
tät wie die Minorität unterbreiteten Ende 1899 je einen Entwurf; 
erstere einen „Gesetzentwurf über Invaliditäts- und Altersversiche¬ 
rung für das norwegische Volk“, letztere einen „vorläufigen Gesetz¬ 
entwurf über Kranken-, Alters- samt Invaliditäts- und Altersversiche¬ 
rung“. Verfasser geht nun des Näheren auf den am weitesten 
gehenden, die gesamte Bevölkerung auf Grund des Zwanges in die 
Versicherung einschließenden Gesetzentwurfs der Mehrheit ein, gibt 
seine Begründung, betrachtet sodann den Entwurf der Minorität die 
1902 erfolgte Begutachtung des Kommissionsentwurfs der Mehrheit 
seitens eines aus Fachleuten zusammengesetzten Komitees und das 
versicherungstechnische Sondergutachten. In einem „Sozialversicherung 
und Versicherungstechnik“ überschriebenen Schlußabschnitt betont 
Verfasser den Unterschied zwischen Sozial- und Privatversicherung 
scharf und prüft mit diesem Kriterium den Entwurf und seine Be¬ 
gutachtung. Auch er wendet sich gegen eine zu weit gehende, er¬ 
werbsfähige und zur Selbsthilfe befähigte Personen einbeziehende 
Versicherung. „Eine soziale Versicherung wird sich,“ sagt er, „im 
wesentlichen auf die wirtschaftlich Unselbständigen, d. h. die 
durch die moderne Entwicklung erst geschaffenen Schichten der 
Lohnarbeiter zu beschränken haben, welche eben, wie jahrzehnte¬ 
lange Erfahrungen in allen modernen Kulturstaaten bewiesen haben, 
zwar ein beträchtliches Maß an Selbsthilfe auszuüben vermögen, aber 
ihrer Mehrheit nach doch nicht in so andauernder und ausreichender 
Weise, wie es zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz gegen¬ 
über den typischen, mit ihrem Erwerbs- und Berufsleben untrennbar 
verbundenen Notfällen (Gewerbekrankheiten, Betriebsunfällen, Berufe¬ 
invalidität) notwendig ist. Eine soziale Versicherung unseres Zeit¬ 
alters kann daher im wesentlichen nur eine Arbeiterversiche¬ 
rung sein, und jeder Versuch einer allgemeinen Volksversiche¬ 
rung muß an seinen inneren Widersprüchen scheitern, wie dies nicht 
bloß der Entwurf der Arbeiterkommission, sondern auch ähnliche Be¬ 
strebungen in anderen Ländern dargetan haben.“ 

F. Krieget. 


Unfallstatistik für Land- und Forstwirtschaft 1901 . 
1. Teil: Amtliche Nachrichten des Beichsversicherungsamts 1904. 
1. Beiheft. Bearbeitet im Reichsversicherungsamt. Berlin. 
A. Ascher. 63* und 103 S. 

Die vorliegende Statistik schließt sich an die für das Jahr 1891 
bearbeitete an; in Ermangelung einer anderen Berufszählung konnte 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


201 


nur die von 1895 benützt werden. Die Zahl der entschädigten Un¬ 
fälle hat bedeutend zugenommen, es kamen auf 1000 Versicherte 


erstmalige Entschädigungen 


1889 . . . . 

.... 0.85 

1891 .... 

.... 1,59 

1896 

.... 3,85 

1901 .... 

.... 4,98. 


Die Ursache liegt mehr darin, daß die Kenntnis von der Versiche¬ 
rung sich nur langsam einbürgerte, als darin, daß die Mehrverwendung 
von Maschinen und die Zuziehung ungelernter Arbeiter die Unfälle tat¬ 
sächlich vermehrt hat. Eine richtige Statistik ließe sich nur aufstellen, 
wenn die Zahl der „Vollarbeiter“ (= 300 Arbeitstage) bekannt wäre. 
Dies ist nur bei den staatlichen Forstbetrieben möglich, bei diesen 
kamen 1901 auf 1000 Vollarbeiter 12,18 erstmalige Entschädigungen. 
Hervorzuheben ist die Tatsache, daß die Unfallhäufigkeit bei beiden 
Geschlechtern nicht sehr verschieden ist, während in den gewerblichen 
Betrieben die des Mannes bedeutend höher ist. Von 100 erstmals 
entschädigten Unfällen verliefen 4,96 tötlich, 38,47 hatten eine Er¬ 
werbsminderung von weniger als 25 Proz. und 32,55 eine solche von 
25—50 Proz. zur Folge. Eine befriedigende Berechnung der Unfall¬ 
gefahr bei den verschiedenen Arten der Bewirtschaftung (Ackerbau, 
Viehzucht usw.) ist noch nicht möglich; die Beziehung auf die be¬ 
wirtschaftete Fläche gibt kein richtiges Bild. 56,48 Proz. aller Un¬ 
fälle ereigneten sich bei der Viehhaltung, davon sind nicht ganz die 
Hälfte (43,08) durch Tiere veranlaßt. Weitaus am größten ist die 
Unfallgefährlichkeit der Pferde (23 Unfälle auf 1000 Pferde); es wird 
daher empfohlen, Vorschriften zur Verhütung von Unfällen bei der 
Pferde- und Rindviehhaltung zu erlassen. 

F. Frinzlng. 


Bericht über die Tätif/keit der Arbeiterunfallversiche- 
rungsanstalt für Mähren und Schlesien in Brünn. 
Verwaltungsjahr 1902. Brün 1903. R. M. Rohrer. 56 S. 
(2,00 M.) 

Die bar geleisteten Entschädigungen betrugen im Berichtsjahr 
1491338 Kronen, die Summe der Beiträge war 2414824 Kronen. 
Das Vermögen der Versicherungsanstalt betrug am Ende des Jahres 
1902 15,26 Millionen Kronen. Die Zahl der versicherten landwirt¬ 
schaftlichen Betriebe war 79768, die der gewerblichen 13064, die 
Zahl der versicherten Arbeiter war bei ersteren 270716, bei letzteren 
265529; die Zahl der berechneten „Vollarbeiter“ (= 300 Arbeitstage) 
war bei den landwirtschaftlichen Betrieben 11688, bei den gewerb- 


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D. Referate. 


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liehen 225362. Die Zahl der entschädigten Unfälle ist ständig im 
Steigen begriffen (1899 waren es 3113, 1902 dagegen 3352). Bei den 
gewerblichen Betrieben kamen auf 10000 Vollarbeiter 1890—1896 
101, 1902 dagegen 144 entschädigte Unfälle. 

F. Prinzlng. 


Ergebnisse der Unfallstatistik der Beobachtungsperiode 
1897 — 1901. 1. Teil. Bearbeitet im Kaiserlich Königlichen 
Ministerium des Innern. Wien. Hof- und Staatsdruckerei 
703 S. (6,00 M.) 

Da in Österreich die Arbeiterunfallversicherung nicht auf Berufs¬ 
genossenschaften aufgebaut ist, so müssen die einzelnen Betriebe in 
Gefahrenklassen eingeteilt werden; das Gesetz schreibt eine Revision 
derselben im 5 jährigen Turnus vor. Während die früheren Be¬ 
arbeitungen alljährlich durch die 7 Versicherungsanstalten vorgenommen 
und aus diesen die Gesamtberichte aufgebaut wurden, wird jetzt eine 
zentralisierte Bearbeitung mittelst Zählkarten vorgenommen. Da die 
Folgen vieler Unfälle sich erst nach längerer Zeit mit Gewißheit 
feststellen lassen, so wurde für die zentralisierte Umarbeitung die 
5 jährige Periode gewählt und nur die statistischen Nachweise all¬ 
gemeiner Natur werden alljährlich veröffentlicht. Der vorliegende 
Band enthält in ungemein reicher Differenzierung alle die Angaben, 
die zur Beurteilung der Unfallgefahren der Betriebe nötig sind; 
dauernde Erwerbsunfähigkeit wird angenommen, wenn solche länger 
als 2 Jahre besteht; Unfälle, die weniger als 4 Wochen Erwerbs¬ 
unfähigkeit bedingen, sind, als nicht entschädigungspflichtig, nicht 
verwertet. Als Maßstab für die Unfallgefahr dient das Verhältnis der 
Belastung der Betriebe durch die Unfälle zu der der Versicherung 
zugrunde liegenden Lohnsumme. Für sämtliche Betriebe ist stets die 
Zahl der Vollarbeiter (= 300 Arbeitstage) berechnet. 

F. Prtnzing. 


Jahresbericht des Berliner Verein für Unfallverletzte. 

Berlin. Günther & Sohn. 

Der Verein will von Unfällen betroffenen Personen und deren 
Familien Beistand leisten, soweit sie sich aus eigener Kraft gegen 
Not und Sorge nicht zu schützen vermögen. 

Der Verein richtete sein Augenmerk zuerst auf Beratung der 
Verletzten in ihren Rentenangelegenheiten vermittelst eines Vereins¬ 
bureaus und auf die Versorgung des Verletzten durch Arbeitsver¬ 
mittelung; dies letztere in Hinsicht darauf, daß für die durch den 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


203 


Unfall verlorene prozentuale Erwerbsfähigkeit von Staats wegen wohl 
eine Rente gezahlt wird, daß es den Verletzten aber überlassen bleibt, 
eine für ihre Erwerbsfähigkeit passende Tätigkeit selbst zn snchen. 

Im Vereinsbureau fanden sich im Jahre 1904 915 Personen ein (776 
im Jahre 1903). 336 verlangten Auskunft und Belehrung; 219 Schrift¬ 
sätze wurden angefertigt 360 Arbeitsuchende fanden sich ein, begehrt 
wurden 41 (23 für Hausreinigung), aber nur 14 Stellen bei fremden 
Arbeitgebern wurden besetzt. Über die Besucher des Bureaus wurden 
Personalbogen ausgefüllt, welche Namen, Alter, früheren Beruf, Art 
und Folgen des Unfalls, Rentenverhältnisse, Inanspruchnahme der 
Armen Verwaltungen etc. enthalten. Eine spätere statistische Durch¬ 
arbeitung dieses Materials verspricht interessante Aufschlüsse über 
die Verhältnisse der Unfallverletzten. 

Der Versuch der Vereinswerkstatt dürfte allgemeineren In¬ 
teresses sicher sein. Da es sich um vorher Gesunde mit 3—5 Mark 
und mehr Tagesverdienst handelt, welche in einer geringen Entlohnung 
(wie in Blinden- nnd Krüppelanstalten, Arbeitskolonien etc.) einen 
Entgelt für eine wirkliche Arbeitsleistung nicht sehen, wird in der 
Bürstenmacherei nach dem Berliner Tarif der Gesunden bezahlt, d. h. 
mehr als die Gesunden im allgemeinen wirklich erhalten. Die länger 
beschäftigten, gut eingearbeiteten „Pecher“ verdienten im Jahre 1904 
bei achtstündiger Arbeitszeit 15—18 Mark, die „Einzieher“ 20—25 Mark, 
die jüngeren bzw. weniger leistungsfähigen „Pecher“ 9—10 Mark 
und Einzieher 12—15 Mark pro Woche. Bei Verdienst unter 9 Mark 
wird 1,20 Mark Zulage bewilligt. Die Lehrzeit welche mit 1 Mark 
pro Tag bezahlt wird, dauert ca. 4 Wochen. Während der ersten 
4 Wochen nach der Lehrzeit wird 1,50 Mark pro Woche Zuschlag 
zum Akkord gewährt. 

Der Umsatz der Bürstenmacherei betrug bis zum 1. Jan. 1903 
ca. 20000, 1903 ca. 49000, 1904 ca. 74000 Mark. Im Jahre 1904 be¬ 
trugen die Geschäftsunkosten 14,7 Proz., dabei ca. 1700 Mark an be¬ 
sonderen Zuwendungen an die Arbeiter (Lehrzeit, Zulagen, Neujahrs¬ 
gratifikationen etc.) und 1200 Mark Abschreibungen auf Utensilien¬ 
konto. In der ersten Zeit (damals w r urde Tagelohn statt Akkord ver¬ 
sucht) wurden ca. 300 Mark zugesetzt, danach aber konnte das Be¬ 
triebskapital (20000 Mark aus dem Plaut’schen Nachlasse) voll er¬ 
halten werden. 

Die Werkstatt macht keine Konkurrenz im bösen Sinne dieses 
Wortes. Sie unterbietet nirgends die Preise, sondern läßt sich die vor¬ 
herbezahlten Preise vorschreiben, so daß der Ausgleich „guter“ und 
und „schlechter“ Preise das günstige Resultat zeitigte. Dabei fertigt 
die Werkstatt zum großen Teil Waren an, welche die Berliner Meister 
aus den großen auswärtigen Fabriken oder von Händlern mit Heim¬ 
arbeit und Zuchthausware fertig kaufen und nur vertreiben. 


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204 


D. Referate 


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Das Verhalten der (gesunden) Arbeiterschaft dem Verein gegen¬ 
über ist bisher ein unbestimmtes. Im Berliner Arbeitervertreter¬ 
verein wurde die Werkstatt als eine „Abschiebungsstelle der Unter¬ 
nehmer für Unfallverletzte“ und als eine „Art Probierstation zu¬ 
gunsten der Berufsgenossenschaften“ bezeichnet. Nachdem dann Ar¬ 
beiter der Vereins Werkstatt in einer Versammlung über die Werkstatt 
berichtet, „in der sie sich als freie Arbeiter fühlten“, und nachdem 
ein Gesunder, der die Werkstatt besichtigt hatte, erklärte, „die Ein¬ 
richtungen der Werkstatt seien so, daß sich jeder Arbeitgeber der 
Branche durch Schaffung gleicher Betriebseinrichtungen Lob verdienen 
könnte“, ersuchte der Arbeitervertreterverein um die Erlaubnis, die 
Werkstatt zu besichtigen; bisher ist er aber nicht gekommen. 

Im Frühjahr 1904 wurde ein neuer Arbeitszweig eingeführt, und 
zwar Bestoßarbeiten für Metallwarenfabriken. Am 1. Januar 1905 
waren 7 solcher Feilenarbeiter (alle frühere Metallarbeiter) in Tätig¬ 
keit. Das neue Gebiet läßt noch kein abschließendes Urteil zu. Der 
Verdienst ist noch sehr gering (ausnahmsweise bis 11 Mark pro 
Woche). 

Der Verein zählte am 1. Januar 1905 190 Mitglieder mit 1700 Mark 
Beiträgen. Zu den Mitgliedern gehören auch mehrere große industrielle 
Firmen. 

»V. Eigner. 


Statistik der Ursachen der Erwerbsunfähigkeit (Invali¬ 
dität) nach dem Invalidität»- und Altersversiche¬ 
rungs-Gesetz für die Jahre 1896 — 99. Bearbeitet im 
Reichsversicherungsamt. Amtliche Nachrichten des Reichs¬ 
versicherungsamts 1903. 2. Beiheft. Berlin. A. Ascher. 

XXIV und 231 S. (6,00 M.) 

Das Interesse, das der erstmaligen Bearbeitung der Ursachen der 
Invalidität beim deutschen Arbeiterstand entgegen gebracht wurde, ist 
noch in aller Erinnerung. Die diesmalige Statistik umfaßt die Jahre 
1896—99; sie wurde mit letzterem Jahre abgeschlossen, da die Be¬ 
griffsbestimmung der Erwerbsunfähigkeit durch Einführung des In¬ 
validenversicherungsgesetzes vom 13. Juli 1899 eine Änderung er¬ 
fahren hat. Für die Statistik war es von Wert, daß 1894 die zur 
Invalidität führenden Krankheiten in 28 Gruppen vereinigt wurden, 
in deren eine der Arzt bei Ausstellung des Gutachtens die Krankheit 
einzureichen hat; stets ist nur die Hauptursache berücksichtigt. Als 
Alter der Rentenempfänger ist das Alter beim Beginn der Rente 
angenommen. Aus dem großen und wertvollen Tabellenmaterial ent¬ 
nehmen wir nur die folgenden Ziffern. Von 1000 männlichen Renten¬ 
empfängern wurden erwerbsunfähig im Alter von 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


205 


Jahren 

wegen 

Lungentuberkulose 

wegen anderer 
Lungenkrankheiten 

1891—95 

1896—99 

1891—95 

1896—99 

20-24 

477 

549 

01 

41 

25-29 

450 

509 

70 

55 

30-34 

392 

439 

89 

61 

35-39 

340 

367 

118 

85 

40—44 

275 

299 

145 

107 

45—49 

197 

226 

184 

153 

50-54 

126 

138 

218 

194 

55-60 

73 

81 

247 

204 

60-64 

39 

43 

240 

209 

65-69 

22 

22 

221 

183 


Der Berichterstatter nimmt an, daß die Fürsorge für die Tuberkulösen 
sich auch darin äußert, daß viele Kranke ohne diese rasch gestorben 
und daher nicht unter die Zahl der Rentenempfänger aufgenommen 
werden würden. Zu Vergleichen zwischen den einzelnen Landesteilen 
ist die Statistik leider nicht geeignet, da eine Beziehung zur Zahl 
der Versicherten nicht möglich ist. Es wäre in Erwägung zu ziehen, 
ob nicht bei einer künftigen Volks-, bzw. Berufszählung die Ziffern 
hierzu erhoben werden sollten, damit das wertvolle Material vollständig 
ausgenützt werden könnte. 

F. Prinzing. 

Geißler, A., Das Alter der Invaliden beim Eintritt der Invalidität und 
die Ursachen der letzteren. Sonderabdruck aus der Zeitschrift 
des Königlich sächsischen statistischen Bureaus. 49. Jahr¬ 
gang. 1903. S. 216—223. 

Die Statistik bezieht sich auf die im Sinne des Invaliden¬ 
versicherungsgesetzes erwerbsunfähigen Ansprecher und Invaliden¬ 
rentner, gleichviel ob die Rente bewilligt wurde oder nicht. Zugleich 
werden die Ursachen der Invalidität angegeben. Leider sind die 
Zahlen der Versicherten nicht bekannt. 



Durchschnitts¬ 
alter der Renten- 
ansprecher 
(1892-1900) 

Von 100 Renten- 
ansprechern 
waren 
tuberkulös 
(1900) 

Männer, beschäftigt im Freien i 

56,5 

18,5 

Männer, beschäftigt in geschlossenen Räumen 

53,0 

22,7 

Fraaen, beschäftigt in Land- und Hauswirtschaft 

58,3 

6,9 

Frauen, beschäftigt in Fabriken 

52,4 

15,9 


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206 


D. .Referate. 


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Zu den im Freien beschäftigten Arbeitern sind auch die Steinbrecher 
und Steinmetzen gerechnet, die sehr hohe Invaliditätsziffem infolge 
von Tuberkulose haben. 

F. Primlng. 

Geschäftsbericht des Vorstandes der Landes versiehe t^ungs- 
Anstalt der Hansestädte für die Zeit vom 1. Januar 
bis 31. Dezember 1903. Hamburg. Lütcke & Wulff. 61S. 

Bericht über die Verwaltung und Geschäftsführung sowie zahlen¬ 
mäßige Angaben über die Geschäftsergebnisse (Anträge auf Invalidität 
und deren Ursachen, sowie deren Erledigung usw.). Von besonderem 
Interesse sind Anlagen 4 und 5, welche für beide Geschlechter ge¬ 
sondert die bis Ende 1903 bewilligten Invaliditätsrenten, nach Lebens¬ 
alter und hauptsächlichsten Invaliditätsursachen getrennt, zahlenmäßig 
bringen. 

A. Gott&teiru 


Buehl, Das Armenwesen. Besonderer Abdruck aus dem Handbuch 
der Hygiene, heraHsgegeben von Th. Weyl. IV. Supplements¬ 
band : Soziale Hygiene. Jena. Gustav Fischer. 138 S. (4,00 M.) 

In gedrängter Kürze wird hier durch die berufene Feder des 
Direktors des öffentlichen Armenwesens in Hamburg dem Leser ein 
Überblick über die Entwicklung und den gegenwärtigen Zustand des 
Armenwesens geboten. Die Darstellung ist durchaus objektiv, da der 
Verfasser seine eigenen Anschauungen geflissentlich zurückdrängt. 
Deshalb ist das Buch zur Einführung des Lesers in das vielgestaltige 
Gebiet besonders geeignet, wenn man auch an einigen Stellen be¬ 
dauern muß, daß der Verfasser durch sein Streben nach Objektivität 
verhindert worden ist, die jüngste Entwicklung der Armenpflege 
kritisch zu beleuchten. Gewiß wäre es von höchstem Interesse ge¬ 
wesen, Buehl über die Tendenzen, die voraussichtlich die Armen¬ 
pflege des nächsten Jahrzehnt beherrschen werden, sich aussprechen 
zu hören. Aus dem reichen Inhalt seien au dieser Stelle folgende 
Tabellen über die hier besonders interessierende „geschlossene“ 
Armenpflege in Anstalten wiedergegeben. Im Jahre 1900/01 entfielen 
auf einen Armenkranken Verpflegungstage: 



Anstalten 


Anstalten 

Gemeinde 

kommunale 

sonstige 

Gemeinde 

i 

kommunale 

sonstige 

Bremen 

' 40.47 

67,98 

Dresden 1 

18,16 

31,18 

Breslau 

1 40,39 

30,72 

Düsseldorf 

| 20,58 

39,33 

Charlottenburg 

41,05 

69,23 

Hamburg 

37,59 

51,72 

Küln 

30,82 

54,79 

Leipzig 

35,59 

24,75 

Dortmund 

37,58 

89,61 





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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


207 


Es betrag: 


Gemeinde 

E rankenan st alten 

' Aufwand 

Zahl der 1 P ro Kopf 
y er . der Be- 

pflegten völkerung 
j Mark 

Irrenai 

Zahl der 
Ver¬ 
pflegten 

oßtalten 

Aufwand 
pro Kopf 
der Be¬ 
völkerung 

Mark 

Anstalten für Ge¬ 
brechliche 

I Aufwand 
Zahl der 1 P™ Kopf 
Ver- i <|er Be * 
pflegten |Völkerung 

Mark 

Aachen 

2188 

0,78 

449 

0,69 

73 

0,13 

Altona 

1998 

0,77 

373 

0,15 

— 

0,08 

Bremen 

1682 

0,83 

267 

0,78 

118 

0,25 

Breslaa 

4 870 

0,65 

677 

0,36 

124 

0,89 

Charlottenburg 

1219 

0,50 

264 

0,23 

— 

— 

Köln 

8832 

1,25 

799 

0,42 

197 

0,13 

Dresden 

1732 

0,21 

286 

0,12 

130 

0,04 

Düsseldorf 

2 664 

0,71 

214 

0,26 

92 

0,10 

Elberfeld 

1338 

0,41 

237 

0,35 

69 

0,13 

Frankfurt a. M. 

— 

1,20 

— 

0.83 

— 

0.16 

Halle a. S. 

1799 

0,58 

— 

0,24 

— 

0,09 

Hamburg 

11645 

0,89 

2054 

0,70 

483 

0,27 

Hannover 

2360 

0,61 

222 

0,30 

86 

0,10 

Leipzig 

2 824 

0,30 

1179 

0,38 

131 

0,03 

Mannheim 

— 

0,33 

— 

0,17 

— 

— 

München 

3031 

0.30 

377 

0,24 

177 

0,08 

Stuttgart 

1441 

0,61 

92 

0,05 

89 

0,13 


Über die Kosten der Fürsorge in Armen- and Versorgungsanstalten 
gibt nachstehende Übersicht Aufschluß: 


Gemeinde 

Zahl der 
Insassen in 
den Siechen-, 
Armen- und 
Arbeits¬ 
häusern 

Kosten der 
den Siechen-, 
Arbeits 

absolut 

Mark 

Fürsorge in 
Armen- und 
häusern 

pro Kopf 
der 

Bevölkerung 

Mark 

Aachen 

473 

i 

272 833 

2,02 

Altona 

655 

36115 

0,22 

Bremen 

189 

51948 

0,32 

Breslau 

2347 

302183 

0,71 

Charlottenburg 

111 

39317 

0.21 

Köln 

419 

107 949 

0,29 

Dresden 

2678 

518 223 

1,31 

Düsseldorf 

1218 

163201 

0,76 

Elberfeld 

442 

80175 

0,51 

Frankfurt a. M. 

— 

39851 

0,14 

Halle a. S. 

260 

57 509 

0,37 

Hamburg 

1607 

529 092 

0,75 


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208 


D. Referate. 


Gemeinde 

Zahl der 
Insassen in 
den Siechen-, 
Armen- und 
Arbeits¬ 
häusern 

Kosten der 
den Siechen-. 
Arbeitsl 

absolut 

Mark 

Fürsorge in 
Armen- und 
tiäusern 

pro Kopf 
der 

Bevölkerung 

Mark 

Hannover 

715 

57 463 

0,24 

Leipzig 

1052 

183238 

0,40 

Mannheim 

— 

20488 

0,15 

München 

1071 

340 991 

0.68 

Stuttgart 

680 

110 156 

0.62 


A. Grotjahn. 


Bodelschwingh, F. v., Wer hilft mit ? Ein Wort zur Reorganisation 
der Berliner Asyle. Berlin. Scherl. 31 S. (0,50 M.) 

Der Verfasser der vorliegenden Broschüre erfreut sich in ärzt¬ 
lichen Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, da seine Ansichten über 
das Wesen der Geisteskrankheiten und über die Stellung, die nach 
seiner Ansicht der Geistliche bei der Behandlung in den Anstalten für 
psychisch Erkrankte einnehmen soll, unseren modernen Anschauungen 
in der Tat diametral entgegengesetzt sind. Das darf uns jedoch 
nicht abhalten, die großen Verdienste anzuerkennen, die v. Bodel- 
schwingh in der Praxis der Versorgung kranker und schwacher 
Individuen sich seit einem Menschenalter erworben hat. Geradezu 
bahnbrechend ist seine Arbeit auf dem Gebiete der Versorgung der 
Wanderarmen und Vagabunden geworden. Unter Beihilfe der Pro¬ 
vinzialbehörden und Kommunalbehörden hat auf seine Anregung die 
Provinz Westfalen durch eine sinnreiche Kombination von Verpflegungs¬ 
heimen, Wanderarbeitsstätten und Arbeiterkolonien das Wanderarmen- 
wesen in einer für das übrige Deutschland geradezu vorbildlichen 
Weise geregelt. Die Einzelheiten möge man in der vorliegenden Ver¬ 
öffentlichung nachlesen. v. Bodelschwingh tritt hier mit Nachdruck 
dafür ein, daß auch Berlin endlich seinen großen Asylen für Obdach¬ 
lose Arbeitsstätten angliedere und die in Westfalen gemachten Er¬ 
fahrungen sich in vollem Umfange zunutze mache. 

A. Grotjahn. 

Bericht des Instituts für Gemeinwohl zu Frankfurt am 
Main über dasachte Geschäftsjahr 1903104. Frank¬ 
furt a. M. 34 S. 

Neben den bereits im vorigen Jahresbericht genannten Zweig¬ 
institutionen dieser großen Zentralstelle, die sich alle gedeihlich ent- 


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IV. Soziale Hygiene der Arbeit. 


209 


wickeln, sind mehrere Neugebilde entstanden: zunächst das Berliner 
Sekretariat des Instituts für Gemeinwohl, welches infolge der 
Beteiligung des Vereins für Sozialpolitik und anderer Institute zu 
einem allgemeinen Bureau für Sozialpolitik ausgebaut ist. Dahin ist 
auch die Redaktion der Zeitschrift Soziale Praxis verlegt worden. 
Ferner ist das Sekretariat des Verbandes der rhein-mainischen Vereine 
für Volksvorlesungen gegenüber dem Frankfurter Ausschuß für Volks¬ 
vorlesungen selbständig gemacht worden. Weitere Veranstaltungen 
beschränken sich auf die Stadt Frankfurt a. M. Das Vermögen des In¬ 
stituts, einschließlich des Pensionsreservefonds, hat sich um 170000 
Mark vermehrt. 

A. Koch-Hesse. 


Soziales Museum. Erster Jahresbericht. Frankfurt a. M. 36 S. 

Das im Jahre 1903 unter den Auspizien des Instituts für Gemein¬ 
wohl gegründete Soziale Museum gibt hiermit seinen ersten ausführ¬ 
lichen Jahresbericht heraus. Es hat sich folgende Aufgaben gestellt: 
den Betrieb eines sozialen Archivs mit Bibliothek, einer sozialen 
Auskunftstelle, einer Rechtsauskunftsstelle und die Besorgung der 
Geschäfte gemeinnütziger Vereine und Institute. Außerdem sind im 
Berichtsjahr Lehrkurse für Handwerkergenossenschaften abgehalten 
worden. — Als wissenschaftliche Beigabe des Jahresberichts ver¬ 
öffentlicht E. Cahn einen Aufsatz über die unentgeltlichen Rechts¬ 
auskunftsstellen im Deutschen Reich. 

A. Koch-Hesse. 


Flesch, K., Wohlfahrtseinrichtungen für Arbeiter und deren Familien. 

Sonderabdruck aus dem Handbuch der Hygiene von Th. Wey 1. 

IV. Supplementband: Soziale Hygiene. Jena. G. Fischer. 50 S. 

(1,50 M.) 

Verfasser ist der durch Beteiligung an der Gründung zahlreicher 
Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen bekannte Stadtrat Flesch in 
Frankfurt a. M. Er entwickelt zunächst in ausführlicher Darlegung 
den Begriff der Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen. Er scheidet auf 
der einen Seite alle Veranstaltungen aus, welche durch Selbst¬ 
hilfe der Arbeiter entstehen, auf der anderen Seite alle die, die vom 
Gesetz vorgeschrieben sind oder zur Vermeidung gesetzlicher Strafen, 
zivilrechtlicher Schadenansprüche oder betrieblicher Stockungen 
seitens der Unternehmer geschaffen werden. Arbeiter-Wohlfahrts¬ 
einrichtungen sind demnach Veranstaltungen, die getroffen werden, 
damit die Lage einer größeren oder kleineren Gruppe von Arbeitern 
in höherem Grade gefördert werde, als bis zu welchem der Ver- 

Jahreabericht über Hygiene und Demographie- IV. Jahrgang. 14 


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210 


D. Referate. 


anstalter gesetzlich verpflichtet ist, oder im eigenen Interesse Anlaß 
hat, sie zn fördern. Diese Definition legt also das Hauptgewicht 
nicht anf die von Unfällen nicht unabhängige Wirkung, sondern auf 
den Zweck der Einrichtung. Verfasser ist sich bewußt, damit das 
Hineinragen der Psychologie in die Ökonomie anerkannt zn haben. 
Da freiwillige Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen stets die Vorläufer 
gesetzlicher Zwangsorganisationen sind, so betrachtet Verfasser sie 
als sozialwissenschaftliches Gegenstück zum naturwissenschaftlichen 
Experiment. Wttnschenswert ist stets die Beteiligung der Arbeiter 
an der Verwaltung. Verfasser unterscheidet drei große Gruppen der 
Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen, erstens solche, welche die Leistungen 
aus dem Arbeitsvertrag erleichtern (erweiterter Gesundheitsschutz, 
verlängerte Arbeitspausen, Urlaub, Verkürzung der Arbeitszeit); 
zweitens solche, welche die Gegenleistung des Arbeitgebers erhöhen 
oder wertvoller machen (Gewinnbeteiligung, Prämien, höhere Spar¬ 
verzinsung, billiger Einkauf, billige Wohnungen, Lohnregulierungen, 
Unterstützungskassen, besondere Heilanstalten usw.) und drittens 
solche, welche die soziale Stellung und Lebensführung heben (Arbeiter¬ 
ausschüsse, Auskunftsstellen, Bäder, Vereinshäuser, Büchereien usw.). 
Letztere beiden Arten zerfallen in solche für Arbeiter bei einem be¬ 
stimmten Unternehmer und in allgemeine Einrichtungen für Minder¬ 
bemittelte. Im Anschluß an diese Disposition werden eine große 
Anzahl in Deutschland bestehender Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen 
besprochen. 

A. Koch-Hesse. 


v. 

Soziale Hygiene der Ernährung. 

Mombert, P., Das Nahrungswesen. Besonderer Abdruck aus dem 
Handbuch der Hygiene. Herausgegeben von Th. Weyl. 
IV. Supplementband: Soziale Hygiene. Jena. Gustav Fischer. 
72 S. (2,50 M.) 

Die physiologischen Tatsachen der Ernährung müssen durch volks¬ 
wirtschaftliche Erwägungen ergänzt werden, wenn zutreffende Vor¬ 
stellungen über Volksernährung Platz greifen sollen. In geschickter 
Weise ist diese Verbindung dem Verfasser gelungen, so daß die Lektüre 
dem einseitig biologisch geschulten Nahrungsbygieniker nicht dringend 
genug empfohlen werden kann. 


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V. Soziale Hygiene der Ernährung. 


211 


Mombert kommt zu dem Schlüsse, daß zu einer rationellen Er¬ 
nährung einer erwachsenen Person mindestens 0,62 Mark erforderlich 
ist und daher ein „sehr großer Teil der deutschen Bevölkerung unter¬ 
ernährt sein muß“. Nach seiner Ansicht „spricht gegen die Auffassung, 
daß der Ernährungsstand sich wesentlich gebessert habe, die Tatsache, 
daß er heute noch trotz der stattgefundenen Besserung der Einkommens¬ 
verhältnisse ein durchaus unzureichender ist Es läßt sich eben schwer 
denken, daß er in vergangenen Zeiten noch um so vieles schlechter ge¬ 
wesen sein sollte.“ Mombert kommt also zu ganz ähnlichen Schlüssen, 
wie sie Referent in seinen „Wandlungen der Volksernährung“ aus¬ 
gesprochen hat 

A. Grotjahtu 


Hübner, M., Unsere Nahrungsmittel und die Emährungskunde. 
Band 20 der Bibliothek der Gesundheitspflege. Stuttgart. 
Moritz. 116 S. (1,20 M.) 

Daß die vorliegende Schrift bezüglich ihres sachlichen Inhaltes 
auf der Höhe der gegenwärtigen Forschung steht, braucht bei der 
Stellung des Verfassers als eines der ersten Forscher auf dem Gebiete 
der Ernährungslehre nicht erst erwähnt zu werden. Um so mehr 
muß hervorgehoben werden, daß auch die Form der Publikation dem 
Zwecke derselben, der größtmöglichen Popularisierung, in glücklicher 
Weise entspricht. In durchweg fesselnder Weise werden in 11 Kapiteln 

I. der Zweck der Ernährung, 2. die Ernährungswissenschaft, 3. die 
Einteilung der Nahrungsmittel und ihre Zubereitung, 4. die Selbst¬ 
verderbnis der Nahrungsmittel und ihre Konservierung, 5. die tierischen, 
6. die pflanzlichen Nahrungsmittel, 7. die Gewürze, 8. die Getränke, 
9. die Erfrischungsmittel, 10. die Wahl der Nahrungsmittel und 

II. ihre Verdaulichkeit besprochen. An einigen Stellen vermißt man 
allerdings ein Eingehen auf die Beziehungen zwischen dem sozialen 
Milieu und der Ernährung, das zu einer lückenlosen Darstellung der 
Ernährungskunde doch wohl gehören dürfte. 

A . Grotjahn, 

Lohnerm ittelungen und Haushaltrechnungen der minder 
bemittelten Bevölkerung im Jahre 1903. Berliner 
Statistik. 3. Heft. Herausgegeben vom Statistischen Amt 
der Stadt. Berlin. P. Stankiewicz. 61 und 75 S. 

Um die Lohnhöhe zu ermitteln, wurden Fragebogen teils an 
Gewerkschaften und andere Arbeiterorganisationen, teils an Innungen 
und Unternehmerverbände gesandt. Die Differenzierung in den be¬ 
ruflichen Arbeitsstellungen und dementsprechend in den Löhnen hat 
sich bei dieser sehr detaillierten Erhebung als weit größer heraus- 

14 * 


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212 


D. Referate. 


gestellt, als man erwartete. Es wurden Unterschiede in der Be¬ 
schäftigung angegeben, die häufig selbst den Sachverständigen nicht 
geläufig waren. Unter den beruflich ausgebildeten Gesellen und Ge¬ 
hilfen gab es etwa 220 verschiedene Arbeitsstellungen. Stuft man 
den Wochenlohn von 2 1 /« zu 2% Mark ab, so fallen die beiden 
größten Kategorien von Arbeitsstellungen (je 47) auf die Lohnhöhen 
22,50—25 Mark und 25—27,50 Mark. Dagegen fällt bei den Fach¬ 
arbeitern die größte Kategorie auf einen Wochenlohn von 20—22,50 
Mark, bei den Facharbeiterinnen sogar nur auf 10—12,50 Mark. Beim 
Jahresverdienst, welcher nicht allein von der Höhe des Wochen¬ 
lohnes abhängt, sondern auch von der durchschnittlichen Dauer der 
Beschäftigung im Jahre, fällt von den beruflich ausgebildeten Gesellen 
die größte Kategorie auf ein Einkommen von 1000—1250 Mark, eine 
nur wenig kleinere Kategorie aber auf ein solches von 1250—1500 
(also Durchschnittseinkommen etwa 1200 Mark), bei den Facharbeitern 
die größte ebenfalls auf 1000—1250, eine nur etwas kleinere aber 
auf 750—1000 Mark (also Durchschnittseinkommen etwa 1050 Markt, 
bei den Facharbeiterinnen die größte dagegen auf nur 500—750 Mark 
(Durchschnittseinkommen etwa 600 Mark). — Nun ist aber die Höhe 
der Haushaltungseinnahmen durchaus nicht identisch mit diesen 
Zahlen, da hier sehr häufig Zuschüsse, meist durch die Einnahme 
der Frau oder der Kinder, stattfinden. Die Haushaltungen konnten 
abgestuft werden in solche von 1—13 Personen. Als typische Bei¬ 
spiele können die mit 2, 4 und 6 Personen herausgenommen werden. 
Die Zweipersonenhaltungen hatten am häufigsten Einnahmen zwischen 
1500 und 1600 Mark, die zu 4 Personen zwischen 1600 und 1700, die 
zu 6 Personen zwischen 1700 und 1800. Die Ausgaben sind in 
der Berliner Statistik eingeteilt I. in existenznotwendige, und zwar 

a) Miete, Heizung, Behandlung, b) Bekleidung, c) Nahrung, d) Hand¬ 
werksgerät und e) Beförderung, II. in gesetzlich pflichtmäßige Aus¬ 
gaben und zwar a) Versicherungsbeiträge, b) Steuern und c) Schulgeld. 
III. in Ausgaben für Erholung und zwar a) Bäder, b—c) Getränke, 
d) Tabak, e) Lektüre und f) Vergnügungen, IV. in freiwillige Ver- 
sicherungs- und Vereinsbeiträge, V. in sonstige regelmäßige Ausgaben 
und VI. in außerordentliche Ausgaben und zwar a) bei Krankheiten. 

b) bei Umzügen und für Möbel. Es zeigt sich dann, daß in der 
minderbemittelten Klasse Berlins bei den Zweipersonenhaushaltungen 
für I 76,3 Proz., für II 3,3 Proz., für HI 12,8 Proz., für IV 2,2 Proz., 
für V 1 Proz. und für VI 4,3 Proz. der Einnahmen ausgegeben werden, 
dagegen bei den Vierpersonenhaushaltungen für I 80,9 Proz., für II 
3,5 Proz., für III 9,5 Proz., für IV 2,4 Proz., für V 0,8 Proz. und für 
VI 2,9 Proz. und bei den Sechspersonenhaushaltungen für I 83,1 Proz.. 
für II 3,3 Proz., für III 8,3 Proz., für IV 2,2 Proz., für V 0,8 Proz. 
und für VI 2,4 Proz. der Einnahmen. Innerhalb der existenznotwendigen 


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V. Soziale Hygiene der Ernährung. 


213 


Ansgaben (I) aber wurde pro Kopf der beteiligten Personen ausgegeben 
in den Zweipersonenhaushaltungen für a) 179 Mark, für b) 70 Mark, 
für c) 261 Mark, für d) 20 Mark und für e) 3 Mark, in den Vier¬ 
personenhaushaltungen dagegen für a) nur 88 Mark, für b) 35 Mark, 
für c) 214 Mark, für d) 8 Mark und für e) 1 Mark und in den Sechs¬ 
personenhaushaltungen für a) gar nur 64 Mark, für b) 27 Mark, für 
c) 169 Mark, für d) 6 Mark und für e) 1 Mark ausgegeben. Diese 
Zahlen, die in mehrfacher Hinsicht eine sehr deutliche Sprache sprechen, 
werden auf einer Tafel graphisch dargestellt. 

A. Koch-Hesse. 

Schneider, G., Gesundheitslehre und Haushaltungshunde. Ein Hilfs¬ 
buch für Mädchenschulen. 80 S. Leipzig und Berlin. B. G. 
Teubner. (0,80 M.) 

Das Buch soll der Unterweisung der Mädchen in höheren Schulen 
auf zwei fürs praktische Leben besonders wichtigen Gebieten dienen. 
Der erste Teil behandelt die Gesundheitslehre in 12 Kapiteln. Be¬ 
sonders ausführlich ist das wichtigste Kapitel über Nahrungsmittel¬ 
lehre und Verdauung behandelt. Den anatomisch-physiologischen Er¬ 
läuterungen sind, wie auch in anderen Kapiteln ähnlich, Anweisungen 
fürs praktische Leben und Gesundheitsregeln angefügt, hier u. a. über 
Pflege des Verdauungsapparates, Zubereitung, Konservierung der 
Nahrungsmittel usw. Die weiteren Kapitel behandeln Blutkreislauf, 
Atmung, Ausscheidungen, Knochen-, Muskel- und Nervensystem, Sinnes¬ 
organe, Krankenpflege, erste Hilfe bei Unfällen in derselben populär¬ 
praktischen Weise. Gute Textabbildungen veranschaulichen das Ge¬ 
sagte. — Der zweite Teil handelt in 7 Kapiteln, wieder unter Ein¬ 
fügung von hygienischen und praktischen Regeln, über Kleidung, 
Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Einkäufen, Buchführung, Dienstboten, 
und ist wieder durch Abbildungen illustriert. Das Buch ist für seinen 
Zweck und darüber hinaus sehr geeignet. Die Grundbegriffe von 
Hygiene und Haushaltungskunde, wie sie das Buch enthält, könnten 
und sollten auch in den oberen Klassen der Volksschulen gelehrt 
werden und zwar unter gewissen kleinen Abänderungen auch in den 
Knabenklassen. 

P. Hüls. 

Grabenstedt, K., Woher bezieht die Stadt Halle a. S. ihre wichtigsten 
Lebensmittel? Eine statistisch - volkswirtschaftliche Studie. 
Sammlung nationalökonomischer und statistischer Abhand¬ 
lungen des staatswissenschaftlichen Seminars zu Halle a. S. 
43. Band. Jena. G. Fischer. X und 231 S. (5,00 M.) 

Welch gewaltiger Schritt von den engen Verhältnissen der Lebens¬ 
mittelversorgung der Städte, wie sie H. v. Thünen in seinem „isolierten 


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214 


D. Referate. 


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Staate“ sab, zu unseren heutigen weiten, alle Staaten zu diesem Zwecke 
in innige wirtschaftliche Verkettung bringenden Beziehungen! Wie 
in so vielen anderen Zweigen unseres Wirtschaftslebens hat auch 
hier die Dampfkraft revolutionierend gewirkt und den Verkehr 
hindernde Entfernungen auf ein immer bescheideneres Maß reduziert 
Verfasser obiger Arbeit hat den interessanten Versuch unternommen, 
für die Stadt Halle die Frage der heutigen Lebensmittelversorgung 
zu beantworten. Seine gewiß nicht leichte Aufgabe bestand darin, 
aus einem schwierig zu beschaffenden und noch schwieriger zu sichten¬ 
den Material den Herkunftsort der einzelnen Lebensmittel aufzu¬ 
decken. Es gelang ihm für die wichtigsten Lebensmittel: Brotgetreide. 
Mehl und Brot, Fleisch, die verschiedenen Gemüse, Eier, Milch und 
Molkereiprodukte, Schmalz, Hülsenfrüchte und Südfrüchte die Bezugs¬ 
quellen zu erkunden. Wir erfahren da, welche Entfernungen einzelne 
Lebensmittel, die täglich zu genießen uns Bedürfnis geworden ist, in 
Blitzeseile zurücklegen müssen, um so frisch als möglich in unsere 
Hände zu gelangen. So erhalten wir z. B. Eier besonders aus Ru߬ 
land und Österreich-Ungarn, die an der Einfuhr fast zu gleichen 
Teilen partizipieren, aber auch aus Italien, Rumänien, den Nieder¬ 
landen, sogar aus China, aus dem der Import noch den der Schweiz 
übersteigt. Butter liefert Österreich-Ungarn, die Niederlande und 
Rußland. Der während des ganzen Jahres konsumierte Blumenkohl 
ist nur vom Juli bis November deutsches Produkt, im Mai wird er 
aus Südfrankreich, im Juni aus Holland, vom Dezember bis April 
aus Süditalien bezogen. In einem umfangreichen Tabellenwerk gibt 
Verfasser „statistische Nachweisungen“, die uns einen Überblick über 
die Bezugsverhältnisse der einzelnen Nahrungsmittel gewähren. 
Lobenswert ist die Vorsicht, die er bei der Beurteilung des ihm vor¬ 
gelegenen Materials hat walten lassen, und die Mühe, die er sich 
gegeben hat, diesem anhaftende Fehlerquellen so weit als möglich zu 
beseitigen. Auch wir wünschen, daß des Verfassers fleißige Arbeit 
zu weiteren Studien der Versorgungsverhältnisse unserer Großstädte 
anregend wirken möge. 

F. Kriegei. 

Goldstein, F., Erhält unser Volk genug Fleisch? Soziale Praxis. 

Nr. 13. 

Gestützt auf die Konsumstatistik der wichtigsten Nahrungsmittel 
in Deutschland, versucht der Verfasser des Aufsatzes die Frage zu 
entscheiden, ob die Bevölkerung den physiologisch erforderlichen 
Eiweißbedarf in hinreichender Weise deckt. Er kommt zu einer 
verneinenden Antwort, da zurzeit auf den Kopf der Bevölkerung nur 
40 kg Fleisch kommen während 72 kg erforderlich wären. 

A. Grotjahn. 


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V. Soziale Hygiene der Ernährung. 


215 


Wegtenho eff er, M., Das Reichs-Fleischbeschaugesetz in bezug auf die 
Tuberkulose nebst einigen Bemerkungen über die Ausführungen 
der Fleischbeschau. Berliner Klinische Wochenschrift. XLI. 
Nr. 45 und 46. 

In früheren Versuchen hatte Verfasser festgestellt, daß Gefahr 
nur dnrch Fleisch von Bindern mit aknter allgemeiner Tuberkulose 
drohe, daß dagegen bei allen übrigen Fällen von Tuberkulose der 
Gennß des reinen Fleisches an sich nach sorgfältiger Entfernung aller 
kranken Teile unschädlich sei, so daß danach die Tuberkulose an 
besonderer Bedeutung für die Fleischbeschau verloren habe. 
Diese Feststellnngen gewinnen aber ein etwas anderes Licht dnrch 
das neue Gesetz über die Untersuchung des Fleisches, welches eine 
Nacbbeschan in Städten mit Schlachthauszwang entgegen den früheren 
Bestimmungen ausschließt, wie dies der § 5 des Preußischen Aus¬ 
führungsgesetzes festsetzt. Durch dieses neue Gesetz sind Gefahren 
für die Bevölkerung der Großstädte heraufbeschworen; denn einmal 
lehren die statistischen Berechnungen, wie sie dnrch das statistische 
Amt der Stadt Magdeburg und durch den Berliner Schlachthaus¬ 
direktor festgestellt worden sind, daß eine Nachbeschau absolut not¬ 
wendig ist, weil vom Lande her vielfach krankes Fleisch, trotzdem 
es einer Untersuchung schon unterzogen war, in die Stadt kommt. 
Ohne den Landtierärzten näher treten zu wollen, müsse man sagen, 
daß sie die spezialistische Vorbildung des Schlachthoftierarztes nicht 
besäßen nnd dnrch Berufsrücksichten in ihrem freien Ermessen ge¬ 
hindert werden könnten. Aber abgesehen davon werden Gefahren 
dadurch veranlaßt, daß gewissenlose Fleischhändler überhaupt ununter- 
snchtes, direkt krankes Fleisch einschmuggelten, gestützt darauf, 
daß keine Nachuntersuchung mehr stattfindet. Durch die neuen Be¬ 
stimmungen ist die Gefahr der Infektion mit Finnen, Trichinen nnd 
sogar mit Milzbrand vor allem durch die aufgehobene Kontrolle auf 
Fleischverderbnis gesteigert. Der § 5 des Preußischen Ausführungs¬ 
gesetzes, welcher die Nachuntersuchung untersagt, bedeutet also einen 
Rückschritt in der allgemeinen Hygiene und sollte dahin verändert 
werden, daß alles in Städten mit öffentlichen Schlachthöfen eingeführte 
Fleisch einer Nachbeschan durch Sachverständige unterzogen werden 
müsse, die sofort nach der Ankunft nnd gebührenfrei stattzufinden hat. 

A. Oottstein . 

Grohmann, A,, Die Vegetarieransiedlung in Ascona und die soge¬ 
nannten Naturmenschen im Tessin. Mit sieben photographischen 
Ansichten. Marhold. Halle. 63 S. (1,00 M.) 

Die vorliegende Schrift macht uns mit einer Anzahl Sonderlinge 
bekannt, die sich auf einem felsigen Rebhügel am Rande der Ortschaft 


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216 


D. Referate. 


Ascona in der Nähe von Locarno im Kanton Tessin angesiedelt haben, 
um ganz dem Vegetarianismus und überhaupt „der Natur“ zu leben. 
Der Verfasser, der nicht Psychiater ist, skizziert eine Reihe der dort 
vereinigten Personen in einer Weise, die erkennen läßt, daß sie wohl 
ausnahmslos zu den stark psychopathisch angelegten Naturen gehören. 
Aber gerade deshalb dürfte es interessant sein, zu erfahren, ob sich 
diese Psychopathenkolonie auf die Dauer wirtschaftlich selbständig 
wird erhalten können. Auch Grohmann, der im übrigen den 
„Veritanern“ von Ascona recht wohlwollend gegenübersteht, scheint 
darauf nicht zu rechnen. 

A. Grotjahn, 


VI. 

Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 

Uberstadt, U., Das Wohnungsivesen. Sonderabdruck aus dem Weyl- 
schen Handbuch der Hygiene. IV. Supplementsband: Soziale 
Hygiene. Jena. Gustav Fischer, in und 82 S. (2,50 M.) 

Als einen Teil des Wey 1’sehen Handbuchs der Hygiene hat 
Eberstadt eine knapp gehaltene Übersicht dessen, was man die 
Wohnungsfrage zu nennen pflegt, geboten. Der Zweckbestimmung 
des Buches angemessen, werden die gesundheitlichen Verhält¬ 
nisse des Wohnungswesens besonders ausführlich dargestellt. An 
seiner hier hervortretenden scharfen Gegnerschaft gegen die Klein¬ 
wohnungen in den großstädtischen Mietskasernen darf sich der Ver¬ 
fasser der lebhaften Zustimmung aller Hygieniker und vorwärts¬ 
drängenden Wohnungspolitiker versichert halten. An anderen Punkten 
können hingegen seine eigenen Theorien nicht ohne Widerspruch 
bleiben. 

Vom entwicklungsgeschichtlichen Standpunkte aus schildert 
Eberstadt zunächst die verschiedenartigen Grundlagen des Wohnungs¬ 
wesens in ihrer Verzweigung und Wechselwirkung. Dabei scheidet 
er scharf und mit gutem Fug das Wohnungswesen der vornehmen 
Klassen von dem Kleinwohnungswesen und weist darauf hin, daß es 
sich dabei um vollständig verschiedene Gebiete handelt. Beide 
Wohnformen beruhen auf ganz getrennten Grundlagen. Die An¬ 
schauung, als ob das Anwachsen der Städte schlechtweg als Ursache 
der heutigen Wohnungsnot anzusprechen sei, weist er zurück: aller¬ 
dings treten große und schwierige Aufgaben des Wohnungswesens 
und des Städtebaues regelmäßig dann (und nur dann) auf, wenn durch 


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VJ. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


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das Zusammenwirken politischer, rechtlicher und ökonomischer Fak¬ 
toren eine Neugestaltung des Volkslebens herbeigeführt wird, die in 
einseitiger Weise die städtische Entwicklung begünstigt und vorwärts¬ 
treibt. Den Beweis für die Richtigkeit dieser seiner Meinung führt 
Eberstadt in einwandsfreier Weise durch die Schilderung der 
Entstehungsursachen der spezifisch deutschen Form der Wohnungsnot. 
Die städtische Verschuldung, die nicht wie die ländliche mit sinken¬ 
der sondern mit steigender Grundrente wächst, ist nichts als eine 
„Mehrwertverschuldnng“, die Preiserhöhung des städtischen Baubodens 
beruht nicht nur auf Melioration, sondern zum erheblichen, oftmals 
größten Teil auf spekulativer Preistreiberei; die Verschuldung wird 
auch dort, wo sie lediglich immaterieller Natur ist, niemals getilgt; 
sie dient vielmehr direkt zur Erleichterung des Grundstücksverkehrs 
und konnte nur deshalb solchen Umfang annehmen, weil in der Tat 
höchste Verschuldung heute den höchsten Gewinn bringt Dieses 
ganze „System besonderer Einrichtungen, das so beschaffen ist, daß 
die Last der Verschuldung nicht auf dem Bodenbesitzer ruht, sondern 
unmittelbar auf andere Schultern (nämlich die der Mieter) übertragen 
wird“, ruht auf der Basis der „allgemeinen Schablone des neueren 
(deutschen) Städtebaues, dem Massenmietshause“. Dies unheilvolle 
Massenmietshaus wiederum ist nicht nur und nicht in erster Linie 
eine Schöpfung, oder besser gesagt: eine Schuld der Baumeister, 
sondern der Verwaltung. Das lehren Eberstadt’s Untersuchungen 
über das rheinische Bauwesen auf das allerdeutlichste. Das System 
des spekulativen Bodenerwerbs und Häuserbaus, das von Berlin aus 
den größten Teil Deutschlands beeinflußt hat, und nach dem man bei 
uns die Wohnweise bis zum Auftreten Eberstadt’s allgemein zu 
beurteilen pflegte, ist willkürlich entstanden, und „wir können jede 
einzelne Maßregel nachweisen, auf der es beruht, jede Wirkung ver¬ 
folgen, die es ausübt; es ist durch administrative Maßnahmen ge¬ 
schaffen und wird durch die gleichen künstlichen Mittel festgehalten“. 
Im besonderen zeigt der Verfasser das an Beispielen aus der Bau¬ 
geschichte Berlins. Die abnorm tiefen Grundstücke, die durch die 
in Berlin beliebte Form der Bodenparzellierung und die anderen da¬ 
mit zusammenhängenden Maßnahmen geschaffen wurden, konnten 
nicht anders als zu Mietskasernen mit Hofwohnungen verwandt werden. 
Niemals in irgend einer früheren Periode haben, wie Eberstadt 
mit Recht hervorhebt, die städtischen Verwaltungen unter ähnlich 
vorteilhaften rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen gearbeitet, 
wie die deutschen, speziell die Berliner, in der Zeit des neueren Auf¬ 
schwungs deutschen Städtelebens: aber wie haben sie ihre Aufgabe 
gelöst! Sie schufen erst die Grundlagen für eine allgemeine künst¬ 
liche Steigerung der Bodenpreise und damit der Bodenspekulation in 
ihrer heutigen Form: die schematisch gedrängte Bauweise konnte nur 


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D. Referate. 


die Wirkung haben, den Bodenwert bis in schwindelhafte Höhe zu 
treiben, und dieser Überwert ist das Ziel der Bodenspekulation. Sie 
hat verschuldet, daß mehr als dis Hälfte der Berliner Bevölkerung 
in Hofwohnungen hausen muß. Was das bedeutet, weiß der Hygieniker! 

Als ein Verdienst Eberstadt’s begrüße ich seine nachdrück¬ 
liche Betonung der Wichtigkeit rationeller Wohnungsgrundrisse. Da¬ 
durch zerstört er die ganz und gar ungerechtfertigte Quacksalberei 
an dem System der Mietskaserne: der Grundriß der Mietskaserne ist 
auf die herrschaftliche Vorderwohnung zugeschnitten, daher für die 
Kleinwohnung untauglich und schlechthin unverbesserlich. Das mußte 
einmal mit allem Nachdruck gesagt werden, weil es immer noch 
Wohnungspolitiker gibt, die ein großes Aufheben davon machen, wenn 
einmal in einer neuen Bauordnung die freizulassende Hoffläche um 
ein paar Quadratmeter vergrößert wird. Damit wird auch nicht ein 
einziger der sanitären und sozialen Nachteile der Hofwohnungen be¬ 
seitigt, höcbsteus eine Verteuerung der Mieten herbeigeftihrt 

Auf die kontroversen Partien des Eberstadt’schen Buches 
brauchen wir hier nicht näher einzugehen. Es ist Aufgabe der Fach¬ 
literatur, sich darüber mit dem Autor auseinander zu setzen. 

A. Südekum. 

Fuchs, C. J., Zur Wohnungsfrage . Vorträge und Aufsätze. Mit 28 
Abbildungen und 2 Plänen. Leipzig. Duncker & Humblot 
205 S. (4,60 M.) 

Fuchs bezeichnet diese Vorträge und Abhandlungen im Vorwort 
selbst als Prolegomena zu einem demnächst erscheinenden größeren 
Handbuch der Wohnungsfrage in Deutschland und im Ausland, das 
von allen Wohnungspolitikern mit großen Hoffnungen erwartet wird. 
Gehört doch Fuchs zu denen, die mit Eifer und Konsequenz eine 
systematische Wohnungspolitik und Wohnungsreform großen Stils für 
das ganze Deutsche Reich vertreten. Er bezweckt mit dem jetzt 
vorliegenden Buche eine direkte Einwirkung auf die öffentliche Mei¬ 
nung, die er für die auf dem Gebiete des Wohnungswesens notwendigen 
eingreifenden Reformen reif machen will. In den Jahren 1899—1904 
entstanden, spiegeln die Abhandlungen die Fortschritte wieder, die 
unterdessen in der nationalökonomischen Behandlung des Gegenstandes 
gemacht worden sind. 

An den kritisch-referierenden Teil über die deutsche Wohnungs¬ 
literatur schließt sich dann ein zweiter, deskriptiver Teil an, der die 
kommunale Wohnungsreform in England und Schottland behandelt. 
Was zunächst diesen anlangt, so tritt Fuchs mit Entschiedenheit der 
in vielen Kreisen üblich gewordenen Unterschätzung des jenseits des 
Kanals geleisteten Reformwerkes entgegen. Es ist das um so ver- 


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YI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


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dienstlicher, als die bekannten Aufsätze in der „Times“ über die an¬ 
geblichen Mißerfolge der englischen und schottischen kommunal- 
sozialistischen Unternehmungen auch bei uns arge Verwirrung in den 
Köpfen angerichtet haben. In Wirklichkeit — und das lehren die 
Aufsätze von Fuchs — haben die Angelsachsen Bewundernswertes 
geleistet: in London, Glasgow, Manchester und Birmingham, in Liver¬ 
pool und Richmond können wir auf dem Gebiete der allgemeinen 
Gemeindeverwaltung wie auf dem besonderen der Wohnungsfürsorge 
noch manches lernen, ohne daß wir uns deshalb einer kritiklosen 
Nachahmung ausländischer Vorbilder schuldig zu machen brauchen. 

Den ersten Teil seines Buches verwendet der Verfasser fast ganz 
auf eine Besprechung der anregenden Schriften von Rudolf Eber¬ 
stadt; daneben behandelt er ausführlicher das von Andreas Vogt 
zur Diskussion gestellte Problem der Abhängigkeit der Wohnungs¬ 
mieten von den Baukosten, das in etwas anderer Form neuerdings 
auch von anderen aufgeworfen worden ist. In der Beurteilung der 
Eberstadt’sehen Arbeiten kann man dem Autor fast durchgehende 
zustimmen: „Eberstadt ist,“ so sagt er, „in seinen allgemeinen 
Theorien der allen originellen Köpfen drohenden Gefahr einer Über¬ 
schätzung der Bedeutung und Allgemeingültigkeit ihrer neuen Ideen 
auch nicht entgangen.“ Darum bemüht sich Fuchs, sie von ihrer 
mangelhaften Begründung zu befreien und ihnen dadurch eine größere 
Beachtung zu sichern. 

Da alle Wohnungspolitiker darin einig sind, daß neben direkter 
Förderung des Hausbaues für die minderbemittelten Volksschichten 
zur Gesundung unserer Boden- und WohnungsVerhältnisse die Bevor¬ 
zugung der Meliorationsverschuldung vor der Besitzwechselverschuldung 
und eine Beschränkung und Erschwerung dieser Art von Verschuldung 
gefordert werden muß, so dürfen wir es begrüßen, daß Fuchs nach¬ 
weist, wie nicht nur entweder „Meliorations“- oder „Spekulations¬ 
verschuldung“ vorhanden und zu beachten sind, sondern auch jene 
Vermehrung der Verschuldung, die weder auf Melioration noch auf 
Spekulation beruht, vielmehr einfach auf dem durch objektive Ver¬ 
hältnisse ohne jede Einwirkung des Besitzers kraft der Zunahme der 
Bevölkerung erfolgenden Steigen des Bodenwertes. Daraus ergibt 
sich aber, daß man zwischen Meliorations- und Spekulationsverschul¬ 
dung nicht unterscheiden kann und praktisch auch nicht braucht, was 
für eine Reform unseres Realkreditwesens nicht ohne erhebliche Be¬ 
deutung ist. Es braucht in der Tat nur Meliorations- und Besitz¬ 
wechselverschuldung differenziert zu werden, was keine unübersteig- 
lichen Schwierigkeiten bietet. 

A. Südekum. 


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D. Referate. 


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Ascher, L.f Wohnungsgesetz und Lungenkrankheiten. Soziale Praxis. 
XIII. 50. 

Die Assanierung der Städte hat durch Bekämpfung des Typhus 
und der Ruhr gute Erfolge gehabt, kann aber nicht auf die Tuber¬ 
kulose wirken. Die Sterblichkeit an Tuberkulose ist in Preußen in den 
Städten bedeutend gesunken. Die Bakteriologen behaupten, daß dies 
die Wirkung des Kampfes gegen die Bazillen sei. Es ist zu befurchten, 
daß diese Begründung gegen die Wohnungsreform geltend gemacht 
werde, weil auch ohne eine solche Erfolge erzielt worden seien. Ascher 
betont dem gegenüber, wie in früheren Arbeiten, daß die Abnahme 
der Sterblichkeit schon vor der Entdeckung des Tuberkelbazillus be¬ 
gann, daß sie ausgeglichen werde durch eine Zunahme der nicht 
tuberkulösen Lungenkrankheiten und daß überdies das Sterbensalter 
der Tuberkulösen in beständiger Abnahme begriffen sei. Die Abnahme 
der Lungensterblichkeit sei also nicht die Folge hygienischer Ma߬ 
nahmen, sondern einer anderen Zusammensetzung der Bevölkerung. 
Wir dürfen demnach von weiteren Maßnahmen, wie sie das neue 
preußische Wohnungsgesetz vorsieht, zur Bekämpfung der Folgen der 
Industrialisierung und der Bevölkerungsverdichtung nicht absehen. 
Jede Hygiene beginnt und endet bei der Wohnung. Freilich werden 
Gesundheitsaufseher und weibliche Hilfskräfte nicht zu entbehren sein. 

A. Oottsteitu 

Hübner, M., und Wolpert, Grundlagen für die Beurteilung der 
Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen mit einem Beitrage zur Frage 
des Mindestschlaf raumes. Archiv für Hygiene. Band L. Heft 1. 

Die Verfasser weisen darauf hin, daß man in der Wohnungs¬ 
hygiene mit Unrecht sich lange Zeit bei der Frage der natürlichen 
Ventilation lediglich auf den Wechsel der Kohlensäure beschränkt 
habe, und daß bei dem Bedürfnis nach der Lufterneuerung, nament¬ 
lich soweit die Hausindustrie mitspielt, auch die Beseitigung des 
Wasserdampfes aus bewohnten Räumen eine große Rolle spielt. Dieser 
Faktor ist bisher nicht genügend berücksichtigt worden und dennoch, 
je tiefer man auf der Stufenleiter der Wohlhabenheit herabsteigt, 
desto mehr drängt sich die feuchte dunstige Luft als Schädlichkeit in 
den Vordergrund und bildet eine typische Begleiterscheinung der 
Wohnungsmißstände und der Wohnungsüberfüllung. Der Eintritt der 
Kondensation von Wasserdampf ruft Schimmelbildung und Abkühlung 
herbei und wird dadurch die Ursache vieler krankhafter Zustände. 
Zahlreiche Experimente, deren Protokolle die Verfasser angeben, be¬ 
weisen, daß bei dem dauernden Aufenthalt der Menschen in Wohn- 
und Schlafräumen die ungünstige Wirkung besonders in überfüllten 
Räumen hervortritt. Aus den Versuchen der Verfasser geht erstens 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


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hervor, daß als Index fiir die Luftverschlechterung der Wohnräume die 
Anhäufung des Wasserdampfes an Stelle der Bestimmung des Kohlen¬ 
säuregehalts zu treten hat, und daß ferner unsere Maßstäbe für die 
Bestimmung des minimalsten Schlaf- und Wohnraumes geändert werden 
müssen. In allen Vorschriften kehrt die Zahl von 10 cbm wieder. 
Vielfach wird sogar mit einem geringeren Maß gerechnet. Dieser 
Baum wird aber noch durch den bisher unberücksichtigten Umstand 
reduziert, daß die kleinsten Wohnräume mit Gebrauchsgegenständen 
angefullt werden und ihr Luftraum sich dadurch ungünstiger ge¬ 
staltet Es bedarf daher der Korrekturen bei der Bestimmung des 
Mindestwohn- und Schlafraumes unter Berücksichtigung des in den 
Bäumen vorhandenen Mobiliars. Nach den bisherigen Annahmen wird 
nicht einmal das Prinzip ermöglicht, daß jedem Menschen sein eigenes 
Bett gewährt ist. Immerhin würde die gesetzliche Festsetzung eines 
Mindestluftraumes in den Großstädten für die Bekämpfung gesund¬ 
heitsschädlichen Wohnens eine Verbesserung bedeuten. 

A. Gatt stein. 


Hanauer, W., Die Wohnungshygiene 1902 — 1903. Sonderabdruck 
aus der ärzlichen Sachverständigen-Zeitung. 1904. Nr. 5. 
Berlin. K. Schoetz. 

Der Verfasser gibt in kurzen Zügen einen Überblick über die 
theoretischen und praktischen Ergebnisse auf dem Gebiete der 
Wohnungshygiene in den letzten Jahren. 

A. Sfadekum. 


Damaschke , A., Aufgaben der Gemeindepölitik. „Vom Gemeinde- 
Sozialismus“. Fünfte wesentlich erweiterte Auflage. Jena. 
G. Fischer. XII und 288 S. (1,50 M.) 

Über das Damaschke’sche Buch ist in einer früheren Auflage 
in diesem Jahresbericht (Bd. I S. 190/191) schon referiert worden. 
Die schnelle Aufeinanderfolge der Auflagen spricht für den Anklang, 
den die Arbeit gefunden hat. Wer sich über die brennenden Fragen 
der Kommunalpolitik, wie die Schulfrage, die Arbeiterfrage, die 
Mittelstandsfrage, die Bodenfrage, Wohnungsfrage und die Steuer¬ 
frage schnell orientieren will, findet in ihr eine Fülle wohl vor¬ 
bereiteten, auch die neuesten Erscheinungen berücksichtigenden 
Materials. Sehr erwünscht scheint uns, daß der Verfasser in einer neuen 
Auflage die Eingemeindungsfrage erörtere. Sie ist nicht nur kom¬ 
munal-, sondern auch sozialpolitisch von eminenter Bedeutung. 

F. Kriegei. 


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D. Referate. 


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Mangöldt, K. v.. Die städtische Bodenfrage. Herausgegeben vom 
Verein Reichswohnungsgesetz. Göttingen. Vandenhoeck & 
Ruprecht. 30 S. (0,50 M.) 

Mangöldt plädiert in diesem Vortrage für den von ihm mit 
Eifer verfochtenen Gedanken einer Stadt Verjüngung, der sich 
ungefähr mit dem deckt, was die Gartenstadtgesellschaft an- 
strebt. Der Staat maß eine großzügige and umfassende Bodenpolitik 
treiben: in der weiteren, vom Spekulationsfieber noch verschonten 
«der wenigstens nicht ganz verdorbenen Umgebung der Städte soll 
er — mittels besonderer Ansiedelungsbehörden — mit durchgreifenden 
Baubeschränkungen Vorgehen, und sie dadurch auf ihre natürliche 
Bestimmung, als Aufnahmebecken für die zusammengepresste Bevölke¬ 
rungsmasse zu dienen, vorbereiten. Dadurch allein kann in Zukunft 
für jede Familie ein Stückchen Gartenland gesichert werden. Erst 
durch rationelle Besiedelung der Außengelände, die wiederum ohne 
die Schaffung allerbester Verkehrsmittel undenkbar ist, kommen wir 
zu einer richtigen Wohnungsreform im Inneren der Städte. 

Der größere erste Teil des Vortrags ist der Schilderung der Um¬ 
stände gewidmet, die unser Volk zu der für die Volksgesund¬ 
heit so verhängnisvollen modernen großstädtischen Bau- und Wohn- 
weise gezwungen haben. Für den Kern der städtischen Bodenfrage 
hält er die monopolähnliche Stellung der Baulandbesitzer und -Ver¬ 
käufer; in die bekannte Darstellung des Emporschneilens der Boden¬ 
preise bringt Mangöldt durch zwei einschränkende Bemerkungen 
eine Variante: zunächst glaubt er nicht, daß die Preise der Grund¬ 
stücke in den weiten Vorstadtgegenden, die bereits unter der Herr¬ 
schaft hochgetriebener Bodenpreise und auf der Grundlage sehr weit¬ 
gehender baulicher Ausnützung in den letzten Jahrzehnten bebant 
worden sind, in ähnlichem Maße steigen werden, wie Grundstücke 
in den Innenbezirken; ferner behauptet er, daß die Preissteigerung 
intermittierend, nicht kontinuierlich sei. Die letzte Behauptung ist 
nach unseren Beobachtungen nur für die Außenbezirke der Städte 
nachweisbar; dort deckt sie sich mit der ersten, die uns an sich nur 
eine Verallgemeinerung der Erfahrungen der Baukrisen in Dresden 
und München zu sein scheint. 

Beachtenswert ist in einer Zeit häufig unkritischer bodenreforme- 
rischer Begeisterung für die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert 
der Hinweis Mangoldt’s darauf, daß diese Besteuerungsart 
auf die eigentliche Terrainspekulation, speziell auf die größeren 
Terraingesellschaften, sehr wenig Eindruck machen wird, weil ihre 
Last hinter dem Momente des Zinsverlustes vollständig verschwindet; 
höchstens für kapitalschwache Urbesitzer kann die Steuer nach dem 
gemeinen Werte ein ernsthafter Grund zum Losschlagen von Terrain 


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TI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


223 


(d. h. natürlich zunächst nnr kleiner Parzellen!) sein, das dann in 
der Regel gerade in die Hände kapitalkräftiger Bodenspekulanten 
übergeht. 

A. Südekum. 


Jahrbuch der Wohnungsrefomi im Jahre 1903. Heraus¬ 
gegeben vom Verein Reichswohnungsgesetz. Göttingen. Van- 
denhoeck & Ruprecht. 80 S. (1,00 M.) 

Mit dem vorliegenden Jahrbuch, dem ein Bericht des Vereins 
Reichswohnnngsgesetz für das sechste Geschäftsjahr (1903) voran¬ 
gestellt worden ist, machte der Verein einen ersten Versuch, den 
man als wohlgelangen bezeichnen darf. Die Zusammenstellung der 
auf die Fortschritte der Wohnungsreform bezüglichen Daten hat der 
eifrige Geschäftsführer Karl v. Mangoldt besorgt, der auch in einer 
Notiz ausdrücklich die Verantwortung für die Angaben und Urteile 
übernimmt. Der Bericht gliedert sich in 9 Kapitel; vorangestellt 
sind die Tatsachen der Veränderungen und Erweiterungen bei der 
Wohnungsaufsicht, den Bauordnungen, der Wohnungsherstellung und 
der Kapitalbeschaffung, der gemeinnützigen Bautätigkeit usw.; sodann 
wird die Bodenfrage und die Frage der Dezentralisation moderner 
Agglomerationen ausführlich behandelt; die Schilderung der parla¬ 
mentarischen Tätigkeit auf dem Gebiete der Wohnungsfrage leitet 
zu einer eingehenden Darstellung der Bewegung für Wohnungs¬ 
reform über, an die sich endlich Literaturangaben und Personalien 
anschließen. Hoffentlich ist dieser Versuch einer regelmäßigen Um¬ 
schau auf dem Gebiete der Wohnungsfrage auf Beachtung und Ver¬ 
ständnis gestoßen, so daß wir seine Fortsetzungen später regelmäßig 
begrüßen können. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die 
Wohnungsfrage bei dem „großen Publikum“ schon wieder „unmodern“ 
zu werden beginnt — bei jenem nämlich, daß höchstens finanziell 
unter der heutigen Art der Behausung leidet; um so notwendiger 
ist, daß der gewaltige Ernst dieses Teiles der großen sozialen Frage 
immer wieder und wieder aufgezeigt wird. Das ist so recht eigent¬ 
lich die Aufgabe, die nach unserer Meinung der Verein Reichs¬ 
wohnungsgesetz zu erfüllen hat und zum guten Teil durch seine 
billigen Publikationen erfüllen kann. 

A. Südekum. 


Oehmcke, Th., Gesundheit und iceiträumige Stadtbebauung. Ins¬ 
besondere hergeleitet aus dem Gegensätze von Stadt zu Land und 
von Mietshaus zu Einzelhaus, samt Abriß der städtischen Ent- 


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D. Referate. 


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wickh/mg Berlins und seiner Vororte. Berlin. Julius Springer. 
IV und 69 S. (2,00 M.) 

Der Verfasser dieser Studie verwendet einen großen Fleiß auf 
den Nachweis der [Richtigkeit einer wohl von niemandem ernsthaft 
angezweifelten These, daß nämlich das Wohnen in enggebauten 
städtischen Mietskasernen ungesunder ist, als das Wohnen auf dem 
Lande oder in den Einfamilienhäusern weiträumig gebauter Vororte. 
In diesem Teile seiner Darlegungen ist manches allzu umständlich 
dargestellt. Aber die Gesamttendenz seiner Arbeit kann uns mit 
diesen technischen Mängeln dennoch aussöhnen. Er schildert den 
ausgeprägten Gegensatz des Einflusses des Wohnens in Stadt und 
Land sowie im Mietshaus und im Einzelhaus nur, um einen Stütz¬ 
punkt für die Mahnung zu gewinnen: fort mit der dichten Bebauung, 
sorgt für beschränkende Baupolizeivorschriften, fördert den Hausbau 
auf entfernter von der Stadt gelegenen Geländen, stellt darum bessere 
Verkehrsmittel für den Nahverkehr her, gestaltet den Bebauungsplan 
nach den Anforderungen der Hygiene und der Ästhetik, schafft Parks 
und haltet Bezirke für die landhausmäßige Bebauung frei! Im zweiten, 
kürzeren Teil der Schrift liefert der Verfasser Beiträge zur Bau¬ 
geschichte von Berlin. 

A. Südekum. 


JLampffmeyer, H., Gartenstadt und ästhetische Kultur. Schlachten¬ 
see. Sechste Flugschrift der Deutschen Gartenstadt-Gesell¬ 
schaft. 14 S. (0,30 M.) 

Die Entwicklung des Transportwesens erlaubt die Verbreitung 
der modernen, großstädtischen, industriellen Hochkultur über weitere 
Strecken Landes. Viele Industriezweige können das Rohmaterial, das 
sie verarbeiten, ebensogut nach einer kleinen Bahnstation in der 
Provinz wie etwa nach Berlin kommen lassen. Nun kostet aber 
1 Quadratmeter Land im Berliner Zentrum bis 2000 Mark, in Berliner 
Vororten etwa 30 Mark, dagegen als Ackerboden in der Provinz nur 
etwa 0,10 Mark! Die Gartenstadtbewegung, welche fast gleichzeitig 
in den meisten Kulturländern entstanden ist, bezweckt nun, große 
Gelände zum Preise von Ackerboden anzukaufen, um auf ihm 
neue, gesunde Städte zu errichten, in denen durch Aufrechterhaltung 
des Gemeindeeigentums die Bodenspekulation ausgeschlossen ist 
und in denen Industrie, Gartenbau und ein wenig Feldbau einen 
innigen Bund eingegangen sind. Hier werden auch Arbeiter für 
wenig Geld eine helle, geräumige Wohnung mieten und aus ihrem 
Gemüsegarten, den sie in ihrer freien Zeit bestellen, einen ansehn¬ 
lichen Bruchteil ihrer Miete wieder herauswirtschaften können. Sehr 
verständig ist es, daß die Gesellschaft nicht grundsätzlich auf ge- 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


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schlossene und mehrstöckige Bauweise verzichten will. Denn durch 
eine solche wird nicht nur viel Baum gespart, der den Gärten zu¬ 
gute kommen kann, sondern auch ein Teil der Herstellungskosten, so 
daß die Mieten unter allen Umständen billiger zu veranschlagen sind, 
als beim Ein- oder Zweifamilienhaus. 

A. Koch-Hesse. 


Bielefeldt, Bericht über die Arbeitergärten vom Boten Kreuz des Vater¬ 
ländischen Frauenvereins Charlottenburg. 

Fußend auf ähnlichen Bestrebungen in den französischen und 
einigen deutschen Städten hat der Vaterländische Frauenverein Char¬ 
lottenburg am Fürstenbrunner Weg, also in der Nähe der Arbeiter¬ 
viertel, von dem Eisenbahnfiskus zwei größere Ödflächen gepachtet 
und in vierundneunzig 250—300 Quadratmeter große Parzellen ein¬ 
geteilt. Diese wurden unter die durch Anfrage in den Fabriken, 
Werkstätten und bei den Armenpflegern ermittelten Liebhaber ver¬ 
lost. Kinderreiche Familien erhielten überall den Vorzug. Dünger 
und Aussaat lieferte für das erste Wirtschaftsjahr der Verein, der 
auch die gesamten Kosten der ersten Einrichtung (Wege, Brunnen, 
Zäune usw.) übernahm. Jedes Gartenfeld wurde wieder in vier gleiche 
Teile mit 10—12 Gärten (Patronate) als Verwaltungseinheiten zerlegt 
dergestalt, daß jedes Patronat einen besonderen Vorstand, bestehend 
aus 2—3 Vereinsdamen und -Herren, sowie zwei von den Garten¬ 
besitzern gewählten Patronatsvorstehern, erhielt. Im Frühjahr 1902 
fand die Eröffnung eines dritten Gartenfeldes mit 53 Gärten statt, 
im Frühjahr 1903 von 4 neuen Gartenfeldern mit 87 an der Taurog- 
gener-, Osnabrückerstraße und Kaiserin Augusta-Allee belegenen 
Gärten, und im Frühjahr 1904 von zwei weiteren Gartenfeldern bei 
Westend mit 94 und an der Kaiserin Augusta-Allee mit 70 Gärten. 
Da ein kleineres Feld von 36 Gärten in andere Hände überging, so 
besitzt der Verein jetzt 8 Gartenfelder mit 28 Patronaten. Dadurch 
sind 362 Familien von mehr als 2000 Köpfen mit Gartenland versorgt. 

Mit Hilfe der Arbeitergärten hofft der Verein in erster Linie die 
Erholung des Arbeiters und seiner Familie in gesunder Luft nach 
der Tagesarbeit, sowie die Kräftigung von alten und invaliden Per¬ 
sonen, von Bekonvaleszenten, geheilten und gebesserten Lungen¬ 
kranken usw. durch Beschäftigung in der freien Luft mit Garten¬ 
arbeit zu ermöglichen. 

A. Grotjahn. 


Lehivess, W., Englische Arbeitencohnungen, ihre sozialen und gesetz¬ 
lichen Bedingungen, Geschichte und bauliche Gestaltung. Berlin. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 15 


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226 


D. Referate. 


Wilhelm Ernst & Sohn. 100 S. 44 Abbildungen. 5 Tafeln. 

(3,00 M.) 

Die Aufsätze von Lehwess über Englische Arbeiterwohnungen 
erregten schon bei ihrem Erstabdruck in der Zeitschrift für Bauwesen 
(Jahrgang 1904) berechtigtes Aufsehen bei allen, die sich mit der 
Arbeiterwohnungsfrage beschäftigen. Am wertvollsten und originellsten 
sind die des dritten, architektonischen Teils. Der Verfasser schildert 
darin die verschiedenen Arten der Arbeiterwohnungen an sorgsam 
ausgewählten Beispielen: allgemeine Logierhäuser, Stockwerkhäuser. 
Einzelhäuser. Unter allgemeinen Logierhäusern versteht er die sonst 
zumeist als Ledigenheime bekannten Baulichkeiten, denen neuerdings 
in Deutschland besonders Brentano eine eifrige Propaganda widmet 
Von allen drei Hauptgruppen der Arbeiterwohnungen führt Lehwess 
charakteristische Beispiele im Bilde vor. Dabei verfehlt er nicht, die 
Kosten der Herstellung, der Benützung und die Verzinsung anzugeben. 
Die beigefügten Grundrisse und die Interieurs lassen auch dem eine 
klare Vorstellung der Sache erstehen, der keine Gelegenheit hatte, 
englische Arbeiterwohnungen einmal an Ort und Stelle anzusehen. 
Besonders verweisen möchte ich auf die eingehenden Schilderungen 
der beiden Fabrikarbeiterdörfer Port Sunlight und Bournville, von 
denen nur das erste aus der Beschreibung von Muthesius bei uns 
bekannt war. 

Die ganze Liebe des Verfassers gehört der Idee der Gartenstadt. 
Ihr widmet er ein eigenes Kapitel seiner Schrift. Dem Grundgedanken 
des Buches von Ebenezer Howard stimmt er rückhaltlos zu und 
meint, es habe den richtigen Weg für die Arbeiterwohnungspolitik 
nicht nur in England, sondern in allen Industriestaaten gewiesen: 
die Betriebe aufs Land zu legen und in Verbindung mit den gewerb¬ 
lichen Anlagen Dörfer oder Städte nach den besten gesundheitlichen 
und künstlerischen Gesichtspunkten anzulegen. 

A, Südekum, 


BieBrgebnisse der Grundstücks- und Wohnungsaufnahmen 
im Jahre 1900 inBerlin und denNachbargemeinden, 
die seit 1900 in Berlin alljährlich leerstehenden 
Wohnungen und entstandenen Neubauten, Berliner 
Statistik. Herausgegeben vom Statistischen Amt der Stadt 
Berlin. 2. Heft. Berlin. P. Stankiewicz. V. 85 S. 1 Tafel. 
(3,00 M.) 

Die Berliner Wohnungsstatistik ist dank den Bemühungen von 
E. Hirschberg in neuester Zeit auf eine bewundernswerte Höhe 
gebracht worden. Diese Arbeit ist dessen ein neuer Beweis. Sie ent¬ 
hält zunächst die Ergebnisse der Grundstücksaufnahme vom 28. Oktober 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 227 

1900 in Berlin und 23 Nachbargemeinden, die bebanten Grundstücke 
nach der Anzahl, die Grundstücke nach der Bewohnerzahl, die Grund¬ 
stücke nach der Wohnungszahl, die Grundstücke nach dem Eigen¬ 
tumsverhältnisse und dem Wohnorte der Besitzer, die bewohnten 
Grundsücke nach der Besitzzeit des Eigentümers, sodann noch ge¬ 
nauere Angaben über die Grundstücke selbst An diese Grundstücks- 
aufnahme schließt sich die Wohnungsaufnahme an, die eigentliche 
Morphologie des Wohnwesens in Berlin und seinen Vororten; wir er¬ 
halten Auskunft über die vermieteten Wohnungen, ihre Bewohner¬ 
zahl und Ausstattung, die Haushaltungen und ihre Bevölkerung nach 
der Art ihrer Zusammensetzung, über die Lage der vermieteten 
Wohnungen in den Stockwerken der Häuser sowie über ihre Be¬ 
wohner, über die Einteilung der Wohnungen nach der Zahl der heiz¬ 
baren Zimmer und der in ihnen hausenden Menschenmengen, über 
die übervölkerten Wohnungen, als welche immer noch 59 pro Mille 
anzusprechen sind, und endlich über die Mietwerte. Den Schluß des 
Heftes bilden zwei Abhandlungen über die leerstehenden Wohnungen 
und den Wohnbedarf, sowie über die Neu- und Umbauten und die 
Abbrüche in Berlin in den Jahren 1901—1903. 

In einer kurzen Anzeige, auf die ich mich hier beschränken 
muß, ist es unmöglich, den Reichtum dieser Arbeit an wichtigen und 
interessanten Perspektiven auch nur anzudeuten. Ich greife nur eines 
heraus: zur Beurteilung vieler Ansprüche der Hausbesitzer z. B. auf 
bestimmte Privilegien in den Gemeinden ist es sehr wichtig zu wissen, 
wie lange sich die Mietshäuser im Besitze desselben Eigentümers be¬ 
finden; schon auf dem Frankfurter Wohnungskongreß 1904 erlaubte 
sich Referent darauf aufmerksam zu machen, daß die Hausbesitzer 
mit Unrecht den Anspruch erheben, als besonders „seßhaftes“ Element 
angesehen zu werden, daß vielmehr der Hausbesitz zum Geschäft ge¬ 
worden ist. Die vorliegende Berliner Statistik bestätigt diese Be¬ 
hauptung vollkommen: 1895 waren von 1000 Grundstücken rund 600 
noch nicht 10 Jahre lang in derselben Hand, 1890 sogar 615, und 
1900 immer noch mehr als die Hälfte. 

Es ist bedauerlich, daß die Ergebnisse der Berliner Statistik so 
wenig in der größeren Öffentlichkeit bekannt und beachtet werden: 
hier hätte die Tagespresse noch eine schöne und dankbare Aufgabe 
zu lösen! 

A. Siidekunu 

Renauld, J. von, Beiträge zur Entwicklung der Grundrente und 
Wohnungsfrage in München. Leipzig. C. L. Hirschfeld. VI. 
209 S. (6,40 M.) 

Auf dem Gebiete der Wohnungsliteratur überwucherten in den 
letzten Jahren die Kompilationen in einem erschrecklichen Maße. 

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D. Referate. 


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Mit doppelter Freude begrüßt man darum ein Werk von den Quali¬ 
täten des Re na ul d’sehen. Aufgebaut auf einer Fülle von Quellen¬ 
forschungen und kritisch gesichteten Beobachtungen, interessiert es 
auch dort, wo es den Leser zum Widerspruch reizt. 

In drei umfangreichen Abschnitten wird zunächst die Bau¬ 
geschichte der Stadt München bis zum Jahre 1870 abgehandelt. 
Hierbei bringt der Verfasser eine Menge Notizen aus archivalischen 
Quellen über Arbeitslöhne, Bodenbesitz, Bodenbelastung, Besitzwechsel 
und anderes aus den älteren Zeiten. Ausführlicher noch ist dann die 
Entwicklung Münchens zur modernen Großstadt geschildert. Be¬ 
sonders wertvoll sind die Angaben über die geschäftlichen Maximen 
und den Einfluß der Bodenspekulation, zumal derjenigen, die von den 
in Bayerns Hauptstadt besonders blühenden Bodengesellschaften lange 
Jahre hindurch betrieben wurde. Eingehend behandelt werden die 
neueren Bauordnungen von 1879, 1895 und 1904 sowohl in ihren 
Grundlagen als auch in ihren Wirkungen auf die Ausgestaltung des 
Münchener Wohnwesens. Den Abschluß des ganzen Buches bildet 
eine Zusammenfassung der Ergebnisse, zu denen der Autor gelangt, 
und eine Aufstellung der von ihm empfohlenen Reformmaßregeln. 

Renauld gehört zu den Pessimisten unter den Wohnungs¬ 
politikern: er, der alte Kriegsmann, sieht in der Wohnungsfrage 
gleichsam eine Kriegsfrage und glaubt, daß zu ihrer Lösung eine 
Begeisterung notwendig sein werde, wie sie in kriegerischen Zeiten 
die Nationen erfaßt. Zum Kriegführen gehört Geld, Geld und noch¬ 
mals Geld: Geld gehört auch zu einer Minderung des Wohnungs¬ 
elendes der ärmeren Klassen; das will sagen, daß die Wohnungs¬ 
frage in erster Linie eine Kreditfrage ist. Nach Renauld tut uns 
zunächst eine Organisation des Massenkredits not. Sie muß ausgehen 
vom Staate als der allein in Frage kommenden Instanz; schon um 
deswillen, weil von dem geringen Bruchteile der Bevölkerung, der 
nach dem heutigen Gemeindewahlrecht die Gemeindeangelegenheiten 
entscheidend bestimmt und vorwiegend am Hausbesitz beteiligt ist, 
ein selbstloses Entgegenkommen nicht zu erwarten ist. Der Staat 
aber kann Rententitel in ganz kleinen Abschnitten ausgeben, dadurch 
die erheblichen Sparsummen seiner Angehörigen in seine Hände 
bringen und mit deren Hilfe durch Gewährung billigen Baukredits 
das gewaltige Reformwerk mit Aussicht auf Erfolg anpacken. Die 
Einwendungen gegen seinen Plan hält Renauld für unbeachtlich 
oder doch für überwindbar. Die Förderung des Gesamtwohls dürfe 
nicht unter den entgegenstehenden Interessen verhältnismäßig kleiner 
Kreise leiden. Denn die Lösung der Wohnungsfrage für die minder¬ 
bemittelten Volkskreise bedeute eine Errungenschaft von unabsehbar 
wohltätigen Folgen in ethischer, hygienischer und wirtschaftlicher 
Hinsicht. 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


229 


Auf ein Detail ans Renauld’s Forschungen sei noch besonders 
hingewiesen: nämlich auf seine Darstellung der Münchener Wohn¬ 
verhältnisse in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Nach einer 
Verordnung aus 1806 war jeder Bewohner der Stadt ohne Unter¬ 
schied von Rang und Stand verpflichtet, zum Lokalarmenfonds „nach 
den Verhältnissen des Mietzinses, welchen er für seine Wohnung ent¬ 
richtet oder nach der Größe und Bequemlichkeit derselben zu ent¬ 
richten hätte“ beizutragen. Die Leistungen waren durch einen be¬ 
sonderen progressiv ausgestalteten Tarif festgesetzt worden. Es 
fanden sich nun aus den 60er Jahren noch die rentamtlichen Miets¬ 
einschätzungen vor, und zwar für 1861 und 1868. Der Bericht von 
1861 gibt ein gutes Bild der damaligen sozialen Gliederung der Be¬ 
völkerung von München. Es zeigt sich, daß damals über 94 Proz. 
der Wohnungsinhaber in Wohnungen mit einem Mietswert bis rund 
500 Mark hausten. Aber trotz dieses nach heutigen Anschauungen 
billigen Wohnens standen auch damals die Mieten schon höher als 
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Bevölkerung entsprach, 
so daß dieselben Schäden zu beklagen waren, an denen wir heute 
noch laborieren. Zur Kenntnis des jetzigen Zustandes sei bemerkt, 
daß in München die Zahl der Kleinwohnungen im Preise bis zu 
200 Mark nicht nur im Verhältnis zur Bevölkerungsvermehrung, 
sondern auch absolut zurückgeht. Dabei ist das Durchschnitts¬ 
einkommen einer gewöhnlichen Münchener Handarbeiterfamilie mit 
1000 Mark eher zu hoch als zu niedrig angesetzt. 

Methodologisch ist zu Renauld’s Arbeit zu bemerken, daß er 
nicht scharf genug die Begriffe der offenen und geschlossenen, der 
weiträumigen und der Reihenbauweise gegeneinander absondert: es 
wäre sonst kaum zu verstehen, daß er sich als einen Gegner der 
offenen Bauweise gibt und sich zum Befürworter einer allgemeinen 
erheblichen Höhenausnützung der Wohngrundstücke aufwirft. Diese 
hygienisch überaus bedenkliche Maßregel hat noch immer das gerade 
Gegenteil der von ihr erhofften wohltätigen sozialpolitischen Folge 
gezeitigt. 

A. Südekum, 


Brentano > X., Wohnungszustände und Wohnungsreform in München. 

Ein Vortrag, mit 8 Abbildungen. München. Reinhardt. 28 S. 

(1,00 M.) 

München ist eine von denjenigen deutschen Städten, in denen 
die Bodenspekulation besonders üppig emporgeschossen ist; wie mit 
Festungsmauern umschloß sie die Stadt und beraubte die Bevölkerung 
eines großen Teils des Segens der Stadterweiterung. Die Folgen 
zeigen sich in schlechten Wohnungsverhältnissen der gesamten minder- 


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230 D. Referate. 

bemittelten Schicht der Bevölkerung. Die im Jahre 1903 aufgenommene 
Wohnungsenquete, der der vorliegende Vortrag seine Entstehung ver¬ 
dankt, hat geradezu erschütternde Bilder enthüllt Brentano ent¬ 
rollt sie vor den Augen der Leser mit dem ganzen sittlichen Ernst 
den er in die Bekämpfung des Wohnungselendes von jeher gelegt 
hat und mit jener packenden Beredsamkeit die die Lektüre jedes 
seiner Bücher zu einem Genuß macht. Mit besonderem Nachdruck 
verficht er die Idee der Errichtung von Ledigenheimen, gesondert 
für die Angehörigen beider Geschlechter, nach dem Muster der Rowton- 
häuser in London und des Albergo populäre in Mailand, von dem er 
eine lebendige Schilderung spendet. 

A, Südekum. 


Böhmert, W., Beiträge zur bremischen Wohnungsstatistik. 4. Die 
wicht zur engeren Familie gehörenden Hausgenossen und ihr Ein¬ 
fluss auf die Wohnungsverhältnisse. Bremen. Franz Leuwer. 
53 S. 

Das rührige statistische Amt der Stadt Bremen beschenkt uns in 
der vorliegenden Arbeit mit einem Nebenergebnisse der Volkszählung 
vom 1. Dezember 1905, das ganz besonders interessante Einblicke in 
die Wohnungsverhältnisse und soziale Schichtung der Bevölkerung' 
der alten Hansestadt gewährt. 

In der Stadt Bremen lebten am Zählungstage 83154 Personen 
in reinen Familienhaushaltungen (nur Ehegatten oder nur Eltern mit 
ihren Kindern); bei 11693 Personen bestand die Familie außer den 
Ehegatten und Kindern auch noch aus sonstigen Verwandten. Da¬ 
gegen befanden sich 78 884 Personen, fast die Hälfte der Bevölkerung, 
in Haushaltungen, in denen überdies noch Familienfremde (häusliche 
Dienstboten, Gewerbegehilfen, Familienpfleglinge und Einlogierer oder 
Chambregarnisten bzw. Schlafgänger) vorhanden waren. 17,5 Proz. 
der Familien Bremens waren mit sogenannten Einlogierern, man 
möchte sagen, behaftet; 13,9 Proz. der Familien hielt Dienstboten; 
in 5,9 Proz. der Gesamtzahl wohnten Gewerbegehilfen; in relativ 
wenigen — und auch nur den allerärmsten Schichten angehörenden 
— Familien wurden Pflege- oder Haltekinder nachgewiesen. 16 Proz. 
der männlichen Bevölkerung, 12,5 Proz. der weiblichen Bevölkerung 
der Stadt Bremen lebten als Familienfremde in anderen Haushaltungen; 
davon machen beim männlichen Geschlecht die Einlogierer nicht 
weniger als 11 Proz. aus, beim weiblichen die Dienstboten 7,9 Proz. 

In einem interessanten Überblick stellt Böhmert dar, welche 
Entwicklung sich in der Zusammensetzung der Haushaltungen und 
in der Zahl der verschiedenen Arten von Hausgenossen in Bremen 
nachweisen läßt. Im Jahre 1875 hielten 23 Proz. der damals ge- 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung and Kleidung. 


231 


zählten Familien Dienstboten; 1900 nur noch 13,9 Proz. — der Rück¬ 
gang ist sogar absolut. Auch die Zahl der in den Haushaltungen 
wohnenden familienfremden Gewerbegehilfen hat absolut und relativ 
erheblich abgenommen. Ganz anders dagegen gestalteten sich die 
Verhältnisse bei den Einlogierern: von sämtlichen Privathaushaltungen 
beherbergten im Jahre 1871 nur 14 Proz., im Jahre 1900 aber 17,5 
solche Familienfremde; und die Zahl dieser Personen stieg von 5,3 
Proz. auf 6,3 Proz. der Gesamtbevölkerung, nämlich von 4726 auf 
11323 Köpfe. Aus dem allen ergibt sich die zwingende Schlußfolgerung, 
daß wir auch in Bremen ein ganz außerordentlich starkes Anwachsen 
der proletarischen und halbproletarischen Bevölkerung zu verzeichnen 
haben. Dabei ist aber die Wohndichtigkeit nicht unerheblich gesunken; 
die Wohnungsverhältnisse haben eine Besserung erfahren. 

Es ist nicht möglich, den reichen Inhalt des vorliegenden Heftes 
hier auch nur anzudeuten. Es wäre wünschenswert, daß er in all¬ 
gemeinverständlicher Weise, etwa durch einen populären Vortrag, 
auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht würde. 

A, Südekum. 


Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900 
in den im lieichsrate vertretenen Königreichen 
und Ländern. 3. Heft: Die Aufnahme der Häuser in den 
Gemeinden der enveiterten Wohnungsaufnahme. Herausgegeben 
von der Kaiserlich Königlichen Zentralkommission. 65. Band. 
Wien. Karl Gerold’s Sohn in Kommission. (1,50 M.) 

In früheren Berichten habe ich schon auf das Werk der öster¬ 
reichischen statistischen Zentralkommission zur Erforschung der 
Wohnungsverhältnisse in dem cisleithanischen Länderkomplex rühmend 
hingewiesen. Jetzt liegt wieder ein neues, das dritte Heft abge¬ 
schlossen vor. Die Ziele, die sich die hier behandelte Häuserstatistik 
steckte, waren: 1. Daten über die Struktur der Häuser in baulicher 
Hinsicht und über ihre Ausstattung mit weiteren Anlagen zu erhalten, 
2. über die Feuersicherheit der Häuser allgemeine Kenntnis zu er¬ 
halten, 3. die Eigentumsverhältnisse wenigstens in ihren Grundzügen 
festzustellen, 4. den Verwendungszweck der Häuser zu bestimmen, 
5. durch eine Erhebung der Erbauungsjahre Einblicke in die Bau¬ 
perioden der Häuser zu gewinnen und auf Grund der bei der Wohnungs¬ 
aufnahme ermittelten Wohnungsmietzinse das Zinserträgnis der Häuser 
mit Berücksichtigung sonstiger Erhebungsmomente zu berechnen. Die 
fünfte Frage, die lückenlos beantwortet ist, hat zu ganz besonders 
interessanten Aufschlüssen geführt. 

A. SüdeJeum. 


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D. Referate. 


Rohn , A., Unsere Wohnungsenquete im Jahre 1903. Im Aufträge 
der Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, 
Handelsleute und Apotheker bearbeitet. Berlin. Verlag der 
Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute usw. 

Der nun zum dritten Male vorgelegte Bericht der Berliner Orts¬ 
krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und 
Apotheker ist ein schriller Mahnruf, die Besserung unsagbar trauriger 
Wohnungsverhältnisse mit viel größerer Energie als bisher zu be¬ 
treiben, ein Mahnruf an die Behörden des Staates, der Gemeinde und 
an die Privaten. Nicht als ob der Bericht etwa mit agitatorischen 
Floskeln durchzogen wäre: er gibt nur in Tabellenform und in wenigen 
verbindenden Textworten die Beobachtungen der Kassenkontrolleure in 
den Behausungen der erkrankten Mitglieder wieder. Am Schlüsse 
der Arbeit findet man einige photographische Aufnahmen: wir empfehlen 
sie allen denen zur sorgsamen Beachtung, die sich etwa durch den 
Vortrag des Professors Pohle auf dem Frankfurter Wohnungskongreß 
oder durch die Perorationen der Nichts-als-Hausbesitzer einreden ließen, 
es gäbe eigentlich gar keine Wohnungsnot mehr und die Beschäftigung 
mit der Wohnungsfrage sei nachgerade „unmodern“ geworden. 

A. Südekum. 


Rumpelt , A. t Allgemeines Baugesetz für das Königreich Sachsen vom 
1. Juni 1900 mit dem Abänderungsgesetze vom 24. Mai 1904. 
Handausgabe mit Erläuterungen. Leipzig. Roßberg’sche Ver¬ 
lagsbuchhandlung (A. Roßberg). VIII und 533 S. (6,00 M.) 

Das sächsische Baugesetz ist das beste in ganz Deutschland 
und der Kommentar von Rumpelt ist seiner würdig. Die umfang¬ 
reiche Einleitung gehört nach meiner Meinung zu den besten Ab¬ 
handlungen, die in deutscher Sprache über die Wohnungsfrage ver¬ 
öffentlicht worden sind. Sie gibt nicht nur eine erschöpfende Ent¬ 
stehungsgeschichte des Gesetzes, sondern darüber hinaus eine Ein¬ 
führung in alle Probleme, die durch die staatliche Wohnungsgesetz¬ 
gebung zu lösen sind, sofern man dabei von der Wohnungsherstellung 
selbst absieht. 

Die Anmerkungen zu den einzelnen Paragraphen sind klar, sach¬ 
gemäß und für den praktischen Gebrauch völlig ausreichend. Die 
Rechtsprechung des sächsischen Oberverwaltungsgerichts und die Ver¬ 
ordnungen der Zentralbehörden sind bis zum Tage des Erscheinens 
berücksichtigt worden. 

Am beachtenswertesten von den angehängten Verordnungen ist 
die Ministerialverordnung vom 31. März 1903 über das Wohnungs¬ 
wesen der minderbemittelten Klassen, eine im allgemeinen sehr ver- 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 233 

ständige Darlegung der Aufgaben besonders der Gemeinden auf dem 
Gebiete der Wohnungsfürsorge. Nur an einzelnen Punkten sind daran 
vom Standpunkte vorgeschrittener Sozialreform Ausstellungen zu machen, 
im besonderen wird dem Eigenbau durch die Gemeinden denn doch 
nicht die nötige und wünschenswerte Betonung zu teil. Es wäre 
sehr zu wünschen, daß das sächsische Ministerium sich entschlösse, 
die im letzten Absätze seiner Verordnung eingeforderten regelmäßigen 
Berichte der Amtshauptmannschaften und Stadträte über den Stand 
der Wohnungsverhältnisse in ihrem Gebiete auch der Öffentlichkeit 
jeweilig zugänglich zu machen. 

A. Südekum. 


Troitzsch, W., Allgemeines Bangesets für das Königreich Sachsen vom 
ne bst Ausführungsverordnungen. Textausgabe mit An¬ 
merkungen und Register. Leipzig. Roßberg’sche Verlags¬ 
buchhandlung (A. Roßberg). X und 129 S. (2,00 M.) 

Diese Ausgabe des sächsischen Baugesetzes bringt in den An¬ 
merkungen die zum Baugesetz ergangenen Entscheidungen des Mini¬ 
steriums und des Oberverwaltungsgerichts, aber nur dem Datum nach. 
Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, bei dieser wie bei der Rum peit¬ 
schen Ausgabe auch der vorzüglichen Ausstattung durch die Verlags¬ 
buchhandlung rühmend zu gedenken. 

A. Südekum . 


Bauordnungen für die Stadtgemeinde Frankfurt a. M. 
nebst Polizeiverordnung zur Verhütung von Un¬ 
fällen bei baulichen Arbeiten, sowie Regulativ über 
Erhebung von Baupolizeigebühren. Bearbeitet von der 
Stadtkanzlei. Frankfurt a. M. Gebr. Knauer. 40 S. (1,50 M.) 

Die Bauordnungen für Frankfurt a. M. haben ihre neueste Fassung 
durch Polizeiverordnungen vom 15. März 1901 und 14. Februar 1902 
erhalten; sie sind nach dem Schema der Zonenbauordnungen ent¬ 
worfen und können in manchen Einzelheiten als Muster gelten. Bei 
der Verordnung zur Verhütung von Unfällen bei Bauarbeiten fällt 
auf, daß über die Art der Bautenkontrolle keine besonderen Vor¬ 
schriften erlassen worden sind, geschweige denn, daß Bauarbeiter 
dazu mit herangezogen werden. Derartiges wird leider alles im Wege 
der internen Dienstvorschrift geregelt. Nicht gerade zum Nutzen 
der Sache. 

A . Südekum . 


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D. Referate. 


Bauordnung für die Stadt Altona vom 15. November 1892 
(mit Abänderungen). Altona. J. Harder. 51 S. (0,50 M.) 

Beklagenswert gering sind die Anforderungen, die die Bauord¬ 
nung für Altona an die Beschaffenheit von Räumen stellt, die Wohn¬ 
zwecken dienen sollen. „Wohnungen müssen mindestens 40 qm Grund¬ 
fläche haben, wovon auf ein Wohn- und ein Schlafzimmer mindestens 
25 qm entfallen müssen.“ Da in den obersten Geschossen von Etagen¬ 
häusern nur eine lichte Höhe der Wohnräume von 2,8 m gefordert 
wird, so können dort Wohnungen mit 112 Kubikmetern Luftraum 
entstehen! Nun bedenke man die Beschränkung dieses Luftraums 
durch den, wenn auch kleinen Hausrat, und mache sich dann eine 
Vorstellung, wieviel effektiver Luftraum für jeden Angehörigen einer 
auch nur fünfköpfigen Familie bleibt. Es werden kaum mehr als 
15 Kubikmeter sein! Die Vorschriften über die Kellerwohnungen 
sind vollends unzulänglich. In Altona hat man auch die Einrichtung 
vorgesehen, daß der Hausbesorger mit seiner Familie in das sonst 
nicht zu Wohnzwecken freigegebene Dachgeschoß verbannt werden 
darf, „wenn die Größe der übrigen Wohnungen des Grundstücks das 
Wohnbedürfnis eines Hausmeisters erheblich übersteigt“. Hier wird 
der schnödesten Benachteiligung gewisser Arbeiterschichten zugunsten 
der Hausbesitzer Tür und Tor geöffnet. 

In den Bestimmungen über die Berechnung der Straßenkosten¬ 
beiträge findet sich der hygienisch und sozialpolitisch wertvolle Ver¬ 
such, durch Limitierung dieser Kosten der Bebauung allzutiefer Grund¬ 
stücke vorzubeugen. Wenn nur diese Maßregel nicht durch die oben 
gekennzeichneten Vorschriften in ihrem Effekt mehr als aufgehoben 
würde! 

A. Südekum. 


Bauordnung für die Landgemeinden des Regierungs¬ 
bezirks Hildesheim vom 24. März 1897 , in der 
durch Polizeiverordnungen vom 18. Dezember 1900 
und vom IO. November 1903 veränderten Fassung. 
Hildesheim. 1903. Druck und Verlag von August Lax. 20 S. 
(0,30 M.) 

Durch die Abänderungen vom 10. November 1903, die am 1. Ja¬ 
nuar 1904 in Kraft getreten sind, ist die Bauordnung für das Hildes¬ 
heimische Landgebiet den modernen Anforderungen an eine derartige 
Bauordnung angepaßt worden. Bemerkenswert ist, daß man sich auch 
im Hildesheimischen nicht zu einem Verbot der Kellerwohnungen 
auf dem Lande hat entschließen können. Eine solche Maßregel wäre 
aber unseres Erachtens nicht nur ohne weiteres durchführbar, sondern 
direkt geboten. Wann soll denn mit der traurigsten Art von mensch- 


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VI. Soziale Hygiene der Wohnung und Kleidung. 


235 


liehen Hausungen überhaupt aufgeräumt werden, wenn man sie heute 
noch sogar auf dem Dorfe neu zu hauen gestattet? Und noch dazu 
unter welchen Bedingungen! In Kellergeschossen dürfen Wohn- und 
Schlafräume untergebraebt werden, sofern nur ihr Fußboden weniger 
als 1,75 m (also zum Beispiel 1,74 8 / t m) unter der Erdgleiche liegt 
und wenn sie mindestens 30 cm(!) über dem höchsten Grundwasser- 
stand liegen. Da Wohn- und Schlafräume im allgemeinen nur 2,65 m 
licht« Höhe zu haben brauchen, so darf man also heute noch im 
Hildesheimischen Kellerwohnungen bauen, die nur 90'/ 4 cm über die 
Erdgleiche hinaus stehen. Daß dazu jedesmal die Entscheidung der 
Polizeibehörde über die „Zulässigkeit“ nötig ist, macht die Sache 
nicht besser. Es kann eben etwas sehr wohl polizeilich „zulässig“ 
und doch vom hygienischen Standpunkte aus einfach skandalös sein. 

Bei einer neuen Revision dieser Bauordnung sollten die Keller¬ 
wohnungen rigoros unterdrückt und die Höhenvorschriften für alle 
Wohnungen erweitert werden. 

A. Südekutn . 


Baupolizeiordnung für die 8tädte und das platte Land 
der Provinz Pommern. Berlin. 1903. A. W. Hayn’s 
Erben. 

Die sanitären Vorschriften dieser Baupolizeiverordnung sind von 
einer geradezu beängstigenden Genügsamkeit! In den Städten wird 
in den zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Räumen 
eine lichte Höhe von 2,50 Metern, auf dem Lande gar schon von 
2,25 Metern für genügend erachtet. Die Rücksicht auf die Gesundheit 
der Bewohner tritt in dieser Verordnung nach älterem schlechten 
Muster überhaupt hinter die Rücksicht auf Feuersicherheit zurück. 

A. Südekum . 


Baupolizeiliche Vorschriften für den Begierunf/sbezirk 
Posen. Nachtrag vom 28. April. Berlin. Verlag von A. 
W. Hayn’s Erben. 48 S. (0,70 M.) 

Posen hat, wie alle alten Festungsstädte, furchtbare Wohnungs¬ 
verhältnisse für die minderbemittelten Schichten der Bevölkerung. 
Mit dem Fall der Umwallung wird für die notwendigen Neubauten 
Platz geschaffen, und es ist verständig, daß die Regierung gleichzeitig 
für eine neue Baupolizeiordnung sorgt. Sie entspricht den durch¬ 
schnittlichen Anforderungen, enthält allerdings die nach unserem Er¬ 
messen nicht zu billigende Ausnahmebestimmung, daß in Arbeiter-' 
häusern die lichte Höhe der Wohnräume nur 2,80 statt wie sonst 
3 Meter zu sein braucht. Dadurch wird unzweifelhaft der ganze 


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D. Referate. 


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Wohnungsstatus herabgedrückt. Denn die in den äußeren Stadtteilen 
zunächst als Arbeiter Wohnhäuser errichteten Gebäude werden nach 
verhältnismäßig kurzer Zeit von anderen Schichten der Bevölkerung 
besetzt, ohne daß sie niedergerissen würden. Lobenswert ist an 
dieser Verordnung, daß sie in einer besonderen Bestimmung den Tier¬ 
schutz auf Bauten regelt. 

A. Südekutn . 


Ortsbaugesetz für die Gemeinde .... Selbstverlag von Emil 
Teichmann. Leuteritz-Cossebaude. Dazu: Erläuterungsbericht 
und Begründung zum Bebauungsplan und Ortsbaugesetz für die 
Gemeinde .... Ebenda. 47 und 74 S. (7,50 M.) 

Das sächsische Baugesetz sieht in seinem § 8 den Erlaß von 
Ortsbaugesetzen vor. Das Ministerium des Innern hat selbst eine 
Anleitung zum Erlaß solcher baurechtlicher Ortsgesetze ausarbeiten 
lassen, an die sich die vorliegenden Arbeiten anlehnen. Den Ge¬ 
meinden können sie die Schaffung der Lokalbestimmungen unzweifel¬ 
haft erleichtern. Das ist deshalb nicht unwichtig, weil die besten 
Absichten des Gesetzgebers vereitelt werden können, wenn seine Vor¬ 
schriften durch unfähige Lokalbehörden verballhornt werden. In 
diesem Falle würden die sozialhygienisch wertvollen Paragraphen des 
sächsischen Baugesetzes wohl am allermeisten verstümmelt werden, 
wenn nicht ein Schema ihre Aufnahme in die Ortsgesetze forderte. 

A, Südekunu 


Strafz, C. H. f Die Frauenkleidung und ihre natürliche Entwicklung. 
Dritte völlig umgearbeitete Auflage mit 269 Textabbildungen 
und 1 Tafel. Stuttgart. F. Enke. XVI und 403 S. (15,00 M.> 

Das vorliegende Stratz’sche Werk über die Frauenkleidung bildet 
in dieser Neubearbeitung eine wertvolle Ergänzung der Arbeiten des 
Verfassers über die Schönheit des weiblichen Körpers und über weib¬ 
liche Rassenschönheit. Im Gegensatz zur früheren Bearbeitung treten 
anthropologische und ethnographische Gesichtspunkte bei der Be¬ 
handlung des Stoffes stärker in den Vordergrund. Ausgehend von 
der Ansicht, daß photographische Reproduktionen wahrheitsgetreuer 
schildern, als „die durch die Brille der Kunst gesehenen Kostüm¬ 
zeichnungen“, hat Verfasser die Zahl der Abbildungen um mehr als 
das Doppelte vermehrt. Das Buch zerfällt in 12 Abschnitte. Der 
ihn bei dem Aufbau leitenden Idee gibt der Verfasser folgenden Aus¬ 
druck: „Die Nacktheit wurde von den Naturvölkern niemals als 
solche empfunden (natürliche Nacktheit). Erst nach der Kleidung 
entstand das Schamgefühl als Folge der Entblößung (sinnliche Nackt- 


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YL Soziale Hygiene der Wohnung nnd Kleidung. 


237 


heit). Mit der höchsten Kultur kam das Bewußtsein der Schönheit 
des nackten Körpers (künstlerische Nacktheit) (I). Die Körperver¬ 
zierung, bestehend aus Körperschmuck und Kleidung, entspringt dem 
angeborenen Bedürfnis nach Schmuck und Auszeichnung, erst in zweiter 
Linie dem Bedürfnis nach Schutz vor Kälte (II). Die Rasse, die 
geographische Lage und die Kultur ist maßgebend für die weitere 
Entwicklung der Körperverzierung (III). Wir haben zu unterscheiden: 
Körperverzierung als Ganzes. 1. Körperschmuck, bestehend in Be¬ 
malung, Narbenschmuck und Tätowierung, Körperplastik und am 
Körper selbst befestigte Schmuckstücke (IV). 2. Kleidung, a) Primi¬ 
tive Kleidung (Hüftschmuck) (V). b) Tropische Kleidung (Rock) (VI). 
c) Arktische Kleidung (Hose, Jacke) (VII). Die primitive Kleidung 
schließt sich an die Urrassen und die schwarze Rasse an, die tropische 
an die weiße und die arktische an die gelbe Rasse. Die beiden 
letzteren sind die Träger der Kultur. Durch Rassenmischung und 
Kulturaustausch haben sich die verschiedenen Formen der Volkstracht 
entwickelt bei außereuropäischen (VIII) und bei europäischen Völkern 
(IX). Ihre höchste Ausbildung hat die tropische Tracht der weißen 
Rasse in der modernen europäischen Frauenkleidung gefunden, die 
für die weiße Rasse international ist (X). Mißbrauch derselben fuhrt 
zu Verunstaltung des normalen Körperbaues (XI). Verbesserungen 
müssen sich den Gesetzen der natürlichen Entwicklung der Frauen¬ 
kleidung unterordnen und anpassen“ (XII). — Den interessanten Aus¬ 
führungen dieser Gedanken kommen der reiche Kenntnis- und Er¬ 
fahrungsschatz und die an St ratz schon oft gerühmte Darstellungsgabe 

ZU Statten. p Kriegei. 


Mohrfrutter, A., Das Kleid der Frau, ein Beitrag sur künstlerischen 
Gestaltung des Frauenkleides. Darmstadt-Leipzig. Alexander 
Koch. 99 S. (12,00 M.) 

Zweck des Buches ist Propagierung des Reformkleides, nnd zwar 
nicht in der postulierenden Weise, wie es vorher z. B. Schultze- 
Naumburg tat. sondern mehr praktischer Art. durch eine Zusammen¬ 
stellung mannigfacher künstlerischer Bekleidungsentwürfe, die bis ins 
Detail ausgeführt sind und sich ohne große Schwierigkeiten aus¬ 
führen lassen, wie der Referent in zahlreichen Fällen in seinem Be¬ 
kanntenkreise feststellen konnte. Die Modelle sind so verschieden¬ 
artig, daß sich unter ihnen wohl für jede Frau etwas findet, was 
sich auch mit bescheideneren Mitteln — und das ist nicht am 
wenigsten wertvoll — herstellen läßt. Vom hygienischen Standpunkte 
kann man sich nur freuen, daß die gesundheitlich ausgezeichnete 
Reformtracht ihre Kinderkrankheiten. Monotonie einerseits, Bizarrerie 
andererseits, glücklich überwunden hat und nun vom ästhetischen 


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D. Referate. 


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Gebiete aus Eroberungen macht, die der hygienischen Kultur in 
gleichem Maße zugute kommen. Dazu wird das vorliegende Buch 
viel beitragen. 

P. tfeorp. 


VII. 

Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen 

Personen. 

Heimann, G., Die Säuglingssterblichkeit in Berlin. Sonderabdruck 
aus der Zeitschrift für Sozialwissenschaft. VH Band. 4. Heft 
Berlin. G. Reimer. 

In den Jahren 1897—1901 starben in Berlin durchschnittlich 
jährlich 11000 Kinder oder 22 Proz. der Lebendgeborenen bereits 
im 1. Jabre. Fast denselben Prozentsatz weist die Statistik für die 
Zeit von 1819—1864 nach, während in dem Zeitraum von Mitte der 
60 er bis Ende der 70 er Jahre diese Zahlen beträchtlich höher, näm¬ 
lich 30—34 Proz. waren. Im Vergleich zu anderen deutschen Gro߬ 
städten nimmt Berlin mit diesen Zahlen eine mittlere Stellung ein. 
Frankfurt a. M., Barmen-Elberfeld, Cassel u. a. mit 15—17, Crefeld, 
Dresden, Stuttgart, Hamburg, Hannover u. a. mit 17—21 stehen 
günstiger; Altona, Leipzig, München, Cöln, Breslau u. a. mit 24 bis 
36 Proz. ungünstiger. Ungünstig steht Berlin da, wenn man es mit 
außerdeutschen Großstädten vergleicht. So hatte Paris nur 11 Proz., 
Christiania, Zürich 12, Budapest, London, Brüssel 15, Wien, Prag, 
Kopenhagen 17—18 Proz. Aus solchen Zahlen allgemeine Schlüsse zu 
ziehen, ist indes gefährlich, da auf die Sterblichkeit die verschiedensten 
Verhältnisse einwirken. So z. B. rührt die niedrige Mortalitätsziffer 
bei Paris z. T. von der niedrigen Geburtenziffer und ferner daher, daß 
fast Vs der Neugeborenen nach auswärts in Pflege gegeben wird. 

Von den Todesursachen entfiel mehr als Vs au f Verdauungs¬ 
störungen. Auf die Mortalität steigernd wirkte dann: uneheliche 
Geburt, künstliche Ernährung, schlechte soziale und ungünstige 
Wohnungsverhältnisse, Sommerhitze. Knaben starben mehr als Mädchen. 
Die hygienischen Fortschritte seit den 70 er Jahren bewirkten in 
Berlin wie in allen preußischen Großstädten eine fortschreitende Ab¬ 
nahme der Mortalität für eheliche und uneheliche Kinder, während 
die Zahlen für das Land sich fast gleich blieben. Doch muß die 
Tatsache, daß auch jetzt noch in Berlin 1 j i der ehelichen und l !S der 
unehelichen Kinder im 1. Lebensjahre stirbt, die Frage anregen, ob 
und wodurch noch eine weitere Verbesserung zu erreichen ist Ver- 


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VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


239 


fasser erwartet solche von der in Aussicht gestellten Wohnungsreform, 
Einwirkung auf das Selbststillen, Milchverbesserung, Milchkontrolle 
und Belehrung über die Behandlung der Kindermilch, Überwachung 
der Haltekinder. Das mit zahlreichen statistischen Tabellen aus¬ 
gestattete Schriftchen kann als weiterer Beitrag zur Lösung einer 
der brennendsten Fragen empfohlen werden. 

P. Hüls. 

Behrens, B., Der Verlauf der Säuglingssterblichkeit im Großhereogtum 
Baden van 1852 — 1895. Beitrag zur Statistik der inneren 
Verwaltung des Großherzogturas Baden. Herausgegeben vom 
Ministerium des Innern. Heft 46. Abteilung I. 23 S. 
9 Tafeln. 

Es wird hier die Entwicklung der Kindersterblichkeit in Baden 
seit 1852 gegeben, nicht nur für das ganze Land, sondern auch für 
die Amtsbezirke und Kreise, für letztere erst seit 1864, da mit 
diesem Jahre eine andere Einteilung des Landes einsetzte. Es war 
die Kindersterblichkeit in Baden 


1864—70 . 27,94 

1871—75 . 27,84 

1876—80 . 24,50 

1881—85 . 23,34 

1886—90 . 22,44 

1891—95 . 22,14 


Bei den Juden ist sie erheblich niedriger als bei den Christen; 
sie war 1886—89 bei den Katholiken 24,5, bei den Protestanten 24,1 
und bei den Juden 12,1. Unrichtig ist der Satz, daß die Sterblich¬ 
keit der ehelichen Kinder in der ersten Zeit nach der Geburt größer 
ist als die der unehelichen; der Fehler rührt daher, daß die be¬ 
treffenden Verhältnisziffern nur aus den Gestorbenen berechnet werden, 
nicht mit Beziehung auf die Lebendgeborenen, wie es der Kopf der 
Tabelle anzeigt. 

F, Prittzing. 


Petru8chku, J., und Kriebel, 31., Die Ursachen der Sommer- 
Sterblichkeit der Säuglinge und die Möglichkeit ihrer Verhütung. 
Leipzig. F. Leineweber. 75 S. (1,50 M.) 

Nach Berechnungen Dun bar’s sterben in Deutschland alljährlich 
150000 Kinder im ersten Lebensjahre oder etwa jeder dritte Säug¬ 
ling. Für die Stadt Danzig weisen nun die Verfasser auf Grund ein¬ 
gehender Statistiken aus den 4 Jahren 1900—1903 nach, daß der 
Hauptteil dieser Todesfälle auf die Sommermonate fiel und die Todes¬ 
ursache fast ausschließlich Verdauungsstörungen waren. Nach Aus- 


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240 


D. Referate. 


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weis einer statistischen Tabelle starben an Kinderbrechdurchfall in 
den genannten 4 Jahren mit nur geringen Abweichungen gleichmäßig 
in den 7 Monaten November—April täglich zwischen 2 und 5 Kinder, 
selten einige mehr. Diese Zahl steigt mit Junibeginn fast plötzlich 
auf 11—14, Juli 15—50, hält sich dann den ganzen August auf 30 
bis 60 — und 1902 nur 11—16 — und fällt dann in allen Jahren 
von September an allmählich bis wieder zum Minimum Ende Oktober. 
Daraus schließen die Verfasser, daß die Säuglingssterblichkeit ihren 
Grund hauptsächlich habe in der Zersetzung der als Nahrung 1 ge¬ 
gebenen Kuhmilch infolge Bakterien Vermehrung durch die Sommer¬ 
hitze und es schien ihm daher wichtig, sich durch exakte Versuche 
über den tatsächlichen Bakteriengehalt und die Bakterienvermehrung 
in den verschiedenen verkauften Milchsorten Gewißheit zu verschaffen. 
Die Versuche wurden angestellt nach dem Verdünnungsverfahren, d. h. 
durch stetig stärkere Verdünnung der in die Nährbouillon gebrachten 
Milch wurde die kleinste Milchmenge ermittelt, in welcher noch ent¬ 
wicklungsfähige Bakterien enthalten waren, und danach wurde dann 
der Gesamtbakteriengehalt berechnet. Diese Versuche ergaben zu¬ 
nächst die bemerkenswerte Tatsache, daß bei geringerer Verdünnung 
von 1:100 bis 1:10000 die Kulturen nach 24 Stunden, neben einigen 
indifferenten Bakterien, nur Milchsäurebakterien, aber keine Strepto¬ 
kokken enthalten, stärkere Verdünnungen dagegen fast Reinkulturen 
von Streptokokken waren, während die Milchsäurebakterien fehlten. 
In weniger verdünnter Milch wurden also die Streptokokken durch 
das Wachstum der Milchsänrebakterien unterdrückt. Die Menge der 
Bakterien war in den verschiedenen Milchproben natürlich sehr ver¬ 
schieden. Bei einer großen Anzahl Proben „frisch“ eingelieferter Voll¬ 
milch wurden ziemlich übereinstimmend etwa 50—100 000 Säurebildner 
und 2—30000000 Streptokokken im Kubikzentimeter gezählt und 
merkwürdigerweise waren bei mehreren Proben pasteurisierter Milch 
diese Zahlen nicht geringer. Die Streptokokken sind übrigens auch 
in frischen, gefärbten Präparaten im Sommer massenhaft unter dem 
Mikroskop zu sehen. — Ganz frisch und sauber gemolken und sofort 
untersuchte Milch enthielt dagegen nur bis 10 Säurebildner und 300 
Streptokokken im Kubikzentimeter und bei 20° C aufbewahrt nach 
5 Stunden erst 10—100 der ersteren, bis 10000 der letzteren, nach 
24 Stunden dagegen 10000 resp. 10000000; bei 10 °C waren diese 
Zahlen nach 5 Stunden 10—100 resp. 1000, nach 24 Stunden 10—100 
resp. 30000. Bei starkem Sauerwerden nahmen beiderlei Bakterien 
wieder ab. Das Sauerwerden der Milch bildet also einen 
Selbstschutz gegen Fäulnis. Das Durchseien der Milch wirkte 
stark bakterienvermehrend; starke Kühlung hemmte dagegen fast voll¬ 
ständig die Bakterienentwicklung. Das von v. Behring zur Kon¬ 
servierung empfohlene Formalin hemmte zwar in 0,2 °/ 00 Lösung das 


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VTT. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


241 


Bakterienwachstum, wurde aber schon in 1 pro Mille Lösung von 
Säuglingen regelmäßig erbrochen. Kochen bis 15 Minuten macht die 
Milch nicht steril, genügte indes, um die gewöhnlichen pathogenen 
Keime abzutöten; längeres Erhitzen auf über 100 Grad in geschlossener 
Flasche machte dagegen die Milch völlig keimfrei. 

Auf Grund aller dieser Versuche empfehlen Verfasser schließlich 
zur Verhinderung oder Minderung der sommerlichen Milchzersetzung 
saubere Gewinnung, Tiefkühlung und Sterilisierung sofort nach dem 
Melken. 

P. Hüls. 


Finkeistein, H., Fürsorge für Säuglinge. Besonderer Abdruck aus 
dem Handbuch der Hygiene. Herausgegeben von Th. Weyl. 
Vierter Supplementband: Soziale Hygiene. Jena. G. Fischer. 
20 S. (0,75 M.). 

Verfasser will in dem Aufsatze einen kurzen Überblick über die 
rechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse bei der öffentlichen Säug¬ 
lingsfürsorge und über die Erfolge dieser Fürsorge geben. Im Gegen¬ 
satz zu den romanischen Ländern, in welchen die öffentliche Fürsorge 
bevorzugt wird, sucht man in den germanischen Ländern in erster 
Linie und zwar auch bei unehelichen Kindern die Fürsorge durch 
die Mutter und die Angehörigen des Kindes zu ermöglichen und erst 
wenn diese versagt, tritt subsidiär die öffentliche Fürsorge ein. 
Letztere läßt, wie wir aus der Schrift erfahren, in Deutschland 
mangels einer einheitlichen Regelung im allgemeinen noch sehr viel 
zu wünschen übrig, wenn auch einzelne Städte durch besondere 
Organisationen, ärztliche Kontrolle der Ziehkinder unter Beistand ge¬ 
schulter Pflegerinnen, Sorge für ärztliche Behandlung bei Erkrankung, 
nach hygienischen Grundsätzen eingerichtete und geleitete Pflege¬ 
anstalten, Erfolge erzielt haben. Zur besseren Beaufsichtigung der 
Pflege schlägt Verfasser weitere Maßnahmen vor. Die bis jetzt be¬ 
stehenden Mängel in der öffentlichen Fürsorge verschulden es auch, 
daß die Säuglingssterblichkeit in Deutschland erheblich größer ist, 
als in anderen Ländern, vor allem in Frankreich. — Als außerordent¬ 
lich nützlich hat sich eine ergänzende Fürsorge zu der staatlichen 
durch Privatveranstaltungen, Kinderschutzverein, Schwangeren-, Wöch¬ 
nerinnen-, Säuglingsheime, Krippen und dgl. erwiesen, welche Ver¬ 
fasser daher empfiehlt, besonders auch zur billigen Beschaffung ein¬ 
wandsfreier Kuhmilch nach dem Muster der gouttes de lait in Frank¬ 
reich, ferner zur Unterstützung bedürftiger Mütter, um ihnen das 
Selbststillen zu ermöglichen, wie sie in Frankreich von der Sociöte 
de charite maternelle gewährt wird. 

P. Hüls. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 16 


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242 


D. Keferate. 


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Sucle, H., Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Sonderabdrock ans 

dem Handbuch der Hygiene. Herausgegeben von Th. Weyl. 

Vierter Supplementband: Soziale Hygiene. IV und 94 S. Jena. 

G. Fischer. (2,80 M.) 

Die schulentlassene Jugend ist die weibliche und männliche 
Jugend von 14—18 Jahren. Die Jugendfürsorge ist ein Kind der 
Jetztzeit, von dem wir gerade in sozialhygienischer Beziehung so viel 
erhoffen. Suck’s Werk, welches die ganze einschlägige Literatur 
bringt, zerfällt in zwei Teile: die objektive Darstellung der Schäden 
und die Mittel zu ihrer Abhilfe. Statistische Angaben fehlen nicht; 
Suck berechnet, daß die Zahl der Jugendlichen von 14—18 Jahren 
in Deutschland 7,8 Proz. der Bevölkerung ausmachen; als erwerbs¬ 
arbeitend zählt Suck 2800000, die Hälfte dieser ist in den landwirt¬ 
schaftlichen Berufen beschäftigt; im Alter von 18 Jahren nimmt die 
Landfluchtzu. Suck weist objektiv an der Hand zahlreicher ans der 
Literatur gesammelter, sehr instruktiver Beispiele nach: die Schä¬ 
digungen der Gesundheit durch den Beruf, durch die Lebensführung, 
durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse, durch 
mangelhafte Ausbildung, vor allem die mangelhafte hauswirtschaftliche 
der Mädchen, durch Lockerung des Familienlebens, durch Vernach¬ 
lässigung der geistigen Fortbildung, durch Gefährdung der Sittlichkeit 
und durch privates und öffentliches Leben. 

Die Fürsorgetätigkeit für die schulentlassene Jugend hat sich zu 
äußern in der Unterstützung der Berufswahl und in den vorbereitenden 
Schritten dazu, wozu er auch die ärztliche Untersuchung für den Beruf 
rechnet. Die Fürsorge äußert sich ferner durch Vermittlung der Lehr- 
und Arbeitsstelle, in der Sorge für gute berufliche Ausbildung, in der 
Regelung der Einrichtungen für die Ausbildung Jugendlicher, in der 
Errichtung von Fachschulen, obligatorischer Fortbildungsschulen und 
der hauswirtschaftlichen Unterweisung der jungen Mädchen. Hier 
möchte ich einfügen, daß es mir als durchaus notwendig erscheint, daß 
den Lehrplänen solcher Schulen der hygienische Unterricht eingefngt 
wird. Die Hygiene paßt gerade in diese Zeit hinein, sie paßt auch in 
diese Schulen hinein. Hier ist meines Erachtens nach der Ort, von 
den so erheblichen Gefahren der Geschlechtskrankheiten offen zu 
sprechen, da ja hier das Verständnis dafür vorhanden ist. Hier 
kann in der Tat fruchtbringende Belehrung und Aufklärung ge¬ 
schaffen werden. Denn der wirksamste Schutz und die Beauf¬ 
sichtigung der schulentlassenen Jugend besteht darin, die Gefährdung 
ihrer Gesundheit durch die Geschlechtskrankheiten zu verhüten. Dies 
legt Suck eingehend klar und schildert hierbei die hygienischen 
Schutzmaßregeln für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen. Er 
schildert schließlich die Tätigkeit der Jugend vereine, die Fürsorge 


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VIL Soziale Hygiene der Kinder nnd jugendlichen Personen. 243 

für die Waisen, für die körperlich und geistig Defekten, Stotterer, 
Taubstummen, Blinden, Unfallkrüppel, Schwachsinnigen und Idioten 
und last not least für die umherwandernden Schulentlassenen, die 
Rekruten der Vagabunden und Bettler, sowie endlich die Fürsorge für 
diejenigen Jugendlichen, die der Ausnutzung und Mißhandlung unter¬ 
worfen sind, sowie der Gefährdeten und Verwahrlosten und der 
jugendlichen Verbrecher. Wer sich auf dem genannten Gebiet Rat 
erholen will, dem kann das gründliche Werk von Hans Suck aus¬ 
giebig zur Seite stehen. Die Fürsorge für die Jugend ist reich an 
Aussicht für eine bessere Zukunft; der Arbeitgeber, der sich diese 
Fürsorge angelegen sein läßt, knüpft ein festes Band — das Band 
der väterlichen Fürsorge. Mit der Fürsorge für die Jugend läßt sich 
sicher ein wichtiger Teil der sozialen Frage lösen. 

O. Neumann. 


Engel f C. 8., Zur Beschaffung von billiger Säuglingsmilch in den 

Städten Preußens. Zeitschrift für Fleisch- und Milchhygiene. 

1904. Nr. 12. 

Verfasser vertritt den Standpunkt, daß eine der wesentlichsten 
Ursachen für die hohe Säuglingssterblichkeit in den Städten Deutsch¬ 
lands in der schlechten Milch zu suchen ist, welche den meisten 
Kindern der ärmeren Stadtbevölkerung als alleinige Nahrung gegeben 
wird. Die eingehendsten Belehrungen der Mütter über die Pflege der 
Milch und des Säuglings sind wirkungslos, wenn die Milch den Müttern 
bereits in verdorbenem Zustande geliefert wird. Deshalb ist mit 
nichtssagenden Ermahnungen, die Mütter sollen gute Milch kaufen, 
gar nichts erreicht. Es ist dafür zu sorgen, daß einwandfreie, billige 
Milch in allen Städten ohne besondere Bemühung der Mütter zu 
kaufen ist. Da ein sehr großer Teil der die Milch verderbenden 
Ursachen bereits im Stall in die Milch hineingelangt, wird Landmilch, 
— in der Stadt als Keller- und Ladenmilch verkauft — deren Her¬ 
stellungsart sowie Behandlung während des Transportes von der Stadt 
aus nicht lückenlos kontrolliert werden kann, im allgemeinen von der 
Ernährung für Säuglinge ausgeschlossen. Entsprechend der Her¬ 
stellungsart der teureren Sanitätsmolkereimilch wird die Milch aus 
städtischen Kuhställen für ärmere Säuglinge empfohlen. Wenn auch 
die lokalen Verhältnisse in der Stadt der Milchhygiene nicht günstig 
sind, so kann doch durch häufige und sorgfältige Überwachung der 
Milchgewinnung im Stall durch Fachleute, sowie durch schnelle Ab¬ 
kühlung der sauber gewonnenen und sofort gut filtrierten Milch eine 
vom hygienischen Standpunkt einwandfreie, billige Milch — auch 
ohne Trockenfutter — gewonnen werden, die selbst in der Sommer¬ 
hitze anstandslos gegeben werden kann. 

16 * 


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244 


D. Referate. 


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Verfasser, auf dessen Veranlassung diese prophylaktische Art der 
Milchbeschaffung in Berlin seit einem Jahre durchgefiihrt wird, zeigt 
in längeren Tabellen, in denen die Städte Preußens nach Großstädten, 
Mittel- und Kleinstädten geordnet sind, daß diese Einrichtung der 
Beschaffung billiger Säuglingsmilch aus städtischen Molkereien auch 
in anderen preußischen Städten möglich ist. Aus der Zusammen¬ 
stellung der Säuglingssterbeziffern mit der Anzahl der in den Städten 
gehaltenen Kühe ergibt sich, daß in den meisten Städten eine ge¬ 
nügende Anzahl Kühe vorhanden ist, um die vorhandenen Säuglinge 
mit Milch aus kontrollierten Kuhhaltungen zu ernähren. 

Autoreferat. 


Wesener, F., Über Säuglingssterblichkeit und Säuglingsfürsorge mit 
besonderer Berücksichtigung Aachens. Nach einem am 6. Fe¬ 
bruar 1904 in der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu 
Aachen gehaltenen Vortrage. Aachen. Barth’sche Buch¬ 
handlung. 40 S. (0,60 M.) 

Nach der amtlichen Mortalitätsstatistik hatte Aachen in dem Jahr¬ 
zehnt 1881/91 unter allen rheinischen Großstädten die größte Säuglings¬ 
sterblichkeit. In den Mortalitätsverhältnissen überhaupt und besonders 
auch in denen der Neugeborenen zeigten sich in den einzelnen Städten 
merkwürdige Verschiedenheiten. So hatten in den Jahrzehnten 1883/93 
und 1893/1903 eine Gesamtmortalität: Cöln 25—26 resp. 22—24 pro 
Mille, Aachen 25—28 resp. 20—22 pro Mille und selbst die Garten¬ 
stadt Düsseldorf 22—25 resp. 19—22 pro Mille; dagegen hatten die 
Fabrikstädte Elberfeld-Barmen nur 19—23 resp. 16—18 pro Mille, 
Krefeld noch weniger und nicht viel höher standen auch die Fabrik¬ 
städte Dortmund, Essen, Duisburg. Ähnlich war es bei der Säuglings¬ 
sterblichkeit in den genannten Jahrzehnten. Cöln hatte 261 resp. 242 
pro Mille, Aachen 273 resp. 227 pro Mille, aber unter großen Schwan¬ 
kungen von 202—333 pro Mille, Düsseldorf 239 resp. 199 pro Mille: 
Elberfeld dagegen in beiden Jahrzehnten zwischen 165 und 170 pro 
Mille, Dortmund und Essen etwa 180—190 pro Mille, Krefeld, Duis¬ 
burg 190—222 pro Mille. — Verfasser forscht nun nach den Ursachen 
der trotz eines gewissen Rückganges im letztgenannten Jahrzehnt im 
Vergleich zu anderen Ländern immer noch außerordentlich hohen 
Säuglingssterblichkeit in Deutschland und speziell in Aachen. Beispiels¬ 
weise betrug die Säuglingsmortalität im Jahrzehnt 1884/93 in Nor¬ 
wegen, Schweden, Irland nur etwa 100 pro Mille, Dänemark, England, 
Belgien, Schweiz, Frankreich zwischen 130—160 pro Mille; Italien 
190 pro Mille gegen 210 pro Mille in Preußen, 260—280 pro Mille in 


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VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


245 


Württemberg, Bayern, Sachsen. Nur Österreich und Rußland standen mit 
250— 270 pro Mille etwas ungünstiger. Von Einfluß auf die Säuglings¬ 
sterblichkeit sind nach Verfasser unter anderem besonders die Ge¬ 
burtenzahl, mit der auch die Sterblichkeit steigt und fällt, dann die 
Ernährungs- und mehr vielleicht noch die Wohnungsverhältnisse, 
weiter mangelnde Pflege durch Fabrikarbeit der Mutter und künst¬ 
liche Ernährung. Als Mittel zur Herabsetzung der Säuglingssterb¬ 
lichkeit schlägt Verfasser folgendes vor: zunächst müssen wir uns 
noch mehr als bisher über die Ursachen orientieren. Direkte Mittel 
bilden: Fürsorge für die Schwangeren, besonders durch Beschränkung 
der Fabrikarbeit, Wöchnerinnenfursorge, Begünstigung und Ermög¬ 
lichung des Selbststillens, Hebung der sozialen Lage der Arbeiter und 
vor allem Schaffung gesunder Wohnungen für die Minderbemittelten, 
Verbesserung der Säuglingspflege im Hause und Beaufsichtigung der 
Haltekinder, Beschaffung guter und billiger Kindermilch und Kon¬ 
trolle derselben, endlich Säuglings- und Wöchnerinnenheime. 

Die beachtenswerten Vorschläge des Verfassers zeigen, daß es 
auf dem Gebiete bei uns noch sehr viel zu verbessern gibt 

p. HüU. 


Vierordt, O., Die Säuglingsabteilung, Säuglingsambulanz und Milch- 
kiiche der Luisenheilanstalt (Kinderklinik) zu Heidelberg. Eine 
Denkschrift zur Frage der Forschung, des Unterrichts und 
der Fürsorge im Gebiet des Säuglingsalters. Stuttgart. E. 
H. Moritz. 48 S. (2,50 M.) 

Das Hauptmittel im Kampfe gegen die große Säuglingssterblich¬ 
keit bildet die Förderung des Selbststillens der Mütter, für welche 
besonders auch die Säuglingsheime, Krippen und ähnliche Anstalten 
einzutreten haben. Da aber damit von heute auf morgen nicht viel 
zu erreichen ist, kommt als zweites wirksames Mittel die Hebung 
der künstlichen Ernährung in Betracht. Beiden Zwecken soll auch 
die vom Verfasser mit Beihilfe anderer Sachkundiger eingerichtete, 
unter dem Protektorat der Großherzogin von Baden stehende Anstalt 
in Heidelberg dienen. Sie besitzt eine nach dem Muster der Pariser 
gonttes de lait eingerichtete Milchküche, welche aus einem be¬ 
sonderen Kuhstall von ausgewählten, unter ständiger tierärztlicher 
Kontrolle — trocken — gefütterten und gepflegten Kühen eine sauber 
abgemolkene und dann sofort einer Tiefkühlung unterworfene Milch 
bezieht. Diese wird sofort in Flaschen gefüllt und als Kindermilch 
verkauft, an Arme zu ermäßigten Preisen. Die Milchküche selbst 
entspricht natürlich auch allen hygienischen Anforderungen und ist 
mit den modernsten Apparaten zur Behandlung der Milch ausgestattet. 


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246 


D. Referate. 


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Der Begehr nach dieser Milch steigerte sich in den 2 Jahren seit 
Bestehen der Anstalt so stark, daß jetzt schon pro Monat 20000 
Flaschen verabfolgt wurden. Die Bestrebungen des Verfassers zur 
Hebung der Kinderernährung verdienen jedenfalls Anerkennung und 
das durch zahlreiche Abbildungen illustrierte Schriftchen kann Ärzten 
und Sozialpolitikern nur empfohlen werden. 

P. HiU». 


Encyklopüdisches Handbuch der Schulhygiene. Unter Mit¬ 
wirkung von F. W. Büsing und H, Krollick und zahl- 
. reichen Ärzten und Schulmännern des In- und Auslandes 
herausgegeben von R. Wehm er. (In 2 Abteilungen.) 2. Ab¬ 
teilung. VIII und S. 401—1055. 305 Abbildungen. Leipzig und 
Wien. A. Pichler’s Witwe & Sohn. (15,00 M.) 

Nachdem nun auch der zweite Teil der Wehmer’schen Ency- 
klopädie der Schulhygiene, deren erster Teil im vorigen Jahre hier 
besprochen wurde, erschienen ist, liegt jetzt das ganze umfangreiche 
Werk vollständig vor und zwar zu einem, mit Rücksicht auf den 
überaus reichhaltigen Inhalt und die große Zahl gediegener Ab¬ 
bildungen mäßigen Preise. Der zweite, größere Teil umfaßt in den 
Seiten 401—1056 die Buchstaben N bis Z. Von den unter diese 
Buchstaben fallenden Artikeln seien zunächst hervorgehoben eine 
weitere größere Anzahl der interessanten schulgeographischen Artikel, 
welche mit den Schuleinrichtungen auch den ganzen Kulturzustand 
der betr. Staaten widerspiegeln. Alle sind von hervorragenden 
Fachmännern aus den betr. Staaten selbst geschrieben und führen 
uns nicht nur die derzeitige Organisation des Schulwesens, Gesetze. 
Gebäude und Einrichtungen, Hygiene und körperliche Erziehung, 
veranschaulicht durch zahlreiche Abbildungen und Statistiken, vor. 
sondern auch die nach den politischen und örtlichen Verhältnissen 
erfolgte geschichtliche Entwicklung dieser Einrichtungen. Ganz zu 
unterst steht da, wenn man nicht die Buchstabenreihenfolge beibehält, 
sondern von den noch am meisten rückständigen zu den fortgeschrit¬ 
teneren Ländern weiterschreitet, Rußland, wo, abgesehen von den 
westlichen, fremdsprachlichen Provinzen und einer Anzahl größerer 
Städte, das ganze Schulwesen, besonders das niedere, sich noch 
auf der Stufe befindet, die auch seinen ganzen übrigen staatlichen 
Einrichtungen entspricht, Millionen noch ganz ohne Schulbildung 
bleiben und von einer Schulhygiene kaum die Rede sein kann. Auch 
noch vielgestaltig und verworren, oft ein Gemisch von staatlichen 
und privaten Veranstaltungen, sind die Schulverhältnisse in Nord¬ 
amerika mit bevorzugter praktischer und fachlicher Bildung, wo aber, 
dem Volkscharakter entsprechend, Gesundheitspflege und Körperbildung 


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VH. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 247 

fast überall volle Berücksichtigung erfahren. Es folgten dann u. a. 
eine Anzahl deutscher Einzelstaaten, deren Schuleinrichtungen indes 
ebenso wie die von Österreich-Ungarn sich nicht zu sehr von den 
bekannten Einrichtungen des — ebenfalls vorgeführten — Preußen 
unterscheiden, nur daß sie von dem Übermaß von geistigem Drill 
meist weniger und von Hygiene und Körperpflege etwas mehr haben. 
An der Spitze kämen dann Norwegen, Schweden und die Schweiz, 
wo trotz der schwierigen Verhältnisse in großen Bezirken nicht nur 
das ganze niedere und höhere Schulwesen in hoher Blüte steht, 
sondern auch der Hygiene, der Körperkräftigung und der Aus¬ 
bildung der körperlichen Anlagen und Fähigkeiten ein wichtiger, 
wenn auch selbst dort vielleicht — von Schweden abgesehen — noch 
nicht ganz der ihrer Wichtigkeit entsprechende Platz eingeräumt 
wird. Jedenfalls wären sehr viele Einrichtungen in diesen Staaten 
der preußischen Schulbureaukratie, die alles Heil in möglichst reich¬ 
lichem Einfüttern von Lernstoff zu erblicken scheint, als Muster zur 
Nachahmung dringend zu empfehlen. Man sieht die abgebildeten 
prächtigen Schulhäuser mitten in Gärten, in guter Luft und fernab 
von Straßenlärm und Straßenstaub. Die hochentwickelte und gepflegte 
Gymnastik ist vorbildlich für andere Länder geworden; Spiel-, Hand- 
fertigkeits-, Haushalts-, Kochunterricht, selbst Musik, Gärtnerei ge¬ 
hören in Schweden neben einem sehr durchgebildeten Hygieneunter¬ 
richt überall und mehr oder weniger auch in den anderen genannten 
Staaten zum regelmäßigen Schulunterricht. Die Andeutungen mögen 
genügen, um sich von dem Inhalt des bedeutsamen Werkes ein Bild 
zu machen. Die Bearbeitung der einzelnen Gegenstände mußte bei 
der großen Zahl derselben natürlich möglichst kurz gehalten werden; 
aber die Schilderung ist klar und für die Zwecke des Buches hin¬ 
reichend vollständig. Das Buch bietet zum Studium und zum Nach¬ 
schlagen dem Schulmann, Schulverwaltungen, Ärzten, Technikern auf 
dem ganzen Gebiete der Schulhygiene und was damit in näherer oder 
fernerer Verbindung steht, das, was er braucht und dem derzeitigen 
Stand der Schulhygiene entspricht. 

JP. Hüls. 

Schulen und Schulgesundheitspflege in Nürnberg. Fest¬ 
schrift, dem ersten internationalen Kongreß für Schulhygiene 
in Nürnberg vom 4.—9. April 1904 gewidmet vom Ortsaus¬ 
schuß. Nürnberg. J. L. Schräg. V und 187 S. mit Ab¬ 
bildungen. (6,00 M.) 

„Was wir mit unserer Festgabe bieten“, gibt Goldschmidt 
im Vorwort als Zweck der in Prachteinband vorliegenden Festschrift 
an, „ist ein Versuch, die Entwicklung des Schulwesens und der Schul¬ 
gesundheitspflege einer aufstrebenden Stadt darzustellen.“ 


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248 


D, Referate. 


Der erste Teil derselben enthält in 4 Abschnitten eine Beschreibung 
der verschiedenen Schularten mit ihrer Entwicklung, und zwar A. der 
städtischen, B. der staatlichen, C. Privat- und D. Fabrikschulen. Ein 
zweiter Teil schildert, wieder in 4 Abschnitten, die Maßnahmen zur 
Schulgesundheitspflege 1. beim Unterricht, 2. beim Schulbau, 3. körper¬ 
liche Erziehung, 4. Tätigkeit der Schulärzte und der Kommission für 
Schulgesundheitspflege. 

Als eine Art Einleitung beschreibt Stadtschulrat Glaunig zu¬ 
erst die geschichtliche Entwicklung des Volksschulwesens der alten 
Reichsstadt von Jobst Kapfer, dem zuerst erwähnten Schreib- und 
Rechenmeister, dem 1409 der Rat die Konzession zur Eröffnung einer 
Schule erteilte, durch alle die Wandlungen in Einrichtung, Lehrplänen, 
Aufsicht in den folgenden Jahrhunderten hindurch bis zur modernen 
Schule der Jetztzeit 

Im zweiten Abschnitt über Schulbau-Hygiene von Oberbaurat 
Carl Weber werden uns u. a. eine ganze Anzahl der neueren Schul¬ 
paläste von Nürnberg vorgeführt, alles Prachtbauten in dem an¬ 
heimelnden Nürnberger Stil Als besondere Vorzüge sind hervorzuheben 
die unmittelbare Verbindung der Turnhallen und der Bedürfnisanstalten, 
die dazu in allen Geschossen doppelt angebracht sind, mit dem Haupt¬ 
gebäude, die in mehreren Schulen bestehenden Schulküchen u. a. Sie 
entsprechen sonst natürlich auch modernen hygienischen Anforderungen 
in bezug auf Raum, Licht, Luft usw.; nur sind es leider Schulpaläste 
mit all den Übelständen, die das Zusammendrängen von 1500 und 
mehr Menschen in einem Gebäude mit sich bringt: weite Schulwege, 
Luftverschlechterung, Gedränge in Gängen, Treppen; die Pausen 
werden halb durch Treppensteigen absorbiert. Zu monieren ist die 
Verlegung der Klassen nach belebten Straßen wegen des Straßen¬ 
lärms und Straßenstaubes, die mangelnde Orientierung der Gebäude 
nach der besten Himmelsrichtung; die Schulhöfe sind meist zu klein, 
Schulgärten müßte man bei jeder neuen Stadtschule erwarten, und 
so wäre noch manches andere zu wünschen, ebenso wie in den meisten 
anderen Großstädten auch. 

Spiel- und Körperübung, worüber Turnlehrer Paul Häublein 
im folgenden Kapitel schreibt, scheint in Nürnberg, wie von jeher, 
so auch jetzt noch eine besondere Stätte zu finden: 41 Turnvereine, 
die in 29 Turnhallen auch Zöglings-, Frauen- und Kinderturnen 
pflegen, und 9 große städtische Spielplätze mit je 2 angestellten Spiel¬ 
lehrern sprechen wohl allein schon dafür. Auch Rudern, Schwimmen, 
Eislauf, letzterer für unbemittelte Kinder unentgeltlich, wird getrieben. 

Der schon früh eingerichtete schulärztliche Dienst in Nürnberg 
entspricht im allgemeinen, wie ja in den meisten Städten, dem 
in Wiesbaden. Für die 33000 Schulkinder hat man 15 Schulärzte. 
Weiter besteht in Nürnberg noch eine aus Schulmännern, Ärzten, 


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VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


249 


Technikern und Mitgliedern der städtischen Kollegien zusammen¬ 
gesetzte Kommission für Schulgesundheitspflege, welche schulhygienische 
Fragen bespricht und Anträge bei den Behörden stellt. Wenn nach 
dem Vorstehenden auch in Nürnberg in der Schulhygiene, besonders 
im Schulhausbau, noch Wünsche bleiben, so darf die Stadt doch un¬ 
bedenklich zu den darin am meisten fortgeschrittenen Städten Deutsch¬ 
lands gezählt werden. 

P. Hüls. 


Loy, W. A,, Unser Schuluntersicht im Lichte der Hygiene. Ein Mahn¬ 
ruf des ersten internationalen Kongresses für Schulhygiene 
zur Errichtung pädagogischer Lehrstühle und pädologischer 
Laboratorien. 32 S. Wiesbaden. 0. Nemnich. (0,60 M.) 

Das Schriftchen bildet eine erweiterte Wiedergabe eines vom 
Verfasser auf dem ersten internationalen Kongreß für Schulhygiene 
in Nürnberg im April 1904 gehaltenen Vortrages. Verfasser fordert 
auch für die Schulhygiene eine exakte, experimentelle Forschungs¬ 
methode durch experimentell didaktische Untersuchungen und Er¬ 
müdungsmessungen für die verschiedenen Unterrichtsfächer und unter 
den verschiedenartigen Verhältnissen, Untersuchungen über Auffassung 
von Raumformen, Gedächtnistypen, Schwankungen in der Energie, 
sodann genaue Statistiken über Vorkommen, Zu- und Abnahme der 
wichtigeren Erkrankungsformen bei den verschiedenen Schülerarten, 
um danach hygienische Regeln festzustellen. — Die bisherigen Unter¬ 
suchungen haben schon die Tatsache sicher erwiesen, daß unsere 
Schulen die Körperentwicklung stören und die Gesund¬ 
heit schädigen. Exakte Untersuchungen z. B. von Axel Key 
in Schweden, Schmid-Monnard in Halle über Zunahme der Schul¬ 
krankheiten mit den höheren Klassen, insbesondere von Nervosität, 
Schlaflosigkeit, des Stotterns, der Kurzsichtigkeit u. a. haben ferner 
ergeben, daß weniger die äußeren Einrichtungen, als der Schul¬ 
betrieb (Lehrpläne, Lehrziele, Lehrverfahren) für diese Schädigungen 
verantwortlich sind, daß also die Unterrichtsart widernatür¬ 
lich ist. Die Unnatur liegt nach Verfasser vorwiegend 1. in der 
Vernachlässigung der körperlichen Betätigung und der 
aktiven geistigen Betätigung infolge Übermaßes des 
Lernstoffes. Unsere Schule ist fast ausschließlich Lernschule; 2. in 
dem Übermaß des fremdsprachlichen Unterrichts; 3. in 
dem Übermaß von Prüfungen, Klassenarbeiten, Zensuren, 
welche bei dem Schüler ständige Unlust und Furcht, statt Freude 
und Aktivität erwecken; 4. Nichtberücksichtigung der Indivi¬ 
dualität der Schüler infolge ungenügender pädagogischer Vor¬ 
bildung der Lehrpersonen. — Verfasser fordert ein einheitliches Schul- 


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D. Referate. 


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System, etwa mit folgender Gliederung: 1. Elementarschule vom 6.—12. 
oder 14. Jahre; 2. Mittelschule vom 12.—14. oder 16. mit modernen und 
eventuell auch alten Sprachen; 3. die höhere Schule bis zum 19. Lebens¬ 
jahre, die vom 16. Lebensjahre an freie Wahl unter bestimmten Kom¬ 
binationen von Lehrfächern stellt. — Eine naturgemäße, hygienische 
Gestaltung des Unterrichts läßt sich nach Verfasser nur erzielen 
durch Errichtung von Lehrstühlen der Pädagogik mit pädagogischen 
und pädologischen Laboratorien an den Hochschulen; ferner Seminar¬ 
übungsschulen in genügender Zahl, wie sie im Auslande zum Teil 
schon bestehen: dort sollen die Seminarlehrer, Rektoren und Schul¬ 
inspektoren, welche die Vor- und Weiterbildung der Volksschullehrer 
leiten, eine eingehende theoretische und praktische, auf exakte experi¬ 
mentelle Forschung gegründete Ausbildung erhalten. Ein dahin gehen¬ 
der Antrag des Verfassers wurde vom Kongreß angenommen. 

P. Hüls. 


Samosch, Über die Notwendigkeit der Anstellung von Schulärzten an 
höheren Schulen . Vortrag, gehalten in der hygienischen Sektion 
der Schlesischen Gesellschaft am 17. Juni 1903. Sonderabdruck 
aus „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“. Band XVI. Heft 
9—11. 36 S. Hamburg und Leipzig. L. Voß. (0,50 M.) 

Schon Lorinser und Froriep forderten anfangs des vorigen 
Jahrhunderts Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit in den Schulen, 
einschließlich der höheren. Inzwischen ist nun die Schulhygiene zu 
einer besonderen Wissenschaft ausgewachsen und die Notwendigkeit 
der Anstellung von Schulärzten in den Volksschulen wird von niemand 
mehr bestritten. Dagegen sind, im Gegensatz zu einigen ausländischen 
Staaten, in Deutschland Schulärzte an höheren Schulen nur in Sachsen- 
Meiningen angestellt. Verfasser hält nun, in Übereinstimmung mit 
vielen Vertretern der Schulhygiene, wie z. B. Schiller, Herrn. 
Cohn, Griesbach, den Pädagogen Wetekamp und Roller, 
auch für Gymnasien und Realschulen Schulärzte für notwendig und 
führt dafür verschiedene Gründe an, u. a. die zahlreichen Gesund¬ 
heitsstörungen an diesen Schulen, wie sie durch exakte Untersuchungen 
festgestellt sind, welche eine besondere Behandlung der damit Be- 
hafteteu in der Schule und zu Hause erfordern. Auch eine Über¬ 
wachung der gesundheitlichen Verhältnisse der Schulräume und Ein¬ 
richtungen, Untersuchung der Neuaufgenommenen, falls nicht ein Be¬ 
richt des Hausarztes über die Gesundheitsverhältnisse vorliegt, wären 
nicht minder wichtig als in den Volksschulen. Nur die Hygiene des 
Unterrichtes will Verfasser ausschließlich der Zentral-Unterrichts- 
verwaltung Vorbehalten. Zugegeben, daß dieser weitaus wichtigste, 
aber auch schwierigste Teil der ganzen Schulhygiene nur von der 


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VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


251 


Zentral Verwaltung geregelt werden kann. Um so notwendiger wäre 
aber bei dieser die Mitwirkung von im Schulwesen und in der Schul¬ 
hygiene besonders erfahrener Ärzte und ebenso erfahrener praktischer 
Schulmänner, um das ganze gegenwärtige, Körper und Geist schädigende 
Unterrichtssystem den Anforderungen von Vernunft und Hygiene gemäß 
umzugestalten. 

Immerhin ist dem Verfasser zuzugeben, daß auch ohnedies an 
den Gymnasien und Realschulen nicht viel weniger als an den Volks¬ 
schulen hygienische Mißstände genug vorhanden sind, um die Wirksam¬ 
keit eines Arztes im Interesse der Schule und der Schüler wünschens¬ 
wert zu machen. 

P. Hüls. 


Griesbach, H., Der Stand der Schulhygiene in Deutschland. Vortrag, 
gehalten am 25. September 1903 in der zweiten allgemeinen 
Sitzung der 75. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Ärzte in Cassel. 59 S. Leipzig. F. C. W. Vogel. (1,50 M.) 

Der bekannte Verfasser gibt hier auf Grund eines großen stati¬ 
stischen Materials eine Übersicht über den derzeitigen Stand der 
Schulhygiene in Deutschland. Der erste Teil berichtet über die 
schulärztliche Einrichtung, welche von den 26 deutschen Bundesstaaten 
13, darunter Preußen allein in 153 Städten besitzen, sowie über die 
Ergebnisse der schulärztlichen Untersuchungen der Schulgebäude mit 
Einrichtung und der Schulkinder. Griesbach befürwortet lebhaft 
die schulärztliche Einrichtung und schließt daran die treffende Be¬ 
merkung: „Wie wird es nun aber an den Gymnasien, Realschulen und 
höheren Töchterschulen sein? Dort wird am meisten gegen die Ge¬ 
sundheit gesündigt: Überarbeitung durch Unterricht und Hausaufgabe, 
das Auge überangestrengt; Zeit zum Ausruhen und Erholen gibt es 
überhaupt nicht, die Gebäude oft mangelhaft, schlecht beleuchtet. 
Genauere Untersuchungen haben ergeben, daß der Prozentsatz der 
Erkrankungen an Gymnasien, als da sind: Blutarmut, Nervosität, 
steigende Kurzsichtigkeit bis 50 und mehr Proz. durch die übermäßige 
Nahearbeit u. a., den der Volksschulen ums zehnfache übertrifft, wenn¬ 
gleich der krankhafte Zustand oft durch die gute Ernährung ver¬ 
deckt wird.“ 

Griesbach fordert daher Schulärzte auch für die höheren Schulen, 
vor allem aber gründliche Umgestaltung des höheren Unterrichts nach 
dem Muster vou Frankreich unter besonderer Berücksichtigung der 
so notwendigen Körperpflege. Den kritisch behandelten Lehrplänen 
an den verschiedenartigen höheren Schulen in Deutschland stellt er 
solche aus Frankreich zum Vergleich gegenüber. Angehängt sind zwei 
sehr ausführliche Fragebogen, der eine für höhere, der zweite für 


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D. Referate. 


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Mittel- und Volksschulen mit 50 resp. 37 einzelnen Fragen in betreff 
der Schulgebäude und Nebengebäude mit Einrichtung, Anstrich, 
Reinigung, Ventilation, schulärztliche Einrichtung, Frequenz, Stunden¬ 
pläne u. a. und über eventuelle Änderungs- und Verbesserungsvor¬ 
schläge im Schulbetrieb, Lehrplan usw. behufs Aufstellung einer ge¬ 
nauen Statistik. Ein zweiter Anhang enthält ein alphabetisch ge¬ 
ordnetes Verzeichnis sämtlicher Städte mit Schulärzten und den Namen 
derselben. 

Es war also eine mühsame Arbeit, für welche dem verdienten 
Verfasser der Dank der Schulbehörden, Lehrpersonen und Ärzte ge¬ 
bührt, welche sich aus derselben über den derzeitigen Stand der 
Schulhygiene leicht orientieren können. 

P. Hills. 


Beitrüge zur Schulstatistik in Charlottenburg. Charlotten¬ 
burger Statistik. 16. Heft. Herausgegeben vom Statistischen 
Amt der Stadt. Charlottenburg. Kommissionsverlag von Carl 
Ulrich & Co. 59 S. (1,00 M.) 

Charlottenburg gilt als die reichste und eine der fortgeschrittensten 
Gemeinden von Großberlin. Über sein Schulwesen und besonders auch 
dessen gesundheitliche Gestaltung etwas zu erfahren, dürfte daher nicht 
ohne Interesse sein, da darin wohl mit am besten der in einer Ge¬ 
meindeverwaltung herrschende Geist sich widerspiegelt. 

Die vorliegenden, von J. Rahts bearbeiteten Beiträge berichten 
im ersten Teil über die abgehenden Schulkinder für den Zeit¬ 
raum der letzten 5 Jahre, für Volks- und höhere Schulen getrennt. 
Daraus kann man sich ein Bild von der Entwicklung machen, 
welche auch daraus zu ermessen ist, daß in Charlottenburg von 1893 
bis 1903 die Bevölkerungszahl von etwa 110000 auf rund 230000, 
also um 110 Proz., die Schülerzahl bei den Volksschulen von 8500 
auf 19000, also um 21 Proz. wuchs. Die Verhältnisse des abgehenden 
Kindes (Ursache der Entlassung, Alter desselben, Beruf des Vaters, 
die Klasse, aus der das Kind abgeht, wie lange es in dieser Klasse 
und in der Schule zugebracht, bei erfüllter Schulpflicht auch die an¬ 
gegebene Berufswahl) wird durch Zählkarten für jedes Kind ermittelt. 
Über alle diese Dinge unterrichten die ersten statistischen Tabellen 
für jede Schule gesondert. — Von den nach beendigter Schulpflicht 
Entlassenen hatten bei einem 7klassigen Schulsystem das Lehrziel, 
die erste Klasse erreicht 1899: Knaben 44, Mädchen 51 Proz. und 
26 resp. 16 Proz. waren nur bis zur III., IV., V. Klasse gekommen. 
Dagegen erreichten 1903 die erste Klasse Knaben 62, Mädchen 61 Proz. 
und nur 14 resp. 10 Proz. blieben unter der U. Klasse. Trotz dieses 
Fortschrittes bleibt aber Charlottenburg hinter dem Durchschnitt der 


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VII. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


253 


Städte, ans denen überhaupt Statistiken vorliegen, noch etwas zurück. 
In Stuttgart erreichten z. B. 93, Frankfurt a. M. 82 Proz. die erste 
Klasse, dagegen in Posen nur 27, Potsdam 30 Proz. 

Die entsprechenden Verhältnisse bei den höheren Schulen (Gym¬ 
nasien, Reformgymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule, 3 Töchter¬ 
schulen) interessieren hier wegen ihrer ganz verschiedenen Bedeutung 
nicht weiter. Auch die Angaben über die Berufswahl beim Abgänge 
dürfte nicht von zu großem Werte sein. Bevorzugt war dabei der 
Beruf des Vaters. Im übrigen wurden genannt von den Knaben: 
Handwerk, besonders aus der Metallindustrie, von %. Andere wollten 
Kaufleute, Lehrer, Schreiber, Köche, Kutscher, Arbeiter werden. Die 
Mädchen wollten zur Hälfte in die Haushaltung der Eltern, zu V 4 
Dienstmädchen, andere Schneiderin werden, die Fortbildungsschule 
besuchen, in einen kaufmännischen Beruf eintreten. Aus den höheren 
Schulen bevorzugten die Realschüler technische oder kaufmännische 
Fächer, die Gymnasiasten die Beamtenlaufbahn und ähnliches. Von 
den höheren Töchtern wollte 1 / 4 in einem Seminar, Handelsschule, 
Gymnasium weiter, andere Musik, Kunst studieren. 

Die Kosten des Städtischen Schulwesens betrugen 30 Proz. der 
Gesamtausgaben, wovon die Gemeindeschulen pro Schüler 95, höhere 
Knabenschulen 160, Mädchenschulen 95 Mark beanspruchten. Die 
Klassenfrequenz sank von 74 im Jahre 1885 allmählich bis auf 44 
im Durchschnitt der letzten 5 Jahre. 

Man kann hiernach nur wünschen, daß Charlottenburg auf dem 
betretenem Wege immer weiter fortschreitet, denn bei allen Fort¬ 
schritten bleibt immer noch recht viel zu tun. 

P. Hüls. 


Fuchs , A. f Dispositionsschwankungen bei normalen und schwachsinnigen 
Kindern. Eine pädagogische Untersuchung. 62 S. 3 Tafeln. 
Beiträge zur pädagogischen Pathologie. Herausgegeben von 
A. Fuchs. Heft 5. Gütersloh. C. Bertelsmann. (1,20 M.) 

Fuchs bespricht die geistige Ermüdung, die anormalen Schwan¬ 
kungen, die individuellen Dispositionen, den Einfluß des voran gegangenen 
Sonntags auf den Schulmontag usw. bei Großstadt-, Kleinstadt- und 
Landkindern, bei Krankheiten usw. Von besonderem Interesse 
scheinen die Beobachtungen von Fuchs bei schwachsinnigen Kindern, 
für die er eine Energiekurve angibt. Er berücksichtigt, durch Bei¬ 
spiele gestützt, Aussehen, Benehmen, Verhalten, Sprache, Schrift, 
Denkfähigkeit und gibt hierzu Tabellen. Die Ergebnisse sind: 
charakteristische Abweichungen. Es stellt sich ein: Steigerung des 
Mangels an Selbstdisziplin, Willensschwäche. Als Veranlassung dazu 
gilt: Physisches Leid, psychisches Leid, Sorge um andere Personen, 


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D. Referate. 


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Einwirkung der Schule, des Elternhauses. Der sechste Abschnitt 
bringt Heilpädagogisches. An der Nervenerziehung soll sich meines 
Erachtens nach auch der Schularzt beteiligen. Körperpflege, Einfach¬ 
heit, Mäßigkeit, Reinlichkeit, Erziehung zur Nervenhygiene scheinen 
meines Erachtens die letzten Mittel zu sein, die Widerstandsfähigkeit 
zu heben. Deshalb gehört die Hygiene schon in den Schulunterricht, 
vor allem muß der Lehrer auch Hygieniker sein, dann sinkt anch 
die Disposition zu Erkrankungen. Denn nur im gesunden Körper 
wohnt der gesunde Geist. 

O. Xeumann. 


TJchel, A., Die Alkoholfrage vom pädagogischen Standpunkte aus. Leipzig. 

Dürr’sche Buchhandlung. 36 S. (0,60 M.) 

Verf. hat sich die Aufgabe gestellt, die Wege zu weisen, auf 
denen die Schule zur Erziehung der heran wachsenden Generation zur 
Enthaltsamkeit gelangen kann. Nach einer Darlegung der allgemein 
bekannten Tatsachen, die eine völlige Abstinenz des kindlichen Alters 
als zwingende Notwendigkeit hinstellen, geht er zur Schilderung der 
pädagogischen Mittel über, die im Rahmen des Unterrichts der Schul¬ 
jugend die Einsicht beibringen sollen, daß der Alkoholgenuß schädigend 
wirkt. Es ist anzustreben, daß die Schuljugend Kenntnis davon er¬ 
hält, daß der Alkohol weder Stärkungs-, noch Nahrungs-, noch Er¬ 
wärmungsmittel, sondern daß er ein Gift ist; sie ist ferner über die 
Schädigungen aufzuklären, die der Alkoholgenuß in gesundheitlicher, 
sittlicher, wirtschaftlicher und nationaler Hinsicht verursacht. Ver¬ 
fasser verkennt dabei nicht, daß manche der in Frage stehenden 
Themata weniger in der Volksschule, als in den höheren bzw. Fort¬ 
bildungsschulen abgehandelt werden können. Was Ort und Zeit des 
hierzu erforderlichen Unterrichts angeht, so spricht sich Verfasser 
gegen Einführung eines besonderen obligatorischen Unterrichts in 
der Alkoholfrage aus. In der Volksschule bieten Religionsunterricht, 
Naturkunde und Rechenunterricht hinreichend Gelegenheit, in der 
Fortbildungsschule Berufskunde, Einführung in die Anthropologie, 
Gewerbehygiene, in der höheren Schule insbesondere auch der Ge¬ 
schichtsunterricht. Von besonderer Bedeutung sind dahinzielende 
Unterweisungen in den Lehrerseminaren, denn das A und 0 der 
Alkoholfrage hängt für die Schule von der persönlichen Stellung¬ 
nahme des Lehrers ab. 

Von Wichtigkeit für den Erfolg der geplanten pädagogischen 
Maßnahmen ist die Bezugnahme auf gediegene wissenschaftliche 
Werke und gesicherte Tatsachen der Forschung, Fernhaltung von 
Übertreibungen und Anschaulichkeit der Darstellung unter Benutzung 
geeigneten Lesestoffes und sachlich gehaltener bildlicher sowie graphi- 


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VH. Soziale Hygiene der Kinder und jugendlichen Personen. 


255 


scher Darstellungen. Daneben sind alle Faktoren zur Unterstützung 
heranzuziehen, die geeignet sind, den Willen zu bilden und zu kräftigen, 
Turnen, Sport, Spiele, vor allen aber das Beispiel des Erziehers und 
Lehrers. Die Arbeit des Verfassers wird besonders von Pädagogen 
und Lehrern mit Vorteil gelesen werden. 

M. Bloch. 


Hueppe, F. f Über die Verhütung der Infektionskrankheiten in der Schule. 
Vortrag, gehalten am 7. April 1904 in der zweiten all¬ 
gemeinen Sitzung des ersten Internationalen Kongresses für 
Schulhygiene in Nürnberg. Berliner klinische Wochenschrift. 
XLI. Nr. 18—20. 

Vorschläge zur Reform der Schulhygiene gehen bis ins 18. Jahr¬ 
hundert zurück. Die Verhütung der Infektionskrankheiten konnte 
erst beginnen, als man deren Ursachen näher erkannte. Vom Begriff 
der Ansteckung hängt es ab, wie weit die in den verschiedenen 
Ländern sehr verschieden gesteckten Erlasse zur Bekämpfung der 
Infektionskrankheiten berechtigt sind. Man muß Schulkinderkrank¬ 
heiten und Schulhauskrankheiten unterscheiden. Die letzteren sind 
Cholera, Unterleibstyphus und Ruhr. Diese werden aber nur sehr 
selten in der Schule selbst erworben, wenn nämlich im Schulgebäude 
mangelhafte hygienische Einrichtungen sind oder sich daselbst an¬ 
steckende Personen befinden. Hier hat der Schulhygieniker, Amtsarzt 
oder Schularzt einzugreifen. Die Schulkinderkrankheiten sind Seuchen, 
bei denen durch die Häufung ansteckender Kinder in der Schule eine 
ganz besondere Gefahr entsteht, nämlich Diphtherie, Scharlach, Masern, 
Keuchhusten, Mumps, Windpocken, Röteln. Die Pocken können 
wegen des Impfschutzes außer Betracht bleiben. Diese Kinderseuchen 
unterliegen, wie Referent nachwies, einer Periodizität, die bei der Be¬ 
kämpfung in Betracht kommt. Sie verlaufen um so günstiger, je 
älter die Kinder sind, deshalb sollen auch die Masern isoliert werden, 
weil ihre Einschleppung von der Schule ins Haus die jüngsten wenig 
widerstandsfähigen Kinder gefährdet. Bei all diesen Krankheiten 
kommt es mit Unterschieden im einzelnen auf frühzeitige Erkennung 
und Isolierung an. Die derzeit geübte Desinfektion wird überschätzt, 
dagegen müßte der Kampf gegen den Staub gesteigert werden und 
nicht erst gereinigt werden, wenn Krankheiten auftreten. Die Tuber¬ 
kulose als Schulkrankheit bedarf in schweren Fällen, die freilich in 
der Kindheit selten sind, besonderer Beachtung durch die Anzeige. 
Sehr viel gefährlicher als das Kind ist der tuberkulöse Lehrer. Die 
Zulassung erkrankter Kinder zum Schulbesuch kann nicht allein davon 
abhängig gemacht werden, wie lange diese Kinder Kontagienträger 
sind. Im allgemeinen genügt die Einigung auf die bisher übliche 


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D. Referate. 


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Frist. Die Entscheidung, wie weit die gesunden Geschwister zurück¬ 
gehalten werden sollen, richtet sich nach dem Alter, die Fernhaltung 
ist für die höheren Schulklassen überflüssig. Nur bei Erkrankungen 
in Lehrer- und Schuldienerfamilien, wenn deren Wohnungen im Schul¬ 
gebäude sind, muß man rigoroser sein. Neben der Isolierung und 
dem Klassenschluß dürfen wir nicht vergessen, daß, wenn wir eine 
kräftige und gegen die Lebensgefahr der Seuchen widerstandsfähige 
Nation erziehen wollen, wir auch der körperlichen Ausbildung Rech¬ 
nung zu tragen haben. 

A. Gottstein, 


Lorentz, F., Das Gesetz betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben 
vom 30. März 1903. Winke für die Durchführung desselben 
unter Mitwirkung der Lehrer und Lehrerinnen. Nebst An¬ 
hang, enthaltend den Wortlaut des Gesetzes, Bekanntmachungen 
betr. Abänderungen, die erlassenen Ausführungsbestimmungen 
sowie eine orientierende Tabelle. — Zum Gebrauch für Ge¬ 
werbetreibende und Handwerker, Gemeindevorstände, Polizei¬ 
behörden, Schulinspektoren und Lehrer. 72 S. Langensalza. 
F. G. L. Greßler. (0,75 M.) 

Die Schrift bringt nach kurzer Einleitung über Zweck und Ent¬ 
stehung des Kinderschutzgesetzes einen ebenso kurz gehaltenen Kom¬ 
mentar zu den einzelnen Bestimmungen desselben, hauptsächlich in 
der Absicht, Lehrpersonen die Mitwirkung bei der Durchführung zu 
erleichtern. Eine Anzahl statistischer Zusammenstellungen geben 
Aufschluß über den Umfang der Kinderarbeit in den verschiedenen 
gewerblichen Betrieben und über den Einfluß dieser Tätigkeit auf 
die Leistungen in der Schule. Verfasser wünscht, daß seine Kollegen 
über alle gewerblich beschäftigten Kinder Listen führen, um der 
Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft erfolgreich entgegentreten 
zu können. 

Die Schrift mit den in der Überschrift angegebenen Anhängen, 
ferner einem Verzeichnis der Werkstätten, in denen Kinder über¬ 
haupt nicht und in denen eigene Kinder bis 31. Dezember 1905 be¬ 
schäftigt werden dürfen, und endlich einer Übersichtstabelle der ver¬ 
schiedenen Gewerbebetriebe mit zugefügten Angaben über erlaubte 
oder verbotene Beschäftigung eigener oder fremder Kinder bieten 
jedem Lehrer, Arzt oder Sozialpolitiker ein hinreichend vollständiges 
Material zur Beurteilung des Gesetzes und zu erfolgreicher Mitwirkung 
bei der Ausführung desselben. 

P. Hüls. 


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VIIL Öffentliche Gesundheitspflege. 


257 


VIIL 


Öffentliche Gesundheitspflege. 

Kirchner, M., Hygiene und Seuchenbekämpfung. Gesammelte Ab¬ 
handlungen. Berlin. R. Schötz. 658 S. mit 1 Tafel. (18,00 M.). 

Kirchner hat in dem vorliegenden über 600 Seiten starken 
Bande eine große Zahl von Arbeiten, Aufsätzen und Vorträgen ver¬ 
einigt, die er seit 16 Jahren auf dem Gebiete der öffentlichen Hygiene 
publiziert hat — ein stattliches Werk, das seinem Verfasser alle Ehre 
macht. Durch alle Arbeiten geht ein gemeinsamer Zug — das Be¬ 
streben, die Ergebnisse der theoretischen Forschung für die Erforder¬ 
nisse des täglichen Lebens praktisch zu verwerten. Das ist um so 
erklärlicher, als Verfasser in seiner Eigenschaft als einflußreicher 
Beamter vielfach Gelegenheit hat, mitratend und mitbestimmend bei 
den von der Regierung zu treffenden Maßnahmen zu wirken. Neben 
allgemeinhygienischen Abhandlungen, die sich zum großen Teil auf 
die Desinfektion, insbesondere auf die Trinkwasseruntersuchung und 
-reinigung beziehen, sowie neben einigen schulhygienischen Thematen 
sind es vorwiegend Fragen der Seuchenbekämpfung, mit denen sich 
der Verfasser befaßt hat: Cholera, Typhus, Pest, Tuberkulose, Lepra, 
Lyssa, Granulöse, Geschlechtskrankheiten, — auf allen Gebieten hat sich 
der Verfasser versucht und zum Teil eigene, außerordentlich fleißige 
Arbeiten publiziert. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen 
die Arbeiten über die Granulöse, an deren Bekämpfung Kirchner 
einen wesentlichen Anteil hat, ferner die Arbeiten über Sputum¬ 
desinfektion, Eheschließung und Anzeigepflicht bei Tuberkulose, Unter¬ 
suchung des Staubes auf Tuberkelbazillen, sowie eine sorgfältige Dar¬ 
stellung der „Lepra in Rußland, ein Reisebericht über eine im Aufträge 
der Regierung unternommene Reise in Rußland“. Wenn Kirchner 
hier auch keine eigene Forschungen über Lepra bringt, so hat er 
doch die russischen Einrichtungen sorgfältig beobachtet und versteht 
das Gesehene klar und anschaulich wiederzugeben. Auch auf die 
Lepra im Kreise Memel kommt Kirchner wiederholt zu sprechen, 
weiß aber vom Referenten weiter nichts zu berichten, als daß dieser 
darüber „einen Vortrag gehalten“ und „eine größere Druckschrift hat 
erscheinen lassen“. Eine solche Darstellung dürfte sich doch schwer¬ 
lich mit dem Ernst wissenschaftlicher Publizistik vertragen. 

A. Bluschlco. 

Weyl f Th. f Assanierung. Die Abwehr gemeingefährlicher Krankheiten. 
Sonderabdruck aus dem Handbuch der Hygiene, herausgegeben 

Jahresbericht Uber Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 17 


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258 


D. Referate. 


von Th. Weyl. IV. Supplementband: Soziale Hygiene. Mit 19 
Tafeln. Jena. G. Fischer. V und 80 S. (2,00 M.) 

Der erste Abschnitt behandelt die allgemeinen Maßnahmen zur 
Assanierung, d. h. Verbesserung hygienischer Zustände, also Wasser¬ 
versorgung, Reinhaltung der Luft, Beseitigung der Meteorwässer, der 
Fäkalien, der festen Abfälle, ferner die Straßenhygiene und das Be¬ 
erdigungswesen in kurzen Umrissen. Durch umfangreiche statistische 
Belege werden die Erfolge dieser seit einigen Dezennien durchgeführten 
Maßregeln an dem Absinken der Sterblichkeit insgesamt und für 
einzelne Lebensalter und besondere Krankheiten zumal in Berlin und 
München dargetan und zwar unter ausdrücklicher Betonung der 
statistischen Fehlerquellen. 

Der zweite Abschnitt des Werks behandelt die Abwehr gemein¬ 
gefährlicher Krankheiten. Verfasser schildert zunächst ganz knapp 
die allgemeinen Maßregeln, wie Beobachtung, Meldefrist, Absonderung, 
Desinfektion, Leichenwesen und Schutzimpfung. 

Darauf folgt eine Zusammenstellung der gegenwärtig bewährten 
Abwehrmaßregeln gegen Lungenschwindsucht, Pocken und Geschlechts¬ 
krankheiten mit umfangreichen statistischen Belegen, namentlich für 
die Wirkung der Pockenimpfung, und ausführlichen Literatur¬ 
angaben. 

A. Gottstein. 


Prausnitz, W., Grundzüge der Hygiene unter Berücksichtigung der 
Gesetzgebung des Deutschen Reiches und Österreich. Siebente er¬ 
weiterte und vermehrte Auflage. München. J. F. Lehmann. 
XV und 565 S. (8,00 M.) 

Die 6. Auflage des vorliegenden Werkes wurde im Band I dieses 
Jahresberichts ausführlich besprochen und hierbei hervorgehoben, daß 
ein Vorzug des Werkes das Eingehen auf gesetztliche Vorschriften in 
Deutschland und Österreich und die Berücksichtigung der Gewerbe¬ 
hygiene war. Das Erscheinen einer neuen Auflage nach so kurzer 
Frist beweist die Anerkennung, die das Werk gefunden. Die neue 
Auflage erweitert namentlich die Kapitel Infektionskrankheiten und 
Gewerbehygiene unter Berücksichtigung der seither gewonnenen Er¬ 
rungenschaften. 

A. Gott st ein. 


Marcu&e, J., Kleine Gesundheitslehrc. Hillger’s illustrierte Volks¬ 
bücher. 16. Band. Berlin. H. Hilger. 93 S. (0,30 M.) 


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259 


VIII. Öffentliche Gesundheitspflege. 

Neumann, O., Zur Gesundheit. Ärztliche Ratschläge zur Ver¬ 
hütung von Krankheiten. Bromberg. E. Hecht. (0,50 M.) 

Auf streng wissenschaftlicher Grundlage — darauf wird be¬ 
sonderer Wert gelegt, in lebhafter, volkstümlicher, interessanter Dar¬ 
stellung schildern die kleinen Hefte, deren Preis sich überaus niedrig 
stellt, die Hygiene in ihrer Nutzanwendung als praktische Wissen¬ 
schaft. 

Marcuse hat in zusammengedrängter Form Wohnung, Kleidung, 
Ernährung und Pflege der Sinnesorgane dargestellt, er bespricht 
weiterhin die Abhärtung, die Hautpflege, die Zahnpflege, den Sport 
und das Bade wesen in anschaulicher, leicht verständlicher Form. 

Referent hat geglaubt sich noch kürzer fassen zu müssen und 
hat die wichtigsten Regeln der Gesundheit in die Form von Merk¬ 
sprüchen gebracht. Er hat mit bewußter Absicht Begründung und 
langatmige Erklärungen vermieden, weil das kleine billige Heftchen 
darauf berechnet ist, auch dem Arbeiter in die Hand gegeben zu 
werden. In der Kürze liegt vielleicht sein Wert und seine praktische 
Gebrauchsfahigkeit. Das Buch umfaßt das ganze Gebiet der Hygiene, 
öffentliche und persönliche, die sieben goldenen Regeln der Gesundheit, 
die ansteckenden Krankheiten, die Krankheitsverhütung, die Kranken¬ 
pflege, Krankentransport, gesunde Ehen — alles in kurzen, knappen 
Sätzen und Merkregeln. 

O. Neumann 


Schnitze, E., Über Psychosen bei Militärgefangenen nebst Reform- 
vorschlägen. Eine klinische Studie. Jena. G. Fischer. 276 S. 
(6,00 M.) 

Die Frage der Militärpsychosen überhaupt ist in der letzten Zeit 
wiederholt von Stier, Ilberg und anderen bearbeitet worden. 
Schnitze bringt gleichfalls Reform Vorschläge, die beachtenswert 
sind und die er unter Darlegung von Krankengeschichten eingehend 
begründet. Sein Buch erscheint daher von besonderer Wichtigkeit 
für Militärärzte, Offiziere, Gerichtsbeamten. Ist die Beurteilung der 
Psychosen besonders die der „Grenzfälle“ an sich schon schwer, so 
gewinnt sie dort ganz besondere Schwierigkeiten, wo es sich um den 
Einfluß des militärischen Milieus handelt, der Gedanke der Simulation 
nicht von der Hand zu weisen ist und gerade das militärische Leben 
mit seinem Zwang, mit seiner eisernen Disziplin das seelische 
Gleichgewicht besonders der Minderwertigen erschüttert. Es ist im 
Referat nicht gut möglich, das Für und Wider der Ansichten, wie 
es Schnitze vorbringt, eingehend darzustellen, so daß ich mich 
lediglich auf eine Wiedergabe der Tatsachen und der gewünschten 

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260 


D. Referate. 


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Reformen beschränken muß. Auch ist ein Teil der Forderungen 
Schultze’s bereits erfüllt, so daß das eine mit Sicherheit gesagt 
werden kann, daß auf dem ganzen Gebiet der Militärpsychiatrie, 
wie sie ja auch früher von Schäfer, Dietz, Simon, Dums 
und anderen bearbeitet wurde, mehr getan worden ist als früher. 
Die Militärpsychiatrie steht ja im engen Zusammenhänge mit der 
Selbstmordstatistik der Armee, die zwar zahlenmäßig nicht höher 
ist als im bürgerlichen Leben, aber doch vom militärischen Milieu 
zweifellos beeinflußt wird. Truppenarzt und Truppenführer müssen 
hier Zusammenwirken und schwachgeistige Personen besonders be¬ 
obachten. 

Schultze hat sich nicht lediglich auf die Psychosen der Militär- 
gefangenen beschränkt, sondern das ganze Gebiet der Militärpsychiatrie 
mitbehandelt. 

So setzt er den sehr wichtigen allgemeinen Erfahrungssatz an 
die Spitze seiner Betrachtung: die Neigung der einzelnen, Simu¬ 
lation anzunehmen, nimmt mit den Jahren ab. Die Frage der Simu¬ 
lation wird daher eingehend behandelt. Schultze schildert das 
Mürrisch- bzw. Irresein, die Imbezillität, die Dementia praecox, die 
Epilepsie, die Hysterie, alkoholisches Irresein — alles durch Beispiele 
belegt. Die praktischen Folgerungen und Vorschläge Schultze’s 
sind folgende: die Zahl der Psychosen im Heer hat zugenommen, weil 
sie mehr als früher berücksichtigt werden. Die Zahl der Geistes¬ 
kranken in der Armee hat sich seit 1874 verdreifacht. Die geistige 
Störung muß rechtzeitig erkannt werden. Dazu sind psychiatrisch 
vorgebildete Militärärzte notwendig. Die Vorbildung geschieht, wie 
ich bemerke, auf der Kaiser Wilhelmsakademie seit nahezu 25 Jahren, 
die Studienpläne weisen dies nach. Es sollte unmöglich sein, sagt 
Schultze, daß einer eingestellt wird, der schon in einer Anstalt war. 
Wird dies der Heimatsbehörde, wie Schultze will, mitgeteilt, so 
kommt die Tatsache bei der Aushebung zur Sprache. Im übrigen 
wird bei den Bezirkskommandos in neuerer Zeit auf die Ermittlungen 
in dieser Beziehung hingewiesen. Schultze willeine diesbezügliche 
Anzeigepflicht auf alle Hospitäler ausgedehnt wissen. Der Lebenslauf 
der Rekruten soll auch dem Sanitätsoffizier vorgelegt werden. Die 
Lehrer und Schulärzte sucht Schultze für die Notierung Schwach¬ 
sinniger in die Stammrolle zu interessieren, auch Selbstmordversuche 
sind als geistige Störungen aufzufassen, wer Gegenstand der Fürsorge¬ 
erziehung ist, soll psychiatrisch untersucht werden. An größeren 
Garnisonlazaretten ist ein speziell psychiatrisch gebildeter Militärarzt 
anzustellen; die an Festungsgefängnissen angestellten Militärärzte 
müssen psychiatrisch gebildet sein. Wer selbst, wie Referent, mit 
Festungsgefangenen und Arbeitssoldaten zu tun gehabt hat, wird die 
Notwendigkeit zugeben. Es folgt nun eine eingehende Abwägang 


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VIII. Öffentliche Gesundheitspflege. 


261 


des Simulationsbegriffes, die nicht Darstellung des Referates sein kann. 
Die Beobachtungsdauer Geisteskranker darf nicht zu kurz bemessen 
sein; Lebenslauf und Intelligenzprüfung sind notwendig; vor der 
Überweisung an Festungsgefängnissen und Arbeiterabteilungen ist 
eine psychiatrische Begutachtung nötig. Affektnaturen sind besser von 
der Truppe fern zu halten. Für besondere Militärirrenanstalten tritt 
Schultze nicht ein. Wenn Schultze zum Schluß sagt, daß die 
Psychiatrie beim Sanitätswesen noch nicht die Stellung einnimmt, die 
ihr gebührt, so will er seine Forderungen, die auch von anderen ge¬ 
stellt sind, zur Tat erhoben wissen. Er ist Optimist genug, von der 
Zukunft auch hier das zu hoffen, was die Gegenwart versagt hat. 
Schultze vergißt nur, daß die Verhältnisse sich in den letzten 
25 Jahren zugunsten der Psychiatrie auch bei der Armee gebessert 
haben. 

O. Xeumann. 


Generalbericht Über die SaniUitftverwaltung im König¬ 
reich Bayertu 33. Band (Neue Folge, 22. Band): Das Jahr 
1902 umfassend. Herausgegeben vom Königlichen Staats¬ 
ministerium des Innern. München. Fr. Bassermann. 276 und 
64 S. (9,50 M.) 

Wir haben in diesem Jahresbericht (Bd. II S. 291) schon einmal 
auf die Trefflichkeit dieser Berichte hingewiesen, wobei wir besonders 
betonten, wie wertvoll es sei, daß in jedem Jahrgang die Zahlen auch 
der weiter zurückliegenden Jahrgänge wiederholt werden. Was den 
medizinisch-statistischen Teil anbelangt, so ist es das beste, was von 
größeren Staaten in dieser Beziehung geleistet wird; der Grund ist 
vor allem darin zu suchen, daß die Bearbeitung im statistischen Amt 
stattfindet Daß trotzdem die öffentliche Gesundheitspflege dabei 
nicht zu kurz kommt, beweist der reiche Inhalt der einschlägigen 
Abschnitte (z. B. Wohnung, Gewerbe und Industrie, Nahruug usw.). 
Die Statistik der Todesursachen ist in Bayern sehr gut geleitet; in 
vielen Bezirksämtern und Städten wird sie jetzt von Ärzten er¬ 
hoben. Im Berichtsjahr waren in den Städten 85,1 Proz. der Ge¬ 
storbenen , in den Bezirksämtern 57,6 Proz. ärztlich behandelt. Die 
Verbreitung der epidemischen Krankheiten ist durch hübsche Karto¬ 
gramme veranschaulicht. Die Kindersterblichkeit ist jetzt auch in 
Bayern recht im Rückgang; 1901 betrug sie 23,9 und 1902 23,3. 
Allen, die sich mit medizinischer Statistik befassen, ist das Studium 
der Tabellen IVa und IVb im Anhang zu empfehlen (Todesursachen 
nach Alter und Geschlecht und nach Geschlecht und Monaten). Be¬ 
sondere Beachtung verdienen ferner die Berichte über die Irren- und 


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262 


D. Referate. 


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Gefangenenanstalten, endlich die Morbiditätsstatistik der Bahn¬ 
bediensteten, die unter den deutschen Eisenbahn Verwaltungen nur 
von der bayrischen durchgeführt wird. 

F. ’PiHnzing. 


Vierunddreißigster Jahresbericht des Königlichen Laneles- 
MedizinalköUegiums über das Medizinalwesen im 
Königreich Sachsen auf das Jahr 1902. Leipzig 
1903. F. C. W. Vogel. 323 S. (4,00 M.) 

Aus der Tätigkeit des Medizinalkollegiums ist hervorzuheben die 
Beratung über die neue ärztliche Ehrengerichtsordnung und über 
den Antrag des sächsischen Krankenkassenverbandes auf Vermehrung 
der Anstalten für Lungenkranke; letztere ist nach der Ansicht des 
Medizinalkollegiums Sache der Versicherungsanstalten, Gemeinden, 
der Wohltätigkeit, nicht Sache des Staates. Die Sterblichkeit war 
1902 so niedrig wie noch nie (19,4); trotzdem die Geburtsziffer ab¬ 
genommen hat (35,8), betrug der Geburtenüberschuß 70901. Aach 
die Kindersterblichkeit, die in Sachsen besonders hoch ist, scheint 
langsam zurückzugehen; sie war 1886 - 90 28,3, 1896—1900 26,5 und 
1901—02 24,0. Unter den Todesursachen zeichnen sich Typhus, 
Diphtherie und Tuberkulose durch eine nennenswerte Abnahme aus, 
Krebs hat etwas zugenommen; auf 1000 Geborene kamen 1,75 Sterbe¬ 
fälle durch Kindbettfieber, 1,72 durch andere Folgen der Geburt und 
1,58 durch sonstige Krankheiten im Wochenbett. Im Kapitel über 
öffentliche Gesundheitspflege findet sich viel interessantes Detail 
(unter anderem ein Bericht Taube’s über das Ziehkinderwesen in 
Leipzig). Auch in Sachsen hat die Schularztfrage einen Fortschritt 
zu verzeichnen (Neuanstellung von Schulärzten in sieben Gemeinden. 
Untersuchung der neueintretenden Schulkinder\in mehreren Städten). 
Den Schluß bilden Mitteilungen über Krankenhäuser und Heilpersonal ; 
die Zahl der Kurpfuscher ist immer noch im Zunehmen begriffen. 

F. Priming. 


Ber icht des Medizinalrates über die medizinische Statistik 
des Hamburgischen Staates für das Jahr 1903. 
Hamburg. L. Voß. 124 S. 11 Tafeln. (7,00 M.) 

Die Zahl der Einwohner war auf die Mitte des Berichtsjahres 
berechnet im ganzen Staat 813122, in der Stadt 747 004. Die fol¬ 
genden Ziffern beziehen sich stets auf die Stadt Hamburg. Die Ge¬ 
burtsziffer war 26,9, die Sterbeziffer 16,7, ein klein wenig höher als 
im Vorjahr. Auf 100 Lebendgeborene starben 17,8 im ersten Lebens- 


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VIII. Öffentliche Gesundheitspflege. 


263 


jahr; die sonst hohe Sommersterblichkeit der Säuglinge war infolge 
der kühlen Witterung gering. Von den 655 Totgeborenen waren 312 
frühzeitig geboren, 54,4 Proz. derselben sind vor Eintritt der Geburt, 
42,3 Proz. während der Geburt gestorben, bei 3,3 Proz. fehlt die An¬ 
gabe hierfür. Bei 7 Proz. der Gebärenden war Kunsthilfe nötig. Auf 
10000 Einwohner starben an Scharlach 5,15, an Masern 2,53, an 
Typhus 0,43, an Neubildungen 13,05, an Tuberkulose der Lungen 
16,64, an solcher der anderen Organe 3,79, an chronischer Lungen¬ 
entzündung 10,36, an anderen Erkrankungen der Atmungsorgane 
(einschl. Influenza) 10,92, an Selbstmord 3,72, an Unfall und Verbrechen 
4,49, an Selbstmord oder Unfall 0,40. Die Zunahme der Höhe der 
Tuberkulosesterblichkeit mit der Abnahme der Höhe des Einkommens 
läßt sich wie in früheren Jahren nach weisen. Die schwere, seit 
mehreren Jahren bestehende Scharlachepidemie ist noch nicht ver¬ 
schwunden; von 385 gemeldeten Fällen haben 115 innerhalb der 
ersten drei Tage zum Tode geführt. Die Typhusepidemie in der 
Stadt Bergedorf, die auf Verunreinigung dortiger Wasserläufe zurück¬ 
zuführen ist, wird eingehend besprochen und durch zwei Kartogramme 
veranschaulicht. 

F. Prlnzing. 


Jahrbuch der Medizinaluericaltung in Elsaß-Lothringen. 
16. Band. Jahrgang 1903 und 1904. Herausgegeben von 
Ph. Biedert. Straßburg. F. Bull. 316 und 36 S. (12,00 M.) 

Infolge Erkrankung Krieger’s, des bisherigen Bearbeiters 
dieser Jahrbücher, ist der Jahrgang 1902 nicht erschienen und der 
vorliegende Band umfaßt daher die beiden Jahre 1902 und 1903. Die 
Gesamtzahl der Ärzte war am 1. Januar 1904 852; zuziehende Ärzte 
haben nur wenig Aussicht sich eine auskömmliche Stellung zu er¬ 
werben. In den Kapiteln über öffentliche Gesundheitspflege ist die 
Statistik Weigand’s über die venerischen Erkrankungen bei der 
Straßburger Garnison zu erwähnen; hier wie in Metz ist eine Ab¬ 
nahme derselben zu konstatieren. Der Bierkonsum hat sich in den 
Reichslanden nahezu verdoppelt: 1872 kamen auf den Kopf 42,5 und 
1900 83,9 Liter. Die Sterblichkeit überhaupt und die der Kinder ist 
in den Berichtsjahren sehr niedrig; unter den Todesursachen sind 
Typhus, Diphtherie und Tuberkulose im Rückgang; Krebs nimmt zu, 
nach Ansicht des Berichterstatters nicht bloß infolge besserer Re¬ 
gistrierung. Für die kleine Pockenepidemie in Straßburg im Jahre 
1903 (12 Fälle, 10 leicht, 2 gestorben) werden die einzelnen Fälle 
angeführt. 

F. PrltiMlng. 


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264 


D. Referate. 


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Medizinalbericht von Württemberg für das Jahr 1902 . 

Herausgegeben von dem Königlichen Medizinal-Kollegium. 

Stuttgart. W. Kohlhammer. 189 S. (2,50 M.) 

Der Bericht schließt sich in seiner Gestaltung an die früheren 
Berichte an. Die Zahl der Ärzte ist um 29 gestiegen, auch die Zahl 
der Kurpfuscher hat sich vermehrt. Mustergültig sind die Berichte 
über die württembergischen Irrenanstalten, die von Dietz bearbeitet 
wurden; da Dietz 1904 gestorben ist, ist der diesjährige Bericht der 
letzte aus seiner Feder. Die einzelnen Irrsinnsformen lassen sich in 
den einzelnen Jahrgängen nicht direkt vergleichen, da zurzeit ein 
Wechsel in der Auffassung der Krankheitsbilder stattfindet. Erb¬ 
liche Belastung war bei 53,6 Proz. der Aufgenommenen nachzuweisen, 
direkte Erblichkeit bei 24,3 Proz. Die Sterblichkeit war im Bericht¬ 
jahr die kleinste, die in Württemberg je beobachtet wurde (21,57 mit 
Totgeborenen), die Tuberkulose hat seit einigen Jahren auch in 
Württemberg abgenommen, der Krebs nimmt stetig zu. Beachtung 
verdient eine Zusammenstellung der Geschlechtskrankheiten in den 
Krankenhäusern und Garnisonen; seit 1894 ist eine Zunahme zu kon¬ 
statieren. Eine Berechnung des durchschnittlichen Geldeinkommens 
der Hebammen ergab für die Gemeinden mit 5000 und mehr Ein¬ 
wohnern (ohne Stuttgart) 648 Mark, für die Gemeinden unter 5000 
Einwohner 183 Mark. Außerdem enthält der Bericht viele hygienische 
Einzelheiten, unter denen ein treffliches Gutachten des Medizinal- 
Kollegiums über die Bestellung von Schulärzten zu erwähnen ist. 

F. Prlnzing. 


Weyl , Th., Berlins Gesundheit in den letzten 30 Jahren. Sonder¬ 
abdruck aus der Festschrift für Salkowsky. 

Weyl setzt seine frühere Arbeit über die Einwirkung hygieni¬ 
scher Werke auf die Gesundheit der Städte, die 1890 erschien, für 
die nächsten 12 Jahre fort. Es ergibt sich ein weiteres Absinken 
der Gesamtsterblichkeit für alle Altersklassen; bei der Abnahme der 
Kindersterblichkeit muß es unentschieden bleiben, ob das günstige 
Resultat auf Verbesserungen der Hygiene oder auf die Herabminde¬ 
rung der Geburtenzahl zu beziehen ist. Bei der Abnahme der Typhus- 
sterblichkeit scheint die Kanalisation günstig eingewirkt zu haben. 
Sicher ist aber dieser Schluß nicht, weil die Typhussterblichkeit auch 
in einigen Städten gefallen ist, in denen dieser Umstand nicht mit¬ 
sprach. Die Sterblichkeitsabnahme in den letzten 30 Jahren verharrt 
seit ungeiähr 10 Jahren auf einem niedrigen Niveau, und es ist an¬ 
zunehmen, daß bei diesem Erfolge die Vervollkommnung der hygie¬ 
nischen Einrichtung mitgewirkt hat. 

A. Gottstein . 


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VIII. Öffentliche Gesundheitspflege. 


265 


Bericht über die Gesundheitsverhältnisse und Gesund¬ 
heitsanstalten in Nürnberg. Jahrgang 1903. 302 S. 

(3,00 M.) 

Die Nürnberger Sanitätsberichte sind ihrem Inhalt nach mehr von 
lokalem Interesse; es fehlen Rückblicke auf frühere Jahre. Für den 
praktischen Hygieniker sind die zahlreichen Milchuntersuchungen von 
Interesse. Als Alkoholgehalt der Nürnberger Biere wird ermittelt 
beim Bock 4,50, bei dunklem Bier 3,40, bei hellem 3,77 Proz. Bisher 
waren 10 Schulärzte angestellt; wegen der im Jahre 1903 eingeführten 
Untersuchung der neueintretenden Schulkinder mußte ihre Zahl ver¬ 
mehrt werden. 

F. Prinzing . 


Medizinisch-statistischer Jahresbericht über die Stadt 
Stuttgart im Jahre 1903. 31. Jahrgang. Redigiert von 
W. Weinberg. 25 S. 

Die Stuttgarter Jahresberichte werden vom ärztlichen Vereine 
unter Mitwirkung des städtischen Statistischen Amts herausgegeben. 
Als Schema der Todesursachen ist seit 1902 das nach Bertillon’s 
Vorschlag vom internationalen statistischen Institut angenommene zu¬ 
grunde gelegt worden. Die Sterblichkeit, die in Stuttgart von jeher 
klein war, ist in den letzten Jahren noch weiter zurückgegangen, sie 
war 1896—1900: 18,2 und 1901—1903: 17,6. Die Sterblichkeit der 
Übereinjährigen war 1896—1900: 11,3 und 1901—1903: 11,7; es ist 
somit der neuerliche Rückgang der Gesamtsterblichkeit der Abnahme 
der Säuglingsmortalität zuzuschreiben. In den einzelnen Stadtteilen 
ist die Sterblichkeit sehr verschieden. 

F. Prinzing. 

Stubenrath, F. K., Medizinische Statistik der Stadt Würzburg für 
die Jahre 1898—1902. Verhandlungen der physikalisch-medi¬ 
zinischen Gesellschaft zu Würzburg. Neue Folge. Band 36. 
Nr. 3. S. 193—246. Würzburg. A. Stuber’s Verlag. (2,50 M.) 

Das Heft gibt in gediegener anspruchsloser Form einen wert¬ 
vollen Beitrag zur Bevölkerungsstatistik. Die Sterbefälle werden mit 
sorgfältiger Ausscheidung der Ortsfremden auch bei den Todesursachen 
mitgeteilt. Die Sterblichkeit war für die 5 Jahre mit diesen 22,0, 
ohne sie 19,9. Die Kindersterblichkeit ist von 26,3 in den Jahren 
1864—70 auf 19,1 in den Berichtsjahren zurückgegangen. Infolge 
der strengen Beaufsichtigung der Pflegekinder ist deren Sterblichkeit 
sehr klein. Über Erkrankungen und Sterbefälle an Infektionskrank¬ 
heiten werden ansführliche Mitteilungen gemacht; bei der Geburts- 


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266 


D. Referate. 


Statistik wird die Zahl der künstlichen Geburten und ihr Einfluß auf 
das Leben von Mutter und Kind angegeben. 

F. PiHnzing. 


Report of the Public Health Committee of the London 
County Council. For the Year 1902. London. P. S. 
King. (3 s. 6 d.) 

Die Gediegenheit der englischen Sanitätsberichte ist bekannt. 
Es werden stets Rückblicke gegeben. Nach den Ziffern des vorliegen¬ 
den Berichts kamen in London auf 1000 Einwohner 



1851-60 

1861-70 

1871-80 

1881-90 

1891—1900 

1901-02 

Lebendgeborene 

34,2 

35,2 

35,5 

32,5 

29.8 

28,5 

Sterbefälle 

23,7 

24,4 

22,5 

20,5 

19,2 

17,1 

Darunter an: 



i 

1 

1 


Pocken 

0,28 

0,28 

0,46 

0,14 

0,01 

0.17 

Masern 

0,53 

0,58 

0,51 

0,64 

0,58 

0,47 

Scharlach 

— 

1,13 

0,60 

0,33 

0,19 

0.13 

Diphtherie 

— 

1,18 

0,12 

0,26 

0,49 

0,27 

Keuchhusten 

0,88 

0,88 

0,81 

0.69 

0,50 

0,37 

Bauchtyphus 

— 

— 

0,24 

0,19 

0,14 

0.11 

Phthisis 

2,86 

2,84 

2,51 

2,09 

1,84 

1,67 


Die Sterbefalle und Todesursachen sind auch nach Stadtteilen 
angegeben; als Maßstab ihrer Wohlhabenheit gilt die Zahl der über¬ 
füllten Wohnungen. Als Typen sind die Stadtteile Southwark und 
Hampstead gewählt, in letzterem wohnten 6,37 Proz. der Bevölkerung, 
in ersterem 22,35 Proz. in überfüllten Wohnungen. Es war 



in 

Hampstead 

in 

Southwark 


männlich 

weiblich 

männlich 

weiblich 

die Sterblichkeit (1897—1900) 

die mittlere Lebensdauer (1897—1900) 

die Kindersterblichkeit (1902) 

14,41 9,83 

50,80 56,56 

8,7 

25,12 

36,52 

16 

21,97 

40.70 

1.6 


Einen breiten Raum nimmt die Beschreibung der Pockenepidemie 
ein, die im Jahre 1902 London heimsuchte; die Zahl der bekannt 
gewordenen Erkrankungen war 7796. die der Sterbefalle 1314: die 
Akme der Epidemie fiel auf die Monate Februar und März. Die 
Ursache der Epidemie ist in der saumseligen Durchführung der Impfung 
zu suchen. 

F. Pvinzing. 



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IX. Entartungstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 267 


IX. 

Entartungstheorie, Konstitutionspathologie 
und Sexuelle Hygiene. 

Grotjahn, A,, Soziale Hygiene und Entartungsproblem. Besonderer 
Abdruck aus dem Handbuch der Hygiene. IV. Supplement¬ 
band: Soziale Hygiene. Jena. Gustav Fischer. 62 S. 

Da den Verfasser im Rahmen des Gesamtwerkes weniger die Ent¬ 
artungstheorie als solche, sondern vielmehr ihr Verhältnis zur sozialen 
Hygiene beschäftigen mußte, ist im ersten Kapitel eine Verständigung 
über die noch recht weit auseinandergehende Terminologie angestrebt 
worden. Die soziale Hygiene wird hier definiert als die Lehre von 
den Bedingungen, denen die Verallgemeinerung hygienischer Kultur 
unter einer Gruppe von örtlich, zeitlich und gesellschaftlich zusammen¬ 
gehörigen Individuen und deren Nachkommen unterliegt, sowie 
weiterhin als die Lehre von den Maßnahmen, mit Hilfe deren jene 
Bedingungen dem körperlichen Befinden der Menschen dienstbar ge¬ 
macht werden können. 

Die Beziehungen zwischen der sozialen Hygiene und dem Problem 
der körperlichen Entartung faßt der Verfasser dahin zusammen: in 
praktischer Hinsicht wirken die meisten sozialhygienischen Maßnahmen 
auch im Sinne einer Prophylaxe der Entartung; einige sozialhygienische 
Maßnahmen wirken allerdings auch im Sinne der Erhaltung einer 
großen Zahl minderwertiger Individuen und tragen damit zur Ver¬ 
schlechterung der durchschnittlichen physischen Qualität bei; hier 
tritt das entartungstheoretische Kalkül zur sozialen Hygiene in das 
Verhältnis eines regulierenden Prinzips und verlangt Korrekturen 
durch Befolgung von sexualhygienischen Regeln, die eine auf Gene¬ 
rationen sich forterbende degenerative Tendenz zuverlässig verhindern. 

Diese allgemeinen Sätze versucht der Verfasser im speziellen zu 
erhärten in kurzen Abhandlungen über Entartung und Bevölkerungs¬ 
verminderung, die Untauglichkeit zum Heeresdienst, die Untauglich¬ 
keit zum Stillgeschäft, die Häufigkeit der Kinderfehler, die städtische 
Wohnweise als Ursache der Entartung, das Entartungsproblem vom 
biologischen und pathologischen Gesichtspunkte und die Prophylaxe 
der Entartung. Jedem dieser sieben Themata ist ein kurzes Kapitel 
gewidmet. 

Autor eferat. 

Senator , H., und Ha min er. S., Krankheiten und Ehe. Darstellung 
der Beziehungen zwischen Gesundheitsstörungen und Ehe- 


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268 


D. Referate. 


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gemeinschaft. 3 Abteilungen. 858 S. München. Lehmann. 

(18,00 M.) 

Das Thema des vorliegenden stattlichen Buches bezeichnet« bis¬ 
her den Tummelplatz der medizinischen Feuilletonisten wenn nicht 
gar den der Kurpfuscher, Reformparanoiker und anderer zweifelhafter 
Existenzen, die abseits des geordneten Zuges der medizinischen 
Forschung ihr Unwesen treiben. Es ist daher geradezu eine Mark¬ 
stein setzende Tat, wenn sich hier unter den Auspizien eines Mannes 
wie H. Senator zahlreiche namhafte Gelehrte und Ärzte zusammen¬ 
getan haben, um die Beziehungen zwischen Gesundheitsstörungen und 
Ehegemeinschaft zu erörtern. Bedauerlich, wenn auch aus der ärztlich 
individualistischen Auffassung erklärlich, ist nur, daß die Bearbeiter 
fast durchweg die körperliche Wohlfahrt der Gatten mehr im Auge 
gehabt haben als die der zu erwartenden Nachkommen, die einige 
Autoren sogar direkt ignorieren. 

Der allgemeine Teil, in dem man neben den Medizinern wohl 
auch einem Nationalökonomen oder Soziologen das Wort hätte verstatten 
sollen, enthält die Einleitung von H. Senator und Beiträge von M. 
Gr über über die hygienische Bedeutung der Ehe, J. Orth über 
ererbte und angeborene Krankheiten und Krankheitsanlagen, F. Kraus 
über Blutsverwandtschaft in der Ehe und deren Folgen für die Nach¬ 
kommenschaft, W. Havelburg über Klima, Rasse und Nationalität 
in ihrer Bedeutung für die Ehe, P. Fürbringer über sexuelle 
Hygiene in der Ehe undR. Koßmann über Menstruation, Schwanger¬ 
schaft, Wochenbett und Laktation. 

Es folgt nun der spezielle Teil, der in sachlicher Beziehung doch 
erheblich höher steht als der allgemeine. Es haben hier ihren Platz 
gefunden die Abhandlungen über Koustitutions-(Stoffwechsel-)Krank- 
heit und Ehe von H. Senator, Blutkrankheiten und Ehe von H. 
Ros in, Krankheiten des Gefäßapparates und Ehe von E. v. Leyden 
und W. Wolff, Krankheiten der Atmungsorgane und Ehe von S. 
Kamin er, Krankheiten der Verdauungsorgane und Ehe von C. A. 
Ewald, Nierenkrankheiten und Ehe von P. F. Richter, Krank¬ 
heiten des Bewegungsapparates und Ehe von A. Hoffa, Beziehung 
der Ehe zu Augenkrankheiten mit besonderer Rücksicht auf die Ver¬ 
erbung von G. Abelsdorff, Hautkrankheiten, Syphilis und Ehe 
von R. Ledermann, Trippererkrankungen und Ehe von A. Neißer, 
anderweitige Krankheiten der Harnwege, physische Impotenz und 
Ehe von C. Posner, Frauenkrankheiten, Empfängnisunfahigkeit und 
Ehe von L. Blumreich, Nervenkrankheiten und Ehe von A. 
Eulenburg, Geisteskrankheiten und Ehe von E. Mendel, perverse 
Sexualempfindung, physische Impotenz und Ehe von A. Moll, Alko- 
holismus, andere Intoxikationen, berufliche Schädigungen und Ehe 
von A. Leppmann. 


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IX. Entartungstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 269 


Den Beschloß macht S. Placzek mit einer Arbeit über das ärzt¬ 
liche Berufsgeheimnis und last not least der einzige Nationalökonom 
unter den Mitarbeitern R. Eberstadt über die sozialpolitische Be¬ 
deutung der sanitären Verhältnisse in der Ehe. 

Das Werk hat seine Aufgabe, soweit es bei der ja noch sehr 
unvollkommenen Kenntnis der Vererbungsvorgänge und des normalen 
sexuellen Lebens überhaupt gegenwärtig möglich war, durchaus ge¬ 
löst, eine Aufgabe, die Senator im Vorworte skizziert als den Nach¬ 
weis, „daß die Ehegemeinschaft mit allen ihren Folgezuständen ein 
außerordentlich großes Feld für die Betätigung der Volkshygiene und 
der ärztlichen Fürsorge darbietet. Man vergegenwärtige sich nur, 
wie viele Ehen jahraus jahrein ohne Rücksicht auf den physischen 
Znstand der die Ehe schließenden Personen eingegangen werden, d. h. 
ohne Rücksicht auf ihre Konstitution und ihren Gesundheitszustand, 
auf Abstammung und etwaige erbliche Belastung, wie oft schon hier¬ 
bei und später in der Ehe selbst die in Betracht kommenden sanitären 
Verhältnisse zugunsten vieler anderer Rücksichten aus Unkenntnis 
oder Leichtsinn vernachlässigt werden. Man vergegenwärtige sich 
dies alles und man wird begreifen, wie viel Krankheit und Elend, 
wie viel Jammer und Unglück durch Ehen in die Welt gebracht 
wird, aber auch wie viel davon durch zweckmäßige sanitäre Maßregeln 
sich würde verhüten lassen.“ 

Das vorliegende Buch über Krankheiten und Ehe wird das erste 
Standard work der sexuellen Hygiene in Deutschland sein, die dadurch 
nun hoffentlich endgültig als vollberechtigte Sonderdisziplin in den 
wissenschaftlichen Betrieb der Medizin und Hygiene einrückt. 

A. Grotjahn . 

Schallmayer, W., Wirkungen gebesserter Lebenshaltung und Erfolge 
der Hygiene als vermeintliche Beweismittel gegen Selektionstheorie 
und Entartungsfrage. Separatabdruck aus Archiv für Rassen- 
und Gesellschaftsbiologie. Jahrgang I. Heft 1. 

Im Jahre 1903 erschienen ziemlich gleichzeitig drei Arbeiten von 
Prinzing, M. Gruber und W. Kruse, die einander ergänzend das 
Thema behandelten, ob Gefahr vorliege, daß der Schutz der schwächeren 
Bevölkerungselemente durch hygienische Fortschritte zur Entartung 
führen könne, und mit verschiedenem Beweismaterial diese Be¬ 
fürchtung verneinten. Die beiden letzten Arbeiten haben im vorigen 
Jahrgang durch Grotjahn eine kritische Besprechung gefunden, 
auch Koßmann hat in der Münchener medizinischen Wochenschrift 
1903 gegen Gruber geltend gemacht, daß die Darwinschen Lehren 
und Bestrebungen auf hygienischen Gebieten nicht in Widerspruch 


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270 


D. Referate. 


ständen and ähnlich hat sich Referent in einem Aufsatz der „Nation* 
1903 geäußert 

1m vorliegenden Aufsatz nimmt Schall mayer ausführlich za 
den genannten drei Aufsätzen Stellung; er verlangt vor der Fort¬ 
setzung der Polemik Klarheit über die Grundbegriffe der Entartung, 
betont daß es sich in der Streitfrage nicht nur um körperliche, sondern 
ebensosehr um die Betonung der Höhe der physischen Veranlagung 
für den Fortschritt der Gesundheit handele. Indem er hauptsächlich 
auf die Arbeit von Gr über eingeht und die einzelnen Gründe durch¬ 
spricht, stellt er die Lehren der Selektionstheorie diesem Aufsatz 
gegenüber richtig und betont auch seinerseits, daß kein Grand vor¬ 
liege, auch vom Standpunkt der Anhänger Darwin’s das Ziel der 
modernen Hygiene als schädlich anzusehen, wie diesen untergeschoben 
werde. 

A. Gottstein. 


Hertwig, O., Ergebnisse und Probleme der Zeugungs- und Vererbungs¬ 
lehre. Vortrag. 30 S. mit 5 Abbildungen. (1,00 M.) 

Kein Gebiet der Physiologie hat in den letzten 10 Jahren so 
ungeheure Fortschritte gemacht als die Entwicklungsgeschichte, auf 
keinem Gebiete ist eine solche Fülle von grundlegenden Tatsachen 
zutage gefördert worden als auf dem der allerersten und wichtigsten 
Veränderungen, die mit der Neubildung von Organismen einhergehen 
— der Zeugung, Befruchtung und ersten Keimentwicklung. Hier 
haben die Arbeiten von Weismann, van Beneden, Boveri, 
Strasburger und 0. Hertwig eine völlige Revolution hervor¬ 
gerufen — sie haben die scheinbar rätselhaften Vorgänge auf ganz 
einfache, leicht verständliche Zell- und Kernteilungsprozesse zurück¬ 
führen können. Der vorliegende Vortrag Hertwig’s enthält in 
überaus klarer Darstellung in nuce alle Ergebnisse dieses Jahrzehnts, 
er eignet sich vorzüglich dazu, den Nichtfachmann in die Elemente 
der Zeugungs- und Vererbungslehre einzuführen. 

A. Blaschko . 


Schnitze, B. S., Zum Problem der geschlechtsbestimmenden Ursachen. 

Sonderdruck aus dem Zentralblatt für Gynäkologie. Nr. 1. 

1903. Nr. 22. 1904. 

Der berühmte Nestor der Gynäkologen erweist sich in den vor¬ 
liegenden Aufsätzen als ein scharfsinniger Beherrscher der statistischen 
Methodik. Er rekapituliert die bisher unbefriedigenden Versuche, 
auf dem Wege der Statistik den Unterschied im Geschlechtsverhältnis 
der geborenen Kinder (durchschnittlich 106 Knabengeburten auf 100 


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IX. Entartongstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 271 


Mädchengeburten) zu erklären und kommt zu dem Schluß, daß der 
ganze Unterschied im Geschlechtsverhältnis (z. B. der ehelich und 
der unehelich Geborenen) nicht auf einem Unterschied im Erzeugen, 
wie man bisher annimmt, sondern vielmehr auf einem Unterschied in 
den Bedingungen des Sterbens der Früchte vor oder bei der Geburt 
beruhe. Es würde sich in der Tat lohnen, diesen Gesichtspunkt mehr 
als bisher zu berücksichtigen. 

A. Grofjahn. 


Strohmayer, W., Ziele und Wege der Erblichkeiisforschung in der 
Neuro- und Psychopathologie. Sonderabdruck aus der Allgemeinen 
Zeitschrift für Psychiatrie. S. 356—369. 

An der in der Psychiatrie und Neurologie üblichen Erblichkeits¬ 
statistik, die der Verfasser als hureaukratisch-mechanisch bezeichnet, 
übt Strohmayer eine scharfe, aber wohl berechtigte Kritik. Die 
Richtung, die nach seiner Ansicht die künftige Erblichkeitsforschung 
einschlagen muß, skizziert er in folgenden Schlußthesen: 

1. Wir brauchen eine auf der Grundlage der Ahnentafel basierende 
psychiatrische Familienforschung, die die psychischen Gesund¬ 
heitsverhältnisse eines Geschlechts über eine Reihe von Gene¬ 
rationen hin überschaut. 

2. Zur Untersuchung geeignet erscheint nur eine leicht übersehbare, 
wenig fluktuierende Bevölkerung einer umschriebenen medizinal¬ 
politischen Einheit (Stadt, Kreis, Provinz). 

3. Als Quellen sollen benutzt werden die Aufnahmelisten der zu¬ 
ständigen Irrenanstalten, die Kirchenbücher und die Register 
der Standesämter, die unentbehrliche Mitarbeit der Hausärzte 
nicht zu vergessen. 

A. Grotjahn. 


Fairrice, H. v., und Weber, A., Die Lehre von der Kindsabtreibung 
und vom Kindesmord. Zweite, neubearbeitete Auflage. Berlin. 
Borsdorf. 320 S. (7,50 M.) 

Das schon vor Jahrzehnten in erster Auflage erschienene, jetzt 
vergriffene Buch von Fabrice liegt hier in einer durch A. Weber 
vollkommen umgearbeiteten und nach dem neuesten Stande der gerichts¬ 
ärztlichen Wissenschaft erweiterten Form vor. Eine interessante 
kulturgeschichtliche Einleitung führt das Buch ein. Lehrreich ist 
es zu erfahren, daß im Deutschen Reiche wurden wegen Kindes¬ 
abtreibung 


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272 


D. Referate. 


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Jahr 

augeklagt 

verurteilt 

Jahr 

angeklagt 

verurteilt 

1882 

247 

191 

1889 

334 

268 

1883 

239 

167 

1890 

285 

243 

1884 

348 

238 

1891 

394 

287 

1885 

330 

243 

1892 

445 

330 

1886 

298 

226 

1893 

402 

313 

1887 

302 

226 

1894 

531 

402 

1888 

291 

216 

1895 

537 

361 


Der erste Teil des Buches behandelt die Kindsabtreibung, der 
zweite den Kindesmord; in jedem Teil ist wieder die juristische und 
die ärztliche Seite des Themas gesondert besprochen. 

A. Grotjahn . 


JFerdy, H., Sittliche Selbsibeschränhtng. Behagliche Zeitbetrachtungen 
eines Malthusianers über die begriffliche Wandlung des ,moral 
restraint* in dem Jahrhundert 1803—1903 und die Ausbreitung 
des Neo-Malthusianismus. Hildesheim. Kommissionsverlag 

von J. Gude. 205 S. (5,00 M.) 

Wer wie der Referent den Präventivverkehr nur aus medizinischen 
und hygienischen Gründen, nicht aber aus ökonomischen für gerecht¬ 
fertigt hält, wird durch das vorliegende Buch, das die gegenseitige 
Auffassung vertritt, kaum eines Besseren belehrt werden. Trotzdem 
wird in Zukunft keiner, der auf dem Gebiete der sexuellen Hygiene 
arbeitet, an diesem Werke vorübergehen dürfen. Denn es enthält 
eine Fülle von Einzelheiten über die Vita sexualis des neunzehnten 
Jahrhunderts, wie sie ähnlich in keinem Buche in den letzten Jahr¬ 
zehnten geboten wurde. Unerquicklich ist allerdings die paradoxe 
Weise, mit der der Verfasser über die seinen Standpunkt nicht teilen¬ 
den, zeitgenössischen Autoren herfällt. Wertvoll werden dem Leser 
die sorgfältigen und zahlreichen Literaturangaben sein, aus denen er¬ 
hellt, daß der Verfasser auf medizinischem und nationalökonomischem 
Gebiete gleich gut belesen ist. 

A. Grotjahn* 


Mentoul, Mob . Meid, Proposed Sterilisation of Certain Mental and 
Physical Degenerates. An appeal to asylum managers and 
others. London. Scott. 26 S. 

Der Verfasser ist ein entschiedener Anhänger aller Vorschläge, 
die darauf hinzielen, geistig oder körperlich minderwertige Elemente 
an der Erzeugung von Nachkommen zu verhindern. Er schreckt selbst 


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IX. Entartnngstheorie, Konstitutionspatholog^e und Sexuelle Hygiene. 273 


vor radikalen und inhuman scheinenden Mitteln nicht zurück. Da 
die Broschüre aber wohl mehr zu dem Zweck geschrieben ist, unsere 
gegenwärtige Sorglosigkeit der Entartungsfrage gegenüber zu ver¬ 
urteilen, als praktische, augenblicklich realisierbare Vorschläge zu 
machen ist der uns entgegentretende Radikalismus nicht unangebracht. 
Mit programmatischer Schärfe beleuchtet Rentoul die Degenerations¬ 
gefahr und die Prophylaxe der Entartung, so daß auch der Leser 
gefesselt werden wird, der aus Humanitätsgründen den Radikalismus 
des Verfassers ablehnen muß. 


A. Grotjahn. 


Ebevstadt, R., Die sozialpolitische Bedeutung der sanitären Verhält¬ 
nisse der Ehe. Sonderabdruck aus „Krankheiten und Ehe“, 
herausgegeben von H. Senator und S. Kam in er. 22 S. 
J. F. Lehmann. München. 

Es ist ein besonderer Vorzug des von Senator und Kamin er 
herausgegebenen Werkes über „Krankheiten und Ehe“, daß in ihm 
unter zahlreichen ärztlichen Mitarbeitern ein Nationalökonom zum 
Wort kommt. Die sozialpolitische Bedeutung der sanitären Verhält¬ 
nisse in der Ehe ist so von einer durchaus fachmännischen Feder 
in diesem sonst rein medizinischen Buche zu einer Darstellung ge¬ 
kommen, der man höchstens eine noch größere Ausführlichkeit hätte 
wünschen können. Mit Recht weist Eberstadt nach, daß die 
monogame Ehe mit der ihr eigenen bevorzugten Stellung des Mannes 
doch auf einer festeren Grundlage als der der Sitte und Religion 
steht, da nur durch sie der wünschenswerte Zusammenhang von 
Mutter, Vater und Kindern hergestellt werden kann. 

Am Schluß kommt der Verfasser auf das Eheverbot kranker 
Individuen zu sprechen. Er verwirft es zwar, tritt aber dafür warm 
für einen obligatorischen Gesundheitsschein ein, den die Eheschließenden 
vor der Eheschließung unter sich auszutauschen hätten. Er verspricht 
sich davon, „daß 1. die gesundheitlichen Verhältnisse allgemein mehr 
beachtet werden als bisher, und daß 2. schlechthin frivole und ge¬ 
wissenlose Handlungen eines kranken Ehekandidaten nach Möglichkeit 
verhindert werden“. Die Konsequenzen aus den Daten des ärztlichen 
Gesundheitsscheines zu ziehen, soll man dann den Eheschließenden 
überlassen. — Die Eberstadt’sehe Abhandlung gereicht dem von 
Senator und Kaminer herausgegebenen Werke zur ganz besonderen 
Zierde. 

A. Gvotjahn. 

Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 18 


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274 


D. Referate. 


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Crepax, Adele, Mutterschaft und Mütter. Kulturgeschichtliche 
Studien. Leipzig. Otto Wigand. 420 S. (6,00 M.) 

Der Inhalt des Buches besteht weniger aus kulturgeschichtlichen 
Studien als aus lyrischen Ergüssen, in denen die Verfasserin das 
hohe Lied von der Mutterschaft zu singen versucht Um des edlen 
Zweckes, den sie sich vorgesetzt hat, und um ihrer wirklichen echten 
Begeisterung willen sei ihr verziehen, wenn die pathetische Diktion 
beim Leser häufig Gefühle hervorruft, die sie gewiss nicht beab¬ 
sichtigt hat. Im ersten Teil werden behandelt die „Mütter der Natur- 
und Halbkulturvölker“, im zweiten die „Mütter der Kulturvölker“, 
im dritten die „Mütter in der Geschichte“. 

A, Grotjahn. 


Gruber, M., Hygiene des Geschlechtslebens, dargestellt für Männer. 
Mit 17 Figuren auf 2 Tafeln. Band 13 der Bibliothek der 
Gesundheitspflege. Stuttgart. Moritz. 84 S. (1,50 M.) 

Nachdem der Verfasser in früheren Publikationen gegen rassen¬ 
hygienische und entartungstheoretische Erwägungen heftig polemisiert 
hat, ist es erfreulich, ihn selbst auf den Pfaden wandeln zu sehen, 
auf denen seine Gegner vor ihm gewandelt sind. Auch Gruber 
wünscht von der Fortpflanzung ausgeschlossen zu sehen: Leute mit 
ernsteren Bildungsfehlern, Idioten, Schwachsinnige, Irrsinnige, Epi¬ 
leptische, Säufer, verbrecherische Naturen, Tuberkulöse, Syphilitische 
und solche Individuen, die in ihrer körperlichen Entwicklung zurück¬ 
geblieben sind. Wie er aber zu gleicher Zeit seinen Lesern den 
Präventivverkehr verbieten und trotzdem den spießbürgerlichen Bat, 
„nicht mehr Kinder zu erzeugen, als sie ernähren und aufziehen 
könnten“, geben kann, bleibt unverständlich. 

A. Grotjahn. 


Eckstein, E., Die Sexualfrage in der Erziehung des Kindes. Leipzig. 

Modernes Verlagsbureau Curt Wigand. 38 S. (1,00 M.) 

In bemerkenswert offener und klarer Sprache tritt die Verfasserin 
für eine möglichst frühzeitige Aufklärung der Kinder über die Tat¬ 
sachen des Geschlechtslebens ein. Vorbedingung erscheint ihr mit 
Recht eine gewisse Bildung und geistige Entwicklung der Frauen, 
die als Mütter berufen sind, ihren Kindern hinreichende Belehrung 
über das Sexualleben mit auf den Lebensweg zu geben. 

A. Grotjahn . 


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IX. Entartnugstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 275 


Leppmann, A., und Leppmann, F., Älkoholismus, Morphinismus 
und Ehe. Gewerbliche Schädlichkeiten und Ehe. Sonderabdruck 
aus Senator-Kaminer, Krankheiten und Ehe. München. 
J. F. Lehmann. 74 S. 

Nach einer kurzen Einleitung über Wesen und Verbreitung des 
Alkoholismus besprechen Verfasser die gegenseitige Beeinflussung von 
Ehe und Alkoholismus. 

Zur Verhütung genannter für das Volkswohl wie für die Einzel¬ 
individuen verderblicher Schädigungen sind eine Reihe von Maßnahmen 
zu empfehlen: in erster Linie Verhütung der Eheschließung bei be¬ 
stehendem Alkoholismus, im Einzelfalle eventuell unter Zuhilfenahme 
der Entmündigung, von der überhaupt leider bisher bei der Trunk¬ 
sucht viel zu wenig Gebrauch gemacht wird. Auch die Verfasser 
wünschen, wie Schaefer in seiner hier besprochenen Arbeit u. a., 
die Möglichkeit staatsanwaltschaftlicher Mitwirkung bei der Ent¬ 
mündigung Trunksüchtiger. Ein grundsätzliches Eheverbot ist nicht 
durchführbar, auch nach den verschiedensten Richtungen hin äußeret 
bedenklich. Die Verhütung des Alkoholismus während der Ehe hat 
nach den allgemeinen Grundsätzen der Bekämpfung des Alkohol¬ 
mißbrauchs überhaupt zu geschehen. 

Eingehend wird dann die Heilung der Trunksucht besprochen: 
völlige Abstinenz, Unterbringung in Trinkerheilstätten eventuell unter 
Mitwirkung der Krankenkassen und Landesversicherungsanstalten mit 
und ohne Entmündigung unter einem gewissen Detentionsrecht der 
Heilstätten (cf. Schaefer). Ein weiterer Abschnitt ist der Frage 
der Trennung resp. Scheidung der Ehe gewidmet; Verfasser reden 
derselben in ausgedehntester Form das Wort und verlangen eventuell 
sogar eine Erweiterung der bisher gültigen Bestimmungen mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung der Trunkfalligkeit oder Trunksucht. 

Unter den gleichen Gesichtspunkten werden Morphinismus und 
Ehe behandelt. 

Besonders anziehend und lehrreich ist die Lektüre des Kapitels 
-Gewerbliche Schädlichkeiten und Ehe“. So unverkennbar günstig 
häufig die Eheschließung nach der Richtung eines Ausgleiches ge¬ 
werblicher Schädigungen durch ein geordnetes Eheleben wirkt, so ist 
nicht selten auch das Gegenteil zu erkennen, besonders da, wo die 
Frau gezwungen ist, zur Erhaltung des Hauswesens mitzuverdienen. 
Von den Rückwirkungen gewerblicher Schädigungen auf das Ehe¬ 
leben sind zu nennen die Übertragung gewisser beruflicher In¬ 
fektionen in die Familie (Tuberkulose, Lues, Milzbrand u. a.), ferner 
Beeinträchtigungen der weiblichen Genitalorgane durch anhaltendes 
Sitzen, Stehen, Maschinennähen. Eigenartig sind die Wirkungen der 
chronischen Intoxikationen besonders der Bleivergiftung auf die Nach- 

18 * 


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276 


D. Referate. 


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kommenschaft, zweifelhaft die der chronischen Quecksilbervergiftung, 
die Einwirkung des Tabaks, sicher die des Schwefelkohlenstoffe. 
Obenan steht die deletäre Wirkung des Bleies auf die körperliche 
und geistige Gemeinschaft in der Ehe, besonders auf die Deszendenz 
in bezug auf Mortalität und Morbidität. Kurz wird der unheilvolle 
Einfluß der Betriebsunfälle besonders der Unfallnervenkrankheiten 
auf das Eheleben gestreift, dagegen in eingehender Weise die viel¬ 
fach noch weit unterschätzten Schädigungen des Ehelebens durch die 
gewerbliche Überanstrengung besprochen. Der Schluß der Arbeit 
beschäftigt sich mit den notwendigen sozialpolitischen Maßnahmen 
zur Bekämpfung der Familie und Ehe bedrohenden gesamten gewerb¬ 
lichen Gefahren und den im Reiche sowie im Auslande schon jetzt 
vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen über Schutz gegen gewerb¬ 
liche Vergiftungen, Arbeitsdauer spez. bei Frauenarbeit, Schwanger¬ 
schafts- und Wöchnerinnenschutz usw. 

M. Bloch. 


Nienwenhuis, W., Anthropometrische Untersuchungen bei dm Dajak. 
Bearbeitet durch J. H. F. K o h 1 b r u g g e. Separatabdruck aus: 
„Mitteilungen aus dem niederländischen Museum für Völker¬ 
kunde“. Haarlem. H. Kleinmann. III und 17 S. 3 Tafeln. 
1 Karte. 8 Tabellen. (3,50 M.) 

Die sorgfältige und schön ausgestattete Arbeit bietet für den 
Anthropologen großes Interesse, indem sie durch gewissenhafte Ver¬ 
wertung eines nicht allzugroßen (nämlich sich nur über 135 Individuen 
erstreckenden) Materials doch mit Sicherheit das Vorhandensein zweier 
Rassentypen, eines langköpfigen und eines kurzköpfigen, in der ur- 
indonesischen d. h. vor-malayischen Bevölkerung der Insel Borneo auf¬ 
deckt, während Virchow durch einfache Zusammenrechnung aller 
vorhandenen Dajak - Indices auf Mesocephalie erkannt hatte. Dem 
Sozialhygieniker, soweit er mit Messungen zu tun hat, sei das über¬ 
raschende Resultat dieser Arbeit ein neuer Wink dafür, daß es in der 
Statistik durchaus nicht allein auf die Quantität und die Zuverlässig¬ 
keit des Materials ankommt, sondern vor allem auf die Methode 
der rechnerischen Verarbeitung. Das Material darf z. B. nicht, wie 
es leider meist geschieht, in künstliche, z. B. von 10 zu 10 steigende, 
sondern muß in natürliche Gruppen geteilt werden. Die Arbeit 
beweist, daß man unter Umständen auch ohne die Gauß-Jehring- 
schen Wahrscheinlichkeitsformeln auskommen kann, freilich nur dann, 
wenn wie hier das gesamte Urmaterial tabellarisch mitgeteilt wird, 
so daß dem Leser freisteht, selbst sich von dem (sonst zu berechnen¬ 
den) Grade der Sicherheit der gefundenen Mittelwerte zu überzeugen. 

A. Koch-Hesse. 


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IX. Entartnngstheorie, Konstitntionspathologie und Sexuelle Hygiene. 277 


Thumtvaldf M. f Stadt und Land im Lebensprozeß der Rasse. Archiv 
für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. 1. Jahrgang. 4. 5. 
und 6. Heft. 

Die Stadt stellt eine Siedlungsform dar, welche bei seßhaften 
Völkern entstanden ist. Sie ist zum Sitz von Macht und Kultur ge¬ 
worden. Mit der Entstehung der Stadt hat sich die Art des Wohnens 
und Lebens der Gesamtbevölkerung differenziert in eine städtische 

und eine ländliche. 

% 

Während aber früher nur ein geringer Teil des Gesamtvolkes in 
den Städten wohnte, ist das heute ganz anders geworden. Wir haben 
ein unerhörtes Anwachsen der Städte erlebt und eine moderne Stadt¬ 
form ist entstanden, die Großstadt, welche besonders in dem Auf¬ 
streben die germanischen Staatswesen, in England, Deutschland, 
Amerika und Australien charakterisiert. Sie waren eine Folge der 
Besserung der Kindersterblichkeit und des Aufkommens der modernen 
Industrie, welche es ermöglichte, daß viele im Lande bleiben konnten, 
die ehedem hätten auswandern müssen. 

Faßt man die Faktoren ins Auge, von denen das Absterben 
der Bevölkerung abhängt, so wird man daher vor allem der Wirkung 
der Berufe seine Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Aber erst 
dadurch, daß man auf die Krankheiten, die sich als Todesver¬ 
mittler hier anknüpfen, zurtickgeht, kann man die Stärke der Ab¬ 
hängigkeit der Todesvermittler vom Beruf erfassen. Es wird sich zeigen, 
daß der Beruf keineswegs immer direkt physisch schädigt, sondern die 
Übel häufig mit der ganzen Lebensführung, die mit dem Berufe 
oder der damit verbundenen sozialen Stellung zusammenhängt, gegeben 
sind. Nicht allein die Höhe des wirtschaftlichen Einkommens, sondern 
auch die vernünftige Disposition (z. B. Alkoholismus) ist dann in Be¬ 
tracht zu ziehen. 

Andere Faktoren bestimmen die Fortpflanzung. Hier treten 
stärker die Unterschiede der sozialen Stellung hervor. Sie wirkt 
sowohl auf das Heiraten, wie auf die Zahl der Geburten. Die 
Heiratshäufigkeit hat aber verhältnismäßig wenig Einfluß auf 
die Geburtenziffer, viel eher das Heiratsalter und besonders die 
Ehedauer. Während in den Städten die Zahl der Eheschließungen 
zunimmt, gehen die Geburten im allgemeinen, ganz besonders in 
Berlin, zurück. Das kann nicht allein mit dem etwas höheren Heirats¬ 
alter in den Städten oder der Schwächlichkeit der Frauen erklärt 
werden, sondern nur durch Anwendung geburtenverhindernder Prak¬ 
tiken. Diese Erscheinung in den Städten ist aber vorzugsweise auf 
die höheren Schichten beschränkt, während das eigentliche Proletariat 
sich reichlich vermehrt. Während aber die Kinder der wohlhabenderen 
Schichten unter guter körperlicher und geistiger Pflege heranwachsen 


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278 


D. Referate. 


können, ist diese Möglichkeit bei den Proletarierkindern unterbunden. 
Sie müssen also schon aus diesem Grande körperlich und geistig im 
Durchschnitt ungünstiger als die ersteren dastehen. Bei dieser Zer¬ 
legung der städtischen Bevölkerung kann man, sieht man von 
vielen Zwischenstufen ab, ungefähr zwei Haupttypen aufstellen: 
einen langlebigen, spätheiratenden kinderarmen mit geringer Kinder¬ 
sterblichkeit und einen kurzlebigen, frühheiratenden, kinderreichen 
mit hoher Kindersterblichkeit. Der erste Typ wird längere Zeit zu 
seiner Erneuerung brauchen als der letztere und der Rhythmus 
des Bevölkerungsersatzes ist bei letzterem viel rascher als bei ersterem. 
Der erstere Typ entspricht ungefähr den oberen städtischen Schichten, 
der letztere tritt am schärfsten in den Industriezentren in Erscheinung. 
Unter den Kombinationen des Absterbens und der Fortpflanzungsart 
muß jener Typ als der günstigste bezeichnet werden, welcher die 
beste Absterbensordnung mit der höchsten Fortpflanzung verbindet 

Die Art, wie in den Städten selbst die Volkserneuerung vor sich 
geht, kann, wie oben angedeutet, nicht als im Interesse einer quali¬ 
tativen Besserung der Rasse bezeichnet werden, und in der Tat 
sprechen u. a. die Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäftes in diesem 
Sinne. 

Wie dem auch sei, Gedankenrichtung und Geistesverfassung 
werden durch die führenden Köpfe in den oberen Schichten bedingt 
die in den Städten wohnen. Der kompliziert zusammengesetzte Um¬ 
gebungsfaktor Stadt wirkt in seiner Gesamtheit als ein eigen¬ 
artiger Auslese- und Ausmerzefaktor, bedingt also einen bestimmten 
Siebungsprozeß. Da er aber in festere und veränderliche Elemente zer¬ 
legbar ist, ergibt sich das Problem, ob diese veränderlichen Elemente 
vermöge der technischen und organisatorischen Mittel unserer Zeit so 
gestaltet werden können, daß die Gefahren, welche von der gegen¬ 
wärtigen Stadtform drohen, abgewendet werden können. Diese 
Wege zu finden, darauf muß das Suchen unserer Zeit gerichtet sein. 

Es war die Absicht des Verfassers, das Stadtproblem zu zer¬ 
gliedern, das festere vom flüssigeren zu scheiden und die verwackelten 
Zusammenhänge, die sich aus der Stellung der beruflichen und sozialen 
Schichten ergeben, ohne wirtschaftspolitische Parteinahme aufzuzeigen. 
Denn erst aus einer abgeklärten Einsicht in diese Unterschiede können 
wirkungsvolle praktische Maßnahmen erwachsen. 

Autoreferat. 

Bauer , i.. Der Zug nach der Stadt und die Stadterweiterung. Eine 
rassenhygienische Studie. Stuttgart. W. Kohlhammer. VL 
171 S. (3,50 M.) 

Eine erfreuliche Arbeit, die auf Grund eingehender Studien nnd 
langjähriger praktisch ärztlicher Erfahrungen nicht nur mit ruhig er- 


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XI. Entartnng8theorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 279 


wägendem Verstand, sondern mit einem warmen, zeitweise leiden¬ 
schaftlich erregten Herzen eindringlich geschrieben ist Verfasser 
sieht in der durch die Riesenzuwanderung vom Lande eintretenden 
Bevölkerungsverschiebung und der Erweiterung der Städte, deren 
Vororte auch mehr die gesundheitlichen Nachteile der Stadt haben, 
eine außerordentlich große Gefahr für die Volksgesundheit in Gegen¬ 
wart und Zukunft Er behandelt die Frage der Wohnungsüberfüllung 
nach der wirtschaftlichen, hygienischen und rein ärztlichen Seite mit 
Beibringung einer Fülle von Einzeltatsachen und zeigt die hygie¬ 
nischen Nachteile des hohen Stockwerkhauses im Vergleich zur 
Bauart kleinerer Einfamilienhäuser. Die Luftverunreinigung der 
Städte durch Fabriken, Staub, dichte Bebauung, Mangel an Gärten, 
wird nach ihren direkten und indirekten Gesundheitsgefahren ge¬ 
schildert und zugleich der Weg angegeben, auf dem in Zukunft die 
bisher entstandenen Nachteile zu vermeiden sind, durch Änderung 
der Bauart und Änderung der kommunalen Besteuerungspolitik. 

Der lebhaft geschriebene Schluß enthält Ausblicke in eine schönere 
Zukunft, in der man verstanden haben wird, diesen gesundheitlichen 
Nachteilen der Stadt und der Industrie durch radikale Umwälzungen 
in der Siedlungsweise zu begegnen. A 0otmetn4 

Schenckendorjf, E. v., und Lorenz, H., Wehrkraft durch Erziehung. 
Schriften des Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und 
Jugendspiele in Deutschland. R. Voigtländer. Leipzig. 259 S. 
(3,00 M.) 

Eine Anzahl Autoren, meist pädagogischer Observanz, aber auch 
Militärs und ein Arzt haben sich hier zur Erörterung der Frage vereint, 
wie die bereits zur Verfügung stehenden Erziehungsmittel, die sich zur 
Förderung der Wehrkraft eignen, noch nachhaltiger und tiefgreifender 
zu verwenden sind. Der ärztliche Beitrag stammt aus der Feder des 
Generalarztes HugoMeisner und behandelt die körperlichen Fehler 
der Militärpflichtigen und ihre Verhütung. Nach Meisner wurden 
von den in den Listen geführten Wehrpflichtigen pro Mille im Jahre 



1882 

1887 

1892 

1897 

1902 

znrückgestellt 

528 

534 

538 

541 

539 

ausgemustert 

der Ersatzreserve I bzw. der Er¬ 

86 

68 

32 

38 

39 

satzreserve überwiesen 1 

der Ersatzreserve II bzw. dem 

111 

105 

87 

79 

78 

Landsturm I überwiesen 

66 

70 

125 

102 

92 

im ganzen 

791 j 

777 

782 

760 

748 


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280 


D. Referate. 


Es ergibt sich daraas, daß „innerhalb dieser zwanzig Jahre die 
Zahl der Untauglichen in den ersten zehn Jahren weit über die 
Hälfte abgenommen und in den letzten zehn Jahren eine geringe 
Steigerung erfahren hat, und daß die Zahl der Mindertauglichen um¬ 
gekehrt in gleichem Verhältnis erst zugenommen und dann abgenommen 
hat. Zusammen ist die Zahl beider, nach Abzug der Zurückgestellten, 
von 263 pro Mille auf 209 pro Mille stetig heruntergegangen“. 

Ob dieses günstige Ergebnis nicht aber mehr den herabgesetzten 
Anforderungen zu danken ist als den besseren Resultaten, untersucht 
Meisner nicht. 

A. Grotjahn . 


Die Bedeutung der ländlichen Bevölkerung für die Wehr¬ 
kraft des Deutschen Reichs nach den van dem 
Herrn Reichskanzler angeordneten Erhebungen. 
Sonderdruck aus dem Archiv des Deutschen Landwirt¬ 
schaftsrats. Jahrgang 28. S. 257—301. 

Auf Anregung des Deutschen Landwirtschaftsrates und Ersuchen 
des Reichstages hat der Reichskanzler angeordnet, daß beim Heeres¬ 
ersatzgeschäft Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen 
genauer als bisher ermittelt und statistisch verarbeitet werden. Die 
Resultate vom Jahre 1902 sind nur in der vorliegenden Publikation 
mitgeteilt (vgl. diesen Jahresbericht, Band III, S. 15) und im Anschluß 
daran die Verhandlung des Landwirtschaftsrates vom 12. Februar 
1904, die sich mit der Tauglichkeitsstatistik befaßte, wiedergegeben. 
Die Folge dieser Verhandlung war, daß der deutsche Landwirtschafts¬ 
rat nochmals den Reichskanzler ersuchte, das gesamte Material der 
Ersatzbehörden den statistischen Zentralstellen zur fortlaufenden 
Verarbeitung und Veröffentlichung zu überweisen. Der Verhandlungs¬ 
bericht enthält ein gediegenes Referat Sering’s über die verschiedene 
Bedeutung der ländlichen und städtischen Bevölkerung für die Wehr¬ 
kraft des Deutsches Reiches. 

A. Grotjahn . 


Schwiening, JET., Krieg und Frieden. Sonderdruck aus dem 
Handbuch der Hygiene. IV. Supplementsband: Soziale Hygiene. 
Jena. Gustav Fischer. S. 655—726. (2,50 M.) 

In der kleinen Abhandlung, die man wegen der Fülle der in ihr 
behandelten interessanten Fragen gern in größerem Umfange gesehen 
hätte, hat sich der Verfasser zur Aufgabe gemacht „den Beziehungen 
nachzugehen, in denen sich Kriegs- und Friedenszeiten auf sozial¬ 
hygienischen Gebieten besonders bemerkbar gemacht haben“. Dieser 


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IX. Entartnngstfaeorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 281 

Aufgabe hat er sich mit großem Geschick entledigt, nicht zum wenigsten 
dadurch, daß er mit einer für einen Arzt ungewöhnlichen Kenntnis 
der nationalökonomischen und demographischen Literatur überall dort, 
wo ihn der Stoff dazu einlud, die biologische Seite seines Themas 
durch die soziologische Betrachtung ergänzte. In vier Kapiteln 
schildert Verfasser den Einfluß von Krieg und Frieden in 1. demo¬ 
logischer, 2. epidemiologischer, 3. sozialer und moralstatistischer und 
4. hygienischer Beziehung. Auch Schwiening ist der Ansicht, daß 
für die Weiterentwicklung eines Volkes die Höhe der Geburtenzahl 
und ein dadurch verbürgter hinreichender Geburtenüberschuß von 
einschneidendster Bedeutung ist. 

A. Grotjahn . 


Stratz, C. H., Naturgeschichte des Menschen. Grundriß der somatischen 
Anthropologie. Mit 342 Abbildungen und 5 farbigen Tafeln. 
Stuttgart. F. Enke. 408 S. (16,00 M.) 

Wer sich für Anthropologie interessiert, ohne Mediziner zu sein, 
wird in dem vorliegenden Buche ein ganz besonders geeignetes Ein- 
fühmngsbuch in die Wissenschaft vom Menschen finden. Alle Vor¬ 
züge der bisherigen von Stratz verfaßten, von der Verlagsbuch¬ 
handlung Ferdinand Enke ausgestatteten Werke vereinigen sich in 
diesem — Klarheit, Kürze, Beschränkung auf das Wesentliche, vollen¬ 
detes Ineinandergreifen von Wort und Bild und Allgemeinverständlich¬ 
keit im besten Wortsinne. Das erste Kapitel behandelt die anthro¬ 
pologische Forderung, das zweite die Phylogenese, das dritte die 
Ontogenese des Menschen, das vierte die Somatologie im engeren 
Sinne, das fünfte die allgemeine und das sechste die besondere Rassen¬ 
lehre. 

A. Grotjahn. 


Kohlbrugge, J. H. F., Stadt und Land II. Sonderdruck aus dem 
Internationalen Zentralblatt für Anthropologie und verwandte 
Wissenschaften. Heft 6. 1903. 10 S. 

Der Verfasser liefert hier einen beachtenswerten Beitrag zu der 
Frage nach dem degenerierenden Einfluß des städtischen Lebens, den 
er nicht so hoch einschätzt wie andere. Als Beweis, daß die städtischen 
Familien gar nicht so schnell aussterben, wie man anzunehmen gewohnt 
ist, führt er die portugiesischen Juden in Amterdam und besonders die 
Patrizier dieser stets als ungesund bezeichneten Stadt an. 205 Ge¬ 
schlechter haben der Stadt Amsterdam vom Ende des 16. Jahrhunderts 
bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Regenten geliefert. Von vier fehlen 
die Daten. Von den übrigen sind 142 im Mannesstamm erloschen. Es 


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282 


D. Referate. 


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leben noch 59 = 29 Proz. Die fortlebenden Geschlechter haben 300 
Stadtjahre = 9 Generationen, aber auch die aasgestorbenen Geschlechter 
haben durchschnittlich 6 Generationen erlebt. Wenn man bedenkt, 
daß viele der Geschlechter in weiblichen Zweigen weiterleben, so ist 
das zwar eine ganz respektable Leistung, die jedoch den Grundsatz, 
daß die patrizischen Geschlechter in den Städten aussterben, keines¬ 
wegs erschüttern. Denn man darf doch nicht vergessen, daß in der 
nämlichen Zeit, in der die Amsterdamer Geschlechter auf den vierten 
Teil reduziert wurden, die übrige holländische Bevölkerung sich durch 
eigenen Bevölkerungsüberschuß verdreifachte. 

A. Grotjdhn. 


Schoenbom, 8., Aussterbende Familien. Sonderdruck aus den Bei¬ 
trägen zur Klinik der Tuberkulose, herausgegeben von 
L. Brauer. 

Es werden die Stammbäume von zwei Phthisikerfamilien mit¬ 
geteilt, deren erster besonders deutlich die Vererbbarkeit einer Dispo¬ 
sition zur Lungentuberkulose dartut. Am Schluß der Abhandlung 
verwertet der Verfasser die Mitteilung von Aoyama, daß in Japan 
die Säuglinge nur mit Brustmilch ernährt werden und trotzdem die 
Tuberkulose häufig ist, mit Recht gegen die Behring’sche Hypo¬ 
these von der Entstehung der Tuberkulose durch Genuß der Milch 
perlsüchtiger Kühe im Säuglingsalter. 

A. Grotjdhn, 


Petruschky, Beobachtungen über Ehen und Nachkommenschaft Tuber¬ 
kulöser, die mit Tuberkulin behandelt wurden. Zeitschrift für 
Tuberkulose und Heilstättenwesen. Band 6. Heft 4. 

Petruschky weist an einer Zahl von 11 von ihm mit Tuberkulin 
erfolgreich behandelten Frauen nach, daß man so geheilten Tuber¬ 
kulösen die Heirat ohne Gefahr gestatten könne, daß man sogar auch 
während der Schwangerschaft die Behandlung fortsetzen könne. Er 
bestreitet die Vererbung nicht bloß des Tuberkelbazillus, sondern auch 
der tuberkulösen Disposition. Wenn die Nachkommenschaft tuberkulös 
wird, so beruhe dies auf frühzeitiger Infektion durch die Eltern. In 
diesem Falle besäßen wir in dem Tuberkulin ein erfolgreiches Mittel. 

A. Gottstein, 


Prinzing, F., Die sterilen Ehen. Zeitschrift für Soziale Wissen¬ 
schaft. 7. Band. S. 47—51 und S. 116—124. 

Die Statistik der sterilen Ehen ist noch wenig entwickelt. Streng 
genommen sind sterile Ehen nur die, bei denen nicht einmal eine 


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IX. Entartungstheorie, Konstitutionspathologie und Sexuelle Hygiene. 283 

Fehlgeburt vorkam; gewöhnlich wird aber der Begriff so gefaßt, daß 
man die Ehen darunter versteht, in welchen keine lebensfähigen 
Kinder zur Welt kamen. Der Prozentsatz dieser Ehen ist in den 
einzelnen Ländern verschieden; er schwankt bei den Ehen von mehr 
als 25jähriger Dauer zwischen 4,6 (Neusüdwales) und 11,5 (Kopen¬ 
hagen). Auf dem Lande sind die sterilen Ehen weniger häufig als 
in den Städten. In etwa 40 Proz. der sterilen Ehen liegt die Ur¬ 
sache beim Manne, bei dem die Sterilität meist Folge von durch 
Tripperinfektion bedingter Azoospermie ist. 

Autoreferat. 


Report of the Interdepartmental Committee on Physical 
Deterioration. III Vol. Wyman & Sons. London. 1904. 

Vor etwa zwei Jahren ist in England eine von Delegierten sämt¬ 
licher Ministerien gebildete Reichskommission zum Studium der Frage 
eingesetzt worden, ob durch den Übergang Englands vom Agrarstaat 
zum ausgesprochenen Industriestaat eine Verschlechterung der Körper¬ 
beschaffenheit der für die Rekrutierung der englischen Land- und 
Seemacht in Frage kommenden Bevölkerungsschichten stattgefunden 
hätte. Dieses Interdepartmental Committee on Physical Deterioration 
hat jetzt die Resultate seiner Erhebungen in drei umfangreichen Bänden 
veröffentlicht Der an den Premierminister gerichtete summarische 
Bericht, der an der Spitze der Veröffentlichen wiedergegeben ist, 
erklärt die Frage, ob die englische Bevölkerung im Laufe des ver¬ 
gangenen Jahrhunderts sich körperlich verschlechtert habe, als un¬ 
beantwortbar mangels zuverlässiger, eine Vergleichung gegenwärtiger 
mit vergangener Zeit zulassender Daten, erklärt es aber zugleich für 
unerläßlich, mit der Sammlung derartiger Angaben zu beginnen, und 
schlägt als erste und wichtigste Maßregel die anthropometrische 
Aufnahme der gesamten Bevölkerung Großbritanniens und Irlands vor. 

Da in England keine allgemeine Wehrpflicht und deshalb auch 
keine allgemeine Musterung besteht, konnte der von Professor 
Cunningham ausgearbeitete Plan einer anthropometrischen Auf¬ 
nahme der Bevölkerung, der dem Bericht angefügt ist, sich zunächst 
nur an die Schulorganisation anschließen, wenn daneben auch die 
Messung der Mitglieder von Vereinen, Berufsständen, Hilfskassen usw. 
vorgesehen worden ist. Cunningham schlägt vor, das ganze Land 
in 400 Bezirke mit je 100000 Personen zu teilen und in jedem Distrikt 
sämtliche Schulkinder (etwa 18—20000) und einige Tausend Erwachsene 
einer bestimmten Jahresklasse einer anthropometrischen Aufnahme zu 
unterziehen. Er hält einen Stab von 16 zu diesem Zweck besonders 
ausgebildeten Beamten für hinreichend, im Laufe eines Dezenniums 
die Messungen so durchzuführen, daß jeder Bezirk alle zehn Jahre 


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284 


D. Referat«. 


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an die Reihe kommt. Ein statistisches Zentralbureau soll die Be¬ 
arbeitung des so gewonnenen Materials übernehmen und die Resultate 
durch ergänzende Messungen von Vereinen, Berufsständen, Kranken¬ 
kassen usw. vervollständigen. Die anthropometrische Aufnahme soll 
bei jedem Individuum feststellen: 1. Körpergröße, 2. Brustumfang 
(Exspirium und Inspirium), 3. Gewicht, 4. Länge, Breite und Höhe 
des Kopfes, 5. Schulterbreite, 6. Hüftbreite, 7. Sehschärfe und 8. Pig¬ 
mentierung. 

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die englische Regierung über 
kurz oder lang diesen oder einen ähnlichen Plan verwirklichen wird. 
England würde damit in sozialhygienischer Beziehung ebenso bahn¬ 
brechend vorgehen, wie es in der Mitte des vorigen Jahrhunderts 
durch die Inaugurierung der modernen Städteassanierung vorbildlich 
geworden ist, und würde den Vorsprung einholen, den Deutschland 
auf hygienischem Gebiete durch die bei uns zu so hoher Blüte gelangte 
bakteriologische Forschung unbestreitbar in den letzten Jahrzehnten 
erlangt hat. 

Dieser Plan einer anthropometrischen Aufnahme ist das inter¬ 
essanteste des vorliegenden Berichtes, der außerdem noch eine Fülle 
sozialhygienischer Daten, die aber nur für England von Wichtigkeit 
sind, enthält. 

A. Grotjahnu 


x. 

Vermischtes. 

Von neubegründeten Zeitschriften sind an dieser Stelle folgende 
zu erwähnen: 

Archiv für soziale Medizin und Hygiene. Neue Folge 
der Monatsschrift für soziale Medizin. Herausgegeben von M. Fürst 
und K. Jaffö im Verlage von F. C. W. Vogel in Leipzig. Erscheint 
in zwanglosen Heften, von denen 4 einen Band von 24 Bogen bilden. 
Preis eines Bandes 12,00 M. Ihre bisherige Tendenz soll diese Zeit¬ 
schrift auch als Archiv beibehalten, nämlich auf der einen Seite in 
ärztlichen Kreisen das Interesse für die allgemeinen sozialen Aufgaben 
zu wecken und zu kräftigen, andererseits den Nichtärzten vorzuführen, 
was innerhalb der ärztlichen Wissenschaft und Praxis für die all¬ 
gemeine Wohlfahrt und Gesundheit der breiten Massen geschieht. 

Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle 
Hygiene. Herausgegeben von Karl Ries in Stuttgart im Verlag 


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X. Vermischtes. 


285 


von W. Malende in Leipzig. Preis des Jahrganges (12 Hefte) 8,00 M. 
Dem Prospekte nach wird die neue Monatsschrift es sich zur Aufgabe 
machen, es dem Praktiker zu ermöglichen, sich ohne Mühe über alles 
Neue auf dem Gebiete der Harnkrankheiten zu orientieren, ebenso 
aber auch durch zusammenfassende Arbeiten die dem Spezialisten 
geläufigen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden bei Krankheits¬ 
erscheinungen seitens der Harnorgane, die zum Teil noch in das Gebiet 
des Dermatologen, des Gynäkologen, des inneren Mediziners und des 
Chirurgen hineinreichen, dem Praktiker in möglichst präziser und 
einfacher Form vor Augen zu führen. Die Monatsschrift wird sich 
an dem Kampfe gegen die Geschlechtskrankheiten beteiligen, indem 
sie sich bemüht, durch einschlägige Arbeiten und Berichte die Auf¬ 
merksamkeit der praktischen Ärzte auf das schwierige Gebiet der 
Diagnostik und Therapie der sexuellen Erkrankungen zu lenken, 
außerdem aber ein Hauptaugenmerk der sexuellen Hygiene zuzuwenden 
und die Erscheinungen der Prostitution zu beleuchten. Schließlich 
soll auch das Gebiet der sexuellen Psychopathie tunlichst berück¬ 
sichtigt werden. 

Archiv für Sozial w issenschaft und Sozialpolitik. Neue 
Folge von H. Braun’s Archiv für Statistik und soziale Gesetzgebung. 
Herausgegeben von W. Sombart. M. Weber und E. Jaff6 im 
Verlage von J. C. B. Mohr in Tübingen. 

Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Straf¬ 
rechtsreform. Herausgegeben von Aschaffenburg unter Mit¬ 
wirkung von A. Kloss, K. v. Lilienthal und F. v. Liszt im Verlag 
von Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung in Heidelberg. Preis des 
Jahrganges (12 Hefte) 20,00 M. Der Prospekt kennzeichnet die Auf¬ 
gaben, die sich die neue Zeitschrift gestellt hat, mit folgenden Worten: 
Unsere Anschauungen von Hecht und Unrecht, von dem Wesen des 
Verbrechens und der Natur des Verbrechers, von den Wirkungen der 
Strafe auf den einzelnen und die Gesamtheit haben im Laufe der 
Jahre erhebliche Wandlungen erfahren. Allenthalben sind neue 
Fragen aufgetaucht, die der Beantwortung noch harren, Gedanken, 
die erst noch ausreifen müssen, bevor sie nutzbringend verwertet 
werden können. Immer mehr drängt sich die Notwendigkeit hervor, 
die Prophxlaxe des Verbrechens auszubilden, die Jugendlichen zu 
schützen, den dauernden Rückfall zu verhindern. Die Umgrenzung 
des Begriffs der verminderten Zurechnungsfähigkeit und mehr noch 
die Schwierigkeit, in welcher Weise der Staat sie behandeln, ihre 
Gefährlichkeit beseitigen kann, nimmt in wachsendem Maße das 
Interesse aller Beteiligten in Anspruch. Die große Gefährdung der 
öffentlichen Rechtssicherheit durch die Geisteskranken verlangt die 


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286 


D. Referate. 


Klarstellung, wie diesem schreienden Mißstande abgeholfen werden 
kann. Eine der wichtigsten Fragen, deren Bearbeitung die Zeit¬ 
schrift dienen soll, seien hier hervorgehoben, ohne daß die Aufzählung 
auf Vollständigkeit Anspruch macht: 1. Ursachen der Verbrechen 
(Statistik, Analyse bestimmter Gruppen und Einzelfälle). 2. Psycho¬ 
logie und Anthropologie des Verbrechers. 3. Die Wirkung der Strafen, 
einschließlich des Gef&ngniswesens und mit besonderer Berücksichtigung 
eines Strafvollzugsgesetzes (Einzelhaft, Progressivsystem, Gefangnis- 
psychosen, bedingte Begnadigung und Verurteilung.) 4. Die ethischen, 
rechtlichen und sozialen Grundlagen des Kampfes gegen das Ver¬ 
brechen. 5. Die Prophylaxe des Verbrechens, Fürsorge- und Zwangs¬ 
erziehung (Arbeitshäuser, Arbeitskolonien). 6. Strafrechtliche Ver¬ 
antwortlichkeit Geisteskranker, vermindert Zurechnungsfähiger, Jugend¬ 
licher, Taubstummer. 7. Kritische Betrachtung der im In- und Aus¬ 
lande bestehenden Gesetze und Gesetzentwürfe, sowie der Entschei¬ 
dungen der höchsten Gerichte. 8) Sozialpathologische Erscheinungen 
(Prostitution, Bettel und Landstreicherei, Massenpsychologie). Nur 
durch wissenschaftliche, unvoreingenommene Forschung wird es mög¬ 
lich sein, diese Vorarbeiten zu einer Strafrechtsreform soweit zu klären, 
daß sie bei der Umgestaltung des Strafrechts berücksichtigt werden 
können. Aber nur einträchtiges Zusammenarbeiten aller Beteiligten, 
der Theoretiker und Praktiker, der Juristen und Ärzte, der Straf¬ 
vollzugsbeamten und der Soziologen gibt die Hoffnung auf Lösung 
der notwendigsten Vorfragen. Das soll die Aufgabe dieser Zeitschrift 
sein, eine Reform des Strafrechts anzubahnen auf der zuverlässigen 
Grundlage, die allein die Wissenschaft geben kann, und dazu beizu¬ 
tragen, das Strafrecht psychologisch zu vertiefen. Die 
äußerliche Anordnung des Stoffes ist so gedacht, daß jedes der 
monatlich erscheinenden, etwa 4 Bogen starken Hefte einige größere 
Originalarbeiten enthalten soll; weiter sollen alle besonders wichtigen 
Kriminalfälle, möglichst bald von beteiligten Richtern, Anwälten oder 
Ärzten eine Darstellung und psychologische Würdigung erfahren, Ge¬ 
setzesvorschläge tunlichst sofort nach dem Erscheinen fachmännisch 
besprochen werden. Die Besprechungen der Literatur werden nnr 
auf das Arbeitsgebiet der Zeitschrift beschränkt werden, ohne aller¬ 
dings diese Grenze allzu eng zu ziehen. 

Annali delV Istituto Maragliano per lo Studio e la 
Cura della Tübercolosi e di Altre Malattie Infective. 
Herausgegeben von E. Maragliano in Genua. Preis des Bandes 
von sechs Heften zu je 64 Seiten 25,00 L. 

Internationales Archiv für Schulhygiene. Herausgegeben 
in zwanglosen Heften, von denen vier einen Band zum Preise von 


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X. Vermischtes. 


287 


30,00 Mark bilden, von H. Griesbach, L. Brnnton, A. Johan¬ 
nessen und A. Mathien, im Verlage von W. Engelmann in Leipzig. 
Das Archiv verfolgt lediglich wissenschaftliche Zwecke und 
stellt sich die Aufgabe, den gesundheitlichen Interessen aller Schul¬ 
gattungen einschließlich Hochschulen der zivilisierten Länder zu 
dienen. Es umfaßt folgende Arbeitsgebiete: 1. Hygiene der Schul¬ 
gebäude und ihrer Einrichtungen, 2. Hygiene der Internate und Kinder¬ 
gärten, 3. Schulhygienische Untersuchungsmethoden, 4. Hygiene des 
Unterrichts und der Unterrichtsmittel, 5. Hygienische Unterweisung 
der Lehrer und Schüler, 6. Körperliche Erziehung der Jugend, 7. Krank¬ 
heiten und ärztlicher Dienst in den Schulen, 8. Hygiene der Sonder¬ 
schulen, 9. Hygiene der Schuljugend außerhalb der Schule, 10. Hygiene 
des Lehrkörpers, 11. Allgemeines über hygienische Erziehung der 
Jugend, 12. Gesetzliche Bestimmungen und Vorschriften über Schul¬ 
hygiene, 13. Schulhygienische Versammlungen und Kongresse, 14. Ge¬ 
schichte der Schulhygiene. 

Hygienische Blatter. Offizielles Organ der Deutschen Gesell¬ 
schaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums. Herausgegeben von G. 
Fla tau und C. Reißig als Monatsschrift im Verlag von E. Grosser 
in Berlin. Preis 1,50 M. jährlich. 

Das Schulzimmer. Unter Mitwirkung zahlreicher Fachmänner 
herausgegeben als Vierteljahrsschrift von P. Johs. Müller-Berlin. 
Das Blatt berichtet über die Fortschritte auf dem Gebiete der Aus¬ 
stattung und Einrichtung der Schulräume sowie des Lehrmittelwesens, 
mit besonderer Berücksichtigung der Forderungen der Schulhygiene. 

Die Landindustrie. Herausgegeben von G. Fischer im 
Verlage der deutschen Landbuchhandlung (H. Sohnrey). Nach dem 
Prospekt bezweckt die Zeitschrift eine Förderung aller ländlichen 
Klein- und Heimindustrien durch Beratung in technischen und künst¬ 
lerischen Fragen und Anregung zum genosseuschaftlichen Zusammen¬ 
schluß, sowie die Unterstützung der Tendenz der Industrialisierung der 
Landwirtschaft und Förderung aller landwirtschaftlichen industriellen 
Nebenbetriebe. Auch dem Zuge der städtischen Industrie aufs Land 
wird energisch das Wort geredet. 

Rundschau in der Alkoholfrage. Organ der Internationalen 
katholischen Vereinigung gegen den Alkoholismus und des Priesterabstinenten¬ 
hundes. Redigiert von F. Keller und verlegt vom Charitasverband 
in Freiburg i. Br. Erscheint monatlich zum Preise von 1,40 M. jährlich. 

Mutter und Kind. Illustrierte Halbmonatsschrift für Kinder¬ 
pflege, Erziehung und Frauenhygiene. Herausgegeben von H. B a u d 1 e r 
im Verlag von M. Perles in Wien. Preis jährlich 8,00 M. 


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288 


D. Referate. 


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Die neue Frauentracht. Mitteilungen der Freien Vereinigung 
für Verbesserung der Frauenkleidung. Herausgegeben von Ella Law 
als Monatsschrift im Verlag von Callwey in München. Preis 3,00 M. 
jährlich. Die Zeitschrift will keine eigentliche Modenzeitung sein, 
doch bringt 'sie in jeder Nummer einige Abbildungen von Reform- 
kleidem, auch werden mehrere Male im Jahre Schnittmusterbogen 
beigegeben. Der weitere Inhalt besteht aus Aufsätzen über die ein¬ 
schlägigen hygienischen und ästhetischen Fragen und aus den Vereins- 
nachrichten der in der „Freien Vereinigung“ verbündeten Vereine 
für Verbesserung der Frauenkleidung. 


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E. Bibliographie. 


(Die mit * versehenen Veröffentlichungen haben im Referatsteil eine Besprechung 
gefunden. — Wo keine Jahreszahl angegeben ist, ist stets 1904 zu lesen.) 


I 

Methode und Geschichte der sozialen Hygiene. 


1. Allgemeines. 

Biermajw, W. E., Sozialwissenschaft, Geschichte und Naturwissenschaft. Jahrb. 

f. Nationalökon. u. Statistik. III. F. XXVIII, 5. 

Breitung, M., Die sozialpolitische Bedeutung der Volkshygiene. Vortrag aus der 
„Deutschen Monatsschrift für das gesamte Leben der Gegenwart“. (20 S.) 
Mk. 0,50. Berlin. A. Duncker. 

Brouardel, P., et Mosny, E., Plan d’un traitS d’hygifcne. Annales d’Hygiene 
publ. 4e S 6 rie. Tome I, 481. 

Brügner, A. F., Aufgaben der Volkshygiene. Polit.-Anthrop. Key. III, 5. 
Eleutheropulos, A Soziologie. (XIV, 196 S.) Mk. 3,25. Natur und Staat. Bei¬ 
träge zur Naturwissenschaftlichen Gesellschaftslehre. Eine Sammlung Ton 
Preisschriften. Hrsg. y. E. Ziegler in Verbindg. m. Conrad u. Haeckel. 6 . TL 
Jena. G. Fischer. 

♦ Ensch, La socialisation de la mödecine, essai d’hygiöne sociale. Rev. d’Hyg. 

XXVI, 1, 3. 

Földes, B., Individualprinzip, Sozialprinzip und sozialethisches Problem. Jahrb. f. 

Nationalökon. u. Statistik. III. F. XXVIII, 1. 

Fuld, A., Volkskrankheiten und Sozialpolitik. Polit.-Anthrop. Rev. III, 2. 
Gibson, T., Sanitary progress. Sanitary Record. XXXIV, 676, 597. 

Good, P„ Hygiene und Moral. Eine zeitgemäße Studie. Aus dem Französischen 
übersetzt durch E. Mazerolle. (XII, 08 S.) Mk. 0,60. Straßburg. F. H. Le 
Roux & Co. 

Grotjahn, A., Das soziale Moment in der Medizin und Hygiene. Medizin. Reform. 
XII, 25, 26. 

Hueppe, F., Hygiene und Serumforschung. S.-A. aus Archiv f. Rassen- u. Gesellsch.- 
Biologie. 1 , 3. 

Landsberger, Soziale Hygiene und Medizin. D. med. Wochenschr. XXX, 31. 

* Orth, J., Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege. (55 S.) Mk. 0,80. 

Bibliothek der Gesundheitspflege. 1. Bd. Stuttgart. E. H. Moritz. 

— Die Beziehungen der Pathologie zu den anderen Wissenschaften. Zeitschr. f. 
ärztl. Fortbildg. I, 22. 

Jahresbericht über Hygiene and Demographie. IV. Jahrgang. 19 


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290 E. Bibliographie. 

*Petmschky, J., Sozialhygiene. Einführende Bemerkungen. Sonderabdruck tos 
„Gesundheit“. XXIX, 1. 

Rosenbach, O., Physician versus bacteriologist. 6 s. London. Funk & WagnaUs. 
Schallmayer, W., Zum Einbruch der Naturwissenschaft in das Gebiet der Geistes¬ 
wissenschaften. Arch. f. Rassen- u. Gesellsch.-Biologie. I, 4. 

Sombart, W., Warum interessiert sich heute jedermann für Fragen der Volks¬ 
wirtschaft und Sozialpolitik? (16 S.) Mk. 0,15. Sozialer Fortschritt Hefte 
n. Flugschriften f. Volkswirtschaft u. Sozialpolitik. Eingeleitet ▼. W. Sombart 
u. unter Mitwirkg. erster Sachkenner f. Gebildete aller Kreise geschrieben. 
Nr. 1—4 u. 10. Leipzig. F. Dietrich. 

Thompson, W. G„ The economic value of medical Science. Med. News. LXXXIY.9. 
Wiener, M., Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Er¬ 
kenntnis. Arch. f. Sozialwissensch. u. Sozialpol. N. F. I, 1. 

* Weyl, Th., Handbuch der Hygiene. IV. Suppl.-Band: Soziale Hygiene. 21 Taf. 
8 Abbildgn. u. 11 Kurven im Text XXX, 1077 S. Subskr.-Pr. Mk. 24,-. 
Einzelpr. Mk. 32,—. Jena. G. Fischer. 


2. Ärztliche Pflichtenlehre. 

Cheever, D. W., The ideal doctor. Boston med. a. surg. Journ. CLI, 19. 
Dresdner, L., Moderne sozialärztliche Bestrebungen. Vortrag. [Aus: „Wiener 
medizin. Presse“.] (51 S.) Mk. 1,60. Wien. Urban & Schwarzenberg. 
Hneppe, F., Was hat der praktische Arzt von der Hygiene? Deutsche Klin. XI, 241. 
Liszt, v„ Die Verantwortlichkeit bei ärztlichen Handlungen. Zeitschr. f. ärztL 
Fortbildg. I, 149, 193, 223. 

Owen, E., On William Hey: medical education. Lancet. Oct 22. 

Roberts, D. L., On medical ethics. Lancet. April 30. 

Schleich, C. L., Die fromme Lüge in der Medizin. [Aus: „Deutsche medizin. 

Presse“.] (7 S.) Mk. 0,60. Berlin. J. Goldschmidt. 

Shofield, A. T., Unconcious therapeutics; or, the personality of the physician. 
5 s. London. Churchill. 

Siebert, F., Moderne sozial-ärztliche Strebung. Münchn. med. Wochenschr. LI, 34. 
Zepler, G., Ueber Volkssprechstunden und Aerztekollegien. Medizin. Reform. XII, 1. 


3. Methode der Statistik. 

Bortkiewicz, L. v., Ueber die Methode der „Standard population“. Bull, de 
lTnst. Intern, de Statistique. XIV, 2. p. 417. 

Juraschek, F. v., Die IX. Session des internationalen statistischen Instituts in 
Berlin vom 20.—25. September 1903. Statist. Monatsschr. IX. p. 137. 
Mayr, G. v., Umgestaltung der amtlichen Statistik der Vereinigten Staaten von 
Amerika. G. v. Mayr s Allg. Statist. Arch. VI, 2. 

Methorst, H. W., Zur Geschichte der niederländischen Statistik. G. v. Mayrs 
Allg. Statist Arch. VI, 2. 

Mischler, E., Die Methode der Armenstatistik. Bull, de l’Inst. Intern, de Statistique. 
XIV, 2. p. 108. 

Stevenson, T. H. C., A Method of estimating future populations. (One chart. 
The Journal of Hygiene. IV, 4. 

Worms, R., La statistique. Rev. internat. de Sociol. XLI. p. 493. 

Zeller, H. v., Die Berliner Tagung des Internationalen Statistischen Instituts. 
Zeitschr. f. d. ges. Staatswissensch. 60. Jahrg. p. 531. 


4. Geschichte. 

* Bergmann, J., Geschichte der Antialkoholbestrebungen. Ein Ueberblick über die 
alkoholgegnerischeu Bestrebungen aller Kulturländer seit den ältesten Tagen 
bis auf die Gegenwart. Mit besonderer Berücksichtigung des Vereinswesens. 
Aus dem Sclnved. übers., neu bearb. u. hrsg. v. R. Kraut. 3. (Schluß-)Lfg 
(IX— XV u. 8. 265-458.) Mk. 2,40. Hamburg. Gebr. Lüdeking. 


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E. Bibliographie. 


291 


Besold, Geheimrat Dr. Peter Dettweiler f- Münchn. med. Wochenschr. LI, 6. 

* Bloch, J., Das erste Auftreten der Syphilis (Lustseuche) in der europäischen 

Kulturwelt. Gewürdigt in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung, dargestellt 
nach Anfang, Verlauf und voraussichtlichem Ende. Vortrag. (35 ö.) Mk. 0,60. 
Jena. G. Fischer. 

Dubois-Havenith, Voltaire et la ligue internationale pour la prophylaxie de la 
syphilis. Presse m6d. beige. Lvl, 20. 

Erismann, Fr., Dr. Schmid-Monnard. Nekrolog. Zeitschr. f. Schulgesundheitspfl. 
XVII, 1. 

Gerster, K., Abriß der Geschichte der Iatrohygiene vom Altertum durchs deutsche 
Mittelalter bis zur Neuzeit. Vortrag. [Aus: -Wien. med. Wochenschr.“] 
(41 S.) Mk. 1. Wien. M. Perles. 

Gerhardt, J. P., Zur Geschichte und Literatur des Idiotenwesens in Deutschland. 

(XII, 353 S.) Mk. 6,50. Hamburg. (Leipzig. K. G. Th. Scheffer). 
Giacomo, S. di. Die Prostitution in Neapel im 15., 16. und 17. Jahrhundert. 
(Nach unveröffentlichten Dokumenten.) Nach der deutschen Uebersetzung 
bearb. u. m. einer Einleitg. versehen v. J. Bloch. (VIII, 176 S.) Mk. 3,—. 
Dresden. H. R. Dohrn. 

Gonnard, R., Un prScurseur de Malthus: Giammaria Ort&s. Rev. d’Econ. Pol. 
XVIII, 8. 

Herkner, H., Zur Erinnerung an Dr. Fridolin Schüler. Soziale Praxis. XIII, 32. 
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19 * 


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Jahr 1903. (XX, 376 S.} Mk. 10,—. Jena. G. Fischer. 

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m. Abbildgn.) Mk. 5,—. Leipzig. Veit & Co. 

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XXX, 18, 19, 20. 

Festschrift zum 60. Geburtstage von R. Koch, hrsg. v. seinen dankbaren Schülern. 
Mit 8 Tafeln, 1 Plan, 79 Abbildgn. im Text. (VIII, 704 S.) Mk. 20,—. Jena 
1903. G. Fischer. 

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Gebiete der Hygiene. Jahrg. 1902. Hrsg. v. A. Pfeiffer. Supplement zur 
Deutschen Vierteljahrsschrift für öffentl. Gesundheitspfl. Bd. XXXV. (574 S.) 
Mk. 12,—. Braunschweig. Friedrich Vieweg & Sohn. 


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Hrsg. t. G. Schwalbe. Nene Folge. 9. Bd. Literatur 1903. 2 AbOgn. (374 
n. 330 S.) Mk. 30,-. Jena. G. Fischer. 

Jahresbericht Uber die Fortschritte in der Lehre von den pathogenen Mikro¬ 
organismen, umfassend Bakterien, Pilze und Protozoen. Bearb. u. hrsg. von 
P. t. Baumgarten u. F. Tangl. 18. Jahrg.: 1902. 1. Abt. (368 S.) Mk. 10,—. 
Leipzig. S. Hirzel. 


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11. Jahrg.: 1904. Nach den neuesten Angaben bearb. von F. Umlauft (IV. 
104 S.) Mk. 1,50. Wien. A. Hartleben. 

Hübner, O., Geographisch-statistische Tabellen aller Länder der Erde. 63. Ausg. 
f. d. J. 1904. Hrsg, von F. v. Juraschek. (VII, 99 S.) Mk. 1,60. Frank¬ 
furt a. M. H. Keller. 

The statesman’s year-book. Statistical and historical annual of the States of 
the world for the year 1904. Edit. by J. Scott Keltie and J. P. A. Renwick. 
10 s 6 d. London. Macmillan. 

'Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle im Jahre 1902. Bef. F. Zahn. 
Sonderabdruck aus den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches 
XIII. Jahrg. 1. Heft. 

Die überseeische Auswanderung 1903. Vierteljahrsh. zur Statistik des 
Deutschen Reichs. Hrsg, vom Kaiserl. Statist. Amt. XIII, 1. 
Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. Hrsg, vom kaiserl. Statist 
Amt. 25. Jahrg. 1904. (XX, 276 u. 39 S. m. 5 [4 färb.] Taf.) Mk. 2,—. Berlin. 
Puttkammer & Mühl brecht. 

Busch, A., Ein Vergleich zwischen der Berufs- und der Volkszählung des Jahres 
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Cannstatt, O., Die deutsche Auswanderung, Auswandererftirsorge und Auswanderer¬ 
ziele. (VHI, 349 S.) Mk. 7,—. Berlin-Schöneberg. Ernst Hahn. 
Kollmann, P., Das deutsche Volkszählungswerk von 1900. Jahrb. f. Gesetzgbg.. 
Verwaltg. u. Volkswirtsch. XXVIII, 2. 

Koren, J., Statistics of the deaf and dumb in Germany. Quart. Public, of the 
Americ. Statist. Assoc. Vol. IX. p. 123. 

Mayr, G. v., Die Bestimmungen für die Volkszählung im Deutschen Reich vom 
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— Zur Ausgestaltung der nächsten deutschen Berufs- und Betriebszählung. Soziale 
Praxis. XIV, 6. 


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*Die Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle im preußischen Staate 
während des Jahres 1902. (XXIV, 256 S.) Mk. 7,20. Preußische Statistik. 
(Amtliches Quellenwerk.) Hrsg, in zwanglosen Heften vom königl. Statist. 
Bureau in Berlin. 183. Heft. Berlin 1903. Verlag des Statist. Bureaus. 

Die Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle im preußischen Staate 
während des Jahres 1903. (XVIII, 248 S.) Preußische Statistik. (Amtliches 
Quellenwerk.) Hrsg, in zwanglosen Heften vom königl. Statist. Bureau in 
Berlin. 190. Heft. Berlin. Verlag des Statist Bureaus. 

*Statistisches Jahrbuch für den preußischen Staat. 1. Jahrg.: 1903. Hrsg, vom 
königl. Statist. Bureau. (IV, 242 S.) Mk. 1,—. Berlin. Verlag des königl. 
Statist. Bureaus. 

Broesicke, M. f Rückblick auf die Entwicklung der preußischen Bevölkerung von 

1875— 1900. Mit 17 Taf.gra.ph. Darstellgn. (X, 105, 160 u. X S.) Mk. 10—. 
Preußische Statistik. (Amtliches Quellenwerk.) Hrsg, in zwanglosen Heiten 
vom königl. Statist. Bureau in Berlin. 188. Heft. Verl. d. k. Statist. Bureaus. 

Vorschriften über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung. 

(D. V. E. Nr. 18.) 40 S. Mk. 0,30. Berlin 1903. E. S. Mittler & Sohn. 
Die Bewegung der Bevölkerung im Königreich Bayern für die 26 Jahre 

1876— 1900. Ztschr. d. kgl. bayr. Statist. Buraus. XXXVI, 1. 

Die Bewegung der Bevölkerung im Königreich Bayern während des Jahres 1902. 

Ztschr. d. kgl. bayr. Statist. Bureaus. XXXVI, 1. 

Geburten und Sterbefälle in 25 bayerischen Städten im 1. und 2. Viertel¬ 
jahre 1904. Ztschr. des kgl. bayr. Statist. Bureaus. XXXVI, 1. 

— im 3. Vierteljahr 1904. Ztschr. d. kgl. bayr. statist. Bureaus. XXXVT, 3. 

— im 4. Vierteljahr 1904. Ztschr. d. kgl. bayr. Statist. Bureaus. XXXVI, 4. 
Statistisches Jahrbuch für das Königreich Bayern. Hrsg, vom kgl. statist. 

Bureau. 7. Jahrg. 1903. Mit einem Anhang. Die Veröffentlichen, d. kgl. 
bayer. statist. Bureaus. (XVI, 315 S. m. 1 Taf.) Mk. 3,—. München. J. Lindauer 
in Komm. 

Grassl, Die Fruchtbarkeit des bayerischen Volkes im vorigen Jahrhundert Münch, 
med. Wochenschr. LI, 46. 

Mayr, A., Untersuchungen über die Agglomerationsverhältnisse der Bevölkerung 
im Königreich Bayern. Mit 7 Kartogrammen u. 13 Tab. (87 S.) Mk. 5,—. 
München. E. Reinhardt. 

Wächter, G., Die Bevölkerung Sachsens nach Geschlecht, Alter und Familienstand. 

Sonderabdr. aus d. Ztschr. d. kgl. sächs. statist. Bureaus. 48. Jahrg. 3. u. 4. H. 
Wichel, H., Eine Volksdichte-Schichtenkarte von Sachsen in neuer Entwurfsart. 

Ztschr. d. kgl. sächs. statist. Bur. L, 1, 2. 

* Statistisches Handbuch für das Königreich Württemberg. Jahrg. 1902 und 
1903. Hrsg, von dem kgl. statist. Landesamt (X, 243 S. m. 1 färb. Karte 
1 färb. Tafel.) Mk. 1,50. Stuttgart. W. Koblhammer in Komm. 
Statistisches Jahrbuch für das Großherzogtum Baden. 34. Jahrg.: 1903. (XX, 
602 S.) Mk. 6,—. Karlsruhe. Macklot. 

Kollmann, P., Das statistische Amt für das Großherzogtum Oldenburg in den 
ersten fünfzig Jahren seines Bestehens. Jahrb. f. Nationalökon. u. Statistik, 
m. Folge, xxvm, 6. 

*Die Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 im Großherzogtum 
Mecklenburg-Schwerin. (175 S.) Beiträge zur Statistik Mecklenburgs. Vom 
großherzoglich statistischen Amt zu Schwerin. Bd. XIII. Heft 4. Schwerin. 
Stiller’sche Hofbuchhdlg. 

Statistik des Hamburgischen Staates . Bearb. und hrsg. von dem statist. 

Bureau der Steuerdeputation. Heft XXII. (111 S.) Hamburg. 0. Meißner. 
Hamburgisches Staatshandbuch für 1904. Amtliche Ausg. (in, 412 S.) 
Mk. 5,—. Hamburg. L. Gräfe. 

* Statistisches Jahrbuch deutscher Städte. Hrsg. v. M. Neefe. 12. Jahrg. 

(XH, 481 S.) Mk. 14,—. Breslau. W. G. Korn. 

* Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin. 28. Jahrg. enth. die Statistik 1903 
(z. TI. auch 1904). Im Aufträge des Magistrats hrsg. v. E. Hirschberg. (XV, 
98 u. 481 S. mit 2 färb. Taf.) Mk. 10,—. Berlin. P. Stankiewicz. 
*Uebersichten aus der Berliner Statistik für das Jahr 1903. (Auszug aus dem 
28. Jahrg. des Statist. Jahrbuches der Stadt Berlin.) Hrsg. v. statist. Amte 
der Stadt Berlin. 64 S. Berlin. P. Stankiewicz. 


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E. Bibliographie. 


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Die Geburten, die Aufgebote und Eheschließungen, die Sterbefälle und Meldungen 
von ansteckenden Krankheiten, sowie die Zuzüge und Fortzüge im Jahre 1903 
in Berlin. Hrsg. v. Statist. Amt der Stadt Berlin. (III, 94 S.) Mk. 3,—. Berlin. 
P. Stankiewicz in Komm. 

*Die Grundstücks auf nähme Ende Oktober 1900 sowie die Wohnungs- und die 
Bevölkerungsaufnahme vom 1. Dezember 1900 in der Stadt Berlin. Hrsg. t. 
Statist. Amt der Stadt Berlin. (Umschlag: Die Berliner Volkszählg.) 2. Abt 
2. Bevölkerungsabnahme. (YI, 137 S.) Mk. 4,50. Berlin. L. Simion Nach! 
in Komm. 

*Hirschberg, E., Bilder aus der Berliner Statistik. Vortrag, (in, 28 S.) Mk. 1 T —. 
Volkswirtschaftliche Zeitfragen. Vorträge u. Abhandlgn., hrsg. v. der Volks¬ 
wirtschaft!. Gesellschaft in Berlin. 200. Heft. (26. Janrg. 8. Heft.) Berlin. 
L. Simion Nachf. 

Bevölkerungswechsel, Erkrankungen, meteorologische und physikalische Ver¬ 
hältnisse, Preise für Nahrungsmittel etc. im Jahre 1902. (104 S.) Mk. 2,—. 
Breslauer Statistik. Hrsg. v. stadst. Amt der Stadt Breslau. 23. Bd. 2. Heft 
Breslau. E. Morgenstern^ Verl. 

Stand und Bewegung der Bevölkerung bis zum Jahre 1903 (Eheschließungen, Ge¬ 
burten, Sterbefälle, Zu- und Fortzüge) und die gemeldeten Infektionskrankheiten 
mit graphischen Darstellungen. (IV, 72 S. m. 3 Taf.) Mk. 1,60. Charlotten¬ 
burger Statistik. Hrsg, vom stadst. Amt der Stadt. 18. Heft. Charlotten¬ 
burg. C. Ullrich & Co. 

Tabellarische Uebersichten, betr. den Zivilstand der Stadt Frankfurt a. M. im 
Jahre 1903. In Verbind*. m. d. Stadtarzte bearb. durch d. stadst Amt der 
Stadt. Vorl. Abdr. aus den Beiträgen zur Statistik d. Stadt Frankfurt a. M. 
Neue Folge. 35 S. Frankfurt a. M. R. Mahlau. 

Spann, O», Die unehelichen Geburten von Frankfurt a. M. Ztschr. f. Sozialwissen¬ 
schaft. VII. S. 701. 

Bevölkerungsstand und Haushaltungen der Stadt Schöneberg bei der Per¬ 
sonenstandsaufnahme vom 27. November 1903. Bearb. im Aufträge des Magi¬ 
strats vom stadst. Amt der Stadt Schöneberg. (7 S.) Schöneberg. 

*Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle in München im Jahre 1903, mit 
Rückblicken auf die Vorjahre und vergleichenden Uebersichten für die größeren 
Städte des Deutschen Reiches (nebst Wien und Zürich). (S. 195—234.) München. 

Münchener Jahresübersichten für 1903. (X, 96 S. m. Fig.) Mk. 2,—. Mitteilgn. 
d. stadst. Amtes d. Stadt München. 18. Bd. 4. Heft. München. J. Lindauer. 

*Statistisches Jahrbuch der Stadt Dresden. Jahrg. 1903. Hrsg, vom Statist 
Amte der Stadt Dresden. Chronik der Stadt Dresden f. d. Jahr 1903. Bearb. 
im Ratsarchiv. 227 S. Dresden. Zahn & Jaensch. 

* Lommatzsch, G Vorbemerkungen zu den Uebersichten von: Beiträge znr 
Statistik der Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle in den drei sächsischen 
Großstädten (Forts, u. Schluß). S.-A. aus der Ztschr. des kgl. sächs. Statist 
Bureaus. 49. Jahrg.: 1902. Heft 1 u. 2. 

Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900 in den im Reichsrate 
vertretenen Königreichen und Ländern. I. Heft. Erweiterte Wohnungsanf- 
nahme. (IV, LIII, 199 S.) Mk. 7,80. Oesterreichische Statistik. Hrsg, von 
der k. k. Statist. Zentralkommission. 65. Bd. I. Heft. Wien. K. Gerold’s 
Sohn in Komm. 

Bewegung der Bevölkerung der im Reichsrate vertretenen Königreiche und 
Länder im Jahre 1901. Oesterreichische Statistik. LXXH. Bd. I. Heft Hrsg, 
von der k. k. Statist. Zentralkommission. VIH, 246 S. Mk. 7,50. Wien. 
K. Gerold’s Sohn in Komm. 

Statistisches Jahrbuch der autonomen Landesverwaltung in den im Reichsrate 
vertretenen Königreichen und Ländern. Hrsg, durch die k. k. Statist. Zentral¬ 
komm. auf Grund d. v. den Ländern gelieferten Statist. Tabellen u. Materialien. 
IV. Jahrg. (XCH, 897 S.) Mk. 20,—. Wien. Hof- u. Staatsdruckerei. 

Geburten und Sterbefälle in Oesterreich 1901—1903. D. Österreich. Sanit&tsw. 
XVI, 48—52. 

Bratasseviö, E., Die Geburten und Sterbeverhältnisse in den größeren Städten 
u. Gemeinden Oesterreichs im Jahre 1903. Statist. Monatsscnr. IX. p. 211. 

Rosenfeld, S Zur Statistik der ehelichen Geburtenhäufigkeit in Oesterreich. 
Statist. Monatsschr. IX. p. 1. 


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E. Bibliographie. 


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Statistisches Jahrhuch der Stadt Wien für das Jahr 1901. Jahrg. XIX. Be¬ 
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Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien für das Jahr 1902. Jahrg. XX. Be¬ 
arbeitet von der Magistratsabteilung XXI für Statistik. (XIII, 954 S.) Wien. 
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kgl. ung. Handelsministeriums verf. u. hrsg. vom kgl. Ungar. Statist. Zentral¬ 
amt. Amtl. Uebersetzg. aus dem Ungar. Originale. (XVIII, 471 S.) Kr. 5,—. 
Budapest. F. Kilian’s Nachf. 

'Ungarisches statistisches Jahrbuch. Neue Folge. XI. Bd. 1903. Im Aufträge 
des kgl. ungar. Handelsministers verfaßt u. herausgeg. vom Statist. Zentralamt. 
Amtliche Uebers. aus dem Ungar. Originale. (XIX, 483 S.) Kr. 5,—. Budapest. 
Statistisches Jahrbuch der Haupt- und Residenzstadt Budapest IV. Jahrg. 
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Hrsg. v. statist. Bureau des eidgen. Departement des Innern. 140. Lieferg. 
Bern. A. Francke in Komm. 

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Tuberkulose-Arbeiten aus dem kaiserlichen Gesundheitsamte. 1. Heft. (HL, 
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tümlich dargestellt. (Schriften der Zentralkommission der Krankenkassen 
Berlins u. Vororte.) 3. vollständig umgearb. Aufl. (20 S.) Mk. 0,50. Berlin. 
J. Sassenbach. 

— Unser neues Merkblatt. Mitteilgn. der Deutsch. Gesellsch. zur Bekämpfung der 

Geschlechtskrankheiten. II, 2. 

— Das Merkblatt der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts¬ 

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deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. 3. Heft. 
Leipzig. J. A. Barth. 

Block, Ä, Der Abolitionismus. Neue Zeit. XXIII, 6. 

Blum, A., Hat die Schule die Aufgabe über sexuelle Verhältnisse aufzuklären? 
(32 S.) Mk. 0,60. Sammlung pädagogischer Vorträge. Hrsg. v. W. Meyer- 
Markau. XIV. Bd. 5. Heft. Minden. C. Marowsky. 

*Bonfort, H., Zur Abschaffung der Reglementierung und der Kontrollvorschriften. 
S.-A. aus Monatsschr. f. Soz. Medizin. I. 

Bonnette, Le plril vänerien; sa prophylaxis dans l'armge fran$aise. Gaz. des 
Hop. X. 

Braun, E., Wie schütze ich mich vor syphilitischer Ansteckung? Darf der Syphi¬ 
litiker heiraten? Allgemeinverständlich beantwortet. (87 S.) Mk. 2,—*. 

Berlin. H. Steinitz. 

*Bresler, J., Erbsyphilis und Nervensystem. (VI, 141 S.) Mk. 2,—. Leipzig. 

5. Hirzel. 

— Erbsyphilis und Nervensystem. Schmidts Jahrb. f. d. ges. Med. Bd. 282. 
Brosius, W., Eine Syphifisendemie vor zwölf Jahren und ihre heute nachweisbaren 

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*Burwinkel, O., Die Geschlechtskrankheiten. Ihre Ursache, Bedeutung und Be¬ 
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Leipzig. Mod. med. Verl. W. Glöckner & Co. 

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des Auges. Vortrag. 2. Aufl. (16 S.) Mk. 0,20. Flugschriften der deutschen 
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J. A. Barth. 

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Hastreiter, J., Die Geschlechtskrankheiten des Mannes. Mit besonderer Berück¬ 
sichtigung ihrer Verhütung. Gemeinverständlich dargestellt. (XIV, 316 S. mit 
1 Taf.) Mk. 3,—. München. Seitz & Schauer. 

Heidingsfeld, M. L., The control of Prostitution and the prevent of the spread 
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Hochsinger, K., Die Beziehungen der hereditären Lues zur Rachitis und Hydro- 
kephalie. 2 Vorträge. (S. 183—222.] Mk. 1,— . Wiener Klinik. Vorträge 
aus der gesamten praktischen Heilkunde. Redigiert von A. Bum. 30. Jahrg. 

6. Heft. Wien. Urban & Schwarzenberg. 

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Flugschriften der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts¬ 
krankheiten. 4. Heft. Leipzig. J. A. Barth. 

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Lobedank, Die Geschlechtskrankheiten. Gemeinverständliche Darstellung. (40 8.) 

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Mk. 1,20. Basel. Basler Buch- u. Antiquariatshandlung vorm. A. Geenng. 
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Hrsg, von K. Beerwald. 6. Heft. München. R. Oldenbourg. 

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F. W. Glöckner & Co. 

Prager, Die Geschlechtskrankheiten. Syphilis und Prostitution, deren Gefahren 
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Mk. 1,—. Wien. Szelinski & Co. 

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Schidlof, B„ Der Mädchenhandel. Seine Geschichte und sein Wesen. (380 S.i 
Mk. 5,—. Berlin. H. Steinitz. 


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mit dem Syndikus Dr. Schäfer-Hamburg wegen seiner Reichstagsrede am 28. 
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Monatsschr. z. Erforsch, d. Alkoh. XIV. p. 176. 

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Im Aufträge des Zentralvorstandes in zwanglos. Heften hrsg. v. H. Beerwald. 
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Freund, H, Die Alkoholfrage in der Armee. Militärarzt. XXXVIII, 13—18. 
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Buchhdlg. Vorwärts. 

— Alkohol als Krankheitsursache. Mit einem Vorwort von A. Weichselbaum. Mit 

10 Abbildgn. (23 S.) Mk. 0,15. Volksschriften übei Gesundheitswesen und 
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Oeill, C., Alkohol und Verbrechen in Dänemark. Alkoholismus. I, 4. 

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Hrsg, von Th. Weyl. IV. Suppl.-Bd. Jena. G. Fischer. 

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Personen in Preußen, welche mit der Erzeugung, dem Vertriebe und dem Ver¬ 
kaufe alkoholhaltiger Getränke gewerbsmäßig beschäftigt sind, im Vergleiche 
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Jena. G. Fischer. 

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Hartmann, M., Ueber die Aufgabe der höheren Schule im nationalen Kampfe 
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W. Kreis. (47 S.) Mk. 0,20. Basel. Schriftstelle d. Alkoholgegnerbundes. 
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J. F. Bergmann. 


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Alkohol. Mit zahlreichen Statist. Tabellen. 3. wesentlich verm. u. teilweise 
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— Die Sterblichkeitsverh&ltnisse der Gastwirte und anderer männlicher Personen in • 

Preußen. Intern. Monatschr. z. Erforsch, d. Alkoh. XIV. p. 291. 

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Alkoh. XIV. p. 335. 

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Berlin. A. Hirschwald. 

Juliusburger, O., Gegen den Alkohol. Gemeinverständliche Aufsätze. Mit einem 
Vorworte von A. Forel. (VIII, 63 S.) Mk. 1,—. Berlin. F. Wunder. 

— Die Bekämpfung der Abstinenz durch Herrn Prof. Hueppe. Med. Reform. XII, 35. 
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Merth, H, Die Trunksucht und ihre Bekämpfung durch die Schule. (IV, 275 S.) 

Mk. 2,50. Wien. A. Pichler’s Wtwe. & Sohn. 

Meslier, L’alcoolisme en province. Annales d’Hygtene publ. 4« Serie. Tome I, 205. 
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— Alkohol und Rettungswesen. Ztschr. f. Samarit. u. Rettungsw. X, 68. 
Mittchell, H. M., Alcoholism and its treatment among the insane. Therap. Gaz. 

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Möller, K., Ein deutsches Branntweinmonopol. Alkoholismus. I, 5, 6. 

Pappritz, A„ Wissenschaftlicher Kursus zum Studium des Alkoholismus. Soziale 
Praxis. XIII, 30. 

Pease, E, R., The case for municipal drink trade. 2 s 6 d. London. P. S. King 
& Son. 

Pfaff, Die Alkoholfrage vom ärztlichen Standpunkte. Württemb. Corresp.-Bl. 
LXXIV. 6. 

Pieck, Zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauches bei den Eisenbahnbediensteten. 
Aerztl. Sachverst.-Ztg. X, 4. 

Ploetz, A., Die Bedeutung des Alkohols für Leben und Entwicklung der Rasse. 

Arch. f. Rassen- u. Gesellschafts-Biologie. I, 2. 

Popert, M., Wir und das Alkoholkapital. Vortrag. (8 S.) Mk. 0,15. Flensburg. 
Deutschlands Großloge. II. 

Postoew, J. J., Ueber den Alkoholismus. Allg. med. Zentr.-Ztg. LXXIII, 8. 
Pütter, Trunksucht und städtische Steuern. Aus der Praxis einer größeren Provinzial¬ 
stadt. 2. verm. Aufl. (23 S.) Mk. 0,20. Halle. Buchh. der Stadtmission. 
Reille, P., Premier congrös national contre Tacoolisme. Annales d’Hyg. publ. 
4« S6rie. Tome I. 52 et 114. 


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318 E. Bibliographie. 

Reinhard, K. f Der sechste nordische Enthaltsamkeitskongreß in Kopenhagen. Die 
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Rüdin, E., Ueber die Dauer der psychischen Alkoholwirkung. Psychol. Arbeiten 
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*Schaeter, F., Die Aufgaben der Gesetzgebung hinsichtlich der Trunksüchtigen 
nebst einer Zusammenstellung bestehender und vorgeschlagener Gesetze des 
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Zwanglose Abhandlungen. Hrsg, von A. Finger, Hoche, J. Bresler. I. Bd. 
5.-7. Heft. Mk. 3,—. Halle. C. Marhold. 

*Schenk, P., Gebrauch und Mißbrauch des Alkohols in der Medizin. (32 S.J 
Mk. 0,50. Berlin. Mäßigkeits-Verlag. 

Scheven, K., Der Kampf gegen den Alkoholismus, eine soziale Aufgabe der Frau. 
Die Alkoholfrage. I, 3. 

Schlöss, H., Der Alkoholismus, seine Ursachen, sein Wesen und seine Behandlung. 
Wien. klin. Rundschau. XVIII, 10, 12, 13. 

Schwächten, E., Maßnahmen gegen den Alkoholmißbrauch des niederen Eisenbahn- 
Personals seitens der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft. Aerztliche 
Sachverst.-Ztg. X, 4. 

Souttar, R., Alkohol: its place and power in legislation. (272 p.) 3 s 6 d. London. 
Hodder & Stoughton. 

Stehr, A., Alkohol und wirtschaftliche Arbeit (XII, 235 S.) Mk. 4,80. Jena 
G. Fischer. 

Steiner-Stooß, H., Alkoholismus und Mortalität in den größeren städtischen Ge¬ 
meinden der Schweiz. Schweiz. Bl. f. Wirtsch. u. Sozialpol. XII. p. 685. 

Stubbe, Die höhere Schule und der Alkohol. Alkoholismus. N. F. II, 115. 

Terra, de, Abstinenz im Eisenbahndieust. Die Alkoholfrage. I. p. 67. 

Thorne, E., The heresy of teetotalism in the light of scripture, Science and legis¬ 
lation. Cheaper ed. 5 s. London. Simpkm. 

*Uebel, A., Die Alkoholfrage vom pädagogischen Standpunkte aus. (36 S.) Mk. 0,60. 
Leipzig. Dürrsche Buchh. 

* Wächter , G., Die Zahl der Gast- und Schank wirtschaften sowie der Kleinhand¬ 
lungen mit Branntwein in den einzelnen Verwaltungsbezirken Sachsens im 
Jahre 1903. Sonderabdruck aus der Zeitschrift des Königl. Sächsischen Sta¬ 
tistischen Bureaus. 49. Jahrg. 1 u. 2. 

Waldschmidt, J., Zur reichsgesetzlichen Regelung der Trinkerfürsorge. Alko¬ 
holismus. N. F. I, 12. 

Walter ; K., Der Most. Ein Beitrag zur Alkoholfrage mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der württembergischen Verhältnisse. [Aus: „Die Alkoholfrage a .j 
(18 S.) Mk. 0,30. Dresden. 0. V. Böhmert. 

Wegscheider-Ziegler, Wie bewahren wir Mütter unsere Kinder vor dem Alkohol¬ 
genuß? Die Alkoholfrage. I. p. 367. 

Weiß, G., Alkoholliteratur. Prag. med. Wochenschr. XXIX, 40. 

Westergaard, H., Was lehrt die Statistik in betreff des Einflusses der geistigen 
Getränke auf die Gesundheit? Die Alkoholfrage. I, 3. 

Zacher, Arbeiterversicherung und Alkoholmißbrauch. Arbeiterfreund. XLII, 1. 

— Arbeiterversicherung und Alkoholmißbrauch. Arbeiterversorgung. XXI, 20. 

*Ziehen, Th., Ueber den Einfluß des Alkohols auf das Nervensystem. Mk. 0,20. 
Berlin. Mäßigkeitsverlag. 

Alcohoüc beverages, 1903. Copy of memorandum and Statistical tables showing 
the prodnction and consumption of alcoholic beverages (wine, beer and spirits i 
in the various countries of Europe, in the United States and in the principal 
British Colonies; and the revenue derived therefrom in recent years. (83 p.) 
London. Eyre & Spottiswoode. 

Bericht über den neunten internationalen Kongreß gegen den Alkoholismus. 
Abgeh. in Bremen vom 14.—19. April 1903 unter dem Ehrenpräsidium Sr. 
Exz. des Staatsministers Staatssekretär des Innern Dr. v. Posadowsky-Wehner, 
Berlin und Sr. Magnifizenz dem Bürgermeister Dr. Pauli, Bremen. Im Auf¬ 
träge des Organisationskomitees hrsg. u. red. von Franzisk. Hähnel. (VII, 
536 S. mit 3 Taf.) Mk. 5,—. Jena. G. Fischer. 

Bericht über die 20. Jahresversammlung des deutschen Vereins gegen den Mi߬ 
brauch geistiger Getränke (e. V.) zu Berlin, abgehalten am 21. und 22. Ok¬ 
tober 1903. Anh. Bericht über die 4. Konferenz der Trinkerheilst&tten des 
deutschen Sprachgebiets. (108 S.) Mk. 0,50. Berlin. Mäßigkeit*-Verlag. 


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E. Bibliographie. 


319 


* Bibliographie der gesamten wissenschaftlichen Literatur über den Alkohol und 
den Alkoholismus. Red. und hrsg. von E. Abderhalden. (504 S.) Wien. Urban 
& Schwarzenberg. 

Bidrag tili Finlands ofüciella Statistik. XXVII. Alkoholstatistik. 1. Com¬ 
merce des boissons alcooliques et societSs de vente et de d6bit des alcools en 
Finlande 1898-1902. (VH, 143 S.) Helaingfors. 

Inebriates. Inspector of retreats. Report for 1903. 1 s 5 d. 

Inebriates . Scotland. First report of inspector for the period to december 31 »t 1903. 
9 d. London. 

Report on the Farmfield. Reformatory for female inebriates for 1903. Publication 
of the London County Council. 6 d. London. P. S. King & Son. 


6. Nerven- und Geisteskrankheiten. 1 ) 

Angelvin, La neurasthenie, mal social. Etudes sur la sodologie m^dicale. (128 p.) 
Fr. 2,—. 

Anton, G. t Ueber Nerven- und Geisteserkrankungen in der Zeit der Geschlechtsreife. 
Wien. klin. Wocheuschr. XVII, 44. 

— Behördliche Ueberwachung der Pflege der in den Irrenanstalten und außerhalb 

derselben untergebrachten Geisteskranken. D. österr. Sanitätsw. XVI. Beilage 
zu Nr. 27. 

Benedikt, M., Die Irrengesetzgebung und die Menschen mit anormaler Lebens¬ 
führung. D. österr. Sanitätsw. XVI. Beilage zu Nr. 27. 

— Die Irrenbehörden, D. österr. Sanitätsw. XVL Beilage zu Nr. 27. 

*Berkhan, O., Ueber den angeborenen und früh erworbenen Schwachsinn. Geistes¬ 
schwäche des bürgerlichen Gesetzbuches. Für Psychiater, Kreis- u. Schulärzte 
dargestellt. 2. durch Nachträge ergänzte Aufl. (VII, 98 S. m. Abbildungen.) 
Mk. 2,40. Braunschweig. F. Vieweg & Sohn. 

Bernhart, J., Die neuropathische Prädisposition. Münchn. med. Wochenschr. II, 46. 
Bett, J., Ueber Simulanten. Militärarzt. XXVIII, 7, 8. 

Blind, E., Morphinismus und Gesetzgebung. Polit.-Anthrop. Rev. III, 2. 
Boigey, M., La neurasthenie dans l’armee. Rev. neurol. XII, 20. 

Crothers, T. D., Pathology of inebriaty. Journ. of the Amer. med. Assoc. XLII, 5. 
Daiber-Winnenthal, Statistische Erhebungen über die forensischen Beziehungen 
der württembergischen Irrenanstalts-Pfleglinge im Jahre 1902. Jurist.-psych. 
Grenzfr. II, 1, 2. 

Edinger, L., Die Aufbrauchkrankheiten des Nervensystems. D. med. Wochenschr. 
XXX, 4ö, 49, 52. 

Ernst, L., Für die lebendig Begrabenen. Ein Apell an die Regierungen und an 
die Gesellschaft behufs Schaffung von Institutionen zum Schutze von Geistes¬ 
kranken. 2. Aufl. (41 S.) Mk. 2,—. Wien. 0. Gerold’s Sohn in Komm. 
Felkl, St., Zur Ausgestaltung der Irrenfürsorge in Mähren. Prag. med. Wochenschr. 
XXIX, 25, 26. 

Frenzei, F., Ist die Psychopathologie auch ein Gegenstand der Pädagogik? Mo- 
natsschr. f. Soziale Medizin. I, 11. 

Fuld, A., Die Fürsorge für Nervenkranke. Soziale Praxis. XIII, 22. 

Ganter, R., Untersuchungen auf Degenerationszeichen an 251 geisteskranken 
Männern. Arch. f. Psych. XXXVIII, 3. 

Gowers, W. R., On insanity and epilepsy in relation to life assurance. Lancet. 
Oct. 15. 

Grohmann, A., Ein soziales Sondergebilde auf psychopathischer Grundlage. Psych.- 
neurol. Wochenschr. VI, 23, 24. 

% Hackl, M., Das Anwachsen der Geisteskranken in Deutschland. (104 S. m. 4 Tab.) 
Mk. 3,—. München. Seitz & Schauer. 


*) Ueber Irrenanstalten und Nervenheilstätten vgl. den Abschnitt „Krankenhaus¬ 
und Heilstättenwesen“. 


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320 E. Bibliographie. 

Haddien, Vormundschaft oder Pflegschaft? Jurist-psych. Grenzfr. II t 1, 2. 

Helm, Geistesstörungen der Epileptiker. D. Mediz. Ztg. XXV, 71, 72. 
Hirschlaff, L., Zur Gesundheitspflege des Nervensystems. (16 S.) Mk. 0.20. 
Arbeiter-Gesundheitsbibliothek, herausg. unter Leitung von Zadek. 3. Heft. 
Berlin. Buchh. Vorwärts. 

Hoche, A., Ueber die Gefährlichkeit Geisteskranker. Med. Klin. I, 2. 

Hoegel, H., Die Behandlung der Minderwertigen. Monatsschr. f. Kriminalpsychol. 
und Strafrechtsreform. I, 6/7. 

Hoffmann, A., Berufswahl und Nervenleben. (26 S.) Mk. 0,80. Grenzfragen des 
Nerven- und Seelenlebens. Einzeldarstellungen fiir Gebildete aller Stände. 
Hrsg. v. L. Loewenfeld u. H. Kurella. Wiesbaden. J. F. Bergmann. 

Hoppe, H, Simulation und Geistesstörung. Vierteljahrsschr. für gerichtl. Medizin. 

xxvrn, 1. 

Hraäe, A., Efltlassung von Geisteskranken aus der Irrenanstaitspflege. D. österr. 
Sanitätsw. XVI. Beilage zu Nr. 27. 

Jones, R., The relation of inebriaty to insanity and its treatment. Lancet. 
Vol. CLXVII, 6. 

Jolly, F., Arzt und Geisteskranke. Zeitschr. f. ärztl. Fortbildg. I, 27. 

Kayser, P„ Unsere Fürsorge für die „Geisteskranken“. Vortrag. (24 S.) Mk. 0.40. 

Rodewisch. Untergöltsch. Selbstverlag. 

Kieler, F. J, Cretinism. Amer. Pract. a. News. XXXVIII, 417. 

Koller, A., Ueber die Rolle der Statistik in den Jahresberichten der Irrenanstalten. 
Allg. Ztschr. f. PBych. LXI, 5. 

Krafit-Ebing, v., Entmündigung der Geisteskranken. D. österr. Sanitätsw. XVI. 
Beilage zu Nr. 27. 

Krauß, R„ Das Berufsgeheimnis des Psychiaters. Monatsschr. f. Kriminalpsychol. 
und Strafrechtsreform. I, 3. 

Kühner, A., Epilepsie und verwandte Nervenkrankheiten, ihre Ursachen, Verhütung 
und Behandlung. (25 S.) Mk. 0,20. Möller’s Bibliothek für Gesundheitspflege 
und Volksaufklärung, Hauswirtschaft und Unterhaltg. 32. Heft. Oranienburg. 
W. Möller. 

Litten, F., Die Wirkung geistiger Störungen auf den rechtlichen Bestand der Ehe. 

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Mosher, J. M., The genesis of insanity. Alb. med. Ann. XXV, 11. 

Nawratzki, E., Die Verpflegung Geisteskranker in der Familie mit besonderer 
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Faktor maßgebend? Berl. klinische Wochenschr. XLI, 7. Therap. Mon&tsh. 
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Sküar, N., Ueber Gefängnispsychosen. Mon.-Schr. f. Psych. u. Neurol. XVI, 5. 
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Sachverst.-Ztg. X, 21. 

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Ziehen, Th., Die Entwicklungsstadien der Psychiatrie. Berl. klin. Wochenschr. 
XLI, 29. 

Berichte und Anträge, betreffend die Reform des Irrenwesens. [Aus: „Das 
österreichische Sanitätswesen“.] (87 S.) Mk. 1,60. Wien. A. Hölder. 
Berichte und Anträge, betreffend die Reform des Irren wesens. Das öster¬ 
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— Ireland. Report for 1903. 1 s 1 d. London. P. S. King & Son. 

Lunatic asylum, report, Punjab. 1903. 6 d. Publications of the Indian Govern¬ 
ment. London. P. S. King & Son. 

Lunatic asylum, report, Tezpur, Assam. 1903. 1 s 6 d. Publications of the 
Indian Government. London. P. S. King & Son. 


7. Massenpsychologie und Kurpfuscherei. 

Aichelburg-Labia, F., Verwaltungspolizeiliche Vorschriften. Eine Sammlg. der. 
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anstalten, Schüblinge (auszuweisende Fremde), Zigeunerunwesen, Naturalver- 
pflegnngsstationen, Paß- u. Meldewesen; nebst einem Anhang über das Straf¬ 
verfahren der Verwaltungsbehörden. (250 S.) Mk. 3,—. Linz a/D. J. Feich- 
tinger’s Erben. 

Alexander, C., Geschlechtskrankheiten und Kurpfuscherei. Vortrag. (26 S.) 
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Booth, The vagrant and the unemployable. 3 d. London. Salvation Army. 

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dieser neuen Heilmethode und ein Hinweis auf die Gefahren, welche der 
Menschheit von dieser neuen Geistesbewegung drohen. (147—166.) Mk. 0,60. 
Wichtige Zeit- und Lebensfragen. Hrsg. Vv J. Fährmann. 5. Heft. Leipzig. 
A. Franke. 

Flynt, J,., Auf der Fahrt mit Landstreichern. Aus dem Englischen Tramping with 
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Grün, H., Schaden und Nutzen der Naturheilbewegung für die Gesundheit des 
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Gumprecht, F., Die Kurpfuscherei in Sachsen-Weimar. Neuere Gesetzgebung 
und Rechtsprechung über Kurpfuscherei in Deutschland. Monatsschr. f. Soz. 
Medizin. I, 4, 5, 6. 

Ilberg, G., Soziale Psychiatrie. S.-A. aus Monatsschr. f. Soz. Medizin. 1. 

Kade, Kurpfuscherei und Geschlechtskrankheiten. Ztschr. f. Bekämpf, d. Geschlechts- 
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Kantor, Die strafgesetzlichen und verwaltungsrechtlichen Maßregeln in Oesterreich 
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Marcuse, J., Der badische Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Kurpfuschertums. 
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verst.-Ztg. X, 7. 

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Jahresbericht über Hygiene und Demographie. IV. Jahrgang. 21 


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Neustätter, O., Gesetzliche Maßnahmen gegen die Knrspfuscherei in Baden. 
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Pachinger, A. M., Der Aberglaube vor und bei der Geburt des Menschen. Münchn. 
med. Wochenschr. LI, 32. 

Pauli, H., Medizinische Wissenschaft und Naturheilmethode. Bl. f. Volksgesund- 
heitspfl. IV, 16. 

Paulsen, J., Ueber Kurpfuscherei bei der Geburt und ihre Verbreitung durch di* 
Naturheilkunde. Ztschr. f. Medizinalb. XVII, 10. 

Pfaffrath, Anzeigepflicht der Kurpfuscher. Ztschr. f. Medizinalb. XVII, 1. 

Siebert, F, Zur Psychologie der Kurpfuscherei. D. Praxis. XIII, 7, 8. 

Das Kurpfuschertum und seine Bekämpfung. 7 Vorträge, gehalten auf der 
1. Jahresversammlung der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung des Kur¬ 
pfuschertums. Hrsg. v. W. Back. (IV, 122 S.) Mk. 0,90. Straßburg i L 
W. Back. 


8. Kriminalpsychologie. 

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Cazanove, F. J. L., Les ferames dans la foule, leur responsabilite criminelle. The'?. 
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Cornette, A., Les criminels dans l’art et la literature. Rev. Univ. de Bruxelles 
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Cramer, A., Die strafrechtliche Behandlung der geistig Minderwertigen. i^Aus der 

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— Welche medizinischen Gesichtspunkte sprechen für die Einführung einer be¬ 

dingten Strafaussetzung und Begnadigung. Monatsschr. f. Kriminalpsyehol n 
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Daiber, Statistische Erhebungen über die forensischen Beziehungen der württem- 
bergischen Irrenanstaltspfleglinge. (110 S.) Mk. 2,40. Juristisch-psychiatrische 
Grenzfragen. Zwanglose Abhandl. Hrsg. v. A. Finger, Hoche, J. Bresler. 
II. Bd. 1. u. 2. Heft. Halle. C. Marhold. 

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Kriminalpsyehol. u. Strafrechtsreform. I, 3. 

Fischer, M., Schwangerschaft und Diebstahl. Allg. Ztschr. f. Psych. LXI, 3. 
Flügge, Einiges aus der Abteilung für irre Verbrecher in Düren. Monatsschr. f. 

Kriminalpsyehol. u. Strafrechtsreform. I, 6/7. 

Freund, W. A., Meine Erfahrungen als Sachverständiger im Strafprozeß und die 
darauf gegründeten Vorschläge zu Veränderungen der bisher geltenden Strat- 
prozeßordnung. Berl. klin. Wochenschr. XLI, 12. 

Friedlaender, B., Bemerkungen zum Artikel Rüdin’s über die HomosexuelleD 
Arch. f. Rassen- u. Gesellschafts-Biologie. I, 2. 


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im 


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psychiatrische Grenzfragen. Zwanglose Abhandl. Hrsg. v. A. Finger, Hoche, 
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C. Marhold. 

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f. Nationalökon. u. Statistik. III. Fol^e. XXVIII, 6. 

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Hoche, A., Zur Zeugnisfähigkeit geistig abnormer Personen. (27 S.) Mk. 0.80. 
Halle a. S. Carl Marhold. 

Joly, H., L’enfance coupable. Fr. 2,—. Paris. Lecoffre. 

— A propos de la criminalitö de la Normandie. Reforme Sociale. V. Ser. Tome VIII. 

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Keraval, P„ Le traitement du criminel. Progres med. XX, 49. 

Kitzinger, F, Die internationale kriminalistische Vereinigung. Betrachtungen 
über ihr Wesen und ihre bisherige Wirksamkeit. (III, 164 S.) Mk. 3,50. 
München. V. H. Beck. 

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Korell, K, Pädagogische Irrwege oder Sadismus? 3. Aufl. (92 S.) Mk. 1.50. 
Berlin. H. Bermühler. 

Kornfeld, H., Ueberschreitung des Züchtigungsrechts. Zum § 223 B.G.B. Fried- 
reich’s Bl. f. gerichti. Medizin. LV. p. 178. 

Kraepelin, E., Der Unterricht in der forensischen Psychiatrie. Monatsschr. f. 
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u. Strafrechtsreform. I, 8. 

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Rev. II, 10. 

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Leppmann, F„ Begriff, Bedeutung und Wirkung geistiger Minderwertigkeit bei 
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21 * 


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324 


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Ein Beitrag zur Landeskunde auf statist. Grundlage. (HI, 195 S.) Mk. 5,—. 
Der Gerichtssaal. Hrsg, von F. Oetker und A. Finger. 54. Bd. Beilageheft. 
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Raschke, M. t Die strafrechtliche Behandlung der Kinder und Jugendlichen. (21 S.j 
Mk. 0,30. Berlin. Verl. d. Frauen-Rundschau. 

— Die strafrechtliche Behandlung der vermindert Zurechnungsfähigen. (35 S.) 

Mk. 0,30. Berlin. Verl. d. Frauen-Rundschau. 

— Die strafrechtliche Behandlung der Kinder und Jugendlichen. Jugendfürs. V, 5. 
Rohden, G . v., Von den sozialen Motiven des Verbrechens. Zeitschrift für Sozial¬ 
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mystiques, guerriers, criminels, etc. Traduit de Fitalien par Cundari. Preface 
de H. Morseille. Fr. 4,—. Paris. Michalon. 

Russalkow, W., Grausamkeit und Verbrechen im sexuellen Leben. Historisch¬ 
psychologische Studien. 5. Aufl. (64 S.) Mk. 2,—. Leipzig. A. F. Schlöffe! 
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Schnitze, E., Wichtige Entscheidungen auf dem Gebiete der gerichtlichen Psy¬ 
chiatrie. 3. Folge. Aus der Literatur des Jahres 1903 zusammengestellt 
(63 S.) Mk. 1,—. Halle. C. Marhold, 

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London. Adland. 

Triiper, J„ Psychopathische Minderwertigkeiten als Ursache zu Gesetzesverletzungen 
Jugendlicher. (V, 57 S.) Mk. 1,—. Beiträge zur Kinderforschung mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung pädagogischer Zwecke. Beihefte zur „Zeitschrift 
für Kinderforschung“. Hrsg. v. J. L. A. Koch, J. Trüper u. C. Ufer. 8. Heft 
Langensalza. H. Beyer & Söhne. 

Türkei, S ., Die kriminellen Geisteskranken. Wien. med. Wochensclir. LTV, 35. 
36, 37, 38, 39, 40, 41, 42. 

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Strafrechtsreform in Oesterreich. (1850—1904.) (64 S.) Mk. 1,50. Wien. 

Moritz Perles. 

Tuke, J. B., and Howden, Ch. R. A., The relations of the insanities to criminal 
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Venus, Kinderprügeln und Sexualtrieb. Eine ernste Ermahnung und Aufklärung 
für alle Eltern, Lehrer und Erzieher. (26 S.) Mk. 1.—. Leipzig. W. Röhmann. 
Wagner von Jauregg und Benedikt, M„ Behandlung krimineller Geistes¬ 
kranker. D. österr. Sanitätsw. XYI. Beilage zu Nr. 27. 

Zucker, Einige Bemerkungen über die Bestrafung der Sittlichkeitsverbrechen. 

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Compte General de TAdministration de la Justice Criminelle pendant Tannee 1902. 

France, Algerie, Tuniae. LII, 172 p. Paris. Imprimerie nationale. 
Crimineele Statistiek over het jaar 1902. (LXVI, 509 blz.) Bijdragen tot de 
Statistiek van Nederland. Nieuwe volgreeks XLY. s’Gravenhage. Gebr. 
Belinfante. 

Die Kriminalstatistik für das deutsche Heer und die kaiserliche Marine. Viertel- 
iahrsh. z. Statistik des deutschen Reiches. Hrsg, vom kaiserl. Statist. Amt. 
XIII, 2. 

Kriminalstatistik für das Jahr 1902. Tabellen werk. Ref. G. Seibt. (II, 12 u. 
411 S.) Mk. 10,—. Statistik des deutschen Reiches. Hrsg. v. kaiserl. Statist. 
Amt. Neue Folge. 155. Bd. Berlin. Puttkammer & Mühlbrecht. 
Kriminalstatistik für das Jahr 1901. Bearb. im Reichsjustizamt und im kaiserl. 
Statist. Amt. Ref. G. Seibt. (II, 128, 77 u. 839 S. m. 5 färb. Taf.) Mk. 10,—. 
Statistik des deutschen Reiches. Hrsg. v. kaiserl. Statist. Amt, Neue Folge. 
146. Bd. Berlin. Puttkammer & Miimbrecht. 

Zur Kriminalstatistik Vorläufige Mitteilung für 1903. Die in den Jahren 
1898—1903 von deutschen Gerichten — abgesehen von den Militärgerichten — 
wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze Verurteilten. Ref. 
G. Seibt. Vierteljahrsschr. zur Statistik des deutschen Reiches. Hrsg, vom 
kaiserl. Statist. Amt. XIII, 4. 

Versuch einer Darstellung der kriminellen Eigenschaften der Stadtbevölkerung 
von Görlitz in den Jahren 1899, 1900 und 1901. (4 S. Text u. 2 graph. Taf.) 
Görlitz 1903. 


9. Krebs. 

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Aschoff, L„ Notizen über den gegenwärtigen Stand der Krebsforschung in London 
und Paris. Ztschr. f. Krebsforschg. I. p. 112 f. 

Bell, R„ The cancer problem in a nutshell. 1 s. London. Bailliere, Tindall & Co- 

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de l’Assoc. Internat, des Medecins-Experts. III, 1. 

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*Frief, F., Die in den Jahren 1876—1900 in Breslau vorgekommenen Todesfälle an 
Krebs, mit besonderer Berücksichtigung örtlicher Einflüsse auf diese Krankheit. 
[Aus dem hygien. Institut zu Breslau.! [Aus: „Klin. Jahrb.“.] (68 S.) Mk. 2,40. 
Jena. G. Fischer. 

Hoeber, W. R., Neubildung und Boden. Untersucht an den Sterbefällen der Stadt 
Augsburg. Ztschr. f. Krebsforschg. I. p. 173f. 

Kolb, K, Der Einfluß von Boden und Haus auf die Häufigkeit des Krebses nach 
Detail-Untersuchungen in Bayern. Mit 9 Kartenskizzen. (III, 146 S.) Mk. 4,—. 
München. J. F. Lehmann’s Verl. 

Leyden, H., Bericht über die am 1. September 1902 in Spanien veranstaltete Krebs¬ 
sammelforschung. Ztschr. f. Krebsforschg. I. p. 41 f. 

Lindemann, B., Ueber Krebsstatistik auf Helgoland. Ztschr. f. Krebsforschg. I. 
p. 225 f. 

Manuilow, A., Die Mortalität infolge von Krebsleiden in den Petersburger städti¬ 
schen Hospitälern für die Jahre 1890—1900. Ztschr. f. Hyg. u. Infektions- 
krankh.* XLVI, 73. 

Olivet, W., Ueber Krebsstatistik. Ztschr. f. Medizinalb. XVII, 19. 

*Prinzing, F., Der Krebs in Oesterreich. Zentralbl. f. allgem. GesundheitsptL 

xxm, 209. 


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326 


E. Bibliographie. 


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Rahts, Uebersicht über wissenschaftliche Arbeiten, betr. Krebsleiden, welche seit 
Anfang Oktober 1902 im Laufe des Jahres 19Ö3 — bis Ende September — im 
Buchhandel erschienen oder in Fachzeitschriften veröffentlicht sind. Ztschr. f. 
Krebsforschg. I. p. 87. 167, 288, 395. 

Schüller, M., Gibt es eine Prädisposition für Krebs und worin besteht sie? Arch. 

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Mk. 2,—. Magdeburg. Faberache Buchdr. 

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Mk. 0,30. Dessau. C. Dünnhaupt. 


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Mk. 0,15. Sozialer Fortschritt. Hefte u. Flugschriften f. Volkswirtschaft u. 
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Leipzig. W. Engelmann. 

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komitee für das ärztliche Fortbildungswesen in Preußen veranstalteten Zyklus 
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Jena. G. Fischer. 

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Veuclin, VE., Les Alles de la charite de Saint-Vincent-de Paul ä Thibouville 
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Sanitätsw. XVI. Beilage zu Nr. 27. 

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Fischer, M., Die Benennung der Krankenhäuser für Geisteskranke. PsychoL- 
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Foß, Fehler der Flachlandheilstätten und deren mögliche Verhütung. Ztschr. f 
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Fränkel, B„ Die Kinderheilstätte des Berlin-Brandenburger Heilstättenvereins in 
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Fuchs, W., Die badische Volksnervenheilstätte. Psych.-neurol. Wochenschr. VI, 34. 

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mit 24 Abbildungen im Text. (478 S.) Mk. 12,—. Jena. G. Fischer. 
Georges, P., Hospitalisation des tuberculeux. Le röle de THöpital dans la lütte 
antituberculeuse. Fr. 3,—. Paris. G. Naud. 

Groß, Die Frauenkolonie der königlichen Heilanstalt Schussenried. Württemb. 
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Guinard, L., Hospitalisation et isoleinent des tuberculeux. La Lutte Antituberc. 
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f. Kriminalpsychol. u. Strafrechtsreform. I, 5. 


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E. Bibliographie. 


331 


Hinsch, Wie hat Lippspringe sich bei den lungenkranken Pfleglingen des Rekon- 
valeszentenvereins Elberfeld bewährt und wie sind heute seine hygienischen 
Verhältnisse? Zeitschr. f. Tuberk. u. Heilstättenw. V, 4. 

Hochhaus